Der rcüelhafie Feind. Roman von Sven Elvestad. (Fortsetzung.) „Es ist auch etwas Fürchterliches geschehen!" rief der Amtsrichter. „Wir Haben den Advokaten Bomann gefunden." „Das ist ja schön. So haben wir doch endlich Hoffnung, der Sache auf den Grund zu kommen." „Advokat Bomann ist tot!" sagte der Amtsrichter. Äsbjörn Krag blickte ihn scharf an. „Von eigener Hand?" fragte er. Mas war Krags erster Gedanke, und er wartete gespannt auf die Antwort. Der Stellvertretende war so bestürzt, daß er kaum reden konnte. „Nein," stammelte er endlich. „Also eines natürlichen Todes gestorben?" „Nein." Der Detektiv faßte ihn hart am Arm. „Was wollen Sie damit sagen, Herr Amtsrichter? Ist er-—" „Advokat Bomann ist ermordet worden. Wir haben seine Leiche gefunden." Der Detektiv fuhr heftig zusammen; er wurde sonst nicht leicht durch etwas verblüfft, aber diese unheimliche Kunde überraschte ihn dock). Nun erinnerte er sich auch mit einem male an Fräulein Dagnys sonderbare und ängstliche Fragen, ^rnd ein drückendes Gefühl, daß die Sache, wenn sie zum Schwur kam, noch entsetzlicher sein könnte, als er seither angenommen hatte, überkam ihn. „Führen Sie mich hin!" rief er und machte sich hastig 'auf den Weg. * Der Stellvertretende kam mit ihm und erklärte in unzusammenhängenden Sätzen, was geschehen war. Der Verwalter des Rittmeisters hatte die Leiche gefunden und hatte sofort den Amtsvorsteher benachrichtigt, der sich eben in der Gesellschaft des stellvertretenden Amtsrichters befand. Sie waren zusammen hingeeilt. Die Nachricht von dem unheimlichen Fuird hatte sich mit Blitzesschnelle verbreitet, und von allen Seiten tarnen die Menschen herbeigelaufen. Man hatte den Advokaten am Rande des Gehölzes in der Nähe vom .Hofe des Rittmeisters gesunden. Offenbar war es seine Absicht gewesen, über die Felder zum Hause des Rittmeisters zu gehen, und da war er überfallen worden. „Ist er erschossen worden?" fragte Krag. „Nein, der Mörder hat ihm einen gewaltigen Schlag mit irgend einem stumpfen Instrument beigebracht. Er muß auf der Stelle tot gewesen sein, die Verletzung ist fürchterlich." „Ist irgend eine Spur zu finden?" „Nein, nicht die mindeste. Das Ganze ist vollkommen rätselhaft. Es scheint, als ob der Advokat genau auf dieselbe Weise zu Boden geschlagen worden sein müsse, wie der alte Oberst Holger." Krag fuhr SusgMM SN. .Und um welche Zeit?" fragte er. „Gestern abend muß er ermordet worden sein." Der Detektiv erinnerte sich nun an den unheimlichen Schrei, jchauderte. „Großer Gott!" flüsterte er. „Das ist ja entsetzlich!" Er beugte sich über die Leiche, erkannte den Toten und warf Krag einen röschen Blick zu. „Er?" Krag nickte und nahm den Freund beiseite. „Wie ist das zugegangen?" fragte Rye. „Das weiß niemand." „Ist er ermordet worden?" „Sieh selbst!" sagte der Detektiv. „So, wie er da unter dern Baume liegt, ist er gefunden worden. Meinst du, er sei ins Gras gefallen und habe sich dabei so verletzt?" „Nein. Mer es ist ja fürchterlich. Und wann ist das geschehen?" „Wann das geschehen ist? Das will ich dir sagen. Das ist gestern abend geschehen." Bei dieser: Worten betrachtete Krag seinen Freund forschend und kummervoll. „Um toelche Zeit?'" fragte der Rittmeister. Krag rechnete nach. „Advokat Bomann ist gestern abeiid um bald acht Uhr von zu Hause weggegangen. Das Ereignis mutz sich gegen neun Uhr begeben haben." „Das Ereignis?" fragte der Rittmeister. „Du betonst dieses Wort so besonders." „Ja, das tue ich mit Absicht." Der Detektiv deutete auf das Gehölz, dessen Zweige sich im leichten Frühlings wind regten und bewegten, und führte seinen Freund einige Schritte daraus zu. „Dort, jenseits dieser dunkeln Bäume stand ich gestern abend um neun Uhr, Und da hörte ich einen Schrei, der mir durch Mark und Bein ging," sagte er leise. „Du weißt, daß ich nicht furchtsam bin, aber rn diesen: Schrei lag eine Lolche Angst und ein solches Entsetzen, daß ich zusammenfuhr. Dann horchte ich, ob sich der Schrei wiederholen werde, aber ich hörte nichts mehr." Der Detektiv deutete auf die schweigenden Menschen, die um den Toten herstcnchen. „Bon hier kam der Schrei," sagte er. „Der Advokat hat ihn in der höchsten Todesnot aus gestoßen." Der Rittmeister fuhr zusammen. „Um neun Uhr?" murmelte er. „Du bist um halb Kehu Uhr nach Hause gekommen. Warum hast du mir nichts Von dem Schrei erzählt?" „Weil ich ihn mit dieser Sache nichst in Verbindung gebracht hatte." Plötzlich faßte der Detektiv seinen Freund hart am Arme. „Hast du den Schrei gehört?" „dtein. „Aber du warst doch um jene Zeit im Freien?"' „So?" „Ja, du bist spazieren gegangen. Das hat mir dein eigener Verwalter erzählt. Und du hast also nichts gehört?" „Nein, ich habe nichts gehört," antwortete der Rittmeister „Welchen Weg hast du gemacht?" Der Rittmeister runzelte die Stirne. „Das klingt ja wie ein Verhör," sagte er. „Lieber Freund, das ist vielleicht auch ein Verhör," erwiderte Krag sehr freundlich. „Jetzt will ich dir erklären, wie sonderbar dieser Fall liegt. Di: hattest Grund, zwei Männer zu fürchten. Sie beide b:st du nun los, den einen für Monate, den andern für immer. Der eine war der alte Oberst Holger. Er wurde übersalten zu einer Zeit, wo du nachweislich in der Nähe warst. Der andere war der Advokat Bomann hier, der einen Mveren Eid geschworen hatte, dich zur Verurteilung zu br:ngen Er ist gestern abend zwischen acht und neun Uhr errnordet worden. Und genau um diese Zeit hast du dich, auf einem Spaziergang beftlnden. Der Ueberfall auf Bo- mann ist auf dieselbe Weise ausgeführt worden wie der auf bei: alten Oberst Holger. Du mußt zugeben, daß das sonderbar und unheimlich :st. Meinst du, es sei nicht angebracht, daß ich ennge Fragen an dich richte?" , „Ich will dir die Antwort nicht verweigern. Ich ging gestern abend in südlicher Richttrng, vielleicht ist das der Grund, daß ich den Schrei nicht gehört habe." Plötzlich sab der Rittmeister seinen Fremrd scharf an. „Hast du mich tut Verdacht?" fragte er. „Nein." „Du glaubst immer noch fest an meine Unschuld?" „Ja, letzt mehr als je," „Warum jetzt mehr als je? Ich n:eine doch, daß dieser letzte Mord —" Keund, ich will aufrichtig gegen dich sein," sagte Krag. „Wenn du mich vor ein paar Stunden gefragt hattest, ob ich wisse, wer der: Ueberfall auf den alten-Oberst geinacht habe, so hätte ich ohne Zögerr: „Ja!" gesagt. Ich bin froh, daß ou mich nicht gefragt hast." „Du hast gemeint, der dort habe es getan?" „Ja, ich war fest davon überzeugt. Und ich hatte von d:ejer Voraussetzung aus eine Hypothese ausgestellt, die :n allen Gliedern vollständig stimmte. Ich meinte, es fehl- ntx ^ einige psychologische Züge. Und nun ist plötzlich alles zusammen ge stürzt. Der Tote dort tvird ge- funden. Das beweist hoch, daß der Advokat genau denselben Fe:nd hat wie der Oberst. Dieser gemeinsame Feind kannst entweder du sein, lieber Jvar, ober auch —" „Oder?" fragte der Rittmeister gespanrtt. „öbex auch ein anderer, ein geheimnisvolles Wesen, von dem ich n:cht weiß, wer es ist, das aber die Gegend h:er unsicher macht. In diesen beiden Verbrechen sind eii:- zelne Züge von Sinnlosigkeit und Zufall, daneben sehen! s:e aber auch wieder planmäßig aus. Das Sinnlose könnte andeuten, daß ent Verrückter tu: Spiele ist, der vor keiner. Tat zuruckschreckt. Lieber Freund, ich fürchte, daß wir noch auf mehr Rütsel stoße:: werden. Es können noch große Drnge geschehen. Aber nun müssen wir zurück -und den Toten näher betrachten." b J e Kirche zu der Leiche zurückkehrten, bemerkten sre, daß der Menschenschwarm während ihrer Unterredung ä^^?^vl>rden nmr. Alle starrten mit Neugier und schlecht verhehltem Unwillen den Rtttmeister an, der wie gewöhnlich anscheinend kühl Mid gelassen dastaird. ' * Es ^war nicht notwendig, besonders aufzupassen, daß SS? 6 ^Ehrte denn die Leute hielten sich in respektvoller Entfernung. Asbjörn Krag knöpfte des Toten Giimmtmantel über seiner Brust Msam'men, imd der stellvertretende Amtsrichter befahl, daß der Tote in dessen Zimmer gebracht werden solle, damit die vorläufige Leichen- beg:m:en könne. Rasch wurde aus Zweigen eine Art Bahre verfertigt, der Tote daraufgelegt und fortgetraaen. Langsam gingen die Menschen hinterher. Es war ein seltsamer Leichenzng. lrm Kwag blieb noch eine Weile am Tatort ziirück. trgenderne SMr Au finden. Er untersuLe den Erdboden sehr genau, lange, beinahe unnötig lange, kam es dem Rittmeister Bot, der daneben stand und Absatz. Als Kraa fertig war, stand er auf und fragte- 0 ^ " iS M “” nt b»i -- ‘im. "ItU Nicht wahr? Einen gelbbraunen Gummimantel?" sehen ^^6- Ich habe ihn oft in diesem Mantel ge- Bomann?" wie der von Advokat Der Ritttneister stutzte. hast recht. Der Advokat hatte auch einen gelblichen Gummimantel an. Es ist :ncht genau derselbe wie der des Obersten. Bomanns Mantel ist neuer und gelber" „Das spielt kerne Rolle." B „Sollten wirklich die Gummimäntel bei der Sackie von Bedeutung fern?" fragte der Rittmeister. „ < .Hab den Kopf, als ob er etwas wittere, und blickte wie geistesabwesend ins Leere. tu?" Fragte der Rittmeister. „Ich denke ich denke —" antwortete Krag immer noch w:e aus werter Ferne. „Ach ja, ich denke an die Gummimantel. Mer plötzlich tat er einen Ausruf, der bewies, daß er hatte mC ^ ^^^^^^ßlich nur an die Gumiuimäntel gedacht „M verflucht, das Papier!" :üef er aus. 391 18. Kapitel. Die Briefe in den: blauen Umschlag. Das Papier! Asbjörn Krag hatte sich plötzlich an das geheimnis- ttoflle und wichtige Dokument erinnert, das von den: jungen Vräulein hvlger so eitrig gesucht worden war. Er begriff, vaß sich um dieses Schriftstück die ganze Sache drehte. Könnte er darauf die Hano lege::, so hätte er das Rätsel aelöst. Dieses Dokument mußte von allergrößter Wichttg- Veit sein und entweder den Oberst oder dessen Tochter oder auch den Rittmeister betreffen. Krag wußte von früheren Fällen her, wie außerordentlich gefährlich solche Schriftstücke werden konitten, !vie sie in den Hände:: gewissenloser Leute nicht nur das Glück einzelner, sorrdern sogar das ganzer Familien vernichten konw ten. Sollte wirklich ein solches Dokument Vorhände:: sein, das von Anfang an dieses Trauerspiel tit Gang gebracht hatte? War, was hier vor sich ging, ein Karnps um dieses Dokument, ein Kampf, der bereits er:: Menschenleben, ja beinahe z:oei gekostet hatte? Er glaubte nicht, daß Fräulein Dagny das Dokument bei ihrer Drrrchsuchinng von des Advokate:: Wohnrmg ge- suuden hatte. Ihm selbst waren dort auch nur gleichgültige Geschäftspapier^in die Hand gekommen. Solch wichtige Dokumente vertrant n:an auch nicht gerne Schreibttschschnbladen oder andern noch weniger sicherer: Verschlüssen an, die trägt man lieber bei sich. Und wenn der Advokat im Besitz eines solchen Dokumentes gewesen war, so hatte er es wahrscheinlich in seiner Brieftasche ausbewahrt, ür:d es befand sich noch dort, wenn nicht —. (Fortsetzung folgt.) vor *00 Jahren. Die 3. Jahrhundertfeier des Reformatio ns fest es in Gießen (1181 7). Von Dr. H. Vergär, Gießer:. Das evangelische Deütschla:ü> rüstet sich allmählich zum Be« gehe:: der 4. Jahrhundertfeier des' Reformatrons festes. Tie erste Jahrhundertfeier fiel in die Zeit immittelbar vor Beginn des verhängnisvollen 30jährigen Religiouskrieges, in die Negierungszeit des hessischer: Landgrafer: Ludwig V., des Getreuen, des Gründers Unserer Universität. .Man beging damals diesen evangelischer« krchlich-en Gedenktag ans Anordnung des Landesfürsten in Gieße:: aus den Mlerheilignttag, an: 1. Mvember 1617. Die Festpcedigt hielt der erste Theologieprofessor der Universität, Srcherintendeut Dr. Joh. Winkel mann in der alter: Stadtkirche (ehemalige Pankvaturskirche). Tie Universität veranstaltete am folgenden Tag, am 9. Mvember, in der Mcka des ehemaligen Uuiversitätsgebäudes vn: Botanischen Gatter: eine besondere Feier, bei der der damalige Rektor. Magister Christoph Scheibler die Festrede hielt. Tie 2. Jahrhamdettfeier, 1717, fiel in die Regiernngszesi des Landgrafen Ernst Ludwig. Eine große und eine kleine silberne Münze wlurde zu diesem Tage geprägt. Tic kleine Münze, die etwa die Größe eines heutigen Zweipfennigstücks hatte, trug auf der eine:: Seite Pas hessische Wappen m:t der Aufschrift: Ernest Ondov. d. g. Lastdgrav. Hassiae. 1717. 31.Ort. Ans der nudeln Seite der Denkmünze stand: Jubilaeum secundum ecclesiae Lutheri mit der Umschrift: Verbum äomini manet in aeternum (Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit). Tiefe kleine silberne Münze wurde am Nachmittag des 31. Oktober nach Beendigung des Gottesdienstes an alle Gießener Schulkinder verteilt. Die mehrtägig^ Feier wurde schon am! Wetnd des 29. Oktober eingeläittet. Für Samstag, den 30. Oktober war ein allgemeiner Landes-Buß- und Bettag angeordnet. Die kirchliche Gedei:kfeier fand Sonntag, am' 31. Oktober statt, während die Universität am 1. November besondere Festlichkeiten veranstaltete. m r dritte Jal-rhnndertseier 1 8 1 7 siel in die Zeit nach tat Besremngskrwgen, in die Regierungsze.it des Grwßlvrzogs Ludwigs I. lieber die Anordnung der Feier macht der Großli Hess Kirchen- und Schulrat zu Gieße:: am 28. September 1817 in Gemaßte:t a!lcrhöch sten Befehls" folgendes bekannt: 1 An: 26 Oktober fkit eine würdige Borhervertündiguug des Fcfftes von der Kan- ^ ans zu erfolgen. 2. Als Predigtlext ist nach allerhöchster Auswahl best:mint: Bormittags: 1. Timoth. 2, 4. „Gott will, daß allen .Menschen usw", nachmittags: Johs. 8, 12. „Ich bin das L:cht ufw>. . Am! Altar :ft vorzulesen: Psalm 89, 16 u. 17 Als Lreder h"? zu singen: Vormittags : Ein feste Burg. —' Herr Gott dich loben wir; nachmittags : Ter du selbst die Wahrheit bist. ~ Nun danket alle Gott. — Außerdem sind 'besoiwere für diesen Tag verfaßte be,getilgte Kanzelgcbete vorzulesen. 3. Züge nach ta- Krrche, ASchmücknng derselben, Austeilung milder Ga'lx-m Speisung :md Bekleidung der Hausarmei: (ohne Unterschied fllri 11 ' fromme Stiftungen sind dem Gutdünken ta „local Au tontaten zu ul>erlasien. — Werktagsarbeiten, Handel und ueltliche Geschäfte haben „allerdings" am 31. Oktober zu. ruhen, «doch wollen S. K. H. der Großherzog nicht, daß uack döm Gottesdienst an. diesem.' frohen Tage Freude und Vergnügen verboten werde". 4. Der folgende Tag ist zur Schulfeier bestimmt. 5. Jln wder evangelischen Kirche ist am! 31. Oktober eine Kollekte für die Bedrängten und Notleidenden des Otts zu Erheben und ohne Unterschied der Konfession zu verteile::. 6. „Die Verweisung aller Anzüglichkeiten gegen aridere Confesswnen in den Vorträgen am 31. Oktober wird .den evangelisckM: Geistlichen zur besonderen Pflicht genracht." 7. Bei den Schulfeierlichkeiten sind klerne Prämlsen, Wecken und dergleichen zu verteilen. Tie Festfeier 1817 lourde in Gießen Donnerstag abend, am 30. Oktober durch das Geläute :nit sämtlichen Glocken eingeletteft, und auch am zweiten Festtag, Samstag, den 1. November, bei der Sä>ulfeier, ettönhe ^ie:sl!iches Geläute: denn der Glöckner Schneider ermelt nach der Stadtrechnung dafür als besondere Vergiftung 3 fl. Dve kirchliche Feier ivurde Freitag, am 31. Oktober in der kleine:: B u r g k i r ch e, die hinter dem Botanische:: Garten stand, abgehalten ,da der Neubau der Stadtkirche noch nicht fertiggestcltt war (erst 1821). Festprediger _ war vormittags Superin teilen t Buff, nachmittags Prof. 0. Diessenbach. Tie Gesänge ivurde:: mit Musik begleitet: dem: nach der Stadtrechnung erhält der Konz midien er Die hl 20 alb::s (2 Viart'>, „um die Pauke:: in die Kirche zu brüo- Ser'.T Tie Kirche ivar festlich geschmückt, lieber dem War prangte e:i: Oelbrld von Luther, das für diesen Tag besonders neu hergerichtet wurde: denn der Gießener Bürger Balthasar Hedderich erhält 1 st. 15 alb., „das Bild des Or. Luther zu reinigen und anszm behern' . (Das Oelbild befindet sich heute noch an der östlichen Wcuü> der heutigen Stadtkirche.) Am! Ende des Nachmittagsgottesdienstes aül! 31. Oktober wurden „Prämienbücher" an fleißige Schulkinder verteilt, die der Buchhmwlier Heger für 19 ft. 00 alb. geliefert hatte. Es waren 1 Exemplar Luthers Leben von .Holthaus, 9 Sttick Luthers Leben von Tischer und 80 Stück Luthers Lebe:: pmi Berg^ Rbwi. D:e Auswahl und Vetteilüng der Bücher geschah durch Prof. I). Treffende ch. An: zweiter: Festtam Samstag, den 1. November, :var S ch ul- ferer. T:e Feier wurde abgehalten auf einem freien Platz vor dem „Neuweger Tor", vermutlich an der Stelle, wo jetzt das Theater steht. Nach einer Ansprache und Absingen Luther'scher L:ederm:t Musikbegleitung zog die Schuljugend auf das Rathaus, wo 680 Butterbretzeln", die der Bäcker Konrad Noll zum Preise von 12 Pfennig für das Stück geliefert hatte, unter die Köcher verölt nsurben. Der Austeilung der Bretzeln gingen verschiedene Ansprachen und „Katechisationen" voraus: denn die Schuten müssen dort länger verweilt kt&en, da nach der Stadtrechnung der Burger .Vetzberger eine Vergütung von 1 fl. 18 Kreuzer erhielt für die Bänke zu bringen von der Schule aus das Rat- hcn:s und vom Rathaus wieder in die Schule." Mr den 2. Festtag war eine besondere Feier auf dem „Trieb" vorgesehen. H:er wurde in der Nähe der heutigen „Licher Straße" e:ne , „Luthereiche" gepflanzt, die der Stadtwald lieferte. Für Verrichtung des Platzes und Herbeischaffung der nötigen Erde :mrd der Bürger Bernhard Klingelhöfer beaufttagt: denn er erhalt nach der Stadtrechmma 3 fl. 10 albmch „um für einen Tag m:t 2 Pferden Erde zu fahren zur Setzung der Eiche" Die Festrede hrelt der Frerprchiger Frcnrz; denn nach der Rechnung wird an den Bittger Vetzberger eine Vergütm:g getvährt. „um dem Fre:pred:ger seine Sackten (Ornat) nach den: Trieb zu bringen." An: Abend des 31. Oktober, des 1. und 2. November waren viele Häuser der Stadt und auch daS Rathaus illuminiert Zur Verhütung der Feriersgefahr waren 2 Manu als Wächch-r angestellt ; sie erhalten nach der Stadtrcchiurng 4 fl. 15 alb , für verschiedene Wachen während der Feier des Reformationsfeslks" Indische Sage. Uebertragen von Käte van Beek er. (Nachdruck verboten.) Eine alte indische Sage erzählt: Vor Zeiten lebte ein lveiser Mann, den Pas Volk eine:« Heiligen nannte, denn seine Bedürfnisse für die/ Grde waren genug und er lebte nicht für das Irdische, sondern in Wibetuug Gottes und Erkennttris von dessen Größe, Güte mrd allmächtiger. Weisheit. Er lebte dann aber nicht nur für sich, sondern auch für jeden andern, der Teil daran haben und der den: Lichte, das über seinen Tagen leuchtete, folgen wollte. Tarun: kamen gar viele Sucheride und Gläubige zu ihm mit Bitten um Belehrung und um Antwort zu erlangen auf Fragen, die ihr Herz beschwerten und ihnen den Bl:ck in tröstende Osfenbarnngcn verdunkelten. Unter iene, die so in Verttauen und Glauben nahten, mischten sich aber auch, w:e es stets :m Leben ist und war, mannigfach Ztveisler und Spötter, die den Heiligen durch ihre Eiuwünde und Fragen in Vcttvlrnlng zu setzen und seinen »vohttätigen Einfluß auf das Volt zu untergrabe:: versuchten. Unter diesen ivar ein reicher Mann ans einer großen Stadt des Landes, der lvar klng und geschickt, hatte viele Schulen besucht, viele Bücher stüidrert und mancherlei erlebt und erfahren n,ch überall gesucht, d:e Wahrheit zu finden. Aber in seiner Seele war es dunkel geblieben, u:w das Licht seines Geistes konnte n^hl £92 strahlen und fttnVeln, über nicht lertchden »und erwärmen.. Ihm fehlte der lcbeiüüge Glaube an Gattes Allmacht, Weisheit und Mite, da er Gott nur mit -dem BerLüaild-e suchte und nicht mit gläubigem und demütigem Herzen. Tiefer reiche Mann kam in großem Prunk und mit^ vieler Dienerschaft gezogen, trat in kostbarer GetoanÄrmg, reickiem SckMuck itnrd im stvltzen Bewußtsein seiner überlegene,: Klug heut und Geistesschärfe an die Hütte des bescheidenen, seiner Andacht in stiller Weisheit pflegenden .Heiligen, schlug an den Vorhang, der das Innere seiner Hütte verhüllte, und rief in hochsahrendem Tone: „Wen,: du ein Weiser und ein Heiliger bW ivie das Volk dich nennt, so lade ich dich ein, mir drei Kragen zu beantworten, die ich an dich stellen will und in deren Beantwortung du — 'wenn du sie beantivvrten kannst die Größe und Weisheit deines Gottes befinden sollst. Kannst du sie nicht beantworten, so werde ich hingehen und allem Volk sagen, daß du ein U,müssender, ein Narr und Betrüger seiest und niemand dir trauen und dir. Nachfolgen soll ans deinen irrigen Pfaden/' Ter Heilige trat auf diese Forderung aus seiner Hütte, neigte das von iilhyDkißem Haar umrahmte ehrwürdige Haupt und sprach: „Frage, und ich will antworten, 'was mein Gott nrir eingibt." Ter reiche Mam: wrrf sich in die Brust und begann: „Du lehrst dem Volk, daß dein Gott allgegemvärtig sei, aber niemals lxu ihn jemand gesehen. Wem, deine Lehre Wahrheit ist, so belveise sie, zeige mir deinen allgegenwärtigen Gott! Uni, zweitens sagst du, daß alles, was wir Menschen tun, durch Gottes Macht und Willen geschieht., warum aber kann man dann die Sünden und Missetaten der Menschen strafe.: und sie anklagen, da sie doch nur tun, was Gott in ihnen wirkt? Und zum dritten will ich dich fragen, warum Gott den Teufel in der Hölle mit Feuer straft, da der Teufel selber Feuer ist u:tb vom Element, ans dein er geschaffen tvurde, weder schmerz noch Strafe empfinden kann? So habe ich dir dreierlei Fragen-pvrgelegt, und ivenn du sie beantworten kannst, so daß deine Antwort mich überzeugt, dann will icb dein Schüler werden und deinein Gotte wlgen, denn! dann bist du in Wahrl)eit ein Weiser und Gesegneter und dein Gott ist, den ich gesucht habe durch Jahr und Welten." Ter Heilige schwieg einige Minuten, dann ging ein stilles Lächeln über sein Antlitz, er neigte sich zur Erde, hob einen dort liegenden Erdklumpen auf und warf ihn, ohne ein Wort p sagen, dem Frager an den Kopf. Ta nach wandte er sich, schlug den Vorhang seiner Hütte zurück und trat, ohne des laut und empör: Aufschrerenden weiter zu achten, in deren Inneres zurück. Tie Dienerschaft des reiche:: Mannes wollte sich ihm nachstürzen, um di? Schmach ihres Herrn zu rächen, aber dieser winkte mit her .Hand und hielt sie zurück, „Ich will nicht, daß meime Leute die Tat dieses rohen Mannes strafen, das soll de:- Richter tun, bei dem ich klagen werde und vor dem alles Polk erfahren soll, wie machtlos, unwissend und gewalttätig jener ist, den es als Heiligen verehrt." Darauf zog er zum Richter und erzählte dem, was er getan halte und wie ihm gefächen war, und der Richter schickte hin zu dem Heiligem und ließ ihn vor sich rufen in: vramen des ^Gesetzes Und Rechtes. Und es versammelte sich vieles Volk, das in Staunen »md llnwillen fragte und hörte, was sich zugetragen hatte. Als nun der Heilige vor dem Richter stand, fragte ihn dieser streng, weshalb er dem fremden Manne einen Erdklumpen an den Kopf geworfen habe, anstatt ihm, wie er doch versprochen hätte, die drei vorgelegten Fragen zu beantworten. Ter Heilige lächelte tvieder still, neigte sein Haupt und sagte: „Ich tat, tvas ich versprach, ich gab ihm Antwort auf seine Fragen..Ter Erdklumpen, den ich gegen ihn warf, ivar die Antwort, Und ich will sie hier vor dir und ihm und vor .allem Volke iin Worte kleiden. Ihr alle hörtet die Fragen, die der Fremde tat, hört mm auch meine Antivort, die er nicht verstand, wie ich sie ihn gab. Ter Ma:m klagt, daß ich .seinem Kops schmerz bereitet habe mit meinem Wurf; aber ich kann seinen Schmerz nicht sehen. Er soll ihn mir zeigen, dann will ich ihm, wie ep verlangt, Gott sichtbar machen in seiner Allgegenwärtig'keit. Und weiter, — lvarum klagt der Vtann gegen mich? Alles, ivas ich tue, ist Gottes Tat: ich traf ihn mit meinem Wurf nicht ohne Gottes .Willen; ich habe keine Macht außer Gott. Und zum dritten und letzten, um seine Fragen mit seinen, eigenen Worten zu beanllvvrten: wie kann er von einem Erdklumpen Schmerzen erleiden und dessen Wurf als Strafe airsehen, da er doch selbst von Erde gemacht ward und das gleiche Element ihm nicht schaden kann?" Ta hob sich im umstehenden Volk ein Murmeln und freudiges Zustimmen, und der Richter hob seine Hand und sprach: „Du hast weise und richtig geantwortet. Mit dir ivar dein Gott, der dich erleuchtete und durch dich Zeugnis ablegte von seiner Weisheit. Macht und Mlgogenwärtigkeit. Tiefer Mann hier kann keine Klage gegen dich erheben, denn du hast ihm geantwortet, wie er es verlangte." Ter reiche Mann aber neigte sein Haupt tief vor dem Weisen, bekannt? sich zu ihm und bat ihn demütig, sein Schüler sein und ihn: folgen zu dürfen. vermischte». * E i n Miniatur -Pla n e t. Eine außerordentliche Entdeckung ist wieder einmal amerikanischen Gelehrten gelungen, nämlich Astronomen des Mont-Wilson-Observatoriums, Nicholson und Shapley. Diese beiden Herren haben nämlich nach einein — allerdings höchst ironisch gehaltenen — Bericht einen Miniaturplanelen feßgestellt, der bisher poch, keinen besonderen Namen erhielt. Der uaie Planet hat angeblich einen Durchmesser von nuü 4—p.Kilometern, so daß seine Oberfläche nur ungefähr halb so groß wäre, wie die von Paris. Gerade dile Geringfügigkeit des! Umfangs inag aber den Bewohnern dieses Plcnreteu, falls solche überhaupt vorhanden sind, szjur.Freude gereichen, da sie ja sicherlich nicht genügend Platz haben, um einander zu bekriegen. Dcki 'Genauigkeit halber sei erwähnt, daß der Miniatur-Planet mehr alZ 138 Millionen Kilometer von unserer Erde entferitt ist. Bedenkt utan seine höchst bescheiden .Gestalt, so :nuß anerkannt werden/ daß die Herren Nicholson und Shapley Augen von ganz ungs- wohnlicher Schärfe haben. ^ Ein Mann mit gebrochenem Halse. In der k. k. Gesellsckiast der Aerzte ür Wien hat unlängst Tr. Max Sgaliper einen Mann vorgestjellt, der einen Halsbruch überlebt hatte. ES handelte sich, so bn'ichtet die „Klinisch-therapeutische ?6oche:o> schrift" (Verlag von Dr. Walter Rothschild, Berlin-Wilmersdorf), um einen Soldaten, der von einer Lawine verschüttet lvlvrden war und drei Stunden, bis an die Schultern im Scksnee vergraben, bo- wußtlos gelegen hatte. Als er wieder zu sich, kam, fühlte er einen/ heftigen stechenden Schmerz imt Racken und konnte den Kopf nicht mehr betoegen. Bei per Vorstellung, 1 Va Monate später, hält ec den Kopf leicht nach vorne gebeugt; im Nacken sieht man! eine leichte Auschiwellpug knbchevirer Art, die der Halswirbeln säule eichspricht; Arme und Beine sind lwie hem: Gesunden beioeglich. Das Rörttgeubild zeigt eine vollständige Verrenkung des zweiten! Halswirbels unb erklärt auch die Tatsache, daß dabei keine Zer-« gn et schm:g des Halsmarks eingettebeukist. Es findet sich nämlich auch ein Bruch des.ziveitei: Halswirbels gleichzeitig mit dessen sliarker Verlagerung nach hinten. Durch de:: Bruch und die Verschiebung des Wirb els wurde dem! Hals mark soviel Spielraum.' gelassen, daß eine Schädigung durck-die imch Hütten vorspringenden Teile deK dritten Halswirbels unterblieb. Viichertlsch. — Ter englische Ansturm in Flandern, der als Unternehmen gegen die „flandrischen Wespennester", die Stützpunkte unserer U-Boote, angelegt ist, len'kt die Aufmerksamkeit wieder aus die Rolle, die unsere Marine im Weltkrieg spielt. Tie „Ereignisse zur See im dritte:: Kriegs)aür" finden durch Kapitän zur See a. D. v. Pustau ü: der neuesten stummer 3869 (Krieosnummer 160) der Leipziger „Illustrierten Zeitung" (Verlag I I- Weber) eine sachttliwige Darstelllrng, in der der Ueberwassar- krieg, der U-Boot-Krieg und der Lustkrieg über See behandelt' :st. Marinemaler R. Schmidt-Hamburg zeigt, gleichsam als Illustration dazu, eine alarmiert von einem StüKptmkt auslaufende Doipedoboots s lo tille. Wie sich die Kämpfe an der Weststont aü-^ spielen, verau schaulickst das farbig sviedergegebene Bild aus den ersten großen Kämpfen südlich der Somme „Abgeschlagener französischer Angriff" von Wilh?lm Buddenberg. Als friedliches Gegenstück wirkt die doppelstetige Zeichnung Schüwrmstädts „Badeleben in Ostende im Kriegssommer 1917". Die Schilderung ihrer Er- lebnisse „als Kochschwester in vevrdfrankreich" führt Frau Erika- Grupe-LSrcher in der gleichen Numnwr zar^Ende. Motive aus dem Taunlsgebirge und von der Sinaihalbinsel hat Fritz Grotemeper in farbig ivitedergegebenen Bilden: festqeh.ttten. Zeichnungen von Stefan Zador und aktuelle photographische Ausnahmen zeigen militärische Momente von unserer Offensive in Ostgalizien und in der Bukowina. Was uns „Goethe in: Krieg" bedeutet und wie sich! der große Dichter zMn Problem des Krieges stellt, niacht Theobald Ziegler zum Gegenstand einer interessanten Untersuchung Zum 100jährigen Jubiläum des Alten Stadttheaters in Leipzig steuert Oberspielleiter Winds einen reich illustrierten Beitrag bet. Tie Heimatdank-Ausstellung in Leipzig \mb von Professor Alfred Freund bttdlich und textlich gewürdigt. Tie Kultnrrundschau bringt Auslassungen zum Thema „Vom güten Geschmack". Glcichklang. Ter Wandrer liebt'», der Stutzer auch. Der Lehrer »nacht davon Gebrauch. Das, was dran wächst, erfreut den Sinn, Und schließlich wohn' ich selbst darin. -It. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Dreizüger von G. ChocholouS. W. Läl, U2, Sa4, g7, Tc6, Bb2, gö, h3. Schw. Ke6, Bc4, f5. 1. Tc6— fß, Kd5. 2. Te6. — 1. . . Ke4 (f4). 2. Tf5- - 1 c3. 2. Sc3:. •djitUIeUung: Fr. R. Zen-. — ZivillingSrmwdruck und Verlag der Brühl'schen UnioersitätS-Buch- und Stetudruckerei. R. Lange, Gießen.