Sn Sturm und Stille. Roman von Max Treu. (Artsetzung.) Vom Stifte Hohenbergen her schallten deutlich drei rasch vus-einander folgende Schüsse. Im Nn vfiss Hans Joachim seinen Braunen, der sofort gehorsam herbcigelausen kam. „Das Alarmsignal der Unseren!" sagte Hans Joachim. „Was bedeutet das?" Be.tte drängte sich an ihn. p „Wohin willst du, Geliebter?" fragte sw, angstvoll chm in die Augen sehend. „Zu meinen Getreuen!" „Und ich?" Einen Augenblick sann er nach. Geh ruhig zurück ins Stift, Beate," sagte er dann. „Bei der Tante Aebtissin bist du am sichersten. Sie laßt dir kein Haar krümmen." Beate nickte zustimmend. , „Es wird das beste sein, Hans Joachim. „So leb wohl, bald bin ich bei dir." „Bald, bald, Geliebter." Dann gab er dem Pferde die Sporen, daß der Braune hoch ans bäumte. Eine solche Behandlung war er nicht gewöhnt. Aber gehorsam jagte er dann mit seinem Reiter ventre L terre davon in der Richtung auf Linau zu. Als Hans Joachim das Gehölz hinter sich uiid freie Ausschau noch allen Seiden haste, warf er einen Blick hinüber nach dem Stift, um Beate noch einmal zu sehen. Und er sah sie. „ ^ w , v Aber das Blut in den Zidern eigtarrle ihm. Eine Anzahl französischer Reiter hatten das Mädchen ergriffen und schlepp!en es Zu einem in der Nähe haltenden Rmsewagen. Etwas wie ein Hilferuf klang zu dem versteinerten Reiter herüber. „ . , - , Ein paar Augenblicke hielt er regungslos an) dem Pferde, das er mit jähem Ruck angchalten. „Schurken!" knirschte er. , „ . Mn Blitzesschnelle sagten sich die Gedanken in wrnem Kopse, dessen Schläfen er zum Zerspringen heftig klopfen ftihlbe. ...... Was sollte er tun? Dort hrnubcrrageu? „Torheit!" schall er sich. „Was soll ich allein gegen zweihundert?" . A „. . _ r , Reim, nein — es-gab mit ein Mittel: Vrlfc holen aus Linau, alle Sturmglocken läuten lassen, und dann den Entführern nach. Es konnte nicht schwer fallen, Mit guten Pferden den schwerfälligen Reifsvagen einzuholen. Und lerne Spur wollte man schon finden. — dafür sorgten die guten Augen seiner Altmärker. Im Ru war das alles überlegt und dkdachi. ' „Keine Furcht, Beate!" rief er durch die blaue Lust, als ob sie es Horen müsse. Und dann gab er dem Braunen dre Sporen. „Borwätts, Freundchen! Jetzt geht es um Leben und Tod'" Als ob es ihn verstanden hätte, raste das treue Tier davon, daß Kies und Funken stoben. Eine Staubwolke wirbelte hinter ihnen her. Als Hans Joachim in Linau eintritt, lauteten schon d« Sturmglocken. Das Zeichen der drei Schü.se war gehört und verstanden worden. Aus allen Häusern eilten die Männer, mit Gewehren. Sensen, Piken und Dreschflegeln bewaffnet. Selbst Knaben hatten sich dem Zuge angeschlossen, — ihnen allen voran Böttchers Fritze, der die große Posaune von dem stillen Platz erlöst hatte und gutgemeinte, aber ohrew- zerreißende Fanfaren blies. Hans Joachim hielt vor der Schmiede. s.,Wo ist Riezler?" fragte er die junge Frau, dre am Fenster stand. „He is schon mitten mang, ^ungherr. Hans Joachim jagte weiter, die Dorf,trotze entlang. Bei der Kirche sammelte sich die Mannschaft. Und jetzt klangen ans der Luft her aus der Ferne andere Töne, — die Sturmglocken der nächsten Dörfer. Aber die Linauer klang am gewaltigsten. Jetzt hielt Hans Joachim vor Riezler, der eine Flinte über der Schulter und ein Haubajonett an der Seite trug. „Riezler, die Stunde ist da!" „Schon recht, Jungherr, wi sin ok do. stopp oben! „Kopp oben!" _ _ In fliegenden Worten erzählte Hans Joachim, was seine Augen gesehen hatten. _„Unb mm, Riezler/' schloß er, „mchmen ««dre besten Pferde aus meinem Stall und lassen ^ie die besten Retter aussitzen und dann den Halunken nach! Ich folge euch, sobald ich gesehen habe, um was es sich im Stift handelt." „Ohne Sorge, Jungherr," sagte Riezler. „Den Knoten woll'n wi schon npmaken, hat von de Strippe nrch veel uwrig blewen soll." . ^ V . , Schon einige Minuten danach hatte der Schmied ein Dutzend handfeste Burschen um sich versammelt, mit denen er, um die Pferde zu holen, nach dem Rittergute abrückte. „Riezler," rief ihm Joachim nach, „wenn Sie zu schwach sein sollten gegen die Schurken, so nehmen ^ie alles mit, was Sie an waffenfähigen Mannschaften auf den Straßen antrefsen!" „ . r , „Ohne Sorge, Jungherr! Dat Fröleu wolln wir schon wedderkreegen. Dal Düwetslüg von Franzmännern hat man ook bloß eenen Hals." Er marschierte ab. — Hans Joachim ritt vor die Front der übrigen. „Leute," rief er, „es geht loS!" „Immer druff, Jungherr! Wir towen schon lang!" „Seid ihr bereit?" 468 „Für Tid un Ewigkeet!" „Na, denn man tau!" Der Zug setzte sich in Bewegung. Auf Stift Hohenbergen -u. Etwa hundert Mann waren es, die da marschierten. Grimmige Entschlossenheit lag auf allen Gesichtern. — Wer auch nur einen 'Blick in diese wetterharten Züge tat, der wußte, daß mit diesen Männern kein Scherz zu treiben war. Mitten aus ihrem Haufen heraus flatterte eine verblichene und zersetzte Fahne. Jeder kannte sie, — aus der alten Kurfürstenzeit stammte sie, von damals, als der Schwede im Lande war. Und jeder kannte auch den Spruch auswendig, den sie in groben, ungelenken Buchstaben trug: „Wir sind Bauern von geringem Gut, Und dienen unserni gnädigsten Kurfürsten mit Gut und Blut!" Was einst die Ahnen taten, taten heute die Enkel, — sic kämpften gegen den fremden Bedrücker. Bor dem Zuge aber lief Böttchers Fritze und blies ohne Unterlaß auf der Posaune. Als ob das jüngste Gericht nahe, so mochte mancher denken. Als der Zug halbwegs bis Stift Hohenberg war, jagten die Reiter unter Riezlers Führung an ihnen vorüber. „Bravo, Riezler!" rief Hans Joachim. „ .,,Jo, jo, Jungherr," schallte es herüber, „wi schlopen ok nrch lns Mittag." Und weiter raste die wilde Jagd. * Hans Joachim wäre um liebsten mit ihnen geritten. Sem Herz kämpfte einen schweren Kampf zwischen Pflicht und Liebe. Die Liebe zog ihn hin znr Rettung und an die Seite des geliebten Mädchens, — seine Pflicht aber hieß ihn hier an dieser Stelle bleiben, inmitten jener Leute, die auf seinen Ruf Gut und Blut zu >o>pfern bereit waren, und für dre er sich.verantwortlich fühlte. Mochte auch sein Herz in heißem Sehmerz zucken, mochte es anch in wildem' Schlagen rmmerfort den Namen der Geliebten rufen, Hans Joachim tmißte es: in solcher Stunde, wie diese, gibt es keiüe persönlichen Wünsche, auch die höchsten nicht, — sie gehen unter in der schweigenden Erfüllung der Pflicht-, 3^tzt war man dicht an das Stift herangekommen. „Halt!" kommandierte Haus Joachim. Der Zug stand. Schon kam der alte Bastian, der Pförtner, ihnen ent> gvgengela ufen. „Was ist hier los, Bastian?" fragte Hans Joachim. „Jotte doch, ^ungherr! Sie haben die gnädigste Aebtissin erngesperrt und das Fräulein Beate.— ach, Jotte doch! — Ich mag es gar nicht sagen-" „Auch nicht nötig, Bastian! Weiß ich schon, und ist Won für alles gesorgt. Wo ist meine Tante eingesperrt?" „In ihrem Zimmer, Juugherr." „Wird jie bewacht?" „Zwei Reiter stehen vor der Tür." „Und wo ist der Graf Wellingerode?" „Ich weiß nicht genan-■" ^ 1111 » Joachim wandte sich zu seinen Leuten. „Vorwärts, marsch!" Der Zug rückte aus das Tor zju. * Wellingerode hatte vorhin die Meldung empfangen, daß der Handstreich auf Beate gegluckt sei. B „Ich danke Ihnen, Kapitän. Und heute nacht holen Sie gefährlich"^ ^el ans den Federn. Bei Doge ist das zu „Sehr wohl, Herr Gras." SÄKffi-™* » b-ch»»---»»" Lr „Ganz, wie Sie befahlen, Herr Graf" „Ja- danke Ihnen." Jetzt klang ein Ton durch die Luft', ein Zweiter p-in H»h b fM te i b0§ ? sollte der Graf aufhorchend. „Es smd Glocken, dre lauten, 5>err Graf" „Ja, aber lvas bedeutet das?" Der Kapitäü zuckte die Achseln. .-i-d'K^faffd«W^n -in und berichten Sie mir Der Kapitän entfernte sich. Jnmi-er lauter, immer mächtiger schwollen draußen die Töne au, das ganze Land schien in metallenen Tönen m 5l n ?5'J l un ? ^ ll ^ n 0 en - ilud jetzt — wahrhaftig, es war keine Täuschung! — )etzt begann anch die Glocke des Stiftes zu lauten. ' 9 Graf sprang auf, riß das Fenster auf wird rief den rm Hofe stehenden Soldaten zu: „Wer läutet hier die Stiftsg locke?" Antwort aIkX ® iencc be§ Bti ^' ^ Grak," kam bvt -Schafft ihn sofort weg!" befahl Wellingerode. „Nie- inarrb^f)at zu lauten! Stellt eine Wache an die Glocke!" Mehrere Soldaten eilten davon. Wer, es tat nichts, daß die eine Glocke schwieg. Daß sie Efjp/.k' erschöpfte das Meer von Tönen nicht, das durch die stärker lüCU, ^ e ° 3mmer lauter, immer mächtiger, immer Unruhig ging Wellingerode im Zimmer aus und ab. , ,/xZch wollte, es wäre Nacht, mrd wir wären fort von! Yi-er," murmelte er. . - ^ 5 ^ bs war nicht Nacht. Nein, nein, in den Tag hinein, ^?^n hellen, sonnigen Frühlingstag läuteten diese Glocken, und ihr eherner Mund verkündete, daß tausend helle, wache Äugen drohend m das Land hineinblickten. seinen^Mienen ^ Auriick. Bestürzung spiegelte sich in „Nun, was bedeutet das Geläute'?" fragte der Graf, ihm gespannt entgegenblickend. ' „Etwas Sicheres läßt sichllricht erfahren, aber es muß ein verabredetes Zeichen sein," war die Antwort „Sacre nom de dien!" knirschte der Graf. Graf" ^ ^ etm ^ ^^keres^habe ich zu melden, Herr „Nun?" ^cxn steht vor dem Tor, alle beioaffnet. 3^ Führer rst der Baron von Sormitz. Er verlangt Einlaß." „Wrevrel Bauern such es?" mögen an hundert und mehr sein." Wellingerode stampfte mit dem Fuße. Aber er kam' zu kemer werteren Entgegnung. h ~ aufgerissen Und herein trat Ha.uA dL-Lüen"EL. EN. die das Gewehr Mßfertkg in der “"h bCr Kapitän riffelt ihre Säbel ans (Fortsetzung folgt.) Bilder von der Insel Gesel. Welten t legen und doch landnah liegt die Insel der Rregel- des Rigaischen^ Meerbusens, in L' ffl Ostsee. Von ihrer südküste, und ganz besondeZ von der fingerartig vorgeschobenen Halbinsel ^n-orve dre setzt berertä ru oentscher Hand ist, blickt inan riimifTpr den kurländMien Strand und sieht das Mp Domesnäs- Ä Norden^aber- schwbt. sich die Nachbarinsel Dagö dM>t an Oesel heran wahreird rm Osten dre Lerncre Insel Moon überchauvt tiur ä K' von der FM wsgeriss^ Dtitck Oeseier S/LfS; StSfSÄÄtSÄ EiÄSSSL^'S*'» »»- .Vi llu ao, mw von der Höhe Moeiit der Drüber auf die grenzenlose Fläche bS Finnischen Me^ Inifer^, wahrend mn Fuße der Felswand besonders bei Nordwind dre Brandrmgs.aSlen gleich Reihen schannrumsprühter Ä! „ bei baltischen Natur rin ivesentlichen wiederholen. Im Jrmern! Wäldseen dem Wandern Ä Brlber von hohni Ltimninngsreitze; Interesse eigenen anw di,> nip,- ^ ro? Pft ^^ufindenden Bairerirbirrgberge aus heidnischer Leit Nordisch Nimuiten ^wir das Gepräge der Jü el de chliw g L «una für diese Breiten ÄfcftS* mSe »et bcm genügten Umfange OeselS - es is, mir eötlbS nwKf* »toiKttWnSs für die Icüf U« »W ^ 459 fdjtarheS und edles Ofrfo in den Offerten Ganten von Mvensiüerg sind ote MemEraüben reif gÄttorden, und in den Wäldern wächst eine ^eonnurt. Zrmreift aber sind Oesels Wälder Tannenwälder und rhr rrasliger Hauch belebt und würzet die Luft. Man schreibt diesen Waldenr einen Anteil an ben günst igen Gest mdheits v er hä l ü i is sen der ^nsel zu, die sich z. B>. darin bekundet haben, das; die großaii wyolerfahre des 19. Jahrhiuiderts an Oesel x-orübergegangen Hn©, ahne Opfer verlangt zu haben. . . Ctu gesundes, cksarakter volles, friedliches Stück Welt ist es, dies iLeJel, und friedlich schaut — oder schaute toenigstens bisher die ^muptstadt und einzige Stadt der Insel über den Sund int 7^'^- Tas ist Areusbnrg, ein Städtchen von nicht mehr als trn ^H^Muern, dem es doch an Regsamkeit und Leben nicht leylte Teim solange die Schiffahrt im Betriebe war, legten die u.ampler, die nach Riga, Reval und Petersburg fuhren, hier an, und überdies hatte die Stadt im Sommer zahlrcickie Badegäste, die Irch des vortrefflichen Sandstrandes erfreuten. Hier in Arens- onrg wird der Blick auf die Geschichte OeseE gelenkt, an die das massige, von niedrigen, schweren Turmbauten überhöhte Bischofs- ßfiyJP cI rod > letzt erinnert. Das war im Mittelalter der Sitz des Eil schoss tarn 'Lesel, dessen Sprengel sich Mich aufs estnische Festland hrrrüber erstreckte. Leicht ist es dem Christentume nicht ge- wEn, die ^nsel sich zu unterwerseu. Tie Oesclauer, die Sera- f r^^eiuen besonders kräftigen und iittelligcnten Men- schenschlag denifchcr Zunge nennt, waren in grauer Vorzeit gefürchtete ^Seeräuber und kühne Seefahrer, die sich nur widerwillig dem ^oaw von Schwert und Kreuz beugten. 1227 wurde Oesel unter persönlicher Führung des Bischofs Mett von den Deutschen erobert die aber freilich den zähesten Widersstand der JNsn- zu Sechen hatten. Von dir ab teilte die Insel in ihrer Weise £>16 Geschicke Livlands, und ihre Geschichte verlief in den bekannten fischen den verschiedenen geistlichen und weltlichen Machtfaktoren Gin anderes aber kam zeitweise noch dazu: war der Widerstand der besiegten Urbevölkerung. Er sulwte 1343 zu lenem blutigen Jahre, das in Oesels Geschichte unvergessen ist. Damals erhoben sich nach stillen, sorgfältigen Vor- berettimgen tue Esthen der Jüscl, veraustalttteu einen Massenmord der Deutschen, zerstörten,die Kircl-en und Klöster u,id eigntten sich V* e Herrschaft an. die sie dreiviertel Jahr lang inne^rtten. Erst rm Februar 1344 gelang cs den deutschen Rittern m, er dem Ordensme„tcr Burckmrd von Trcilöwen. die starke Volzburs der Whcu bm Kerns zu erstüriuen, und mm nahmen di« Rache - 9000 Esthen sollen außer denen. Mh. im Kampfe gefallen waren, damals getötet worden sein Solche Wendungen sind in Oesels Geschichte seither nicht mehr ^sekommen Sw ward dänisch und dann schwedisch und genoßt besonders unter dänischer Herrschaft gute, stille Zeilen, bis Peters des Großen Feldherr Scheremeftew mit seinen Russen 1710 iiber gefrorenen Sund rückte und nach echt russischer WIeise alles verorannte und vernillstete. Auch Arensbürg ging damals in Flammen auf und seine alte ToErche mit; vcrsckMlt blieben nur schloß Md Festung, und das sind noch heute die stimmungsvollsten und geschichtlichsteu^Statteu dieser friedlichen Landstadt; beson- oers an oen alten Festungswällen finden sich viele voetisckie und malerische Winkel. Oesels Schicksal aber war seit jenen Tagen des Rilssenschret^ns entschieden; es siel dem Moskowiterreiche zu und ist jei&em 200 Jahre nistrsch geblieben. In diesen beiden Jahr- buiiderten konnte es cm fräblicfog Idyll leben, bis der Oktober 1917 Oesel einen neuen Dag, eine neue Zukunft eröffnet hat ! ,u aIte Mlrrhaus mW das schimucktds beick^idens Go eshaus findet der Besuck>er honte nicl^nei^W^ü emcr ganzen Reihe von Jahren wurden bewe niedergeleqt und öarüber errichtet. Aber noch steht die w'.iuderlich- .^^khe mit den m g ben ncfrfvm &at und des Pfarrers ymrüt-ich« Utsch« oJTMS Ä f Ä Ä *> vö!lig miß. -intrcim. möchte «n ü- Goethes Fkarrer Brrons AmtsnacAolgcr haben in ihr« betühntten n°d di- "'cht ungestört leben könne», denn äl der Forscher. Frager und Harm. W!! ist kaum |u ialyten gaxfen. Eine förmliche Wall- tP-sc’e*^ äW /°dte nach dem Kriegsjahr 1871 ein, als die cllass,scheu Schlachtfelder viel besucht wurden und die meisten auch die , Lrsenheimer Idylle" schauen wollten, ' ^ diesen Ansturm literaturli-bcnd« Gemüt« wußte Pastor LucruS, der m Pfarrer Bri-ms Pfarrei 1871 amtierte keine als die, baü er seinen ganzen Wifsensbor'n iiber Leben ln einem Gartenlauben- chNfsatz erschöpfte, Ueber diefe Note des geistlichen Herrn versteht ßW+ftr r *V 't ei» treuer Hüter vieler S% IlS Friederike-Andenken, mit pfiffigem Lächeln zu er- ri! ow V“ l&m trug der viel heimgesnchte Pfarr« Lucius mnt ? IC lckeraturschwärmvnden Herrschaften v vtt KMnglos über die Schwelle und m hLr? 11 ' 1 - r ?5 ate »i u l n ihre Fragenliste zu erösstrear, dann verneigte sich oer pansherr mit Lächeln und legte mit fS^I£ >en L - e ^/senlanbe vor: „Bitte, meine Htrr- schasten, hier finden rote alles, was ich über Friederike zu sagen weig; der Grnsachhert wegen habe ich alles ausgeschrieben. Bedrenm sie sich gefälligst ..." Die Auszeichnungen des Pfarrers bildeweinen ioertvollen Bei- Literaturgeschichte und erzähieil dem Gvethefreund § .-interessante, ^n munteren Bilvarn schildert ec die Fa- zirnachst den Würdigen Seelsorger, den schenkfreutnaen gnttnütigen Mann, der schier mehr ansteilte, als er einnahm, so daß k^k^mem Dode an rrdr,chent Gift seinen Kindern wenig hinter- L A:^UÄL°brtg rst -r rm Jahre 1786 gestorbeu, Goethe Ein Besuch in Sesenheim. Von R. Kaulitz-Piedeck. ^Nachdruck verboten.) Von frohe,r Blumen- und Obstgärten eingeschlossen liegt das Tors Lresenh-eim. Beim Klang des 9tamens iveckt die Erinneruna ein reizvoll^ Stück Lebens., und Liebesgeschichte des Straßbu^e? Studenten Goethe und der lieblichen PfarrerStochter Tie blumen- haite und bildschöne Friederike, die Eltern und Geschwister so wrglich vor alleii Lebensrauheilen bewähren wollten, mußte ihren Lebenslenz zu früh schon begraben. Mft solckien wehmutzitternden Gefühlen dnrchpilgcrn sie alle IS I1l « ?' rt S tni ' Jünglinge und Mädchen, die nach^Goethenv imd Friederckens EriMierungsstätte suchen Ihr BUd hat uns' der Tickfter in belebten Worten entivorfen, Sr * r Ä folgendermaßen schrieb: ,/Anjs hstitern blauen. Angen blickte sre, sehr deutlich umher, und das artige ^Dttlmpf- naschei^ forschte so sver in die Lust, als wenn es in der Welt keine sorgen geben könnte . . . Schlank und leicht, als wenn, Lfan sich zu tvEir -.hätte, schritt sie, und beinahe schien ftir die gewaltigen blonden Zöpse des niedlichen Köpfchens der * 8}r * avt - • . ,q> hEe ich das Vergnügen, sie beim »usthen^ etnm-al m ihrer ganzen Anmut und Lieblichkeit Er selbst stellte sich im Sesenheimer Pfarrhaus in der Ver- kle,dun^ eures armen Theologiestndenten vor und ließ sich durch fernen freund Weyland dort einführen. Tas alte lmufällige Pfarrhaus, unter brertästrgen Bäumen vergraben, machte eineir trauten Eindruck ans ihn, und als er ein. erstes Mal über die Schwelle trat m den Kreis lieber froher Menschen, t^Ue er daß er unt^ diesem ^«rlr manche feierlichen Stunden verleben'wÄrde. < r , 1 a * * ;vk ö KOU tlCUlOlüti!. 10061ÜE ^ te /s! CtJTe f?- re ^ eu ttl>cken, doch glücklicherweise nicht allzu lang msunden. Tie Pfarrerm war ihrem Gatten ein Jahr in den Tod vorausgegangen. .^ach, des Paters Tod schied Friederike aus .ihrenr Jugend- ^ud und der statte ihres ^Liebesglücks und Liebesleids. Sie Ktttt n ui Lvesenheim kemen liebeir Menschen mehr. Tie beidery ^chwesteru, eine von ihnen hatte sich verhttratet, waren in andere Gegenden gezögert, und auch der jüngere Bruder, den Goethe Mofts nannte, hatte fern von der Heimat, in Nothau im Stein- XZ' Sekunden Zu chm zog Fwiederike. Um sich euieu tlemen Verdienst zu schäften, eröffuete sie erneu Porzellan^ und Töpserhandel, -zugleich gab sie der: jungen Mädchen Unterrichl Kunstzfattigkeiten Einige Jahre später siedelte sie Lahr über zu .ihren:- Schlvager, dem c- ^ ^ Obgleich sie selbst, nicht viel zu schenken hatte, war sie den Armen und Kranken eine Wohltäterin h: Mhsi'.m ihrer Jugendtage hatte sie sich nichts m ihr späteres Leben hmubergerettet. Ihre Be'Ürnnten sahen sie still und traurig. Von Goethe, (über den sie viel ausg.efraäli wmde. sprach ftc wenig, das wenige jedoch immer mft Milde wid ucachftchl Ihre mnsttgen seligen Beziehungen zu ihm cw- wahrfte fte rue den größten .Teil seiner Briefe, Lieder und be- Ttnil bi l L r "M einst als lustiger Sttaßburger < hielt fte ängstlich verborgen, und ans Ihren Wünsch lourde der Rest nach ihrem Tode verbrannt. Im FrMahr 1813 bescyboß fte chr Leben. Ter Grabstein mit der bcruhmoen Wwmung: >„Ein Strahl der Tichtersonne fiel auf sie, so reich, daß er, Unsterblichkeit chr lieh", wurde mehrere Jahre dar- auf durch züvel rheinische Dichter ausgericktet. An Friederikes Lieblichkeit und an die sonnigen Sesenheimer ^cige hat Goethe noch, als alter Mann mit tiefer Rührung g-e- oa.tw. ^n seiner ^ebensgeschichte wird das Sesenheimer Liebesglück immer wie ein Dotenbild wirken, um das sich blühende Rosen schlingen . . Wie lange.haben doch die Literaturfrenude daran herumgeratm und -geforscht? Was haften die Goet hev er ehr eri n neu «n diesem o lebest raum alles eittschlttern 1 vollen ? Ter alte Wirt rm „Ochsen^ irtshaus" ist von den Besucherinnen oft gefragt worden ob Friederike ein Kind gehabt habe? Er zuckt-noch l>eute stumm die Achseln, ^.as alte Pfarrhans I>at sein Geheimnis gekxibl, das me gelüftet werden wird, da svichtige Papiere und kirchliche Vermerke verloren gingen. . p , r 'Deute Flgern viele Feldgraue durchs schmucke Tors -und J. lt I^d'acht Witter den Mächtigen Linden, deren HefeS ffeast die Graberreste am kleinen KckrcUein küssen. Viele unter ihnen haben die Goetyeschen Dichtungen erst wädrend ihrer &k-- nesungszeit tn den Lazaretten kennen gelernt, und sie komuien Tu? u^tt empfanglickMii, daükbarem, Sinn und schreiben nwhl ihre ^Eube,mer Eindrücke .ins dritte Fremdenbuch, das viele rühmte Namen birgt und manchen Tichterspruck von bekannter 3t! der raafecttfiRt it cm» förrfjc Mt n>vch fetf Ksm^ll^n der herab Pfarrer Wckm gepredrat dat und Ä»». d^ aj»* 1 '-' mrtdtt» r.xm-cltr Dort steht «ich « - fruM der Br«ms woch. üi bem Goethe an ^eiK i*« oiMhcmer Serie aricjfca tei. Was ach M (VriJin n von ^ritbcritc an* ibir m tfrei* Q 'VTmbm ^rt^h «Uirjfün im Wirtshaus vsm Ochi-rn. Atfct W ^ 5? !C 1 W 2S ein iÄ Dichter viele idtivs Bilder, frlteu'inib hemerlMSEte Handi'f,rif 1 e 7 '. Briefe und Äudenker ausgelogt, und den Besucher uirr;:l*t hier her Geist dies Drch^rs -und fernes Irebuzenden ^ j>je aus »FrisderkSes Besitz stammen., li-^t ou'h Svutkipstl ihres Spinnrädchens und allerlei zarte Heuch- ternLstcucu. Eineu Ehrenolatz hat hier auch,der Weiterhahn pmn Liren Kirchturm ariimftrn, den Goethe in ferner Klage über tzune trübe Gemütsvn-mpung .rwahnt, als er scksneb. Herne ffcni^ Hff'r in nne's Wtttei-Hähn.gLN Lrübeu m«t A»em tow tuvm ■ dreh di'h, dreh dich, ba3 geht den » w- ■ - - ' Bor i.'idc:. Erinnerung. Schuwcnneiet und Wehmut fr»d alle tiefe a«r' der ,sechziger Jahr^ eunwmmen Hat. In Hoch.ft reizrwller Wease vereinigt fich daher in dreien Radierungen des SNreistters frühere AmMweye nnt dem ausgereiften graphischen Stile seiner Mtcrszett. Im gmizen VimfaU damit Thomas radiertes Werk jetzt 225 Platten. «» * 9 a« älteste Schiff der Welt. Vor kurzem rst^das äitefa SÄift der Welt, der schwedische - Schnurr ,,Gbta Le,Mi 'g verhören ge trugen, ein FalirH-eug, das vor 160 vom Ttapcl gelaufen ist. T«mit ich wie cm Avpenhrgcner Matt Sai 1^JaHven7die 'eHÄ Hat, ist er immer vom Vater auf den SoHu vererbt worden, Mnd fein gDgenwürtiger EuHrcr, Knpitan Jens EHristiaa Bvue, ist mit ebner Enkelwchter des ersten Ei^en- tumcrr .rjyuaicl. Während der pairzen 136 Iatze. die das •-c. 1 " 1 i'i gesehen har. hat es B-ahrten ^o-ifchW Simidmavien uns« Vollniw gemacht: es brachte siandiuavisä-e landwirtschaftliche Er- 4 . Preis 5V^rk. — Dies ist wahrlich ein Mman aus unserer Zett, vielleicht der Roman unserer Zeit. Aber es ist kein Ro>man des Krieges draußen, '.ordern ein Roman der Ardeit hahetm. Von warmer Liebe zu Heimat und Vaterland erfüllt, gibt die Dichterin in diesem, von tiessteni Mitempnuden - Niitteiden und Mit freuen — getragenen Weif die Eindrücke wieder, die die gewaltig« Zeit und ihre Ec- eianisse auf die Fronen derEcschieDensten Stande mid Gesellschattss kreise ausgeübt haben. Nicht mit Unrecht hat Clara Viebig dem Rvmm! den Titzel „Töchter der HÄuba" gegeben. Ast doch jene l>ero!sche Gattin des gräten Priarnus, bte fünfzig ^ölMin den grausen Kampf ziehen sieht, und deren großer ^chmei-z sich einem edlei' ?