* F S JSZ 5 „ J. ' A, i T — MMwoch den V». T>t*t\ubeT MM ü\ Die Rächer. Womatt von Herm a n-n Wag ner. (Fortsetzung.) In Meran wurde er von Prokop erwartet, der für ifyrt im Hotel zwei Zimmer belegt hatte. Reisner zog sich um und erschien im Abendanzug üu Saal In der Tür prallte er mit einem alten Herrn zusammen, der, als er ihn sah, einen leisen Pfiff von sich gab. nach seiner Hand haschte und diese schüttelte: „Alle Wetter, Sie! Wissen Sie, daß ich schon seit Wochen an Sie beizte und immer die nebelhafte Hoffnung hege, Sie irgendwo zu treffen? . . . Kommen Sie! Kommen Sie mit! Gehen wir in den Garten, wo wir einen Winkel finden werden, in dem wir uns ungestört unterhalten können!" Reisner starrte auf den Alten wie auf eine Erscheirmng. Es war der Justizrat Doktor Eberhard Lorm aus Hamburg, der seit Anfang dieses Jahres die Praxis niedergelegt hatte und der nun, wie er erzählte, auch hier in der Nähe von Meran ein Haus suchte, das recht abgelegen und anderen Menschen möglichst unzugänglich war. Freilich, es war ihm bisher nicht gelungen, ein solches Haus zu finden. Sie fanden eine stille Ecke, und während ReiSner sein Abendbrot verzehrte, sog der Alte an seiner Zigarre und stellte immer neue Fragen, die Reisner, der seine Fassung wiedergcwonnen hatte, nur soweit beantwortete, als er es für angebracht hielt. Dock) der Alte schien über alles, was Reisner betraf, vortrefflich unterrichtet zu sein, denn er gab mit einem boshaften Kichern seiner Zufriedenheit darüber Ausdruck, daß es Reisner so gut verstanden habe, aus den Lehren, die er, der Justizrat, ihm vor einem Jahr gegeben habe, praktischen Ruhen zu ziehen. „Oder leugnen Sie es, daß ich- es gewesen bin, der Sie auf die Bahn gewiesen hat, die Sie jetzt so erfolgreich beschreiten?" fragte er. Dock) Reisner blieb einsilbig, denn die unerwartete Begegnung hatte alles das wieder in ihm aufgeweckt, das für einige Wochen zu vergessen er hierher gekommen war. Allein der Alte gab ihn nicht frei. Er grub mit Behagen in der Vergangenheit des andern herum und förderte immer neue Einzelheiten zutage, die er sorglich ausbreitete, von denen er besondere Kraßheiten gleichsam aufspießte, um sie mit einem faunischen Grinsen Reisner hinzuhalten, der nur schwer jenen kühlen Ton fand, der den Alter: abwehren sollte. „Ich) kenne jetzt auch Ihren Freund," sagte der Alte, „jerzssn, von dem Sie mir damals sagten, daß er Ihr einziger sei/. . . und ich kenne auch dessen . . . Ofott, wie soll ich sie nennen? . . . also, ich kenne auch dessen — Freundin s." Reisner verfärbte sich und war unter einem maßlos gespannt. „Wie?" fragte er. „Ack), Sie sind neugierig?" höhnte der Alte. „Run, warum soll ich es Ihnen nicht sagen? Hören Sie! Jene, . . \ Jette Fremtdin Ihres Freundes. . . war sogar — hier!" „Hier —?!" „Hier! Vor drei Tagen ttoch, ja, . . nachdem sie zwei Jahre lang vom Erdboden wie verschlungen war, . . . hier in Meran, drüben in der Pension Paulich, ... in Gesell^ schüft eines Mannes, der . . . hehe! ... es nicht vergeblich zu versuchen schien, sie zu trösten!" „Was behaupten Sie da?" fragte Reisner mit erstickter Stimme. „Rur, ivas ich gesehen habe, mein Guter, nicht mehr. Ein junger Mann war um sie, einer, der recht nett war in einem Äeußeren, das muß man chm lassen. Ich kenne sogar einen Namen, „von Weoenau" stellte er sich vor, immer ächelnd, denn «er war ein liebenswürdiger junger Mann, der wußte, daß es ihm aut stand, tvenn er lächelte... Im übrigen halte ich ihn für sehr harmlos und mute ihm sogar ehrliche Absichten zu. Er war sterblich in sie verlrebt, das konnte jeder sehen, der es sehet: wollte." „Und sie?" „Me? Gott, tvaS wollte sie tun? Sie sah nicht so auS, als ob sie böse darüber wäre, daß er sie liebte. . Sie ist auch adaeretst mit ihm.. „Mit ihm?" „Nicht direkt m i t ihm, nein... aber doch in seiner Gesellschaft... oder, richtiger: sie benutzten beide denselben Zug." „Wohin sind sie gereist ?" fragte Reisner tonlos. Der Alte betrachtete ihn mtt sichtlicher Genugtuung. „Das Ziel ihrer Reise kenne ich natürlich nicht," saate er und blinzelte listig, „aber Sie werdet! eö wohl leicht erfahren können, wem: Sie sich drüben erkundigen, wo sie gewohnt haben . . . Wollen Sie es denn erfahren?" „Ja/' antwortete Reisner- finster'. „Wozu?" „Weil ich ihnen nachreisen tverde." „Ah! Sie wollen ihre Bekanntschaft machen?" „Ja." Der Alte hob sein Glas, besah prüfend den roten Wein und nahm vorsichtig einen Schluck. „Ich kann eS mir denken, weshalb Sie das wollen," sagte er ln plötzlich verändertem Don. „Wenn eS einen Zweck hätte, würde ich Ihnen das ausreden. Ja, dringend würde rch Ihnen roten, Ihre Finger von der Sache zu lassen! Aber es hat keinen Zweck, denn! Sie werden doch tun, was Sie wollen... Und trotzdem sage ich Ihnen: .Hüten Sie sich, sich in diese Angelegenheit m mischen! Dun Sie eS, dann werden Sie es fern, der dt« Folgen zu tragen hat, Die allein!" „Sie verstehen das nicht," sagte Reisner frostig, „Sie verstehen von alledem nicht das geringste!" „Meinen Sie?" Der Alte war nicht tm mindesten bt leidigt und zwinkerte belustigt mit den Augen. „Mein«: Sie wirklich? Habe ich vielleicht damals auch Sie nicht verstanden, als Sre haltlos und schwäch.'ich aus dem Gefängnis zu mir karnen? Und war ich es nicht, der Sie damals vlieS? Oder wer war eS, der Ihnen damals die Kraft ein- Mied, bau her Vtc jetzt (eben unb bie IYne-n baü> «nrsgehen totrd, tvenn Sie mir nicht fotzen?" „Schweigen Die!" schrie Reisner ihn wütend an. Der Alte kicherte. „Wir wollen abwarten. Denn Ulm Warten habe ich viel Zeit, und ich habe es »u warten. Nick» a::ch äas Zuschauen habe ich gelenrt, ja, daraus verstehe ich mich wie kein zwetter! Wenn ich auch scheinoar immer fern von Ihnen weilen werde, so werde :ch in Wirklichkeit dock) immer in Ihrer Nähe sein. Und im lnerde Ihnen über die Achsel blicken mrd mich dessen, was Sie tun werden, freuen! . . . Denn wer sind Sie? Mein Rächer sind Die! Hehe!" „Sie sind ein Narr!" fauchte Reisner ihn an, rnoem er gleickMitig den KeLlner herbeirief, um zu zahlen. „Ja, ein Narr, der aichere zu Narren macht, und der diese Narren daun auf die Menschheit losläßt, die auch nichts anderes ist als ein einziger großer Narr!" Reisner würdigte ihn keines tu eiteren Blickes mrd begab sich auf sein Zimmer. Er schickte Prokop sofort in die Pension Paulich hinüber, damit er dorr erfrage, ivohtn Frau Lncie Blttmner und der .Herr in ihrer Gesellschaft abgereist seien. Nach kaum zehn Minuten hatte er die Botschaft: die Herrschaften seien mit der Bahn über den Bremver nach Toblach gesalxren. „Packe sofort?" sagte Reisner daraus zn Prokop. „Wrr reisen morgen früh wieder ab!" Er verbrachte eine schlaflose Nacht- Ihm war, als habe die Vergangenheit, die er fliehen ivollte, sich gerade diese Wochen ausgesucht, nur ihn zn überfallen. Und auch eine dunkle Zukunft lockte ihn seltsam, iu der er, wie er meinte, dazu ausersehen war, handelnd sÜr einen einzugreisen, der noch im Gefängnis schmachtete, — noch zehn qualvolle Jahre! Ein düsterer Ingrimm packte ihn. H 12. Kapitel. Es tvar Abend geworden, als Reisner in Toblach an- fam. Er stieg im Südbahrchotel ab und erkundigte sich beim Portier, ob Frau Lucic Blüinner und Herr von Weben au iykx abgestiegen seien. Der Portier verneinte, ztvei Herrschaften dieses Namens seien Ur seinen! Hause nicht abgestiegen. Reisner beschrieb ihm das Aussehen der Gesilchten, denn, es schien ihm unwahrscheinlich, daß sie ein anderes Hotel gewählt habe:: sollten. Ta er sic selber nicht kannte, konnte er nur jene KermLeichen anführen, die er von dem Alten in Meran erfahren hatte. Jetzt erumcrte sich, der Mann, daß ztvei, cmf die die Be> schreibwlg ungefähr paßte, doch hier gewesen waren: eine Dame und ein Herr, im Fremdenbuch emgetragen als ,Fred von Helbig mit Schivester'. Es loar Reisner peinlich, daß er, als er das vernahm, rot wurde, aber er konnte es nicht verhindern. „Aohnteü die zwei," fragte er, „ge —' — ?" „Getrennt," antwortete der Portier schnell :md verständnisvoll, „jawohl." Reisner biß sich aus die Lichen. „Und sie sind beide schon wieder fort'?" „Abgereist, Herr Baron, heute morgen." „Wohin?" Der Portier grinste unverschämt und zuckte mit den Schultern. „Wrr pflegen die Herrschaften nnht zu fragen," sagte er und wurde erst geschmeidig, als U>m Reisner ein erhebliches Trinkgeld in die Hand drückte. Dock) Prokop zeigte sich airch in diesenr Falle als der Laae geumchsen. Dmch geschicktes Fragen bei den Beamten ^lang es ihm, zu erfahren, daß das Paar enr Billett erster Klasse zn dem Schnellzug nach Spittal an der Drau gelost hatte und mit diesen: Zuge auch tatsächlich abgefahren tvar. ' ; ' ging kein Zug mehr in der gleicher: Richtung, Ur:d Reisner mußte iii Toblach übernachten. Am nächsten Mor- 6en,benrrtzte er den erster: Zug der Pustertalbahn. Gegen zwei Uhr traf er rn Spittal ein. ^L^brfahven, ob die zwei hier wären, schickte er Pro- J“ Sf beide« Hotels, die allein in Betracht Fa» Doch sein Diener rnhtete diesmal rrichts aus. Nieimnch ymifite ctiuaä tum bem Ihre Spur verlor sich oE der» zu dieser Zeit schon verkehrsreichen Bahnhof Spittal. Glücklicherweise kam Reisner diesmal der Zufall zu Hilfe. Ms er sich nämlich, durch die langen nutzlosen Nach>- forschnngen unwirsch und n:üde geworden, vmn Bahnhof in das Städtchen znriickbe geben wollte, uindrängten ihn vor den: Portal' Fiakerkutscher, die ihn: ihre Wagen zur Fahrt nach dem nahen Sommerknrort Millstatt am See an- boten. Im gleickMi: Augenblick fiel es ihn: ein, daß die zwei von einen: gleiche!: Angebot Gebrauch gemacht habe:: und! cm den Millstätter See gefahren sein kormtcn. Seiire Bermittung erwies sich als richttg. Ein Fuhrmann, der lauteste, bestätigte ihm, daß er gestern eine Deine rmd eine:: Herrn, ans die Rcisners Beschreibung paßte, nach Millstatt gesahren habe, mtd zioar in den .Srehos', wo. die beiden Wohnung genonunen ltzitten. „Gut, fahren Sie in ich in de:: ,'Seehost," sagte Reisner, iitbem er Prokop gleichzeitig anwies, mit oen: Gepäck nachzukonnnen. Der Kutscher knallte mit der Peitsche und sichr los. Der Waget: ließ die kleine Stadt rechts liegen, fuhr eine Anleihe hinab und bog sodmrn rr: eine breite Fahrstraße ein, die, rechts und links von bewaldeten Höhen eingefaßt, einen wild schäumende:: grillten Bach entlang führte, die Lieser. Die Lieser schäuutte und brauste und ivarf stellenweise einen weißen Gischt empor, der Nachmittag aber war voll majestätischer Ruhe .Die Sonne bohrte sich in den grellen Straßenstaub ein, die braunen Felswände links der Straße dagegen troffen vor Nässe. Der Himmel war von einem blassen Blau, auf dein flüchtige Wölkchen dünn träumten. Uebcr die Licser hin schossen Schwalben. Nach halbstündiger Fahrt verließ der Wagen die Straße und fuhr über eine Holzbrücke nach rechts. Die ersten Häuser eines Dorfes tauchten auf, weiter hinten der schmale Turm einer Kirche. „Seeboden," sagte der Kutscher, „und dort drtl den ist der See!" Die Straße verließ das Dorf, wurde schmäl und holprig :md sckstängclte sich nun das Secufcr entlang. Das Wasser des Seks war zart gewellr uick) schimmerte ii: einen» opalisierenden Grün. Auch an» jenseitigen Ufer sah man einen schmalen Weg. Das weiße Segel eines Bootes hob sich ruhig über das Wasser, von einem linden Wind sanft gebläht. Sonst war kein Leben wahrzunehmen. Die Millstätter Saison hatte noch nicht begonnen. Und plötzlich lag vor Reisners Augen das kleine Millstatt. Die roten Zwiebeltürme feiircr uralten Klosterkirche drückten ihm den Eharalter auf. Tie Häuser waren an das Seeuser angepappt, krochen dann mühsam links die Hänge hinauf und äugten, glücklich oben angelangt, voll Zufriedenheit durch das Laub alter Bäume in das Tal hinab. Der Kutscher hieb kräftiger in die Pferde ein und hielt dann, die Tiere mit einer bravourösen Bewegung zurückreißend. vor einem in uwdernem Stil erbauten Gebäude jäh an. „Gnädiger Herr, der Seehos!" sagte er. Währeird Reisner den Kutscher eutlohuLe, wackelte ein schläfriger Hausdiener die brntc Freitreppe herab, um überrascht nachzusehen, wer kam. Mai: sab es den: Hotel an, daß es rwch unbesetzt war. An nahezu allen Fenster:: waren die grünen Rolläden herab- gelassen. Reisner hielt es diesmal nicht für angebracht, sich sogleich nach denen, die er verfolgte, zn erkundigen. In der Halle wurde er von einen: jungen Stubennrädchen und dem W:rl empfangen. Er bestellte für sich und seinen Diener drei Znnmer. Der Wirt geleitete ihn selbst hinauf, war sehr ge- M)me:d:g und wies ihln einen Salon mit angrenzendem Schlasgemach an. Es sei das Beste, was er habe. Die Zimmer waren in der Tat prächtig. Der Salon hatte nach der Seeseite eine:: Balkon, der sehr geräumig und u:u Efeu und Blume,: gcichmückt war. Der See lag schlank und geschmerdig in seinen: Bett, und seine Farbe schien mit emen: Mate tiefblau. In der Ferne stiegen kahl und schroff d,e Felsen des Karawanker: auf, deren Schnee einen leis violetten Ton hatten. " ^ ^ Reisner ging in den Garten hinunter, und ein junger Kr! ln er deckte :hn: den Tisch. Die Speiseukarte loies nur wenige Gerichte auf. .. ^ baben um diese Zeit iluch keine Gäste," entschnk- d:gte sich der Kelliler. „Das Hotel wird offiziell erst am ersten Inn: geössrrct." L-LLL. JtlMäte , „YZar keine Güste?" fragt« Reisner enttüuseh«. " „Doch, -tvei." „SSen?" „Eme Dame unb ditttt Herrn. Sie ivohneii im rechten Flügel." „Ein Ehepaars fragte Reisner. „Rem," antwortete harmlos der Kellner, der den Sinn der Frage nicht verstand, „die Dame ist aus Hamburg und der Herr ist aus Wien." ES war unschwer zu erkennen, daß er gern noch mehr geschwätzt hätte, dock) Reisner winkte ab, da er sein Interesse an den beiden nicht vorzeitig verraten wollte. Es war ihm genug, daß er noch erfuhr, drc Herrschasten hätten einen ge ineinsamen Ausflug auf eine nahe Alm hinauf gemacht. Er verzehrte, was ihn: der Kellner brachte, und schleuderte sodann planlos durch das Städtchen, ging an den See hinunter, warf sich auf eine Bank und starrte über das Wasser hin, dessen Wellen unruhig das User anliefen. Seine Gedanken, plötzlich zur Ruhe gekommen, waren seltsam schwer und düster. Sic richteten sich auf einen einzigen Punkt, der vor seinen Augen dichter, breiter und dunkler wurde, bis er sich schließlich zu einer finsteren Wolke zip- sammenballte, die droherrd den sonnigen Himmel verdeckte. Behrens. . . Reisner verspürte einen eisigen Schauer. Jener Mann saß nun tut Gefängnis und wartete, legte einen Tag zum anderen, fügte die Tage zu Wochen, die Wochen zu Monaten und die Monate zu Jahren und mußte doch ttoch zehn Jahre warten, bis der Tag anbrach, an dem sich seine Wünsä-e erfüllten . . . Ein heftiges Grauen packte Reisner, das ihn schüttelte und würgte, mit solcher Wucht, daß er sich die Augen reiben mußte, um wach zu werden, um wahrznnchmen, daß er in sonniger, milder Gegend, in schrankenloser Freiheit war. Gut, anch die zehn Jahre würden vergehen, — einmal, ja, würden sie um sein, und eines Tages, gewiß, würden sich jenem Mann die Tore des Gefängnisses offnen . . . Aber würde dann der, der die Kraft gehabt lxrttc, so lange zu warten, nicht ein alter Mann sein, verbraucht, müde inib innerlich zerbrochen? Reisuer stöhnte laut auf, denn er spürte in dem, !vas er selbst erlebt harre, einen Teil dessen, was, nur schauriger und trostloser, fetter andere erdttldele. Und eine blttt.de Wut, ein tödlicher Haß fticacit in ihm aus gegen die, die es vergessen hatte, wer um sie litt, und cs schien ihm mit einem Male, daß er ein Recht hätte, sie, wenn sie nur aufmuckte, zu erschlagen. Wie dum nt war jener Alte in Meran, der da glaubte, er, Reisner, sei nur sein Werkzeug! Was wußte dieser Schwachkopf davon, lote stark der Haß tn einem Menschen werdet: konnte, dent matt durch Jahre die Fesseln knirschender Ohnmacht angelegt hattet (Fortsetzung jolgt.) valtische Jnselweihnacht. Bon He dda v. Schm i d. (Nachdritck verboten.) Bort .Insel zu Insel, vom Rigaischm bis zum Finnischen Meerbusen schreitet der Frost. Schneeuncheu hüllen die Inselwelt just um die Mihnackstszeit in eine stille, iveiße Lldgrschlosscn-- hrit, märchmgleich, inib trennen sie uhu Festlande. Doch gerade zum Christfest darf der Berühr über das Ers nickst stocken, tmd so gilt es beizeiten Brückeit zu Magen. Wiilmachksbrückett. So nrancher tmter den Insclbeivohnetm tvill ttock; flugs hinüber nach Riga, nach Reval oder itach Pcrnan, nach Hasval, kiu zum Fest einzuimlfcn. Tie Städter wieder habett die Tage bis zum Weihst a äst s fest gezählt, unr den Mauern zu entfliehen, mit die Ferien inmitten der großen, schjöncn freien .Ju,elnutnr zu verbringen. den leichten, filmischen Einspänncrsä litten, die mit kleinen, flinken Trabern von den Inseln Ocscl und Mvon besannt sind, fährt man pfeilgeschwind über das blinkende Eis der -Ostsee. Tie Mehrzahl der Leute aus dent Festlande ahttt ja überhaupt nickst, was' solch eine InselWeihnacht, ob sie nun im Schloß oder m der Fischer- Hütte gefeiert toird, Schönes intb Besonderes bietet. Temt gerader im Winter, lvemt das N^eer^ ran scheu sich in die Tannenn'älder geflüchtet hat, und die Wiirtersdille aus locichen Sohlen schreitet, wirkt die weite ersnntschossene Einsantkeit mit seltsam märchenhaftem Reiz. In den Festtagen toird sie zu besonderer Weihe er> hoben, wenn >Lonnenglitzern, über dm weißen Feldern blinkt. Ter Inselbauer liebt seine Feiertage und hält sie hoch, tvie er es von alters her gewölsttt ist. In den Dörfern herrschen zum Teck noch die alten, ans der schvadischen Zeit stammenLen Bräuche. Lchon vom 9tovetnber cm beginnen auf den Inseln die vortveih- tftt das ^rriW \«tbcc geüan.. «m 307 R»l»r den Voten Rosem mrf Hullo mischen. vüchertijch. — Ans Friedbergs KriegSzeit 1914—1917. Drei heitere dvamatische Bilder von Will) -e l m Philipps. 4 Vs $> 0 * gen — 1.50 Mark. Verlag von Carl Bindernagel in Friedberg. — Wie vor einiger Zeit der alte Struwivelpeter die Kinder als Kriegs strunnvelpeter" begrüßte, so begrüßt hier die Alten ein ,Frw.nSdatteriä)", als Tatterich Friedberger Geblüts. In gutem Tealekt werden hier alle Fragen der Zeit, soweit sie ein Bürger-, herz berühren, verhandelt. Man mzrß dem Verfasser dankend an-, erkennen, daß er sich nicht zu jenem billigen, erzwungenen „Humor" der Witzblätter, der mit wahrem Humor kaum den Namen gemein* tarn hat, verleiten ließ. Tie Gefahr lag amdj sür ihn nicht nvb. Man merkt es diesen ins Schvarze treffenden Bemerkungen und btotligen Einfällen au, dah sie arls einem reichen Strom humoristischer Begabung geschöpft sind. Tie Gestalten sind fast durchweg Plastisch mrd lebenskräftig herausgearbeitet. — Tic Eroberung der Insel Oesel hat sich Vizeadmiral Kirchhofs in den soeben erschienenen Heften 156/158 von Dongs Illustrierter KAegsgeschichte „Ter Krieg 1914/17 in Wort und (TeutÄ-es Berlagshaus Bona & Eo., Berlin W 57, wöchentlich ein Lest zmn Preise von 35 Pfennig) zum Thema gewühlt. Tiefer wohlunterrichtete und fachkundige hohe Marrnsoffrzrev gibt uns yier in anschaulicher Werse eure glänzende Tarstellung des schwierigerr. von unserer Flotte und dem Landheer außer- ordentlich geschickt rmd glücklich durchgefühcten kriegerischerr Unternehmens. Ein paar trefflich gewählte Bilder und eine gute Karte sind gewiß hochwillkommene Beigaben. Die Hefte enthalten ferner die vorzüglich illustrierten Artikel: „Die Bedeutung des Maschinengewehres für den Weltkriegs, „Die Ab)vehrs.cl)ilachrt", „Die Bersen- bmg in der Hafeneinfahrt", „Tie Landschaft am Chcmin des Tames", „Deutsche Luftangriffe auf London", „Die Munitionskolonne und ihre Tätigkeit in den Gvoßkampftlman", „B-or Verdun", „Die Fsldpost" und andere mehr. In dem Hauptabschnitt der eiaentli-cstm Krregsoe^hickxte finden wir den Fortgang der Fl andern- fchlacht vom Jult-Äugust 1917, aus der Feder des bekannten MilitärichriftstälerS Wilhelm von Maffow. Hieran schließen sich die lebhaften Erstellungen der Kämpfe im Kaukasus von Generalleutnant z. D. Jmmhoff. — I m Verlag hon Quelle und Mever, Leipzig, erschienen: Das deutsche Schwert. Kriegserlebnisse deutscher Oberlehrer. herauSgLgebcn von Professor Tr. P. Hildebrrndt. 155 Seiten. Gebunden 3.20 Mark. — Martin Luther als Bokkämpfer deutschen Geistes. Eine Rede zur 400jährigen Jubel- le^r der Reformation. Von Geheimrat Professor Dr. Erich Brau- oviburg. Geheftet 1 Mark. — Die evangelischen Kirchen- gemernden in der Kriegs zeit, von Pwf. I). Dr. Martin Schi an. 155 Seiten. Geheftet 2.60 Mark, «Lunden 3.20 Mk. Unsere religiösenErzieher. Eine Geschichte des Christeir- r ns in Lebensbildern^ herausgegeben von Prof. Lic. Bernhard ß. 2. verb. Auflage. 2 Bände mit zus. 699 Seiten, 20 Tafeln und Buchschmuck. Geburten 14 Mark. — Dr. Hart manns Ju ngm ädch enbü cher (Verlag von Hermann Gesenins in Halle). Band 1. Rotschvanz und Büsch^vhr. von Magda Schelling. Band 2. Kriemhilds Rosengarten. Alten VolkÄ-agen nacherzählt von Ilse Treu. Band 3. Walhall. Alterr Bolkssagen nocherzähtt von Ilse Treu. Band 4. kvgelgcsellschaft bei Buchfmks, von Magda Schelling. In Hlblbd. geb. l,20 Mark. Band 5. Das Stuttgarter Hutzelmämllerw Eduard Mörike rmcherzahll von Elfriede Kittelm amr Inhalt und Aus- staltmig dieser durch den Lyzealdirektor Tr. Ernst Hartmann her ausgegebenen, für Mädchen von 8—10 Jahren ber echneten Bändchen (Preis 1 Mk.) ist gut und gediegen. Mit Verständnis für daS Alter imd die Auffasftmgskrast sowie den Geschmack der Reinen Leserinnen sind die altdeutschen Sagen in Band 2 unb 3 wiedergegeben, mrd Band 5 wird die kindlichen Märchenfreun- dt7me.il besonders entzücken. Gmrz reizend aber sind die kleinen natnrtmrdlichen Erzählungen des 1. rmd 4. Bändchens. Sie sind frisch und anschaulich dargestellt unb geben mustergültigen, niemals langweilig oder mrfdrinAich wirkenden Unterrichtsstoff im unterhaltendest ^ewarrde. — Kunstgaben für Schule und Haus. Herausge- -eben von W. Günther-Hamburg. Heft 1—30. Preis jedes Heftchens 20 Pfennig. Vertag von Georg Wigand in Leipzig. Wer es chcht mit eigenen Augen gesehen, loer diese kleinen Kunstbilder« düchn rncht in Hända» gehabt hat. vermag es kaum ZN glauben, daß* für so geringen Preis etwas so Schönes, ja man darf geradezu sagen. Bollerrdetes, dargeboten werden kann. Für unsere Kinder sind diese Heftchen die köstlichsten Bilderbücher, die wir kennen, und für die Erwachsenen zugleich ein wertvoller, fast kostenlos zu eriverbender Kunst-Hcmsschah von bleibendem Wert. Und gerade in dieser ihrer Döppelcigensckiaft liegt ihre nicht hoch genug zu bewertende Bedeutung. Zrrdem sind sic durch und durch deutsch und geben unserm speziell naftvnalen Empfinden vollkommensten Artsdruck. Ten Mberbesten arrs unsver Mittte, die mit Stift mrd Pinsel geschaffen, ist hier Gelegenheit geboten, zu uns zu sprechen. Vor allem wurde Ludwig Richter daS Wort, oder richtiger getagt, das Bild gegönnt, und immer wieder erstaunt man über die Gemütstiefe und Vielseitigkeit dieses Unvergleichlichen. .Wie das singt, klingt, lacht und jauchzt, sobald er vor uns erscheint. Wie er uns- zu rühren, zu bervegen, zu ergreifen vermag! Reizende Märchcnbllder zeigt er uns. Die Meistcrdichtungen Goethes und Schillers legt er aus. Bald stimmt er das hohe Lied des deutschen Hauses an, erzählt uns von Frühling, Sommer. Herbst und Winter: die Hände läßt er uns zum Gebet falten, oder weiß behaglich mit uns zu plaudern intb *u scherzen. So wird er, der Einzige, Unverglerchilicl/e, gerade in der Jetztzeit der rechte Mann kür uns, der uns mit eindringlicher Freundlichkeit predigt, daß deutsch, sein heißt: gut, rein, treu mrd wahr sein! Ebenbürtig! erscheint neben ihm Moritz von Schwind mit seinen tiesempsmr- denen Wartburgbildern aus dem Leben der heiligen Elisabeth und den poesicersnllten Blättern des „Aschenbrödel" und dem „Märchen von den sieben Raben und der treuen Schwester". In reizvollem Gegensatz zu ihm steht Joseph von Führichs schwärmerische Frömmigkeit, der hier in seinem „Bethlehem irischen Weg" und „Er ist auserstandeu" das Leben mrd Leiden unsres Herrn und Heilandes in eurer Weise schildert, die lhtmn übertrosfen werden kann. Schalkhaften Humor wiederunr zeigen Paul Konewka und Albert Hcnd- Mel ftr ihren urdrolliaen Schattenbildern und Skrzzzen, währ-nd Eduard von Sternle als Romantiker von tiefster Innerlichkeit jov uns erscheint. Aber nicht nnr das 19. Jahrhundert spendet an- seiner überwältigenden Fülle. Auch die alten Meister meiden sich zum Wort. So Dürer mit seinem nie ^enug zu preisenden „Marrenleben" und Hans Holbein d. I. mrt seinem großattigeni Totinrtanz" usw. Ettvas Aehnliches wie diese Sammlung besaß Deutschland bisher rwch nicht, mrd wir können Herausgeber^ Verleger und Erwerber nicht genug zu ihr beglürllvünschen. Emp- loblcn zu werden braucht sie nicht erst lange, ,sie tut es für sich selbst und durch sich selbst. — Weihnachten naht heran, und eS sei darum sür dieses Fest ganz besonders auf sie hrngewiesen. Sie aehört auf die Gabentische, mrd wer sie den Seinen beschert, ob seinen Kindern oder erwachsenen Angehörigen, darf gewiß sein, ihnen damit eine oollüvm'msnye Freude zn bereitem — Der Gesundbru nnen-Kalender des Dürer«, buikdeö fürs Jahr 1918 (Verlag von Georg D. W. Callwey^ Müirchen) liegt vor. Bor zehn Jahren erschien das erste Bändchen. Im neuen Gesnndbrrurnen ist Heinrick- Hansjakvb Führer, Adalbert Stifter mrd Ierdinmid Avenarins reihen sich mit dichterischen Gaben an. Und mag nun — um nur einige Themen zu nennen— das Naturtheater oder die Jugendgerichtshilfe, die Auferweckung deS Märchens oder der neue Mv-dellierbogen. der bargeldlose Zah»> lringsver-kehr oder das „Mietshaus als Erziel-lurgsstätte" besprochen werden, mögen für daS Leben „im engsten Ringe" die Möglichkeiten rreu-er Formen der Geselligkeit oder die „gute Stirbc<^ oder „Urväterhansrat" behandelt werden — ütvcruif treten uni anregende Gedanken ftr fesselnder Form entgogerr, die sich vvrr bloßer Kritik fernhalten, vielmehr stets Wege zum Fortschritt zeigen. — Ms eine der besten dsutfichpn illrrstrierterr Familierrzsid, hchriften für weiteste Krefte empfehlen wir ^,Das Buch füv A < l e", (Union. Teirtsiche Berlagsgesellschaft, Stuttgart), ivn dem vor kurzem der 53. Jahrgmrg zu ers,ch?ftren bogo-rrnen hat. Diese altbewährte und gediegene, auch den Anfocderunacu der Gegenwart vollkommen entsprochcnöe Zeitschrift eitthält als spmm^rden Unteri Haltungsstoff beoeTttende Romane und Erz-älchrngmi, Wissenswerte- urrd Praktisches aus allen Gebieten fflr Haus urrd Familie, ins- bejondere «ruch für die Frau, Kriegsberichte und reichen Bilder- fchmuck Alle 14 Tage erscheült ein Heft Mar Preise von 45 Pf. Charade. DaS Erste macht gar mancher Im Leben bald toll, bald schlecht. Daß Zweite steht tm Walde, — Doch überleg' es recht. DaS Ganze dient unß täglich Es schläst im engen Haus. Jst's erst erwacht, dann läßt fich'S Nicht halten und geht ariS. (Auflösung in nächster NummerJ Auflösung deß Gleichttangs in voriger Rummir: Faust. Schrrftlclkimg.' W. Meyer. — Zwillingsrunddruck der Brühl'schen Uuiv.-Buch- und Stelndr,ickerei. R. Lange, Dießen,