Die Rächer. Roman von Herrnann Wagner. (Fortsetzung.) Eines Tages sah Gutzeit seine Frau aus dem Privatkontor Reisners kommen. Ihr Gesicht war von Aufregung gerötet und ihre Augen waren naß. t,,Was hast du?" fragte er sie demütig, denn es war ihm, als müsse er sie um der Schmach willen, die ihr der andere angetan hatte, um Verzeihung bitten. „Was hast du? Was hat er dir getan?" Ihre Antwort war ein einziger, haßerfüllter Blick. „Geh? Was geht es dich an? Du!" Da ging er zu Reisner hinein und fragte in dem gleichen demütigen Tone: „Ich bitte Sie, ich flehe Sie an —: sagen Sie mir, warum kränken Sie meine Frau?" „Ihre Frau?" Reisner lachte. „Ich rate Ihnen, Ihre Frau zu hüten!" Gutzeit lächelte eingeschüchtert, in der Art armer, verachteter Juden ai*£ dem Osten. Und er machte seine Stimme noch demütiger, denn es schien ihm, daß jeirer doch einfehen müsse, daß ein jeder Mensch, wenn er nicht zusammenbrechen solle, nur ein bestimmtes Maß an Leid ertragen könne. „Sie peinigen meine Frau," sagte er weich. „Sie peinigen sie schlimmer, als wenn Sie sie schlagen würden. Bedenken Sie, daß sie ein Mensch ist! Und daß auch ich ein Mensch bin! Bedenken Sie das!" „Ja," antwortete Reisner langsam und gleichsam prüfend, wie weit er noch gehen dürfe, „ich bedenke es. Aber ich werde trotzdem Ihre Frau schlagen. Ich werde es wirklich, das schwöre ich Ihnen, wenn sie sich nicht endlich dessen erinnert, daß unsere Beziehungen nur geschäftliche sind." Gutzeit starrte ihn stumm an, erschüttert und doch wie erstaunt. Reisner rüttelte ihn an der Schulter. „Mensch," höhnte er, „sind Sie ein Mann?" „Wir können uns ja trennen," sagte Reisner kalt. „Ich brauche Sie nicht. Das wissen Sie doch, daß ich Sie nicht brauche?" „Ja, das weiß ich . . ." „Ich will Ihnen, wenn Sie nicht zu unverschämt sind, eine einmalige Abfürdung geben . . . Wieviel beanspruchen Sie? Sagen Sie es, schnell!" Gutzeit schüttelte den Kopf. „Nichts," sagte er, „nein, gar nichts . . Und er wandte fkf) um, sah wie versunken die Wand entlang, ging schleppeirden Schrlttes bis zur Tür, öffnete diese, blickte noch einmal zurück auf Reisner und ließ dann lautlos die Tür hinter sich ins Schloß fallen. -,Starrkopf!" schimpfte Reisner vor sich hin. Gutzeit stieg die Trevpe hinauf, trat in den Flur seiner Wohnung und pochte an die Tür des Zimmers, in dem sich ieme Frau eingeschlossen batte. Drinnen rührte sich nichts. Gutzeit pochte ein zweites Mal und bettelte: , Hilde, ich bitte dich, öffne! Ich will mit dir reden. Ich muß es. Laß mich ein!" „Nein," kam es heftig von drinnen. „Ein letztes Mal, Hilde. Ich gehe fort. Ich will mich verabschieden." Der Riegel wurde zurückgeschoben, urrd Gutzeit trat ein. Er ließ sich in gebeugter Haltung auf das Sofa sinken und stützte die Arme auf die Knie. Er sprach lange kein Wort. Seine Iran saß am Fenster und kehrte ihm den Rücken zu. „Hilde," begann Gutzeit nach einiger Zeit, „ich will dich etwas fragen." Seine Frau sah stumm zum Fenster hinaus. „Hilde, ich möchte dich fragen, warum du einen solchen Haß auf mich hast? Was habe ich dir getaut „Du bist mir gleichgültig," sagte seine Frau,' mrd das klang strunpf und bös. „Ich nxrr dir gleichgültig, Hilde, als wir uns heirateten^ ja. Damals war ich dir gleichgültig. Aber jetzt hegst du einen Haß gegen mich. Das kannst du nicht leugnen." „Ich leugne es nicht," mrtwortete sie voll Verachtung. Er holte schwer Atem. „Es ist girt, daß du das nichjt tust, so werden wir uns klarer über unser Verhältnis Unser Verhältnis war vom Anfang an eine Sünde, Hilde. Der Haß ist jetzt die Frucht dieser Sünde." „Du bist ein Schwächling und ein Diimmkopf!" „Ich bin alt," sagte er ohne Erregung, „das ist alles. Einmal war ich jung, und einmal war ich, auch reich. Aber jetzt bin ich arm. Das ist es." „Du bist durch deine eigene Schuld arm geworden, durch deine Dummheit!" „Ja, jeder Mensch büßt nur seine Schilld. Jeder^ Auch er wird einmal die seine büßen. Ja, auch er." Sie lachte heiser über feilte Worte hinweg. „Jeder," wiederholte er, „auch du. Denn auch du hast Schuld. Und du bist schon dabei, sie zu büßen. So wie ich." „Ich toerde nicht büßen," höhnte sie chn, „nie!" „Warum weintest du da vorhin ?' fragte er weich, ohne jeden Hohn. „Liebst du ihn? Du kannst es mir sagen."« „Laß mich," wehrte sie ihn ab. „Ich bin dein Mann, Hilde, trotz allem. Wenigswirs bür ich der Vater deiner Kinder. Glaub mir, ich meine es grrt Mit dir, so girt, wie ich es noch niemals getan habe. Ja." Sie schwieg. Er stand auf, näherte sich ihr urrd nahin ihre Hand, die sie ihm ließ. „Laß ihn, Hilde, denke nicht an ihn! Er ist kein Blinder, der alle Welt haßt, und wenn er dir etwas gibt, dann wird es immer nur etwas Böses sein! Ich lveiß es, ich weiß es jetzt bestimmt!" Seine Worte wrrrden zu eurem Schmeicheln. „Sieh, Hilde, du wirst noch leben. Du hast noch so vieles vor dir, so vieles. Laß dich nicht Neersen! Warte! Es werden wieder bessere Tage kommend Sie errtriß ihm ihre Hand. „Bei dir?" fragte sie hart. „Nicht bei mir. Ich bin alt, ich werde sterben. Aber cmdersloo. Nur nicht bei ihm. Glaub iM'" Sie weinte plötzlich gart* leise. Da fuhr er ihr mit der Hand über das Haar, mit seiner kurzen, dicken Hand, und sie pmtzte daran denken, daß auch g anzere vor Wochen, in der ersten Stunde ihrer Bekanntst, das gleiche getan hatte. Und doch streichelte die tige Hand, obgleich sie häßlich war, zärtlicher. Daran mußte sie denken. Und sie weinte mit einem Milo heftiger und lauter. Er neigte sich über sie unb küßte ihre Stirn. „Verzeih mir," sagte er in einem Don, den sie noch me bei ihm gehört batte, denn es lag etwas Geheimnisvolles, etwas Tiefes darin. Eine dunkle Furcht erwachte in ihr, für die sie keine Erklärung hatte. „Was du vor fragte sie und sah flüchtig LU ihin aus. > Er schüttelte den Kops, als lvünsche er sie zu beruhigen. „Nichts," sagte er still, „nichts Schlimmes." Dann fragte er: „Wo ftnb die Kinder?" „Im Zimmer drin," antwortete sie und starrte schon wieder durchs Fenster. „Verzeih mir," dar er noch einural, trat dann von ihr zurück lmd verließ das Zimmer. Er ging Pr den Kindern. Der Kleine tag im Wagen und schilies. Gutzeit neigte sich über ihn und küßte ihn voller Vorsicht, besorgt, er könnte ihn wecken. Sodann nahm er das Mädchen, das in einer Ecke bei freu Puppen saß, auf den Schoß und sprach einige leise Worte der Liebkosung utü ihm. Das Kind war ungewöhn- lich scheu, aller Welt, auch den Eltern gegenüber. Es wunderte sich über die Zärtlichkeit des Vaters, wurde unruhig und drohte zu weinen. Da gab er es frei, und es eilte wieder zu seinen Puppen. Er zog die Uhr und sah, daß es die Zeit war, um die »men das Kontor geschlossen wurde. Er drückte leise den Türdrücker nieder und schlich aus dem Zimmer, auf der Schwelle noch einmal zögernd. Seine Frau hörte seine Schritte, obwohl er sich Mühe gab, lautlos zu gehen. Sie vernahm es auch, als er seine Kammer aufschloß, in diese eintrat und sie wieder hinter sich ab- schlotz. Sie dachte: Warum schließt er sich ein? Das hat er sonst nie getan? Aber mit einem müden Entschluß strich sie daun alle Gedanken an ihn wieder aus. Sie wollte an den anderen denken, an den. dem sie anhing, dem sie gehörte, obwohl er sie zurückwies und verachtete. * Am Morgen des nächsten Tages fragte Reisner seinen Buchhalter: „Wo ist Gutzeit?" Gutzeit war nicht da. Obwohl die Uhr auf zehn ging, hattc er sich tm Geschäft noch nicht blicken lassen. Es wurde daher jnitaitb in seine Wohnung hinausgeschickt, um ihn zu holen. Reisner wartete gereizt, denn er hatte den Eindruck, daß Gutzeit schmolle und sich absichtlich nicht blicken lasse. Nach Verlauf von zehn Minuten kam der Bote mit blei- ajem Gepicht zurück und ihm auf dem Fuße folgte, noch im Morgenkleid, Hulde Gutzeit, die den Boten beiseite schob' und zu Reisner m das Zimmer stürzte, atenilos, von einem jähen, furchtbaren Schreck wie erstarrt. „Was gibt es?" fragte Reisner. „Mein Mann," würgte sie, „mein Mann . . ." „Nun?" . . ist tot!" wrang aus. Er hatte sich verfärbt. Er packte DUde hutzelt am Arm. „Sind Lie verrückt?" schrie er sie an. „Tot, schluchzte sie, „tot ... Er hat sich — erhenkt!" l Lr‘ U nrh aus dle^Erde nieder, umschlang einen IaahSK e un £ r 61 ^: spurte es nicht, wie Reisner fÄ e ' und sie horte auch nicht die Worte, mit denen ^ nicht zu lchrewn und sich zu fassen. Sie ge- tätm sie ^ WlC ^^usmnig, Furcht und Entsetzen schüt- Reisner schickte zlvei seiner Leute fort, damit sie euren d/hörde verständigten. Einen dritten kJammnnde f-r'-Kchotzn. ^ Sie brachten sie in Reisners Wohnung, wo sie, noch immer taut schluchzend, auf die Ottomane sank, das Gesicht in den Armen vergrub und trotz allem Zureden Reisners! nur dazu zu bewegen war, ablehnend den Kopf zu schütteln, Reisner machte der Starrsinn der ihm sonst so gefügigen Frau gereizt. Er wandte sich zur,Tür und sagte: „BleibRr Lie einstweilen hier. Zch werde sofort veranlasseil, daß man Ihren Gatten fortbringt. Beruhigen Sie sich endlich. Ant Nachmiltag lverde ich Sie aussnchen. Dann wollen wir beraten, was sich tun läßt/' (Fortsetzung folgt.) Die spiegelnde Strecke. Von Max Prels. _ „Etwas heißen Kaffee, bitte, und genügend Zigaretten, Eugen^ Sie gehen dann frmunter, schließen die Halle ab, schalten, dass Telephon um und sorgen für vollkomnrene Ruhe." Der Diener trat aus dein blauen Halbkreis, der aus der Licht- schale von der Decke herrmrer eine hellere Scheibe in beit sanft gelben Teppiche zeickxuete, uub unterbrach die ruhige Täselnngj der Wände, als er abging, um Kaffee und Zigaretten zu holen. Frank Witt saß indessen sehr ruhig, fast ein wenig gelangweilt, in den Kissen. - * Dann, brachte Eugen Kaffee und Zigaretten und entfernte! sich jetzt mit derbeir Schritten. er twiAxtji uit gu| iiutst.il, luj&iua-it. uii uti -Luuc tuuyti Birnen mis, so, daß das Licht milder irnd mtlsittlicher in den Raum siel, und ging mir fast bedächtigen Schritten iit die Ecke des' Arbeitszimmers, wo ein grau verhängter Tisch sich an das Dunkel der Täfelung schmiegte. Vor diesen Tisch setzte er sich, nachdem er das graue Tuch ab-ge-. nominell und ein Klappihrett durch einen Federdruck hochgehoben und hintenüber gelegt hatte. Dann bog er etliche dunkel umsponnene Drähte, die von der Diele in die Tischbeine führten, zurück und schaltete Strom in die vielen Leitungen ein. Augenblicklich zeichneten sich viele gleichlaufende, rot und grün leuchtende Striemen m die Platte des Tisches. Und über die sie leuchtsenden Schnüres 1 rochen mit leinziger Geschwindigkeit dimkle Raupen, die vorne weißlichen Schein verbreneren, während ihr Ende glutrote Nadeln sliche zeigten. Eine Weile sah Frank Witt dieser Spiegelung un- ertlärlicher Dinge zu, daun spielte er eine klappernde Melodie auf eine Reilw von Knöpfen an der Tischwnte. Mit iedein Truck änderte sich das Bild auf der Tischplatte. Und schließlich waren ttur mehr zwei leuchtende Striemen zu sehen und nur mehr zwei bon< den Raupen, deren eine am rechten Eichte der Tischplatte vor emem dicken Knotenpunkt lungerte, indes, die andere am linken Ende über die grüne Schiutr 'kroch. Nun 'waren Frank Witts Augen wie festgenäht an das Bild auf der Platte. ,I-ach zwei Almuten,"' flüsterte er „noch knapp, zlvei Almuten." Und als diese Zeit der-, gangen lvar, öffnete Frank Witt eine in der Tischplatte versteckte Klappe, ein Trichter wurde freigelegt, und seltsam multipliziert und verstärkt, stiegen ganz ferne Geräusche daraus hervor. Ein summen, das Rauschen von Wind und nun ein ferner, leiser Pnff. „Endlich! Nun fährt er ab," dachte Frank Witt laut. In diesem Augenblick reckte sich die kleine Raupe, die bisher stillge-, Nauden hatte. Klümpchen weißen Rauches flockten aus dem Raupen-, topf und ein fernes- Rasseln begleitete die schleichende Bewegung. „Noch vierzehn Minuten," sagte Frank Witt und kostete das gran- samc Eluck dieses Abwartens im voraus. „Um elf Uhr üierimbM vierzig kreuzen ste hinter Anipfort, bei Kilometer 119,7." .Fa. selbst wenn eine Differenz von 15 Sekunden eintreten sollte . " teocr Fug hat 11^ Achsen, die beiden brauchen also, um aneinander bor bet zu ko mm ei i, brauchen . ..." Er hastete mit den Augen über eme voll Zippern wirrende Tabelle: „Sie brauchen also . . . siebzehn Lttunden" „siebzehn weniger fünfzehn . . . ah! Zwei bekunden Zeit! Ach, es heißt nur, die Augen zugleich an^ der Uhr und ans detn Graphikon zu haben. Siebzehn Sekunden Spielraum' Und dann . em Druck ans den Knopf . . . alles . alles vor^ Minuten und zwanzig Sekunden drücke ich auf diesen k lotinte es sich nicht versagen, einen scharlachroten Knopp über der Tastatur des Tisches mtt äußerster Vorsicht zu berühren. Alls dem Schalltrichter rauschte die Nacht: Pfeifende Signale stachen aus diesem gletchmäßigeii Einerlei wie Hilferufe. Frank Witt saß vor dem Tisch iw're die Lptnne inmitten des Netzes. Die eine Raupe znuingte sich in die freiere Landschaft, die man nur winzig klein aber immer scharfer unterschied, die andere kroch ihr ahnungslos entgegen.Wieder sprang ein Pfeifen aus dem Schalltrichter , Glück- ube Reise, meine Lieben, und -auf gutes! Wiedersekm. IN elf Mmuten^drücke ich auf diesen kleinen scharlachroten Knopf." .Das iverden Lie nicht tun, Frank Witt!" „Irrsinn! Irrsinn! Heilig ; Temel . .. Woher kam die Stimme:- Frank Witt stand Ef“ MeM da Hatte ihn nun der Verstand verlassen? Woher Um das Wort? Es konnte nur ans dem Schalltrichter kommen. k-^dErregnt^die ihn unversehens angefallen hatte» Mt wilde Tiere, verkwchen sich aber. Seine Nerven hielten de« - Gib WÜ*m an; nur bas Gehirn arbeitete mit mathematischer Genauigkeit und einer Äektrischen Eile. .ES ftanb fblgenbcö für ihn außer Avctfel: in seine Fernleitung war irgend jemand eingeschaltet. Jemand, der — man hatte es am Klang der Stimme gehört —> sich gnnz in der Nahe aufhiett. Es war ferner eine weibliche Stimme, und sie mußte in der Reichsveite seiner eigenen Stimme sein. „Keine Eile, Frank Witt! Neun Minuten, vierzig Sekunden. Mir wnnen rms noch eine Weile unterhalten." Diesmal kam die Sitimnre nicht mehr aus deur Schalltrichter, sic quoll aus den Falten des Vorhanges' vor dem vergitterten Fenster. Frank Will war entsch-bossen: Wer in sein Geheimnis tritt, »oird getötet. Ah, inan brauchte ja mrr die Starkstiwmleittmg, die für- bessere Zwecke in Bereitschaft stand, schon jetzt ein wenig anwenden. Tas »var 'doch sehr einfach: man schattet Startstrom ein rutd dirigert ihn a»»s dein völlig isolierten Tisch nach der Richtung des, Vorhanges. Na . . . sollte das nicht der richtige 'Kontakt gewesen ....'? Ta fließt ja kein Strom . . .? Urrd nun teilt »ich der Vorhang wie ans einer Bühne, und die Frau, deren Stimme »vre du Schatten vorausgefallen mar, steht plötzlich vor Frank Witt. „Mach dir keine Mühe, lieber Frennd. Tas Starksttviukabel ist zerschnitten; und die KraftMttage sieht unter polizeilicher Bewachung. Nun »volle»» wir es, uns aber gemütlich machen, vor allem etwas mehr Licht . . . so! Na. keine Dummheiten, Frank Witt, steck doch den kindischen Revolver ein. T-u erlaubst eine Zigarette." Tie schöne junge Frau setzte sich unter den blauen Kreis des Decken lichtes. UutM ihren klaren Augen wurde Frank Witt still, klein, unwichtig. sachlich, nnr manchmal von Leidenschaft gerötet, sprach sie zu dem Manu. Es war eiire Abrechnmrg; ein Gericht. Frank Witt saß vor ihr, stumm, überrumpelt. Die Frau, »og an ihrer Zigarette und sagte: „Tu hast! poch immer diese angenehme Sorte. Wie wenig sich der Mensch verändert! Nun habe ich dich über drei Jahre nickst gesehen, und noch immer rauchst du dieselben Zigaretten. Aber, ich mich mich beeilen. In acht Minuten! Liehst du, Frank, als ich dich damals verließ, geschah es, wohl »veil ich Joachim Staalt lieb hatte; es geschah aber auch, »veil ich vicht bei einem Verbrecher bleiben wollte. Ein durchaus genialer Verbrecher, schade, daß ich dich nur den Erfolg trügen muß. Man konnte neben dir nickt leben. Tn sehntest dich nach dämonischen . und ge heimins vollen Dingen. Du wolltest immer zerstören, aber »richt mit .dem Messer in der Hand; nein: fernhin, heimlich, feige. Deine wundervolle Erfinderaobe kam dir zu Hilfe. Du bist reich; du, konntest es dir leisten, unsinnige Summen auf technische Versuche auszugeben. Deine Erfindungen standen im Trensle des Todes. Vielleicht bist du verrückt, Frank. Jedenfalls tzunte ich nicht mehr deine Frau bleiben. Und ich lM.be Joachim Staalt lieb. Taruur ging ich mit ihm. Und von dir. Tu erinnerst dich Tie seltsamsten Anschläge gegen sein Leben und das mdne hüllteir bas erste halbe Jahr nach unserer Trenmmg ein. Sie miß? langen samt und sonders. Tie besten. Detektivs lvareu mit den No.chforschurigen betraut; sie fanden nichts. Mit einen» Male hörten die Nachstellungen auf. Ich ahnte, was das zu bedeitteu hat. Tie Detektive nreldeten: Fra»»k Witt lebt zurückgezogen seinen technischen Versuchen. Ta wußte ich: Du bereitest dein Meisterstück vor . . Ich wurde mein eigener TetMiV. Ich bat Joachim, allein in der' »lernen Bergstadt zu bleiben, und lebte in deiner Nähe. In hundert Verkleidungen »var ich in diesen» Zimnier. Tu rvvlltest töten und wußtest nicht, daß das Opfer unter deinen Angen die Ferne des Tötens zunichte machte." ^ Sie blickte nach der Tischplatte, wo noch immer die leuchteirden. Striemen glühten, und die Raupen sich nnn garrz nahe aneinander lMrangeschobei» hatten. „Tie Zeit drängt, Frank. Ich »verde dir nur die Tatsachen» erzählen Oh, mrr mehr sechs Minrtten: hör mir zu, Frank. Ich habe auch mchts Geringes geleistet, als ich dich drei Jahre lang beobachtete. Mso: erster Anhaltspunkt: du sitzest in dem Dienst-! znnmer des Stationsvorstehers 'von Plahnsee. Eiusarnes Nest im Waid. Zugverspätuug. Mit den» Vorsteher bist ixu gut. Plötzlich fällt dem Mrck auf.die Wand. Auf dn dünnes Blatt Papier, in das hundert rote und schwarze Linien eirrgezeichrret sind. Was denn das fet ? Tas? Ach, nur ein Graptzikon. Ja, da »oären mit ganz genauen Lmren dre Lüge einaezeichnet, die auf der Strecke liefen :~ a i ln gleichsam ein Spiegel, ein graphisches Echo der gesamten VerrHrsbllder. Hm! Ob, ob man solch ein Graphikon nickst ein-; mal haben könne? . . . Gewiß! —- Einer meiner Beauftragten hat dresc Szene beobackstet und mir hinterbracht. So erfuhr- ich, wre dir der Vorsteher ein anderirral die kleinsten Geheimnisse des Graphiwus, die testen imt> verlegten Kteirznngen der Eisenbah»»- züge erklärte. Ich erfuhrt daß du div ein Graphikon der Strecke verschafftest, an der die .Stadt liegt, wo Joachim wohnt, in der I du auch mich verniutetest. Erfuhr, daß dr» das Eisenbahmvesen studiertest, heunttch die Sttecke, an der dir lag: erfuhr, daß du Tage und Nachte krause Lirrien auf Papier zeichnetest, kurz, ich nutzte: du hattest uns irgendwie deii Tod auf der Eisenbahn zu- gedaast. schickte.Joachim ein TelegraniM, „ans keine,i Fall I verreisen, bevor Nachricht kommt". So »var er gesichert. Wir sähest I wrs m die»en drei Jahren nickst oft. Wir mußten.ja die Bahnfahrt vermewon. Und so ttttschierten »vir »vie zu Zeiten unserer lieben- ! ttrgrotzmanla put rmnpoligeur Wägen zueinander. Deine 2lb- I sichtöll sollte,» nicht durch KerlegirUg seines Wohnsitzes gestört werden. Term, auch ich »vollte mich.risck^n! Tu meldetest ein Pateitt an zur Benvertuirg eurer »reuen Starr? ström erfind »mg, die du nie gemacht hast. Aber sie gab dir den Vorwand dafür, große Kraftanlagen zn bauen aus der Strecke, an; der uus beiden der Tod zirgedacist »var. Allmählich ,vr»rde dem' Hm»s eine elektrische Zentralstelle. Ich lstlbe dich dan»als wieder lwlt besucht, Fiu.ck. E»,m»al sogar in der Ver-kleidung eines Arbeiters. Und »veil ich« au deine Ldttrnge»r mit einer Geheimlei»»mg äuge-« schlöffe,» »var, weiß ich nun, was du ,volltest. Ich bewundere dich! Tu hast das leuchtende Graphikon erfunden. Du kam »st mit ein paar Kiwpfen die Strecke beherrschen. Hinter Amphvrt hätte m btei Minuten das Schicksal von ein paar hundert Menschen besiegelt »verde»» sollen. Tenn »r-e»m die beiden ZÄtzc, die hier', in winzigster Spiegelung nur dn p»rar Millimeter von einander entfernt sind, »venn die aneinander vorübersansen, dann hättest du auf den Knopf gedrückt und der elektrisch^ Tod »vüre durch die Schiene»» gestttzl, Hütte ruich und Joachim und hundert Unschuldige vernichtet. Tenn dr» wußtest, das; in dem eine»» Zug, itt der einen Raupe, wie di» des Nachts die Züge heimlich flüsternd mmnteft, et ist, »m anderen vermutetest du mich. Tu hast ihn telegraphisch zu mir bestellt. Hast »hm in meinem Namen bcstolstku, den Zug zu be»»utzen, der bei Kilometer 110,7 den anderen trifft, mit bau dü zu ihru befohlen hattest Ich konnte Joachim nicht mehr »varnei». Lo blieb mir nichts übrig, als die Polizei zu verständigen. Nun Frank, sei stark. Noch fünfzig Sekunden. Sieh! wie die Raupen sck-iou aneinander riebe»». Tas war der '.Augenblick, auf den dn^drei Jahre ddnes Lebens Versch»va»d-etest. Und nun, mein armer Freuud, drücke aut den Knopf . . so, . . so. Tn siehst, die Züge sind glücklich aneingpder vorbei! Gott sei Tank. . . Adieu Frank." L»e trat aus dem Dunkel der Ecke und vitschoaud hinter der ruhigen Täfelung der Wand. Draußen wartete der Polizeikommissar. „Ist es so lveit?" „Warten Sie bitte »»och eine Minute." >)ctzt horchte sic wartend in die langsamen Sekunden hinein, dann' fiel, vom Fenster her, »vo das Graphikou stand, ein Schuß. „Herr Kommissar, Sie brauch?.» sich nicht mehr zu bemühen." Und sic ging aufrecht und ernst die Treppe hinunter. Zm vadeziig. Von Lena.Christ. (Nachdnrck verboten.) „Angetreten! — Gehts amal her da, »ne»,re Herrschaften! — Um drei Uhr »vird jeder gschrubbt und 'badt, Verstanden! — I Hoff, daß euch der Dreck uet mit z-mu Mmterschnwabn Ter Herr Feldtvebel steht im Hof eines als Rilbeguartier her- gerichteten betgpchen Bauernguts und macht also mit diesen Ltzorta» seine Kompagnie mit den» bevor, teherrden Ereignis bekannt. „Wer a Soaffa hat. ninmtt's mit — »ver a Wurzelbürslem hat, nimml's aa mit; — »ver m» Roßstriegel branchss, »ncldt sich zur z,reiten Abtdlung! — Wer's Wasser fürcht. kriagt a 4R»sck)pnlv«e, und »ver net »nitgelst, der kriagl an Ezttatee!" Er betrachtet die. Mrkung seiner Rede. Aber da ist n»chts -ui sehet», als eine dnzige große Enttäuschung. .Keine Spur rw»r Freude, — von Spannung! Jetzt »vird er aber fnMtenfels»vild: „Natürlich! Ta hängt' d' Letsche»» scho »vieder! Gsellschaft, traurige? Wem» nur anwt oaner »m Treck erstickat!" Er läuft »vutsckAlanbeird davon. Tie Unteroffiziere aber und die Manusckast stehen furchtbar unglücklich da, und der Untevofftzicr Maurer macht seiner Stimmung Luft: „In »»o! Ta sollst ^kva Letsch» »nacha! — Jetzt limntt ma ganz und gar zsanrmengschinde,» aus'»» Scknitzen- grabn, is stoamüad und moant. ma-Earm fi eudli amal ausschlaifa:. — derweil hvaßt's baden! — Tes »vird »nieder a so a Vergnügen ! — In irgend an alten Wagnschmiermfassel oder in einer rinnatn Krantbrentn! - Ta derf nachher a jeder oamal »mtertancha, dreu»»al über d' Haut fahr»», - und »vieder raus. - I fern» die Gschichr! -- Mir sagt koaner »vas! — Und dees Wasser dees steht scho vierazwauzg Jahr driun in dem Frßl, oder iro länger! — Ta Han» sa si anuo siebzg scho allelvdl d' Horen neig»vasch’ Sunna stell»», daß er »viedr ,'ck-ö trocknet ..." „I glaab's gar net. daß's so rrobel Ergeht!" sagt tx'e Ra»»bler Xaverl von» zwdten Glied: „Ta »vcrd's ganz einfach swaßen: ^ angetrüttei», nackcher tvern mir antreten. Na wern's uns an. die näcMbeste Regenlacka fiihrn, und da »ve»-d's hoaßeu : i»»s Bad: un nachher »rwrn mir mit imsere Plaltforinen drinnsteh in dev Soß, wen» a paar »nal in 'd Händ speibm, a bißl „aah" groh»»a und mit Kehrt marsch »vieder in unsern UTtterstaud traben. Ja? »ovhl. I moan, i-ffcckies scho!" Man er»v^»rtct also die Badest»mde mit rocht gemischten Ge» fül>len und allerhand froinnren .Sprüchen und Wünschen. — *16 — Um zwei Uhr flammt der Feldtvebel: „Soo, rS alles da?-- Angetreten! — Die Konltmgnie marschiert Müder zum j&atynW „Zum Bahnl-of!" murmelt der Raubler; „die wem uns doch net mit Mi Lu^ttszug ins Seebad bvinga!" Tie Kompagnie zieht also zmn Bahnhof. .. Ta stellt nxchrhastig ein Zug! — Und es kommt tatsächlich der Befehl: „Immer cchtundvierzig Mann in acht Gruppelt zu je sechs Mann! — Jede Gruppe beseht ein Mteil!" ,Letz da bin do sch) gspauur wia a Tele^raphendraht, lvas mit uns geschiecht!" sagt der Schneider Benodrkt zu seinen fünf Kameraden beim Einsteigell. „Parole Miesbach!" erroiedert einer von ihnen und seufzt. „Herrschaft! Ta is ja eurgheizt! Die Wägir fand ja warm!" ruft plötzlich der Unteroffizier Maurer: „da schaug her! Tie gebns nobel z' Belgien! Die Heizen im Hochsommer aa ei!" Ta ertönt der Befehl: „Alles auskleldeu!" Jeder rumpelt aus der Uniform, hängt seine sieben Zwetschgen an den Kleiderhaken und denkt: „Jetz dees is guat! Ta mrtaß ma glei nackat ins Seebad fahm! — Scheints, bamit nia schneller beim Zeug is, waltn der Zug am Meerbusen halt', und wenn'H hoaßl: Mit Kopfsprurtg marrsch nrarrsch!" Nun lind sie alle ausgekleidet, und der Raubler lneirrt: ,.A, Herrschaft! Jetz schaugn mir guat aus! Jetz wann uns der selige Paradiesadam sehgn tat — so in seiner Unifvrin — mit'n Hunds« zeichen nmghängt, statt'n Feigenblattel! Tar tat uns sofort seiner Everl vorstelln!" „Kinder, hat ßoaner an Fahrpttnt dabei?" fragt derweil eüt anderer: „i möcht dock) amal nachschaugn, ob der Krippe! Verspätung hat, daß er so lang net abfahrt!" „I glaab eher, daß der no z' früah dro is," meint der Schneider; „mir müassm sicher no so lang warten, bis droben a See* schLacht vorbei is. — Aber — da sckxrugs her, — da steht a Kisten! — Mit lauter Soaffa! — Ah, Herrschsaft: Nlrr Seife rns Bad! Kein Handtuch! stützt da auf dem Decket! — Da sau also extrige Ab« tvocknungSmammseUen kommandiert, scheints, die wo derweil am Strand spaziern gehngau, bis mir wie die Benus wieder valls- kemman crus'll Wasser, schneeweiß wia aa Meerschaumspitzl!" In diesenl Augenblick öffnet sich eine schmale Tür, der Feldwebel erscheint und" ruft: .„Is alles fertig? — Natürlich, der Schneider muß ivieder eine Extratostüm anchrben! Ter muß im Brustbeutel baden! — Alles im Gänsemarsch mir nach!" Tie Leute rumpeln auf, — folgen verwirrt der Kompagnie- mutter, — und stoßen, einer nach dem andern, plötzlich oen Ruf aus: „Ah, Ah, Herrschaft!" Ta steht man ja plötzlich in einent rchtigen Brausebad! Ein Güterwagen, — noch zivei, — alle drei wie die T-Zug- wagen durch eine sogenannte Ziehharmonika miteinander verbunden, mit sauberen Holzvostböden, Fußbänken, Seifenbrettern aus gestattet, — mit je 38 Brausen an der Wagendecke, — wie in einem städtischen Volksbad! Tie starre Verwunderung der Leute hat sich noch nicht gelöst, als sie, immer zwei unter einer Brause, dasteheu und gespannt zu derselben emporschauen. „Gibs da koa Wasserhahns" fragt einer noch; — da kommt ein Strahl,, — und er hat die Augen und das Maul im Nu so voll, daß es ihm zur Nase wieder heraus'ßoinmt. „Aah! — Mm hm! — Huuh!" Wahre Jndianetttaute, wohliges Gurgeln und freudiges Wiehern schallt durch die ganze Gesellschaft. „Ah — Is dir dees an Wohltat! — I fintm mir vor wia a Engländer! — Wia a junger Herrgott!" „Einseifen!" Heißa! Tas geht! Da schrubbt und ribbelt jeder an sich — an dem Kameraden, — seift, reibt und schäumt, — und hat keine anderen Skruk mehr als ein wohliges Grohnen und Brummen. Und dann kommt abennals em warmer Wolkenbnch; — der Dreck und die Seife, der ganze Grand, alle schlechte Laune, die Müdigkeit und .Erschöpfung, — sie werden weggeschwemmt von diese« Regen. ^ „H'^nmelseiten! — Jctz fehlt gar nix, als lvia a Snffrgetten- kompagtlie zum Slbtrockuen!" Ter Raubler sagt's. Aber da ist der Traum *u Ende, weg treten heißt's und Platz nrachen für die nächsten. ^ „Kiirder, dees nmr direkt a Märchntgschicht!" sagt darnach beim Rückmarsch der Unteroffizier Lachner; „i kimm mir grad vor, wia a abgspülte Suppenschüssel!" „Und i wia a Osterlamperl vom Konditor Teiglein!" sagt der Gefreite Büchner; „Herrgott, hent loairrt .uns d' Engländer sehgn taten! Tie würden direkt blind, vor lauter Glanz! Is guat, daß mir jetzt grad Neumond (habn! — die Kerl moauaten funst direkt, 's Ehrist'kindl Ivvar^kemma!" Unter solchen Sprüchen aeht's zurück ins Ruhequartier, wo sich leoer den Fraß und Schlaf gut schmecken läßt. Am andern Tag ziehen dt) Leute mit neuem Schneid und frischem Mut in ihre Erdlöcher und Gräben vüchertlsch. — Cornelie Nuernberg: Im Banne der Götter. Germanische Tragödre in 5-Mden. — 17, Weimar, Weimarer Schriftsteller-Bund Preis im Umschlag 2 Mark. — Ein starkes dramatisches Talent leuchtet arch dieser germanischen Tragödie uns entgegen. In dramatisch lebendiger, eigenartia poesievoller, form- voller Sprache voll Kürze und ^Gedrungenheit, hinreißender Ge« stattungs'traft des darin zum Ansdrucke kominettden Lebens aus der Zeit des 8. Jahrhunderts, wo noch,Heidentum und Christentum um den Sieg rangen in den Herzeii und Heimatstätten der freien Sachen. ersteht nns ein Bild aus Serien großen Tagen, da erst das Schwert den vollen Sieg des Kreu.M nach Karls des' Großen Willen erringen mußte. Ter prächtige dramatische Stoff ist von der Verfasserin der Tragödie voll gemeistert; die Gestalten des Dramas erwachsen vor unseren. Augen zur vollen erforderlichen tragischen Höhe, .das standhaft heidnische Heldenpaar, Sigurd und Ilse, gibt tvahre Prack;>tfiguren für die Bühne und tritt aus dem Chor der Nebenspveler- und spielerinueu gewaltig .kühn tind charaktervoll hervor. Aber auch diese Gestalten find gitt urtb prächtig lebensvoll getroffen^der verrätcrisckZe doppelte Abttlkrnling und schtvächliche Bruder Sigurds; die treue, jum Christentum ndgeitbc Helga; der milde, echt christlich fühlende ,Abt Eginhard; der faixatifd>c Mönch Kilianus; der Laienbruder Andreas, spätere Gatte Helgas, und Dietrich, HmisMeister auf Sigurds Gdelhofe. Die glückliche Wahl des Stoffes, die hohe draniattsche Span.rmtg, kunstreiche, kräftige Sprache, der starke Gefü'hlsgehalt dieser germanischen Tragödie berechtigen zu der Hoffnung, in Cornelie Nueruberg eine sehr beachtenswerte neue Kraft für-unsere großen Bühnen begrüßeir zu dürfen. — Das Glück in der Sackgasse. Roman von Her- man Kurz. Geb. 5 Mapk. Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig. — Das Buch handelt von beschau.lichen Leuten und ihren Schicksalen, und wenn man.es liest, wird einem selbst so beschaulich zu Mute, als säße man in einem alten sonnigen Klostergarten und ein weiser Prior weise über die Klosterm-auer ans den Strom des Lebens, in dessen brettern, behäbigem Hanf sich die bimten Bilder der Welt da draußen spiegeln. — H a n s Müller-Schlösser: T ie Z i n u ka n ne. Komödie in drei Auszügen. — Verlag von Egon Fleische! & Co., Berlin W. — Preis 2 Mark. — Tie neue Komödie Müller-Schlöst jers weyt alle Vorzüge seines so schnell berühmt gewordenen „Schneider Wibbel" auf. Wie in jenenr ist auch in dieser der Tichter jenseits gecktiger und seelischer Erschütterungen voll Ironie nnd treffender Satire. Bei aller dramatischen Schwungkraft unrkt sein Blick für die Winzigkeiten des Milieus und sein Behagen aur kleinbürgerlichen Leben vevgjtüalich und au heimelnd. Tabei ist aber nremals an dem literarischen Wert seiner Arbeit ein Zweifel, denn sie wurzelt im heimatlichen Boden, imd die Charakteristik der Personen ist durchaus auf völkische Art gestimmt. — Tas literarische Echo. Halbmonatsschrift cklr Literaturfreunde. (Begründet von Dr. Josef Ettlinger. Herausgegeben von Tr. Ernst Hetthorn.) Verlag: Egon Fleische! L Co., Berlin W 9. Tas 1. Dezemberheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Otto Braun: Mffassung und Schilderung der Wirk- lrchkett; Erich Klein: Zacharias Werner; Hans Frauck: Tie Dramen Arno ddadels; Hedwig Fisch,nuuui: .Das Bild der Mpen- Kurt Martens: Flugschriften über den Krieg XV; — Echo der Bühnen (FrMckiurt a. M., Münckren, Berlin, dttirnlu-rg, Hamburg. Wien, Coburg) — Ech> der Zeitulrgen (Goetl-e mrd Lutlwr, Theater und Kultur, Walter Flex, Besuch bei Maurice Barres, Verschrei« denes) - Echo der Zeitschriften (Nord und Süd. Nöasteil, Tie Glocke) Echo des Auslandes (Serbischer Brief, Französistt)er Brief) —- Kurze Anzeigen von ALartin Somnrerfelo, L. Leow, bard, Kurt Münzer, H. Jantzen. Hugo Weber, Hans Franck, Ludwig Geiger, Mexcmder von Weilen, Richud Charmatz, Max Hochberg — Nottjen — Nachrichten — Ter Büchermarkt. — Unsterblichkeit, Vom geheimen Leben der Seele und der Ueberwindung des Todes von Tr. Carl Vogl. Einhorn-Ver- lag, Tachau. — Ein tief verinnerlichtes Äuch ist es, das Dr. C. Vogl hier geschrieben hat. Der Verfasser behandelt die Frag« der Unslerblrchknt, die Feststellung des tatsächlichen Vorhandenseins emer wetteren übersphärischen Ernstenz, nach der von je hte allcrhüchfte >L»ehnsucht des Menschen geht, nnd zeigt, wie bte Geckvesmachte Urchnstenglaltben gmd alttirdistt^ Weishett die Krone des Lebens vorahnend schauen lassen. Tas Diesseits, Aufklärung, Rattonattsmus, Vernlmftsn'ahrhettett, Nietzsches Herrenmenschen- t«cm, alle Argunrente der diesseitigen Welt werden dem Jenseits eines unbe'katmten Seins entgegeugestellt. Des Geistes Dein ist Herr über der Materie Anregmig imb Belehrung gttreit. Tas mteressante Werk wird vielen Wo ist der deutsche Horchpostcu? Auflösung des Vexierbildes in voriger Nummer: Zwischen dem links ehenden Soldaten nnd dem mittleren Pfert^ Man betrachte das Bild von der linken oberen Ecke. Schnftleitnng: W. Meyer. — Zwillingsrnnddntck der Brüh l'schen Univ.-Bnch- nnd Steindrnckerei. R. n ii o c, Gieijen. Die Rächer. Womatt von Hermann Wag ne«. (Fortsetzung.) Er gab noch einige Anordnungen im Kontor und verlieh dann sofort das Haus, in das er nicht zurückznkehren gedachte, ehe die Leicke fortgescha^st wäre. Er schritt schnell ans. von einer geheimen Freude be- K . Sein Herz schlug so heftig^daß er vor einer Auslage blieb, um Atcin zu schöpfen. Während er die ausgestellten Waren musterte, ohne sie in Wirklichkeit zu sehen, fragte er sich, was es denn wäre, das ihn so freudig erregte. Und er muhte bis auf den untersten Grund seiner Seele schauen, um eS zu finden. Ja, dieses war der Grund: daß einer hatte sterben müssen, mn ihm. Reisner, die Wege zu ebnen. Und dah dieser eine, die Nutzlosigkeit jedes Kampfes einsehend, so geräuschlos davongegangen war. Das war geschehen. Und das war sein Erfolg, der Erfolg seines Willens, der sich nun nicht mehr beirren lieh. Reisner schritt weiter, von einem Heer von Gedanken angetrieben, das ihm au den Leib rückte. Wie dutnm war der Mensch und wieviel mußte er lernen und erfahren, mn zu erkennen, dah die Moral nicht ein Mit!- für, sondern gegen die Schwachen war. die mit ihr gefesselt wurden, weil ihre Schwäche, hemmungslos sich selbst Überlassen, nur llnbeil stiften konnte. Für den Starken da-- gegen war die Moral nicht da, und ihm war es auch gegeben, dem Gesetz anszuweichcn. wie einem blind wütenden Tier, das man lenkt, indem man seine brutale Kraft ans eine falsche Bahn, ans ein totes Geleis lockt. Me. war er einst nickt gestraft worden, nicht iveil er getötet, sondern nur verflucht hatte, zu töten? Und jetzt? Jetzt hatte er getötet. llnb die Folge war nur. dah sich sein Vermögen mehrte. Die Schuld aber, die Schuld an deni Tode eines unnützen, zum Leben nicht inehr tauglichen Menschen trug er keineswegs wie eine Last. Wie eine Genugtuung trug er sie. Er war bei» Leben eine Rache schuldig für das. lvas eS ihm angetan hatte. Er rächte sich. Reisner speiste mit Behagen bei Hitler und fuhr sodann in den Tiergartell, den der Herbst schon anfing rötlich zu färben. Die Luft umr klar, alle Farben prangten in Reise und Sattheit. Hub es war, als riese alles mit einer Heiter feit, die ans der Ueberzeugmig erfahrenen Alters kam: genieße, geniehe! Erst gegen Abend fuhr er iH'iui, man begann, als er eintrat, schon das Kontor zu schließen. „Alles in Ordnung?" fragte er rasch. Man antlvortetc ihm, dah die Leiche des Selbstmörders sortgesölmsst sei mrd Fron Gutzeit sich oben in ihrer Wohnung befinde. „Wollte sie n,ich sprechen?" Nein, Man wnhte nicht-. Er ging hinaus, läutete und fand Hilde Gutzeit ber ihren Kindern. Sie sab verweitkt au-, schien aber überwunden zu haben; denn ihre Auaen blickten voll nlüder Ruhe. Reisner stimmte das fröhlich, und er schlug sofort einen bestimmten Ton an, als lägen hinter den Ereignissen de- Tages schon Monate und Jahre. ..Wir wollen beraten," sagte er. „Sind Sie bereit?" Sie nickte. Da Entwickelte er ihr in raschen, sickeren Sätzen, wozu er sich nach reiflicher Ueberlegung entschlossen hatte. Er sah sie dabei mit überlegenem Spott an. Und diese Ueberlegen- heit, die er fühlte, schmeichelte ibm, er spiegelte sich gleichsam in ihr. und er war mit dem Bilde, das dieser Spiegel zu- rttckwars, sehr zufrieden. Daß sie keinen gesetzlichen Anspruch aus eine Abscrti gung in Geld habe, werde sie wissen. Das, wa- er ihrem Gatten und ihr in den letzten Monaten habe zukommen lassen, sei ein Geschenk gewesen, mit dem er sich ihnen beiden habe dankbar zeigen wollen dafür, dah sie. ohne das freilich zu be absichtigen, durch ihren Ruin ihm selbst Gelegercheit gegeben hatten^ sein eigenes Vermögen zu vermehren. Diese Dank barkeit wolle er aiftfj weiter bekunden, dadurch, dah er ibr nun, womit sie allerdings für alle Zeiten abgesertigt sein würde, noch einen festen Betrag von fünftausend Mark zur Verfügung stelle. Und er fragte sie. ob sie damit einverstanden sei. Wieder nickte sie stumm. Er verbeugte sich und zog ein Papier aus der Tasche. „Gut, dann bitte ich. diese Erklärung zu unterschreiben." Sie unterschrieb und gab das Papier zurück. Er steckte es sorgfältig ein und zählte ibr sodann in fünf Scheinen den Betrag oon fünftausend Mark ans den Tisch „Stimmt es?" fragte er. ,Ha. es stimmt." Er lächelte. „Sie sind brav, und das macht mir Freude. Sie sollen deshald auch nickt vergessen, dah. wenn Sie in ollten, Sre immer einen ah sie prüfend an. „Einen Zukunft einmal in Not geraten Freund in mir haben werden." Er Freund!" sagte er noch einmal mit Betonung. „Haben Sie mich verstanden?" „Ja." sagte sie matt. Er verbeugte sich leicht. „Auf Wiedersehelt also — und. wenn es sich tnacht, . . . das heißt, ick dränge Sie natürlich nicht!, . . . aber es ist doch wohl tlötig. daß ich es saget. . . . also, ich meine: diese Wohnung . . . müßten Sie bald. . . verlassen . . ." Sie hörte seine Schritte draußen verhakten. Mit blinden Angen starrte sie vor sich hin tn$ Leere 9. Kapitel. Reisner batte Gluck. Er batte aber nickt nur Glück, er arbeitete auch. Aeußer- lck unterschied sich seine Mber! nicht viel von der. die ec m seiner Jugend in Hamburg geleistet batte. Wieder galt er Ö18 als geschäftlich außerordentlich jrührig, scharf und nüchtern im Denken mtb rasch und selbständig in seinen Entschlüssen. Nur daß diese Eigenschaften jetzt in ibm gewachsen waren -und daß er es verstand, aus einer Stunde zwei zu machen. Er genoß bei allen, die mit ihm zu tun hatten, Vertrauen, welchem freilich immer eine Art Furcht beigemischt war. Diese Furcht galt seiner Rücksichtslosigkeit. Denn es war bekannt, daß er einen unheimlichen Spürsinn belast, dem keine Schwäche des Gegners entging. An dieser Schwäche biß er sich dann bei denen, denen er übel wollte, fest. Und ßonderbawrlveise gab es niemanden, der glaubte, daß Rets- yer ihm wohlwolle. Aus welchem Grunde ReiSner eigentlich überall verhaßt war. Es schien indes, als ob Reisner diesen Haß gar nicht bemerke; denn wo immer er sich zeigte, zeigte er sich mit einem Lächeln, dessen Liebenswürdrgkeit jede Härte und jede böse Absicht Lügen zu ftrafen schien. Und immer war er dabei, den Kreis seiner Beziehungen zu erweitern. Ueber- raschend schnell hatte er sich die Fähigkeit angeeignet, sein wahres Gesicht zu verbergen, und Leute, die ihn das erste Mal sahen, waren in der Regel bezaubert von ihm. Nicht weniger gut verstand er sich auch darauf, seine wahren Pläne zu verschleiern. Stets trat er auf den Plan mit der Miene eines, der nichts will, um sich dann mit spöttischem Dank zu verabschieden, wenn er erreicht hatte, was er wollte. Was das war, wußte man erst, u-enn es zu spät war, sich vor ihn: zu retten. Denn er hielt sein Opfer fest und gab es erst frei, wenn es sein Verbündeter geworden war. Eine Menge listiger Vertrüge kettete so Menschen an ihn, die, obgleich sie wünschten, ihm zu schaden, ihm doch Nutzen stiften mußten. Er war rastlos. Das von Gutzeit übernommene Ge- chäft füllte längst nicht mehr den Tätigkeitsdrang aus, der n ihm steckte, und er hatte es kaum sieben Monate in fernem Besitz behalten. Im Winter fand sich eine Gelegenheit, es mit großem Vorteil zu verkaufen, nebst jenem Haus im Westen, in dem zu wohnen ihm nicht mehr gut genug war. Er brachte eine Billa im Grunewald an sich, die er glänzend einrichtete, und anstatt daß ihm dieser Tausch Geld gekostet hätte, brachte er ihm Geld ein. Er kaufte, verkaufte, kaufte zurück, — er verpaßte teine Gelegenheit, die günstig »vor. Und nie verschwendete er .Daß auf diese Werse seine Mittel sich mehrten, war kein Wunder. Innerhalb acht Monaten hatte er erne halbe Million Mark verdient. In seinem Privatleben genoß er einen tadellosen Ruf, wenn auch den eines Sonderlings, der sich abschloß, der jeden geselligen Verkehr mied, um sich zwischen seinen vier Wänden zu vergraben. Man sah ihn in keinem Theater, bei keinem Konzert, bei keinem Nennen, ja, nicht einmal Liebschaften hatte er, der doch lwch jung und nicht verheiratet war. Kein Weib schien Eindruck auf ihn zu machen. Er bewahrte ihnen gegeirüber eine höfliche Zurückhaltung, hinter der such, wie man glaubte, eine heimliche Verachtung verbarg, me die Frauen indessen nie suhlten, weil die Achtung, mit der er sie behandelte, völlig undurchsichtig war. . In jenen Tagen nun begegnete Reisner einer Daure, die, wie fte sich ansdrückte, den lebhaften Wunsch hatte, seine Bekanntschaft zu machen, da inan sie vor ihm gewarnt habe. Die Unterredung fanb in dem Kontor eines Geschäftshauses statt, das Reisner gemeinsam mit der Dame, die in wetten verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem Inhaber des Geschäftes stand, eben verließ. ^,Man hat Sie vor mir gewarnt?" fragte er. „Warum?" „Weil Sie, wie man mir sagte, ein Raubtier sind." „Ich bin Kaufmann," gab Reisner mit einer lächelnden Verbeugung zurück, „sonst nichts." „Und ein Frauenhasser, wie?" „Nicht ein Hasser aller Frauen," euigegnete Reisner und maß sie mit emem langen Blick. Sie hielt den Blick nicht aus und sah zur Seite. Unter emcm ?// ^te fie auf. „Wollen Sie mir eine Schmeichelei - „ ^5 wehrte ab „Nein, nein. Aber warum sollte ich Sie yossenr Qj. lk,Äa, warum?" pflichtete sie ihm bei, während sie aus die Straße hinaustraten, „wo Sie mich doch gar nicht kennen?" „Doch, ich kenne Sie. Sie sind Mary verwitwete von Marisch. Ihr Gatte verstarb vergangenen Winter im Süden und hinterließ Ihnen vier Millionen." „Sie |iut) gut," lachte sie, „kommen Sie, wir wollen ein wenig plaudern." „Es ist kall," wandte er ein. „Und was hätten wir unH zu sagen?" >,Sie sind ein Bär! Worüber kann man mit Ihnen sprechen?" „Ueber Geschäfte," sagte er sehr ernsthaft. „Gut, ich will Über Geschäfte mit Ihnen reden. Ja, das! will ich, gerade das. Sie sind mein Mann." „Nicht hier," wich er aus. „Hier ist nicht der Ort, über Geschäfte zu sprechen." „,Wo?" „In meinem Kontor." Sre schüttelte entrüstet den Kopf. „Nein, das werde ich nicht. In Ihrem Kontor werde ich Sie nicht aussuchen." (Fortsetzung wlgr.- ' * Dämmerung. Märchen von A. Clara. ES »vor zur Zeit, als sich cuis dem Nrbeginn alles Lebert-, digen leuchtend iuU> zwingend der Gedanke erhob, mtb die ersten Gesetze schuf, daß in die starre Ruhe die Bewegung kam. Ta herrschte über dem Erdeirsteru ein mächtiger König, dev gebot der Finsternis rntd lneß Mandat ha. Tie Erde war ganz in Dunkelheit gehüllt, deshalb Ijatfce sie keine Farben und das Leben schlief in ihr, als wäre es bot. Mandarhas KönitMhwn war aus schvarzem Maruuor, er seihst hatte dunRes, lockiges .Haar, und seine Augen glichen ztvei schlvarzen Seen; sein Antlitz allsmj erschien weiß und schön — es war das einzig Helle in.Mandarhas Königreich. Das schlumnterude Leben in der Erde trug unbttvußt tiefes Leid^um die Finsternis, in der es verkümmern mußte, und stö-hnte im Schlaf. Ties Stöhnen floß wie eine Welle der Qnal in die Unendlichkeit hinaus und wurde vom Gedanke;t erfaßt. Er ließ sich von ihm in Mandarlms finsteres Reick) führen — mtb es er-, barmte ihn. I)dun jarat er lange Heil, wie er Hilfe bringest könnte. Und er schuf das Licht. Es ?var anznsehen wie ein wunderschönes Weib. Tie Haare glänzttu wie lichtes Gold, das Gewand schimmerte weiß und fein, und die Angen laibchdetQl mrs dem bellen G> sicht, daß es ringsum hell '.vurde. sobald sie offen tvaren. Ter Ge^ danLe namtte das Licht Jalvada, und er freute sich über die unendliche Schönheit. Aber König Mandarha weigerte sül)r das Licht aufzunehmen, loeil er darin eine Besch,ränkung seiner Macht sab. So kam es zu einem gewaltigen Krieg, in dem der Gedanke siegt denn er war mächtiger als die Finsternis. Er gebot Jalvada, das Reich des Königs Mandarha zu durchwandern und zu erweckest. tvas schliefe. Dann sollte sie zu ihm zurückkehren und Mandarha mochte während der Stunden ihrerl Abwesenheit sein altes Herrscherrecht ausüben, bis sie uneder kam. Jalvada machte sich auf den Wog, und Mrndarl-a floh, ehe sie kam, in die tiefste, dunkelste Schlucht seines Reick-es. Tort rang er mit feinem Schmerz, deren er war sehr stolz. Ein heißer Zorn gegen; den Gedanken rmd Jalvada stieg in ibm auf. er schteiwerte den g-e-, schitndeten Herrscherstab von sich rmd riß die Krone aits seinem Haar. Tann wurde er plötzlich ruhig, nicht einmal vor sich selbst wollte er zngeben, wie tief verletzt er war. Bon feinen Lippen strömte ein Eises hauch, sein »ksichr 'wurde leblos starr, rmd aus feinen Augen taute es nieder — der erste Reif. Indessen batte Jalvada das Reich der Finsternis betreten, und ihr Mick fiel mwermitttelt in die Dunkelheit. Da wurde es mit einem Male leuchtend hell. Und die, Erde, die keine Ahnung! der naher, Erlösung hatte, zuckte irr fassungstosent Entsetzen zw, sammeu, «und das leise Leben, das üi ihr war. verkroch sich scheu und dielt erschreckt den Atem an. Jalvada sab, wie sich alle Herzen in YRandarhas Reich vor ihr schlossen, und sie fühlte eilt großes Mitleid in sich, aufsteigeu. Das ivar roie eine warme Quelle in ihrer Brust, die ihr die Augen ferchtete und ihren Strahl verzehnfachte. Wie eine weiche Hand streichelte ihr Licht iib« die Erde. >me ein sielender, tverbender Hauch flog ein Lächeln von U>ren Livpen über die geschossenen Herzen. — Ta öffneten sie sch — sie mußten sich öffnen. (foft geschah cs ganz leise und schichtest, marrche schlossen sich tvohl wieder-, aber auf einmal blickten sie alle staunend um sch Das Licht schmeichelte weiter, und J alvada4 Antlitz ^strahlte, und die Herzen wurd en .immer offener und Jalvadas Licht frei mitten hinein. Ta schritt sie lang, sam vottvärls, und von ihren zarten Füßen ging ein feiner Strom in die lebensfremde Erde; sie leiste ihre Hände ans den Boden, baj wurde der e>tn>m kräftiger. Wie ein träumendes Zirpen fing es tief drinnen cm mtb wurde stärker und stieg mtb iovgtc mtos wurde zur Welle und roitrde ztun Meer und brandete mü dem Mken ixmuerubeit Iubelschrei weit über die Grmzen des Reiches hmails. lLrne zittnnde Mjanne ging durch jede gchcimste Fas« bis f her Erde, eine fliegi«ck>ö MLrmte pulste durch das trage Leben wck machte eS erregt imb freudig. Indessen schritt Jalvade unermüdlich rveiter, und als sie «Mich das^ ganze Land durchwandert hatte, da war es erschöpft von all dem Ungewohnten und schlief beruhigt Und wohlig ern, ehe Jalvada es Verlässen hatte, um der FrnstermS Raunl zu geben. Ms auch nickt das kleinste Licht sünkchen mehr zu fürchten war, verließ Mandarha feine Döhle und stieg herauf. Ta flog es ihm entgegen wie eine leichte Regungt und unter (entern Tritt.fliuß es durch die Finsternis toie ein Pochen — denn die Erde atmete Und all die offenen Herzen sangen den fröhlichen Taft ihres Lebens. Eine dumpfe Verzweiflung ergriff den König der Finsternis. sein Land ivar ihm entfremdet, seine Machlt gebrochen — er mußte heimatlos uurheriri en mck sich verbergen mit seiner Schmach. GS fror ihn zum ersten Rtale — dann kan: ihm plötzlich eine aufbrausende Witt, er ballte die Fäuste und hob sie empor, um sein Reich zu zerschmettern, daß es mit ihm in ein Nichts versank. — Tie Erde träumte indessen und sang im Traum noch einmal das Jubellied des Lichtes, das llang so fremd und bezwingend, daß Mandarha die Arme sinken ließ und tote gebannt lauschte. Bald nahte die Zeit, da Jalvada wieder üb«- Mcuckarhas Reich wttndern sollte, und sie bat den (^danken um Arbeit für die neu- erwachten Kräfte, daß sie sich stählen und vermehren konnten. Er nickte zufrieden mrd gab ihr drei Samenkörner. „Tarin sind alle Wüten verschlossen," belehrte er sie und deutete auf ein Könrchen. „Tarin liegt aller Duft," so bezeichnte er ein zweites, „nnd dies hier, das enthält dre köstlichsten. Früchte." Als Jalvada das Reich der Finsternis betrat, fern ihr schon eine scheue Erwartung «ttgegen, ein heimliches Berlculgen nach ihrem Licht. Sie empfand den Hauch der Kalte, der überall lag, und der von Mandarhas Herrschaft zurückgeblieben war. Ta dachte sie Mm ersten Male an den besiegten König, und sie ging über das erwachende Land bis M AdandarhaS dunllen: Thron. Hier blieb sie sinnend stehen. Wie mußte sie der seltsame König hassen, tveil er lieber sein ganzes Reich auf das Spiel setzte, als daß, er ihr das geringe Recht, das sie begehrte, zugestmck. Uni> ihrer lichten warmen Seele tat die Abneigung des Unbekannten weh, imd sie trachtete darnach, ihn zu versöhnen. Mit plötzlichem Entschluß fattfce sie das Körnchen mit den Mitten in eines der offenen Herzen, das am heitersten und stärksten in die Erde schlug mck sagte: „TaS ckllst ba: hegen und pflegen. Du sollst ihm Wärme von deiner Wärme und Kraft von .deiner Kraft geben. Es ist ein totes Korn, du aber sollst es zum Leben erivecken und sollst der Schmerzen Nicht achten, wenn es dich mft seinem Reichtum bedrängt nnd zerreißt. denn es muß empor — z:rm Licht!" Tie Erde schauerte rürgs, um das beschenkte Herz und bettete es bebend, so iveich sie nur konnte. Jalvada deutete auf den Hügel, der den schwarzen Thron trug, und sagte: ,,Da§ .Samenkorn hat Millionen Blüten, die sollst du austeilen, aber hier sollen die ersten und schönsten stehen." Tas Reich der Finsternis vergaß zu jauckizen und singen, über dem Bewußtsein, daß es blühen durfte. Tie ganze Erde lauschte nach der einen Stelle, wo das gesegnete Herz scklugi, und sie umhegte es mit rastloser Sorge mck wertete, daß es seinen bmrton Reich- tmu überallhin ausstreu«: wurde. Ms Jalvada den Grenzen des Reiches zuschrftt, kam ihr der Gedanke entgegen. ./Nun, hast dir die Samenkörner ausgeteilt?" sprach er sie an. „Rur eines," antwortete sie, „das die Blüten enthält." Tabei roandte sie sich imd sah traurig nach der Stelle, Uno sich Mandarhas Thron erhob. Der Gedanke beobachtete sie scharf. „Wo ioerden toohl die schönste.,: Blumen stehen?" forschte er scherzeiw. „Um den schivarz«: Thron dort," crwiederte Jalvada und dabei stieg ihr ei.ie lichte Röte in die Wangen. Der Gedanke lächelte und ergriff ihre Hand. „Steh," sagte er mü> deutete über die Erde, „lvenn das Licht errötet, dann strahlt die ganze Welt im Widerschein." Jalvada wandte sich ab nnd bedeckte die Augen mit der Hand. Ter Gedanke legte den Arm um sie und führte sie hin^oeg, denn die Zeit der Finsternis sollte kommen. Mandarha stieg mit müden Schritten auf seinen Throu. Er achtete nicht darauf, was um ihr: vorging, er stützte das Haupt in die Hand und sah mit fein«: düsteren Augen in die Unendlrchkeft hin ans. Plötzlich riß ihn eine Stimme ans seinen Sinnen. „War:un trauerst du, Mcuckarha?" Er fuhr empor — im selbe,: Augenblick wußte er auch, >ver :hn ansprach. Er zögerte, dann kam es urnh imb bittet von seuter: Lippen: „Das fragst du mich, allmächtiger Gediucke?" „Ja," ertönte die 'Anttovrt ruhig! nnd gütig, ,,denn dir ist nichts geschehen, was nicht zu deines Reiches Heil war. Warum zürnst dir? Willst du. nicht Freundschaft mit dem Licht schließen?" Mandathä rwlg nach Worten, er hatte alles hümusschreien mögen, feine Qmck nmd sinnen Zorn — aber er fand keinen Laut. Endlich rang es sich tonlos' tmd trotzig aus ihm heraus: „Nein—. niemals!" — In dem Augenblick ttat Jalvadc ahmorgSloS über die Grenze des Reiches, und ihr Mick was den König. Er starck van Gold :m:» Msen hock mck herrlich in seiner finsteren Majestät und konnte die Augen nicht von dem Weib wenden. daS wie ein Engel der Schön, ft zu ihm getreten loar. Mit einer heftigen Bewsgung rißer endlich los und verschwand in der weichenden Dunkelheit. Jalvada drückte die Hände auf die Brust, ihr lvar, als hätte «M' Herz zu leb»'n aufgehört vor jähem Schrecken. Tos also war der besiegte König: stolz sich er ans Und jb — schön ©fee fühltet einen Schmerz in ihrer \£>eejc, daß ihr fast die Sinne sctzvanden. Ta griff es mtt mrsickMaren Händen nach ihr mck tausend Dttmnwni riefen bittend ihren Namen. >^re raffte sich auf und ging die gewohnten Pfade. Ganz zuletzt Lun sie zu Mandarhas Thron nnd hätte in ihren: Leid fast aufgeschrien vor Freude, denn hier jubelte das chen, er ist nicht wert, daß du das Opfer bringst." „Ich liebe ihn!" Ter Gedanke ergriff Jalvada bei de:: Händen: „Eber: deshalb darfft du nicht sterben: im Gegenteil, du mußt für ihn leben k Nur geduldig mußt bat fein und warten, bis er selbst nach dir verlangt." Inzwischen wia-r Maickartza zu feinem Thron gekommen. Da sah er das seltsame Gebilde rings herum- stehen. Tie einen sahen wie kleine Kugeln aus, die a:ckeren wie Glocken. Um sein Gesicht strich ein ferner Tust wie kosende Geisterhände. Er bsrgte sich um besssg: M sehen; sie schlief«: olle, nur dort — ein einziges der seltsamatz Geschöpfe nictte mit dem zlertichO: Köpfch«:. „Wo kömmst d« her?" srug M^charha. „Hier heraus," flüsterte die Müte und detttete nach mttsn. „Mer da war es seltsam," plauderte s«, „letzt ist es schöner mck zuerst — v. da war es am aller schönsten." Mandarha: richtete sich mit einem Mick auf, aber er kvnnte es doch nicht lassen, zu fntgen: „Was war zuerst?"^ — „Ta war s i e da," erzählte die Blume, „und sie ist so licht nnd schön uttd ihre Locken sind lauter Gold!" Mandarha biß sich auf die Lippe::, er rvnßte sehr gut, luet: die Blume premt*, trotzdem stellte er die Frage und seine Stimme klang, als hätte er starkes Herzklpfen: „Bon wen: sprichst tm?" <" ?r - " r - Jli - "'^cka." „Bvn inetnte bic Maickarha blieb reglos stehen. „Meinst du?" fragte er bitter. ,^J-a," nickte die Blüte eifrig, „sie hieß uns stlr dich blühen und trug nns auf, du solltest, ihr verleihen." — Mandarha erschrak fast: „Tat sie daS?" „Sie tat sogar noch mehr," antwortete der Gedanke ernst, der lmfremerft gewinn:«: war, „sie tvollte für dich sterben, daß du! wieder glücklich nn'irdcst." Mandarha senkte das .Hairot :nck sein« Mger: streift«: mit welchen: Blick d:e BlnNum, die sie für ihn hatte erstehen lass«:. Er hätte sie gerne geküßt, aber er ichänne sich vor; dem Gcka:rl«:. Ter sprach roeittr, als er kev:e Antwort erhielt: ,Lch lasse Jalvada nicht sterben, aber ich will dir trotzdem helfen imb dir ein aickeres größeres Reich geben. Nur die Stund«:, in) den«: jalvada ruht, sollst di: hier Wache holten. Nw: geh, das Licht w:rd bald crscheir^i:." -- Mmckarha stand, als hätte er ge- träuntt. Ein aickeres Reich sollte er bcherrsch«:, frei sollte er sein von dem drückend«: Bewußtsein des Besiegten. er jickelte bell auf und eilte seiner n«:en Heimat zu. So oau$ glücklich t'omltc Mandarha uckessen inchr sein — trotz der Freiheit — trotz der neuen Herrsck-erwürde uitfe. Dem: am Anfang all seiner Gedanken stand Jalvadas helles Bild, mck am Ende seines Bewußtseins lockte imcker ih:- holdes Gesicht. Ohne daß er selbst wußte, lme es zuging, wuchß die Sehnsucht nadji ihr riesengroß in ihm empor nnd machte ihn unruhig imd traurig. Und auf einmal wußte er, daß er sie lieber hatte, als alles andere, daß er arm und verachtet sein wollte, trenn er sie bann erring«:' konnte. Er ging zum Gedank«: i:nd sagte es ihm. Der Iff-rMM nur, als hätte er alles voraus aelvnßt: „Da sieh mrr selbst zu, daß du es ihr anverttauen kannst." Und Mandarha wartete, bis Jalvada kam. Er überlegte genau, Ivas er ihr alles sagen tovllte, aber als sie erschi«:, so lichck :nch strahlend, da breitete er nur die Arme toeit aick irnd sie flog wie ein lebendiger Sonnenstrahl an feilte Brust. Licht und Finstentis waren vereint zr: einem sanft«: Schein. Ter Gedanke feernete Ataudarha nnd Jalvada wck nannte ihr«: Brnck — Tänunerung. ver ttriegskellner. Bvn Karlernst Kna«» (Nachdnrck verboten.) Jeder, der diesen Raum betritt, bargt sich rntter dern ül>er< wältigend«: Eindruck wlgeheuerer GefMstigreft. llnd man kann »s n&k rtnwmrt spotte« S.' t*rt fiiro um timm Eierfml«,! Dem,, fitem S«e. bet CKrrtutftrw ift dCfhTÄnc O. e# ift wirft i*Kf in N «rtrrvtK*it und irr möchte jeder kanzler abgegeben dalt'. da! viel zu um. Nur scheint mir das eine leider sicher. gerade znm SVHhter uuubc er nicht geboren. Zur Zeit führt er drei heftige Erörlerimgon ;ugloich An dem Tisch links binten must er erbittert auseinandern'den. er habe nnr ..einmal Birnen" verstanden. Nur einmal. Nicht zweimal. Tenn wenn er ..zweimal" verstanden batte, barat würde er selbswerständlick» . . . 'Fünf M?t?r dai^'N feit er eine ausgiebige Benlmdimg im Ginge, weshalb es zwecktt>s ^e>. mit solcher HartnHcki,i5a.t die Speisekarte zu verlangen. Erskens stände wenig darauf, lind zweitens sei es aestrichm. Ta er taut — drittens — einem lärmfrohen Stamm- lische ganz vorn rechts luit sehr vielen, dafitr aber auch deutlichen imd ungemein Volts tümlichen Wendungen Narzumacben sucht. daß das Helle frisch angesteckf werde. daß er persönlich. bevor der Hans- tnocht ferne Pflicht getan habe. eS sich nicht ans den Rippen schneiden könne. daß ein le^wes Fast weiß Gott doch min einmal nichts Vergebe nun. so bat der flium ;n tun. Denn er fübrt diese drei Fedden mühsam. aufgeregt, in Absätzen und abwechselnd fort, wodurch seine Ansfüvrumnn wenig mi sliarheit gewinnen und (Besatzr laufe?!. cunziich mr lieber Krtznug zu »cheikern. Zivischnidnrch bedien, er. Ter l»eschrnlich Befrachtende gewinnt ton dieser Tärigkeil enoa solgcichen Eindouck Ab und zu klingelt'H irgendwo. Ta? ist die >Jikb . es klingeti deftig, anlialtend und unschön Daraus schreit der schwarze Setbstbeberrilver (die verschiede- neu zäsarisch geiübrten iluöeinandeist^nngen jäb unterbrechend»: .Iawoll! — Na. jenüß und sdiirzt ab. Ta nach der Gewalt des Glockenzeichens jedesmal anq-enommen werden mus^ er werde iqiu mit einem reichbesetzten Brett, umwölü von den üppigen Dämpfen eines Menaisstmremadle», erscheinen, so enttönscht er aus? häßlichste. wenn er nach so gvoßorligem Abgang die Pülme ivieder mit einem winzigen Toller mit Birnen, einer Sch.übe Brot od^n einem sauren Hering betritt. Es lind übriwms keineswegs die Birnen, dir dort brübou ..zweimal" benüli wurden. Der Fall ist noch nicht gektä«. patt» oche die S chnlbfrage nicht ennvandfreö ausgebellt ist. aibts -einen Frieden. gejwoeigc denn Nachtisch, nicht wahr? Deefk Machte»! (denkt der Kriegs'kellner. der in jedem ande wr Berufe sicher io WuA»n^eichnel«s geleistet hätte. k Diese Menschen! spännen sie einem v»d, die Rüde lasse»? Ta npen sie und bestellen. Bestellen! Kaum haben sie etwas bekommen es ist noch keine halbe Sttrnde der da nwtlen sie stüin wieder etwas, lind meistens drei zu gleich r Zeit. Bin ich Schnei läniec? Bin ich Parterre Wkrvbal? Zwn Sttntdeat sitzt das B?lk hier, mW dann null's auch noch bedien«, sein? Ader er rächt sich. ..Vas mdchten Se? Was Warmes möchten Sie?^ Ja. das möcheeit Se woll?" Und mit der baarigeu Faust die Speisekarte bedettend. pfeffert er -s-obtge Striche durch die dünnen Hefrographon- «iken. ..Da.s is alle. Das is ooch alle. Das is nich mehr da. Uttd das io gestrichen. Zander können Sie **xfi haben 3 Mark. — Äano?fdn? (er locht höhnisch), Haben Sie schm mal tosiAn jesedn in st»'ne Zeiten?" Und etwas weicher, mit gernnzek» ter Stirn fugt er hinzu: ..Birnen können Sie »wch fcifreu zu dem Hanbez Intwi-Äen sind die heistmusn-ittenc-n Fragott vo,t vorbin durch harte Tats«ben unerweuktch aber abschließend beantworiet inotben. Die Birtten smd auch ;,t Ende Die Speisekarte verlangt keiner mehr, da sie überflüssig ist. und das neue Fast bet ton BiereS lvar eine eitte Hoffnung. Das Schrnkfrärtlern bat sich geirrt (»me ge- wöhnlichv Es ist gar kefns mehr da Der )^rieqske Wer bat recht? Mrb dünkt, leider, sie staben jetzt innner rocht, die jeri-egükellner. die Schvarzieber u.td die Mmtsterpräsidenteit. ..Es ist »tichks da?" „Do.s möchtet Ihr roovl??". ..lind wer har recht?" llm> dunkel werde,' die Augon. fottst der spastbaften ttuvotlkamutcn heit der Welt V> weit geöfstsek: der blutige Laietkasten des 6üioves &er« n«rfmt Geist Mrtb Herz ... »«4*0W. — DaS Seetenleden im Kk c rege. Wer gute Kriegs- berichte Van l-Act-tuage rmsmerHsam liest, dom entgeht nicht, bah sie, mit denen früherer Zeiten v«gli<^en, eirum für unsere Zeit, unsere Wissenschaft und SPunft ker««»etchneswen Zug an sich tragen ; die scharfe psycho>st>gisch^ B«bach!in»g Dieser feine Smtt für die unenirffcb tMigefwltigen Vrstchei,na^en bei Steif(tldwtfil ist ei» köstlicher o^-uckcht der dmüitt det geistigen ' -.^nchrchWunaen der Ewgemmrrl llild gerade der Kliog erzoilgt durch die nngewöhu^ Inten und dücvsten 5.pmnvnmachter als tvertvolle Entderkungen. Lies gilt sonwlrl von den Vorgängen. wo Massen sich unter gleichen Verbal ln iss en dcnvgen als besonders ailch von den zahlreich geschildert teil Taten und Erkebnissetr eürzelner. Ein neues Feld der Ber- schiedentzeitai rmd der Socüe!n.sffenbarnngen tut sich aus bei der Be* obachtung der mannigfaltigen, anr Krieg beteiligten Böl^-rsehaftirr Leser, du- am Seelischen Genuß finden, mögen sich z. B. die Hefte des „Bolkerkrieg" (Heranscpüvr Tr. C. H. Baer. Verlag von Julius Hvfsmami in Stuttgart« crnsehen, deren soeben erschienen« ««mmern 145 und 146, die die österreichische Offensive gegen die Italiener vom Frübjobr tstt6 behandeln, ganz besonders reich sind an psml-.'logischen Reizen. Eine Einzelheit mag herauS- gegriffcn lverden. Ter Italiener wird mit seiner im Kriege zutage tretenden Art charafberisiert: ..Alles, was sie tun. ist pathetisch tutb sentimental. Krassere Gegensätze als hier den sensitiven, mich bat wirklichen Affekt abrundendcn Tvagödai gegenüber der säst urwelt- lud fchlillsten. aber feurig«! cctuen Ungarnatur — gibt s tvohl an keiner Front. . . . Alles ist klingend, romantisch, ästhetisch llnd eS soll Vorkommen, daß die MMmschrit Beifall klatscht, wie im Tboatcr aitbiaubren, uviut ein Offizier ans dem (straben springt, um mit grastartiger Gebärde das Zeichen zum Sttirm zu gebar" Leser. u»el.' anfangen, die Kriegsschildrnmgen langweilig mld gleichfarniig zu finden, mögen einmal ibr Interesse auf 'dieses Gebier mnfenftu; sic werden übeir-aschr sein, eine stets frische. Qucklr der schönsten Anregungen gcrad? in den Kriegvberichtt»! zu finden. K ' r s i z Hofm. Herz i st T r «i mns. Mman Umschlag Zeichnung von Olaf (-illbranssou. EinbanEtwurf ovn sfelger. Prris geh. 5 Mari. Vcring von Atdert Lanaen in München. — Es ist ein humoristischer Atzmuru im schönsten Sinn des Won cs. ein Werk, das übermütige Ästigkeit mit innerlichem Ernst, fimbcln- den Wiv mit narl5en?ticb?r Lebensweisheit .u küirstl-erischer Horr. monie vereinigt. — Meister bei deutschen Lnrik (von Ktovstock bis Lillencron. HerMisgegelien von O Ska r La ng l^l»S. Verlag von Otto Hendel. Halle.» 3 Mt Diese neue Gedichtsammlung, nicht nach swfflichen Gesicktspimiten. sondern lchigliw nach der künstlert-- scheu MeisterstlMft hin auspe.vghlt, bict« ein lückcnbases Bild bet 4vrisch.-n Entwikkbmg von Kl-opswik bis Liliencwn, m etwa 45-0 Gedichten. — Die Schädigungen der Nerven und des gei^ stigcn Lebens durch den Krieg. Bon Prof. Tr. :>lbolf Strümpell. Tirei'tor dei med. Klinik in Leipzig. Berlag tarn F E W Bogei in Leidig. Preis 1.60 Mark, Die Weltliteratur. Nr 47: Marie von Ebnere Eschen buch: EModwig. Aietzener Hanbfrauen-Berem. Kochanweisungen falsche Makronen. 300 Gramm Haserilorten durch dke Maschine getrieben, 2 Eier mit 200 Gramm Zucker schiumig ge^ rührt, dazu Schale und Saft einer Zitrone. 8 —12 geriebene bittere Mandeln. Die Masse niust 2 Stunden stehen, damit sie dnrchziehl. Ifl sie zu flüssig, kmmnen noch geriebene Haserslocke«! lnnzzi. ßkeks mit Sirup. Biund Äriegs- oder anders Meh^ Jt Pfund Grieß ober Maisgrieß oder Hasermedl, y U Pfund Zucker^ 1 Ei, 3 Eßlöffel Sirup, l großer .Kaff<-elöfst:t Natron, nach Gr^ schmack gesvoßenor Zimt, ein nwnig Anis. Mes dteo tttzhtW geknetet, ansgerollt. .stfks ansgestochen, ans gefettetem, bewebltem Blech gebacken. Falsches Gehirn ans Haferftocken Man vermische 1 Tasse (60 Gramm) Haserslocken mit ! Ei, 7« Liier foltern, Wasser, Salz. Pst'sfer nack Geschmack und einem zerdrückten Brüh, würfet. Diese Mischung gibt man zu zwei klein zerschnittenen ge* dampften Zwiebeln nrto läßt diese Masse 3 Minuten unter Um« rühren durchkockicn. bis sic dick ist. Mau kann dieses Gericht in Mnscholn füllen, mjt geriebener Samuiel ü^rstreuai. SBufcfca* flöckchen da tauf und kurze Zeit nb?rbacken. Auch ctn-aS Zittvnen^ saft darauf ist gut. Bchr».stlei',mg Megrr. — ZwülingSrnnddenck der Brüh''scheu ttn v.-Buckv und Steindvuckerei. R. Lange, Gtrtzen. Die Reicher. Roman von Hermann Wagner. (Fortsetzung.) „Kommen Sie in meine Wohnung," lud er sie ein, ohne im geringsten einen frivolen Ton anzuschlagen. Sie sah ihn lauernd an, als versuche sie es, in seinem Gesicht zu lesen. Aber ihre Mühe war umsonst, sie fand nichts, sein Gesicht blieb ausdruckslos. Da ries sie aus: „Ich komme! Ich komme bestimmt, und Sie müssen mich empfangen! Sagen Sie, wann!" („Da ick) den Tag über .ehr beschäftigt bin, empfehle ich Ihnen, abends zu kommen. Um sechs." «„Abgemacht," sagte sie, „ich komme. Ich komme in Geschäften. Nur!" Sie gab ihm die Hand, unb er lüftete förmlich den Hut, so daß es aussah, als ob zwei schieden, die wirklich über Geschäfte gesprochen hatten. Reisner setzte seinen Weg fort und dachte bei sich: Wie kommt es, daß itchi igar nicht einmal weiß, ob sie schön ist? Und warum habe ich gar kein Verlangen nach ihr? Nein, nicht nach ihr und nach keiner anderen. Sie fühlt das. Und weil sie das fühlt, kann sie mir nicht entrinnen. Sie ist mir sicher. Daheim aber sagte er zu seinem Diener: „Prokop, morgen abend, Punkt sechs, wird unten am Gartentor eine Dame läuten. Du läßt sie ein und führst sie in mein Zimmer. Jch will dann ungestört sein." * Am nächsten Abend, pünktlich auf die Minute, läutete Frau von Marisch am Gartentor seiner Vil^ Die steinerne .Höflichkeit deö Dieners machte sie be- S an gen, sie bewies ihr mehr als eine malitiöse Miene, wie ihr Hesilch aufgefaßt wurde. Sie machte bcu Weg aus dem Garten bis ins Haus mit leicht gesenktem Kopf, als ob tausend Augen auf sie gerichtet wären. Erst als ihr Prokop die Tür zu Reis- ners Zmrmer öffnete, gewann sie einen Teil ihrer Haltung -urück. „Was denken Sie jetzt von mir?" fragte sie Reisner, rot vor Erregung und nach) einer Heiterkeit suchend, die sich nicht finden lassen »vollte. „Daß Sie in Geschäften zu mir kommen," antwortete er gemessen, „was sonst?" Sie warf zornig den Kopf hoch. „Gewiß. Obwohl Sie Ls nicht glauben . . . Denn Sie glauben es doch nicht, wie?" „Doch, doch." „Jawohl!" Sie warf sich mit einer Unbefangenheit, die sie noch nicht ganz beherrschte, auf die Chaiselongue, ließ sich von Reisner eine Zigarette und Feuer reichen und musterte anerkennend den Raum. „Jalvohl! Ich komme zu Ihnen, um Sie zu bitten, sich meiner anzunehmen. Denn ich vertraue 8bnen. Gerade Ihnen und just deshalb, weil mau mich vor Ihnen gewarnt hat. . . Sagen Sie mir, daß ich mich in Ihnen nicht täuschen werde, — bitte, sagen Sie es!" Um ihrer Befangenheit Herr zu werden, fing sie plötzlich an, eifrig zu reden, ununterbrochen, ohne daß sie ihm Gelegenheit gab, ihr ins Wort zu fallen. Er tat das auch nicht. Die Arme über der Brust gekreuzt, stand er einige Schritte vor ihr und^sah sie unverwandt an. Es war unmöglich, zu erkennen, was er dachte. Ja, sie sei gekommen, um von seiner Börsenwitterung zu profitieren, da es ihr Spaß machen würde, Geld zu verdienen. Er solle ihr raten und Helsen. Sie wünsche ein Papier zu kaufen, für eine hohe Summe, für hunderttausend Mark. Aber eines, von dem er überzeugt wäre, daß es steigen müsse, und das er auch selber besäße. Sie glaube nun einmal an sein Glück. „Wollen Sie mir also raten?" bettelte sie. „Es fragt sich nur, ob ich das darf. Auch das Börsen- spiel ist ein bloßes Spiel. Mau kann auch verlieren." „Ich glaube nicht daran, daß Sie verlieren," warf sie, ihn bewundernd, ein. „Sic verlieren nie. Ich vertraue Jhnev blindlings." „Und wenn Sie doch verliere»:?" „Ich fürchte mich nicht!" „Und wenn ich Sie betrüget „Ich glaube nicht, daß Sie den Mut haben, es zu tun!" Sie spielte mit ihren Gedanken und Worten, als seien es glitzernde Bälle, mit denen sie jongliere. Sie hatte Furcht, ja, aber diese Furcht »var prickelnd. Es,gruselte sie, doch dieses Gruseln glich einem süßen Kitzel. „Es müßte Ihr Ernst sein," sagte er zögernd. Sie bat ihn um ihr Täschchen, dem sie ein Scheckbuch entnahm. Auf seinem Schreibtisch füllte sie einen Scheck über hunderttausend Mark aus. Diesen überrckchte sie ihm. „Glauben Sie nun, daß e§ mein Ernst ist?" fragte sie, bemüht, eine halbe Geste, ein leises Sichverfärben an ihm zu erhaschen, das ihr verriete, ob er triumphiere. Er wendete das Papier lässig zwischen seinen Fingern. „Es ist doch nur ein Spaß, den Sic sich da machen," sagte ^ er, „ein Spaß, den Sie sich etwas kosten lassen, das gebe ich zu. Sie wünschen, zu spielen, ja, — aber nicht aus der Börse, sondern mit mir!" „Lehnen Sie ab?" fragte sie bestürzt. . v,3m Gegenteil, ich nehme an, — ich nehme das Spiel an, das Sie gewillt sind, mit mir z»l treiben! . . . Welche Papiere wünschen Sie zu. kaufen?" „Die, die Sie mir empfehlen. Nur die." „Sie wünschen zu gewinnen, — viel zu gewinnen?" <^a." pwut der," belehrte er sie, „hat Aussicht, viel zu ge-- winnen, der auch beit Mut hat, viel zu »vagen. . . Haben Sie diesen Mul?" „Darf ich ihn haben?" >,Jch hatte ihn," sagte er trocke»». Er schloß ein Fach seines Schreibtisches aus und entnahm ihm ein Bündel Pa- LL2 Viere, das er ans den Tisch warf. „Diese Papiere, fuhr er fort, „habe ich. vor zkvei Monaten gekauft, billig, für fünfzig- tausend Mark, denn sie kkarrden damals sehr niedrig und sie laten das, weil es hieß, sie feien schlecht und sic würden noch tiefer fallen. Wer ich. riskierte das Wagnis und kaufte sw. Heule sind sie auf den doppelten Wert gestiegen . . . Nun, ich bin bereit, sie Ihnen 511 verkaufen, für hunderttausend Mark." Die Aufregung hatte sic stumm gemacht. „Gerade diese —?" fragte sic furchtsam. Er verzog spöttisch die Mundwinkel. „Sehen Sie, — jetzt haben Sie doch Angst!" „Ich?" Sie sprang auf. „Nein, ick) kaufe sie! Sofort! Hier ist das Geld!" Sie war rot geworden. Altes fieberte plötzlich an ihr. Sie drängte ihm den Scheck erneut aus und bat um die Papiere. Er ta.^ stumm, was sie verlangte, schrieb, was zu schreiben war, und verschnürte ihr die Papiere zu einem kleinen Paket. „Da," sagte er, indem er ihr das Paket überreichte. Sie strahlte. Es freute sie, ihm zu zeigen, daß sie keine Angst harte. „Werden diese Papiere steigen?" fragte sie. „Hätte ich sie nicht verkanst, wenn ich daran zweifelte?" „Aber — Sie haben sie doch verkauft?!" Sie wurde lvieder unruhig, weil es eine absolute Unmöglichkeit war, in seinem Gesicht zu lesen. .^Jhnen habe ich sie verkauft, ja. Nur Ihnen. Wären Sie nicht gekommen, dann lägen sie noch in meinem Schreibtisch." „Warum gerade mir?" fragte sie, ihre Gedanken gewaltsam zusammenraffend, denn in ihrem Kopf schwirrte es. „Aus Aberglauben," antwortete er ernst. „Sprachen Sie gestern nicht davon, daß ich die Frauen hasse? Ich hasse sie Mar nicht, aber ich fürchte sie. Bon einem Papier, das ein Weib von mir verlangt, glaube ich- nicht, daß es mir Glück dringt. Das schlage ich los." Eie ließ sich auf die Chaiselongue nieder mcd stützte den Ävpf in der: Armen. „Nun gestehe ich, daß ich ratlos bin," sagte sie enttäuscht. „Ich durchschaue Sie nicht. Was ist Wahrl-eit an Ihnen und w-aS ist Lüge?" Sie hob den Kops. „Und ich hatte doch geglaubt, daß Sie nett mit mir sein würden — ja, nn toenig nett!" Und sie seufzte. Er blieb schweig sank und ging, in Nachdenken versunken, mit langen, lautlosen Schritten im Zimmer auf und ab. Es war nicht zu «rfetmen, ob er sich, mit dem beschäftigte, was sie zu ihm gesagt batte. Plötzlich aber wakkdte er sich zu ihr und fragte: „Wollen Sie mir nicht sagen, welches der wahre Grund ist, der Sie 51t mir geführt hat? Was wollen Sie von mir? Sagen Sie es mir, ohne $11 lügen!" Da fragte sie ebenso offen zurück: „Was ist es, was Die von mir wollen?" „Ich wollte Geld an Ihnen verdienen," antwortete er ehrlich, „ich habe ein Geschäft mit Ihnen gemacht. . . Und Sie'?" „Ich wollte Geld an Ihnen verlieren," gestand sie leis eln, „ja, das wollte ich. Damit rechnete ich. Aber ic ivollte auch dahinter kommen, wer Sie sind. Sie ziehen mic an Aber ich bin ratlos. Ich bin rkUlofer als Mvor." Er schien noch zu. warten.- . Sie fühlte seinen kalten Mick imb feitfte den Kopi „Warum haffeil Sie die Menschen?" fragte sie sclMcksterr "Und warum Riffen Sie auch die grauen? Was haben fi Ihnen getan?" „Ich werde mich hikten. Ihnen das zu sagen," anttvor tet-e rc und machte seine Worte bewmtimgsvolt und düster „Seheir Sie, mm sind Sie der Feige! Nun sind Si es, der sich furchtet!" Und sie wiegte den Kops: „Ich hatt nicht geglaubt, daß Sie furchtsam sein könnten... Ol vielUacht ist ^hr Geheimnis gar nicht so rück!" Und si untstcrte chn, rmckweise, von oben bis rmten. lk - ] ! iff >^.gefallen uub sagte baam: „Ist es Ihr Absrcht, mrr einen Aittrag zu machen?" „Und iverur — ?" fragte sie. Er durchschnitt niit einer sicheren Hattdbeweauitg lsi. „Ich würde mein' faaen. unter alfam nwifM«w ol mt „Ich würde .nein' sagen, unter allen Umständen" glerch mich Ihr Reichtum reizt!" „Bin ich mix reich? Gar nicht schön?" . „Ich habe Sie noch nicht curgeseherr . . Sie sprang aus, packte ihn ait beiden Armerr und ve „Sehen Sie mich au! Tun S es! Ich bltte Sre! Ich siehe Sw au!" Tr tat ihr den Willen rrnd sah sie lange an, so, wie sie es vorhin getan hatte, von oben dis rmten. Es schien für ihn keine Hülle zu geben. Und er blieb sehr ernst. „Sie smÄ schorr," sagte er, „gewiß." „Also -V „Sie müßten mir Zeit lassen, mich zu bedenken." © „Wie lange ?" < „Warten Sie!" Er blätterte in eittern Bruch, nickte bamt und sagte: „Nur acht Tage." „Daml wollen Sie sich, entscheidorr^ „Darm sollen Sie sich noch einmal errtsch-eiden. Hub! wenn es drrnn rcoch Ihr Wille ist, meine Frau zu werden, so sollen. Sie es mir sagen." Sie war blaß, und in ihren Augen glühte ein Verlagen, dem die Qual eine Lust ivar. „Und Sie?" fragte sie. „Ich... ich werde es mir dann... noch einmal —^ überleaere... Ganz kurz. Und ich gebe Ihnen dann meine Anttvort." „In acht Tagen?" „In acht Tagen." „Hier?" „Hier." Wie um sich selbst zu entgehen, tvandte sie sich jäh mich raffte ihn Sachen zusammen und nickte ihm flüchng zir. Er öffreete ihr die Türe und rief: „Prokop?" Prokop kam, verbeugte sich steinern, legte der Dame den Pelz um und geleitete sie ans dem Hause. (Forrjemmg wtgr.) von großen Jägern «iiö großer vrule. Bon Tr. Iv hanneS Kleinpaul. Ms unser Kaiser in jmrgen Regierungsjahren „die -10000. .Kreatur" erlegte und an der Stelle, wo das geschah, einen Denkstein, errichten ließ, erregte das weit und breit das allergrößte ÄusiclMn. Inz'.vhchen i>at sich aber seine Strecke beträchtlich weil er vermehrt und sa»m wrhezu verdoppelt. Bar ein Mar Jahren, als.der Kaiser fein 40tähriges Mewmannsjubiläuni, beging, betrug sie bereits 76945 Slück Wild, es-warm 2002 Rothirsche, 92 5k»ttiin:e, 1774 Tamschausle»', 98 Damtiere, 3126 grobe Sauen und 316 geringe Sauen, 9 jö Rehbücke, 1.7980 Hasern 26860 Kaninchen, 121 Gem-. sen, 532 Füchse, 3 Bären. 12 Elch irre, 6 Wsteate, 3 Rerrn- tiere, 2 Musswws, 6 Dache. 1 Marder, 168 Anerhähne, 24 Birlhähne, 3 Bronzeputer, 2 Perlhühner, 36578 Fasanen, 667 Rebhühner, 95 Gänse, 5 Schnepfen, 2 Betossmen, 87 Enten, 826 Reiher und Kormoraue, 1 Walfisch, 1 Hecht und 523 verschiedene andere Tiere. Aber diese riesige Jagdbeute unseres Kaisers ist durchaus nicht die höchste, die die Geschichte oer Jägerei ausweift. Nainerttlich die sächsigen Kurfürsten des 17. Jalwhunderts leisteten darin Außerordentliches. Tie Iagdbcnte Ishmvr Georg I. (1611—56) betrug allein 113461 Stück Wild, itiü> zwar 17800 Hirsche, 30268 Schm Miere, 29000 Wildschweine, 12000 Hasen, 19000 Füchse, 203 Laren. 3543 Wölfe, 900 Dachse, 200 Luchse nsw; im Sommer 1627 erbeutete er auf eurer einzigen vierivöchigen „Hirschfeistreise", die, sich von Tornau bis ins obere Erzgelnrge hinauf und von da wieder in die Leipziger An hinabzog, 1109 ^iere. Liber fein Nachfolger übertraf ihn noch, Johann Gcorg II. (1666- 90) erlegte in seiner nur halb so langen. RrgiernnaszeiL 96862 Stück Wild: davon einmal 2215 in einem Jahre (1685) und einmal 100 .Hirsche, 4 Füchse, 1 Wolf und 1 Wildschwein an einem Tage (29. Jwi 1678 hinter Schwarzembcrg). Tiefe großen Zahlen lassen zugleich erkennen, wievrel Wild unsere WalßWgen bergen, obwohl man denken sollte, daß gerade damals der Dreißigjährige Krieg! auch unter den» Wild geivaltig aufräumte: aber »roch, rm Ausgange des 17. Jahrhunderts war es so zalstreich, daß es selbst den Dresdener Festnngslver^r, ßeq fährlcch wurde; der derzeitige Kommandant. Generalmajor von. Klengel, beschwerte sich am 5. April 1684 darüber, daß es be-> sonders uach«s in großer Menge erschien und die Böschungen, bc^ schädigte, er beantragte deshalb, es durch Feverlappen ab^ z-uichrecken. Damals waren freilich auch 'noch sehr viel f n fa'T r rfiip ! o vi' Tvp « im.? ifit CSfti,Crv T'iV. ii± viele aräüa. noch 4 Bären, 13 Wölfe, 15 Wildkatzen, 17 gfottim*, i. I. 1614 jukO 11 Bären erlegt. Daneben freilich arrch mancherlei Harm-, w,es Kleimvitd: 8 Eichhörnchen und 1 Dutzend Igel. Der letzte Elch wurde in ochsen erst im Jahre 1749 geschossen. Bickleicht war er eins der erst später zugeivriwerten Groß-Tiere, die nach Sachsen ubertraten als im Jahre 1726 der Fürst von Mhalc-Desso,« st-^en Wild garten öffnete; noch am 21. Juli 1873 verordn etc der säcl,suche Hof durch ein Mandat unter Androhung strmger Stiasün, „daß derer ins freye gelassenen Auer- und anderer Tiere sich n rem and amnaß^r oder solche beschädigen solle." Die Jagdleidenschaft der sächsischen Knrfiirsten des 16. Jahrhunderts bekamen ni.chtt nur die Wilddiebe, sorwern auch anders Veute auf bedeutliche Art $u spikren, die an sich nichts damit zu tmtz < »23 — Hdtti'n. Das toareu die fetibeit Be$wuite$at sächsischen Prediger bet damaligen Seit. Ms emm«l der Dresdener Stadtprediget Martin LstznDin an Stelle des Hsfyredigers M. MöolanS Selenecker in 8er Hoftapelle prMzle und dabei Mi die JagdteidesWasr ..Baker Augusts" toSzog. nahm ihm dieser feine Frei- Nettigkeit sehr übel. H"ofmann mußte noch am selben Tage „vor Sormernmtergcmg" die Stadt verlassen, und- auch Selenecker Hatto anscheinend dadurch die idrrfürstlichc Gunst verscherzt, er ging das Jahr darauf nach Jena. Mehr Glück hatte fein Nachfolger hei der- Gemahlin des Kurfürsten. Als die ..Mutter ?lrma" einnnal lebensgefährlich erkrankte, wurde der H-o-kprediger M. Balthasar Kademann an ihr Krarrrendert gerufen, n>it> der erfüllte sein Sekch.nrgvra.mi in solchem.' M ähe yti ihrer Zufried ünbeit, daß sie ihm nach ihrer Genesung eilt riesiges WiLdfchsvem zuschickte. darüber hüchftlich verwundert, ernannte er noch «r^rr, als man beim Oeffnen des Tieres ftßtfc der Eingeweide einen Beutel mit 1000 Tatern darin entdeckte; so gute Wirrste, soll er gesagt haben, hättr er noch nie gehabt. . . Andererseits wurden such verschiedentlich gute Tienste direkt mit Jagdireiheüten belohnt. Daran erinnert: das sog. Wittig-krenz bei Glashütte. Tort soll ein berüchtigter Raubritter namens Bittch. auf dessen Kopf der Landgraf von Meißen em^ Belohnung gesetzt hatte, gefangen und getötet worden K n. Ter Knappe WeiAoW, der ihn überwäktMte, erhielt als Lohn. s Recht zugesrua^m, jedes Wild-, das er aus seiineui Grunde auf* sagte, üderalihin >;i oerfolgen, und tv-enn es bis auf die Mitte der Tresdcncr Gkbbrüs, wäre. Daß Wild bis in die- größten Städte bamaliger Zeit hinein! ies, — -es gchch^eht mittsnter j-etzr noch — ivar. gewiß irickchs Ungewöhnliches. Tummelten sich docl> im Herbst 1622 ein Paar Wildschflreine auf dem Leipziger Markte, r*wt denen dann das eine nach vor-, das ärgere nach rückwärts wieder daovn<- lief. Dkm Dresdener Rat war von alters her oerstattet, zur Zeit der Weinlese einen pirsch in den landesherrlichen Forsten zu tagen, ,,sofern die Herren das vermöch^n." Wer iu Homburg v. d. H. die 100. Schnepfe ans dein Frühstrhrsstrich l-erab-schoß, ward ,/Selznepfemörri-g" und dadurch für das ganze Jahr von afom Abgaben frei. Was will freilich diese 100. Schnepfe besagen gegen die große Zahl der abgestlosseneu Leidiger Lerchen, die fetzt das Iagdrecht schützt, die aber vor 200 Jahren ein begehrter, -wichtiger Handels-, artifel waren. Im Oktober 1720 wurden allein 404340 Lerchen in die Pleißestabt eingeführt. Sic waren so fett, daß sie bis zu fünf Lot wogen und ohne jede weitere Zutat gebraten werden konnten. Zu einem regelrechten Jagdgebiet gehört übrigens auch eine stattliche Meute. Im Jahre 1430, bei der großen Mscinander- sptzung Mischern der ernestinischen und albrrtinischen Linie zu Leipzig, wurde der Besttrrü) der landesherrlichen Meute wie folgt sest- ' gestellt: „37 große englische Tockcn und Gären-Beißer, jeoer al>- sondertii! an einer eisernen Kette, 30 LcktheEive, 20 JLger-Lcitn huude^ 20 Besuche, 40 Pirschhundc, 40 Kvppel-'Jrrgbhunde, 5 Leib-- und Kammerhu'nde, 50 englische Hunde, (Knechts-Leithunde), 40 Saufinder, 50 TaHs-Schleifer, 20 ^Streichweidhunde. Die Sorge um die Jagdtrophäen veranlaßte Manchmal seltsame Händel. So hatte Kurfürst Johann Georg 1. im Jahre l 029 in Erfahrung gebracht, daß am Kitternecoerge bei Hochlitz. ein Hirsch „todt ohne die rechte Slangs" aufgefunden worden nur, und ! er gab daraufhin dem dortigen Wikdmeister Ärrtoni Zschimui-er sein „nugnsdigstes Mißfallen" in einem längeren Handschreiben z» verstehen, lovrin er ihm u. a. schrieb: „weil Wir die rechte Stange kurz und wieder haben mrd urwerlohren wissen ivoklen. Ml es begehren Wir, Tn jwüefti solche bey Vermeidung anderer Anordnung, so Wir sonsten uneder Tich rmd die Knechte dieser Refwr Borznnehmcn bedacht, Zur stelle schasstm." lln-d als ihm dies beim .Tnrchleseu noch nickt deutlich g^nmg erschien, versah er es nv-ch. mit folgendem Postskriptum: „Wildruersör schaffe die Stange »der die Sonn und Mond soll Dich nicht leschinen, zwischen hier und Johannis, Haferlorn sage, er fall einen Staupen Schilling (eine Tracht Prügel) haben, warumb irr so unfleißig. Der Donnen imd der Teufel soll euch rühren und führen, wornach Du Dich eigentlich zu achten." Wir wissen nicht, ob der unglückselige Wilvmeistrr die verlorene Stange hat herbei schös se u rönnen. Aber das wissen wir, daß August der Starke 200 Jahre später ein anderes Hirschgeweih wert teuerer bewhlt hat. Es kostete ihn eine ganze Kompagnie seiner Lanocslinder. Theodor Fontane berichtet darüber in feinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg unter Königswusterhausen: „Es war dies^das 532 Pfund schwere Ostiveih nw$ Riefen- Hermes, der 1636 im Köpeuicker Forst erlegt ivorden war. Es nmß^etwas ganz Enormes gewesen sein, da Friedrich August II. von wachsen dem .'idönig Friedrich Wilhelm I. eine ganze Kompagnie langer Grenadiere z,um Dausch Hchür anbot, ein'Auer braten, dach natürlich augc.umkimen wurde. Das Geweih Wispert noch und soll sich rn dem Jagdschloß Moritzburg bei Dresden befinden." Ans, diesen rmd ähnlichm Beispielen ersieh man. wie der Jagdbetrreb — ern tc'dem Dden schien tief ffmewohu^ndes Erbe aus ver Urzett — die Jäger selbst noch auf dein Sterbebett, auf das mackäigste beherrschte. Der Tod Johann Georgs I. und II. soll Vvlksstbrrlreferung Zufolge, durch) nnzeitgeniäßps Htrstt'bculleu Ver-ur,a6st worden, sein, älnd Oswald von Caclowütz., em großer sächi'ischer Mmrod ferner Zeit, schrieb am 7. September J573 von eirtÄttt anderen Zeitgenossen und Jägersmann: „n ift m Nacht um 12 Uhr mü böt Hirschen frölich airigetnitw tonb m die alt« Marck gewandelt." Das heißt in der Jögersprarlv — ein fÄig E-ud'! Die verseukmkg tzes „Danton". Bon KaprtmrL«rt«a»t Robert M o r a h t Nirfer Boot stand am 49. März 1917 mittags an der Süd» westspitzo Sm-dirricns. Wir steuerten nach Ibordwcsten. Ich war wieder einmal beim Lesen. Diesmal UDgr es ein dknidel in eirr-er vokkswirtschaftlichen Zeitung über „Mexikos Schicksal", der meiserr Wissensdurst befriedigen sollte. Ich war noch beim crsteir Llbsaß. als! ich kmrch den Sprachfchlouch die ?)7eldung .erhielt: „Backbord! voraus ein Taurpfer." Ich eilte hinauf. Mühsam kam ich in Zentrale und Turnt durch das Gedränge. Fast die ganz-e Freiwache tam mir enN gegen; die Leute hatten oben frische Luft geschöpft mrd waren! bereits^ vom wackthabendcn Offizier unter Deck geschickt worden. „Er ist eirren Strich an Backbord," sagte mir Forberg. Durch das DopMglas musterte ich ibu. Er imv nicht — wie bei klarem Wetter - - progra.nrmästig mit Mastfpitzen mrd Schvrnstemen langfonr über den Ho-rizont h^rvovacErochen — Kehl, iu vollem,' ckmrifseu, nuit Bnmps, Sch^rnsteiueu und Masten mit hohen Fnufep stau gen tauchte er soeben heraus aus dem D:mst. Troh-, den: wir ihn soft von vorne sLchcmmstreifen, be*i unser Sehrohr tra Wasser erzeugte. Unter sparsamstem Schwhrgebw.uch lief ich an. Es war sehr unwahrAemlich, daß man uns sab. rvriln auch, „Danttm" bei seiner Besatzung von 1100 Mann zahlreiche Ausguckposten auf-, gestellt haben rnochte. Eine betröchtticke Dünung rollte aus Nord-, westmi bei auffnichLndem Wind; starke weiße Sckaumkanrme standen Mlf der nefblanen See; das war die Belei'ckttkng. die wir branckttDk. jedenfalls sah inrs niemand. Der Zerstörer fuhr ahnWngs-, los in etwa 600 Metern Abstand vor uns vorüb.w, dann fam das Rieseuschiff selbst uns vor den Bng! MleS klagte heute, wie bm der Schießübung. „Bnde Rohre, Achtung! Erstes —. los! Zweites — los!" ?tun schnell das Sehrohr einziehen, damit er auch jetzt nichts mecrt! indessen: die MasenLahrn der T^peoos wurde g-esehen, \o haben fte nachher berichtet. Und als später dos Schiff tirlodeu. lag, sah ich das Ruder hart zu Bord liegen. .Hat „Tcknwn" im letzten Angeubllck noch eine Wendung versucht? Möglich, aber eS gab rein Entrinnen mehr; zum Addrehen wie zum Ueb er rennen des Unterseebootes war es zu spät. Beide Detonationen erfolgten in mfferer rrächsten Nähe, mit etwa i> »efunben Zwischniramn. Nun hatte das Schiff an ferm'-r unten Seite irnter Wasser zwei Locher nne Sck.^im«mtore, ottva. 20 Meter voneinander entferut. Ich rannte diese Wirkung genre: ^vtigkeit .beim Dorp'do^Versuch>komuk,rnda i,*r. . Es lvur die DodeÄvunde. Unser Boot bockte r ati-, Dt'm Schuß nnen Augenblick, mrd mit dem oberen Teil mrs-erer ?lufdaulen kam auch: imnn Sehvohr für kurze Zeit aus dem Wasser: Ta stch ich, ? ^I^f -- unmittelbar nach dem Schuß — schon etwa, •30 Grad nach B-ackbord überlag. Es konnte zweifett^s nickst mcke lange schwimmen. *) Mit Genehmigicug des Beilegers.rns dem m den nä -sten Tagen ersch^iisenden Buche? „Die Bu-seEug bes Dautmi", Meme U-Boots-Erlednisfe von der Ostsee bis zum Mittllmrer, r m .siV^i ■ tänkntmmt Rodert Morakh. Mit Jllnstraffomm und während der ^ün mrafm«. iSmtnMm «der mm ftmt der Zerstörer auf uns' zu, mid wir empfahlen unS auf größere Tiefe. Darauf hörten wir Viermal das Krachen rwn Wasserbomben. Es sind das Sprengkörper, die rmter Wasser in bestimmter Tiefe detonieren- — Nach einem französischen. Bericht soll der Zerstörer unser Sehrohr mit 6 Granaten b-c* schossen haben. Möglichmveise liegt hier eine Verwechslung twr mit den Wasserbombe::. Wir änderten den Mrs, liefen etwa 2 Seemeilen ab und gingen dann lviedec auf Sehrohrtieft. Das Schiff schvamm mxi)! mit stärkerer Krängung. Erst jetzt durfte:: wir es in aller Rahe mustern; nach genauer Besichtigung farrden, wir sein Ebenbild in: „Taschenbuch der Kriegsflotte::" vor uns, !»md darunter lasen wir: „Danton" (09) Wasserverdr.: 18 400 t Artill : 4—30. 5. L/45 Masch. 22 500 P. 8 Ta. 12-24 L/50 Schnell. 19 7-20 Sm. 16-7.5, 8—4.7 Dampistrecke: Toro.: 2-45 S. 850' (lü) Sm. Kohlen 2050 t 2125 (19 3 ) Sm. Ges.Nobgewicht einer Breitseite 3080 kg. „Danton", „Mirabeaii", ..vostairr", ..Vldrrot", „Londorcet" (09), „vergniaud" (;0). Welches dieser fünf Schiffe hatten wir vor uns? Das erftthven. wir erst, als an der Unterganssbette eine Kiste mit Briefkschaften gefischt tm:rde. Aber das :oar ja Nebensache. Ich steuerte das Schiff wieder an, um ihn: nötigenfalls noch einen Torpedo zu geben. Dabei ließ ich die Besaß,mg durchs Sehrohr sehen. Nicht alle zivar: die letzten mußten sich mit dem Bild im Taschenbuch begnügen, das mm im Boot iwn Hand zu Hand wunderte. Tenn das Schiff selbst: verschwand bald. Bevor wir auf Schußweite herankamcn, folterte sß rmch Backbord: das Heck sah noch einige Minuten ans dem Wasser, dam: ging „Danton" um 2 Uhr 50 Minuten nachmittags mit dem Bug voran in die Tiefe! Er war auf dem Wege von Toulon nach Korfu gewesen! Uebcr die letzten Augenblicke an Bord stimmen die Berichte nicht überein. Nach „U-nion-e de Savde" in Eagliari, too mrmitteL-, bar nachher die ersten Ueberl ebenen gelandet wrcrden, war der Untergang so schwell erfolgt, daß seiner der gewöhnlichen Rettungsversuche der Mannschaft möglich ivar. — Nach einem sehr viel späteren Bericht des ^Journal de Geneve" (4. April) hingege:: hätte die Besatzung die Boote kaltblütig zu Wässer gelassen. Dieser Widerspruch: ist leicht erklärlich und pflegt bei ähnlichen Ereignissen stets auszutreteu. Bon amtlichen Beschönigungen ganz abaeseheu, übersehen die Beteiligten meist das Ganze nicht und schildern daher die Szenen, die sich gerade vor ihren Äugest abspielten. Nur der Kommandant, Kapitän Gelage, könnte vielleicht genaue Auskunft geben. Aber er gehört zu den 296 Unter-» gegangenen. Nach) meiner Uebcrzeugung hat schon die starke Schräglage des Schiffes von vornherein ein Zuwasserbringen nahezu aller Boote unmöglich gemacht. Darum mag der Kommandant wohl befohlen haben — wie das muh berichtet ist —, daß alle Mann ins Wasser springen sollten. Dagegen scheinen aus „Danton" Flöße zur Rettung bereit gewesen zu sein. Bon den 806 Geretteten sind mehr als 400 durch der: Zerstörer „Massuc" aufgenommen worden. Ter Rest hat sich teilweise auf dem Kiel des Linienschiffes bis zuletzt ftstgehalten und ist dmm zu den Flößen geschwommen. Im ganzen haben sich auf den Flößer: über 300 Mann gerettet: nach 5 Stunden hat ein Fifchdampfer sie dort abgeholt. — Mit den Offizieren zusammen trank ich Kaffee. Dann griff ich mechanisch zur Leitschrist. Bon „Mexikos Schicksal" ioollte ich weiterlesen. 9lber über den ersten Absatz kam ich nicht hinaus. Tie Worte und Sätze bewegten sich unverständlich vor meinen Augen. Meine Gedallöcn wäre,: in weiter Ferne. Un$> sie tvanderten zurück in längst vergangene Jahre. En: Traun: meiner Iahend hatte sich herrte erfüllt. vüchertisch. — Gediegene Jngenderz ählnngen zum Preise von A— 4,M Mark für de:: gut ausgestatteben und mit hübschen Bildern versehenen Band logt der Verlag von L e v y & Müller (Stuttgart) auf den Weihnachtstisch. „D i e W a l d m a r g r e t , von Tony Schumacher, bringt in mit Liebe und Herzensgüte erzählter Weise die toochselreichen Schicksale der Tochter eines Waldhüters.— Jvsephine Siebe erzählt von dem Leben und Treiben einer lustigen Kinderschar ans „Rose, Linde und Silberner Stern", drei befreundete:: Familienhäusern einer Kleinstadt, und weiß die dvolligen Vorgänge, die sich hier täglich abspielen, mit viel Spanmmg :md Humor $u schildern. — Ein gleichwertiges Buch ist „Irgendwo und Nirgendwo". Vergangenheit und Gegenwart, Stadt und Land habe:: ihr Bestes für den Inhalt dieser fesselnd geschriebenen Erzählungen hergegebew — Daneben hat der .Verlag auch das vor: der reiferen männlichen Jugend bevorzugte abenteuerliche Gebiet nicht vergessen. Ta ist sehr empfehlen?-, wert vor allem der Band „Im Kampf um Bagdad", eine Erzählung aus dem Weltkrieg von Dietrich Darenberg. Mtt ge* nauer Kenntnis von Land icud Leuten legt der Verfasser die Ränke bloß, :nit den«: die Engländer die Araberstämme zwffchen Euphrat und Tigris ans ihre Seihe zu bringen :a:d sie zun: Abfall von. den Türken zu veranlassen suchten. — „Der Admiral der roten Flagge", von Fritz Reck-Malleczewen, führt dagegen den Leser in ein ebenfalls bedeutendes imd doch noch wenig bekanntes! geschichtliches Gebiet, nämlich in Pie erbitterten Kämpfe der seeq räuberischen Flibnstter geHen die Spanier in der letzten Hälfte des 17. Jahrhunderts. T:e Schlachten der Flibustier zu Wasser und zu Lande nnter de Grass, Morgan urrd Lusscm schildert dop seMmdige Verfasser mit bekannter Nteisterschaft und entwirft ein ftsftludes, farbenprächtiges Mild von der Freibeuterrepnblik, deren. Führer so furchtbar, oft aber auch sehr ritterlich.mit ihren Gegnern umgingen. — Der goldene Zweig. Dichtung und Noyellenkraliz vergarn^eaer Kulturen, ist ein eigenartiger Dichter, dessen Wette von .reichen philosophischen Gedanken durchdrungen sind. Ter „goldene Zweigs' fährt tu eine der gewaltigste,: Schicksalswenden des geschichtlich«: Geschehend. Er breitet in dichterischem Schauen urrd Gestalten allen Glanz und älle Macht der römischen 'Kulturwelt aus und läßt in das vödgeireihte Jmperruiädie erste:: Berheißtv'gen der kommenden Zeit bringen: von Golgatha her lewchtet das 5^äorgenwt ^es Christen- ttnns über dein großen. Sterbei: der olympischen Göttw, und ans den rvordischen Wäldern weht die frische, kühle Morgenluft germanischer Kraft und Hoheit in den verderbten schwrlleu T'unst Roms. Diese über lange Zeitläufe sich ftnnmmden Knltnnoandlun- gen werde:: vcrmrschaulicht in dem Sckftcksal der teils geschicht- licheir. teils frei hin gestellte:: Gefällte::, die eine sinnvolle Verkettung nach dem wundervollen Kleinod im Hain des Dianen» tenrpels am Nemisae ruft. — Kinder der Freude. Felix Salten. Verlag S. Fischer, Berlin; geh. 2,50 Mark. — 3 Einakter sind es, die von der neuen Kunst Saltens erzählen. „Es lebe das Leben, das sich selbst als Ztveck erkennt", könnte man als Titel über diese Bühnenwerkchien schreiben. Felix Salten arbeitet mit scharfen Kontrasten, seine Menschen und LebenH'künstler. die gekämpft haben, oder Menschn:, die wissen wollen.', (wo des Pudels Kern steckt, was das Leben bedeutet, :oas es ihnen geben kann. Halb ernst, halb ironisch, aber nie trivial füll» die Gestalten, die Salten Theater spielen läßt- T-eun Theater spiele:: sie alle, der alte Rohrbach, die Mizzi Bachinger. sder Hofschauspieler Kran. Salten hat rms schon so manches schöne Werk geschenkt und die Verehrer seiner Knust werden die 3 neue:: Einakter freudig begrüßen. — Den t sche Musik auf geschichtlicher und nationaler Grundlage, dargestellt von" Professor Tr. H. Freiherr von der Pftrdte. 346 Seiten mit Buch'chmuck und 15 Tafeln. Gebundan 9 Mark. Verlag van Quelle & Äl-etier in Leipzig. Der Verfasser verfolgt den Fortschritt der de,:tschm Nlnsik von Jahrhundert zu. Jalwhmchert und enttoickelt, wie imnrer bewußter das Deutschtum in ihr hervorttitt, immer siegreicher die beherrschende fremde:: Einflüsse abgewelwt, immer entschiedener Selbständigkeit gewonnen wird. Unsere großen und Keinen Meister werden als Musiker und Deutsche geschlldert, s>o:oie die Aufi:ahme ihrer Werke seitms ihrer Zeitgenosse:: wie durch die Nachwelt aus deutschem Empftrchen hera:^ erklärt. — Unsere Bolksernährung auf der Grundlage unserer Landwirtschaft. FünfuNdsechszig graphische Tar> stellungen n:it erläuterndem Text in Berbnidung n:it Professor Tr. M. Popp, herausgeaeben von Professor Dr. W'. Schoeni- ch e n. 68 Seite:: mit 46 Tafeln. Geheftet 2.20 Mark. Verlag vo:r Quelle L Meyer in Leipzig. — Rein, Wilhelm. Zur Neugestaltung un sereL Bildungswesens. Nüctt,licke und Ausblicke. Leipzig, K. F« Koehler. 1917. Preis 4 Mabk. Wortspielrätsel. Don den 8 Wörtern unter a s:»:d durch Voranseßung eines passenden Buchstabens 8 »'eue Hauvtwörter zu bilden von der Be^ deulung unter b. Die An'anaSbucksraben der Wörter unter d müssen in: Zusanmwnhang gelesen einen Zeitabschnitt be,,ennen. a b 1. Stand — Werkzeug. 2. Himmelskörper — Fest. ü. Nordischer Gott — Geläß > 4. Rüsseltier — Biblischer Name. 5. Teil des BaumeS — Teil des Schiffes, 0. Biblischer Name — Uralte Stadt. 7. Gebäude — Biblische Landschaft. 8. Metall — Verkehrsmittel. (Auflösung in nächster Nummer.) Schrtstleikung: W. Bkeyer. — Zwittingsrunddnlck der Brühl'schen Unw.^Buch' und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.