Mitlwoch, den \ 2 . SipteraSer ) 1 Jr.rS5sftjT Der rüpelhafte Feind. Roman von Sven Elvestad, (Fortsetzung.) 21. Kapitel. Um Mitternacht. Des Rittmeisters Stimme klang lant und befehlend. Vr stand wieder Gefahren und Schwierigkeiten gegenüber und erinnerte sich an allerlei Lagen, in denen er sich auf seinen Jagdzügen in Indien befunden hatte, wo jeder Augenblick kostbar war, weil der nächste oder der übernächste den Tod bringen konnte. Auch dein Gntsverwalter war es klar, daß es sich um Ernstes handeln mußte, wenn er sich den blinkenden Revolver in seines Herrn Hand und die über den Schreibtisch verstreuten Glassplitter von dem zer- schmetterten Fenster betrachtete. „Jemand hat hier einzndringen versucht," sagte der Rittmeister. „Die Umgebung muß ab gesucht werden. Rufen Sie die Leute." Der Verwalter lies hinaus. Fm .nächsten Augenblick hörte mau ihn mit lauter Stimme die Leute zusammen- rufen. Der Rittmeister zog hastig seine Jagdjoppe an. Als er durch den Flur ging, bemerkte er, daß Asbjöru Krag seine Blendlaterne dagelassen hatte, und nahm sie an sich. Als er auf den Hof Hinauskain, sah er rötliche Lichtpünktcken sich hin und herbewegen. Das waren die Dienstleute, oie mit ihren Laternen kamen. Die Rächt war ungewöhnlich dunkel. Unter den Leuten herrschte großer Schrecken; durch die Mordgeschichten hatte sich ein Gefühl des Unheimlichen cfTfer bemächtigt, und als.sie jetzt den Schuß hörten und die Knude von dem eingeschlageueu Fenster vernahmen, meinten sie nichts anderes, als es sei ein neuer Mord geschehen. Dazu kam, daß des Rittmeisters eigene Leute ihn im Verdacht hatten. Er !var wegen seines verschlossenen Wesens wenig beliebt. In der Finsternis, draußen wurden allerlei Fragen lant: „Wer hat denn geschossen?" „Der Rittmeister." „Auf wen hat er geschossen?" „Das wissen wir nicht. Cr hat durchs Fenster geschossen." Sowohl der Verwalter wie die Leute waren der Meinung, das Fenster sei durch den Schuß zerschmettert worden. Als sich der Rittmeister mit der Hellen Blendlaterne ans der Treppe zeigte, scharten sich die Leute schweigend um ihn. Cr gab Befehl, daß sie sich über die Felder zerstreuen sollten, um möglicherweise den Täter zu finden, und die Leute gehorchten, aber zögernd. Sie gingen immer zwei zusammen, und alle hatten irgendeine Waffe bei sich eine alte Flinte, eine Heugabel, eine ?tzt oder dergleichen. Der Rittmeister selbst mit seinem Verwalter ging zuerst unter das zerschmetterte Fenster. Cr beleuchtete die Erde, uni Fußspuren zu finden, aber er konnte keine entdecken, obgleich die Erde feucht vom Tau war. Das kam ihm sonderbar vor. Er meinte doch ganz deutlich sich entfernend» Fußtritte gehört zu haben. Ex überlegte einen Augenblick, ob nicht das Fensterr durch eine Revolver- oder Gewehrkugel zerschmettert worden sein könne, aber auch diese Aw nähme paßte nicht zu seinen Wahrnehmungen. Er hatte doch auch keinen Schuß gehört. Nun untersuchte er das Fenster selbst genauer. Es war eines von jenen großen Fenstern, die ourch dünne Stäbe in kleine Scheiben geteilt sind. Auch einige dieser Stäbe waren zersplittert. Das Fenster konnte also nicht nur mtt der Hand eingedrückt worden sein; es war mit einer Axt, einer stumpfest Keule oder etwas Aehnlichem eingeschlagen worden. Wer warum waren keine menschlichen Fußspuren zu finden? Der Täter konnte doch nicht durch die Lust davongeflogen sein! EZ war unerklärlich. Der Rittineister gab es auf, weiter darüber nachzw denken; er wollte einmal Krags Rückkehr abwarten, denn er fühlte sich vollständig hilflos in diesem Wirrwarr von Rätseln. Er selbst fürchtete sich vor keiner Gefahr, auch nicht vor^ einer Lebensgefahr, aber er mußte sie sehen, mußte tvisseu, worin sie bestand, womit er sich ihrer erwehren könnte. Dies hier jedoch war vollständig rätselhaft. .Da trieb sich ein Mensch in der Gegend herum, ein gefährlicher und grausamer Mensch, der keine Spur zurückließ und der bereits einen Mord auf dem Gewissen hatte. Ob wohl derselbe Mensch das Fenster eingeschlagen hatte? Suchte er ihn. den Rittmeister, oder suchte er seinen Freund, Asbjöru Krag? Der Rittineister aing in sein Zimmer zurück und wartete die Rückkehr der Leute ab. Bald kehrten alle in den Hof zurück, zögernd und schweigend, wie Leute, die sich fürchten. Sie brachten zugleich auch die Pferde von der Weide mit herein. Draußen hatten sie nichts gesehen; das Feld war vollkommen menschenleer, und im Dorf war alles finster. Die Leute schliefen dort schon längst. Als der Verwalter fiagte, ob er nicht die Glassplitter, die auf Schreibtisch und Fußboden zerstreut lagen, fort- . schassen lassen sollte, lehnte der Rittineister ab. „Lassen Sie alles liegen, wie es liegt, wir wollen erst Herrn Krags Rückkehr abwarten," sagte er. Wie wenn nichts geschehen wäre, nahm der Rittmeister wieder an seinem Schreibtisch Platz und fichr in seiner Arbeit fort. Bon Zett zu Zeit sah er nach der Uhr. Asbjöru Krag kam immer noch nicht, und der Stundenzeiger der Uhr entfernte sich mehr und mehr von der Zahl elf. Es war beinahe Mitternacht geworden. Endlich, ein viertel vor zwölf Uhr, stand der Rittmeister auf und schellte. Der Verwalter erschien. Er war immer noch vollständig angekleidet, als ob er vorausgesehen hätte, es werde sich in dieser Nacht noch mehr ereignen, und wolle darauf vorbereitet sein. 402 „Mnd die Leute zu Bett gegangen?" fragte der Rittmeister. „9Loch nicht," anttuortete der Verwalter und sah seinen Hernr fragend an. „Gut, dann sagen Sie ihnen, daß sie sich bereithalten sollen. Vielleicht habe ich sie um Mitternacht nötig." „Um zwölf Uyr?' fragte der Benvalter schaudernd. „Ja, genau mit zwölf Uhr." Der Berlvalter ging und kaut gleich wieder zurück mit der Nachricht, den Leuten sei Bescheid gesagt und sie hielten sich fertig „Mer was aibt es denn'?" fragte er. „Herr Krag ist aus-aegangeu „Das habe ich gehört." „Er ist allein airsgegaugeu in der Absicht, die Gefahr aufznfuchen." „Welche Gefahr?" Der Rittmeister zuckte die Achseln, als ob er sagen wolle, was weiß ich? „Er meinte, er werde um elf Uhr zurück sein," sagte er. Der Verwalter sah auf die Uhr. ^^Jeht ist cs schon fast eine Stunde darüber," teilte er mit. „Sollte ihm etwas geschehen sein?" „Er hat mich selbst gebeten, bis zwölf Uhr zu warten. Falls er nicht zurück ist, wenn es zwölf geschlagen hat, so gehen wir alle und suchen ihtt, denn dann mutz ihm etwas zu gestoßen sein." Mehr wurde nicht gesprochen. Der Rittmeister ging un- Amg NN Zimmer auf und ab. Hie uttd da schaute er nach der .uhr. Auch der Verwalter wurde sichtlich unruhig. „Wäre es nicht besser, wenn wir sofort . . ." fing er an. „Nein!" erwiderte der Rittmeister. „Wir halten uns genau an seine Anordnungen.". „Jetzt fehlen nur noch zwei Minuten, Herr Rittnteister. Der Rittmeister stellte sich vor die große Schlaguhr und oorchte auf :hr Ticken. Unendlich, langsam glittet: die Sekun den, eine nach der andern, dahin. Endlich schlug es zwölf Uhr. Sw die Leute!" befahl der Rittnteister, indem er nach Mütze und Mantel griff. Eben wollte der Verwalter aus den: Zimmer eilen, da erklangen Schritte auf dem Mur. Beide Männer blieben stehen uttd starrtet: gespannt nach der Tür. „Das ist er!" sagte der Rittmeister. „Ich kenne seinen Mang." • Mit raschem Griff wurde die Dür geöffnet, und Asbjörn Krag trat rns Zimmer. .Er sah sehr bleich aus. 22. Kapitel. Der Geheimnisvolle. Es wurde ganz still im Zimmer, als Asbjörn Krag «ntrat. Er schaute sich forschend um, Und als er den mit Eluent Revolver bewaffneten Verwalter erblickte, lächelte er unwillkürlich. Er deutete auf die Schußwaffe und fragte- „Ist etwas voraefalten?' "or* dies," erwiderte der Ritttneister S K ld £ fe H' 3* n | ter ist eiugeschlageu. Aber was ^affnet^sind"-- ^ M8 m ßk »Wenn du auf die Uhr siehst, so warst du bemerken *L aen sind zerschnett^ „Wenn jentand hereitt tvollte, warum in aller Welt ist er dam: nicht durch die Tür gegangen?" fragte Krag. Der Detektiv sprach ruhig und mit halb ironischem Lächelt:, aber etwas in feinet’ Art deutete au, daß er tticht ganz bei der Sache sei uttd dah seine Gedanken mit andern .Dingen beschäftigt waren. „Ich !uehU:e an, daß er durchs Fenster eindringeu wollte, um dre Aufmerksamkeit tneinör Leute nicht zu wecke:: und den im Zimmer überrumpeln zu können," sagte der Rittmeister. „Wer war im Zimnter?" „Nientand. Ich war nebenan." „Allein?" „Ganz allein." „Und um recht unbemerkt eintreten zu können, machte der Betreffende einen solche:: Lärm, daß das ganze Hatts aufwachen mußte?" Der Ritttneister zuckte die Achseln. „Wir haben nur deine Befehle befolgt," sagte er dann noch einmal. Er wußte nichit, was er sagen sollte. x .. dlsbjörn Krag stand auf, ging auf seinen Freund zu und druckte ihm dre Hand. „Mißversteh mich nicht," sagte er. „Ich hin dir dankbar, Sr 1 au f ^4' verlassen kann. Das wußte ich vorher schon. Aber- :ch denke au ganz artdere Mnge. Diese Sache hat wtrklrch gar zu viele Seiterr. Ich war draußen auf dem Felde, als deute Leute darüber hinzogen." ,Warum hast du dich nicht zu erkennet: gegeben'^ „Lieber Freund, denke doch einmal nach. Da sehe ich em paar Leute mit baumelnden Latert:en übers Feld laufen. welßt doch, daß ich draußen war, um auf das geheim- nrsvolte Weset: zu Passe::, das hier das Dasein ::nsicher macht. Wav sollte :ch denken, als ich diesen sonderbaren Aufzug wahrnahm? Ich legte mich ruhig nieder und ließ den AUML vorbe:brauseu. Einen Augenblick dachte ich, vielleicht stehst du letzt vor der Lösung des Rätsels. Die Leute kamen c? n * nur vorbei, und ich sah, daß sie mit Heugabeln bewaffne^ waren, und aus ihre:: Redet: kont:te ich entt:eh- meu, datz s:e jemand suchten. Ich sah, daß es, die Dienst leute deines Hofes tvaren. Kurze Zeit darauf schlichet: sich "?F. ">' paar vnrbri. Ich meinte fest und ftdjer, du hättest T gehabt zu warten, ,»ü> die Leute seien ausgesch.cki, mich zu suchen. „Was!" dachte ich. „Sollte ^ « ^riäger Jvar Rhe, nicht einmal mehr Io viel Kaltblutigkert haben?" Ich blieb ruhig liegen, bis die » ""°der ,h"mgeganaen waren. Hub bannt wartete ich ?* ne Weile, denn rch wollte dich dadurch straftu, da.st rch erst genau zur angegebenen Zeit zurückkam. Nun sehe ich indessen, daß ich mich geirrt habe. Die Jagd hat einen andern Ziveck gehabt. Kannst du mir vergeben?" Ohne eine Antwort abz,.warten, ging Krag an das zertrümmerte Fenster, um es genauer zu untersuche,, Er berührte die Massplitter unendlich sorgsam, beinahe zart- lich, als ob er bange wate, eures von den kleinen Din^erir l 'rt~ a ® ßTtn 8 e Daun nahm er einige von de losen Fensterrahinchen m dre Hand und betrachtete sie auf- Ein gewaltiger Schlag!" niurinelte er. . ^a, es s:eht aus, als ob das Fenster mit einer Keille erngeschlagen worden wäre." wem« Asbjört: Krag nickte. h '8enb etwas Aehnliches." Plotzl:ch fiel ihm etwas auf. „Kon:me doch einmal mit der Lampe," tmt et $eir ^erlwtaer brachte ihm die Lampe. und ssf baä ^ mtt febm „Natürlich, das hätte ich ja tvissen könnet:!" n., x . -.vorsichtig eit: paar von det: Glassplittern auf rtÄKKKS **"■ **• WS "W°s hast du gefunden?" fragte der Rttttnerlter hier'fiL 'nLrde^ Tomen, daß ich es mit ^ ’ mb tutete 4 , TO 1 tn“e,ft a et fa fuÄ;,', b t en ferr0(en „2)a3 ist Blut," sagte Asbjörn Krag gelassen. (Fortsetzung folgt.) , Die Geige. Won Pa'ul Aexandcr Schettler. (Nachdruck verboten.) ^ alten.Schullehrer hing eine Geige in der Stube, eine Wte, dunkelbraune Geige. Sie hing gowiß schon lange dort an der Wano, lohne daß sie eine Hand berührt, ern Bogen gestrichen hätte; kSS 1 ,lc < ^ ltor einer Grauen Samtschicht von Staub be- bvttt. Und iwn ihre einzige Ijaite, die sve noch beslaß, hatte eine a * t> Fl? me Shrnne ein hübsches, gleichmäßiges Muster von Fäden gewirkt. Il>ai ^ber nnr möglich gewesen, iveil der Schullehrer ein Wtttver tvai und ihm keine Haushälterin zur Hand ging, denn er . war eigen und sonderlich, jnnd es gab noch mehr Ecken, mH Eintel, die die stillen enrsigen Künstlerinnen in Silberfäden des Bergeisens eingespönnen hatten, und über manches Spind, und über manchen Lchrank lvar der Schleier von feinem Staub gebreitet. 5 Wie in Toniröscheiischlaf lvar die ganze Stube des Mten ver- ^"^eu. seitdem er allem für sich hauste Selbst die alte Uhr war Stehen geblieben und schwieg. So lvar eine atemlose Stille Un Zimmer. Niil das manchmal leise eines der alten Möbel Lrackte, Wie es wurmstichiger Hausrat zu tun pflegt. Und nicht leiten tam es vor, daß auch von der alten Geige her ein leiser Seiiszer heruiederrann, wenn ein Luftzug über die eine lebte strich, ^.ann geschah es wohl, daß der Alte verträuimt auch lickte und ixnx Kopf sackst wiegte. Doch — er ließ das Instrument oben am rostigen Naget hängen, der Seufzer der Ber- .gesseuen Blieb uugeW^.'. i Ta geschah es eines Tages, daß ein Knabe von seiner kranken Mutter zum Lehrer geschickt wurde mit dem Ansuchen, er möchte der Lchule ferichlnben, denn sie habe feine Hilfe in ihrer ^cio-t. Ern blonder Kiabe war es, mit großen, klugen Angen, in deneii viel Unerlvecktes lag, und die beredter zu sprechen wußten als die wenig gewandten Lippen. _ Wie er zu dem Alten in die Stube trat, ging ein Lufthauch von der Tur zur Wand und rührte an der alten Geige, «und au^ dem holzeriien Bnseii klang es fein und dünii, wie aus einer zerbrochenen Menschenbruch ehe der. Knabe-einen Ton gesprochen hatte, blieb er er- schreat stehen, chm Blick fiel auf die Leufzerin, iiUd er hauchte in sreudigein Erstaunen: „Eine Geige'" f A'E Ff seist Mge au dem Jnstrnmelck haften, und nur wit Muhe fanden sich seme Gedastken zur Llusrichtung des Auftrages, den ihm seine leidende.Mutter gegeben, wieder zusammen. .. .^be alte Lehrer hatte lächelnd die Zwiesprache verstanden, dre die LlUgen des Jungen mit dem lockenden Wesen gepflogen, hatten, und da er beit Kleinen leiden mochte, sagte er: , Magst du .sie dir einmal in der Nähe ansehen, die Geige?" . , Der Blonde wurde rot, teils aus Scham, teils vor Begierde, das Instrument berühren zu dürfen, uiid ohne daß sein Mund Nli sprechen wagte, baten seine Blicke um die Gunst. Ta erhob sich der alte Lehrer, ging zur Wand und griff niit seinen welken Fmgern nach Geige und .Bogen. Das Äbernek der ^pmne zerriß leicht imd der Staub zerstreute sich. Ter Alte fuhr mit dem Acrmel säubernd über das Holz der Gnge und beklopfte — wie der Arzt die Brust des Kranken — den braunen Holzrörper, wobei er das Ohr lauschend neigte. Hohl klang es ar w aro r, .»'je du »1&, so grob. Lvllte Klnsllcr werden - ach Gott. ' a Künstler!' Echan, nnd mm hangt ,ie verstaubt an der Wand, und ich sitz' hier — da, nur mit einer Saite — eilten Saite. Alle anderen! sind gesvriingcn mit der Zeit - eine nach der anderen So P 'V- Wc "- ,rr l 4Bcr "icklt Vorrat an neuen Sattm hat der steht «mes /tageS,,o da iuuc sie - unbrauchbar, verstaub nifi onenb. Aber eine Saite hat sie bod; noch behalten. Und 1C n. l v 113 ' «wit« es aueh mir eine Saite ist." wollen wir ihr neue Saiten geben? Neue Sacken für umge Finger, nnd lokniu diese jungen Finger sie Meister, i werden, wie einst die alten, baitu soll sie bei ich,,en bleiben — nicht mehr an dieser Wand dort — hin?" Er streckte den mageren Arm, der die Geige hielt dem! Ter tastete zögernd, mit leuchtendem' Ausblick nach den. Instrument. Ter Alte sah das Leuchten n den Augen des^ Kleinen, und er nickte: „Ta, nimm sie nur wid mach' mir Freude und ihr Ehre!" ' k . £F e 0,1 c e * 1! Dankeswort .zu denken, ergriff der Blonde fertÄ H ^Aenden Auges Ä. Inö sah ihm der Lehrer nach. Lächelnd und senfzeiid. Uiid er saß laiige in seinem Stuhl am Ofeii und gab den Ge daukeii freie Bahn. Anderen Tages saß dcr Blonde in dcr Kasse mit einer foim= moi EraebeHM, la Andacht. Nie war er io still getvesen, imd mit Ruhnmg nnd Wohlgefallen blickte ihn oft der' alte mrer au, legte ihm wohl auch mal die Hand auf beit huschigen Kopf. . ^Mittag läutete und die Bänke sich teerten, machte er „Pst! urid lmnPte den Jungeii zu fich. o "• mÄ, s ^ e ^ e J 9C T. Klomm heute nach dem Essen zu nur. Will s versuchen, dich die ersten Griffe zu lehren " ^er Knabe senkte den Kopf iroch tiefer, als er ihri bisl-er irug. Uno es ivar, als/ oih er die bre?inende Röte, die .seine Wangen überflutete, verstecken wollte. ^ach einer Weile stammelte er: „Wir haben haben kein ^Geld, Herr Lehrer.' Ä Ä; mih fü & te des Jungen Harid; ... "Wre? Was? Geld? Ich fordere sein Geld, mein Kiich, mir .tvÄm du Lust mitbringst und Fortschritte machst sollst em Klinscker werden!" sehte er eifrig hinzu. .'Mttette wieder beu Kopf und schluckte. „.Autter , sagte er leise, „Äiutter — braiichbe ölrznei — unb ^sli^sein^Spre^en. ~ ® hl «usbrcchendes Schluchzen Dem Alten war es in diesem Augenblicke, als vernähnie er Ton emer Zerspringenden Sache an seinein Ohr — oder to* 01 ' er ru [emer Brust erklungen? ^„Kind," sagte er und preßte dem Kiaben nrnig die Haiid beiftt ^ ‘ mb lC ^ ! -Ut,d 7- steSt es der Witter beinhalten 8e^n?ai,f eman ^ UTten ^ ^ Lehrer er SXr ? 5e ^tlang und bog üi die tleilie, E-i'^wo er den Laden des Mthändlers wußte. Vor dem kleinen LoüMlfenster, das mtt i;iner Fülle von Plunder beladeil war, blieb er stehen. ^rurwer lerne alte Geige! Nah«: einem Paar Lackstiefeln, neben Taschenuhren und dem Trichter eines Gram- fffe f^nte sl^. An ihrem Halse hing ein Zettel intt M 'ahf 1 * Angebot! Echter Stradevarius! . ^us dem Besitze eines großen Künstlers!" — ^ em Seine rotumränderten Auaen,branicken, er nrußte sich wegwenden. Waren es die vielen Ansricfuiigszeick^i, die ilw schaner^ten, oder dachte er an den stillen, ^br^r Knaben?^Erwikßte es nicht, ^ir eines sah und wußte er Geige war pun Mich gespningen. Althändler hatte es nicht einmal für nötig ^.E ztl beziehen ,Er stülte sie znm Kauf aus, irre >ledes midere stück, wie dro Stiefel, die Daschentchren. den ^'"^Tniackitcr^ Ms wenn sie sich nicht selbst verkauft hätte, '‘"L™ Menschenleben zu retten, die alte, schadhafte, stumm° geuordene, braune Gerge! Ms wenn sie nicht zivei Hoffnimgen Mif dein ?lltar der Lrebe geopfert Mtte' „usÄÜ 'dar sie siche,n feil, der M feilschen Um&tc. Trm isln^wleBte U ^ ^ ""d er durste mit ihr machen, was Der Zuxschuster. Bon Valentin Traudt. (Nachdruck verboten.) Es umß Line heitere Stimmung ini HimnE g-ewesen sein. OB man die öee e des «einen August Stripp zur Lde eutließ- ^'?Äer August nmrde a lgeniach der lustigste Schuster i.n ga neu Kreis Großheml „Ter wird nie so ernst, daß er ruhig jtnS kanik, der nmtz sich tot lachen", sagten die Leute, rvenn die Rede aus ihn lam Mr in lemen eigenen vier Wändem ivar er ^in merkwürdig stiller Mann, obgleich auch da eine lickste Sckwlk sernen Abrnd zuckte und, in jedem Mge/twinkel eck! f Fi* ^ .? ay ]mx leck dem Tage so, an dem fru ^')e BolAvcnkel bei ihm als Eheweib einzog. Aiigust hatte öür mchr öfeiraten wollen, beileibe nicht; denn die Ehe twir luic inan ihm sagte, emc ernste Lack-e, und davon lvar er kein Freund Abci er war auch oft woäxmlang aus den groszeu Bauernhöfen umher und machte für Mann, Frau, Kind und Jngesind die Schuhe aus cui Jahr rm voraus, und da konnte seine Marie nickt die ^umnihecken Horen nnd die Narrenstreiche ,'ehen, die ihm keine Ruhe ließen, bis sie an den Mann gebrackck tvaren. Saß er dagegen in seiner Wert statt, dann ivanderte sein Auge von der Sohle auf der sem Hammer plappernd umherspazierte, zu den bunten Bildern, die er wahllos an die Wand geklebt« hatte hinaus in die Ztveige des Apfelbaums, die an sein Fenstar- klopftni und wieder in sich hinein. Zucpe es spitzbübisch über sein ^sucht daun fragte wMhl seine Marie: „Hast wieder eine Mücke gofangeil? Nicht wahr? Laß sie mal flisgen." ^ ' Aber das tat er nie. Tie Marie lmtte so etwas ,,, s.u. das s.o sicher, fest und klar war, auch so stplz und gebieterisch' datz er fiai.z in Ijch blieb. Wimn die ,a Lch nM «L I fester Hand zusa m mengehalteu hätte, Hann nräre an den meisten Tagen fein Stück Brat- im H-aus genesen. „Wie nwlltest du es durchbeißen ohne mich?" fragte sie ihn jedesmal, wenn er nicht wußte, roloher er das Gkld zu einer Rolle Leder nehmen sollte, und sie dann ihr Sparkästchen öffnete, das sie frauenklug immer aufzumllen verstand. So lvar es andt> heute lvieder. „Wo du nur all das Geld herkriegst?" meinte er vergnügt. „Und du deine Einfälle?" Er strich sich rr-ohlgenrnt ,'koer das Kinn. „Tie Bauern bezahlen doch so selten, Ptarie?" „Leiten grad nicht, aber wenig gern. Halte nur (uumc-t dein Buch genau. — Siehst du rum, n»as du für eine Frau hast?" „Ja, ja Wann du nicht lvärst, hätte ich's heiraten ganz vergessen." „Und untergegangen ivärst du auch." „Mag sein." „Und da liegt dir natürlich kaum etwas dran? lind da sitzest du mir immer da wie ein Lehrbub und draußen bist bii doch so ausgelassen? Und wegen deiner Lustigkeit habe ich dich dom gefreit! Einen Mann kvmrte ich schon längst kriegen." „Ist das am Eirde nicht lustig genug, daß ich bei dir so ordentlich bin, Rtarie? Tu bist mir zu gut, Marie." „Wirtlich?" Und sie gab ihm einen schallenden Kuß. „Vfcim behalte deine lustigen Augen und bezahle dein Leder. Und mache nie wieder einem Mädchen so ein paar Tanzschuhe wie mir." Mit den Tanzschuhen das war die Geschichte. Er setzte sich wieder auf sein Treibein und durchlebte die frohe Zeit von Neuem. Tie Leute auf dem Reithof hatten ifyu wie gewöhnlich mit lanteur Jubel empfangen: de,« mm gab es ein paar lustige Tage. Er hatte seinen Ranzen mit dem schwereir Werkzeug auf die Bank geworfen, die großen Lederrollen begutachtet und mit dem Herrn des Hofes gefrühMckt. Nachher war am Fenster die Schusterei wie alljährlich eingerichtet worden und der Pechdraht nahm mit dem Zeisig über der Tür den Wettkantpf, ans. Trei Wochen durfte er damals Arbeitsgast, auf dem Hof sein, und die Letzten, denen er neue Schuhe anmaß, waren Marie, die Küchen- magd, und Kenner, der jüngste Klemkneclst. Ta war es wieder einmal vergnügt hergegangen, und die ganze Familie war zugegen gewesen. „Also Henner heißt der Herr vom Pferdehuf? Ja, aber wenn man neue Stiefel kriegt, dann zieht nran seinen Sonntags- vock cur. Freilich, natürlich! Marsch! Willst du die Absätze vorn oder hinten hin? Msv vorn? — Hinten? — Mch gut! Glas vder Leder?" Und als der Jungknecht zur Freude aller nüt verlegenen iAngen im neuen Rock weder gekommen war, hatte August gesagt: ^,So, nun gucke mal grade aus. scharf auf den Baum dort, guck durch die hohle Hand, sonst tritt man die Absätze schief. — So isUs recht." Tann chatte er Maß genommen. „So, nun ziehe ich dir noch^ein Haar vom Kops durch die Türe. Tas kommt zwischen die Sohlen, daß die Wasser halten." Und der Junge hatte von: Aausgang her den Kops gegen die Tür halten müssen, unb er hatte von innen so fest gegen, die Stelle mit dem Hammer geschlagen, daß man von draußen ein lautes „Au" vernommen hatte. Run kam die Marie daran. „Willst du auch tanzen drin? Ja, dann muß ich Quicksleder nehmen und die Sohlen __ glätten. ,Urrb du kannst mir mal die Schweinsborste am Schleifstein spitz schleifen, daß es feine Stiche gibt." Am Abend war darm die Magd ivvch einmal gekommen und hatte sich für ihr Geld ein. Paar ausgeschnittene feine Kirmesschuh bestellt, imd sie hatte ihm einen Kuß geven müssen, sonst wären sie nicht geraten. Als dann die Kirmes \mx, war die Marie zu ihm gekommen und hatte gesagt: „Schuster, du hast mir nun die seinen Schuh gedeichselt. nrm wollen wir sie auch mal zusammen probieren, das; sie richtig eingetanzt werden." Und die Magd hatte ihn geschwellt t wre einen Spielball und tvar immer wieder gekommen, Weil sie mii einem andern nicht darin tanzen kon.ne. „Tas liegt nicht am Schuh, das liegt an dir." „Und an dir, Schuster. Tanz mir die Schuhe nur auch richtig „Tu hast die Sohlen nicht pecht poliert, Marie." „Tas kannst du mm. Tanz bis zum Kehraus." Ter Schweinebraten schmeckte damals gut und der .Kirmeswein gar su’j, und als die Musikanten schon längst in ihrer Kammer schnarchten, stand der Jnxschuster noch immer bei der Marie vor dem Reit Hof. „T«i hast mir «da v^rl^te Schulz geniacht, August. Allemal wann die Klarinette singt, zwhen sie nrich nach dir. Ist das richtig Qkttckslkder?" „Jo, ein Herzstück lvar's." t:vsleu wir mal scheu, We es morgen geht. Gute Rächt." Veg war sie. Und da hatte er Qemerft, daß er richtig Herzleder genomme» hatte. Und am fvlgerchen Tag, als sie fast nur init dein Jungkliecht tanzte, erst recht. Ta wäre er am liebsten heim gegangen Am Abend tröstete sie ihn. „Ich Hab deine Schuh ja gar net an, Tavvn koinmt's, August. Und der Jnngknecht hat gesagt, du toärst kern Maim für mich. Tu macht'ft nachher einer andern noch ein Paar bessere Lchiuhe io© barm wäre das Unglück da. Und er hätte gesehen, daß du seine Schrrhe auch ans Herzled.ee geschnitten hätt'st?" Ta tvar er am dritten .Tag nicht auf den Tanz gegangen und hatte sich daheim tu den Garten gehockt, und gegen Mend tvar die Marie zu ihm gekommen. „Ich habe die rechten Schlitze wieder an und die l-aben mich zu dir gezogen, August. Komm nur, der Lausjung hat unrecht." Uub da hatte er ihr sein einsames Häuslein gezeigt und den Ltall, in dem zwei Kühe Platz hatten, urcb ben Fensterplatz,' von dem man in das lachende Tal schauen konnte. Und sie waren zuscnv mengeblieben bis der letzte Geigenton in der Wirts- liiid'e verklang und aus den Tanzschuhen Brautschuhe geworden warm. — Tos irar ihm wieder durch den Kops gegangen. „Laß den Hammer tanzen." „Richtig, Marie!" .r. , . lr ' ar . ^eder auf der Welt mrd sagte, daß er heute Rachmittag eine Rolle Leder holen müsse. „Aber kein Herzleder, Mann! Wir haben genug Herz." Und dann sachten sie und beschickten ihr Tagewerk. Vermachtes. * R u s s i s di« Revolutionsbriefmar. keu. Sehr bald nach> dem plötzlichen Aiusbruche /der russischen Revolution im März dieses Jahres begann sicki ein enrpft.kdli>cher Mangel an Briefe marken, und zivar besonders an Fünf-Kopeken-Marken bemerkbar zu imacben. Der Gruuo Hierfür war der, daß Briefe an Angehörige tes aktiven russischen Heeres, die bis dahin unter gewissen Voraussetzungen portofrei befördert rvurden, ,rurn mät 6 .Kopekerr frütt- gemacht werden miußlen, wivdupch der Verbrauch an dieser Vrief- markenart natürlich, bedeutend gesteigert Wurde. Run kamen bekanntlich in den erst-etn .Tagen der Revolution alle Petersburger Fabriken zum Stillstände, und so setzte auch die Erzeugung der Briefmarken aus. Außer der Fünskopekenmarke herrschte noch.großer Mangel an den Ein- und Dreikopekenmarken: überhaupt aber war der Vdarkenmaugei so dringend, daß die neue Leitung der ruf fischen! Post telegraphisch in Finnland aniragte, ob manpon dort russische Marken, ja im dtotfalle sogar finnische Marken erhalten könne, die dann in Petersburg Kur Be-nutzung zngelassen werden sollten. sDa die dlntivort in beiden Beziehutngm verneinend anssiel. so wandte man sichs Murmehr an die Druckerei, wo die russischen Marken hergestelli wurden, mit üo,i dort Briefmarken zu beziehen. Die Druckerei hatte tvohl Vorrat, aber die Marken waren .lischt serttg — es fehlte die Durchlochung; und da es an Arbeitern damals völlig mangelte, so entschloß -nun sich, die undnrchlochten Briefe marken in Umlauf 'ztu setzen. Der russische Post- und Telegraphenleiter sandte also ein Mundschst-eiben ans, worin er mitteilte, daß die undurchiocksten Marken allgemein zur Verwendung. zuK^ lassen feien. Auch .in den russischen Provsirzstädten trat Marke ilmangel, und zwar besonders wiederum Mangel an Fünfkopeken^ inarken, ein. Eiire Reihe von Postämtern half sich in der Not damit, daß sie Zehnkopebenmarken der iLänge nach halbierte und die Hälften als Fünfkopeken marken zuließ. So hat die russische Revolution für die Briefmarkensammler zwei ueue. Seltenheiten geschaffen : Die halbierte und die undurchlochbe Marke. Bon letzterer Klasse ist das Fünfkopekenstück am häufigsten, am seltensten sind Dreikopeken, vor allein aber Zweikopeken undurch,locht. Es kommt lwch> jetzt vor, daß undarrchlochte Marken zur Freimachung benutzt werden; diese stammen noch immer aus dem Vorrat, der in der ersten Revolutionszeit in Petersburg cmgekaust und in Umlaujf gebracht rvorden ist. YZchertisch. — Hochland, Ädonätsschrift für alle Gebiete des Wisse,cs, der Literattir und Kunst. Herausgegeben von Professor Karl Muth. Jvs. Wsel'sche Buchhandlung, Kempten und München. Vierteljährlich 4,50 Maßt. Delphischer Spruch. Rage zrun Himmel, belehr' dich und dien' auch häufig zur Kleidung. Werden die Zeichen verstellt, liebt man ,nich frisch und pikant. -ü (Auflösung in nächster brumnier.) Auflösung des Zahlenrätsels in voriger Nummer: Soinmerfrische, Vsiris^ Meise, Moses, Esche, Reis, ^erse, Romeo, Isis, Seife, Chef, Homer, Erich. Sommerfrische. «chnftlettung: Fr. 5t. Z«„j. - ZwiNingsrunddruck uitb Verlas der Brühl'Ichen Univerfitäts-Buch- und Stetndruckerci. R. Lange,