Sn Sturm und Stille. Mo man von MaxTre u. (Fortsetzung.) f Drohend klang Hans Joachims Stimme - „Ich zähle bis fünf, meine Herren! Sind bis dahin Ihre Säbel nicht in meinen Händen, so sind Sie l»eide tot." Die Gewehre der Bauern flogen schußgerecht an die Backen. „Eins !" zählte Hans Joachim. „Zwei!" „Sapi-rfti! Herr Baron!" rief der Graf, dessen Gesicht eine fahle Blässe überflog, „was soll das bedenken?" „Drei?" „Sie spielen 11 m Ihren Kops, Herr von Sorniitz!"" „Vier!" Krachend flogen Hans Zoachmr zwei Säbel vor die Füße. Er nahm' sie kaltblütig ans nnd gab sie einem Mauern. „Wir weichen nur der Uebermacht, Herr Baron!" knirschte der Graf. Hans Joachim würdigte ihn keines Wortes. Er wandte sich an seine Bauern. „Ihr bewacht die beiden! Ihr verhindert jeden Versuch, -mit den Soldaten in Verbindung zu treten! Nötigenfalls durch den Tod der Gefangenen! Verstandeil?" „Jawoll, IuWherrt"" „Und damit Sie sich überzeugen/" fuhr Harrs Joachim, Zn Wellingerode gewandt, fort, „daß jeder Widerstand Torheit wäre, -blicken Sie durch das Fenster hinaus in den Hof."" Der Graf tat es. Noch, fahler als vorhin wurde sein Gesicht. Der ganze Hof war mit bewaffneten Bauern gefüllt, und immer mehr, immer mehr drängten sich durch die weit- geöffneten Tore. Auf Men Zügen aber lag dieselbe finstere, droheiide Entfchlosseiche it. „Es sind die Bauern der Umgegend," sagte Hans Joachim, „und ihre Zahl wächst von Mimite zu Minute. Ich hoffe, Sie werden selbst ein Blutbad zu vermeiden wünschen, ans dem kein einziger Ihrer Leute nach Magdeburg oder Kassel znrücktäme. Geben Sie daher sofort den Befehl, daß der Hof des Stiftes von Ihren Leuten geräumt wird. Es könnte zu irgend einem Zusammenstöße kommen, dessen Folgen nicht abzusehen wären." Wellingerode schrieb ein Paar Worte aus einen Zettel, den er Hans Joachim übergab. Dieser las ihn. „Es ist gut so. Ihre Leute tonnen einstweilen ans der Wiese blechen. Es wird keinem ein Haar gebrummt werden, — dafür bürge ich." „Und was wird ans uns beiden?" fragte der Gras. „Das weiß ich nicht. Darüber hat die Frau Aebtissin Zn entscheiden, der auf Grund aller Privilegien nnd Gesetze die Gerichtsbarkeit im Säfte zu steht Bis dahin werden Sie sich gedulden müssen. Auf Wiedersehen, Messieurs!"' Hans Joachim ging, nachdem er drei Bauern «n di« Tür, zwei an die Fenster gestellt hatte. „Weshalb haben sich die Schurken von Soldaten nicht gewehrt?" fluchte Wellingenode ans französisch. Der Kapitän zuckte die Achseln. „Dazu hatte chnen niemand den Befehl g eueben," ent- gegnete er'. f/ lXnb da die Bauern sich scheinbar aller Tätlichkeiten enthalten haben, — wie konnten sie ohne ausdrücklichen Beseht zum Angriff übergehen?" 'Wellingerode schwieg. „Gestel>en Sie es, Herr Graf/" fuhr der Kapitän nicht ohne Schadenfreude fort, „gestehen Sie es: hier haben tvir die Partie verloren." Der Graf lachte ingrimmig. „Nur zur Hälfte, Sie vergessen die andere Hälfte, die auf und davon ist —" „Ich fürchte, daß nran auch diese noch zur ückge Winnen wird, Herr Graf," nreinte der Kapitän. Dann sanken beide in Schweigen nnd harrten der Dinge, die da kommen sollten. Hans Joachim ging zunächst in den Hof, übergab den Zettel ei nein Offizier, der nach einigem Hin- und Herparla> mentimeu den Hof räumen ließ. Dre Soldaten nahmen auf der Wiese Stellung.- mau schüttelte den Kopf, sah Ji4* fragend und verwundert^ an, -aber es wollte Haus Joachtsr scheinen, als seien die Leute durchaus zufrieden, ans diese Weise ans einer Lage erlöst zu werden, von der sie sehr wohl erkannten, daß sie ihnen mit Gefahr drohe, die sie aber offenbar nicht rächt begriffen, und in der sie darum auch wenig geneigt schienen, für ihren Konmi andierenden die Kastanien ans dem Feuer zu holen, das dieser allein Am- schein nach selbst angesteckt hatte. Trotz dieser Beolmchtung aber, die sich ihm aus dev Meichgül tigkett ausdrängte, mit der die Soldaten an freat bewaffneten Bauern vorüber beit Stiftshof verließen, traf Hans Joachim dennoch seine wetteren B-orsichtsmaßregeln. Er rief einige zuverlässige und besonders umsichtige Bauern SU sich. „Hört mich an, Leute! Ihr werdet jetzt in unänffäMgev itnd nicht herausfordernder Weise die ganze Wiese umstellen. Ihr tut, als ob ihr euch in alle Richtungen hin zerstreuen wolltet. Ihr laßt niemand von der Wiese herunter nnd vor allem keinen in den Hof. Aber ihr reizt auch niemunkH weder durch Worte, noch durch Blicke, noch durch Gebärden.. Scheint es, als ob die Soldaten zur Geinalt greifen Nwllem so gebt dreimal einen lauten Pfiff ab, ich brn sofort danq bei euch. Habt ihr mich verstanden?" „Jawoll, Jnngherr!"" „Und ich kann mich auf euch verlassen?' „Wie op dat lewe Evangelium!"" ^ „Gut Dami tut, was ich sage."" Die Bauern gingen. ' JnzN'ischen war der Zuzug immer -größer, immer stärker geworden Wohl an 500 bis 000 Bewaffnete mochten ba 402 sein, und nmner rückten aufs neue geschlossene Trupps an. Mit eiizem Jubel sah Hans Joachim die stattliche Schar, und leise vor sich hin. suinmte er eine Melodie, die er im letzten Winter bei einem Besuch in der Oper in Berlin gehört hatte : „Will der Herr Graf ein Tänzlern tragen, Mag er's nur sagen — < Ich spiel ihm auf." Daun eilte er tu schnellen Schritten aufwärts zu den 'Zimmern der Domina. Vor deii Türen faub er mehrere Bauern, neben, denen auf dein -Erdboden gebunden inzb gefesselt die zwei Reiter lagen, die Wellingerode als Posten hier ausgestellt hatte. „So hebbeu ihr Deel," lachten die Bauern, auf die nicht gerade sanft Gefesselten deutend. „Arme Schelme!" sagte Hans Joachim. „Löst ihnen die Fesseln, Leute. Aber haltet sie hier fest und laßt sie nicht von der Stelle." ,/Dat soll woll sin, Jmvgherr." Sormttz wandte sich an die Kauzosen. „Ich rate euch, keinen Fluchtversuch zn machen. Ihr seid sofort Kinder des Todes. Im anderem Falte geschieht euch nicht das geringste, und in kurzem tonnt ihr unangefochten eure Straße ziehen, wohin ihr wollt. Habt ihr Hunger oder Durst, so ivird euch gegeben werden, was ihr verlangt." 'Daun trat er in das Zimmer der Domina. Diese war nicht allein. Sämtliche elf Konventualimren waren um sie versanunelt. Die Damen toaren alle in großer Aufregung, nur allein die Aebtissin war kühl und ruhig wie immer. „Ich danke dir, Hans Joachim," sagte sie zu dem Eintreten den. „Das hast du gut gemacht." Er verneigte sich und küßte ihre Hand. „Verzeihe, liebe Tante, daß ich jetzt erst zu dir komrne. Aber es war so viel anznordnen, so viel zu bestimmen, daß es nicht eher möglich w-ar." „Schon aut, Hans Joachim. Ein Tag wie dieser ent- buwet dich aller Entschuldignngeir. Llber sag' mir das Mch- Agste: habt ihr schjvn eine Spur von Beate? Ach, das arme Kind! Was mag sie ausstehen!" „Riezler ist hinter ihr her, er wird sie ftnfcten. Und ich irwW^jfce auch fort, sie zu suchen, denn mein Herz ziehtmich „Ei, ei, Hans Joachim!" „Ja, Tante, sie wird meine Frau werden, — sie hat es Mw gesagt." „Sieh d-och, sieh doch!" sagte die Aebtissin zmb führte erne gewaltige Prise zur Nase, wonach sie den Deckel der Tabaksdose mit lautem Krach znschlng. „Sieh doch, sieh doch! Und ich hatte Beate zur Konventualim von Stift Hohenbergen bestimmt. Doch die Jugend macht dein Lllter immer einen Strich durch die Rechnung. Aber sage, wo ist da« jener Graf?" „Gefangen in seinen: Zimmer." Die Domina erhob sich. ™ Jagte sie hell inib scharf, mfe wenn Metall auf Metall schlägt, „wir haben Gerichtstag zu halten erneu: Verbrecher, der in unseren Mauern weilt. Und wir wollen von dem alten Privileg unseres Stiftes, Recht zu sprechen, wenn ein Verbrecher das Stift oder seine Insassen bedroht, Gebrauch machen. Ein schweres Verbreche?: ist begangen, — es soll gesühnt werden, wie unsere alten Satzungen vorschreiben." Sie wandte sich an ihren Nossen.: „Hans Joachim, laß den Verbrecher in einer halben stunde in den großen Kapitelsaal führen." Hans Joachim verneigte sich. „Wie du befiehlst, Tante." * nit dickes, ui schwarzes Ledcr gebundenes Buch. Sämtliche -uum u, meistens schon mit schneeweiße Haaren, trugen das überlieferte schwarze Ordensgewand, das nur um den Hals yeruiu eine schmale, weiße Spitzenverzierung duldete. Das .)aupl her Tomma bedeckte die Haube der Aebtissin, eine Art kleiner schwarzer Mütze, um deren oberen Rand drei schmale lilberne Streifen tiefen. ,. , Ufb™ ^:n Ganzen tag ein tiefer Ernst und eine feierliche Wucht, die eines starken Eindrucks auf den Grafen nicht verfehlte. ß n r £?5 e £. Fensternische stand Hans Joachim. Das Muster selbst hielt er cm wenig geöffnet. Er lauschte hinaus, ob ettva von draußen der verabredete Pfiff erschallen werde. . 0 Die Bauern hatten den Gefangenen bis vor die Mitte dev Tisches geleitet, gerade der Aebtissin gegenüber; dann waren ,ze zurückgetreten und hatten «uz beiden Seiten der Emgangstür Aufstellung genonzzueu. Sic verwaudtezz kauuz cm Auge von dem Grafen: nur zu Hans Joachim blickten sie znwezlezz hiiziiber. Aber der sprach kein Mort. (Fortsetzung folgt.) Als der Gras Wellingerode, von z»vei Bauern gesellet mit.geladenen Ge>vehrcii, in den grossen Kapitclsaal, einen znächtigen, Hellen Raum trat, dessen Decke von prachtvoll emporstrcbmden Säulen getragen wurde, stutzte er Ein Rild w,e er es nie gesehen, bot sich seinen Augen, ' - beu Hintergrund des Saales zu staub eiue große, halbmondforuuge, nnt schwarzem Tuche bedeckte Tafel Auf ^ der Wand zugekehrten Seite derselben saßen sämtlickie zwo f Konvcntnalmuen des Stiftes, genau in der Mitte che Aebtnsm auf einem etwas erhöhten mächtigen Lehnstuhl, der auch ein reicheres Schmtzwerk trug als die übrigen, Bor der ^ X f tX au Kruzifix, um das herum drei brennende Lichter ausgestellt waren. Vor dem Kruzifix lag Gietzener vurschen auf dem wartburgfest M. Von Wilhel m Berge r, Kaub. d. Theologie. ^ Gedenktage der geistigen Mid religiösen. Wiedergeburt weickschtands- smd zugleich die seiner politischen Auferstebnng. Der Geist der Freiheit, Innerlichst nnd Wahrhaftigkeit, bcu wir als, Die wertvollste Errungenschaft der Reformation ansehen, hat dreihundert ^ahre spater den Weg gewiesen zur Freiheit nnd Einheit dev Vaterlandes. Das Wärlbnrgfest des 18. Oktobers 1817, die Rewrmatwnsfeier der deutschen Studentenschaft, ist die erste Kon- ftlidiemiig der Burschenschaft, die die Weglberefterizr und Trägerin der Gedanken der nationalen Einheit nnd Freiheit sein wollte und ***. Tie Bedeicknng dieses! Festes besteht darin, daß zum crsten- niale freil>eitliche, nationale und sittliche Kräfte ans' ganz Deutschland sich,verbündeten und daß dieser Bund so stark gegründet war, M er dw härteste Reaktion zn überdauern uiid seine Ideale znni " leg zu führen vormochte. Besmrders groß war iiächst Jezm der Anteil der Gießener Studenten an der Vorbereitung mib Tnrchftlhrnng des Festes. Der Hbnaer B,,rschen,chafter Maßmamr berichtet in seiner Beschreibung dev Wartburgfestes ime ihn gelegentlich eines Besuches bei deni Gießener Bilrschenschafter Karl Hoffmann in Rödelheim bei Fcank- furt nnt diesem Freunde zusammen, als sie im Oktober 1816 ziNschen Frantsirrt und Rödelheim spaziere,rgrngen „sinnend nnd sehnend "ber das Heil des Vaterlandes' in ahnender, bochschlagew. ^der Gedanle gekommen lei: „Wie iväre es, wenri wir Burschen ^entschlands alle das nächst,ährige Jubelfest der freiem Ehristenhit und des Ackerlandes da droben auf der Lnthersbnrg seierteii bei Eisenach?" Wenn auch nicht mit Bestimmtheit zu daß wir es hrer mit dem ersten AuftauchM der Idee des Festes zu tun Uem so hat fte doch sicherlich bei dem lebhaften Gedankenaustausch, den die „schwarzen" mit Jeuaeni und anderen Burschenschaftern unterhielten, in Gießen sehr bald eifrige Zustimmung und Förderung gefunden. Tie Gießen'er Studenten waren nach, verschiedenen Versuchen der Vereinigung zu eruer allgemeinen Burschenschaft in zwei femi* liche Lager Jeteilt: die Anhänger des von Karl Follen ent- wvrfenezr „Ehrenspiegels",, der bnrschenschaftlichen Refornlpgrtei der „Sckprarzen", und dw Landsnianuschasten, die 9Vrfedk<>r bcö alten „Komments". Beide von der Regierung verboten i,ud doch weiterbchchend, .An bilde ergtns int rfguft ?817 IT 01 ^ die Einladung „die Glaubensreiuigung durch Luther imd den Freiheitssieg bei Leipzig auf der Wartburg festlich zu be- . sogleich zustirunieud, aber Ideen picht uuzugäwglicheu Lands, wannschafter, gingen eifrig darauf ein, wie die verhältnismäßig große Zahl der auch> von ihnen entsandten Vertreter zeigt wnien waren es ettva dreißig Burschen, die von Gießen nach der Wartburg wanderteir, von den schwarzen: Ulrich, Simeons Dü Kii rrng, Langhaus, Ämter, vmr Btin, cimwn, Kümmel, Schulz Beyer, Hefsemer, Gw'lniier, Sartorius und Emmerling. Hoffman war trank, Karl Fallen un Examen. Von den Landsniannsclaftern! waren m Eisenach: App' L. und C. Knorr, Sites, Buff SchL vorn. G Hoftnianu v.Weidig Görtz. Die früheren Gießener Schwär- - zen Kahl, Lauteren und Ertijst Welcher tvaren von, Heidelberg' getvinmen. Tie «chwarzeti ioaren in der Mehrheit. Das geht auch sck.ou daraus hervor, daß nach, dar Anlünft in Eisenach am 17? O tobcr von den Gußeneru ajs Vertreter ihrer Akademie in den allgemeinen Festausschuß die drei .Schwarzen v. Buri, Kümmel ^^toruw gewählt wurden. Nach einer andere,l Darstellung nar auch der Lanosmannschafter ^chmiülborn im Ailsschuß "lls 5 ,^ der b Deputierten, di« noch an, Mend des 17. Ottobers bei» Morden von Eiscimch Polizeiliche Matziwhmen znr E>hall,,na der Rnye und «tck»crheit vor Feilerstzefayr bespra^n. Jvirb LiaröormZ im Protokoll auigeführt. Mich ivar Sartorius, er«er der vier „Bnrgmänner", die dein Än-ngivvgt Scheid!er vv-tt dem Anführer und Ordner des Ganzen, als Beihilfe zagc- «L- f n - iiraic S / UTtb Fcstmijg anr Margen des 18. unmittelbar hinter dein Bnrgvvgt an der Spitze des Inges gingen. Nach, Beendigung des .eigentlichen Festaltes im Rittersaal der Wartburg ging m den Burghof und it a. sang m,'an btrcb aus dem ln gen,s, ur die Feier gedruckten Keftcl-en „Lieder auf der Wartburg zu tngen ß -unter lreschen auch Karl Follens, der Gießener Burschenschaft gewidmettis „Branse du Freiheitssaug" sich befand, llnter- delsen redete der Jenaer Professor Ofen ans die Studenten ein und ries ihnen zu: ,,Jetzt werdet ihr einig oder nie!" Tie gegenivrirtige ^tuniiumg vergehe, inan müsse aber etwas Festes in der Tasche haben, Ge>etz und Regel, an die inan sich halten könne, um den landsmanNlchaftli chen Geist der Zwietracht zu Hannen, wie er namentlich noch in Giesen, Erlangen und Güttingen herrsche. ^ Mahnung wollte man Folge leisten, als der Ausschuß Nach Dolans des einzigen offiziellen Festtages auf b-eit 19. morgens ; l £ m Eisenach Anwesenden abernials aus die Wartvurgi nw. Ter Führer der Heidelberger, Carovs, hatte schon vor dem Festie eine BnrscheuschaWordnung ausgearbeitet, die er zur Annahme vor legen wollte. Die Schwarzen hatten durch der: in Heidelberg siudierendnc Ernst Welcher davon Nachricht und wüßten die ganze Beratung zu vxwhiiidcru. Ihr 1 itbividnalistisches Persönlich»- feihsn und Freiheitsideal sträubte sich gegen jede Bindung des freaen Geistes an Gesetze. Ter tote Konunent war es sa gerade, den sie bei den reaktionären Laikdsinau.ii schafteru bekämpften. Auf der zwerterr Wartburg Versammlung suchte man mm für die Ein- ichränfuug des Zwerkampfes und die Beförderung der akademischen Einigkeit grnndlegende Richtlinien zu' gewinnen. Nach einer längeren Rede Carovss wandte sich Buri erst! gegen ihn. und dann gegen die Landsmanuschafter, als den Störern der Einigkeit. Heftig er- änderte der Landsniaimschafter App und es fttm zu einer leiden- schaftlicheu Wechsel rede zloischen beiden, in der jeder deni andern die Schnldan den Be muss Verb ältnissen und Temmziationon in Gießen zuzuschieben suchte, bis endlich Scheidlcr, der Leiter der Barsamm- lnng tief: „Bersöhiien müßt ihr euch, das Vergangene vergessen.!" Und alle riefen: „Vergeßt's, vergeßt's!" Ta trat unter dem Beifall aller App auf, bot Buri^ die Hand zur Versöhnung, der andere' schttkg ein, und „die SpaLtung ans -erirejr der ehren'wertesten deutschen Akademien tvar durch friedliche Bereinigung aufgehoben".*) Ihrem Beispiel folgten dann alle, uub es fand eine allgrnlrine Verbrüderung statt. „So hat.ein heiliger aber freier Tüigenblick, Uto nur die Stimme der Jünglinge galt und riet! getan, was nicht der Tarmstädter Hof mit all' seinen Soldaten, was nicht der gesamte Sermt in Perückengesetze gesteckt, hervorzubringen imstande gewesen, ja vielmehr heftiger angefacht."**) App bekennt später von jeneni Angenblick: „In diesen heiligen Hallen, Ü If ICii Mf,. r ~ „fi i. : J". /tl.Sfj. il ,, s von Gießen 1819 traten auch sic der Germania bei, die nwl-. kw euijiae ®tefcencr Lttidentenverbinduug rvar. Freilich fcft ”r )l0n schell Jahre unter dem Trinke der Karlsbader Beschlüßewieder auf. Der Begründer der historischen Nationalökonomie. Zum 109. Geburtstage Wilhelm Roschers, 21. Oktober ve Ktitem Tode hmterließ, war Kne'vmAUnud^us andere Wisset dre der inngc Privttdozcnt in Güttingen vorsand. Zulammen aut Kries und Bruno .vildebrand hat er die irithei' SÄ,* 0 ? ?Uwrcke1te historische Schule der Nationalökonomie grlchaslen woher ;cdo,ch z!u bemerken ist, daß, die Verdienste icirer SÄ Ä« EhrcuIdochRosch-rs lirffoS SA 1 t £ l l lßu f< ble xlymc erheblich übertrossew !\ ttei S? ^ch'keu zu vergegenwärtigen, durch die -No wer dre ^catiouotns'innnri,' .... ... ^ u .yiu ; uuu: rurcomrrrnva)-aromilti,che Aussassung des |!Ä ff«* bürch eine empirisch-organische überwun- ^ ^ '"at das Beobaaitnngsfeld der Volkswirtschaftslehre, b ?^»S tT bte nrKerne Gesellschaft beschrmikte, auf ?.!,£ Zetten mi b^ Volker ausgedehnt und dannt den Gesichtskreis und den /l= dalkke '^urde von der- Versammlung gutgeheißen, und' neben vier- anderen Buri als Herausgeber bestimmt. Eiike Anfündigung des Blattes ersckrlen denn auch bald nachher von Ieim, die auch Buri mit den Ausangsbnchstaben seiues Namens überzeichn et hatte. Jedoch wurde schon am 11. November von der Weimarer Regierung das Erscheinen des Blattes verboten. So waren in der zlveiteir Wartbiirgversammlimg die Schwarzen überall piit ihren Ansichten vurchgedriiugen und es erössneteik sich die erfreulichsten Aussichen .für die Gestaltung der Gießener Verhältinffe. Am Abend desselben Tages hätten die Schtvarzen nochmals eine interne Abschiedsseier mit einigen Gesiiinnngsfreirn- deik aus Erlangen, Jena und .Heidelberg, lvobei Stammbuch- blältter getauscht lvurdeu. WiAung des Festes blieb iudcsseu itt Gießen aus. Alle Versuche der Vereinigung der La kkdmaimschäften mit der Bursch.mschuft scheiterten an Karl Follens Starrköpfigkeit Unter Berufung aiks die auf der Wartburg geschlossene Versöhnung bemühte >cch die Jenaer Burschenschaft erfrier um die Beieitignng des Gresener ZwiespMes erreichte aber n.rr, daß nach ihrem Vorbilde sich im August 1818 die Landsmaimschäften auflöstm und einer allgemeinen Gießencr Burschenschaft unter dem Namen ^Germania" sich bereinigten. Aber selbst da verharrten die Schwarzen in ihrer Ablehnun.g jede»- Gemeinschaft mit beit ehe- »lali gen G egnern des Ehrenspiegels. Mt nach Karl Follens Weg^ *) Hosrat Prof. Tr. Kiefer aus Jena. Airi"' bricht ilOcr das Wartburgft-ft in im Zeit- iuvuu|,umh«:u Vii:. ’.!' Ul 0US ^eetSN ge wohnlich,eu Mannes eröffnet haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es Roschers Mintter gewesen reügiown Kenn in ihn gepflauzt hat. Zu Känuvws LA^Emer alten Beamtemanickre entsprossen, verlor Roscker bar %atei ttuhzerttg. Seine Studien machtt er zuerst in Göttinasn wo er sich ganz der Geschichte und Philologie widmete: als cf »wich . Doktor gemacht hatte, ging er noch na.ch Wulm og cy r m ^ , l , n r historischem Seminar gearbettet hat Erst stEitterte er M bereits in Göttt'ngen für Ä Facher ver Geiu.ichte und der Staatswissenschaften. Er hat abei- nnr eine «me historische Vorlesung gehalten, in der ev S U °s* Thncydides behandelt hat. Dem griechischen GMchtsichrerber, dem Roscher 1842 auch ein eigenes Werk^- A- b "^n ^ bDachte er zeftlebens die größte Verehrung dar, und sein häuftger Bezug auf ^hucydides hat ihm später von seinen EbSnerirden Sprtznanren Wilhelm DhuehdAes Roscher" cunge^ ?b-rr er!sien ^'ahreik stiller akadeniijchen WirksaEt ' *** ^aats- und Volkswirtschaftslehre zu, die M gerade m Gott mgen auf eine große Ucberliesernng zurücttiicktk S:,T l nach wemgM Jahren wurde ihm eine außerordentliche, dam» an der Universität übertragen, unti 1848 folgte er dann dem Rufe nach.Leipzia, das ihm önr zloette« ?elvo rd enist Zahlreiche glünzeuoe Berusungen hat er abgelec-nt und volle -Id oähre als eine der Berühmtheiten der ^Lrrger Kvchschule au die,er gewirkt.. Seit 1889 hielt er nur noch, ösientttche Vorlesung^; am 8. Juni 1894 ist er verstorben Ini Laufe seiner langen Lehrtätigkeit Hader das Gebiet seiner Vor- leiungcn nuausgeietzc erweitert und ausgebaut, sämtlicke Zweige» P* 1 ß taai t: dl.ud Volkslmrtschaftslehre, die Statistik, die Politik FJr 011 Bereich, gezogen. Neben überaus zahlreichen Einzelab- ha.idlniigen ottbet den ltterarif-cken Niederschlag seines Forschcns vor Mm ,eiu Hmchtwerk, das „System der Volkswirtschaft", dessen vr»len Vaud er I8v4 veröffentlichte, während der fünfte und letzte ttauo erlt >bö4, schon nach semem Tode, erschienen ist. Von seinen ^vr^1>ungcm ist cm reicher Strom voir Anregung ausgegangen, ob- » »i-Huiüu*. iveoeryaupt lvar rlttu-Mr tute vorueUme. ilille ,iuto MrückMltende Natur. JHn bestelle ein echt inensch-lichc- Empffndeii; allem falschen Scheine und aller Selbstsucht feind, hatte CT aulrßsttgrs Mitgefühl für dtntfcr X'nitfc. Von *y. H. ioimmete reich, Oderpfarrer. Das Bückterr; bietet&i mat^gfschichte ist es lpbmbveiii. Preis 40 Pi. Druck und B-:rlag der sckrnrtzterschk'n Buchdruckevci ruid Buichhandlung in Wetzlar. — Barbr-a Ring, Tic Jungfrau. Roman. Einzige berechtigte Uebersetzung van Julia Koppe! llinsMagz.ichnniig von Kml Arnold. Eirckmudzeichnung von Feiger. Greis t»1rftct 4 Mt. gebunden 6Mk. Verlag von Mbert Laugen in Müuä-eu. — BarPra Ring erzählt in diesem neuen Roman viel m?br en des Knrsaals. Er fiit)Vt nach Mcs'öaden, unter ein internatvouales Pnblüänn, in die Villa einer alten Bavouin, in Eissportarena und Lennishalle, in die Frühling staudfcküaft deä-Launus. Und chm vorletztes Kapitel bat W!i-en Mnv .Hintergrund. Jeden Reiz der Erscheinung ^ spricht Zobettitz der Miwistertockster Gunde von Berg zu, deren Schicksal er mitedleben läßt. Doch er zeigt auch >üch seelisch: Tragik einer) Natur, die, srüh umschmeichelt, in Gchahr ist, au das Pl-antem einer glanzenden Zrcku'nst ihr Bestas zu verlieren, bis. sie, vock raichem Unglück hart ynZefastt, sich M»er' findet. — Hochland, Monatssckrist für Me Gebiete des Wissens, der Liter'atur -mrd Kuulst. Heranögegeben von Professor Karl Vtttth. Jos. Kösel'sch: Buckitzandlung, Keuipton und München. Vieitel jährlich 4,50 Mark. Inhalt des O tto-ber Heftes: Zum vierten Kttegstzahrgang. Vom Heransg-ebm. — .Martin Lartbers religiöse P suche. Von Tvmdekan Dr. F. L. Ktefl. dLari Nöadlen. Ein Mmcm aus der Rhön. Von L^oo Weismantel. - - Ein WuiglickLr Briefwechsel. Von Univ.-Prof. Tr. Martin Spahn. Röchtt der Wett. Von Tr. Max Fischer. — Weltkirche usnd Vaterland. Wo» Tr. Ph. Funk. — Abälard und Helaise. GedickM von Max Fischer. Das Friedenspnogramm -des Hl. Vaters. Bon Prälat Univ.-Pvof. Di'. Joseph Mansbach. — Die Besoldung der Staats- beamten. Van Medizinal rat Dr. I. Grafst. - Kleine Bausteine: ' Ichef Eberz. Von Konrad Weist. — Kritik: Neue Rv-nane. Von Fvanz Herwig. — Mundsch.au : Kri-egsbetrachllrng. Vom Wesen der Kunst . Ter Streit um NteyriE. Me Münchenisr uejue Sezesston. ?Üte briternnjan als mnsttalisches Kulturland. Unsere Kunstbeilage. — Vom „Völkerkrieg" (Herausgeber Tr. C. H. Baer, Verlag von Julius Hoffmann-Skullgart) sind die Hefte 141 und 142 erschienen: ihr Hauptgegenstand ist „Frankreich während des vierten Kriegshalbjahrs". Aus Grund bester Quellen wird in ein- ge^nder Weise das Gebiet der gesantten inneren Politik und der Volkswirtschaft Frankreichs mller den Einwirkungen des Krieges dargelegl. Zunächst verbreitet sich ein Neutral-er, eirr grnndlici)er Kenner der' Partei Verhältnisse und führenden Mäwner Frankreia^, in sehr nuterhaltender Art ül>er den „Zusammenbruch der französischen Linken": was man hier über Clemenceau und andere Männer des Tages hört, ist überraschend und freilich geeignet, dem Deutsckten manche Widersprückte bei Betrachllmg der Vorgänge in Frankreich -u lösen. Es folgt eine Darstellung der beiden Kammer- scsstenen im vierten Knegshalbjahr unter .Hervorhebung ihoer po- lillsck>en Haupterscheinungen.' der für die Regi.nung ans dem deutschen Angriff bei Verdun entstandenen Schwierigfcttem des Kami*- ses um die Freiheit der öffenllichen Mellrung, des Ansturms gegeri Ioffre, der Geheiinsi^ungeu^ ru denen Rechenschaft über die skrieM- tührung und parlcunentariscke UeiX'Soachring der HcereÄeitungj qyjHpett wurden. Eine aus (sahleu und TMallieu mrfgebaute sachkundige Schllderuttg der Finanzlage, zahlreiches, sehr interessantes Material über du ernste» wirtschaftlichen Slöru.ugen und daraus entstehende Teuerung und No! schiiesten das grus;:, eindrucksvolle Gesamll'ild über die inneren Zustände Frankreichs ab, ein Bild, das^ viele Leser fähig mache» wirb, französische Dinge teesstr zu verstehen und pn beurteilen als bisher. Eineu fesselnden Anhang bilden die Aufsähe über die Sllmnrungs und Nackirichtenmache, über den französischen S^iaitenuls uu.d seine inneren Wandlungen mw Kümpfe, .über „das sterbend: Frautteick". G'-cßcncr ^ ns f vancv ,-Be rein. Kocha-mierstmsten. H a f e r - A u f l L u s ni i t A e p f e l n. Ma n quellt 2 —3 Tassen voll Haft.rslockeu in nicht z-u rtelem WaDer bei fteistchem Rührei zu sehr steifem Brei, dan min «erkalte» lästt nstd mit etivas Zucker Und einem Löffel Fett vermiUI. Zuletzt -gilte man eine beliebig«! Mange Apfelschnihckpen rwer Apseliviiriel darunter, kann auch das .Gaurs mit gertebener Zitrorrauschale würden. Die Näasst: wird in der feuerfesten Form gebacten oder in per Pudding ferm inr sieden^ ten Mnfferbad geköcht. Karl« s.selkl öste -mit Krüar t e rlt. Gekochte, durch dte Presse gedrückte Kartoffeln, ^eingeweichtes Brot nebst etwas MM Und Sal-, tpstebni mit Wasser oder Knnstinilch. nn-nn angängig, auch mit einem Ei vermifcht. Ju Fell oder Kunstbutter dünstet man geriebene Zunebel, etwas Schnitt!aacch uard Petersilie, gil*d dies zu dem Klos'teig, fopnck Klötze daraus, legt sie in kochendess Sattwasser und lästt sie'gartechen. Unt( die KockDauer sestzalstellen, kocht man einen Prubettost.. Zn den Klötzen gibt man eine Pilz-- tunke oder «eine einfache gdlbe, teichl' gesäuerte Mohlttmke. Grüne Tomaten wie Zucker gürten eiuMmachirn. Aus 2 l / a Pfund geschälte, grüne Tonraten rechnet man 1 Pftmd Zucker und 1 Schoppen Essig. Man schAt die Tomaten, kocht sie irr halb Wasser, halb Essig gcuiz kurz und schüttich sie aus einen Durckte schlag zum Achläu'sen. Dann bringt man Essig und Zucker nebst etivas ganzem Zimimt rurd Nelkeu zum Kochen und schüttet eS über die Tvnraten, dlndern Tages kvchi man den Saft nochmals; aus und pr1vrderlich;>ensalls ein. Mstan kann auch die halbreifes Tomaten perweriden, nur schält man diese, am besten nicht »nft brmd;il sie aaph nidjt iuj Ihial'b Essig und Wttfter abzukochen. K ü r b is , wie Köhlral»en mit Kartoffeln zubereitet, ergibt ein gutes Gcmüst. Das Kürbisgehäpfe mft APfckschtritzen, Bümscknützen, Tomaten und .ettvas Salz tvei-ch verkocht, ergibt eine Lräftigg Suppe. ?ftis gerösteten, zerstotzenrn und geniahleuen Kürbiskernen bereitet man seHn Gettänr, das an Güte dem Kornkaffee gleich,steht. ^tzNigSMg. ] ftiufi: welch len zu fl ler he ho gal ver den I in nen die sten bens fluit srau sind le schön en him tel die mel den len ga . er aus uns_ ba um ; uns den zu en che ster nen ans bau wel und met | in (Auflösung in nächster Nummer.) Mslösung des Versteckrätsels in voriger Nummerr ? Pest, Art, Man, Lanze. Iran, Natter, Erich. Pauline. «chri!tl«it„»ü: W. M-y«r. - Zwillinasn.iiddnick der Brühl'Mn N»!v.-Buch. imb Steinbnicfevei. R. Sa«,«. ©feSnu