Msntag. öen 2f September Dar rciffeihaffe Feind. Roman von Sven Elvestad. (Schluß.) 27. Kapitel. S ch i ck s a l s r a ch e. Bom Stall her erscholl Wiehern und Hufgestampf, urrd der Verwalter und seine Leute kamen und brachten „Eva" daher. Das Pferd ließ sich gutwillig führen, aber ein unruhiges Zucken in seinen (Medern verriet, daß es nervös war. Ter Nittnreister rief es an, und es spitzte die Ohren, als es seines Herrn Stimme vernahm. „Legt den Sattel auf!" rief der Rittmeister. Der Stallknecht kanr mit dem Sattel gelaufen Urrd wollte ihn eben aufschnallen, als ihn Asbjörn Krag anfhielt mit dem Zuruf: „Nein, lassen Sie das!" „Willst du auf ungesatteltem Pferde reiten?" fragte der Rittmeister. Der Detektiv gab keine Antwort, sondern. sagte nur zu dem Stallknecht: „Tun Sie, wie ich gesagt habe." Der Knecht legte den Sattel auf die Erde. Plötzlich hvb das Pferd den Kopf und starrte erschreckt Asbjörn Krag an, der etwa zwanzig Schritte von ihm entfernt staud. „Lassen Sie das Pferd los!" rief oer Detektiv. Seine Stimme klang so befehlend, daß der Verwalter unwillkürlich das Pferd fahren ließ, das sofort stieg und dann mit den Vorderhufen den Boden schlug. Da rief der Detektiv dem Beamten ans Christiania zu: „Beginnen Sie mit der Vorstellung!" Der Beamte warf die Dokumentenmappe weg, lief rasch zu den: Pferde hin, gab ihm einen Schlag mit der flachen Hand auf den Schenkel und ries: „En avant, Eva, en avant!" Im selben Augenblick stürzte das Pferd auf Asbjörn Krag los, stellte sich auf die Hinterbeine und würde den Detektiv niedergeschlagen haben, wenn ihm dieser nicht entschlossen einen Hieb auf die Nüstern gegeben hätte. Der Schlag war so stark, daß das Pferd unwillkürlich mit einem schmerzvollen Stöhnen zurückwich. Zitternd und mit bebenden Nüstern blieb es stehen und starrte Krag an. „En avant, Eva!" rief der Polizeibeamle wieder, und mir Schnauben stürzte das Pferd von neuem auf den Detektiv, los. Aber wieder wurde es durch einen Peitschen-- schlag znrückgetrieben. Und nun waren die Rollen getauscht. Jetzt war es nicht mehr das Pferd, das ailgriff, jetzt war es Asbjörn Krag, der mit erhobener Peitsche das Tier dein Stalle zutrieb. Hier wurde es von dem Verwalter und den Stallknechten eingefangen, die sich höchst erstaunt vor der Stalltüre ausgestellt hatten. Der Rittmeister sprang herzu und faßte Asbjörn Krag am Arme. ..Was in aller' Welt bat das zu bedeutend rief er. „Das hat zu bedeuten: „Hier steht der Mörder!"" sprach Krag und zeigte mit einer vorstehenden Handbewegung aus „Eva". „Der Mörder!" ries alles äußerst erstaunt im Chor. „Ja," sagte Krag, „niemand anders als „Eva" ist der Mörder. Ich bedauere lebhaft, daß ich ihn nicht verhaften kann, aber es fehlen uns die Strafbestimmungen gegen Pferde." Gelassen zog Krag den Gummimantel wieder aus. „Ich glaube jetzt auch nicht mehr, daß wir Regen bekommen werden," sagte er und deirtete lächelnd an ben wolkenlosen Himmel hinauf. „Du kannst deinen Rebenmantel wkeockr haben, lieber Freund. Führen Skt das Pferd in den Stall, .Herr Verwalter, die Ruhe wird „Eva" gut tun auf den Schrecken." Asbjörn Krag faßte den Rittmeister unter dem Arm und ging mit ihm in feine# Freundes Arbeitszimmer. Der: Polizeibeamte aus Christiama kam nach; er hatte ftlnt Dokumentenmappe wieder vom Boden au schoben. Als die Herren Platz genommen hatten, sagte Asbjörn Krag Al seinem Freunde: „Du bist vielleicht eiu wenig erstaunt?"" „Erstaunt?'" erwiderte dieser. „Ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich denken soll." Asbjörn Krag deutete auf das entzrveigeschlagene Fenster. „Ich habe sofort gesehen, daß das Fenster von einem Pferde eingeschlagen sein müsse. Das Blut an den Splittern zeigte, daß ein Tier das getan hatte. Wenn ein kräftiger Mann mit der Faust den Schlag geführt hätte, so wäre bedeutend mehr Blut geflossen." „Du willst mir doch nicht erzählen, „Eva" habe..." sing der Rittmeister an. Asbjörn Krag nickte. „Doch, „Eva" ist es gewesen, die den alten 'Oberst Holger so schwer verletzt hat, und es ist „Eva"" gewesen, die den Advokaten totgeschlagen hat. Ich bedauere, lieber Freund, daß du so viel für das Pferd bezahlt hast, denn du wirst genötigt sein, es totzuschießen. Mer du wirst vermutlich den Verlust mit Fassung tragen, da sich jetzt alles für dich zum Bestell wendet."" Ein beinahe unbemerkbares Beben von des Rittmeisters Lippen verriet dessen tiefe Bewegung. Mit seinen Gedanken war er auf einem Gut in der Nähe, wo ein junges Mädchen war, das sich unendlich unglücklich fühlte. „Geben Sie die Papiere her," sagte Krag zu dem Beamten. Dieser reicht ' ihm die Dokumentenmappe, und Asbjörn Krag öffnete , „Was hat dich eige..clich ans den Gedanken gebrack:, daß das Pferd der VLörder sein könnte?"" fragte der Rittmeister. „Es war ein Zufall, oder richtiger gesagt, eine A'eihe von zusammentreffenden Zufällen. Erstens war es ja merkwürdig, daß der Oberst und der Lldvoka: ans die ganz gleiche Weise verletzt worden waren. Beide wurden gejagt und eingeholt, und beide hatten einen ganz ähnlichen gelbbraunen Gummimantel wie der deine. In der Einsamkeit deines Zimmers dachte ich näher über den Zu.sammenha.ng näck xtftb da erinnerte ich mich, daß gerade zu der Zeit, Mo dn dis geheinte Unterredung mit Dagny hattest, der alte Oberst übersatten wurde. Du hattest dein Ps-erd grasen lassen, denn bu nmßdest ja nicht anders, als daß es ans der Weide ein friedliches Tier sei, uitd es muß beim Grasen bis in die Nähe jenes Ortes gekommen sein, wo Holgar überfallen worden ist. Ich' erinnerte mich an die Verwundung des Obersten. So etwa trifft ein Pferd, wenn es mit den Vorderbeinen schlägt. Und während wir um den totbesch-lagenen Advokaten herumstcutden, bemerkte ich, daß dern Pferd in der Nähe iveidete, und der Verwalter erzählte mir, daß diese Stelle die Pferdeweide fct. Damals hatte ich schon beinahe keine Zweigt mehr, aber um sicher zu sein, telegraphierte ich rcach Christiaiäa." Der nrnae Beamte, der mit Teilnahme Asbjörn Krugs AnseinandcrsetzAng gefolgt war, nickte verständnisvoll. „Und ich machte mich gleich auf und suchte zu ergründe'.:, wo der Herr Rittineister das Pferd gekauft hatte," sagte er. „Darum wußte ick) auch vor einer Weile so genau, daß Sie sechs tausetchfünfhuudert Kronen dafür bezahlt hatten." Asbjörn Krag reichte dem-Rittmeister ein Papier, das er aus oer Dokumentenmappe nahm. „Dies ist der Kauskontrakt," sagte der Detektiv. „Kennst du ihn?" Der ^Riitmexfter betrachtete das Schriftstück. „Jawohl," sagte er. „Da steht ja auch meine Unterschrift." „Und aus diesen andern Papieren können wir ersehen, wem das Pferd vorher gehört hat," fuhr Krag fort. „„Eva" ist Zirkuspferd gewesen. Das erfuhr ich gestern abend durch ein Telegramm, und nun hatte ich keinen Zweifel mehr. Und wenn ich tioch einen Zweifel gehabt hätte, so wäre er gleich Zerstreut worden, als ich das eingeschlagene Fenster zu sehe:: bekam. Das konnte nur ein Pferd und kein Mensch getan haben." „Zirkuspferd!" rief der Rittmeister sehr erschrocken. ,Mavou hatte ich keine Ahnung. Derartige Tiere haben immer ihre besonderen Tiüken." „Ja, dressierte Tiere sind immer gefährlich weil sic nie wissen, wann sie ihre Kunststücke machen sollen und wann nicht. Aus diesen Papieren ist weiter zu ersehen, daß „Eva" in der Manege bei einer komischen Pantomime mitgewirkt hat, genannt „Der Mann mit dem Regenmantel". 'Dabei hatte sie unter anderem die Ausgabe, auf die Hinter- imwe zu steigen und eine mit einem Gummimantel bekleidete ansgestopfte Figur, die einen Einbrecher vorstellte, niederzuschlagen. Sie spielte überhaupt in dieser Pantomime das finge Pferd. Leider hat sie daun später ihre Klugheit verkehrt angewendet, aber damit hatte sich das Schicksal verschworen, mtd das Schicksal rächt. Ich habe dir früher schon die Tragödie deiner Verlobung erklärt. Jetzt steht nichts mehr-im Wege, daß du und Dagny das glücklichste Paar des Laiches werden. Und nun hast du auch die Erklärung der zweiten Tragödie, die damit Hand rn Hand ging, ja förmlich damit verkettet war —j beiden Ueberfälle. Möchtest du sonst noch etwas .. ®£ r flttttmcifter starrte seinen Freund an. 9Lur allmählich konnte er das altes fassen. ^ird es nicht schwierig feilt, zu beweisen, daß das Pferd der Schuldige ist?" »w Einte ich bis gestern abend auch," sagte dar Detektiv. „Darum ging ich ins Haus des Obersten hinüber. fd)toietiS fd "' äU 6ClDeifen ' „Me geht das zu?" „Der alte Oberst ist zu sich gekommen." W faßte dar Rittmeister seines Fvorrndes Hand. "^„^as wirklich wahr?" fragte er sehr, bewegt. . "'o?' ^?^brte Krag. „Schon gestern abend war er emen Augenblick bei Bewußtsein, u H da sprach sein Mund ettnge Worte, dre den andern sinnlos vorkamen, die ich aber gut verstand." „Was sagte er ?' „lZr „^üßt den Rittmeister von mir und sagt e l das Pferd totschießen!" Ader ich habe dir atZ noch einen andern Gruß zu bestellen." ; „Von wem?" Dagny. Sie hatte der etwas zu sagen, aber sie nchchte es dir am liebsten selbst mitteilen." -Der Rittmeister stand lange Zeit gedankenvoll mitten «n Zimmer. „Das Schicksal rächt!" sagte er vor sich hin. „Es hat schon ein Leber: genommen. „Wir können wohl sagen zwei!" fiel Krag ein. „Wessen Leben noch, außer dem des 2ldvo taten?' „Das des Pferdes!" sagte der Detektiv und packte ge-, lassen die Papiere wieder zusammen. Der Marschaü. Novelletts von Kanns Gisbert (Nachdruck verboten.) Die Landrys stamnrten aus Frankreich und warm immer ein wenig stolz auf diese Herkunft, die einer unverbürgten Neben lieferung zufolge bis zu den Höhen des fciofeg Ludwigs des Sechzehnten führte. Tatsächlich tvar der Urahn mit dm Emigranten irach Deutsche land gewmmm, hatte sich eine Zeitlang in einem kleinm Orte an der Mosel verborgen gehalten und schließlich — nachdem er als älterer Mamt und Witwer die junge blühmde Tochter seines Gastfrenndes, eines kleinen Landwirtes, Heimgeführt — noch ein an-sch-ütches Aint in dem bmachbarten Trier erhalten, das er in Ehren und mit gutem Verständnis führte. Eine Tochter erster Ehe, die ihn: gefolgt war, verheiratete sich, schlecht mtd recht möchte man sagen, mit einem Baron d'OuLreville, auch einem Emigranten, dessen schmale Rente' nur eine kümmerliche Lebens sührtmgj gestattete, und der nach kurzer Ehe starb. Aber der Name warf doch einen gewissen Glanz auf die ganze Aanüie, die auch um die Vergangenheit des Urahns einen Glokicu- schein zu weben bemüht war. Mm: munkelte von einer Kammer-, Herrn stelle am Hofe, von glänzenden Heiraten der ältesten Töchter und war fest überzeugt, daß ec dm ihn: geöührendm Adel abgelegt hatte, als er aus Frankreich fliehen mußte. Wahrheit und Dichtung waren so enge vermischt, daß man sie kaum mehr zu trennen wußte. Und so nahmen die späteren Generationen denn als sesthehend an daß der Aelttwvater, det ünzw-üftlhaft „von Familie" ' gewesen, den^ höchsten Mel Frankreichs entsprossen sei, was cinm mächtigen >Lporn auf dm Ehrgeiz aller dieser tchaufleusc, Bramtm und Ofltziere setzte. In das Timlel der Bergan.r,Hut führt« kein Psad. Nur van der Familie der U-großmutter hätte man aus dem lothringischen Torfe her leicht Näheres ermitteln rönnen Aoor über d:e Exrstmz dieser pi'ächtigm Frau, die dem alternden Gatten Gluck und Behagen und ihren Kindern Gesundheit und Tarkraft geaebm hatte, gingen die späten Nachkommen nase- rumpsend hinweg. Da fiel doch noch ein leuchtender Strahl auf die Familie Wahrend diese bürgerlick>en ALLnnmen der lothringischen Aelter- mntter, die von dm hochstrebenden Gliedern der" Landrys als eme Art von ländlichem SchaM fl eck betrachtet worden war, gediehen und UwvMm, daß sie zu einer stattlichen Herde herange-, wachsen waren, hatte die Linie der d'Outreville immer war gerade vegetiert nnd^znletzt itur mehr auf zwei Augen geruht. Diese ge- ,Tant' D< 7w11utv1.11 um uct uueu ^t'Dnie ^anory veict'-etom ziljav gehaust hatte und nach deren Tode eine kleine Erbschaft von der franzömchen Verwandten machte, die ihr eine bessere Lebens- luycung er m vgl: aste, und jhr viele wertvolle Mtertüiner m feinem Porzellan und getriebenem Silber brachte. Ltts auch Tant' Liiiä hochbetagt starb, wollte jeder der Erben ein ansehnliches Teil vo« der Erbschaft aus Mhloß d'Orttrevillc haben; Kissen, Decken unt Teller, aus mmen eilt Wappen angebracht war, wnrden mit nn- glanbltchen Preisen bewertet; Kammern und Speicher ivnrdm nach verborgenen Schätzen, die dm Fainilienstolz stärten konnten, durchsucht. . , ‘ Bereitwillig bot Marche, des Fabrikanten Gattin, ihre gntm Angeil uno ihre Lprachgewandtheit zur Entzifferung der sranzösi- schm Lettern an. ste ivar sogar im Sacre-Eoenr zu Baris erzogen Worom und ließ sich nicht gerne eine Gelegenhmt entgehen, iln flujpges französisch und ihren trefflichen Akzeitt ins richtiac Licht zu setzm. ^ ’ Sie brache ihre anmutige Gestalt mtd ihr feines Pvofil nan» nahe an dte^L-cheibe des großen Erker fettster s, das um diese Zeck noch volles Tageslicht abgab, und begamr zu lesen: ^ ä Milet, genannt Ferdinand der Marschall, im Mer von 77 Jahren." „Marschall?" unterbrach sie erstaunt der Bezirkskommandenr uno in dm Augen der anderen stand dieselbe Fnage. . ^ natürlich! hier stand es ja klar und deutlich: ämtg DttleL ?Ebm etwas gänzlich Unleserliches, Wohlde Jahreszahl oder eine OrkSbeftimmung, auf die es nicht ankam. Eüvvs gereizt durch di« Unterbrechung/ begann Marthe mit mhvboiier stimme wettsrchesm. indem ,ce von mm an jede» Satz rn ftmtzösischr Sprache vvrLrng, ehe sie ihn verdmlschte. , „Mifek, genannt Ferdinand der Marschall, der dem 5kavalle° rieregimmt von Mo^ zugE war, reiste einst durch cinm dichte Walo, um nach Dke. Vdmehould, fernmt Heimaksvrl, zn gelangen." Menehould?" unterbrach eine btt cklten Damsn die Vorleserin. „Ste Menchould? Das ist dach «vohl der Geburtsort Unserer Urgroßmutter. Ich habe meine Mutter öfters davon er- -ählen Hüven, und der merkwürdige Ncune Hot sich meinem Gedächtnis qtngeprägt. Und wenn mir recht ist, hieß sie auch Milet. Bs muß 'sich da um euren Verwandten vo« dieser Seite handeln." Mckftig! Daß inan nicht ehter daran gedacht hotte. Nun. begann inan sich erst den Ata bl tisch genauer anzusehen. Im Em-> vires!il aevlNr^kerbe L^rbeergirlanden schmückten daS große Brnst- dild des Marschalls Milet, ckoähreird zu beiden Zeiten die mit Empireranken umrandeten Medaillen die Rettung -und Heimkehr eines von Mördern, bedrohten jungen Mädchon ihre zarten Vanpter aus der winterlichen Erde, als der schmerzlich Herbei ^sehnte eintraf und Landrys ertdlich die Eilckadungen zu dem Winterfeste erlassen konnten, das diesmal an Pracht alles über- trefsen sollte, tvas das reiche Haus jemals geboten hall» Der teifer führte Näarthe m einem Feengewand von nixen- arun ver,chlttetter Goldstickerei zu Tische und war in bester LZanne, die Me schöne Frau jum Teil auf ihre Uiiteryaltwiq-- ^mfii Mrückrühcen konnte. Der sicher durch Hoffeste Verwöhnte bewunderte alles, die geschmackvoll dekorierten Mrmue, das prachtvolle .Kristall, das altertümliche Silber „aus der Famtkke". Äe I guten .Freundinnen blinzelten sich zu: „Jetzt kommt der Mar- lchall!" Aber Frau Marche war llüger. Sie wartete den Augenblick ab, wo der Mi.Ester, von Wein und Gesellschaft angenehm erregt, ihr den Arm vor. um im Booudoir eine Tasse Mokka zu trinken. Graziös lehnte sie ihre zierliche Gestalt wider den Kamin und lenkte ihren Partner dadirrch so glücklich, daß sein Blick aus das eigentümliche Bild fallen urußte und er gehorsam die Frage stellte, die sie so gerne beantworten wollte. IM erst stieg der Urahn ans dem Dunkel der Vergau.genheit glorreich hervor. Ter hohe Gast war vielleicht von der hübsch hervorgebrachten Erzählung mehr interessiert, als von der Sache selbst, hörte aber höstich und aufmerksam zu, als Marthe nun in flüssigem Deutsch die Heldentat des alten Militärs zu übersetzen begann. Und als Martbe an den bräunlichen S West lech 1 gelangte, der allen Bl ei chv er suchen zum Trotz nicht hatte weichen j sollen und nun achselzuckend anfhörcn mußte, ivar auch seine I Teilnahme an dem Geschick des alten Verwandten seiner schöner i Wirtin so lebhaft erregt, daß er ihr das Bild aus der Hand nahm j und nun seinerseits die verblaßte Schrift unter dem Fleck ZN enH- j rätseln versuchte. „Le pßre . . . penötrs de vscpnnaissance . begann er in näselndem Französisch, gelangte aber nicht weiter, so nahe er auch an die elicktrische Lichtslamme trat. Ter größte Teil der Gäste sammelte sich um die beiden, und die Gescküchte des Landryschen Urahns, eines Marschalls von Frankreich, ging von Mund zu' Mund. Plötzlich schstig sich der Minister vor die Stirn. „Wie ist mir deikn! Ich halw ja einen Experten bei mir, Professor Seliger aus Straßburg, der -oird uns auch diese „dunkle" Stelle lösen rönnen." T-er Stab des Ministers, der ihn auf dieser Berufs reise begleitet hatte, war mtt erngeladen, und so !var der Professor, der sich tritt einigen Herren bei enter Zigarre sestgeseh- hatte, l'ald zur Stelle. Auf die Frage, ob er seine Lupe bei sich Hab«, kam die lächelnde Anttvort: „die verläßt ntich keine Sekunde." Man reichte ihm das Bild herüber. Mit scharfem Blick überflog das Auge des Getchtten Zeichnung und Inschrift. Halblattt las er die französischen Worte und begann die versleckte Stelle zu en'tzissern: Le pstre pänäträ de reoonnaissance le ptte . . . ^ d'accevter au moins . . . une bottrse . . . pour prix . . . d'ime si belle aetron. Le genäreux militaire lui ossure . . c\\t€ la recom= pev.se eft . . . da ns son co eur. Mühsam hatte der Professor die fehlenden Worte herausgefunden. Aber die Lupe und sein geülckes Auge hatten Mnai Zweifel gelassen. Aussckanend traf er aus den empörten und ungläubigen Blick seiner scl'.ö.ten Wirtin, auf ein Erstaunen im Auge des Mtni- siers, auf 'halbsvisttischc Gesichter der Umstehenden. AhuungsloH, um was cs ]ici} handle, daß seine Worte den Stolz einer Familie verleiten würden, übersetzte er inS Deutsche: „Durchdrungen von Dankbarkeit U>t der Vater ihm eine gesü-lte Börse zum Danke für seine schöne Handlungsweise an." Mit zitternder Hand unterbricht Mapthe ihn: „Unmöglich! Das muß ein Irrtum sein. Wie hätte der Vater es gewaot, ihm Geld anzubirten?'' „Warum nicht! In solchen.Kriegszeiten . . . Und einem alten Korporal ..." ,.Kor'.oral? Haben Sie nicht die Inschrift gelesen? Es handelt siclr um einen Marschall Milet, einen Marschall von Frankreich." Um des Professors Mund zuckte ein gutmütig-spötrisches Lackeln. „Verze-h-n Sie. meine Gnädigste. Das ist ein Irrtum zu dem die hochtrabende Bezeichnung verleiten kann. Marächnl des lvgis ist der französische Name für einen fimpfen Quarlieruieister." „Des logis? Wer stricht denn von mareckwl des logis ?" „Darf ich bitten, gnädige Frau?" Höflich bringt Professor Seliger die Litpe über die unleserliche Stelle, mit deren Entzifferung sich bisher als unittesenttich kein wtensch bemüht hatte. Tie Lolossaie Vergrößerung der wivstgen, aber deutttchen Lettern bringt ihr daS aufttärende „!>'s !vgw"'wie mit Flammenzeichen vor die Augen. Mar Aha l des locho - die Bezeichnung ist ihr fremd; aber daß sie den Titel eines M-arschalls we,evtltch beeinträchtigt, ist begreiflich dva> lerne Korporalsunisvrm. Schars wendet sich sich zum Professor. „Tlber die Uniform, die Orden!" . . . „Orden mag der fiebert und siebz igj ährige Krieger in jenen unruhigen Zeiten leicht viele eingeheiinst haben; denn seine Tavfer- keil ist offenbar. Tie Uniform, die der Zeichner allerdings mit sehr viel.Liebe behardelt hat, ist aber keineswegs die ... höher» vMMrS. Hier, ,ehen Sie" — mitleidslos in seiner SaackeunrniL Hwiirgt der Gelehrte die junge Frau, sich vollständig von ihrem Jrrttrm zu überzeuaen — „auf der untereit Dlanlette n» der Va er l>em Ret^'r seiner Tochter die Gelbbörse anbiete, ist die gonze Gestatt douttich fidy&ar, die Gestatt einos allen llrcl«* offiziers. AußerdE cfct maröchal des logiS mochte allein den "Sey durch die uwvirtlichen Vogesen antrctcn. ein mar6ll de Frauee Ware sicher nicht ohne kkemes Gefolge gereist. 420 Tie setzten Worte des Pwfeff^s verklangen unverstandxn an Marthes Ohr. J-Hr schauderte. Wie gebamit haftete ihr Buck an der figürlichen Tarstellmw, die allen so rätselhast geschienen hatte. Sie hatte laut auflachen können. . ckDas also ivar der Kern der ^ache! Ein alter Unteroffizier, der von dem erfreuten Vater zum Tanke für die Kettung seiner Tochter eine Börse oder vielmehr einen reichlich gwßen Beirtel mit Geld annehmen soll! Aufgeregt goß sie die Tasse Mokka hinunter und spielte mit gezwungenem Lachen die Unterhaltung ans ein anderes JÄebiet; cs sollte ihr niemand die Enttäusch ing ansel-en. Ter Minister war galant genug, weder die verstellte Heiterkeit seiner schönen Wirtin, noch den feuchten Glanz ihrer Angen zu bemerken. Es war ihm außerordentlich peinlich, daß er durch das Herbeirufen des Professors Ursache dieser Niederlage gewesen. Ohne das wäre der — hm — etwas lächerliche Irrtum wohl zeitlebens unentdeckt geblieben. Nun, was in seiner Hand lag, sollte geschehen, um seine freundlichen Wirte, vor allem die liebenswürdige Frau neben ihm, für dieses demütigende Erlebnis zn entschädigen. Einstweilen versenkte er sich in Bewunderung ihres lebensgroßen Porträts und Wichte ressen Vorzüge w feinsinnig und in so schmeichelhafter Würdigung des Originals hervorz^lyeben, daß Frau Marthe Fassung und Laune wiederfand und sich in guter Haltung von ihren Gästen, sogar von ihren besten Frenndttmon verabschieden konnte. Nur der Professor blieb Lust für sie. Und was dein marechal des l-ogis anbelangt, so fristet er in echtem-Mahagonirahmen mit Auslagen von Silbervxyd ein rühmloses Tasein im Hinterstübchen. vermnchtes. * Tie schwarze Liste der Schundliteratur. Die /eit einigen Monaten regelmäßig vom Berliner Polizeipräsidium im Preußischen Zentral-Piolizei-Blatt veröffentlichte Liste der vom „Feilbieten im Umher ziehen/' ausgeschlossenen Sch mdlitcratur l>at' jetzt insofern erheblich au Bedeutung gewonnen, als das Benäuss'- vcrbot weiter ausgcdehit wurde. Seit kurzem dürfen die betreffenden „Werke" auch im stehenden Ge-verbe nicht mehr verbreitet, das heißt also auch in Buchläden nicht mehr seilgeboten tverden. Ta es noch immer vielen Kreisen nndetnnnt ist, mit w-elchen Mitteln die jugendlichen Menschen zu den verschiedensten Verbrechen verführt werden, entnehmen wir einem iüuszng der in der Deutschen. Strafreoibnchhändler, Berlin »SW 1.9, Jerusalemer Straße 6ii. — Tropfens Buch üWr Alexander den Großen gehört unstreitig zu den klassischen Werken der deutschen historischen Prosa. Hat aber auch für den Leser von 1917 die Geschichte Alexanders einen unmittelbaren Reiz, abgesehen von der Belehrung über eine wichtige Epock)cko er Vergangenheit? Man wird diese Frage wohl bejahen dürfen, und zwar wegen des hervorragenden kriegsgeschichtlichen. Interesses, das die Feldzüge der makedonischen Könige erw^kem Man kann wohl sagen, daß wir bei der Eroberung des Perser- reiches durch Alexander zum erstenmal in der Weltgeschichte die systematische Arbeit eines denkenden Generalstabes verfolgen können. Größere Truppenbewegungen sind natürlich auch schon in der Epoche mir Alexander erdacht und geleitet worden. Als König Darms seinen sogenan nten Skpthenzug vorbereitete, hatte er eine GkchriirE-luna: Fr. R. Zeaz. — Zivilliligsrnnddruck und Verlag der B Armee eüva auS der Gebend »des heutiges Bagdad im die Dvdrudschü M versetzen, eine Leistung-, die auch im Zeitalter der Eisenbahnen und Automobile recht achtbar wäre, uin so mehr im Altertum mit seiner primitiven Technik. Noch vor einigen Jafocn wäre es undenkbar erscknenen, daß aus den Schlachtfeldern der Antike, den Schlachtfeldern des großhellenischen Weltreiches, in Makedonien, Aeghpten und Mesopotamien neue Schlachten gesckstagen werden könnten und daß der Name Alexanders des Großen in Verbindung mit der Gegewvart wieder aus dem Schitt der Jahrtausende auftauchen würde. — Inzwischen sind historische Tatsachen entstanden, und Mesopotamien, der mptlstsche Schauplah paradiesischer Idyllen, l^rs Land zwilchen Euphrat und Tigris, unsere äußerste östliche Front fft «uns fast ebenso geläufig geworden lvic Mazedonien uuÄ der Suez. So darf es nicht wuuderneh.Nen, wenn dem Ingend-- lvere Dropseus'eirre verdiente und fast selbstverständliche Wieder- aiiferstel-nug bereitet wird, um aus Herr Spuren Alexmiders jene Stätten wieder^aufzusuchen, die durch ihn eine fast legendäre und bis aus unsere Tage unbestreitbare Berühmtheit erhielten und urbew bei der i inst liehen K'nlttirlvelk damals überhaupt zum erster m^äl er- sechlossen wurden. In dieser Geschichte erscheint Mexander ivahrl-aft groß und beniniderungswürdig, und nichts vermag diesen erstaun- 1ick>eir Nimbus zu mindern, so daß auch unsere moderne Forschung, die -stber Dropsen, von rvonigen abgesehen, fast zroch nicht hinaus- gekommen ist, heute noch auf sein Werk als grundlegend.stir die Alexander-Forsclprug angewiesen ist. Tie Anschafffcng dieses über 60.) Seiten in Groß-Oftav starken Buches, fesselnd von der ersten bis zur letzten Sette, form mit empsvl-len iverdeu. — „Unter englisch-französischen Truppen an der Front." Von ... im englisch-ßranMischeu Hanptgnar- tier. 10 Bogen stark. Ladenpreis 1,50 Mark. Verlag Rud. Schick & Go., Leipzig. — Leipziger „I llustrierte Z e i t u n g". Ter deutsche Durchbruch der russischen Front bei Riga findet in der soeben er- • schic neuen Nummer 3872 der Leipziger „Illustrierten Zeitung" eingehende Berücksichtigung. Von bert verschiedenen großen illustrierten Betträgen ans dieser Nummer sei namentlich aus den Artikel von Dr. Rvtt „Tie gesundheitlich" Fürsorge für Deutschlands Nachwuchs" hingewiesen, dessen graphisch-statistische Bilder in packender Weise vorführen, ivelche Bedeutung der Säuglingsfürsorge in dem jetzt so viel besprochenen Bevölkerungsproblem zukvmmt. Gietzener Hansfr-reen-Berein. Kochnnweisungen. Gurken mit Tomatenfüllung. 8 dicke Gurken schält man, schneidet sie der Länge nach durch, entfernt nnt nnem Löffel die Kerne, ttäuseli etwas Essig auf die Gurken, salzt sie und läßt sie eine Weile stehen. Jiizwisä-en .nacht man die Füllung; eilte geweichtes, ausgedrücktes Brot, V* Pfund etwas gehackte Tomaten, fein geschnittene Zwiebel, 1 Ei, Salz, Pfeffer und walnußgroß Butter, brennt man auf dem Feuer abc bis es dick ist. Mau tut noch 2—3 Lössel Gries dazu, doch darf die Füllung nicht stüssig sein und muß pikant abgeschmeckt werden. Dann trocknet man die Gurke von außen ab, füllt sie, bindet sie zu und brät sie ringsum in etwas Fett in der Bratpfanne bräunlich: dann füllt man Wasser auf und läßt sie bis Kum Garwerden etwa \ > Stunde kochen. Man bindet die Soße vor dem Anrichten mit Mehl und gibt das Gericht mit Salzkartoffeln zu Tisch Kartoffel-Auflauf. Mau schält ebte beliebige Anzahl großer Kartoffeln, reibt sie uud drückt die Masse in einem Mullbeutel gut aus. Solck-e legt man in eine tiefe Schüssel, gießt l U Liter siedendes Waffer -"besser Magermilch' darüber, fügt 1 Ei oder Eiersatz und 3—3 l /s Lössel Mehl oder Gries und 2—3 geschälte, in feine Schnitzel geschnittene, gezuckerte Aepfel dazu und verarbeitet alles gut. Ich eine gefettete.feuerfeste Form füllen und schön gelbbraun backen. Man kann 1 / 2 Backpulver beifügen. Geschmorter Fisch mit Ge m ü s e. Ein Pfund belie- biaer Fisch wird geputzt, enthäutet, entgrätet und in Stücke zerpflückt. Man salzt ihn und streut etwas Pfeffer darüber. Jegliches Gemüse, also Kartoffeln, Karotten, grüne Bohnen und Kohlrabi, auch eUvas Blumenkohl, wenn man ihn hat, schneidet man klein, am kiesten in Würfel, und läßt das Gemüse in- Salzwasser 10N-i- nuten überwallen. In eine Schmorpfanne gibt man lagenweise Fisch und das Gemüse, übergießt dos Ganze mit etwas Gemüse- wasser, daß es nicht über der Masse steht^ gibt einen Löffel Fett dazu und stellt das Gericht nach 10 Minuten Ankochen in die Kochkiste. Gleichung. (a— 7 a b) + c + d — (e—f) — x a Fanggerät, b Nahrungsmittel, c Fluß in Asien, d Teil de« Baumes, e farbenprächtige Blumen, f Himmelskörper, x unwillkommene Gabe des Herbstes. (Auslösung in nächster Nummer.) Auslösung des Buchstabenrätsels in voriger dtummer: Trost, Rost, Ost, st. ibl'schen UniversitütS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießens