Die Racher. Roman von Hermann Wagner. (Fortsetzung.) 7. Kapitel. Das Auto hielt vor dem Hauptbahnhof, Reisner stieg aus und gab einem herbeieilenden Gepäckträger die Weisung: „Nehmen Sie meine Koffer!" . . . - Alles Gepäck, das er mit sich führte, hatte m drei großen Nohrplattenkoffern Platz gefunden. r ..w , . -tzr verabschiedete den Chauffeur und begab sich sodann an den Billettschalter. „Eine Fahrkarte erster Klafse nach Berlin," sagte er. Und wenige Minuten spater saß er rauchend in dem Abteil, von keinem Mitreisenden belästigt, und blickte den Häusern Hamburgs nacl), die langsam vor ihm zu- ^^Ms^der Zug Bergedors passiert hatte, öffnete Reisner seine Harrdtasche mrd entnahm ihr ein Bündel Briefe, die er aus den Polstersitz neben sich legte, mn sie noch em letztes Mal durchzusehen. Es waren Angebote, die auf eine von ihm nt Berliner Zeitungen ein gerückte Anzeige haufenweise etn- gegangen waren. Nur noenige davon interessierten ihii lotrt- lich, während eins doch seine volle Aufmeichamkett erweckt war ein Schreiben, das in seiner Naivität fast rührend wirkte. „Sie suchen," hieß es darin, „ein.größeres Unternehmen, an dem Sie sich mit einer^ beträchtlichen Summe gewinnbringend beteiligen können. Ich möchte Zhr Interesse auf mein HoLz-Jmport-Geschä,t lenken, das, wenn es auch jetzt vor dem unmittelbaren Zusammenbruch steht, doch wieder in eine Goldgrube verwandelt werden kann, wenn ick) einen ehrlichen und kapitalkräftigen Teilhaber finde, der sich nieiner annimmt. Ich empfehle Ihnen, mein Angebot ernstliche zu prüfen. Sollten wir einig werden, dann würden Sie an mir einen dankbaren und fachkundigen Mitarbeiter haben. Im Kaufmännischen bin ich freilich nicht so gut beklagen, wie ich es sein müßte, und das ist mir auch zuin Verhängnis geworden. Ein-junger Mann, den kfy zu meinem Kompagnon gemacht hatte, hat mich durch seine betrügerischen Machenschaften an den Ruin gebracht. Ich bin nun alt mrd nicht mehr fähig, mich aus Eigenem wieder emporzuarbeiten." _ . Der Brief war in einer seltsam verschnörkelten Hand- schrift geschrieben, enthielt noch sachliche Details und war mit dem Namen Ehrhard Gutz-eit unterzeichnet. Reisner warf die übrigen Angebote, die äußerlich viel glänzender aufgemacht waren, wieder in die Tasche zurück, sie verloren an Interesse für ihn immer metzc, während der Brief des Ehrhard Gutzeit seine Phantasie nach wie vor beschäftigte. Sein kaufmännischer Instinkt, der die Gelegenheit, die günstig war, witterte, war erwacht. Er war voller Ungeduld und Neuaier. Als der Zug an der nächsten Station hielt, übergab Reisner dem Schaffner eine Depesche zur Besorgung. Sie war an Ehrhard Gutzeit gerichtet und teilte diesem nnt, er möge noch heute kurz nach sechs gewärtig sein, m Angelegenheit der Beteiligung an einem Geschäft Besuch zu erhalten. In Berlin angekommen, fuhr Reisner sogleich in das Hotel Atlantic und bestellte zunächst für vierzehn Tage für sick) zwei Zimmer. Er wusch sich, zog sich um, aß etwas und nahm ein Auto nach denv* Westen. Es war etwas nach sechs, als er vor einem der großen modernen Miethäuser hielt, an dessen eichener Tür ein blank geputztes MessingschilD: Ehrhard Gutzeil, 1. Stock, angebracht war. Auf sein Läuten öffnete ein Mädchen, das auf sein Kommen schon vorbereitet schien, denn es führte ihn sogleich in den verschwenderisch eingerichteten Salon und bat ihn, em wenig zu warten: die gnädige Frau werde tn wenigen Augenblicken erscheinen. „ „Ich möchte Herrn Gutzeit selbst sprechen," sagte Rers- ner enttäuscht, „ist er nicht da?" . _ . Doch im gleichen Moment trat eine lunge Dame ent, bei deren Anblick Reisner vor Ueberraschung bie Augen aufritz. Es schien ihm unmöglich, daß sie die Frau Gutzetts fern könne, der doch von sich geschrieben hatte, daß er em alter Mann sei. t pp . . , , Sie war nicht schön, aber hübsch und raffiniert nach der neuesten Mode gekleidet. ^An ihrem Gang und an ihrem Lächeln war etwas, das sich anbot. Zugleich aber hatte sie die beherrschten Formen einer fast prüden Frau. Er stand auf, verbeugte sich und nannte fernen Namen. Sie streckte ihren rechten Arm aus, um Reisner zu bedeuten, seinen Platz Ai behalten. Dabei glitt der halblange weite Aermel ihres rohseidenen Kleides zurück und entblößte einen winzigen Teil des schön und fest geformten Oberarmes, dessen weiche Weiße sich von der drmklen Farbe des Kleides sinnlich, abhob. Sie lächelte maskenhaft utld sagte mit dunkler Stimme, in der etwas wie Berachtimg für ihren Mann enthalten schiert: „Mein Mann ist mit den Kindern spazieren gegangen. Er tut das fetzt alle Tage, da er so viel freie Zeit hat. Ihre Depesche kam in seiner Abwesenheit. Ich möchte. Sie bitten, emsttveilen mit mir vorlieb zn nehmen." , ^ Noch mehr als ihre Worte bat ihn der Don ihrer Stimme, zu bleiben, desgleichen ihr kalt aufreizendes Lächeln, dasselbe, denr er schon einmal in seinem Leben erlegen war. Die Erumerung daran erfüllte ihn mit Schrecken, aber zugleich mit kaltem Haß. Cr fühlte, daß er ihm tlie mehr erliegen würde. Und diese Gewißheit gab ihm heitere Sicherheit mrd innere Ruhe. „Gern," antwortete er und freute sich, daß sein Spott so beherrscht war, daß sie ihn kaum-verstehen konnte, „nur weiß ich nicht, gnädige Frau, ob Ihnen das, was mich zu Ihrem Gatten führt, bekannt ist." Sie seufzte, ließ sich in einen Sessel nieder und schlug wie in Gedanken ein Bein über das andere, so daß er 606 .hre fetneit Shiöcfyel beftmnbem tonnte, die ein Stiumpf von taubengrauer Seide höchst vorteilh nicht abgeneigt, das Ganze zu übernehmen." ™ wir^' ftafite sie hastig. „Mas würde dabei für uns ansfallen? JAe Stimme zitterte, und vor ihren Ailgen laa eS wie ein Schleier. ' 1 l9ren Er M Ute einen Augenblick ihre Angst voll ans. Dann sagte er: „Das hängt von der tatsächlichen Lage ab, in der sich das Geschäft Ihres Gatten befindet und über die ich mir klar werden muß. Nach dem, was Sie mir berichten, wird es freilich nicht viel sein. Immerhin soviel, daß Ihr Gatte rn irgend einer Eigenschaft in dem Geschäft verbleiben könnte, vielleicht als fachlicher Leiter. . . Ihr Gatte, gnä- drge Frau, fdyeint kein Kaufmann zn sein?"" Sie wurde rot, und ihre Augen begannen bös zu leuche ten. „Er ist ein Dummkopf!"" rief sie aus. Er lächelte. „Trösteu Sie sich,. Ein jeder Mensch macht Dunnnheiten. Ich habe aiich welche gemacht." Sie wandte sich ihnr voll zu unS sah ihn demütig an, als bewundere sie seine Kühle. „Sie? Sie sind sicher sehr erfahren? Und auch reich?"" bin erfahren — ja, sehr. Und ich bin auch reich, glücklicherweise. Aber ich hoffe, noch reicher zu werden/" Sie faßte lvie im Traum nach seinem Anw. „Und Sie werden uns helfen?"" fragte sie mit verschleierter Stimme. _ . Wue den Druck und ließ die Wärme der Hand ans sich ernwrrken. Aber er wurde nicht verwirrt dadurch, viel- rnehr innerlich völlig klar. Er erkannte mit einem Male einen tl der geheimen Zusammenhänge des Lebens, die ihm bisger recht dunkel erschienen waren. Es war immer k er ' tec die Macht hatte, nahm, während der, der schwach war, sich berauben lassen mußte. Nun, es war ifym letzt eine Wollust, zn rauben „Wie?"" bat sie erstaunt. „Sie tverden uns helfen?" „Wem?"" „Uns! Nein, nicht uns: mir! . . . Werden Sie es?" „Ich weiß es nicht . . ." Sie umklammerte seinen Arm fester. „Ich werde Ihnen dankbar sein. Immer. Ich werde es Ihnen nie vergessen.. /" r , loste ihre §anb von seinem Arm, betrachtete und streichelte sie wie in Gedanken. „Lieben Sie Ihren Mann?"" ftagte er leise. Da weinte sie plötzliche und überließ ihm gehorsam die eme Hand, während sie mit der anderen ihre Tränen trock- Sie nicht/" schluchzte sie, „er hat mich unglücklich gemacht . . , //'P 1 ? ^ben macht immer der eine den andern unglücklich, sagte er grausam. „Das ist so. Man muß sich hütekf, der andere zu sem. Das ist alles." ' „Ja, sagte sie weich. „Sehen Sie das ein?" „Ja, ich sehe es ein . . ®J C nähvr an sich heran und drückte einen schnei- len, oberslachlichcn Kuß auf ihr Haar, so, als gebe er ihr «m s'° ,jür eine Weile zu trösten, ein flüchtiges Geschenk.' ' M sehen, was ich für Sie tun kann," sagte er zögerlich. Aber ich tue es nur unter einer Bedingung." ? e lIm unter Tränen dankbar an VJ? Ü/ Ürfen m i vergessen, daß es nur c,n Geschenk ist, was ich Ihnen mache, und daß ich dieses Geschenk zurück^ vergessen?""' ^ r€ut • • • Wollen Sie das nicht widerstrebend, den Kopf zur LehnFßie mksii GLw„k"abP^"'^'^°wuMein . . . Einen Moment war es, als wolle sie sich in seine Arme ^ u £ übweisende Ausdruck in seinen Augen hielt sie davon ab. „Ich, nehme alles an, was Sie mir schenken "" sagte sie gehorsam. „Aber ich bitte Sie doch: seien Sie gut'"" Er er^wb sich, und küßte ihi die Hand. 9 .. Äs'?? er ^ einmal in dem Raum 'um, als sei ^ ^bsltztum, das nun ihm gehöre. # rvwwü* 1 [ö0te c Sehe jetzt. Ich erwarte Jhrekr Ln" St: Ln" melnm ^ ^ will dann ver. 0tn9 ' _ (Fortsetzung folgt.) Zpätherbstgang in der Lüneburger Heide. Von Ludwig Beil. (Nachdruck verboten.) Es ist noch früb, ein fvostfeuchter Herbftmvrgen ^upf füllt die hohe Halle des HauptbahnhofS streicht rmt wechen, leckmchen Zrmgen unter der EiseNktonstruk, twn ^ns Freie hbnruS, wo er die Lrllen MvrgenTvebel zum Quirlen liog/mrswn^, in nmrnenr Wteil. Ter Rucksack Bogenlampen hängen bleich und ziukend unter den schwarzen Eistnbogen. Langgezogene Dampffetzen verbüll-en sie oft, auch Werder: sie machtlos gegen den Morgen, der blendend me Ausgänge fu füllen beginnt mrd in weiten Massen andrängt. Führ«: doch Me Schienen, die selber voll Licht sind, ins Licht hinaus . . . Die Maschine rückt an, die Räder kreischen, in der kürzen Kurve und kommen langsam, wie verschlafen, in stoßendes Rollen. Die Bogen der Elbbrücken scholligen sich an den Wagenfenstern vorbei. Ter Zug klirrt und rasselt ungestüm darüber und gerät erst am anderen Ufer wieder in den ge,ool>nt«: Stoßtakt. Mietskasernen kommen, endlose Reihen, schvarz, tot, starrend. Hie und da noch ein Fenster trüben Lichts. Sie haben, etwas Greises, Hinschleppendes. Bunte, riesige Rektainefläch«: wirken da gerade- Kn wie Erlösung. Brachland, nur hie und da verfallene oder verwahrloste Laubenkolonien, Kartoffelgärt-clx^n, Kohlstrünke. Verrostete Blochermer, unten am Bahndarnn: hingestratt Und der Gedanke: ein solcher Gürtel Mn die Wohnungen von Millionen, die Me liefen, las en, arbeiten, notleiden. Und dann «der Lichtblick: du fährst aus all der Tröste losigkeit hin in die heilige Ruhe der Heide. Der Bahndamm, die Schienenschwell«: glitzern vom Tau. Nebelschvaden, die von abgegrasten Wesen über den Damm schwimmen, weichen schoir von weitem vor der Maschine auseinander. Tort die orsteir Fleckchen Heidekraut, dazwischen langgestreckte umgepflügte Aecker, deren.Furchen am Horizont in einen: Prmkt KusammenAifließen scheinen. Zwei, drei strohgedeckte Katen, ein Gasthos. Wie, der Zug halt cuif offener Strecke? — Rein, doch Nicht, das ist ja mein Ziel, mein Heidedorf? Tie Maschine ruckt schon wieder an, da spring ich noch schnell vom Trittbrett. Ter Stationsvorsteher kommt auf mich zu, spricht Worte wie „Verkehrsgefährdung" — staatlich" — „unverantwortlich" — „Leichtsinn" . . . Ich kann ihm seine Wichtigkeit nicht übelnehmen und fühle mich vor Reue ruck) Demut ganz plattgebrückt, was chm orderttlich mohlzrctun scheirtt. Er will es' ,,noch einmal hingest: lassen" .... Fahr wohl, Krckttrr, hier ist deine Feindin Einsamkeit! Ich tvcmdre die Tocfsttaße hinauf in starkem Morgenwind, der mir als steter elastischer Druck im Gesicht liegt. Hinter dem letzten Haus beginnt die endlose Heidelaitd schuft. Drei Birken stehen um en&t brachen Heidetnmpel, baffen tiefliegendes Wasser, vom Winde unbewegt und Wolken wie Birken spiegelt. Sie sind wie Überschanke Mädchen, verwunsck-ei, l-ier angewurzelt mrd^nackt, mtt zerzaustenr.Haar friereird zu stehen und sich ewig in: Spiegel zu ihren Füßen zu betransten. Aber dies alles, die Birken, die ausgefahrerven Wagerrgeleise vor mir — das isst die Heide nicht. Sie ist nicht iljokett, alles. Liebliche, Niedlickie ist ihr fremd. Ich weiß einen gewaltiger: Talkessel, darin nichts ist als Heidekraut und Wacholder. Es ist. eine ungeheuere Schale, wie eine hohle Hand dem Himmel hinge hatten. Niemals vernimmt man dort einen anderen Laut als der: knarre::-, bei:, todruferchen Säurei der Krähen mch ein eigentümlich leeres Brausen, das in Stöhnen und Gurgeln, in Orgeln und Donnern Übergeht, weim Sturm die Hohen über pfeift und die Luft aus der hohlen Fläche saugt. Es ist der Dotengrmck, und jedem, der ihn zum erstenmal erblickt, erstirbtLachen im Gesicht. So ist die Heide! Sie ist per lieißuugs voll und nu^richn:feindlich, erschittterud, tveirn sie sich den wilden Kräften der Natur hin- gibt. Sie macht tieftraurig, und doch glaubt man nie mehr loeinen «i könn«:, wenn man sie so sah. Tie Unerbittlichkeit des Nibelungenliedes, die GranfamAtt vieler nordische: Äkärck>ei: ttagen ihres Wesens Klech. Ich bir: ans eine Anhöhe gelangt mch blicke in die braune Landest himmter, die dmkvsl unter einem silbrig blinkenden, der Heide typischen Horizorttlicht sich breitet. Sie hat hier viel Aehn- lichkeit mit einem Schollw'scheu Bilde» in ihrer klar«: Abge- ziikelthat und dem feinen glasblanen Dmrst, der die Berge näher gerückt und daitlicher erscheine:: läßt. Eine .Herde Scl>ast, dicht aneinandergedrängb, in ihrer Gesamtheit enren: Haufen gelblichweißer SomnmrwiMhen gleichnd, ko-mmt mi bei: Fuß des Hügels; bic Gestalt des Schäfers, dem ein sckfwarzer Mantel :m: die Beine flattert, ragt priesterhaft voran. Zloei kläffende Hunde umkreise:: unablässig die versckMhterten Tiere, rennen zu dem alte:: Mann, wedeln, winseln, er tüttchelt sie, dmu: springen sie wieder bellend davon. Ich sehe dem Spiel eine Wickle zu, während ich imnrerzü den tosenden Wnch un Gesicht habe, der die nahen Birken der weißen Herdeivege dort uitten faucheich in die Gräben hinunter-, me.gt Ihre zartästigen Kronen sind von dem ewige:: Westtoind alle schief nach Osten geivachsen .... Ter Schäfer mit seiner Herde zieht um dm Hügel herum, das edxmcn der .Tiere mch HmchogcNäfs verhallt hinter mir. Dort lllrks dreht ente WnchmüUe melancholisch ihre sckiwvrz«: Fliigel, rchts ist der brarrne Boden b:s vie ein zer- streittes, unhamllches Heer von Zwergerr und Krüppeln stehen Geradeaus am Bll^M'eg ein Bieuenftaiid, daneben ein verlasst. Sk , ^rt toieder ein blürkender gwßer £ *w?«SSr Brmm: an Moortümpel. Und von alledem ein dre kühle brameiche Luft um Stirn und Wangen. ^ Ich nvuß vor Abend noch die Station erreichen mch breche auf. So ßchon mch fest und dre bester: Parkwege nicht als mein weißer Heide- ^iqh. vLchon begrünt die Landschaft zu dunkel::, die Birken erscher- raen stPer dagegen — Mich erschreckt eine kleine Wachochergestatt. tay aus denl Boden aufgelaucht, mit flehenden Maulwurfs Händen aus der sckMarzen Körpermasse. Tie Gestalten mehren sich, Nebel mn * ,^ ejl dlrck zu füllen, er belagert mich um mch um, als gebe es hier kernen Ausrveg mehr: das Grause:: der Heide beginnt Bor mir geht es klapp — klapp, klapp — klapp. Wie ich näher flwnme |ntb es zwei Bauersfrauen, in Ho-lzschuhen. Ich stle sie nn und frage nach dem nächsten Torfe. „Toar, öwern Barg"' tst dre karge Antwort. Ich gehe nun langsam vor ihnen her, um Aw^s von ihrer Rede zu erlauschen; body dies Bauerngesckstecht ist wortkarg, und alles was es uns zu sagen hat, ist oft nur an Mund, zerarbeitete Hände und ein von Wind und Wetter zer,chl:,fenes Gesicht. toü ? n bietet sich ein grausiges Bild: Edgans, blutigen Halses, hängt, mit dem Schnabel an eineü AOannennit gefunden, tot am Wege. Irgendein Bube mag's getan sL^V 1 ^ 11 . Fümmert das hier? Niemand bindet sie ab, die wundervollen, lamtgrauen Flügel verwesten. Tie Weiber gehen %**. - Haw " BnfIiJlgt ^ T-reser letzte ©trafen Wald wirll hier wie erstorben Die lvard wohl zu dicht geietzt, denn ihr Aeste „ 6vnnen blättrigen Flechte überzog«:, Üe einen muff:gen, modrigen Geruch ausstromt. Alle Aeste sind inein- dst /ein^Lüf^M ^^uriges Heer von Wanzengerippen, durch ßWnp'n'f SÜf doch, ein .Licht in diesem toten Grauen! Ter Boden unta m:r schvan'kt und schwabbt. gurgelnde ^^tvatzeiche Laitte begleiten mich reäfts und links, Ge- rrela^groß und schwarz ai:s der Erde, sett ich d«: Da ich nur den Weg vor mir sel?e, die e H TCm weißlich-feuckcha: Bvodem jedoch Sil' Ma&t, ist es, als gtrtten die Wächolderbüsche in der Luft getzernrursvollpn m:r vorbei. Dort stehen einige in einer Gruppe zw- PS J I€ beschlreßen wohl etwas über ba: einsamen Wanderer JUHrrrnb es hier unten im Tale mrheimlich windsttll bleibt, heult der Sturm m:s unftäitbaren Höhen. ' ^ es tönt wie Angst. Ich friere und eile quer- Zubroten, vrereckbgen Lichte zu, das auf dem Nebel zu lMwnnma: schnitt. Ein r>u.nd schlaf an. eine Kette rasselt in sein Gebelfer ‘V 01 * Ee Banerwmrtschast. Ter Wirt, ein alter, Iseiß- tiefgerrsssnen Jalten nric vertrockneter Torf, ^ Ml trcoen dem neiuja: Kachelofen, bringt mir einen Grog und ttaal knapp mich dem Woher, Wohin. Die Katze sckwurrt im weiß nicht, wo sie sitzt Der Bauer schärttpas Feuer mck ^ nil ' bem Dstn gegenüber, flaMnt golden 1 SlSI ffidfag Er urgroßväterliä-en Truhe blitzen.. Gr Upricht vom Wrnter, vom Kriege. Sein Söhn sei auch draußen der alde Mruer zur offenen Ofentür bückt, lodern sein & aav L.^ eckigen, ausg»:rl>eideren Hände mtt dem volzsckVtt dann m: Wrderfck-ern rot aus, die Stirnaber:: treten cMdeu hervor. Bon dem übriga: Körper sieht man nichts . . . 5 Lin U-Voot im Garten. Skizze von Th. A W. S ch r ö d e r (Elberfeld). Ich war bei memat Wildölumen, einem Gefüge von Beeten' die drcht gedrängt Luprna:, roten Lein, schöne blaue Pbrzeli«: und vul Lommerblunien, ein kleines Ären von Sommablumen haberge:: Ta smd Nella:, SckwngchickZt. KorEumen, Gvdetien und Mohn. ^raun:l)afr v:el Mohn. Ich iveiß, diese Gartaucko O eme meiner Knegsiünden. Es könnten ja vernünsttaenoeist ^>^uelu und, derglachm Nu-tzpflanzen lster stxhen, obgleick) der Gemüsegarten ,en:e SckKckdrgkeit rut. ')kber diese Wildblumen sind meme lieben Pfleglinge. Ich hfib es .nicht übers Herz bringen können, arch fte auszurotten, nachdem ich den „Tuftgarten" wo Thymian, Lavachel, Minzen, Basilikum und TuSevosor ihren Parft:mer:elada: ausgesckFagen harten, in ein Rübenf-eld verwandelt hatte. .. Wie ich uim so stand, den springenden Regenbogen zu schaute, me m: Genessl des votttereuden Wasserspeichers aufblitzren und zerftoben, und gerade an toenig mit mir haderte, daß ich nicht am L,cl-re:b::,ch saß und das deoheich angavachsene Arbeitsmaterial zu vermmdern trachtete, Härte ich plötzlich lautes Hunarufen- Berwundett lvtuchbe ick^ mich dem Rufen zu, das jäh und machtvoll den Frieden des Abends zerriß. Ich Som:te nicht lange im Zroerfel stm. Tie LärmnmckZer dort tvara: meine eigen«: Jungen, unterstützt von einigen Schulkainerad«:, dst für d«: Scnurtag za: u::s geladen nmren. Was nuxcht«: die Kettle Vorhaben, nachden: sie sich ftombeit* uuig so niäuschonsnll verhalten l-atten? Tie Neugierde tricks mich naher. Eu: rvenig besorgt war ich auch dem: oft ging es bei den Vergnügungen dieser Herrschet ei: nicht ohne einigen '&d*ibai tür in ul) ab. Natürlich i«llte ich sie nich stör«:, wenir cs sich un: eine ihrer netten Harmlosigkeiten lxrnde'lte. Zie sii:d elloäj empfindlich in svlck)en Tir:gen, ttveil fte nicht recht wiss«:. ob 508 ihre respektablen geistigen Etamgenfihaftm not d«metstmsschr primitiven VenvirAüh.utg ihrer, Träume, dre das -vprel verlchafst, 911 vereinbaren sind. Wegen d^es Zwiespalts ff^ e r W gfru beobachten oder gar necken lasten. -Sie send Obertertianer, lind ein Obertertianer ist: schon was Tüchttges. Ich schlich mich also an den Schauplatz heran Es handelte sich nm einen Kriegsschauplatz, und zwar um '^e.^rdse«. Mern Aeltester hatte soeben ein U-Boot getauft. Daher . Tiesä U-Boot mußte ich genauer fernen taten, drachdem ich einige sperrende Büsche beiseite gebogen hatte, trmrde der Anblick des unheimlickxm Kriegssahrzenges mir zutert. Ich muß gesteh«:, ich taute nicht daran zweifeln, feß es sich hier tatsächlich um ein U-Boot tändelte, obgleich das Materral, daraus es gefertigt war, aus T-rngen bestand, dre mir Äv durchailÄ unkriegerisch' vertraut waren, da sie bisher ernen Aeil melvcÄ friedlich!' L>aushaltes ausgeniacht liatten. Ohne die geringste schiffbauteckMisch Erfahrung taute ich mir sogleich etkltz«:, auf welch Werse der stolze Bau zusta.^ gekomw.M war. Das Geritst, sozusagen da^- Skelett des Nookes, bildete nämlich ein im vorigen Jahre angelegter L^bmgang. Tie Tragfähigkeit einer Elchen Pergula rst mcht besonders gpotz Und da meine Herren-Söhne darauf taimspaz:ertew als ob es sich um ein Betongewölbe :md nicht nm em garstiges Latten- werk handelte, mußte ich an mich halten, nm meine H'pwnage-^ angelcgerchit iiicht zw verraten, bevor ich fte Mn MchLuß georacht hatte Tie Bootwände bestanden aus Pferdedecken, Treppeiilausern, Bettvorlegern, Tierfellen imd — ich muhte wieder an muh hüdmt — aais C haisetaguedecken (die meinrge war lecher auch dabei). Ich zerbrach mir eine Mejile den Kops darüoer, wie di^e ,,Stahl- Platten" befestigt waren. Tie Decfel konnfet fa Mit Nägeln an das ßettemoeif geschlagen sein! Tas war sv pefiwv-ll zu denken, daß ich mir sofort krampfhaft einbildete, sie seien in aller Behutsamkeit rittlings darüber gelegt (natürlich wareri sie doch angertagelt). Ter Kommando türm war sinnreich aus Maurerlatten iind fiietnandergeschobenen Gartentischchen gefügt. Meine höchsten H-opfenstangen dienten als Masch Man sah deutlich die Telesnnkensänger, Jin Innern des Schiffes rumorte eine Adafestne. Ich vermutete, daß es sich um das Konglomerat aller aufzutreibenden „Fliegendsn Hollands hart- fette Man kennt sie. Es sind jeiie Höllenmaschinen, dre der hercmwachfenden Jügend dazu dinten, sich auf vier Rädern unbeliebt «u machen Sie werdert ferch die Armkraft ihrer Besitzer vorwärts bewegt rmd machen mit Vorliebe Rammversuche an den Beinen harmloser Spaziergänger. Ich habe später fest,teilen fermen, daß meine Vermutung ^richtig war. Tie Maschinen, drei an der, Zähl, Hwebtm «us Stangen zwischen Tischen. Tie Herren Maschtntstm aßen darauf und ließen nach den Klingelzeichen des Kommandanten. Ine Räter schnurren Ein Periskop tvar selbstver,tändltch auch vorhanden. Ich weiß heute noch ruckst, tvelcher Ofen des Rohres beraubt wurde, das dem U-Boot als Auge diente. Eme Trittlerter machte die Verbindung zwischen Komntandoturm und dem Boots- Jnzivischen war die Abfahrt des U-Bovtes erfolgt. Eine bunte Schürze flatterte am hinteren Maste hoch: die Kriegsflagge! Hut ab! Tie Fahrt war stürmisch Ich merkte es daran, daß die Herren, Offiziere fick in die Wettermäntel meiner gesamten Familie gehüllt l-attcm. Tamit schützten sie sich vor den Spritzer':, me reichlich über Bord kamen. Irgendwo im gegenüberliegenden Gebüsche mußte nämlich Neptun sitzen und mit der Gartenspritze hantieren. Ich wurde jedenfalls klitschnaß. (Verhielt mich aber weiter feit.) In kurzer Zeit ward mir dann das Vergnügen zuteil, der, Versenkung von sieben Dampfern und drei Segler:: beizuwohnen. Tas Boot tauchte angeblich jedesmal unter. Die Torpedos (fliegende Holländer) schaffen aus dem Bug des U-Bootes heraus und rasten mit der blinden Wut ihrer furchtbaren Bestimmung in die Bäuche der todgeweihten Schiffe (alias meine schönsten 'Stauden. Ich schrie nicht, nur innerlich.) Uebrigens hatten diese Dorpedos das empfehlenswerte Prinzip, stets zu ihrem Schliffe zurückzukehnen, um aufs ne^ne gebraucht zu werden. Eine famose Erfindung, die ich dem Admiral stab mitteilen werde. Tas Wetter .wurde ruhiger. Aber eine neue ernste Gefahr bedrohte das tapfre Boot. Ein englisches Kreuzer gas chwader war durch das Fernrohr (meinen Feldstecher) gesichtet worden. Schell wollte das Boot wegtanchm. Aber wehe!.Tie feindlichen Geschütze schleuderten ihre Granaten herüber. Eine ferchschlug die Bordwaife. An Tauchen war nicht zu deckten. Ein Pfiff. Tie Marrnschaft versammelte sich auf Teck, eilte an die Geschütze (ich erkarmte mein drehbares Lesepult wieder sowie den seiner Platte beraubten Kranfeitisch, der auf und nieder zu kurbeln ist). Das Feuer begann. Ein wahnsinniges Geftlsteße auf das von allen Seiten zugleich anrückende Geschwader. Seltsam, loelche intimsten Tinge dieses N-Boot verschoß! Tie Granaten waren nichts anderes als gewisse Papierrollen, die in berschLossenen Kabinen dunklen Zlv-ecken dienen. Ich ivar entrüstet. Meine Phantasie streikte. Aber als so eine „Granate" mir auf dm kahle:: Kopf sauste, riß meine Geduld. Ich wollte auffpringm mü) „halt" rufen. Aber offenbar war das letzte Geschoß bereits verfeuert, baut der Kommandant beggn« eine Anjpracye zu halten. . „Kia:neraden". sagte er. „wir sind verloren! Wollt ihr in die Gesangcnsckrvft der engltsckxn „Gentlernen" gehen, oder wollt ihr aus unserem Schiffe als echte deutsche Seeleute sterben?"- „Sterben!" ries die Manuftliaft. Ueberlant Aang das. Tie jungen Stimmen übersckstitgen sich. TaS war nickst Schmerz. Wut »ovr es, daß die verd .... Engländer ein dentsck-es U-Boot besiegt hattm. „Tas Sprengkommando!" klang scharf und kalt der Befehl. ,Lebt wohl, Kamercfeen. Und-unser Kaiser und Heer, unser deutsches Vaterland — — hurra-hrtrra-Hurra!" Ich wußte: im nächsten Augenblick mußte sich etwas ereignen, das Tntjrfj anging. LLber ich vermochte nicht, den gebieterischen Halt* ruf ausznstoßen. Mir saß etroas in der Kehle. Und unter dem Knachen, das ben Zusamnieiibruch meiner .schönen Pergula be* deickete, ging ich dav'on, still, betvoffen, gerührt und — stolz. Gewiß, dies hier war Spiel. Aber der Ruf „Sterben" — 1 war ernst. Ms wir später gemeinsam am Tisch saßen, die „Anferstande- neu" und ich, sah ich entern jeden an, rvße tief das Gelübde in ihnen brattnte. Sonst lehre mich einer deutsche jungen fernen. vüchertlsch. — Nr. 3880 der Leipziger „Illustrierten Zei- tun mrd Dr. Phil. Vehr schließt den Litaueit-'Beftrag „Der wirtschaftliche Neuaufbau Litauens" mit einem Ausblick iu die Zukunft. Eine Rterhe prüchchger Illustrationen trä^t zum weiteren Verständnis bei. Fritz Grotemeyer hat in einer wirkungsvollen Toppelseibe das Leben 'und Treiben auf dem Marktplatz in Wtliia-Antokol sestgehalden und gibt ferner auf einer Ganzsefie ein lebendiges Bild litauischen Volkslebens. Eine livautsche Fi scher- famüie führt Pvoseffor Karl Storch in der Titelseite vor Au am. Die Umschlagseite von Rudi Hammer versinnbildlichst dm Wirtschaft-- lvchen Reichtum des Landes. Prächtige Photographien, besonders itn» den sehr schön gelungenen Tiesdruckreprofektionm zeigm die landwirtschoftlickM und arcksttektmtischm Schönheiten deS Landes und geben einen lieber bl ick über die charakteristischstm Erzeugnisse litauischm Volkskunst. Der übrige Deck der Nummer beschäftigt sich mit den Ereig:rissen, die angmblrcklich im Mittelprmkt des Jiv- teresses stehen, sv Major von Schsreibershofeu mit der Offmsivs gegm Italien in feinem Artikel „Deutsche Truppen an der italient- schen Front". — Nach, drei KriegSja^ren, Rückblick und M'sblick aus die militärische Lage von Karl Hofft, Major im Generalstab der 'dl.rmve. (Verlag von Mug'. Scherl, Berlin.) Auf die Großsprchereien der W'ilispn, Lloyd George :rnd Genossen gibt diese Broschüre eines Offiziers aus dem Großen Ge:reralstabe die richtige Antwort. Durch siebzehn Karten aus dm Kriegs gebiet m erläutert zeigt sie fi: übe re zeugender Darstellung, wie ringsum die Grundfestm der ftindlichen Kriegskunst und Politik zu wanken an fangen und allein die Front der Mitdeel Mächte unerschüttert und unerschütterlich da steht. - Homogramm. s D HST« G o • e 0 © 9 9 • © @ & Die Buchstaben A, BB, DD, E, III, MM, NNNN, 0, RRBR, 83. UU sind nach dem Muster obiger Figur derart zu ordnen, daß die wagerechten Reihen gleichlaulend mit den senkrechten sind und Wärter von der beigeiügten Bedeutung bilden. (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Dreizüger von Lindquist. M Kgl, Lc6, Sb8, do, Ta4, Be2, e5, 14. «Lchw. Kc5, Sa7, Bc7. 1. 14-f5. Sc6: 2. Sd7 - 1.. Sc8 (b6.) 2. 316. 1. Kostbares Dfineral. 2. Pflanzenteil. 3. Teil des Auges. 4. Bekannter Chemiker. Schristleikung: W. iMeyerl — Zwillingsrunddruck der Brüh t'fchen Un v.-Bllch. und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. \