Der rätieihaffe Feind. Roman Von Sven Elve st ad. (Fortsetzung.) Wenn nicht der 9)tenf4)i, der ihn zu Blöden geschlagen, das Papier gestohlen Hütte. Wenn der Täter irgendeine Absicht mit seiner Dat verfolgte, so konnte es einzig und allem die sein, sich in den Besitz dieses gefürchteten Papieres Hu setzen. In was für Hände war das Papier gefallen? Vielleicht Ln die Hände eines Feindes, der schlimmer war, als der erste. So überlegte Asbjörn Krag, währerrd er an der Seite des Rittmeisters über das Feld hinschritt. Beide schwiegen, ^^^ittmeister rnerkte, daß Krag von seinen Gedanken er stillt war, und wollte ihn nicht stören. Ettdlich ivaren sie am Hause des Kaufmanns an gelangt. >Dre r^erche war schon hineingeschafst worden. Bor dem Hause stand eine Menge Menschen, meist Bauern aus der Umgegend. Es wurden fast nur leise Worte gewechselt. Und die tneleu bleichen Gesichter, das Geflüster und die versteckten Andeutungen machten zusammen einen unheimlichen Eindruck. Der Detektiv sagte zu Rittmeister Rye.- „Du kannst hier nichts nützen. Ich habe das Gefühl, daß du hrer wrr ein Stein des Anstoßes wärest. Geh lieber nach Hause Und warte dort auf mich. Ich konrme bald/" . . ,/Wie du willst," sagte der Rittmeister. „Weirn dunreinst^ daß ick dir doch nichts nützen könne." „Vorläufig nicht das geringste." Der Rittmeister zog den Hut und schlug den andern Weg ein. Sern Fortgehen war von denr YNenschenfchwarm Lenrerkt worden. Alle UnterhalUrng stockte für den Augon- blrck. ^ Asbjörn Krag drängte sich ins Haus. Verschiedene der Neugierigen drängten ihm nach, aber Krag wies sie zurück und schloß die Tür hinter sich ab. Drinnen wimmelten Treppe nnb Gange von Menschen, und darunter waren auch die Journalisten. Sofort flogen sre auf Krag zu. * , y ^ach kann Ihnen nichts anderes sagen, meine Herren, üls daß hier ettvas völlig Unerwartetes geschehen ist" sagte er. „Durch diese neuen Ereignisse ist die Sacke noch rätselhafter geworden als vorher." „Mer Sie halteil dies doch arrch für einen Mord?" „Der Mann ist totgeschlagen ivorden, so viel ist klar" „Und dieser Mord steht in Berbindimg mit dem Mordversuch an Oberst Holger?" „Jweifellos. Beide Ereignisse gleichen einander aufs Haar." - 1 ; ^Meinen Sie, ein geheimnisvoller und gefährlicher Mensch streife hier in der Gegend umher und mache sie un- sicher?" „Ehe ich den Erschlagenen bvoberr n?och einmal in Augen- Mkm genommen habe, meijive ich gar nichts. Ich hoffe, di« Herren werden uns die nötige Zeit zur Untersuchung gönnen." Und die Herren eilten zur Telegraphenstation ruÄ! schickten neue, Aufsehen ervegerwe Delegrarnm« in die Hanpt> stadt, während Asbjörn Krag in das Zimmer eilte, wo der Tote lag. Dort fand er den alten Amtsvorsteher, dessen Gehilfen und den stellvertretenden Amtsrichter. Der letztere war bleich und beinahe fassungslos. „Gut, daß Sie endlich kommen!" rief er. „Diese Sache wächst mir über den Kopf und bringt mich noch ins Grab. Er deutete auf den Tot^n und fragte, indem er Krag bedeutungsvoll zublinzelte: „War er es nicht, von dem wir —" „Doch, er war es, von dem wir glaubten —" erwidert« Krag. „Allein jetzt ist er selbst von der gleichen Hand gefallen, me auch den schweren Schlag gegen Oberst Holger geführt hat." Der Detektiv deckte das Gesicht des Toten auf. 9iun bemerkte er, was er draußen nicht wahrgenommen hatte, datz das Gefleht des Advokaten noch im Tode das Gepräge der ausgestandenen fürchterlichen Todesangst trug. Wenn er daran dachte, wie der Mann gleich einem Die» übers Feld gejagt worden sein mußte bis an den Waldrand, chvenn er sich an den herzzerreißenden Todesschrei crimrerte, den er gehört hatte, und wenn er diese Züge betrachtete, die Schreck und Entsetzen verrieten, so schauderte er beim Gedanken, wer wohl dieser geheimnisvolle Feind sein könne. Krag untersuchte die Verletzung eingehend, und es war chm sofort anzuschen, daß sie sein größtes Interesse weckte. Ern Zug des Erstaunens huschte dabei über des Detektiv- Gesicht. Dann deckte er das Gesicht des Toten wieder zu un» knöpfte ihm den Regenmantel und den Rock auf. Des Mannegoldene Uhr mit der goldenen Kette waren an ihrem Platz, ebenso die Brieftasche. Krag machte die Brieftasche auf, und die audevnl schauten ihm neugierig über die Schulter. Es waren mehrere hundert Kronen in Papiergeld vorharrden. Krag legte die Scheine auf den Tisch und sagte, zum Gehilfen des Amt-- Vorstehers gewendete „Schreiben Sie auf, wieviel es ist." Weiter fand er eine Menge Geschäftspapiere. Auch drese legte er auf den Tisch, damit sie notiert incrden konnten, aber er las sie vorher sorgfältig durch. Endlich fand er in einem geheimen kleinen Fach, er suchte. Es war ein blauer Umschlag mit einigen alten Br isen darin. Eine Ahnung sagte ihm gleich, daß hier der Schlüssel gu dem Geheimnis liege. Der erste Brief, den er las, trug das Datum Ehristiania, den 20. März 1890. Er las die erste Seite, sah dann nach der Unterschrift, und mit einem Male stand es klar vor ihm, waS das für ein entsetzlicher Brief war. mischte Krag die Briefe und vermiedenen anderen Schriftstücke so untereinander, daß er, ohne es merken zu 394 lassen, die Briese im blauen Umschlag in seine gasche gleiten lassen konnte. Die anderen waren so eifrig damit beschäftigt, die gefundenen Sachen aufzuschreiben, daß sein Tun ihrer Aufmerksamkeit vollständig entging. Krag wußte, daß er hier eine Ungesetzlichkeit beging, die er selbst unter gewöhnlichen Umständen für höchst unzulässig gehalten hätte. Aber er hatte den Brief gesehen, und nichts auf der Welt hätte ihn nb- gehalten, dieses Schriftstück an sich, zu nehmen. Inzwischen ivar es drei Uhr geworden, und der stellvertretende Anitsrichter war mit der geschäftsmäßigen Erledigung feiner Pflichten fertig. Asbjörn Krag verließ das Zimmer und versprach, bald wiederznkommen oder wenigstens von sich hören zu lassen. Draußen standen immer noch die Menschen herum. Nun hatten sie beinahe den ganzen Tag ihre Arbeit versäumt, so sehr hatte dieses Begebnis sie alle ergriffen und gefesselt. Asbjörn Krag ging rasch an ihnen vorbei, und alle betrachteten ihn aufmerksam. Da hörte er eine Bemerkung: „Sieht der gräßlich aus!" sollte er wirklich so angegriffen aussehen? Vermochte er nicht mehr, seine innere Bewegung zu verbergen, er, der doch sonst ein wahrhaft steinernes Gesicht gehabt hatte? Er machte sich auf den Weg zum Lause seines Freundes. Als er hinkam, saß sein Freund da und schrieb: „Was schreibst du?" fragte Krag. Der Rittmeister zeigte ihm, mit was er beschäftigt ivar. Es war ein großer Stoß Papiere, die den gemeinsamen Titel trugen: Reiseeriunerungen. Erstaunt sah der Detektiv seinen Freund an. „Bringst du es wirtlich fertig, dich jetzt damit zu beschäftigen?" fragte er. Der Rittmeister lächelte wehmütig. „Was soll ich anderes Lun?" fragte er. „Mein Hirn erträgt nicht mehr, an all die andern entsetzlichen Dinge zu denken. Ich muß einige Stunden Ruhe haben, muß mich mit irgend etwas beschäftigen. Mir graut vor der Nacht!" Asbjörn Krag nickte. Er kannte diesen Zustand. „Wie ist es übrigens mit dir?" fragte der Rittmeister. „Du siehst auch nicht besonders vergnügt aus." „Ich brauche dreierlei," antwortete Asbjörn Krag. „Sprich nur, was willst du haben?" „Ich brauche ein Zimmer für mich allein, eine Hand- voll Zigaretten und eine Tasse recht starken Kaffees." „Du hast eine Ruhestunde nötig. Das kann ich gut begreifen." „Ich werde nicht ruhen," erwiderte der Detektiv. „Ich will Nachdenken." Plötzlich schlug seine Stimmung um, er ging auf den Rittmeister zu, klopfte ihm aus die Schulter und sagte laut und deutlich: „Lieber Freund, alles ist gerettet, ich habe die Papiere !" Der Rittmeister erhob sich langsam. „Ich verstehe nicht. . . welche Papiere?" „Die Briefe, die Briefe in dem blauen Umschlag!" „Briefe? Ich verstehe immer noch nicht." Des Detektivs Gesicht sah gekränkt und ärgerlich- zugleich aus. „Gut," sagte er. „So reden wir nicht mehr davon. Ber- jchasf mir den Kaffee, die Zigaretten und das Zimmer." Der Rittmeister klingelte. 19. Kapitel. Das geheimnisvolle W esen. Einige Minuten später hatte es sich der Detektiv in einem von des Rittmeisters kleinen Zimmern beguem gemacht. Krag hatte zwar seit dem frühen Morgen nichts mehr gegessen, aber er empfand kein Bedürfnis nach Nahrung und ließ sich auch nichts geben. Des Rittmeisters Diener kam lautlos auf Filzschuhen herein und bediente ihn mit Kaffee. Wenn Asbjörn Krag erst einmal anfing, Kaffee zu trinken, um einen klaren Kopf zum Denken zu bekommeii, inußte er eine Tasse Kaffee nach der andern haben. Um nicht durch das Auf- und Zumachen der Türe gestört zu werden, hatte er dem Diener die Erlaubnis gegeben, im Zimmer zu bleiben; dieser ging nunmehr lautlos zwischen Krag und dein kupfernen Kessel hin und her, M dem der Kaffee warnigehalten wurde. Asbjörn Kwag lag auf einem Diwan, und neben sich hq>tte er eine Tasse dampfenden Kaffees und eine Schale mit Zrgaretten. Km Zimmer herrschte Halbdunkel. Nun sing sx ah, gewaltige Muchwotken von sich Au blasen. ^ Er mußte sich selbst gestehen, daß dies der sonderbarste Fall war, mit den» er jemals zu tun gehabt hatte,. unÄ zugleich ivar es einer von den. unheimlichsten. Vorläufig hatte er ein Menschenleben gekostet und ein zweites schwer geschädigt, nnb Krag ivar nicht sicher, ob es dabei bleibett würde. Es schien ihm, als ob noch immer Unheimliches' tu der Luft liege. N u n h a tt e e r d i e B r i e fe s o r g f ä l t i g g e le j c ih In dem blauen. Umschlag hatte er zwei Briefe gesundem die beide im März 1890 mit wenigen Tagen Zwischenraum geschrieben ivaren. Oberst Holaer hatte sie an einen andern! Offizier gerichtet, und sie hanoelteir beide von des Obersten! Tochter Dagny. Sie entschleierten ein entsetzliches Geheimnis. Wie diese Briefe in den Besitz des Advokaten gekommen sein konnten, ahnte Krag nicht, aber wahrscheinlich! hatte er sie auf irgendeine ungesetzliche Art und Weise in die Finger bekommen. Asbjörn Krag war es sehr begreiflich^ daß das Auftauchen dieser Briefe Dagnys Verlobung mit dem Rittmeister über den Haufen werfen konnte. Nun verstand er des jungen Mädchens Handlungsweise, ihre Geheimniskrämerei, ihr Entsetzen, und jetzt tat es ihm leid, daß er ihr gegenüber vielleicht zu aufdringlich, ztt sehr Polizeimann gewesen war. Sie kämpfte nicht allein süv sich, sie kämpfte auch für ihres Vaters Ehre. — Nun begriff er auch, wie sie zu dem verzweifelten Schritt gekiommett war, die Briefe stehlen zu wollen, als sie entdeckte, daß der Advokat nicht zu Hause ivar. Mer sie fand sie nicht, denn der Advokat trug sie in seiner Brieftasche bei sich:. Nun verstand Krag auch, warum sie die Sache vor ih-nk- dem Detektiv, geheimhalten inußte, der doch gekommett ivar, um ihr zu helfen. Den wahreil Zusammenhang konnte sie keinem lebenden Menschen offenbaren. Nicht einmal! ihrem Verlobteri hatte sie das Geheimnis mitteilen wollen. Er wußte nichts von der Existenz dieser Briese, das hatte! Krag aus dein verwuuderteir Ausruf entnehmen können, beit der Rittmeister ausgestoßen hatte, als Krag sagte: Ich habe! die Briefe in dem blauen Umschlag! Er wußte nichts davon. Asbjörn Krag war nun nicht mehr int Zweifel über den Grund, aus dem die Verlobung aufgehoben worden war. Dabei hatte der Advokat die Hände im Spiel gehabt, daZ war deutlich zn merken, da er die Briefe an den Obersten ge»! schrieben hatte, an dem Tage, an dem dieser überfallen worden war. Wer konnte Oberst Holger überfallen haben? Advokat' Bomann konnte es nicht geweseil sein, das widersprach aller Wahrscheinlichkeit; der Rittmeister war es auch nicht gewesen. Roch weniger war begreiflich, wer Bomanns Mörder sein könnte. Der Advokat war allerdings ein Schuft, ein gewissenloser Kerl gewesen, aber wer sollte den tödlichen Streich gegen ihn geführt haben? Und in welcher Verbindung standen die beiden Uebersälle, Dagnys Verlobung und die Briefe in dem blauen Umschlag? Das waren die Fragen, über die Krag Nachdenken wollte. Mehrere Stunden blieb er liegen, und als er sich endlich erhob, war das Zimmer mit wahren Wolken von Tabaksrauch erfüllt, und er selbst war blaß und erregt. Als Krag zu dem Rittmeister ins Zimmer trat, sag dieser immer noch da und schrieb an seinen Reiscerinneruip» gen. Geistesabwesend nickte er Krag zu. (Fortsetzung folgt.) „Mein Zunge!" Zeppelin-Skizze vor: Geor g Müller- H e i m. (Nachdruck verboten.) Sie wußte ihn heute nacht über England. Er hatte ihr'H nicht gesagt, wie noch niemals, wenn er ansgezogen war zu großer Tat. Mer dennoch war's' ihr Gewißheit,, daß sie in dieser 'Nacht aufgesliegen waren zum Flug an die Themse. O, sie hatte trotzt ihrer fast siebzig Jahre ihre Hellen Sinne bewahrt, wußte gar wohl, daß bei den letzten vier Flügen, an denen ihr Einziger, ihr Edgar, beteiligt war, Windstille geherrscht hatte und Neumond gewesen war, gerade wie heute. Und daß er gestern nicht noch ein-, mal ans einen Sprung von seinem Lnftschiffhasen drüben her-, nberge'kommen war zu ihr, das deutete sie, roie sie ihn kannte- nicht etwa als ein Zeichen dafür, daß fein Flug beabsichtigt sei, sondern für’ß Gegenteil. Er wollte sie nicht beunruhigen, wollte ihr nicht wieder eine so schwere Mschiedsstnnde bereiten nrie das letzte Mal. Ter gute, dumme Junge! Ahnte nicht, daß sie ihn durchschaute, daß sie, die sich in ihrem Leben wahrlich wenig ums! Wetter gekümmert hatte, nun Abend für Abend nach dem Himmel! ttuKschaute und noch dem Wind und — dem Mond guckte. Ja^ 395 sie war wieder Vdondgücker geworden, loie.vor fünfzig Jahren, alä sie ihren Verlobten drunten Wußte in Böhmen, im heißen Schlachtenkamps. Ta hatte sie dem Monde Grüße aufgetragen:. „Du siehst ihn, ich sehe ihn nicht. Schütze ihn!" Nun hatte sie der geliebte Mann schon seit einem Jahrzehnt allein gelassen; aber ein Sohn War sein Vermächtnis, ein über alles geliebter Sohn ! Freilich, sein kühner Mut sührte ihn weit und auf lange Zeit oft hinweg, als Offizier auf deutschen! Panzer an fernste Kirsten. Mer sie blieb mit chm verbunden, eng, als Wäre er bei ihr. Iw wieviel hundert Stunden hatte sie Zwiesprache mit ihnr gehalten in stiller Nacht; ihre Lippen hatten Kosewiorte geflüstert: „Mein Edgar, mein lieber Einziger!" Und chre Lände hatten sich unwillkürlich bewegt, als strichen, sie über sein Haar. Und seine Stimme hatte sie ganz deutlich, zu hören gemeint: „Muttes, gute, gute Muttes!" Und doch lagen damals Tausende hon Meilen zwischen ihm und ihr. Tann aber war eine schöne Zeit gekommen, wo er erst, in.Wilhelmshaven in der Marine-Inspektion tätig war und sich dann zum Luftschiff-Offizier ausbilden ließ. Ta hätte sie ihn vst bei sich gehabt, oder aber aus den Lüsten — wie häufig kreuzte der viel geflickte Hebungs-Zeppelin über ihren: Haus! — erreichte sie sein Gruß. Er war glücklich in seinem Beruf. Und als das Mutterherz, bebte bei der Nachricht vom Unglück eines Luftschiffes, da hatte er getröstet: „Muttel, willst du einen Ofenhocker oder einen deut-, scheu Offizier zuin Sohn? . . . Na also! Tu weißt ja gar nicht, wie herrlich das da oben fft und, glaub' mir, ohne das bißchen Gefahr, na, da w«'s eben nicht so schön!" Ta hatte sie, sich ihrer Tränen fast geschänst. . . . Wie die Sltundon schlichen! Ter Schlaf floh ihre Augen. Es lvar doch nicht das erste Mal, daß er drüben war.. iAber heute bangte sie so sehr. Tie drüben hatten sich gerüstet, hatten vor einigen Wochen ein Luftschiffs getroffen, das in. Flammen; Und Manch niedergestürz!t! war . . . O Gott! Jetzt lvar vor ihren Mgen ein Bild erschienen? Ihr Junge beugte sich ans! der Gondel, um das Brandgeschoß zu.' verfolgen, das dicht an seinem Zeppelin vorübergezischt lvar. Jäh hatte sie sich aufgerichtet . . . Tie Glühbirne flammte aus. Wieviel Uhr? — Mitternacht vorbei. Ta konnten sie über England sein. Es litt sie nicht mehr im Bett. Sie kleidete sich Halb an Und holte sich drüben von: Micherbrett den Tröster, der ihr schon so ost in bangen Stunden Stecken und Stab geworden war: die Bibel im Goldschnitt, die ihr der Herr Pfarrer am Tage der: Silbernen Hochzeit eingehändigt hatte. Tie war ihr lieber als Monschenwort. Hätte ihr die treugcdiento Kathrine, die zwei Zimmer weiter den Schlaf des Gerechten schlief, so Stärkendes zu sagen gewußt, wie das Buch vor ihr? Tie Palmen wollte sic aufschlagen und griff doch die Klagelieder. Auch recht! Ihr Herz war verzagt und erfüllt von einer großen Klage: Herrgot. warum dies Leid über die Welt, den furchtbaren Schmerz des Krieges über die Völker! Warum dieses! gräßliche Vernichten und .Blutvergießen ans der vom Schöpfer so Wunderbar geschaffenen Erde! Warum dieser wütende, haß-, erfüllte Ansturm immer neuer Feinde Näder das Land, das Nur den Frieden wünschte, das reinem..Volk des Erdballs be-. wußt Leid angetan.hatte! Feinde ringsum, die uns vernichten -vollen, Unsere Heere schlagen, unser Volk aushungern, unser Land verwüsten wollen. Ta fiel ihr Blick auf das Wort Feinde. „All« deine Feinde sperren ihr Maul auf wider dich, fauchen dich an, blecken die Zähne, und sprechen: He! Wir wollen dich ver-, tilgen! Das ist der.Tag, dessen wir haben begehrt. Wir haben's erlangt. Wir werden's erleben!" „Nein, laß sie es nicht erleben!" Nun betete sie, schüttete ihr Herz vor dem aus, der Himmel und Erde gemacht hat, der dem Krieg seinen Lauf gelassen hat, der aber auch seinen Frieden geben kapn. Sie sprach sich alles von der Seele herunter, was sie be-> drückt« seit langem. Wie es in ihrem Empfinden so schrecklich sei, Wernt sie ihren Jungen hinausziehen lassen müßte als Dodbnnger Und Vernichter, und daß seine Wurfgeschosse neben den schlinunen Menschen, die den Haß gesät haben, vielleicht auch schadlose! Kinder und Mütter treffen könnten. Tavor bewahre ihn, Herrgott, flehte sie, aber beschirme ihn auch tzu dieser Stunde, da er, «ein! furchtloser Rächer deutscher Ehre, von allen Gefahren des Feindes Umbraudet ist. Laß ihn nicht dem entsetzlichen. Flammentod ver-. fallen: laß ihn nicht in fremde Erde sinken, unkenntlich, namenlos, von keiner liebenden Hand umtreut. Ich will das Liebste, was ich habe, nicht in jenem Lande wissen, das diese Blutschuld' ohnegleichen ans sich geladen hat .... Zu einem brünstigen Seelenschrei 4111 t Gottes Schutz für den geliebten Sohn wurde zuletzt das Gebet dieser Mutter. Mlf die Bibel saut ihr Haupt, w!o geschrieben stand: „Stehe des Nachts Wut Und schreie! Scbütte dein Herz- ans in der ersten Wache vor dein Herrn ..." * -Aber selbstverständlich, mein lieber Kapitän - Leutnant!" sagte beim Morgengrauen der Kommandeur des Lustschisfhafens, als die aus England heimgekehrten Zeppeline eben glückli^ gc- ika-wdet wären. ^.Wenn Sie nach dieser sainosen Tat niclst lieber den nötigen Sckstas Lirn Wollen, so fahren Sie getrgst zu Ihrer verehrten Frag Mutter. LH'ein «Auto stellt Ihnen zur .Verfügung. Und beste Empfehlungen!" Und ein dreitägiger Urlaub War bewilligt ! * Eine Stunde später brauste ein feldgrauer Kraftwagen in das verschlafene Städtchen, das noch nicht znm Sonittagmorgen erwacht war. An der Promenade ließ, der in einen Lederanzug gehüllte Marine-Offizier halten. Tie paar hundert Schritte bis zum Eltern--. Haus legte er zu Fuß zurück. Tie liebe alte Frau da oben sollte nicht Erschrecken. Ganz 'behutsam wollte er die Wohnung betreten. Tan Schlüssel trug er ja immer bei sich. Nun bog er um die Ecke. Tie Vorhänge zu Mutters Schlafzimmer natürlich noch znge^ogen, aber ein lichter Schein ha-^ hinter-was war das? Sein Herz tat einen schnellen Schlag. Im Zintmcr der Mutter Licht? Jetzt, wo es eben sechs geschlagen hatte. Er eilte ans Tor, schloß ans, horchte. . . Altes still. Er schlich sich in die Küche . . . Leer! Kathrine genoß den Sonntag. Aber warum das Licht?! Mit leisen Schritten tappte er an Mutters Tür, legte das Ohr daran. Nichts! Ganz vorsichtig drückte er ans die Klinke. Ein Spalt öffnete sich . . ; Ta brannte die Birne und ihr ruhiger Glanz ffel aus den weißen Scheitel der Frau, die er über alles liebte aus dieser Welt, zu der so manches Mal seine Gedanken flohen und in dieser^ kampfdurchtobten Nacht hcimgeeilt wären. Fast lautlos durchmaß er das Zimmer bis zum Tisch, auf den der Mutter Kopf gesunken war. Ein starkes Buch lag dar-, Unter . . . . die Bibel! Ta stieg es ihm brennend in die Augen. Liebkosend strich seine Hand über den Scheitel und eine Stimme so voll Zärtlichkeit, wie nian sie.den: großen Manne nie.zugeä traut hätte, flüsterte durchs' stille Gemach: „Muttel? — M utteli w Nun hob sich langsam der Kopf. Noch schlaftrunken schauten die übernächtigen Augen einpor. Tann leuchtete es wie in einem Blitz! des Erkennens auf. Zwei welke Hände tasteten sich an den Schultern des vornü bergebeugten Mannes einpor und schlossen sich, wie znm! Gebet, in seinem Nacken. Und dann löste sich.die übermächtige Aust regUngj dieser angsterfüllten Nacht in dem erschütternden RuseL ^.Mein Junge! — Mein Junge!" Der englische Parvenü. Eine Betrachtung aus der Sclftacht in Flandern. * Von Oberleutnant Fla ch. (Nachdruck verboten.) Ter Parvenü ist ein Emporkömmling, der die äußeren Be-, dtngungen erfüllt hat, „ein feiner Kerl" zu sein. Sein Rückhalt. Betriebs- und Allheilmittel ist das Geld. Mit ihm kauft er sich eine Bibliothek und damit die Bildung, die er nicht hat, Oelgemäldä und damit das Kunstverständnis, das! ihm fehlt, Schlösser stndi damit eine Umwelt, in der er sich nicht tzu bewegen versteht..' Er glaubt, mit Geld Liebe taufen und Tränen trocknen zu können. Ter Parvenü hat im raschen äußeren Erfolge die Stufen den inneren Entwicklung übersprungen, i>te den Weg des innerlich vornehmen und erzogenen Menschen kennzeichnen. Ter Parvenü! bleibt hei allem äußeren Glanze innerlich roh und unfertig. England ist, militärisch bettachtet, ein Parvenü. Das zeigt! schon^ sein Standpunkt, den Krieg als Geschäft anfzusassen, das um Sachwerte mit Menschenleben feilscht. Mer auch seine Methode ist die eines Parvenüs. Um Gold kauft es Bundesgenossen und Material, uni Sold treibt es seine Hilfsvölker vor sich ins Feuer. Ter Parvenü wirkt mit der Masse; und so bevölkert, der Engländer das Schlachtfeld mit Hunderten von Batterien, die Luft mit Tausenden von Fliegern, die Sturmgräben mit Hiurdert-, tausenden von Angreifern und glaubt sich mit dieser bequemen^ wenn auch kostspieligen Kumulativ Maßnahme vom .Lehrgeld lang-, jähriger Einzeljchulung lostäufeu zu kömten. Ter Parvenü wird inimer dann ins Hintertreffen kommen, wenn er auf einem Gebiete in Wettbewerb tritt, das ihnr innerlich fteuid geblieben ist, sei es nun, daß er sich in guter Gesellschiftj auf dem Parkett .lächerlich macht oder auf dein Schlachtfelde gegenüber erworbener Feldherrnkunst in Hilflosigkeit verfällt. Ter letzte große Clugrifs in Flandern bewies mit schlagender Schärfe, daß das Gesetz vom sinkenden Ertrage auch für die Kriegskunst gilt. Von einem gewissen Moment an nützt es dem Bauer nichts, wenn er seinen Acker weiter .pttt Tung belegt. Ter Ertrag steigt nicht mehr im gleichen Maße mit dem Aufwand. Tie in den Wochen vor dem 31. Juli verschwendete Munition übertraf die im März und April vor Arras von den Eng-, ländern verschossene um ein Vielfaches. Ter taktische Erfolg lvär nicht annähernd so groß wie dort. Es wäre falsch, hieraus zu folgern, daß die .Verwendung von Massen aussichtslos iväre. Kein Feldherr ward je zuviel Heere Und zuviel Munition haben. Aber Menschen lassen sich durch Material und Maschinen nur bedingt ersetzen, und Minderheiten durch zahlenmäßig überlegen« Kräfte nur dann erdrücken, wenn gewisse Voraussetzungen Vorhänden sind, die durch keine militärische Schnellpresse und keine finanzielle Spekulation geschaffen werden können. Tem englischen Parvenütum der brutalen Masse steht die: atte militärische Tradition im deutschen Heere gvaenüber. Ti«; geistige und sittliche Schulung, die jeder oeutsck>e Mann — sehr im .Gegensatz Mn Mglischm — seit fernem sechstckr Lebensjahres Mireßt, die Waffe »müßige Erziehung zu Gehorsam, Pflicht und Willen in der aktiven Tiensstizeit, der durch Geschlechter s>rgsam gepflegte, nrilitärische Geist in Unserem OfstzierMchs, die nnuver- itreffstche Lhusbildmrg unseres Genervlstabs, das sind Punkte im Spiel, die sich nicht so schnell einholen lassen wie die zahlenmäßige Gleichheit in Material und Mannschaft. Und diesen Vorsprung unsererseits wird der Engländer zum mindesten nicht in diesem Kriege einholen. Was unserem deutschen Soldaten im Mute liegt, kann'dem englischen durch keine noch so kostspielige Operalwnj nachträglich eingeimpft werdan Zur Beruhigung unserer Heimat sei es gesagt: Die hochwertige selbständige Führertüchtigkeit rrnscrer Unterführer hat sckwn vor dem Angnff dom 31. Juli die Wirkung des englischen Twmmel- füucrs zum großen Teile ausgeschaltet, die Gewandtheit, Willenskraft und Heldenhaftigkeit unserer Graben- und Batteriebesatzmrgan haben durch die Qualität ihrer Leistungen die Massenwirkung! des feindlichen Ansturms in Teilkräfte zerschlagen und einzeln abgetan. Mit Erstatmen berichteten Gefangene, daß unter dm englischen Verlusten durch Infanterieschuß fast ztvei Drittel aller Fälle Kopfschüsse gewesen seien, mit Entsetzen erzählen sie, daß sie trotz ihrer zahlenmäßigen Ueberlegen heit u*?it mehr Verluste hatten als wir, mit Bedauern gestehen sie, daß ihre Führmlg im Vergleich zur deutschen schon vomBataillonsDinmandntr arrf- warts uicht lnnreiche. Keine tOssensive, leine Schlecht gleicht in ihrem Charakwc der ander-eu, jede har für den Kundigen ihr besonderes Gesicht, so gleichlautend^auch ihre Schilderung in den Tagesblättern ist. Das, tvias die Schlacht in Flandern ureigens auszeichnet, ist die Mverjichlliche Ruhe, die von der Oberleitung ausgehend bis irr die «Äußersten Postenstünde der GraLenbewkun'g strömt Diese Ruhe ist nur denWar bei dem unbedingt sicheren Gefühl der Ueber- lvgenheit von Führuug rund Waffen. Mögen die Engländer im Verlaufe des Kampfes lveiterei Massen in die Wagschale werfen, die Erfahrung des letzten Versuchs hat ihre Bemühungen zur Arrssichisl-osigkeit verdammt. Ter errglr'sche Parvenü wird verdeutschen militärischen Tradition unterlegen bleiben. _ Vermischtes. * Ein englisches K r i e g s m u j t it m. In London ist die Errichtung eines nationalen Kriegsmuseums den Plänen Sir Alfred Monds beschlossen lvorden. Das Museum soll die An- sttengungen des britischen Weltreiches Nr dhe Motte und das Doer darstellen und besouders auch^ die Leistungen der Kolonien veranschaulichen. Auch die Heinrarbeit für den Krieg, in erster Linie die Munitionsherstellung, soll in dem Museum dargestellt tverden. Eine veichgeschmückte Ehrenhalle mit einer anschließenden Galerie soll in Wandgemälden und sÄatum Männer ausnehmm, die sich buvck besonders loertvolle Dierchk für den Krieg ansgezeichmt habM m der Erinuernngshalle soll der Name jiedeS MstNnes. der im' Kriege gefallen oder an seinen Wunden gestorben ist. aus Bronze- platten, die mit dem Wappen seines Regiments geschmückt sind verzeichnet iverden. In lgroßm glasbedeckten .Höfen sollen die Werk- Svrg-e des Krieges, ivtie schwere Geschütze und/Danks, zur Ausstellung Mangen. Auch alle Beutegegenstande, die sich beim Schluß des. Mrreges m den Händen her Engländer befindrnr, sollen zrmäch^ dem Mnsamn z-ur Auswahl zur Verfügung stehen. Ferner wich erne Sammlung von allen -aus den Krieg bezüglichen Druckschrifteß Und amtlichien Photographien beabsAstigt: die Kriegs bibliotbek soll nicht nur die wichtigen Baröffentlichimsan der Engländer und ihrer Verbündeten, sondern auch die neutralen und seiMAMi Ursprungs enthalten. In eirier Kunstableilunq sollen Darstellungen fc*# Krieges gezeigt werden. .Auch die Frauenarbeit, Jine sie sich im Kriege gestaltet hat, wird im tveitesten Umfange vorgeführt und eure Abteilung ist jtzen, Müdem gewidmet, wobei die Kriegst spiel zeuge aller Völker gezeigt Mrden sollen. Fast möchte man «glauben, c>aß bic E-ngl«äzch?r das Ende des.Krieges doch nicht mehr so fern glauben, wenn sie jetzt schm ßo eifrig darmr denkerr dies Kriegsermnerungen Ku sammeln. . ^ Heute, da die Konservierung der perschredensten Nahrungsmittel sich zu euren, iinmer wichtigeres Pvoblem entMckelt hat, erschemt auch die EhenHe der in China! beliebten sogenannten Dauereier erwWnMswert. .Diese, im Handietz P^an genannten Dauereier haban den fälsMcheu Vorwurf vev- Mlaßt, lxiß Ne Chimesen verfalle Wer genössen. In Wirklichkeit {PJJ* ^ ,,Prometheus" erklärt, geunssnuiaßen unserem M'^al^chrus^llen, der ia ebenfalls imtec Fäuluisproz essen ans MM ge.vEu t^ird MernKUMs über den Pidau wurdä ^hinten lChi EhewÄirig !ustd die Amerikanerin Mnherine Munt bekannt, die -im Laboratorium für Nahrung^- ÄrJJ* ^ikago die chemische Zusammeufetzung schbrikinästig aus ausgelesenen AAA nu, einem aus i^ummn N' **!$ K«Wal» wnd eim t-naige Muffe nrtittrt, iiberr»!sabt. Madige Stellen rnAsserr herxursgcschiritten noerden. Bei juirgen Pilzen brirn nran das Futter uritverwenden lvvdurch das Putzen weserrtlich einfacher ist. Alan schneidet die Wffit dHe und Hut) dan!n in echva haselnußgroßs lMste abtt^jAr^' ^,cht sie gründlich in kaltem Wasser und ^.?e?^k^ch1 wllen die gUterr SpeisesÄze nicht toerdeir, da dadurch viel vom Nährwert verlor^engeyt. Eine Anzahl » arten Kocht itmn am besten 2 Min. in SalzDvasser vorher ab, da ste sonst euren scharfen Geschnrack haben, es sind dies z. B. Milch- lmge, gelbe Ttvlblrnge Mordschwa,nm. Bei Perlpilzen Ä B•*“ ls ^ >« >"«« ,„4; !.* ä* öäs“ät-sS"’-Ä ft. S 'Ed Pfeffer, nach Geschmack auch etioaS Zwiebel und ein paar Tropfen Zitronensaft 20-30 Mimten aZ brüstigem F«!er^ * Q M * nt&t »ugesetzt werden. Togeael kann man bte Zusatz von «etwas Mehl sänrig machen. v x Pilze werden in ihrem eigenen Saft dan^u. h^atMenommen, fern gewiegt und mit rt&mZ Butter bM Fett hellbrarm gebraten. Das abgekochte Ms»- Mrd mrt Wasser und Salz vermischt, etivvs Petersilvei ttabftJtftetc- Pilzmasse iwnmta^ Bemilfitt und noch stunde gekocht. ,mt ettm-S gedrLuntcm MeU ibmia Rfuwd'j oder Gr.cst nfn>. tztmugegchen. Statt bS üojui au ch Flerschb r uhe genonunen werden tetÄ 1 - 5irräu ” Rührei mit Pilzen. Ebenso. Abftrichrütsel. Irma, Toga. Distel, Klee, Abend. Bon jedem Wort sind zwei Buchstaben an beliebiger Stelle zu streichen, derart, dab bie stebenbleibendeil Buchstaben Grnpprn im Zusaminenhang eineil Sinrffprnch ergeben. (Auflösung in nächster Nummer.) ' 1