3n Sturm und Stille. SRontcm von MaxTre u. (Fortsetzung.) Der Graf starrte Hans Joachim an, als stabe er nicht richtig verstanden. „Sie staben —-" fragte er stockend. ,Minen Gnadenakt abgelehnt, der für mich nach Lage der Verhältnisse leine Gnade wäre, sondern nur eine Ursache schweren wirtschaftlichen Rückganges uitd eine Quelle unausgesetzter Verstimmungen und Mißhelligleiten." „Das verstehe ich nicht, Herr Baron!" Kalt klang die Antwort und abweisend: „Es genügt, wenn ich das verstehe, .Herr Graf!" Ein funkelnder Blitz lohte in den schwarzen Augen Wellingerodes aus. „Sie sind ein Untertan Sr. Majestät des Königs von Westfalen, Herr Baron!" „Der politischen Karte nach allerdings, meinem Herren nach und meiner Gesinnung bin ich Preuße." „Wir sind darüber unterrickM." sagte der Gras scharf. Gleichmütig verneigte fkfy Hans Joachim. „Nun wohl, so werden Sie sich um so weniger darüber wundern können, daß ich die Gnade des Kaisers und Königs nicht aunehme. Das Kaiserreich) Frankreich und das Königreich Westfalen können nrich dadurch nicht anderen Sinnes machen, und der Sinn, den ich hege, macht mich ungeeignet für den Dienst dieser beiden Staaten." „Haben Sie aber auch bedacht," nahm der Gras das Wort und betonte jede Silbe nachdrücklich, „das; Sie sich durch Ihr Verchalten die Ungnade des Kaisers und des Königs zuziehen müssen?" Muh, Herr Graf? Ich sehe keinen Grund zu einem solchen Mutz. Wenn man aber in Kassel einem ehrlichen Mann ungnädig sein will um deswillen, weil er nicht eine Gesinnung heucheln mag, die er nicht hat, - nun, so werde ich das zu ertragen wissen. Ich stabe bisher ohne den Hos zu Kasiel leben feinten, — es wird auch weiter gehen." „Sehr wohl, Herr Baron. Dann wäre meine Mission hier zu Ende, und ich habe sie als gescheitert zu betrachten. Sie werden es als selbslv er stand lau erachten, daß ich über dieses Ergebnis an die geeignete Sü lle berichte." „Ganz wie Sie belieben. Herr Gras." Wellingerode verneigte sich zum Abschied. 'Ganz nnmerklich neigte Hans Joachim das stolze Haupt. Llls sich die Türe hinter dem Grafen geschliffen, ging er mit großen Schritten ttn Zimmer auf und ab. „L>ie wollen mich eiitfairgen!" rief er. „Wahrhaftig! Und sie führen etwas im Schilde gegen mich, darüber besteht fein Zweifel. Sieh dich vor, Hans Joachim!" Nach einem kurzen Nachdenken fahr er in seinem Selbstgespräche fort: .Mas will der Kujon in Hohenbergen? Das ist doch seltsam. Sollte man ''etwa die Tante Aeötissin unschädlich machen und sestsetzen wollen?" Und sein Gesicht wurde immer ernster. Als Wellingerode mit seinem Wagen und einer Eskorte von etwst 50 Reitern sich ein gut Stück von Linau entfernt hatte, ließ er halten. „Herr Kapitän de Salignae!" Der Gerufene ritt an den Wagenschlag. „Sie nehmen sofort zwei Begleiter und reiten nach Magdeburg zurück.' Dort geben Sie dem Gouverneur diests Schreiben von mir, — es sei dringend, sagen Sie ihm. Dann kommen Sie ohne Verzug nack) Hohenbergen zurück." Der Offizier nahm das Schreiben in Empfang. So aber stand darin zu lesen: „An den Gouverneur der Festung Magdeburg. Im Namen Sr. Majestät des Königs befehle ich Ihnen, den Hans Joachim von Sormitz ans Linau hochverräterischer Umtriebe wegen sofort festzunehmen und gut verwahren zu lassen. Weitere Befehle werden Ihnen zugehen. Graf von Wellingerode, Lldjutant Sr. Majestät des Königs von Westfalen." -- f Hans Joachim aber pfiff lustig den Hohenfriedberge e Marsch, als er in den Nachmil Lagsstunden aus seinen Zim mern in den Hof kam und sich den Braunen satteln ließ. * Der Braune trabte lustig querfeldein auf das Dorf zu. Zuweilen stieß er ein frohes Wiehern aus, für das ihm sein Herr jedesmal liebkosend den schlanken Hals klopfte. Vor der schmiede hielt Hans Joachim an. Der Schmied war nicht zu sehen. „Riezler!" rief der Jnngherr mit Stentorstimme. Ein Fenster wurde geöffnet. „Gün Dag ok, Jungherr?" Und weit streckte Riezler seinen Kopf heraus. „Ick bin all grad bi'n Vesper," setzte er hinzu. „Ich will Euch wicht lauge davon abhalten, Riezler, aber ich habe Euch was Wichtiges zu sagen." „Ick komm' schon, Jungherr!" Er verschwand. Ein hübscher, frischer Frauenkopf tauchte am Fenster auf. „Guten Tag, Frau Riezlern!" rief Hans Joachim hinauf. „Gün Dag ok, Jungherr!" „Was machen die Lütten?" ,^Jck dank der NachGage, Jungherr, — sie inrühen gut!" „Schreien sie den ge. uzen Lag?" „Schreien? 'n gonzen Tag? Wer red't denn so'n dumm Tüg?" „Na, Riezler sagte so was!" „Riezler is 'n ollen Esel! Als he so lütt war, hat be ok gequieki! Och Jott, un se sin all beed jo lieb un süß! Wollen Se se denn m«l ankieken, Jungherr?" ,^Jetzt kann ich nicht, Frau Riezlern! Morgen oder über^ morgen!" Riezler war neben das Pferd getreten. Hans Joachim sprang ab. Ein Lehrling mußte den Braunen langsam auf mrd ab führen. „Eure Frau sagt, Ihr wärt 'n ollen Esel, Riezler," lachte Dans Joachim. „Dat seggt sie immer, Jungherr! Aber se schme-erl mir deswegen doch de bicfffcen Butterb röte!" „Na, denn hat's ja nichts zu sagen!" „Gar nischt, Jungherr! Dat sin so Ehekomplementer!" Alle drei lachten ^rzlich. Dann zog Hans Joachim den Schmied in das Innere der Werkstatt. „Sind wir hier allein, Riezler?" „Jo, wie de Müs in de Kirchen!" Hans Joachim dämpfte trotzdem seine Stimme, als er -srtftchr: „Riezler, es geht was vor!" „Wat denn?" „Hie wollen uns an den Kragen, mir wenigstens, und wenn mich nicht alles täuscht, auch der Aebtissin in Hohenbergen!" „Wat?" In den Augen Niezlers sprühte es auf, wie Funken vom alühenden Eisen sprühen. „Wat? De ollen Dan? woll'n se an oen Kragen?!" „Etwas Sicheres weiß ich noch nicht, Riezler, aber es scheint so!" In kurzen Worten erzählte er von der Sendung Wellingerodes nach Hohenbergen. „Ah," sagte Riezler, als der Jungherr geendet, „dat sin de, wo hüt hier durchkommen sin! Jo jo, fünfzig Reiter un een Reisewagen!" „Stimmt, stimmt!" „Unfrei Reiter sin wedder zu rückgetrabt, — auf der Straße nach Magdeburg zu —" Hans Joachim horchte auf. „Zurückgellabt? Nach Magdeburg zu?" „Jo, jo, Jungherr! Se möten eenen besonderen Befehl kreegen un uttoführen Han —■" „So ?' „Io, denn se sin in Hellem Galopp davongejagt!" „Hm, hm!" r Hans Joachim schwieg einen Augenblick. Ihm war kein ifel, daß die Zurücksendung der drei Reiter, von der Schmied erzählte, irgendwie mit seiner eigenen Person und dem Gespräche mit Wellingerode in Verbindung stehe. „Riezler," sagte er dann, „wir müssen die Augen offen und uns parat hatten! Sie wollen uns was!" „Wir sin immer parat, Jungherr! Laten Se se man kommen! De Linauschen un de Litzbuersckien un de HoHeuberger un all de anneren ringsum — da könnt' se alt- märtsche Dickköpp kennen lernen!" „Habt offene Augen, Riezler! Wenn ihr Don irgendwelchem Sturm läuten hört, so faßt ihr jeden Franzosen, dessen ihr habhaft werden könnt, und setzt ihn fest! Vermeidet alles Blutvergießen, weun's sein kann, — aber laßt keinen entschlüpfen, denn wir brauchen sie als Geiseln! Und" — eine starre Entschlossenheit klang aus Haus Joachims Stimme — „wenn sie einem von uns ein Haar krümmen, so fallen die Gefangenen bis auf den letzten Mann! Habt Ihr mich verstanden, Riezler?" . „Jo, jo, Jungherr? Det Kroppzeug soll uns nich entwischen!" „Und habt scharf Obacht auf Hoheilbergen! Wenn man es wagen sollte, sich an der Aebtissin zu vergreifen, dann —" „Denn marschieren wir nach Magdeburg, un keen Steen blunvt do rrp den anneren!" Und krachend fuhr der schwere Schmiedehammer auf den Amboß nieder, daß der Boden dröhnte. „Ruhig Blut, Riezler! Nach Magdeburg können wir nicht marschieren, dazu sirrd tvir nicht stark genug, und es wurde uns gehen, >vie dem Oberst von Kalle twr drei Jahren! Aber die Aebtissin darf auf keinen Fall in den Händen der Franzosen bleiben, — sie muß befreit und über die vreuß siche Grenze in Sicherheit gebracht tverden'" „Dat soll woll sin, Jungherr! Die Domina kreeqen sie mch!" ^ „Ich reite jetzt selbst hinüber nach Hohenbergen, um zu erfahren, was eigentlich los ist! Ich komme auf dem Rückwege wieder vorbei und. sage Euch Bescheid." ^ a"fs Pferd. Dann drückten sich die beiden Männer die Hand. ' } „tur „Adjüs, Jung Herr!" „Kopp oben!" „Kopp oben!" In schlankem Trabe, nachdem er noch einen Gruß Ln der am Fenster stehender! jungen Frau hinaürfgesendet, ritt Hans Joachim davon. Mezler aber legte schleunigst das Schurzfell ab, wusch sich, zog eine Jacke an und ging eilenden Schrilles dem' Dorfe zu. Auf die Frage seiner Kau, wcns er denn habe, gab er nur die kurze Antwort: „De Wiwer möten nich allons wedoenY' ttnfc schon war er auf und davon, nachdem er der schnrolleiiden Frau einen herzhaften Kuß aus die roten Lippen gedrückt hatte.- (Fortsetzung folgt.) Dar Automobil. Skizze von I. Mawitsch. Deutsch von Marie Beßmertny. Wassili Sisojewitsch Toporkow, Angestellter im Galanterie- Warengeschäft der Firma „Strumpfband & Co.", ging nach dem Pfingstbazar, der im Moskauer Ajdelsklub abgehalten wurde und lnahni, wie viele andere Leute, ein Lotterielos für fünfundzwanzig Kopeken. Ihm sollte der Hauptgewinn Zufällen, der in einem Automobil bestand. Toporkow glaubte im ersten Augenblick, vor Glückseligkeit den Verstand verlieren z!u müssen. Sem Los hoch inj^er Hand haltend, stürmte er durch den großen Saal, llopfte sich mit der anderen Haird auf die Brust und rief laut, daß niemand es überhören konnte: „Ich bin es, der das Automobil gewonnen hat, bitte lassen Sw mich durch!" Den ganzen Vorschuß, den ec für die Festtage genommen hatte, verwendete «er nun, um eine Garage zn '.nieten, Benzin für den Motor zu kaufen und dem Chauffeur eure Anzahlung zu machen, der sich verpflichtete, die Maschine bis Pfingsten tadellos nt Gang zw bringen. Die Tage vergingen dem Autoinobilbcsitzer wie im Traum, und sehnsttchtig erwartete ec stets den.Mrend. Sofort nach Schluß der Magazme eilte er nach der Garage, besichtigte seinen Schatz von all«! Zeiten, setzte sich ins C»oup6 mW verbrachte dort manche vcacht schlafend, ohne seine Wohnung aufsuchen zn loollen In aller Herrgottsfrühe wachte er aus, warf den Rock ab, weg ans und begann mit einem Lappe« icbtn Griff und jede Lchranbe sorgfältig ech-znuciben. ddach Vereinbarung kam der Chauffeur jeden Abend, um den Näotor untersuchen und um Antwort zu. gelben auf all dis unzäUigen Fragen, die an ihn gc* richtet wurden. Müde und erschöpft stellte sich Toporkow nach der Morgen-- arbert m seinem Laden ein und knüpLe mit jedem Menschen etn^ Gespräch über das Automobil mt. Wollte jemand Gummiband kaufen, dann hieß es: » „Gummiband? O, recht gern! . . . Wissen Sie, Gummi ist setzt außerordeicklich ^gestiegen. Ich kann es Jhiwn als Spezialist sagen, denn ,ehen Lst, ich besitze ja selbst ein Automobil. Die Eunumeeneu ,md von der Fabrik „Klaus'", aber was sind das auch für Reisen!" „Lassen Sic sich gnädige FraU, von der matten Farbe der Perlenborde nicht abschrecken, ans meinem eigenen Automobil ist die Politur auch .in diesem gedeckten Don, und 'dabei ist es doch eut Kraftwagen erster Güte!" . . . Je, näher das Fest rückte, desto imgeldutdigere Blicke warf Herr Lllumpfband aus Dop0lloto>, bis er ihm eines Tages sagte- or „Lo Äien Sie doch die Käufer nicht andcnterud mist Ihrem Nuto mobil Mi. ^ sü ) rann es nicht wehr anhören. Entweder tut nimi ferne Berufspfticht oder etw'as anderes." M» imx Er verlieb seinen Platz Unter der Donbank, trat vor den CUf, legte den Damnen der linken Hand Unter den Westmarmel und sprach mit lebhafter Gestikulation der rechten Hand: „Wer über einen kapitalen Besitz verfügt, darf sich auch erlauben, darüber Bemerkungen zu machen. Im übrigen hatten: 'Lie es, wie Sie wollen." . c; ^ fort? Ta muß ich Ihnen doch erklären daß Lie das ei-st übermorgen tun können, wenn das Magazin vor gehm " O^^ssen wird. Daun inögen Sie zu allen Teufeln „Warum denn erst übernwrgen? Wir — leisten es nirs auch beute scholr, wenn es iiNs beliebt, und pfeifen auf alle Rechte." < - «W JNen Nicht M, mch Sie dürfen bei dem leb- yafien^-estbetrieb Jhreli Posten lischt verkasseii." ü l re ? rF'cffi VH weidlich -sorgen und ich nicht! Er- Ä 5F e zum Abschied drücke . . " ^ . M^^^ostwrtsch reckte nlft Würde bat Hals, drehte sich wif dem Absatz um und umschrieb mit der Hand graziös einen Valbireis m der Luft. Der Chef ergriff seine Hand wid hiell sie fest. „Aber Maisch, Toporkow' so stellen Z^ sich doch nicht an! Ich rede doch ganz gelassen mit Ihnen. Fetzt gerade, ,vv 4Ö& hrtr eine jo -eiße Bett haben mib bie Käufer eilig süü>, kommen Die jederu mit Ihrem Aulomobll! Ich habe doch nicht beiin Kragen gepackt amö he raus,setzen, sondern Gve mir auf» Merksam machen Mollen, daß Sie sich mtb andere nicht aufhalten mochten." ^ „Wenn Sie so sprechen, sv ist eÄ schon rvas anderes! Sie müssen sich aber dennoch mertÄr, daß jeder Eigner ein Unab* ^rgi-giertsgesM besitzt. Ebenso wie Ihre Heoanren sich an baä Geschäft heften, sind mehre beim Autoinobil. Jedem ist das Ssürige Heuer, aber ich will dennoch Ihre Bitte berücksichtigeir." Ter erste Psingsttag sollte den Triumph.Toporßows besiegeln. Es wor acht Uhr morgens, atZ er mit dem Automobil nach der TwerMrja sauste. Zu dieser uuaeloöhnlich frühen Stunde war noch kern anderes Auto zu seherr. Tie Kircheirglocken erklangen. Auf der Twerskaja bewegte sich viel buntes Volk, Männer mit roten Heiriden, Frauen mit gelben Tüchern. Alle schauten nach dem Automobil hin. Einige Polizisten salutierten ehrerbietig'. Dopor'ftow war trunken von all den Huldigungen und machte feinen Empfindungen Luft durch die Hupe. Gegen zehn Uhr moraens jagte er an das Haus seines Chefs heran. Er verließ das AuLonwibil, beguckte es von allen Seiten, befaßte die Reifen, und ohne den Gruß der Leute zu erwidern, die sich um seinen Krafttvagen gruppierten, ging er stolz »rach der Wohnung des Herrn Strumpfband. t die ganze neunLüpfige Familie an der Festtafel wrid frühstückle. WassUi begrüßte alle und zuletzt die älteste Tochter des Hauses, Aglaja, die sich mit einem hell rosa Kleid ansgeputzt hatte. Ter Gast folgte der .Auffordermrg, am Tische Platz zu nehmen, und sagte: „Ich kam natürlich in meinem „eigenen" her (er hielt es fih- überflüssig, noch das Wort Antomobil hinzuzu fügen, das er bei allen als selbstverständlich voranssetzte). „Ja, sch muß mich selbst rühmen, daß der Motor ganz hervorragend funktioniert, und darin steckt ja bei jedem Auto der Haup-twevt!" . . . „Sie sind wirklich ein Glückspilz! Solch ein junger Mann imb kann schon im eigenen Automobil eücherstioltzier-en. Jetzt fehlt Ihnen nur noch erne Braut mit ansehnlicher Mitgift!" bemerkte der Hausherr. „Daran habe ich auch schon gedacht." erwiderte Doportow wld schielte nach Aglaja hm. „Ich darf sogar behaupten, den Gegenstand meiner Wahl gesunden. zu haben." „Ei, sieh mal eener an! W-er wiär' denn das?" rief der Fa« Milieu vatec aus. „Das ist noch ein Geheimnis. Zrmack)st wollte ich Sie imd Ihre geehrte Familie in .meinem „eigenen." spazieren sichren, und baim entschleiert sich Ihnen vielleicht manches, denn' der etwühnte »,Gegmftmrd" steht Ihnen nicht ganz fern." Emen Blick aus die Ädeste Tochter richtend, strich Herr Strumpfband sich gedankenvoll den Bart und lenkte, wie über-i Legend, leidst sein Haupt. „Warum nicht," sprach er gedehnt, „Sie sind ein achtens- tverter ftmger VLarru, und verniinftige Eltern ivecden Ihnen mit jvergnüigien ihr Kmd Mivertvauen." Es war nicht leicht, die ganze Familie „Slrunrpfband L Co." iru Automobil uuterzubrinaeu. Zwei Pförtner, zivei Troschieir- Lctscher, die Köchin, d«'- Stube,unädchur nrnßten dabei behilflich kein. Mehr als zehn Meusel-en Üairn. das Ktto mobil nicht ausi- vehmen, mid so mußte der jlingste Solnr m Hause bleiben. W der Kraftwageu sich in Besvegjuug setzte, glich er einer Äemüsefuhve mit allerlei buntem Kohl. .Wassili ließ die H,npe ertönen, daß es weit hinaus dröhnte. Alle Leute sahen sich auf dar Straße nach dem Auto nur, und das Herz Tvportlows sprang dabei vor Freude'. Er kam sich als der Glücklichste, Beneidenswerteste in ganz Moskau vor. Aber das Glück ist ja so laimisch! Bald wußte der arme Doporkow selbst nicht, was sich eigentlich zugetragen hatte. Erst war ein^ entsetzlicher Stoß zu spüren, der ihn vorn Aittv- mobil in den SchUtutz hinansgeworfen hatte. Aus den. auiae-- fchwüllenen Augen konnte er nur noch einen flüchtigen Blick auf die heoausflregende zahlreiche Familie Strumpfband L Co. werfen. Fünf Tage nach Pfingsten saß er in seinem bescheidenen. Zimmer mit einern Verband am Halse wird am Arnr. Alis dem Tisch lag eine Aufforderung von seinem Polizeirevier. Er stöhnte, aber nicht so sehr über die Schmerzen der Glieder, als über- die tiefe innere Enttäuschung. An einer Anschlagsäule hatte sein Automobil den verhänguis- vollen Stoß erlitten, mtb jetzt starrd es auf dem Hof der Feuerwehr. Der Chauffeur kommt zweimal am Tag nach seinen: Lohn und macht auch noch Skairdal, beim das Auto sollte iiach einer Garage überführt werden, wo für einen Monat Miete im voraus zu bezahlen wäre. Für die Reparatur deS .Autos würde sodann eine Summe verlangt, dw durch das halbjährige Gehalt Doporkolvs noch nicht gedeckt Wurde. Bald :rach der Katastrophe hatte er schon-versucht, bei seinem Chef um dre Hand Aglajas anzuhalten, wodurch er auch in den Besch eines Vermögens zu gelangen hoffte, daS khm die Instand- sttzung und Werterbemchurm des Autonwbils ermöglichen Knute Er erlitt aber eine gründliche Abfuhr. OT> , . 0 z. B. in einer Ncincn Aemme, wirft cina i UU541, kuk eiverp,l.mrung ernzugeyeil, unnro ralrsch und geivöh-ftich ontf) verderbt ich ist, da die Wech unangenehme Eigensctiaft strben. an einem anderen Tag emgelöst werden zu müssen, an dem der Kalender dan. kein: aiis der VerlegenhAl weiß. Geradezu verbrecherisch sind me häusigsben Kalender, nürnlick! die mit ^stochrez. letzt noch gibt cs ihrer unzeitgemäßerrmüsc eine ganze - die erzählen, daß ein lwscheidenes Mitiagsmabl am Diei- n. aus Lpargelsuppe, einem EhuinpignonzKischeiigericht, Hammelkeule ntit rrndunntaiai B^ttartt^v >md einem Sterinarubbrng wi ftcivcri i«t. Diese Kalender l>alürn in der TOmjdvnett eine ebenso muix'ie- j^t-rtiste wie schwer zu befriedigende Fveßgwr auftecht, de' fühvm dLM, daß 80 Prozent "der Menic-.M Liber- rtzre Ver- LllUich'se leben oder leben wollen oder »umindeft eana ultzuftstAOr >inv. Diesen Kalendern nwge ich die Schuld daran zs zusch reree«, daß die wivderue Viensckchett immer unbeschermner statt oestt-rrEer Wurde. Die srnd eine ewige Quelle der Berfichrrmg und ; ollen uns die neue Friedenszett — falls eine solch. überhaupt jernals -onnitt, nichl wieder oerdeichen. , Der von mir -erfundene Kalender, -auf den rch jetzt trotz aller angeborenen Besckjeidenhert ZurncliÄmmen inust, sicht das genaue Ctcgcnttett vor. @r verbttttet das Moralische mit dem VYlorilcheir und Pr attischen, indem er nach der: getreuen Aufzeichmmgen der Kriegschronik jiche der zur Kriegszeit ungeordneten Einschrärmln- geu am Tage ihrer seinerztteigen Herausgabe verz-erchntt. ^.as ist die ganze Erfindung, ilird ich aLaube, daß sie erstens nnrtttch neu ist und zweitens lmzweifethaft die segensreich,len Wirkungen zur Folge haben Este. Ter neue Kalender soll nicht mehr und nrcht weniger, als mit .dem billigest und gefährlichen Märchen der sogenannten „guten alten Zeit" ein für allemal .ausräumen. Diescs Märchen lxuicht im ©nmfce ja nur.auf Dein ntctWirbigen Talent der Menschen, das Unangenehme verblüffend schi-cll zu vergessen, alles Angenehme hingegen in forttchreitender riesenhafter Vergrößerung in der Erinnerung zu bewahren und zu pflegen. Tie selbstverständliche Folge hiervon ist,-daß man sich immer Liribeftüdigt fühlen, daß man immer tausend ungestillten, zu allerlei Ueber-schettimgen führenden Sehnsüchten nachliängen muß. Wer spricht z. B. jemals von der 'berühmten mageren spartanischm Lllppe, die fichernch kein schmackhafter Hochgenuß war? Kein Mensch. Dagegen erinnert man sich an die Herrlichkeiten des LuDullus nrit einer Genauigkett und Anschaulichkeit^ als hätte man selbst schmausend an seiner überladenen Tafel gesessen. Und wer trägt an diesem ewigen llebel die Schuld? Der bisheittge Bwck- Lolendei'. Er erzähtt naiv von lösttiststm Gerichten, so daß man höchst mißgestimmr seine Mahlzeit beim Lisherrigou Aschinger verschlingt. Mein EinschrärchaugMllander aber macht diesen unroür- digen Zuständen ein radikales Ende. Wer ihn zu Hause crnfhängt und an jedem Tag im tüvni;?en Frieden einen Mick daraut wirft, wird seinem Herrgott danken müssen, daß er ihn gefahrlos über alle Klippen schreiten mid die Köstlichkeiten der sich langsam wieder bessern.den Zeiten erleben ließ. Ter.Besitzer meines Kalenders wird beim Voorgeükaftec mit Ehrfurcht seine neiden trockenen Weißbrötchen vermehren Mrd fein Tagewerk sröWch begftmen, denn er wird dank meiner Erfindung das Gespenst des Kriegsbrotes sehen, irrtter dessen Bann er jahrelang gestanden htt. So nnrd es dem Kalenderbesitzer in allem und ftdem ergehen. An jedem neuen Tage wird^r sein Leben köstlich ftnden, und wenn er einmal Aerger oder Sorgen htt, wird ein Blick aus das bettefstirde Kalenderblatt genügen, um ihm einwandfrei zu Gmnüte m führen, daß er keineswegs pereckstigt ist, irgendeine Klage laut werden zu lassen. Man führe also sofort nach Kriegsschluß beherzt den ,,Em- schrän'kmrgsfalender" ein. An Mateistal für die 365 Tage wird es ganz bestimmt mich' fehlen. Tie Mensstchett aber- wird wieder' bescheiden, zufrieden und ehrfürchtig werden, wie es sich ja nach all ihren schiveren Sünden geziemt. Außerdem -. ich verbürge mich dafür, daß mein Kalender das einzige zuverlässige Mittel zur dauernden Erhaltung des Welt- srstedens ist. Tenn welchur Mttri-strer., der diesen Kcüendei' lwsitzt und beachtet, lvird O semals noch wagen, an lrgendwÄche ttste- Herische Entwicklung zu denken? .... Vermiete*. * Das „Siedl un gs werk" des H e imatschu tz e s. Eine der wichtigsten, sofort nach dem Kriege zu imternehmenden Ausgaben wird in der .Errichtung von Kleinwohnungen, Krieger- Heimstätten und Ansiedelungen lustehen. Do hierbei sowohl Zeit wie Geld ganz besonders kostbar sind, bereitet der Deutsche Bund Heimatschutz bereits jetzt unter dem Sanrmelnamen „Siedl angs- werk" eine umfassende Literatur vor, die eite Erfahrungen auf diesem Gebiete, alle neuen ErrvngansckMftrn 'irfm. spstr matt sch goostdnet daribietet, nm unsichere Versuche und die durch sie bedingten Verluste nnmögttckj zu machen. Zn diesem Zweck wurde die Sied'ttingstättgkeit unserer Borsaha-en nasti Tausenden bewülutvr Muster-Vorlagen erforscht, und aus Grund der- zahlreichen Studienreisen ist dieses Material mit der Theorie und Praxis der neuesten 'Grundlagen für Kleinhausbau und^Siedl'ungsanlageu in Einklang gebracht. Ten vw r Bänden des Siedlungsweßkes fall ein Ein- stchrungSbO.'td von Steinmetz voransgckistiu „Grundlagen für das Bauen in Stadt und Laich, mit besonderer Rücksicht ans den Wiederaufbau in Ostpreußen." Am sck-on jetzt die Zeit ansz.n- Mchcn, wird der Deuttch" Bund Heimatschatz nockj während der FortissteLttrng de« eigentlichen Werkes die Li-eserrrng von Einzel- heften durchführen. * Tos Scheitern der Franenarbeit in Klal ien. Auch in Italien sah man ftch rnfvlge der düliernden Berinehrung von Kriegsänttern und Mnftsterchtabtcckun.^rn wrerseits, der ständig gesteigerten Einziehungen andererseits genütigt, eine e'tti Zivil- dienst «lnzusühven. Unter großem Phrastmvstchtum wurden die Fronen zum Eintritt in die Aemter oufgesvrdert, und es wurden -ihnen gleich im voraus die wunder borsten Üobeshymnen grsimgen. Wie vD«Äiü aber diese Freude in W-ucklichleii war, beweist, eine Aeußerinrg des Meapeler Matttno: „Die Zahl der sveibllcher. Beamten im Kriegsminrstorium hat in erschre.ckeichcr Weist zuge- nomwen. ErsckMckend darum, weck es sich inu einen vollkommenen Mißerfolg fycmMt, denn diese weiblichen Arbeitskräfte, mag nu.n ein Mange! von Kstcktur daran schuld sein, oder mögen andere Gründe in Bettackü kommen, die wir nicht näher nennen wollen, haben ftch als vollkommen unfähig erwiesen. Der Kriegsmtnisttu hat daher dir 'Äbtzeilrmgsletter beauftragt, sich von den Ange-! hörstgen des weckckickMn Hilfsdienstes zu befreien und zum Ersatz Soldaten von der Front zurü^urustn." Vücherüsch. — Priest, Clara, Im Garten der Jugend. Mit 4 Farbendruckbildern imb 19 schwarzen Testbildern von Käte Ohmann. 168 Setten. Gebunden 3 Mark. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. — Clara Priest verfügt über das seltene Talent, mtt der Jugend zu denken und zu ft'ihien und ihr ein safte und dock) entzückende Geschichten M erzrchlen. Tie farbigen Bilder werden das Eittzücken der jungen Leser und Lestttirnen sein. — Brockhaus, P., Von Schelmen und drolligen Käuzen. Lustige Geschichten gesammelt-nick) neu erzählt. Mtt 46 Tvudnuckbildenn von Leo Bauer. 428 Setten. Gebunden 2,50 Mark. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. — In diesem piüch- ttgcn Werk werden alte lustige Geschichten wieder lebendig,^wie sie im späteren Mittelalter fcirn Mund M Muiid gingen. Ter ^pärut für einen gesunden und urwüchsigen Humor ist ein altes dentsckus Erbteil, ttnd diese alten Scktz.'ürcke und Schuuri'en veralten nickst. Eine Menge drv'lliger Begel'enhettegr, Spaß und Schabernack aller Art werben hier erzählt, Geschichten und Anekdoten, die neben dem Originellen auch stets einen tteseren ^ Sinn bergen. — Dichtungen für Schn le und Haus. Von Georg Lvcsche, Verlag Franz Sturm & Co., Dresden. Preis 30 Pfennig. Der bekannte Meuer Mrchenhistoriler bietet hier ftir Schule und ..Haus ^ehn schwungvolle Lichtungen, die die Häupter eignisst ttn Leben des Reformators und doch sttw ganze Persäackichkett tu die Erscheinung treten lapea, voll Liebe und dabei nicht ohne Krittk;, Ein- geuvitzde werden die Verwertung auch der neuesten Lntstusoüchnug erkemien. Der Reinerttag ist bestimmt für dem Littherverein zur Erhaltung der dentsckMU evangelischen Schulen in Oesterreich. — Das neue Favvrit-Moden-AlbumsürHerbst und Winter 4947, Preis 60 Pfennig (Verlag Jüternattonald SttMittmaimsaktur, Dresdens. 8) ist soeben erschienen. Das beliebte Mvdenbnch wtird setzt, wo die Franeuwett sich wi-eder un^ die Besä:as>sung der Winter kl eidnng sorgt, ein sehr willkommener Berater sein. Die sGcküeg-eühett eines sehr gewählten deutscheil, Ed'stbmockes vereinigt ftch in diesem erfolgreichsten deutschen Mode-- bnch mtt den praktischen Vorlagen für Zweckmäßige, formschöne, laiäst und preiÄvert s«lbst herMstellantze Kleidung. Turch die für alle Modelle erhÄtttstan und als -Qualttätsmarke aPgemein aner^ kannten -Favorät-Schinittmuster wird ivte so sehr geschätzte Hckse für Selbstveibe rttgung, aber auch Ilnrämderungen imd Reichert richtung geboten, für die die FjoauenllM jetzt ein so begreifliches Interesse hat. — Neue Franenkleidung und Fra u e n !u 11 u r. Organ des Vekbaudes für deutsche Franenkleidung nick) Frauen > kultur. Schriftleittrng: Klara Sander, Else Wirnttnghaus, beide in Köln. Verlag der G. Braunschm Hofbuchdruckmei in Karlsruhe. .Jährlich 10 Hefte in Hoch-Quart mit zahlreickM Abbckdungen und Zei'ch'nmgen aut Knnstdruckvapier, sowie Schnttlmristerbogen. Preis fürs Jahr 6 2£L Mrs Halbirttn 3 Mk. Probehefte am- berechnet mtd portofrei. Züdepratjett & ad bal ben ber bn danm e e er gen goid iinn kn kad le tei mar ne ne ne ni no o ®t, re, ri sehe ■ßehra.n «den t-o zar Slu5 vorstehenden 33 Silben stnd 9 Wörter zu bilden von folgender Bedeut urig : 1. bekannter Feldherr des AlwrtmnL, 2. Berum, Z 'weiblicher Dornanre, 4. Zttrßrmrch, ö. männlicher Vornmne, 6. Musckinstrumew, 7. Gestalt der griechischen Sage, 8. heidmscher König, aus der Bibel bekannt, 9. Folterwerkzeug. Sind die richtigen Wörter gefunden, lrzeichnen dir ?lnsar'.gsbl>.chs!gbrn eine bÄannte vrenßische Jiisel. (Auslösung in nächster Nummer.) MislöftuiK des W'stttchrätsvls in voller Nummer» Kreiset, Stad, CenlS, Mecwr. R CtjC&%CUt£UCT^ Lchristleuung: W. Meiner. — ZwiNmgsrunddrnck der Brnhl'schen 44n v-Buch- und Steindrnckerei. R. Lange, tttteßcrr