3n Sturm und Stille. Roman von MaxTrcu. . (Nachdruck verboten.) Hans Joachim von Sormitz stand oben am Elbdeiche, blinzelte mit den Augen in die Märzensonne, sog mit Liefen Zügen die herbe, mit serschem Erdgeruch und Wasserdunst erfüllte Luft ein imb rief mit lauter Stimme, daß eß das Brausendes hochgehenden Stromes überfchallte: „Hol euch alle der Teufel!" Und er streckte und dehnte die mächtige, breitbrüstige Gestalt, faltete die Hände über dem Hinterkopf zusammen, holte aufs neue tief Atem und rief zum anderen Male: „Hol euch alte der Teufel!" In der weiten Runde ringsum aber war niemand zu sehen, an dem der Teufel diesen frommen Wunsch hätte erfüllen können. Und doch rief Hans Joachim zum dritten Male, während er mit einem grimmigen Fußtritt eine in seiner Nähe liegende tote Ratte hinunterschleuderte m den Flnß' „Ho! euch alle der Teufel bismuf den letzten Mann!" Danach stieg Hans Joachim den Elbdeich hinunter und gab-einen gellenden Pfiff ab, auf den hin sein Brauner, der in der Nähe gemächliche Auswahl unter frischen Marzgräsern gehalten hatte, schnell herbeigetrottelt kam. " Sie kannten einander schon, Herr und Roß, und wußten, daß sie sich aufeinander verlassen konnten. Wenn Hans ^oa-, chim sich ins grüne Gras legte oder aus dem Deiche Ausschau hielt, dann ließ er den Braunen ruhig allein machen, was er wollte. Der lief nicht weg, und aus den Pfiff kam er heran. Hans Joachim legte seine Wange an den Kops des schönen, seingebauten Tieres und sagte leise: „Sie wollen mir an den Hals, Alterchen!" Und der Braune schnaubte laut, als wollte er sagen: „Laß dich nur nicht bange machen, Hans Joachim! An uns können sie doch nicht!" . . ... t ~ . Hans Joachim saß im Sattel, und rn lchlankem Trabe ging es vorwärts. Bald war ein Dorf erreicht. Vor seiner Türe stand der Schmied und hämmerte aus das glühende Eisen los, daß die Funken stoben. „Guten Tag, Riezler," rief der Reiter und hielt den Braunen an. „Gu'n Tag ok, Jungherr." „Na, Riezler, was machen die Lutten?' Ueber das Gesicht des Meisters flog ein behäbiges %ant schön der Nachfrage, Jungherr. Geht gut. De een schreit den ganzen Dag, un de anner schreit dreiviertel Dag. Hans Joachim lachte. ^ „ „Da habt Ihr ja immer Musik, Riezler." „Un eene kräftige, Jungherr. Will Ihnen wat seggen: Wenn Sie heiraten, sehn Sie sich vor, daß «ie keene Zwillinge kriegen — bat gibt eenen Mordspektakel, ich weetz dat jetzt" „Werde mich schon vorsehen, Riezler. Und das Herramr hat noch gute Wege. Solange die Franzosen rm Lande sind, — kein Gedanke dran!" _ Wuchtig fiel der Hammer des Schmiedes auf den Amboß nieder. c „ „Dat Dnwelstüg! Verstehen sollen sie alle in der Elbe! „Ach, Riezler. da kriegen wir sie nicht rin!" „Rur tölt>en, Jungherr. Bloß immer töwen. Der Dag kommt och noch. 2lber towen. De richtige Oogenblick muß bc sin, *— denn aber rin in die Elbe, wo sie am tiefsten iS!" „Rin in die Elba!" wiederholte Hans Joachim. „Adjüs, Riezler!" „Adjüs, Jungherr!" „Gebt man gut acht auf die Lütten, damit es em paar Prachtkerle werden." „Soll'n sie schon. Jungherr. In der nötigen ungebrannten Asche soles nicht fehlen." Lachend trabte Hans Joachim von darmen. Als er aus der Dorfgasse her anskam, und der Blick ungehindert über das freie Feld schweifen konnte, lag in einiger Entfernung vor ihm am Saum eines kleinen Gehölzes ein großes, stattliches Gebäude, das rechts und links von eurer Anzahl Nebengebäuden stankiert wurde. Darauf zu ritt Hans Joachim. Es war Kloster Hohenbergen. Es war zwar lcurgst mit „Kloster" mehr, schon seit der Refornration nicht mehr. Ms damals die Nonnen, denen.es bis dahin gehört hatte aus- gezogen waren, hatten die weiten Räumlichkeiten lange Jahre hindurch leergestanden. Niemand hatte sich darum gekümmert, als allerhand lichtscheues Gesinde! die schönen, großen Räume zu seinem Unterschlupf erwählte. Erst als die Reformation in Kurbrandenbnrg eingetuhrt worden war, kam wieder Leben in den stattlichen Besitz. Kurfürst Joachim II. errichtete ein adeliges Fräulemstrft darin, das er mit großen Rechten und Privitegren aus- stattete, und das einer bestimmten Anzahl unverheirateter Damen des kurbraiidenburgischen Adels Haus und Heim bre- ten sollte. Und diese Bestimmung hatte Kloster Hohenbergen bis aus den heutigen Tag. Das neue Königreich Westfalen hatte an der alten Ordnung der Dinge keine Aenderung vorzunehmen gewagt. Man wußte wohl in Kassel genau, daß, wenn man nt die alten Gerechtsame des „Klosters" eingreifcn wollte, man auf fchlve- ren Widerstand stoßen wurde. Denn in der ganzen Gegend stand das Stift in hohem Ansehen, und die Landbevölkerung hing mit Treue und Liebe an Hohenbergen; denn ste wußte und hatte es durch die Jahrhunderte erprobt, datz für alle ihre Leiden im Stift Rat und tatkräftige Hilfe jederzeit zu finden war, sofern durch Menschenhand überhaupt geholfen werden konnte. Zu diesem Umstande, der jedenfalls em Grund gewesen war, von Kassel aus die Rechte und den Frieden des Stifts nicht zu stören, trat noch ein zweiter. 422 Stift Hohenbergen hatte einen ausgedehnten Landbesitz, zu dem -auch weite Waldungen gehörten. Und hier stand die Jagd in Blüte, ein großer Wild best and mit Prachtexemplaren voll Hirschen, und bot ein Paradies für den Weidmann, und da die Kvnventualinnen, wie die Insassen des Stiftes hießen, ihrer Weiberröcke wegen nicht selbst auf die Jagd gehen konnten, so lud die Domina, das war der übliche Name der Vorsteherin, die auch den Titel „Frau Aebtissin" führte, von Zeit zu Zeit eine Jagdgesellschaft ein, die aus Herren aus Kassel, ans Braunschweig und Magdeburg bestand. Daß die Domina das nur widerwillia tot. um firft doä Mild mrfvt Ivuu.H|ivwu9 uiw Aiuyiavuiy wi|iuuu. /teuft uic Domina das nur widerwillig tat, um sich das Wild nicht über den Kopf wachsen zu lassen, und um großen Schaden für den Ackerbau zu verhindern, das sagte sie zwar., nicht. Aber man wußte es. Man wußte in Kassel und Magdeburg ganz genau, daß das hoch edel geborene Fräulein Ludovika Aemiliane von der Rott, derzeitige Aebtissin des-Stistes Hohenbergen, mit der Patriotenpartei und dem Tugendbund in Berlin und Königsberg in Verbindung stand, und wußte ebenso genau, dag, wenn die französischen Gäste Stift Hohenbergen verlassen hatten, ihnen von dort ein stiller Abschiedsgruß nady gesandt wurde, der dem Wunsche, den vorhin Hans Joachim auf dem Elbdeiche geäußert hatte, so ähnlich war wie ein Ei dem andern. Aber man karir*Dennoch^)eiiU die Jagd war ausgezeichnet, die Jagddiners im StiM hervorragend und die Domina die tadelloseste Gastgeberin, die zu denken war. Und dann — man wollte es mit der mächtigen Dame nicht verderben. Man kannte den begeisterten Anhang und das große Ansehen, das sie in der ganzen Altman hatte, und inan fürchtete sich, etwas zu tun, wodurch eines Tages vielleicht diese dunklen Kräfte gegen die fremde Herrschaft m die Schranken gerufen werden korruten. So hielt man sreundnachbarlich Frieden, wenn es auch auf beiden Seiten zuweilen in den Augen blitzte und in der Faust zuckte. Das war aber in der letzten Zeit öfter der Fall gewesen. Die ruckfichtowsen Proskribtionen Napoleons, der zu seinem bevorstehenden Feldzuge nach Rußland sein Heer zu nie gerannter Höhe bringen wollte, und der besonders in bcn eroberten Ländern alle waffenfähige junge Mannschaft, deren er yabyaft werden konnte, in die Armee ein stellte — letzteres auch aus politischen Gründen, um in den von Truppen entblößten Ländern keme Gefahr für sich aufkommen zu lassen -hatten böses Blut in der Altmark wie anderwärts 'ge- macht und mehrmals ein Zeichen war geschehen, das man iil Kassel und Magdeburg mit ernster Besorgnis wahrgenommen hatte. Kuriere mit wichtigen Depeschen waren überfallen und spurlos verschwunden, einzeln reisende Ossi- ziere und hohe Beamte ebenso; kleineren Militärabteilungen, die die Verbindungen zwischen den einzelnen Garnisonen aufrechterhielten und in Dörfern untergebracht lvaren, wurden von den Bauern rundweg, jede Lieferung der ihnen zustehenden Verpflegung verweigert, es sei denn-gegen sofortige Bezahlung, und wenn die Soldaten Gewalt anwendcn wollten, um zu dem Ihren zii kominen, hatte es Mord und Tot- schlag gegeben, bei denen das Militär vor der großen Uebcr- macht, der man sch gegenübersah, immer den kürzeren gezogen hatte. Wo Uten die Behörden die Ncbeltäter greifen/so waren diese spurlos verschwunden xtnb nirgends aufzusinden. S ln ganzes Dorf oder gar mehrere gemeinschaftlich vorzugehen, wagte man nicht; man wollte sich kein zweites Spanien schaffen, man hatte an dem einen geling, ganz be- onderv m der letzigen Zeit, wo der Ausmarsch nach Rust- oevorstand. König ^erome hatte nicht die eiserne Hand ^ures Bruders; er war kein Freund blutiger Maßregeln und ^ slch m semem täglichen „Jmmerlustik" in Kassel licht gern durch aufregende Mitteilungen gestört. So ließ das Gouvernement m Magdeburg die Diiige gehen, wie sie [ IIlt Vorsichtsmaßregelu.Kurie^ einzelne Offtg,iere usw. ließ man nur durch schere Land- da^tünnp ^^ Militär brachte man möglichst wenig auf Masspn^ %n?r^ nb / UUb ^enu es geschah, nur in größeren Massen. Solche waren unbedingt nötig, wenn man die an- ßeordneten Aushebungen durchführen wollte- denn fast in iws 1 b^kel^ren Falle gab es dabei irgend welchen Wider- stmrd zu bekämpfen und niederzuschlagen. Aber die Proskrib- wurden überall durchgeführt uiid die waffenkäbiae Mannschaft rücksichtslos in französische Regimenter gesteckt. ! ! die Dinge an jenem Märzmorgen, an dern r? lt * Joachim von Sormitz seine dreimalige freundliche Ein- auf U %Si}L" ei £ in biß - gerufen halte und jetzt auf „Kloster Hohenbergen zuritt. Denll „Kloster" hieß das Stift int Munde der Leute noch immer. Solche Namen sind zah, und umtaufen tut der Bauer nicht gern. Und so diente auch die Bezeichnung „Kloster" zur näheren Kennzeichnung olles dessen, was irgendwie mit dem Stifte zusammenhing. Die Aebtissm war die „Klosterfrau", die übrigen Konven- tualinnen die „KlosterfräuleinG", der alle Kutscher Jochen der „Klosterkutscher" und seine dicken, alten Schimmel, die me anders als in einem behäbigen Zotteltrab gingen» die „Klosterschimmel", und die vom Stift an Kranke und Arme verabreichten Speisen und sonstigen Gaben hießen die "Klostersuppen" und die „Klosterpfennige". Und der Turm- Hahn, der oben auf dem alten, efeuumsponnenen Turme seine verrosteten Flügel spreizte, als ob er wirklich hiueinfliegen wollte ms alte romantische Land, war der „Klostergockel". Daran änderte niemand was und konnte und wollte auch niemand etwas ändern. So hielt denn Hans Joachim vor dem „Kloster", und sem Auge blitzte hinauf zu dem alten Spruche, der über dem mächtigen eisernen Gittertor am Eingänge geschrieben stand: „In Sturm und Stille — meine Heimat!" Hans Joachim nickte, als er das schon so oft gelesene Wort wieder las. Der alte Bastian, der „Klosterpförtner", kam herbei und nahm chm das Pferd ab. „Na, Bastian, geht's gut?" „So so, Jungherr. Die Beine wollen nicht mehr so richtig Mit —" .< „Da'müssen wir die Beinchen mal mit Melissengeist einreiben, Basttan." "dlch Jvtte doch, Jungherr! Dat helpt nu nich mehr! Wenndat Schmalz erst mal aus den Knochen raus ist, dann laßt der Herrgott bald zum Appell blastm, un dann helvt keen schmalz mehr — innen nicht, un buten nich." „So schnell geht das nicht, Bastian." „Dat weeß bloß der Herrgott, Jungherr, ob det schnell oder langsam geht. Unsereen muß immer parat sin . . ." Hans Joachim wischte mit den Händen den Staub von semem Anzüge. Ä „Ist meine Tante oben, Bastian?" fl „Jawoll, Jungherr." „?ca, da wilt ich mal nach oben. Legt dem Braunen, emL große Decke über, Bastian, -- er dampft sehr." „^awoll Jungherr, er soll schon kriegen, )vas ihm zu- kommt." au; rovuujuu Lim tu oen gewowten csang oes Hauses, dem ihni frostige Kühle entgegenwehte. — — . Das hochedelgeboeene Fräulein Ludowika Aemiliane von der cuod', die Domma, saß in ihrem Zimmer, vor dessen Fenstern nnmergrüner Efeu rankte, in einem reich geschnitzten Lehnstuhl und hatte eilt Wirtschaftsbuch vor sich, zu dessen Notizen sie kurze Randbemerkungen machte. In dem dunkel- getaselten, hohen Zimmer herrschte ein Halbdunkel, das dem Raume, der von emem riegen Kamin behaglich durchwärmt wurde, etwas von der Feierlichkeit einer Kapelle gab Soeben las die Domina in dem Wirtschaftsbuch- <. "Der Försterjunge behauptet, es seien 21 Klafter Holz, die zum Verkauf liegen." ' schrieb die Domiila mit großen, steifen Zügen: ^-orsterttlnge ist ein Esel. Er kann mir nichts weivmachen. Es sind 22 Klafter Holz. Heute nachmittag um dabeistehem" ^ ^ ll)m vorzahlen, und er soll mit Attention Weiter las die Domina: kriegt Brauue Stute „Mcerweibchen" hat ein Füllen ge- Und sie schrieb daneben: daß die Pferde alle Füllen ^ 06 en,denn Sc Majestät der König, unser allergnädigster nötig I;aben Ü '' 16 ÖICle ® ferbc unb viele Reiter dazu .Dabei sah sie auf das Bild, das ihr gegenüber hing — koittg Friedrich Wilhelm IIL von Preußen — und neigte das Haupt wie zum Gruße. "nv ucigre Hans Joachim trat ein. Die Domina s.,^Mo da^ Buch zu und reichte ihm die Hand, die er ehr- furchtsooll an seine Lippen zog. „Sei willkommen, Hans Joachim." „Wie geht es dir, Tante?" "Aut, gut. Aber dir, mein Sohn?" „Man will mir an den Hals, Tante." „Nanu. Wer denn?" 429 „Die klugen Leute in Magdeburg." „So?" faßte die Domina, klopfte mit der knöchernen Hand heftig auf den Deckel ihrer goldenen Schnupftabaksdose und nahm dann langsam eine Prise heraus. „Ja, Tante. Ich habe ein Schreibelt vom Gouverne- ment bekommen. Das lautet so: „Ich ersuche Sie, sich binnen drei Tagen bei mir einzusinden. Se. Majestät bietet Ihnen eine Stellung als Offizier in der Armee an. Ich erloarte, daß ^sie diesen Gnadenbeweis zu würdigen wissen werden." So steht da drin, Tante." Fräulein Lndovika Aemiliane von der Nott vergaß die genommene Prise zur Nase zu führen. So erstaunt war sie. „Auf diese Leimrute wirst du doch nicht gehen, mein Junge?" fragte sie. „Nein, Tante, aber sie werden mich holen." Die Domina trommelte einen Marsch auf dem Dosendeckel. „Meinst du?" „Sicher. Sie wissen, lver hinter den Bauern steckt, und den wollen sie unschädlich machen. Und weftn ich nicht hingehe, werden sie zu mir kommen." „Hm. Der Adel kann nicht zum Militärdienst gezwungen werden — das Privileg haben sie uns lassen'müssen —" * „A.anz recht, liebe Tante, aber so liegt die Sache nicht. Man will mich ja gar nicht zwingen, inan bietet mir eine Gnade an-" „Und die wirst du zurückweisen." In den klaren, braunen Augen der Domina blitzte es auf. (Fortsetzung folgt.) Zche-Zo. Skizze von Eugen H e l t a i. Einzig berechtigte Uebertraguug aus dem Ungarischen von Stefan I. Klein. ^ Ter berühmte Sch.istßeller saß gedankenversunken an seinem Schreibtisch. In sehr schöner Pose saß er dort, genau so, loic er sich seinerzeit barte photographieren lassen. Ten Kopf in die Hand gestützt, den Blick aber in die FerM schweifend, irgendwo .w-eitab, jenseits der Mauern und HäusekDubcr die farbensatten Wiesen der Phantasie, durch des Märchenlandes grünende Wälder.. Bor ihm leere Pikpierblätter und volle Aschenbecher. Er hatte eine Legion wn Zigaretten verheert, bevor er- endgültig herausbekam, daß ihm heute nichts einfalle. So saß er denn dort, mißmutig, [a sogar Gram im Herzen. Und bedauerte augenblicklich- sehr, daß ihm nicht.- entfallen wolle. T-och hing dieses Bedauern beileibe nicht mit feinem St-eben nach der zu erringenden zukünftigen Unsterblichkeit zusammen, sondern vrxl eher mit einem sehr gegenrvärtiaen Geldmangel. An diesem Abend besaß der berühmte Schriftsteller keinen r-oici Heller. Er suchte Zigarren hervor, fand aber keine, sondern bloß dicke, betäubende Havannas, mitjxnen er sich noch in besseren.Zeiten versorgt hatte. Der Not gehorchend, zündete er sich eine schöne und teure Zigarre an, wie sie selbst Novelle.-holden bloß des Sonntags rauchen. Und fluchte in der «echea Trete feiner Seele l'ü'e, denn es gelüstete ihn nach einen! billigen Kraut. Er hatte das Geftihl, es würde ihm sofort ein glänzender Einfall körn men, wenn er eine Brrtannlka in den Mund stecken könnte, und stehe, durch die Mißgunst des Schicksals muß er sich ein .Havanna leisten, denn er hat "ein Geld sü^eiue Vritannika. Er wetterte gegen das Schicksal der ungarischen Schriftsteller und erwog traurig, wieviel vernünftiger Z. gewesen wäre, zufällig als' Deutscher oder Franzose ans die Welt 7 >n kommen. „Ich wäre jetzt ein reicher Mann !" sagte er zu sich. „Draußen" (dieses „Draußen" begleitete eine nnllare Geste, aus der sich schwer geographische Folgerungen ziehen lassend ..draußen mstve in ihrem Himmelbett und süßes Lächeln spielt mrr ihre Lippen. Sie träumt. Und sieht innTvaume Engel, die -ans blauen Höhen nieder- steigen und unter leiser Atnsikbegleitung auf einer silbernen Platte ihr etilen großen Hut überreichen, einen viel größeren, als ihn eine sehr liebe Freundin besitzt. Auch meine Kinder ruhen sanft und träumen süß. Sie scheu die gleichen Enget, die auch meiner geehrten Ehehälfte ihre Answw'ing machten, und ihnen bringen die EngÄ Schlittschuhe und ein Avonueinent für die Eisbahn. Dann fliegen die Engel fort, ich aber bleibe hier und rann die Schulden der Eugsst zahlen. "Wäre es 'nicht'besser, auch ckch kröche ft cs Bett und ließe auch nur etwas von den Engeln bringen?" Tie Uhr des Speisezimmers verkündete in diesem Augenblick mit dumpfen Schlägen Mitternacht. Ter berühmte Schriftsteller crrrar/jt? wieder und konstatierte mit wachsendem Schrecken, daß er noch immer keinen Buchstaben niedergeschrieben. .Hingegen hatte er neuerdings sechzig Minuten vergeudet. Traurig rauchte er sich eine neue Zigarre an, die ausnahmsweise nur drei Krone:: vierzig Heller gekostet hatte. Mit mörderischen Augen maß er das leere Pavier, das blaß, weiß, feindselig den Blick erwiderte, Hie haßten einander ungefähr gleich. „Einst, in alten Zeiten," erinnerte sich der berühmte Schriftsteller, „besaß ich ein kleines Büchlein und verzeichnete darin meine Themen. Ich war doch in den Tagen des Reichtums eine fleißige Thnnenameise, es üann nicht sein, daß schon alle Schätze verbraucht- sind, die ich in -diesem Büchlein angehänft habe." Zu neuer H-osfum.'g erwacht^ begann der berühmte Schrift- steiler eifrig in den Läden seines Schreibtisches zu suchen. Vielerlei gerie-: ihm da in die Ho .d: bezahlte Rechnungen, hei deren Anblick er gerührt, altbackene Liebesbriefe, bei deren .Anblick er zornigj wurde, und allerhand alte Schriften. Bloß das .gewisse richte wo immer es auch sich^erb-arg. Er fand es auch in: letzten Lädchcn. Tiefes Lädchen gab ihm besonders viel Arbeit, es ließ sich nämlich bloß vis zu einer gewissen Grenze öffnen. iDamr leistete es Widerstand (uMd^gab nicht nach, lote immer er auch daran zerrte. Ter berühmte Schriftsteller lächelte gequält, er kannte diese Lädchen- scherze zum Ueberdrnß. Sie entstehen, wenn sich ein Stück Papier Mischen den Teckel und die Rückwand schiebt und jedem Fort- schreiten Hindernis bietet. Geduldig kramte er ans dem Lädchen alles heraus, entwirrte die gestauten Papierschichteu und bewert w schließlich mit Genugtuung, daß eben das gesuchte Büchlein w hartnäckig gegen das Herausziehen des Lädcheus protestier^, diach langer und heldenhafter Verteidigung kam das Büchlein hervor, gekrümmt, zerknüllt, mit zerrissenen Blättern, den im ., ... lassen st , draußen lailrc -ict> layort Icutnif am Ziel. *5cf> wurde in meinem eigenen Landhaus wohnen, nur arbeiten, wenn es juL beliebt und was mir beliebt ttfli müsste mich nicht umS Brot plagen und die b'rclichstc'l Dich- tun gen, Dramen und Romane flössen mir aus der'Feder." Tietthr im benachbarten Speisezimmer verkündete in diesem Augenblick nnt dnmpwu scistagen die elfte Stunde. Ter berühmte Miwstücktellcr.crrvachte aus leinen Träumen und kehrte mit dem hochn bequemen Schnellzug der Gedanken sofort ans dem Mstande henn. Erschrocken betrachtete er das noch immer leere Papier und begann sein Gehirn abznqnälen. Streng, unerbittlich und ohne ihm^edi^ örterte, er es, doch alles war vergebens und nichts siet p!-- peinliche Geschichte," sagte er verzagt. „Gott h t i*k4 a* rem Zrp-eitauieiw-, ja Nicht einmal Eintausendkronenlh.ma, iondern alles in allem ein Einhnndertlronenthema, in runder sinnme; es tonnten auch achtzig Kronen sein, aber zumindest sechzig Kronen ninß ich unbedingt haben. Ties verlange ich vom Herr- 6 .vtt, ein gutes, kleines The «na, mit viel Liebe jutb ivenig Mühe em Tlst.'ma, daß ich noch nachts verarbeiten könnte, damit ich in der o-ruhe me me fünfzig Kronen bekomme. Tenn der Hut meiner -lieben Frau kann schließlich warten und auch meine Kinder müssen mmt unbedingt schon morgen Schlittschuh laufen! . . . ." Bei diesen Worten überwältigte die Rührung heu hervorrag den 'unrtiffMfpr imh «w s..r. v:_. r_ r.r cu- fru fagen habe unb stürbe, wenn ich Nicht gleich mederschriebet was mir m der Seele wühlt. O nein! Im Gegenteil ich sitze Ey un 001-^1 ent in EkA hier, indes zn-ei Stuben weiter meine Seme Familie arglos schlummert. Meine liebwerte Gattin ruht s-sndling aus himmlischer Höhe nicht, die Engel mit den Mb«. m dres« Nacht ausschließlich mir Ta men hüte, Schliltschiihe iinh Eisbahnabe und auch keines haben werde, denn in dieser Nacht wollte ihm absolut nichts ernlallen. Ta. aus deni Höhepunkt der Verzagtheit und VerzwepUmg begannen sich plötzlich seine Züge zu besänftigen. Lem Gesicht druckte iiun Schlanlistr gemischt mir Betrübnis aus. Ter^unve- teil' ,ite Zusclxroer hatte meinen können, dem l)ervorragendeu L>:yrnt- sieller sei dennoch eine gute Idee gekommen. Und rat, mm ick, es tyar chm eingefallen, daß ihm nichts eingefallen sei, und da., er, wenn er dies niederschriebe, daraus ebenso Geld machen könne, als ob chm etn«s eingefallen wäre. Und wtzt iä>aute er schon ffc>U und triunrphierend aut da» leer? Pamer. Er hatte den,roch gesiegt'. Noch nnc Minute und er wird daä Papier nrit schwarzen Buchstaben bedecken. Dock) — seltsamerweise' — jeist beeilte er sich nicht mehr, hatte ,ogar dac Gefühl, er bedürfe gar nicht so sehr der hundert Kronen, ^a, er bedürfe ihrer überhaupt nicht. denn man mutz nicpt immer billige Zigarren rauchen, mitunter tun'» auch bie teuren. x\t Haiststsache war, das- ihm schließlich und endlich doch etwa» em- ^ als'die Uhr des benachbarten Speise Emmers mit dumpfen Schlag eil' die dritte Stunde verkündete, brummte der hervorragende Schriftsteller zufrieden: , , . , ' , Ich lmbe die l>eutige Nackt nicht vergeblich durchwacht. Gearbeitet habe ich wohl nicht, aber ein ausgezeichnetes Thema ernnidcn. Ick ,verde cs mir ansschreiben, werde es snr spatere, schlechtere Zeiten ausheben, für Zeiten, da mir überhaupt nichts Und er notierte sorgfältig bas Thema in das kleine Büchlein, versperrte das Lädchen des Schreibtisches und ging schlafen. yennijebte«. * I n das Ne ich der Ameisen schauen, kommt einem Blick in ein Wunderland gleich. Und wer sich mit diesem kleinen, arbntsfreudigen Völkchen näher beschäftigt, wird aus dem Erstaunen nickt herauskonlmen. Heute mag oin wenig über die Ameisen im Dienste §xs Gartenbaues geplaudert werden, auf iG'.-und eines Aussatzes von Dr. L. Staby in der illustriertm^Zett- sckrist lieber Land und Meer (Deutsche Verlags-Anstalt, L-tutt- «rrtst der in ytummer 45 zu finden ist und worin es u. a. also lautet: Viele Dausende von Menschen sind während des Krieges zu Landbebauern geworden, die vorher an so ettvas gar nicht dachten: sie gewohnten sich aber ball) an die neue Tatigken und lernen rasch durch Rat und Tat kundiger Leiste die für ihr Grundstück beste Art der Kultur kennen. Nicht so lcickt ist es aber für ne, die' freunde und Feinde ihres Gartens aus der Tierwelt kennen zu lernen- dies ist -aber für baj Gedeihen und den Ertrag des Gartens von großer Wichtigkeit, und deshalb wollen wir ans die Tätigkeit eines in jedem Garten vorhandenen Tieres, der Ameise, etwas näher eingehen. Gewiß wird schjon mancher Gartenfreund, das emsige Treiben der- Amteise im Garten beoNrastet haben. Jmmbr sind die fleißigen Tiere in Bewegung, und oft findet man richtioe .Arneisenstlratzen, auf denen ein fortwährender Verkehr yii bemerken ist. Meistens führen diese Straßen zu .einem Strauch oder Obstbaum, und dann beobachten wir, daß die Tierchm den Stamm hinaufkriechen bis zum Gipfel. Was tun sie da? Die Antwort können wir uns selbst geben, wenn wrr eine wiche Amn,en- stratze in der Nähe ihres Nestles eine Zeitlang näher beirachen. Wir scl^n dann, daß die ausziehenden Amei.en leer ihres Weges wandern, die heim kehrenden aber meistens beladen smd. Hwr schleppt eine in ihren Biestern einen kleinen Käfer fort, dort tragt eine andere die Larve der Stach'lbeerblattwes^, und an anderen gefüllt sind und lediglich dazu dienen, die aus Süßigkeiten fehlt erpichten -kmcisen mrzubocken. Solche 9kttarien Herrn, c sich ans der Unterseite der Nebenblätter, zum Beispiel bei manchen Bohnen-, pflanzen, bei anderen Wanzen sitzen sie an den Blattstielen, an den Kelch- und Fruchtblättern, kurzum an alten möglichen Stellen meist in nächster Nähe der Blüte. Wir erkennen also die außer- crdbntlüch 'große Nützlichkeit der Ameisen für den Garten, und es ist sehr töricht, tvenn eS Leute gibt, und sie sind leider nicht selten, die sich tut Garten durch die Amelsen belästigt fühlen oder sie gar für schädlich, halten und mit alten Mitteln den Tieren nachstellen. Sie nnssen eben nichlt, daß sie dadurch ihre bestzen Freunde ver-l treiben und selbst dem Gedciyen ihrer Gartenpflanzen den größtes Schaden tzusügen. Alle unsere Ameisen nähren sich nicht vost Pflanze;!, sondern von tierischen Stoffen, in erster Linie von Larven, Raupen und Käfern. * B i a l o w i e s i n d e u t s ch e r V e r w a l t u n g. Seit August 1915 befindet sick das im russischen Gouvernement Grodno gelegene ungeheuere Urmaldgebiet von Bialonnes in dentscl?em Besitz. Bon einer Größe van rund 30 geograpl.i scheu Quadrat "eilen (etnxi 160000' Hektar«, bedeckt von den herrlichsten Waldbeständen aller Art, ist das Gebiet besonders dadurch be.-sthmit, dag - 'letzten, Reste de» Wisent beherbergt, die dort n ch in ter stat ichen AnzalL von rund 600' Stück vorhanden waren.. Jagdlich s\: .; >on,t in jeder Einsicht bervorragend, diente der Biachlvieser Walo oft den russischen Zaren zum Aufenthalte: mitten im Urwalde ans ctnev zirka 10 Quadratttlometer nmsassendvn Lichtung liegt das Krön gut Bialowies mit einem großen kaiserlichen Pruuksch^oß. Nach der ' Besitznahme durch unsere Truppen wurde alsbald di ,oirtschaftltck>e Ansniutzung des wertvollen großen Gebietes für Zwecke unserer Kri-egsühruug in Angriff genommen, |mtj> aus kleinen und schwierigen Anfängen heraus hat sich eine umfangveiche Verwaltung entwickelt, über die nunmehr durch eine Mi he von Vea'ö, sei: Eichungen Rechenschaft gegeben werden soll. Namhafte Naturkrsttzc haben ihre Mitwirkung zugesagt und Studien an Oick und Stelle gemacht. Ihre Ergebnisse und bk Beobachtungen von Angehörigen der Mtli- tär-Forstverwaltung sollen in zwanglosen Heften veröffentlicht werden. Das erste Heft (Verlag von Paul Parey in Berlin, .Hedemann- sttaße 10. Mit 91 Textabbildungen, Preis 4 Mkd bringt dre Geschichte der Eroberung des llrnaldgebietes und seiner nstrtschaftlickM und wissenschaftlichen Erschließung im allgenieinen. Vüchertisch. — Kants Ansichten über Krieg und Frieden; Fichte über den Krieg. In einer Zeit, wv die Gedanken tioer Krieg und Frieden die ganze Menschheit besck-äftigen und durch die Realität des Weltkrieges die Realisierbarkeit ernes ewigen Friedens geradezu als vage Idee erscheint. ist es von Interesse, die Ansichten des Begründers der Philosophie der Gegenwart und des Philosophen der Freiheitskriege über Krieg und Frieden kennen zu lernen. W. Movg, der ja in der philosophischen Zeitschrijtenliteratur kein Neuling mehr ist, hat in den, Falken-Verlage, Darmstadt, zivei Schriften erscheinen lassen, die es wegen ihrer aktuellen Probleme und ihrer gemeinverständlichen Darstellung verdienen, in 1 nettesten Kreisen bekannt zu ,verden: „Kants Ansichten über Krieg und Frieden" (3 Mk. > und „Fichte über den Krieg" (1,20 Mk.). AuS dem Inhalte der nmfang- re.cheren ersten Schrift seien Kants psychologische Beobachtungen über die Charaktere der europäischen Nationen, psychologische und ethische Bemerkungen über die ^hre des Kriegers, die Ueber- wi'cknng' des Krieges durch die Höhereutwickelnng der Menschheit, r-a* Bölrerreckst. bas Weltbürgerrecht und die Idee des ewigen Fricbens besont'ers erwähnt. In der zweiten Schrift werden ... cvf'' * Lichtes Gedanken über die Beseitigung des Krieges durch Errich- ^telle uuacen pch sogar ^lm. ^mmeii mit der dicken Raupe c rechtlick^er Verhältnisse in und zwischen den Staaten manchen anderen Schädlings ab, dre ,w gemein, chastlich unter Anspannung ^ ^ - - aller Kräfte ihrem Heim Acisichkppen. Ilm uns ganz von der nützlichen Tätigkeit der Ameisen zu überzeugen, brachen wrr voll einem Obstboum einen Zweig, an dem sich em aus festem Ge,purst bestehendes Nest der bekannten, so außerordentlich schädlra>en Äpfelbau m-Gespinfl motte befinder, und legen ihn auf die Ameisenstraße. Sofort fallen die Ameisen gierig auf das Nest her, zerbeitzcu und zernagen das Gespinst, an das sich kein Singvogel herantraut, mit ihren scharfen Kiafern, zerren die Raupen heraus und trngerf sie in ihren Bau. In etwa einer halbm Stunde ist das Gespin,t leer und wohl an hundert gefräßige Raupen sind unschädlich gemacht. Die Ameisen sind also die besten Gehilfen der Oöstzüchter; der Baum, der von ihnen fleißig besuche wrrd, 'wird reich blühet Uiü» gute Frucki an setzen, denn die kleinen Räuber säubern ,hr^ gründlich von allem Ungeziefer. Und wie mit den Obstbäumen) so geht es auch mit den Frnchtftränchern,. den Stachelbeeren, Johmrnisbeeren rmd anderen. Aber auch die anderen Gartengewächse iverden von den Ameisen eifrig abgesucht, und manche Raupe des .Kohlweißlings, die den 5tohlpflanzen so ungeheuren Schaden verursacht, wird von ihnen getötet urrd sortgeschletwt. ebenso nne die Larven und 3^>aupen anderer Schädlinge Biele Pilanzen laden die Ameisen direkt zum Beftnh ein. Sie hatren nämlich nutzer nr den Blüten noch ein anderen Stellen kleine Behälter, die )ocj'' | nannten exlrasloralen Nektarien, die mit süßen Zuckerausichcivungen c>ankbaren Leser finden. — Die Welt-Literatur, Heft 38, dre Erzahlimgeu „Matko", „Eine Nacht im Jägerhause", „Anna" und „Pauls merkwürdigste Nacht" enchalteird, ist erschienen. — U e b e r Land und M e e r, illustrierte Zeitschrift, Heft 52 des neununsiinszigsten Jahrganges, ist erschienen. O G H v V » « GO» Homogramm. 1. schmackhafte Frucht. 2. Stück Holz. 3. männlicher Vorname. Di? Buchstaben AA, BBBB, EEE, I, NNNN, 0, R, TTTT sind nach dein Muster obiger Figur derart einzutrageu, daß die drei wagerechteu Reihen gleichlautend mit den drei senkrechten sind und Wörter von der beigefügten Bedeutung bilden. (Auslösung in nächster Ikunrm^r.) Auflösung der Gleichung in voriger Nummer: Fallobst. >2 Falle, b Ei. . Ob, ä Ast, « Astern, t Stern.) fccfcniiUiluma: Fr. R. Z«nz. — ZwillmgSrunddruck und Verla, der Brühpschen UnioerütätS-Buch- und «teindruckerei. R. Lange. Gießen.