Der rälleltiakte Feind. Roinan von Sven Elvestad. (Fortsetzung.) „Dann hat er also das Fenster mit der Hand eingeschla- gen." rief der Rittmeister. Asbjörn Krag lächelte. „Meinst du wirklich. dabei ivare nicht mehr Blut geflossen? Versuch es doch einmal, und schlage das andere Fenster ein. so daß die Rähmchen geknickt werden, nnd sieh dir dann einmal deine .Hand mi." Der Rittmeister schüttelte den Kops. „Das begreife ich nicht." sagte er. Wieder lächelte der Detektiv „Wir wollen aber dennoch einmal den Gedanken fest- halten, daß das Fenster mit einer geballten Hand eingeschla- gen sein könnte." sagte er. „Aber wer ist der Täters' „Darüber bin ich vollständig im reinen." „Wer. ins Hinrmcls Namen?" Asbjörn Krag machte eine Handbewegung übers Feld hin. Der Rittmeister schauderte, und die Dicnstleute, die sich allmählich ins Zimmer gedrängt hatten, drückten sich unwillkürlich eng aneinander. „Das geheimnisvolle Wese» von da draußen," anttvor- tete Krag. „Der Mörder?" fragte der Rittmeister „Ja." „Aber ivas wollte er? Wollte er ins Zimmer ein- dringen?" „Nein." „Nicht? Was in aller Welt lvoltte er kamt?" . „Wer weiß?" sagte Asbjörn Krag lächelnd. „Wer will wissen, was sich im Gehirn solch eines Wesens regt?" Er wandte sich an den Verwalter. „Sie haben nichts Auffallendes in der Nähe des Hauses im Lause des Abends bemerkt?" „Nein, nichts außer dem da." „Und auch memand von Ihren Leuten hat draußen irgend etwas wahrgenommen?" „Nein, sie haben ja nicht einmal Sie bemerkt, Herr Detektiv." „Es ist gut. Lassen Sie mich setzt mit dem Herrn Rittmeister allem." .^tonnen wir zu Bett gehen?" Asbjörn Krag schüttelte energisch den Kops. keineswegs. Nicht nur Sie, auch die Leute müssen aus- btechen." „Müssen wir vielleicht eine neue Nachforschung vornehmen?"' „Ja, haltet nur die Laternen bereit." „Müssen wir wieder hinaus aufs Feld?" ' „Neru." .,Dann gehtts vielleicht noch weiter „Rein, wir wollen unsere Nachforschungen innerhalb der .Hofreite anstellen." „Meinen Sie denn, das geheimnisvolle We-en sei hier auf dem Hofe zu finden?" fragte der Verwalter, und Entsetzen malle sich aus seinem Gesicht. „Ja." antwortete Krag. „Aber gehen Sie jetzt." Langsam entfernten sich die Leute. Mit großer Bvi-sicht machten sie die Tür auf. Es war, als ob sie fick) vor etwas jürchteten, das draußen sein könnte. Als Krag und der Rittmeister endlich allein waren, sagte der Detektiv: „Sv, lieber Freund, wir wollen jetzt schnell zur Sache kommen. Ich habe mit Dagnv gesprochen!" 23. Kapitel EineWendung. Der Rittmeister fuhr zusammen. „Du hast sie heute ochend gesprochen?" fragte er. .^a, vor zwei Stunden." Der Rittmeister blickte seinen Freund forstbeird an „Hat sie dir etwas mitgeterlt?" „3«, sie hat mir mitgeteilt, was sie wußte, zufällig AMe ich aber mehr als sie. Ich ging zu ihr mit der festen Absicht, sie nun endlich zum Sprechen zu bervegen. Ich hatbe sie schon früher darum gebeten, aber sie war mir immer aus- gewichen. Armes Mädchen? Sie hat eine entsetzliche Zeit zu durchleben." Der Rittmeister ging aufgeregt im Zimmer hin und her. „und mir hat sie nichts gesagt!" murmelte er. „Nein, und das einzig und allein aus Rücksicht für dich^ den sic geliebt hat und noch liebt. Die Ereignisse haben s« zur Verzweiflung gebracht, und sie hat sehr schweren Herzen- mit dir gebrochen. Wenn sie sich von dem alten Oberst hätte raten lassen, so wäre die Verlobung nicht aufgehoben wov* den, aber das Mädchen selbst wollte es so." „Sie selbst?" rief der Rittmeister und sperrte die Augen weit auf. ,Za, sie selbst, und zwar aus Rücksicht für deine Elwe." Der Rittmeister setzte sich seinem Freunde gegenüber. Eß war deutlich zu sehen, wie scküver er mit seiner Bewegung z» kämpfen hatte. „Die Sache wird immer rätselhafter," sagte er. „Aber nun weißt du also alles, und nun werde auch ich alles tp* fahren. Die Tür ist verschlossen. Du kommst nicht eher hinaus, bis du mir alles erzählt l-ast." Asbjörn Krag lächelte und deutete aus das zerbrochene Fenster. „So lauge der Kerl um den Weg ist, brauche üh um eit» Möglichkeit, ms Freie zu kommen, nicht bange zu sein," sagte er. „Du bist grausam und spannst mich auf die Folter." „Durchaus nicht. Gib nnr eine Zigarre." Der Rittmeister holte eine Schachtel Zigarren, Kr«H 406 Wählte eine ans und zündete sie an. Ter Rittmeister trünnntei jich förmlich unter dev Freundes sicherer Gelassenheit. „Weiht du jetzt, wer der Mörder ist?" „Ja." ,llub er ist immer noch ans freiem Fuße'?" ,;Ja, das kann man wol>! sagen." Der Rittmeister schaute seinen Freund an. „Das kann man wohl sagen? Ich verstehe dich nicht." Aber Asbjörn Krag liest sich nicht aus seiner unerschütterlichen Ruhe bringen. Er nictte bloß und wiederholte.: „Gewiß, man kann wohl sagen, daß der" Kerl aus freiem Fuße sei." „Und noch immer ebenso gefährlich?" „Durchaus ebenso gefährlich." „Aber wnrurn in aller Welt bietest du däinn nicht alle vorhandene Mannschaft a.ls, um ihn #it sangen?^ „Das ist in diesem Augenblick nicht notwendig," erwiderte Krag. „Aber wenn ich es angebracht finde, den Kerl zu. überführen, kostet es mich nur einige Schritte Und ein einziges Wort, ihn zu sangen." „Er ist also hier in der Nähe?" „Jit unserer nächsten Nähe." Erschreckt schaute der Mttmeister den Detektiv» an. „Du hast doch nicht einen von meinen Leuten im Verdacht?" fragte er. „Dir sollst alles erfahren, wenn ich einmal so weit bin. Vorerst müssen wir ein wenig von Advokat Bomann reden. Du bist doch auch überzeugt, daß er ein Schuft gewesen ist?"" „Ja, das habe ich begriffen." „Er hat den. Lohn für seine Daren erhalten. Er ist es gewesen, der Dagny so bedroht hat, daß sie ihre Verlobung mit dir löste."" „Großer Gott! Wenn ich, das gewußt hallo!" rief der Rittmeister und ballte die Hände. „Sie hat ihn also- gekannt?" „Sie hatte ihn niemals gesehen, ehe er hier in der Gegend auftanchte." „Aber wie ging es dann zu, daß...'" Asbjörn Krag streifte die Asche von seiner Zigarre. „Lieber Freund," sagte er, „du tveißt, daß es gewisse lichtscheue Wesen gibt, ivelche nttl Mitteln arbeiten, die ehrliche Menscheil nicht benützen können, ohne sich aufs gemeinste besudelt zu fühlen. Er war tm Besitz einiger Dokumente, und auf Grund dieser Dokumente zwang er Fräulein Dagnh, gegen ihres Vaters Willen und gegen ihre eigene starre Neigung zu handeln. Sie war in seiner Macht." Der Rittmeister wurde blaß !vie der Tod. „Ein wahres Glück, daß der Mann tot ist/" sagte er. Asbjörn Krag sah seinem Freund forschend ins Gesicht und fuhr dann ebenso gelassen wie vorher fort: „Am selben Abend, wo der Advokat starb, befand sich Fräulein Dagnh in seiner Wohnung. Nein, sei ganz ruhig, lieber Freund, sie war allein dort. Sie hatte eilten Zeitpunkt getroffen, wo er ausgegangen war, und bahnte sich dann den Weg in seine Wohnung. Ich wähle mit Absicht den Ausdruck: sie bahnte sich den Weg! DU kannst daraus entnehmen, zu welchem Grad von Verzweiflung das junge Mädchen gebracht war. Es war ihre Absicht, die gefährlichen Dokumente zu stehlen, die der Advokat in seinem Besitz hatte. Aber sie konnte sie nicht finden und mußte sich unverrichteter Sache davonschleichen." „Hat sie dir das alles erzählt?" „Nein," erwiderte Krag. „Aber ich fand irr des Advokaten Zimmer einen Ring, der ihr während des Suchen s vont Finger geglitten war. Den nahm ich heimlich an mich und zeigte thn ihr später. Es war ihr Ring. Vielleicht kennst du ihn auch." Der Detektiv legte einen schmalen Ring mit einer Perle auf den Tisch. Der Rittineister griff danach und ein schmerzlicher Zug glitt über fein Gesicht. „Vor einem Vierteljahr an einem herrlichen W-inter- mor-geu habe ich ihr diesen Ring geschenkt," flüsterte er vor sich hin. „Aber die Dokumente!" fuhr er dann auf. „Was t|t aus den Dokumenten geworden?" "Die waren, wie gesagt, nicht in der Wohnung zu sindeu. Wenn ein Schuft rm Besitz von solch wichtigen Papieren ist, dann trägt er sie womöglich immer bei sich. Als ferne Leiche- gefunden wurde, fand ich auch die Papiere " „Zeige sre mir!" flehte der Rittineister erregt. „Nein," erwiderte der Detektiv. „Die Papiere gehören Dagnh. Sic hat sic von mir ausgehändigt bekommen, und ich nehme an, daß sic sie sofort verb-rarmit hat." „lind durch diese Papiere ist also das Geheimnis enthüllt worden?" „Znm Teil wenigstens," antworte.e Krag. „Durch diese Papiere habe ich ergründet, w-airum es Dagnh für unmöglich hiel>, sich mit dir zu verheiraten. Ich kann dir aber nur so viel sagen, daß sie um leinen Preis den andern, den Schurken geheiratet hätte." „War davon wörtlich, die Rede?" „Ich vermute, daß der Advokat dariiber mit den: alten Holger reden wollte, als er ihm den beinahe drohenden: Brief schrieb- und ihn zu einer Zusammenkunft aufforderte. Ich nehme jedoch an, daß der Advoktt gar nicht dazu kam, mit dem alten Holger zu reden. Wahrscheinlich war er zur gegebenen Zeit zur Stelle, aber schon vorher hatte beit alten Oberst der gefährliche Schlag getroffen." „Er war also schon vorher von dem Mörder überfallen worden?" „Ja, von demselben, der später den Schurken, selbst erschlagen hat. Das Schicksal wollte, daß dieser den Lohn für seine Taten ernten sollte." „Und der Mörder?" fragte der Rittmeister. „In welchem Zusammenhang steht er mit Dagnh und der ganzen Ge- Asbjörn Klag sperrte in geheucheltem Erstaunen die Augen weit auf. „In gar feinem," sagte er. „Dadurch gerade wurde die Sacke so sonderbar und war schwierig zu ergründen, .hier handelt es sich nicht um eine einzige Sache, sondern um Zwei. Die sind ganz verschieden und haben nichts miteinander zu tun, haben sich aber in sonderbarer Weise ineinander verwickelt. Bisher hatte ich mich selbst gefragt: Wer hat den alten Oberst übersatten, imi> welche Absicht hatte er dabei? Ich habe versucht, diese Frage auf Grund der vorliegenden Umstände zu beantworten, kam aber zu keinem befriedigenden Resuttat. Die andern, die sich dieselbe Frage vorgelegt hatten, kamen zu den: Schluß, du seiest der einzige, der ein Interesse an des alten Mannes Tod haben könne. Ich, der die ganze Zeit über von der Voraussetzung ausgegangen war, daß du dir nichts vorzuwerfen hättest, begegnete diesem Verdacht mit den Enthnttungen über den Brief des Advokaten und sein ganzes drohendes Austreten. Auf diese Weise lenkte ich den Verdacht in eine andere Bahn. Aber daun wurde der Advokat ermordet, und damit warst du. wirklich rettungslos verloren. Wer sonst als du sollte irgend ein Interesse daran gehabt haben, ihn aus dem Weg zu räumen? So kam ich auf den Gedanken, die beiden Falte einmal vollständig auseinander zu halten. Wenn man an- nimmt, daß die beiden Morde nichts mit der Verlobung und mit den Drohungen des Advokaten zu. tun haben, dann wird das Ganze viel durchsichtiger und erklärlicher." „Die beiden Morde!" stieß der Rittmeister hervor. „So ist Dagnys Vater seiner Verletzung erlegen?" „DagnhS Vater?" fragte der Detektiv. „Der, den du meinst, ist am Leben und befindet sich, lvie ich erfuhr, ans den: Wege der Besserung." „Dm-, den du meinst?" wiederholte Rye. „Was soll das heißen?" „Er ist gar nicht ihr Vater," antwortete Krag. (Fortsetzung folgt.) Zwei Glocken. Bon K'arola Bock. Tie Menschen schlafen nachts, aber die Glocken nickt. Sic rufen wohl, aber sie denken und sinnen dabei. Das weiß nicht jeder Ganz spät abends muß man durch, die Gassen luttitfern, da hört man irgendwoher geheimes Rannen. Es kommt von oben Nicht von ton Sternen. Ter alte Kirchturm klingt und surrt „Ursula, beut ist Vollmond," sagt Veronika, die Glocke * oejnc Wandung leuch:et und nrie dein Herz bebt, ich suhle es. „Du hast recht," »mute die «»geredet«, „die Nacht äst mein Freund und bei Harem Mondschein bin ich im Paradies. Tn spure ich und stolz zittere ich vor. mir selbst." Veronika lächelt: „Tu bist selbstbeu..isch Tu bist auch schön, nud dw Menschen sagen, du seist eilt seltenes Rulisvv-ert'. Wenn sie heransliommen mit unserem Glöckner, tasten sie ehrfurchtsvoll 407 argen und' erfüllt .mich mit Sehnsucht nach Licht und Liebe." „So denkt die Jugend," wirft Ursula ein. „Was leuchtet!, liebt sie. WckS glüht, verehrt sie. Was offen da liegt, beschaut sie übermütig und voll Wahn. Weist du nicht, alles ist Trug, Blmdwerk. Ter Dag nimmt die ?kugeu und führt sie immer ringsherum, er will sie reizen und verführen. Tie Welt ist dein, ftrgt er. Und die 2lug.n glauben daran, wenn sie jung sind. Tie Wimpern 'können den Glanz nicht all Hallen, sie Meten zusammen. Wir Alten gehören der Vtacht, den Schatten: schau in dich hinein, sagen die, nich>t außer dir, in dir ist deine Welt, dein Glück. Bilde, deine Seele. Sei weich und gut." „Wozu soll aber die Schönh.nt der (£tbe feiltV" fragt Beronita. „Mein jungem Herz umfängt sehnsüchtig den Dag und ich schaue hinunter -um Gewirr des Martt.es und hinein in die Fenster- und hinauf in den bfa»reit Himmel. Und die Sonne nanbert mit mir und zeigt mir überall Leben. Siehst dn nicht an den einen Fensterlöcher!, unfern Glockenistulbe die Ptauerrante? Die Sonne, erhält sie und die grüne Farbe sagt mir: ich lebe. Tos Grau deiner Mächte aber ruft: ich schlafe, ich versimlc in Nichts. Leben ja leben. Irl fühle heiß, was dies Wort bedeutet." „Tu Heissporu," erschallt es' schrill, „dein Empfinden ist. natürlich. W.-h.-r solltest du auch die AKgeAartheit nehmen'? Schaust du aus Iahrhuuderie Zurück- Wagst du mir deine Auffassung auf- zudrängeu? Vergiß nicht, mit wem du sprichst, ich bin uralt, heilig. Tein Leben ist Galt geweiht, aber du bist ein Kind der Erde. Fern, m it rauscht meine Äugend, ich war auch voller Glut, aber nur kurze Zeit." „Dir kreischt di? ©ule," slüstert Veronika, „hörst du's, oben in der Latrrne ist ihr Nest. Tn kennst es. Sie paßt zu dir und deiner kalten, kalten Macht. Mir zwitschert die Mauerschwalbe bald, wenn der Morgen 'kommt. Tie ist voll zartem, reinem Klingen, der gehört meine Liebe. In mir bleibt'ö hell, ich schwinge stets in Wonnen. Mein Ton ist höher als der deine, nick-t so voll und lveiltragend, das geb ich M. Mer er stiegt über die alten Dächer «und geht zu jungen Herren und entflammt sie. Trüben steht ein zartes Mädchen am zensier, tvenn lvir läuten. Das macht die Alugeu weit aus und schaut starr herauf. Meinen hellen Ton hört es und dein dumpfes, tiefes Tönen ergreift es nicht. Lichten Klangs brauet ein junges, sehnendes Herz." „Sei setz! still," erwidert Hart die alte Ursula ,üvarnm läßt du mich nicht ^zum Träumen kommen? Waches Tränen ist mein Bestes. Tie Sterne glitzern Friede, der Wind säuselt es. Tn aber machst mein Herz schwer und unruhig." Ta schlreigeii die beibcu und schauen einander an. Die Schatten verfliegen, die '.Nebel lömm-en, es imrd langsam leise Tag. „Guten Morgen," sagt Veronika. ,Gmeu Morgen," ruft laut die Nachbarin. „Ich habe eine schwere NNcht gehabt, »tem Herz tut mir weh. Hast du es gestern gehört, was der alle Glöckner sagte? „Ihr armen Glocken," seufzte er, „lro hält ick) je au so was gedacht. Weiß^ bin ich geivorden. Und alt mit euch. Plötzlich muß eine meiner Schützlinge herunter, zum Einschmelzen. Tabei standen ihm Tränen in den Augen." Veronika erschaudert ein wenig. „Wen sie wohl holen? Mir hätte cs noch lange hier oben gefallen. Mer ich bi . whvrsain." Ursula lacht überlegen. „Ich werde wohl . ? bleiben, ein solches Kunstwerk zerstören sie nicht. Atter mach: heilig. Aber dich kann's treffen. Tu glühst ja immer und schwärmst, vom Leben Und Kamps, von .Schaffen und Blühen. Du wirst hinabsteigeu auf deine Erde. Tu kannst die Menscheu aus der Mähe betrachtet!. Tu wirst, sie anders finden. Hart sind sie und zerstören deine, schöne Form. Tn vergehst." „Arme Ursula," jauchzt .Veronika, „wie kläglich ist deine Missa fiung vom Dasein. Ich ergehe nicht, ich wandle mich um. Erz bleibl und wirkt." Eines Tages holte .mau die lebensfroli-e Veronika wirklich herunter. „Was für einen Spruch tragt sie," fragten die Männer, die H'? t müh am lwrnnternahmen. „Wenn mein Stündlein gekötnmeu ist. So nimm mich zu. dir, Herr Jesu Christ." „Ta^> paßt gilt," meinte einer. „Heilt ist ihr Stündlein gefönt turn." Ta nickte die Glocke und wartete geduldig auf ihr Schicksal. Kinder und Mengierige umringten sie und sprachen ernste Worte. „Lebe noh!," sang leise Ursula ihr zu. Lie war traurig über de» Acprtcd. Einsam mußte sie jetzt im stillen Turm wohnen und niemand har:? mit solch offener Seele ihren Reden zu. Und ti-enn der Glöckner läutete, zog nur ein tiefes, schwnwes Tönen ub-?. die Stadt. Ter jaucknzende Klang fehlte. „Wir haben Iveuigcr blocken," sagten die Leute, „wir trauern uni die Verlorenen." 'Aber daß auch die eiiisame Ursula trauerte, das iv'nßtcn sie nicht. Zweite Begegnung. Von Ilse Rc i cke. (Machdruck verboten.) A,ur Raube eines Hochpl ateaus, das ei nett, tueileu Rundblick sreigibt »der die braunen polnischen Felder und «nisten MildimaeN, am Hange eiuos Hügels liegt der Frieohm. Zur Linken, aus der leeren Hochebene, ein niederes weißes Geoftide mit scharf- grün r,n Dache: der einstige ruf iifdje Bahnhof, burrf: den nie mehr ein Ziug seine fröhlich.slalterude Tantpffahne zieht, — deim die Wachsamkert der russischen Geschütze reicht bis hierher. Man hört sie immer nieder Inuiinmeu und knurren durch den nichterfüllten FrüHlmgtlachturttag: dort, an dem naben, bfmien Höhen-tige, wo zerschossen und n-eidetoeiß cm Kirchturm aufragr, Lßort läuft die ru)fische Front. — Zur Reck,reu steigt das Fricdhossge lande! hinab zu weiten Wiesen. Ein. .Fluß, mir schwermütig klangvollem Maw'cm, der anu-uiet wie der Name eines schönen. Slaven mädchens, sksht still' und silbern zwischen durchsichtigem Erlengeäst. Er 'ließt wicküt, er scheint, getränkt von dem Glanze des ersten Sommers, stptlMstcheu und dem Lerchcujubcl in der Luit zu laitschon. Eitre Tuoficl flötet über die Gräberstille . . . Eine niedere Mauer, aus Feldsteinen gefügt, umschließt die Glätte. Und dort, 'jvv der sacht raunend:.Wald als- getreuer Hüter feines Schlumnrers an den Friedhof hcrantrikt, dort ragt ein runder, tuassiver. gedrungener Turm, ans Granitquadern: ein Denkmal, das die Kärnöradeu den. loten Brüdern errichtet. 2buf seiner flachen .Kuppel hockt ein steinerner Dler mit kummervoll gespreizten Fittichen und äugt uttbelreglich fick Land . .. Sorgfältig gepflegt'? Weue führen von den: Denkmal herab Livifcheu die Gräberrecheu. Liebevoll sind die Hügel alle gehalten, liebevoll die viele , Kreuz« aus braunen, ungeschälten Kiefernästen äufgepflanzt. Andächtige Sorgfalt, wie sonst nur dir F rauen- Hand sie aüsteilt, iraltet über allen diesen Hügeln. Muß man erst hierher kommen, um zu wissen, wie 'wir alte die Erde liebe.i und hegen, cütch die russische Erde, die ckus so viele Vernichter gebar? '— „.Hier ruht ein uwbckkanwker russischer Krieger" steht auf einem der Kreuze, „Laudstirrmmanu W. und Mmdsturmmann G." auf dem nächsten, dann ein großes Kreuz: „Hier ruhen fünf tapfere Russen", dan n trieb er deutsche Muren. Tie rn ss: scheu Kreuze tragen den zweiten, schrägen Querbalken, bei den Inden ersetzt der sechszackige Stein die Kreuzes *orm. R'an geht auf und nieder Und liest Namen, liebe deutsche Inn gennamen. Fast fürchtet inan, einem, den man kamite, zn begegnen, find da, als habe es die Seele vor ausgewittert: da stcktst auf dein gelben Holzschilde, in schwarzer Schrift ein Name, der erschreckt, - ein Klang wacht auf, wann wohnte dieser Klang schon einmal in deinen Ohren? — Woher konntest du diesen Nanrein schon? - Stand er nicht einmal — ach längst, längst, vor vielen Menden, - auf einer weißen Tischlftrte? Lag dieser Name da nickst neben dir, zwischen Porzellan, Silbei-, Kristall und Blumen? Und stand ep nicht nachher, mit Bleistift gekritzelt, aus 'einer Taiifickrte, -- für irgendeinen verliebten, sehnsüchtigen Walzer? Ein Name, — ein Klang, — Erinnerung an einen längst verschollenen Abend voller Ätusit- und Blumen, voll blitzender Gcjpräche und verstecklem Lächeln . . . Namftc nicht in der Nacht darauf ein Traum diesen Namen noch einmal? Und nun steht dieser Naute plötzlich toieder vor dir, schlvarz gepinselt ans ein gelbes Schild an eineut Kiefern kreuz, tief in der Einsamkeit russisch-polnischer Weite .... hinten, an dem blauen Höhenzuge, grollen Kaiwnetr... Eine Trossil flötet über die Gräbcrstillo . . . Silbern slcht zwischen dttrchfichtigei» Erlengrast der Fluß in den Wiesen, der Fluß mit dem schrvermütig klangvolleni Namen eines flavisckwn Mädchens .... OermischLes. ^ B v m G r t, n d lv affe r. »lieber das Grundivasser, das innerhalb der sesnetp Erdrinde in einer gewissen Tiefenlage, meist zwis'chssn ? und 6 Metern, Mkgetroffen n?ird, werden in der Natnr- wissenschaftlichen Wochenschrift bemerftnsirerte Mitteilungeu ge- mackt. Zn einer iMschiätznng der Menge dieses unterirdischen! Wassers ist man gelangt, indem man von dcr Beobachtung d?n Trmpwraturverhältnisse ausging. Ta die Temperatur der Erde bei je 33 Meter Tiefe tun einen. Grad Mtiimutt, so müßte bei 3300 Metern Diese das Wasser in Damvfform übergehen. Ter mit der Tiefe zunehmende Druck hemmt sedo.1 dir Tamvsbildung,. Und es ist wahrscheinlich, daß,die Erde bis zn einer Tiefe vom 18o00 Meiern noch wasserhaltig ist. Danach hat man die Menge des tinierirdisch.m Wassers aus 1284 765 000 Kubikmeter, gleich Vhas dcs Rauminhalts der Erdkugel berechnet. Die Verteilung des Grund Wassers ist abhängig von der Lagerung und Beschaffen beit der Erdschichtcn. I?ose, sandige Schicken u lassen das Wasser leicht durch, während Tone. Mergel und Lehme undurchlässig trerden. wenn fic genügend Wasser ansgenomtneu haben. Aber auch die fi'sleslett Gestein? eutüaitei, stoch Wasser. Die .Hanpl.nenge des Grnudtoasskrs entstammt den Niederschlägen: indes,en fit,du auch eu, Waffe raus tun sch zwischen den Flüssen, und dem Griinotvasier statt. In der Nähe der Meerestüsteir iverden die täglichen Sck ran-' mydgen, von Ebbe ,tnd Flut auch, aus dgn. Grifid>N.^sferipiegeck über-« 408 tt-rint. Obwohl fci£ Gr-nndwass-er mit rvm Guis-maffci- des Meeres in tritt, ist es ffifc; brti« ta-* Salz Wasser dringt in Die* lockere Sarkdschicht ei» aiai» äK'Mv&ri stei-gender Mut den auf Unit ruhenden Spiegel des leicheeren süßen Gnmdivassers empor. Die Höhe des Grundwasserspiegels richtet sich siad) den istiederschlägeü anii» de« B-erduns^mg. und z-ear sind die iäbrtickx-n Slusantnugeik ^'o:r dem Maxtor abhängig, der die gröstereu sohreszeittick'-'N Unter' s<Ä^de «siveitz So s-./gt und fällt das Grund wa« er in mit dem Negen. wrÄreu? es in Berliir von der Verdunstung ab' hnugig in. Das Mundwasser wird durch rmSuEü-sigk Schichten in IwriZonialrr Rickung abaelenkt. und es kämmen 0 ftnnd,sas'/a ströme tun, deren Geschn indigkeit zu 2,;'»3 7,8:.' S.'eter pro Tag gemessen wurde. Das Grmrdwasstr kam: auch zur Wasserver^ sorgmtg der Groschädte herangezogen werde«, wenn die Quellen nicht ans reichen^ Gs ist meist vollkommen steril: die Annahrne Pettentoiers. das; der Stand des Gru irdwa ss rs bei Epidemien eine Rolle spiele, indem sich bei sinkendem Grundwasser in den noch scuchlen. aber duEüstete» Erdschick»tea Bazillen mtsammettr, ist heute ansgegeben. « "Ein schwieriger JV«iH St. Bürokratius lebt auch in Frankreich noch in glter Frische. Das beweist folgende Geschickte, die der Cri de Patts erzÄstt: „Wn Maler lUbfluL* eine Elke de-ß Firchhoss uraleu. der 8« der alten Aadtt von Lougchamr» im Bois de Bonlogne gehört. Dazu brauche er eine Grlauhriis Er bcgab sich Zum Bestaltungsdienst, dessen Amtszimmer im Rathaus, sind. ..Da maiffT* Sie sich nicht hierher ,verwert," sagte der Beamte -Deu kNiedhos. von j24e sprechen, kennen wir hier nicht. Dort wird schon sauge niemand mehr beerdigt , c^ie müssen sich an die Dornärrenverivaltung der 3 l .-si>i taeiööw/* Lerchen Inßee- begab sich, der Maler Kn dem be-eich«Äen Ami. ..Oh," sagte lkier wied.-r der Beamte liebenswürdig, „Sie sind hier fehl am Ort. Gönnst gehört der Fwdhoi der S.-adi, aber er liegt in einem Bark, der von dem Amt für Anpflanzungen und Promenaden unterhalte« wird/' 9ck4» ging 'der Maler dorthin. ..Ja. wenn Sie malert Nullen," ln es' es dort. ..können wir nichts tun. Sie müssen sich an die Kunst Abteilung wenden." Mieder schritt der Maler die Treppen hinab und dir anderen zur Kunß rbtttttmg hinaus. ..Wenn d* sich um einen Mrieddai handelt, müsst n Sie dackt bei dem Besrittrmgs dienst lwrspoechen'" sagte man ihm rvohlwollend ..Grosser Gott, da war ich ia »auerM! "ries der Maler und erzählte seine Odyssee. ..Wollest ck einen guten Rat rl' erwiderte der arte Beamte freund' lrch. „ Sch i clst n Sf.e Mr Geseich an den Sein Präsektnr Der wird jedenfalls in einem so schüvüevigen A'all alle Aemter der Reihe nach, befragen, die Sie besuche haben, Und wenn jedes von diesen ein bogrüudeies Gutachten; abg-eliefer! staben wirs, daun Erden Sie loahrscheilUi.ch die gewünschte Erlaubnis bekommen/' . Aid. wissen 2ie/ se,iszte der Maler, „wahr, kcinlicher ist eS. daß, wenn eS. !oweit sein wird, per Präfekt. Sie und ich schon seit langem uuier -em kühlen Rasen ruhen werden." Und io verzichtete er schroereH yerzens darauf, den.Friedhof von Longchamp zu malen . Vtzcheriisch. — Bruns, Trude, 5)ons und Suse i n der Stadt- Ei're Erzölchmg für ^mder von 8 14 Jahren stM 20 Tvndruck- biLern und 29 TerlillnstrattEen nach Originalen von Ross Äintter 240 Seiden wirk; Oktovsormal Gebunden 4M Mark K. T^ew-nnmns Berlag 2r4lttgart. — Mas tdons und Suse 6fi chrem Besuch in der «tobt erleben, ift eine ganze Geschichte. Schm die Bsrbereiviiigeu -zm: Fahr! sind nicht so einfach - bis alle die vielen Kl ein igelten MsammLugettagen, alles bespnoche-ii. überall Abschied genomimm ist bis hie zobmvel, kranke alte Ursel stch mit dem Ereignis al^chindeu du. in, *>a gibt es aUcrlc* Mi erzählen. Und dann die Kastrt selbst und sck^iestlich die Atchnnft in der Ätadt, In!amn^ntreffen mit Tante und mit Betver ^.ymbald, iUid n»a.s sich dann alle» ereignete, wie man gemeinsam den Tiergarten !>esichtigr m,d dann statt, mehr dürfen tuir lttcht wgen, foust »ebmen »vir den Reiz fern -em Buche Einfach .md trenh?rzig erzählt, von Mols WinÄer mit ,m,ndern^len Bildern verseyen, -oird es aligemeinsn AnArng finden. ^ .. ?^tba'nmer. Mcra. Ä« nderfijschen. Ei« Mawmaran-n. Kleu^kn l'entea erzählt. Mit 31 farbigen Originsl- helztchnttken *mi ,rrip Lang 84 Seifa-a üatf; O^ie,-Oktav- wni-^t. EeÄtnden 8 W«7 £. Thienrui^nns Verlag. LÄtttgart — ^res ist e,n Bus', das ein Iroprs .Eüwerher; entzücken nrnst. Es erzavii uns von einem «einen Baldgeip. dem rs in seinem Äurzek- hausch.a bei Maos rind Bitzen zu still und eng wird und der sie goldene Ma1dwie»e suchen will, \w man immer singen, tanzen imb lMicttich lern darf. Ans seiner Wanderung maän er Bekauntscha« mrt dem gütigen Reh. das ihm ^achtberberge bmt, mit der nsttgen Q,Emde. auf dessen Schisfchen er fah-en dark, mit der lug?« n ist Zugli-it. ««r 9 f)Wft, ba- «V hit- .‘iSU J? "•Ä *? "svnri-d.- FtEiE. « blE tm Oirf. zähe Masse zurück, dre man alSSarn: in Gläser, Büchst« ^ 5 ^Iieine Vor»rltantöpst nie Butter ein kneten kann, die Gefaste ^.E^sen kühl auiberoahn v.«nlx« ^ " die kurze Emkochnng nach Art unserer Ma» ! S * ■■ lnerden die Tomate» halbiert, mit etwas Salz ^rur syte,gestellt und dann auf ein Sieb znm Nckans.u qegelu-n Durch em semes Sreb passiert, wird das i«tus *- ttT stetem Rühren, das; ein ^oMl twff, ans «m stnck Rainer gsgeben, nicht mehr auseinander. es m kteme Gläser qeftttlt. mutz anskühle«, nud •& Ü dergameurpapier, «du* es ftir Enuaachzwecke überall kauf. Uch ist. Mt verbunden und kühl au^v-ahrt Weniger stark eingekocht ist es ratsam, ans t Kilo der Frucht- SSl&J ** «r^-lsstes benzocfaures Natron anzuwenden welches man der nock) stechen fertigen Masse gut unternuscht. Vintf"' { n l ffM Za,»b^ geputzte, lleingeschnitteue S2?^ f}S n l^ a,i ^ rc eßbare Pilze iraku in Salzwasser Flitter Zwiebeln, Zirronensaft ™ Bsasier ioerchgeschmort. mtt Salz unb Presser abae- II ? L*l a Etwas Mrhl und gehockter Petersille umgeschweu^t ^ 2 gwbe Pfannekucherr. füllt die Pilze Einern, »chlagt sse zusammen und gilck ste mit Salzkartoffeln M SMrgtiei. J rrsr 1 . Teck des Baumes. !_ 1 • i r. Ntickckinsirnment. 3 . rviud. r !•! 4. Farche. 1*1 1 — * 6 . Nebenfluß der Donau. d >! 6 . Zeitobschntlt. 7. Geiväster. L, M, NNNN, 00, R, 838, .yni, 1-1^1^1116!« gelber obiger Figur derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen Wörter von der beigekügien Vedeutung bilde« und die unllelsie senkrechte Reihe einen weiblichen Vornamen ergibt Auflö^ng deä LrgänzungSratsels in voriger Nummer: Auflösung de« Telpstsschen Spnich? in voriger Nummer: ibttos, Salat. «chnül-ttuag: Fr. N. Jv>z.-äÄ'Uteiön,! „„S Stria* 6 fc BrühNche^ Unw-rst.ät^Buch- .md S,-,„->ruck«^. R. L->ng«. I