Samstag, den 25, August Der riüfelhdte Feind. fömtou voa S u c n Etveftad (Fortfehnng.) Asbjörn Krag fuhr fort: „Ich komme immer wieder auf eine Frage zurück, die' sch schorr mehrere Male gestellt habe: Kannst du mir llicht sagen, ob dir hier in der (legend irgend jemand feindlich ge- sinnt ist?" Der Rittmeister schüttelte den Kopf. „Lch stelle mir vor, dast die meisten hier in der Gegend mir nicht wohtwoLlen. Aber irgend einen besonderen Feind könnte ich nicht nennen. Ich kenne ja gar niemand Näher." „Und wenn ich dir entert Namen nennte?" „Nenne ihn tiur einmal." „Advokat Bomann?" „Advokat Bomann!" Wieder schüttelte der Rittmeister den Kopf. Dieser Name schien ihn nicht besonders zu interessieren. „Meinst du den. der seit einiger Zeit beim Kaufmann wohnt und anssieht wie eit! Schullehrer?" ,La." „Er ist gewiß nur hier, um Wälder zu kaufen. Ich glaube, er ist der Agent einer Gesellschaft in Christianka Weiter weist ich überhaupt nichts von dem Manne. Aber heute bei der Untersuchung habe ich wahrgenommen, dast er ein ausfallendes Interesse an dort Tag gelegt hat. Er witterte wie ein 5)und tm Grase. Aber Lieber Freund, ich habe ausgehört, nt ich über die Neugier und Bosheit Unbeteiligter zu wundern." „Weißt du, ob er in irgendeiner Verbindung mit dem alten Obersten steht'?' „Es kommt mir vor, als ob der Oberst beit Namen des Mannes einntal envirhnt hätte. Ich glaube, bei jener Gelegenheit erfuhr ich zuerst, dast er sich überhaupt in der Gegend aufhälr. Der alte Holger hat wahrscheinlich in früherer Zeit einmal mit ihm zu tun gehabt, und ich meine, er habe den Namen mit einer Grimasse der Verachtung genannt." Asbjörn Krag über las noch einmal den unvollendeten Brief, den er ans dem Tische des Kaufmanns gefunden hatte. Dann reichte er das Schriftstück dem Rittmeister. „Kennst du diese Handschrift?" fragte er. Der Rittmeister warf eineu Blick aus das Papier. * „Nein!" sagte er. „Das ist die Handschrift dieses Advokaten Botnaun," erklärte Krag. Der Rittmeister las nun den angesangenen Brief mit großem Interesse. Als er fertig war, sagte er erstaunt: „Aber in diesem Briese steht ja gar nichts m>« Wichtigkeit!" Krag nickte. „Es handelt sich um einen Waldkauf," sagte er. „Aber der Brief hat jedenfalls Bedeutung für deine Sache." „Das begreife ich nicht. Davon steht doch kein Work drin." „Dennoch hat der Brief seine Bedeutung, sage ich dir Er ist von der Person geschrieben, die dir feindlich gesinnt ist." „Wirklich?" „Bon dem, der int Grase gewittert hat wie ein Hund, wie du sagst." „Und was weiter?" „Er weist auch die Geschichte mit den Pferdehufen. Morgen roill er zur Berhandtang kommen." „Last ihn nur kommen." „Er will dort das Resultat seiner Nachforschungen vorlegen. Diese stimmen mit beit «reinigen überein. Sie scheinen zu beweisen, dast du aus deinem Pferd drunten auf der Wiese gewesen bist zu der Zeit, wo der alte Oberst überfallen wurde." Der Rittmeister antwortete nur mit einem Achselzucken „Dann gibt es wohl eine Perhaftung. wie du gesagt hast," meinte er da««. „Ganz gewiß." „Nun gut, ich werde mich also auf eine Verhaftung vor- bereiten." „Dn?" „Ja, und ich hoffe, dast du dennoch nicht von mir ab- sallen wirst Dn glaubst doch immer noch an meine Unschuld?" Asbjörn Krag stand auf. Ein eigentümliches Lächeln spielte um seine Lippen. „Mein lieber Freund, d u sollst ja gar nicht verhaftet werden," sagte er. Rittmeister Rye sprang erregt auf Die beiden Männer sahen einander eine lange Weile in die Augen, ohne ein Wort zu reden. Der eine war ruhig, und um seine Lippen spielte ein Lächeln. Asbjörn Krag fühlte sich wieder klar und sicher. Der andere, der Rittmeister, stand blaß und erregt da. „Was meinst du denn?" stammelte er, „Wer soll verhaftet werden, wenn nicht ich!" „Der Schuldige?" antwortete Asbjörn Krag mit Nachdruck. 12 . Kapitel. Komm t er? Schlag zehn Uhr am andern Morgen sollte das Zeugenverhör im Haufe des Amtsvorstehers beginnen. Schon von neun Uhr an sammelten sich die Leute vor deru Hause des Amtsvorst Hers. Einige waren als Zeugen geladen, die anderen, kamen aus Neugierde. Meist schweigend standet: die Leute herum: es war, als ob das Unheimliche dieses Falles einen Dämpfer auf dre Schwalzsucht gelegt hätte. Aber ans den innigen Worten, 370 tue n.fflüftcrt wmden, und aus den finsteren Blicken, die nach der Seite gerichtet waren, von der der Rittmeister erwartet wurde, ging deutlich hervor, gegen wen sich in diesem Falle die Antipathie der Leute richtete. Aus der Hauptstadt waren einige Jonrnausten ange kommen; diese gingen herum und plauderten mit den um herstehenden Bauern. Lie erfuhren zwar nicht viel, denn Bauern sind in solchen Dingen in der Regel sehr wortkarg; aber so viel brachten sie doch heraus, daß sie mit beinahe mi bedingter Sicherheit schreiben konnten: „Man vermutet, daß das Zcugenverhör von heute vor mittag von abschließender Bedeutung sein werde. Der Fall ist. äußerst interessant, und eine Liebesgeschichte zieht sich wie ein roter Faden durch diese rätselhaften und verwictel- len Ereignisse. Vorläufig sammeln sich alle Indizien der Täterschaft in unheimlichster Weise um Rittmeister Rye. Seine Sache stellt um so schlimmer, als er offenbar zum Verschweigen und Verdrehen von Tatsachen seine Zuflucht gc nommen hat. So verweigert er jede Auskunft darüber, zu welchem Zweck er an dem Unglückstage zwischen drei und vier Uhr einen Ausritt unternommen hat. Auch leugnet er bestimmt, nn dem genannten Tag übers Feld geritten zu sein, obgleich die Spuren von Huftritten bestimmt darauf hindeuten. Der Mann, der diesen wichtigen Umstand mit den Pferdespuren ans Tageslicht gebracht hat, ist derMm Dorfe wohlbekannte Advokat Bomann ans der nächsten Stadt. Er hat großen Spürsinn bewiesen und hat in dieser Sache mit anerkennenswertem Eifer gearbeitet. Die Verhandlung wird von dein jungen stellvertretenden Amtsrichter geleitet, da der Amtsrichter selbst zurzeit krank ist. Die Leute erwähnen es hier als einen bemertcns- werten Umstand, daß der Amtsrichter in den letzteil Jahren stets krank gewesen ist, sobald es sich nur einen bedeutenderen Fall gehandelt hat. Man kann natürlich nicht erwarten, daß der Stellvertretende, der erst fünfundzwanzig Jahre alt ist, Erfahrung genug für die tadellose Führuilg einer solchen Verhandlung habe. Jedenfalls aber müßte eingegriffen werden, chenn es sich als richtig Herausstellen sollte, was die Leute behaupten, daß er sich nämlich bei der Verhandlung gestern sein Verfahren teilweise voll einem Detektiv habe vorschreiben lassen, der aus Christiania hergekommen sein soll. Dies ist um so merkwürdiger, als der genannte Detektiv - sein Name war nicht zu erfahren, und er hat sich auch bis jetzt nicht blicken lassen der beste Freund des verdacht ligen Rittmeisters ist und bei ihm wohnt. Im ganzen betrachtet wäre cs angebracht, wenn der Staatsanwalt, dein ja doch höchst wahrscheinlich diese Sache in die Hände fällt, den wichtigen Verhandlungen beiwohnte." Dies wurde vor der Verhandlung geschrieben und sofort nach Christiania telegraphiert, damit man dort doch einmal „für den Anfang" etwas zu berichten habe. Als die Berichterstatter von der kleinen Telegraphenstation zurückkehrten, merkten sie an der Haltung der Leute, daß etwas los sein mußte. Alle standen regungslos und schauten nach der Straße, die zum Hause des Rittmeisters führte. „Er kommt!" wurde geflüstert. „Wer kommt?" „Der Rittmeister!" Drei Herren kamen in lebhafter Unterhaltung die Straße dahergeschrilten. „Der in der Mitte ist der Rittmeister!" sagte jemand. „Und die beiden andern?" „Der eine ist der Detektiv und der andere der stellvertretende Amtsrichter." Die Journalisten steckten die Köpfe zusammen. Das war doch sonderbar, daß der Vertreter von Gesetz und Recht, der Verdächtige und ein unberufener Dritter sich so offen vor aller Welt miteinander unterhielten! Als die drei vor dem Hause angekommen waren, fragte der Stellvertretende nach de.t Advokaten Bomann. Der Stellvertretende hielt ein SchriMück in der Hand. Der Kauft mann trat vor und sagte, Advokat Bomann sei noch nicht er schienen, er erwarte ihn aber jebeu Augenblick. „Ich wollte ihn als ersten Zeugen vernehmen," sagte der stellvertretende Amtsrichter. „Er ist der nichtigste Zeuge. Gestern hat er an mich geschrieben." Und er las halblaut vor sich hin: bähe Ihnen in dieser Sache wichtige AufkMrun- gen zn geben. —= Na ja, der Mann kommt wohl noch, wenn fi cs versprochen hat," fügte cr hinzu. Daun sah er nach der Uhr ..Es ist ja auch noch eine Viertelstunde Zeit, bis die Verhandlung beginnt." Asbjörn Krag, der bis jetzt schweigend neben dem Rittmeister-gestanden hatte, trat vor. Er hatte das Gesicht des! Kausmauus aufmerksam betrachtet, und da war ihm ein Ausdruck von merkwürdiger Unruhe ausgefallen. „Guren Tag!" sagte er zn ihm. „Erkennen Sie mich wieder?" Jawohl, der Kaufmann erkannte ihn wieder. „Wissen Sie, wo sich der Herr Advokat aufhält?" ' „Nein." „Ich dachte, Sie und er wollten zusammen herkom-» men?" Der Kaufmann schaute hinaus in die blaue Luft. „Nein, das wollten wir nicht," sagte er. Nun wurde der Detektiv mit einemmale von einem Gedanken ergriffen. „Wann haben Sie den Herrn Advokaten zum letztenmal gesprochen?" ..Das ist noch iA®l)t tapge her." „Wie lange ist es her?" Asbjörn Krugs Frage war in einem Tone gehalten, der Antwort forderte. „Seit gestern abend habe ich ihn nicht mehr gesehen," gab der Kaufmann zögernd zur Antwort. Nun wurde auch der Amtsrichter aufmerksam und trat zu den beiden. „Advokat Bomann wohnt bei Ihnen?" fragte cr. „Ja. Das tut cr immer, wenn er hier in der Gegend ist." (Fortsetzung folgt) Dar Slrlldichein. . Von K u r t M ü uze r. In dem Saat der großen Villa standen fünf Himmelr-, neu, und dort schliefen die Offiziere, trenn sie ihr Rnhequartier hinter der« Front bezogen. Aber in dieser Nacht -waren nur vier von den prächtigen Lagerstätten besetzt. Die fünfte stand leer. Der volle Mond, der im Halbrund des Fensters stand, beschien das Bett grell lutb bleich, gespenstisch dehnte .cs sich mit .seinen weich wallcnd-euj seidenen Vorhängen, als hätte man eben einen Toten von ihm fort-! getragen. Sein Besitzer, der Hauptmann, war am letzten Abend in Urlaub gefahren. Traurigen Urlaub. In der Nacht vorher^hatte cr seine Kameraden erschreckt, indem cr plötzlich mit lautem Schrei, ans dem Schlaf einporgefahren lvar. Er hatte geträumt, sein ein-, zigcs Kind, ein Mädchen von sechs Jahren, habe ihn erstickt, röchelnd, hilfeflehend gerufen, so faiit und leibhaft, daß er davon, eniporschrcclte. "Am nächsten Mittag hatte er ein Telegramm cr--. halten, daß sein Kind in dieser Nacht gestorben sei . . . Wuu drehte sich das Gespräch, der vier Kameraden um ihn und das Traumerlebnis der Nacht. Sie tonnten alle nicht schlafen, erregt von dem Unglück des Freundes, erregt von der übor'hellenl Wintcrnacht, deren Frost durch die Mauern drang. Sie sprachen ohne Ziel und Sammlnug, zerstückt, in Pausen, ein wenig bc-i klemmen von der Ahnung mystischer Möglichkeiten. Bis der Oberleutnant abschließend energisch sagte: ..Genug da^ von. Alles ist Zufall. Er hat eben gelvußt, daß sein Kind krank ist, hat Tag und Nacht daran gedacht; und dann hat mau eben eine scheinbare Ahnung, einen Traum, mit hem zufällig die Wirtlichkeit korrespondiert." „Ja, aber," wandte ein anderer ein, „wenn cs! sich nun herausstellt, daß er den Ruf seines Kindes in demselben; Augenblick gehört hat, in dem es, starb?" In das Verstummen hierauf sprach .ein junger Leutnant hinein: „Ich will Euch eine Geschichte erzählen, die hierher ge-, hört, in diese schaurige Mondnacht, in dieses stille Haus, in diese unheimliche, mystisch geschwungene Stimmung. Ich will keinen überzeugen, aber ich habe es selbst erlebt, jung, nüchtern, am! hellen Tag, cinwandsfrei. Ich erzähle Euch nur die Tatsachen!. Kombinieren müßt Ihr selbst. Aber geschehen ist cs so im Juni vor vier Jahren! Und Träumer, Phantast, Illusionist bin ich nie gewesen!" Tie drei Kameraden hüllten sich fester in ihre seidenen Decken, über denen noch Pelze und Mäntel lagen.'Im Kamin erstarb die letzte Glut, ohne Wärme mehr zu geben. Ter Mond lvänderte! langsam und beschien nun das Gesicht des Erzählers, der auf den Ellenbogen gestützt durchs Fenster blickte, als stände da draußen die kleine Stadt, in die er jetzt crinncruugsvoll zurückkehrte. "ch kam als FälMrich nach G, in das schmutzige, schlcsijche es außer unserem Kasino nichts gab, seine Abende zu-, .^Menschen zn treffen, ein Gespräch zw führen. Alles war v> i'.-hrr Ta,, ohne Ende. Man ritt viel, spielte tteiidirekims: ’i;l einmal 371 {fötale Frauen c-bft süße Mädchen gab es, die man hatte an- schwärnien können, anl>eten oder lieben. Immer ging' man sucheud, sehnend, voll verrückter Hoffnungen umher. llnd da ging »ncinew hungrigen Angeil eines Tages ein Bild auf, das meines Herzens! Unrast alsbald sättigte. In einer Borstadt betrieb ein jüdischer Handelsmann ein Lumpengesckxist. Er fauste Lump'ctt aller Art ,zwischen erfuhr ich durch das eindringlichste. Herumfragen, daß sie. die ich 'liebte, die einzige Tochter des Salomou Geduldig war, siebzehn Jahre zählte und demnach schon versprochen war mit dem Sohn eines Gesckäftsfreiuides ihres Vaters. Sie, meine rotblonde Prinzessin, der Schwan, die Taube, die Libelle. Aber, Kameraden, was erzähl ich Euch dch Es handelt sich ja nicht um die Liebesgeschichte, sondern um das Seltsame, mit dem. sic endete, um das Wunderbare, das die Liebe vermocht hat. Also nichts weiter von meinem Herzen! Genug, an einem Sabbat, begegnete ich ihr, die zu ciucr Freundin ging. Ich sprach sie an. Sie ging wortlos weiter. Aber ich halte ihr ins Auge gesehen. Eiu graues zärtliches K'iudercmge. — Und mm traf ich sie ost. Ich lauerte ihr auf. Sie blieb ungerührt. Einmal lächelte sie. Das Bild dieses Läckslns trug ich loie einen Schatz nach Haas, es verklärte noch meine Kaseruenbude. Und daun, anfangs IUni, antwortete sie mir. Sie sagte — das waren ihre ersten Morte: „Ich bin verlobt." Ich - ach, ich war nicht mehr verliebt . . . Ich liebte sic! Ich war zu allem en t schlossen. Ich schrieb ihr, ich steckte ihr die Briese, zu. lind sie O, endlich suchte sie selbst mir zu begegnen, sic floh nicht mehr, sie sah scheu nach mir aus, sie '.nachte sich überflüssige Wege, um mich zu sehen. Liebte sie mich'? . . . Ich habe cs nie erfahren. Denn — -- An einem Abend trat sie aus ihrem Haus. Tie Straße war noch dunkel, die Laternen brannten noch nicht. Tie Luft war voll Rosen. Ich stand da, meine Hand sing sie auf, ich stammelte Tolles, Rasendes. Und da sagte jk: „Morgen mittag um Eins in der HoUuuderlaube aus der Promenade." Und schon war sie ins Hans zurückgetrcten. Sie hatte mich wohl vom Jen st er aus gesehen. Leute kamen, ici, taumelte heim. Tie Rächt war eine ewige süße Qual, andern Tags war ich so bleich, meine Hände zitterten,! daß mich der Hauptmann vom Tienst heimschickte. Um zn-'öls Uhr saß ich schon in der Laube . . . In diesen Mittagsstunden »rar die Promenade ganz leer. Arbeiter von den .Papierfabriken am Fluß zögert in dunkler Schar hindurch, d-ann kam fein Mensch mehr. Sie hatte die Stunde gut gewählt. Aber wie entschuldigte sie zu Haus ihr Fortgehen'? Aber damals dachte ich an nichts. Ich »rußte nicht einmal, daß der Tag glühhciß w-ar. daß die Sonne blendend flimmerte, die Blumen ans den Beeten betäube,,d dustetnl. Ich saß in d7 miT den Tr inner hn?»m. ^>dcr sie bückte sich, zog einen Hackrgen Esse»»»^!ittei irres dem Erdboden, betrachtete ihn lange. Nird aufmrrtfoln und .r»aef dem höllischen Fetzen mit kräftigen 'Lchkvmnn nbe, den ^and des Ackers. Tie S-stdatcn gingen zn ihr bin und sprachen sie an. Die Fron blieb fteben, blickte ohne Angst, mit großen und ftillen Anger» rn *re fremden Gesichter, lächttte, sprach einige Warte, die sie nicht vcrstandcn. schritt dann wstrer nnd warf mit ge ü ln er Hand das Kvrrr ans, Nne jemand, der mitten im heileren Frieden eines Wertlagniergens gelohnte und liebe' Arbeit verrichtet. Tie Soldaten berieten, nms sie ,t»in sollten Schließlich faßten sie die Frau an und brachten sie in die Ferme zum Kommandanten. Sic nahmen auch einen Sack Korn, mit, den sie halb geleert am Rande des Ackers gefunden hatten. Es stellte sich nach langen nnd schivierrgem Verhör heraus, daß es die Frau des Bauern war, der sich mit seiner Familie, den abziehenden Franzosen folgend, nach Frankreich bineingcft ächtet hatte, als die Deutschen das ^.and überschwemmten. Die Fran hatte sich nach vielen Wochen eines elenden und zerbrochenen Lebens an der Frenrde, von der vrrzehrerrde»» Sehnsucht nach den unbchttl!- ten heimatlichen Aeckerrr ersaßt. von einen» geheimniswlken^nud dampfen Zwang ihrer vom Ettmd des Krieges verstörten Seele getrieben, heimlich anfgentachl Niemand hat je erfahren, wie es ihr gelungen Itvar, über die Aifne zn -nnmen und durch die französischen und deutschen Linien zu dringen. Sie war mit ihrer schweren Bürde eines Tages in der Morgenfrirhe da nnd batte sich heiter nnd ohne erst in die Ferme zu gehen, daran gemacht, das Korn, das sie Mühselig rrnter dem Schutze der ?^»cht durch die Grabe», reibu, des Krieges »cnd ches 'Todes geschleppt patte, in die vom Morgennebes dampchndrn Furchen des geliebten hu'ntal- Ncht'n Ackers zu werfen. „Ihre verschleierten dunklen Angen waren wi'e tt unten van emem liefen iuncren Glnck," erzählte der Kommandant spater, der ünt ihr gr'ch.Kl^en hatte. „Tn: 'Tttige ihres Gesichts wärest seltsam verklärt. Es war, als hätte die Erde des Heimatackers, Wer die sie als Säerin geschritten war, sie ganz nrrt ihrem Atem; durchdnnrgen nnd eine schmerzlich- Sehnsucht znr Erlöftrng und ihre verstörte Seele zum Frieden gebracht." Ehe ich ging, sah ich sie noch) einmal mit ihren Eimern zum Brunnen gehen. Sie hob flücküig den Kops, als ich sie grüßte. Ich blickte in ein sehr schönes, sehr ebenmäßiges, von der Sonne gebranntes und von zwei Wellen tieffchwarzen .Haars beschattetes Gesicht, das um den Mund die Spuren erlebten Leides trug, aber dennoch vom Fneben überglänzt war. Zwischen der» grasten dunklen Augen, die aus der Tiefe heraus stark tinf^ Vtilt strahlten, war cme’^aite, die sich senkrecht in die Stirn gr»io. en Disteln »md voeist wuchernde»« H-edrich. Dazwischen flammte in breiten ^rtnvad^m der Mohn gleich Juseln aus Blut. verinrschte». * Ein v e rg e s seu es Gemüse aus der g u i en alten Zeit. Ein heute so gut im- vollkommen bei uns vergessenes Gemüse, das aber von unseren Borfahren sehr hoch geschätzt »vurde, bringt M. A. won LüiMndorsf im nächste»» Heft der bei her D-eutsch-cn Berlagsarchatt in Stuttgart erfcheiuendeu Zeitschrift „lieber Land tmd Meer" ivieder in Errnucrimg. Es harrdelt sich nur eine kleine Pftapze v-on höchst bescheidenem Aussehen, dein üttuarant oder Fuchsschwanz. der bis zum 1l». Jahrhundert den für eine Münze sehr mercwürdigen iind nichts weniger als poetische»» l'karue»» „Älkayer" führte. Die .Kittrur des Amarants ist sehr alt, sie gebt bis ins frühe Mittelalter zurück, bereits im 14. Fahrhundert, als der Spinat bei uns b-.uauni ivurde und seine Beliebtheit sckmell zunahm, vegMtn man den bescheidenen Aniarant -zu vernachlässige»,. Trotzdem Ivar er »mm^uhin unseren Vorvätern noch gut bekannt, deren Gemüseküche ia bedeutend reickchaltiger war als die nnsrige, w»eil man nicht nnr die gezüchteten Gemüse, sondern auch sehr viele Wildkräuter zur .Herstellung schmackhafter Gerichte verwendete. Heute, da die Wildkräuter nvttreudi gerweise wieder in Mode gekommen sind. sotlte man auch den, Amarant neue Aufmerksamkeit zuiveuioen. der als Nutzpflanze geradezu lwrvorrageude Dienste zu leisten vermag. In deit Tropen tritt er iu vielen Arten auf, die deutsche Flora jedoch kennt nur zwei wildmachse.we Arten, die man meist o!,f bereits bevautenc Boden, also aus Feldern, Feldwegen nsiv. antrefseu kann. Das hellgrüne, kaum -’O Zentimeter hoch wachsendes Amarant-Kront ist ein Hock.'?.'min er und auch eiu Herbftgemu.se, da irr unserem Klnna seine Btüvezeit tu den Juli und August fällt, bei einigermaßen sorgöckttiger Pftege aber bis in den Oktober hinein verlängert wer gen kann. Die Blätter eignen fick- ganz vorzüglich als Spinak-Erfatz und rönnen durch die ständige Z'nlit so fleischig nnd saftig lverden, daß der echte Spinat ihnen nichts »nehr voran- Iwi. Heute »noch lvird, im Gegensatz zu Europa, der Aruaraut m den Tropen geschätzt, i», Ostindien noird er irr einer mehre»-«, Meter hc'ch »vachfenden Art besonders »veger» seiner Sarnen geziogs»»^ die stark mehl- und eiweischaltig sind und sich zu gutem Bvotmelst verarbeiten lassen. Darum rönure inan anck> bei »,us r»ebcr» der» Blättern den nährstoffbaltigeu Ankaraut-Sameu. z»ir Zubcreiturrg verschiedener Breispeisen veru erweu, auch als G-eflügelfutter stunicch er in Betracht Iu unseren Garte»»a»ttage>» »vurdeu seit lcuugarn. vlrr noch einige tropische Arten des Amarants als Zierpflairzer» ge- .^ogen, an, häufigsten der rote FnchSsch.vanz und der aus Brasilien stammende dreifarbige Amarant, Papageiensedor geirannt, der in seiner Heimat aber nicht als ZAu ge »'.werde gilt, sondern in dm Gnulttelopi wandert. * Die llebers ch ä t; u n g der S ei f e. Tie Kutturvötkcr hielten es bislang mit der Weisheit des alten Lstbig, nach der der Verbrauch von Seife ein gitter Maßstab für die Kultur eines LMrdes fei. Ainerikauer und Engländer scheinen nun gleich;eirig dararrf gekonrmen zu sein, daß die Seife überschätzt wird. Wenigsteus he- schästigt sich ein Aufsatz in den amerikauisch-.ud „Medical Record" mit dem „Mißbrauche >>'r Seife" und führt .nis, das Waschen mit Seife geschehe hauptsächlich aus ästherischeu Gründen, uicktt ans gesundheitlichen, und iverde leicht übertrieben. Ein Aussatz, den eiu Arzt, Dr. Franc Barend-t, in f m in Lirerpovl. erscbeiuendc-n „Medical and Elorrurgical Journal" veröfteittlichc, behandelt de», gleiche»» Gegenstands im selben Sinne, verurteilt de»» „übermästiger» Ge- brauch der Seite" aber^nvch scharfer und führt eine Reihc' von. Fälle» an. in d-erwa zu viel Seife Schädigungen herbeigeführt habe. ^Wie alle Mkakicu, so schreibt dieser englische Arzt, kann auch die Seiie die Haut reizen und eine Art Ausschlag Hervorrufen. Ae»»»', icuccurd einen anderen lväscht, wie es hauptsächlich bei kleinen Kirwecn »ucd bei Kranken der Fakt ist, wird ,'ehr oft zu viel Seist, vecuuoiidt, die Neigung durch Seife führt zu kleinen a nsfchlagähu i icheu Erschci »cnngcn, und so erbalten die K lein leb.'wesen aic nie len. Stellen leichterten Zutritt zun» Körper. Die fettige Äussch.idung der Haut wird durch zuviel Seife e»ttstrnt, icud die »»„geschützte 5>a>tt ist dann mcßervrdei7tiich cküpfindlich. Gietzener Hattsfvauen-Bereirr. Kochamvecksungeu. K r a u t k n ö d e l. Ein rnittelgroßer Kopf Kohl wird mit dem Wiegmesser fein gewiegt, gesalzen und etwa 20 Minuten strhen gelassen. Man schncorl ihn dann in etwas Fett mit kleingeschnitte- ner Zwiebel und Pfeffer, 10 Mvruten rühren, gibt, wenn er abge- kühlt ist, 1—2 Eier. 60 Gramm Grieß, 50 Gramm KriegSmehl dazu, so daß ein guter Kloßteig entsteht. Man sorntt sofort, nach- dc»n der Teig gen,acht ist, Klöße davor», kocht sie Langsam in siedendem Salzwasfer 20 Minute»»', sehr gut ist bei»»» Anrichten geriehene Semmel u»cd kleine lichtbaun gebratene Speckivürfel darüber ge- gosse»l. Kartoffelpudding oder - a »»f t a u f. 1 Pfund tags vorher gekochte geriebene Kartoffeln, 50—60 Gramm Butter, 1 Ei, 6 Eßlöffel Zucker, 6 Eßlöffel MM, etrvas gestoßeneu Zimt oder Zitro»»euschale, Backpulver. Butter, Zucker, Ei scha»»u»ig geofthrk, Kartoffel und Mehl nach und »rach darunter gemengt und i 1 /* Stl»»de im Masserbad in der Puddiugforn» gekocht oder iit dev Auflau »form gebacken. Läßt ncan die Butter »veg. nimmt man 1 ganzes Päckckiu» Backpulver, ntit der Butter nur ein halbes. K ü r b i s m c» r m e l c» d e. Aach sa»rb?rer Auskerrrung wird das in kleinere Stücke gefchnirlene Kürbisfleisch in Salzwasscr weictWekocht, dann zu völligem Ablaufen gebracht und durch eftir Sieb gerührt. Aus 2 Psuud Mark gibt weut die ab geriebene Schale Meier Zitronen, 650 Gram»»» Z»»cker und 7* Liter g»»teu Weinessig, läßt die Masse ga»»z kurz emkocho»», bis ein kleiner Löffel voll, auf ein Stück Papier gegeben, nicht inehr anseittauderlätlft, füllt sie dann in kleine Gläser u»»d schließt sie »»ach dem Erkalte»». Da die Zuckerzugabe zu gering boruefsen ist, »»n» konsermerend zu ivcrkeu. so tut inan gnt, enrf die Menge 17» Gramm benzoüsa,»res d^atror» anzuwe»rdcn Anagramm. Mehl, Launen, Ornat, Made. Insel, Jota. Talar, Rang'. Streich. Von jeden» Wort »st durch Uinstellling der Buchstaben ein ne»,eS Wort zu bilden, jedoch so, daß die Anfangsbuchstaben der net»e,» Wörter eine heiße Zeic benennen. (Auflösung iu nächster Nummer.) A«flöfni»g des Fnllrckrsels in voriger Nuucucer: ARM STOLA G A S T E I N i ROTWEIN 8 CHE N K E M F. I S E I N N Schertte,t»mg: Ir. N. Ze>»z. — Zirickingsrtlnddro.ck urü» Berlag der Arühl'sche»? Unioerstkät^Buch- und Steindruckecer. R. Lauge, Gießen.