Samstag, den U- Ausust MP yf ttSI i Ü Der rätfelhaffe Feind. Roman von Sven Elve st ad. (Fortsetzung.) 5. Kapitel. / Das Verhör. Ms der Amtsvorsteher eintrat nrrd eitlen Fremden bei Jvar Rye antraf, verwunderte er sich einigermaßen. Er blieb nn der Lüi.v neyeu und wußte nix* ^ vu Sache angreifen sollte. Rye erhob sich und forderte ihn mit einer Handbew'S- gung auf, näherzUtreteu. „Was wünschen Sie?" fragte er. „Ich komme in einer sehr unangenehmen Sache, Herr Rye. Es ist wegen der (Geschichte mit dem alten Oberst Holger." „Sie meinen wegen des Unglücksfalls?" Der Amtsvorsteher gab feine Antwort. Er blickte von einem der Herren zum andern. „Und tvas ist da Ihre Absicht?" fragte Krag. „Bitte, legen Sie sich gar keinen Zwang auf," sagte Rye. „Der stellvertretende Amtsrichter ist drüben auf dem Hof wegen der Sache mit dem Herrn Oberst mrd möchte Sie sprechen," sagte der Amtsvorsteher. „Und Sie siird gekommen, um mich z>u ihm zu führeil?" „Ja," sagte der Amtsvorsteher, augenscheinlich erleichtert durch die nette Fornl, die die Sache damit bekommen hatte. „Ist es aber nicht eigentlich Ihre Meinung, den Herrn Rittmeister zu verhaften?" fragte Krag. Verlegen drehte der Aintsvorsteher seine Dienstmütze in der Hand herum. „Jedenfalls muß er mitkommen," sagte er. „Ich muß den erhaltenen Befehlen gehorchen." Der Rittmeister ging hin und holte seinen Mantel. As- björn Krag hatte noch keine Zeit gehabt, seinen Ueberziehcr abzulegen. „Du mußt schon entschuldigen," sagte der Rittmeister. „Die Umstände erlauben mir nicht, dir ein Frühstück anzubieten. Das müssen wir aufschieben, bis wir zurück sind." „Das eilt gar nicht. Wir wollen zuerst einmal mit dem Herrn stellvertretenden Amtsrichter ins reine kommen," erwiderte Krag. Die beiden Herren machten sich nun mit denr Amtsvorsteher auf den Weg. An der Straße stand eine Menge Neugieriger, imd der Detektiv bemerkte, daß sie den Rittmeister nicht mit freundlichen Blicken betrachteten. Rye schritt rasch zu und hatte seinen Rockkragen bis an die Ohren aufgeschlagen. Krag mußte seine Kaltblütigkeit bewundern. Obgleich ihr: die Gemütsbewegungen der letzten Zeit sehr angegriffen batten, war doch seinenr äußeren Menschen nichts davon anzumerken. Er war vielleicht bleicher als gewöhnlich, und seine Augen funkelten mehr als sonst. Das war aber auch alles. Der Amtsvorsteher führte die Herren auf einen großen Gutshvf, das Anwesen des Obersten Holger. Als der Rittmeister über den Hof schritt, grüßte ein Mann ehrerbietig und ernsthaft. „Guten Tag, Hansen," sagte der Rittmeister. „Das ist also der Verwalter," dachte Krag. Als sie in den Saal traten, war dort bereits das ganze Gericht versammelt. An einem mit grünem Tuch bedeckten ^ stellvertretende Amts- ltu)tei: / ein Mann von trofft mrftt cVnTvrPtt PFv frti» nicht urnntelligent, aber etwas iuitge&\ai?n MF, Tmlr iclftS zur Schau getragene übergroße Würde stimmte nicht recht zu seinem jugendlichen Aussehen. Rechts von ihn: saßen zwei Bauern aus der Gegend als Beisitzer. Auf ihren bärtigen Gesichtern lag ein tiefer Ernst, und sie schauten mit strengen Blicken geradeaus. Zur Linken des Vorsitzenden saß ein junger Schreiber mit einem großen Protokoll vor sich. Der Rittmeister und Asbjörn Krag grüßten, und der Vorsitzende machte eine schwache Verbeugung. Er war sich der Würde seines Amtes bewußt. Die Ellbogen hatte er auf den Tisch gestützt und preßte die Fingerspitzen geaen einander. „Sie wünschen meine Aussage zu hören?" fragte der Rittmeister. „Setzen Sie sich!" erwiderte der Vorsitzende. Der Rittmeister setzte sich auf einen bereitgestellten Stuhl, und Asbjörn Krag nahm neben ihm Platz. Der junge Rechtsbeflissene kannte den Detektiv augenscheinlich nicht. Nachdem die notwendigen Formalitäten erledigt waren, sagte der Vorsitzende: „Dies ist eine Voruntersuchung. Das Gericht wünscht nicht, daß Unbeteiligte anwesend seien." Strafend schaute er dabei Asbchrn Krag an. Dieser erhob sich, „Herr Gerichtsvorsitzender!" sagte er. „Herr Rittmeister Rye befindet sich in einer Lage, die ihm das Recht gibt, einen Anwalt Hu haben. In seinem Namen bitte ich um die Erlaubnis, als solcher diesem Verhör anwohnen zu dürfen." Er überreichte dem Vorsitzenden seinen Ausweis. Dieser sah den Detektiv verblüfft an, erklärte sich mit der Bitte einverstanden und wies ihm mit höflicher Handbewegung einen Platz an. Nach diesen Vorbereitungen wurde der Rittmeister aufgerufen. „Es ist Ihnen wohl bekannt, warum Sie zu diesem Verhör geladen sind," begann der Vorsitzeirde. Oberst Holger ist schwer verletzt unter einer kleinen Baumgruppe am Waldsaum gefunden worden, und alle Umstände drängen zu der Annahme, daß er einem Mordversuch ausgesetzt ge- lvesen sei. Wir haben Grund zu vermuten, daß Jhner Näheres über dieses traurige Ereignis bekannt ist." „Ist der Herr Oberst tot'?" fragte der Rittmeister. 346 „Nein, noch nicht. Aber sein Zustand wird ftir hoss- nnlvgKlios angesehen. Er ist rroch nicht wieder Mn Bewußtsein gekonrmen." „SoN auch das junge AräUlein als Zeugin vernommen werden ?' ,KH hätte das gerne getan," erklärte der Vorsitzende. „Aber das Fräulein liegt zu Bett. Sie hat einen Nerven- chok, und der Arzt hat ihrs verboten, Zeugnis abzulegen. Um zur Sache zu kommen: Oberst Hvtzer verließ sein Haus aestern nachmittag aegen drei Uhr. Man sagt mir, daß auch Hie ungefähr um dieselbe Stkrnde von Ihrem Hofe weg- geritten seien. Stimmt das?" „Ja." „Wohin sind Sie geritten?" „Ich ritt gegen den Hof des Obersten hinüber." „Der Oberst ist auf der Holtewiese gefunden worden. Von seinein Hause bis an den Platz, wo er gesunder: wurde, beträgt der Weg ungefähr eine Viertelstunde. Wo besuchen Sie sich in der Zeit zwischen ein viertel nach drei :md halb vier?" Der Rittmeister überlegte. „In nächster Nähe beim Harrse des Obersten," sagte ivr dann. „Mso ein zieinlich Stück Weges entfernt von dem Orte, wo er gefunden wurdet „Ja, ein ziemliches Stück entfernt." Der Vorsitzende reichte dem Rittmeister ein Stück Kupier. „Ich bin wenig bekannt in der Gegend," sagte er. ,/Können Sie mir vielleicht mit einer kleinen Skizze an- aeben, tvo unaesähr Sie sich ein viertel nach drei Uhr bestanden haben?" Der Rittmeister nahn: das Papier u:rd zeichnete einige Strrche. Asbjörn Krag trat an den Tisch und warf einen Mick auf die Zeichnung. „Wohin wollten Sie eigentlich?" fragte der Bor- ptzeiche. „Ich Pflege immer um or«se ^ **/ 0 ~ mi G-wohn^Ln" *-* ***** ^ meinen «fl- »H^ben Sie unterwegs den Herrn Oberst getroffen?" „Haben Sie ihn überhaupt in der letzten Zeit gv- «AA Tagen nicht mehr gesehen.'« wnrde eine kleine Pause in dem Verhör gemacht dann fragte der Vorsitzende weiter: "}ttm vierUh^.^ 016 nad > Hause gekonnnen?" itoUt'S&J 0 ' im l murmelte der Vorsitzende und gNff wieder zu der Skizze. „Um viertel nach drei waren Sie also in der 9Läbe vom Hause des Obersten," sagte er. „Wo waren Sie - einmal — um halb vier?" m föfi&rVnh* iä) ^ i enau sagen. Ich war wahrend der ganzen Zert rn der Nähe von: Hause des Äi,? b°t doch aber für die SachNeL^gr^e Es Vorsitzende sehr streng aus. Ack'L-itteu^ f ° 8te er ' "Elchen Ä „XenfeÜBe 1 :, den ich hergekonmrei: war." „Und^Sre sind nicht über die Holtewiese geritten?" 9al,J Das ist näwlich'ein sehr bin keinesfalls über die Holtewiese geritten" Mderte der Rittmeister etwas gereizt über die wieL h Frage. ,,^ch war überhaupt nicht dort in der Nähe" biörn ^wieder eine Pause in: Verhör, und As- d.« Kch"',«L"»" „Ja." Und haben ihn um eine Zusammenkunft um halb vier Uhr gebeten?" „Ja" „War es nicht Ihre Absicht, zu dieser Zusammenkunft zu kommen?" „Vielleicht, vielleicht auch nicht." „Das ist eine sonderbare Antwort." „Ich kann Ihnen aus diese Frage keine andere geben." ,,^ch muß Sie darauf aufmerksam machen, daß der- art:ge Antworten einen schlechten Eindruck auf das Gericht machen müssen und Ihre Sache nur verschlechtern können," Mahnte der Vorsitzende. „Denken Sie daran, daß Sie vor den Schranken des Gerichtes stehen. Ein Zeuge darf nichts verschweigen." „Dennoch wünsche ich auf diese Frage die Antwort zu verwemern." „Diese Weigerung verschlechtert Ihre Sache aüßer- ordentluh. Ich fürchte, daß Sie das in eine etwas andere Stellung den: Gericht gegenüber versetzen köirnte." „Was meinen Sie damit, Herr Vorsitzender?" „Bisher sind Sie als Zeuge vernommen worden. Das Gericht w:rd nun zu erwägen haben, ob Sie von jetzt an nicht als der Tat verdächtig zu behandeln sind." Der Rittmeister gab keine Antwort. Er stand mit dem Nucken gegen Asbjörn Krag, so daß dieser sein Gesicht nicht sehen konnte. „Erinnern Sie sich genau an den Wortlaut bes Briefes, der: S:e an den Herrn Oberst geschrieben haben?" fragte der Burschende weiter. „Nein. Aber ich setze voraus, daß sich der Brief in Händen des Geruhtes befindet." Der Vorsitzende nickte und holte ein Papier hervor. „S:e vermuten richtig," sagte er. „Dieses wirklich recht merkwürdige und höchst kompromittierende Schriftstück ist in unserem Besitz. Hier ist es." Damit reichte er dem Rittmeister einen Brief. D:eser warf einen raschen Blick darauf. erklärt?er fess ° aoe lC) n[d)t geschrieben," (Fortsetzung folgt.) ^ oxn . Krag näher, um besser zu hören m&^ Un l6m 1,1 Ciner nichtigen Angelegenheit ge- „Ja." Der Abschluß. Skizze von Otto Dörner (Vvhroinkel). Hsmsen senior, Teilhaber der Firn:a Hansen a WiMertag hL. WaXt ßF i n 'Straße, die zum Hasen himrnterfübrt Wiv kann es auch anders sein, da die Mille über dem . Unb flutet fe ÄS m LltÄ P e w ‘CS 6 '“'“ Ä“ ÄS |Ä 8e Ä' mit Siebe, Sorgfalt und uEichttger It 'en^ WKKM'W- illiiü mm MWZLZWW M8WWMM bem feldgrauen Rock des ReserMleEmMs ^ÄwM 347 überhaupt keine Mufprüche mehr ädigung. Ader das Geschäft hat große jährliche Unkosten und bringt keinen Pfennig mehr ein. Hansen bezahlt alle Angestellten Me Kn ^Friedens Zeiten, obgleich-, sie keinen Federstrich mehr zu mn haben. Er unterstützt und opfert mit stets bereiten Händen und mitleidvollem Herzen, nnd das alles nun schon seit zwei Wahrem Leine Fabrikanten sind selbstverständlich alle bezahlt; ^rne Bank hat er noch, nicht in .Anspruch goto nt men. Tag egen got er einem Geschüftsfteunde eine Lumme gesendet und wartet mm täglich, auf deren Eingang, da die Zahlungsfrist seit einiger Zeit verstrichen ist. Das sind seine Dörgen, als er allein im stillen Kontor sitzt Nnd den letztjähngen Abschluß überprüft. Tie Zahlen, sechsstellig tn den gesegneten Friedensjahren, und nun Lewaltig gemindert, machen ihm die Arbeit leicht. Es klopft an der Türe. Dein alter Kontordimer tritt ein Mrd bringt die Abendpost, Z eitim gen, gedruckte Unterstützungs- vrtten, einm Feldpostbrief vom Junior und — Verlvundert betrach- Jet Hansen den gelben Umschlag — ein Schreiben vom Amtsgericht p -.Ta lvvhnl ja sein Schuldner, der mit der großen Zahlung rückständig ist! Tie Hand zittert und wagt den Brief nicht zu oftnen. L>oll er nichit lieber den Feldpostbrief zuerst lesm? Toch er hat es stets so gehalten: das Geschäftliche zuerst, und so soll es auch hearte sein. Also ö-ffuet er und liest — muß es noch einmal lesen, da es ihm vor den Augen flimmert — jaja, mit seinen Augen Joill es so rechit nicht inehr geheir, und muß sich schilver m den Lessel Kurücklegen, wie weiiir ihn: einer einen Schlag vor den Kopf versetzt habe. Das Amtsgerich,t teilt ihni mft^ daß über das Vermögen seines Freundes der Konkurs verhängt worden sei. Tas hak er jetzt begriffen; es verwirrt ihn minutenlang daß er glaubt einen 9lbgruud zn sehen, vor dem er die Migen schließen müsse. Tocki die Hansens sind zähe niid lstiugeu mn Leben mehr als am Gelde. Ta ist ja auch, noch der Feldpostbrief. Den will er lesen, bevor er das Kondor verläßt, um dann zum Mendessen nach. Daus^ zu gehen. Briefe vorn Junior liest er gern; er hat so eine srischsröhliche und auch wieder nachdenklich ?lrt zu schreiben. Er schneidet dm Umschlag auf nnd liest: Lieber Bater. Seit meinem lctztm Brief bin ich wieder iim acht Tage jünger geworden. Tas ist nämlich das merkwürdige an dieser Zeit; die lieben Heimatleute rechnm ftch die Kriegsjahre doppelt und dreifach «l und zählen an jedem Väorgen, an dein sie iwch immer kein Friede ns gel Litte hörm, ein Weißes Haar mehr; ioas aber ein rechter Feldgrauer ist, der schöpft Jugend und Gesundheit, Kraft des Leibes und der Seele aus dem großen Jungbrunnen Krieg. Ich Sehüre zu diesen, Du aber nichit zu.jenm, imd beides erfüllt mct stolzer Freude. Term, mein lieber Vater, vbgleW »mschen Temm letzten liebm Zeilm von Sorgen viel zu lesm l-o bin ich deshalb nicht sonderlich beunruhigt, weil ich weiß, daß EM Dir nicht Deinethalben Sorgen machst, sondern mir . Wohlergehens Und der Zukunft unserer geliebten Mutter Mid Tein er Kinder, vemt wollen wir mal das graue Ungetüni, das Tir seit Swer Jahren das gewohnte schone Gleichgewicht im x>Mlptbuche stört, bei dm Hörnern fassm und Msehm, ob wir es Nichit klein kriegm. Es gilt also einm Kamps. Tagegen müssen wlr rüsten. Rüstamgen kosten' Geld, stttm schreibe aus dieses vtitstungsbouto soviel, lvie wir mtbehren können von dem, was Du für Dich, die Mutter uud die Schwestern als Sicherung gegen alle Erdmnötte für angemessen erachtest. Tiefe .Trennung der irdischen Güter wird keine Schwierigkeitcn machen; unsere Werte, als da sind Geschäftshaus, Lagerspeicher, Schiffspnrk sichere Forderungen, gestatten es. Ans diese Weise kannst Dn auf das Rustungskonto ernm stattlichm Betrag buchen. VSuli gilt es einmal keichtsuung -M sein — ach! stiur ein einziges^ Mal' — w'serm Herzm solch einen Stoß zn geben, daß alle löblichn Grundsätze der Ordnung und des Gleichftewichs Umfallen Ich Meine, es gilt das Soll des RüstUngÄdntos von vornherein »Äs Verlust zu betrachten. Was dann später hereinkommt, werdm wir als wiedergeftmdmes Geld, als Gewinn betrachten. Wird das Nicht eme Freude sein? Ich sche, lieber Baker, Tein Stirnrnnzcln. Das ist mir aber bein Beweis für Deine Mstbilligung. Es käme Dir nämlich % 1 ' bas Opfer ru bringen, wenn Tu es zu tragen hattest. Aber Tu denkst an mich; Du willst mir nicht den Boden unter deii Füßen wegziehm, Tn willst nicht, daß ich nach dm: Kriege wieder von vorne ansangen muß. So lauten Deine Ein - Iffe die ich As früheren Briefen gut genug teune und die U seitdem reiflch geprüft habe. Und zum erstenmal Muß ich Dir mem Einverständnis mit Deinetl Ansichten miriveigern. Ich mache hiermit Gebrauch von meinm Rechten als Teilhaber der und erkläre daß mir billig znkommt, was T i recht ist Du beanftmichst nichts mehr für Dich, iveil Du mit meiner Lebensarbeit fertig bist; ich beanspruch ebensoviel, ^ die Arbeit Mir die Freude am Leben bewahre Wie' ^rtsetz-m? Doll Nachahmer Deines Werkes' ^^lirci. T'eines Erbes sem? Nein, lieber Bater! Ich. null von ^)in anfangen, gman so wie Tu es getan, will Tchpftr und Gründer sem, init dmi einzigen Zugeständnis, daß ich es in Deinem Geiste AU sem versuchen werde. Welchen Gewinn hätte ich vvn einer Arbeit ohne Mühe? Welche Befriedigung, zu laufm und M verkanscn mit Deinem Scheckbuch? Welch Freude, jedm Morgen Deinen Geldschank zu öfftrcii mit der Gewißheit, daß er unbedingt verlustsicher ist dank Deiner Arbeit? Würde es Deinem ^vhne wohl anstehm, sich von dm Angestellten ehrfurchsbolk bedienen, sich von Deinen Börsmftmnden hochachtungsvoll be- hwadeln zu lassen? Ja, der hat es leicht! würde mair sagm. Und nmn würde recht haben. Und ich müßte reicht der Sohn deS alten Hausen sein, ivenu ich mich dabei wohl fühlen sollte. Jetzt sehe ich Tich lächln. Aber es ist noch ein Lächln des Zweifels. Woher dieft Wandlung? fragst Du. Ich gebe zu, daß ich früher nicht aklzuvielm Gesinnungswechsel dieser Art gezeigt habe Ta lebte man im Bewußtsein seines Wertes so selbstverständlich sicher, so fest auf wohlgegründeter Erde. Ädan sah auf seme Person, auf seine Leistungen und Erfolge, uni fand alles natürlich und wohlverdient. Daß diese Auffassung gründlich ab- geunrtschaftet hat — bei uns Feld raum wmigstens — ist eine der Wohltaten des Krieges. Ich darf behaupten, daß solche Wand- lUng mich in der günstigsteii Weise beeinflußt hat. Du selbst wirst davon überzeugt- sein. Tenn würde ich so schreiben können, wenn yS nicht kerngeftmd, jung und stark wäre? Und traust TU nur nicht zu, daß ich noch glücklich beeiidetem Krieg die Firnia Hansen u. Sohn wieder hochbringe, daß ich auf deii Grund- niauem des altm Hauses, falls es inzwischen ganz abbrmnen wüte, ein nmes, vielleicht ein größeres baue? Gsiviß traust Du es fernem .Lolpie zu, und weil Du es tust, sind alle Deine Sorgen eitel. ^äuii noch, etwas Besonderes. Einer meiner bravsten Leute hat itcf;! mir als der Sohn unseres Freundes und, wie ich durch ihn erfahren habe, imscres ^Schuldners in B... bekannt gemacht, mt schwerem Herzen ist er gekommen. Sein Vater habe ilpn niit- geteilt, daß der Konkurs seines Geschäfts unvermeidlich sei. Ob Tu versluck',en wolltest. Dich der Sache anzuuehmen, daß wenigstms em Vergleickr zustande komme. Er hoffe später alles gutzumachm, von seinen Außmständen im Verlaufe der Zchü zunächst unsere Forderungen abzutragm. Ich habe ihm Hilfe zugesagt im Uranien der Firma Hansen u. Sohn, und habe ihni damit sichtbar alle Lebensirmde wiedergegebm. Leider haben mir die Engländer wieder einmal einm Strich durch meine Rechnung gemacht. Einer Granate ist der Arme zum Opfer gefallm. Um sein Andenkm vesouders zu ehrm, bitte ich Tich, mein Versprechen einzulösm und Tich mit dem bedauernswerten Bater unverzüglich in Ver- bindimg zu setzen. Unfern Lohn findm wir in dem Bewußtsein, einem tapftren Loldaten das Sterben l»ich«ter gemacht zu habm. Ta ich zum Schluß komme, bilde ich mir ein. Dein Lächeln bedmte Zuftiedenheit. Ich sehe Tich nach der kleinm lackiertm Bigarreukiste greifen, aus der zu unsem Glanzzeitm die verwohnten Ueberseeklinden bedient wurden. Mit diesem lieben Blld Ar Migen will ich mich schlafm legen und hoffentlich ein gesundes Erwachm habm. Zu Hause wirst Tu einm zweiten Brief vorfindm, worm alles steht, was hierm nicht gesagt ist, was ein Feldgrauer seiner Mutter und den Schwestern zu sagen hat. Und nun ein herzlick>es Lebewohl für acht Tage. * , Hansen ist es warm gewordm. Er fühlt, daß die Wärme auZ fernem Herzen kommt. Jetzt sitzt er wieder im Sessel zurückgelehnt, die Augen halb gescküoslen; seine frischbelebten Züge, seine Lippen zincken ew lwmig. „So'n Jung! Dow Jung!" Mehr sagt er 5JS5- .nimmt die Zigarre aus der Luxuskiste, schließt die Bucker, klingelt dem Dimer, wi'inscht guten Mend und verläßt das stille Kontor. „Tu kommst^ spät, Vater!" begrüßt ihn seine Frau. „Ja meme Liel'e, ich habe lange in den Büchem gearbeitet." „Und I>aft einen guten Abschluß gemacht?" „Ja, ich habe einm guten Mschluß gemacht," sagt viausm. und seine Frau mutz es ihm w-ohl glauben, da er mit' wlckier Ueberzeuguug spricht, da seine Stimme so froh klingt, sein Gesicht so zufrieden, wie cs in letzter Zeit selten ist. vermischtes. r ^ie ^intft des Pilzsam m el n s. Dnich dm Krieg .ww du Pilze zu Ehrm gekommen; viele, die sich vorher bmrS allerlei Bedenken von ihrem Gmuß abl-alten ließm, l^aben sie als nahrhafte und Ivohlfeile Lebensmittel schätzen gelernt imd die Kenntnis der Ditze hat während des Krieges in breiterm? Lchichten dr'r BevölkeNuig Fruttschritte gemacht. Beim Sammeln aber werden auch von guten Pilzkennern noch immer Fehler beaangen 'tzn &.ÄÄ ^brungÄniMI aäm iircuiwuiM »anrnngsmittil aevm anit diese Muse verloren. Pilzsammeln ist eine Knnst, die gelemt sein will. Wie soll man Pilze sammeln? Einer nnscrer hervor- rVfeV M ^ ^ 4 - l ‘o unilH nervorgelrum i|t v M, I^ben mi neues, klemes, aber nnterrichtendes Prlzvnm im Killtnr" erscheinen, das mtter dem Titel „Unsei'e Speisepitze" eine Auswahl b* pänfigerm nnb wichtigeren MarTt- und L«ebtzrbeiPik-e an der Hand prächtiger No tu r urkunden darstellt, die der Maler Joses Hanel ausgeno'.ume.u dir Unter vielem anderen behandelt Pws Scl-rregg darür auch die Kunst des Ptlzsammelns, für die er eine Reihe lvartvollar Ztatschläge erteilt, llnter den Regeln ist obenan die zu stellen, daß man Pilze nicht io.thrend des Regens sammeln soll: einige Tage nach kräftigen ^Regengüssen ist vielmehr die geeignete Zeit zum Pilz sammeln. Erst wenn der Regen richtig nt den Boden eilige» drangen ist und dort Gelegenheit hatte, die für die Pilzernahrmtg notwendigen Zersetzungen einzuleiten, dann das Pilzlager davon ziehen und zur Bildung der FruchWrper schreiten. Was man an Pilzen währeuD des Regens ffnoet, nanientlich, wemt dieser ans längere Trockenheit folgt, sind fchi immer ältere Pilze, die zu sannneln nteistens nicht lohnt, die vielmehr, weil sie sich sehr leicht mü Wasser vollsaugen, sogar sehr rasch Knm Verderben neigen und gesmrdh.ütsschädlich iverden können. Zweck- mäßig sanunelt man auch nach hem Regen nur junge Pilze und läßt die alten als Sporen träger zur Vermehrung und Verbreituug der Art steh.'n; andererseits — Lmd das ist ebenso wichtig — muß auch vor dem Sammeln zu junger Pilze getvarnt werden, loerl S an ihnen die Artinerkmale noch nickst richtig zeigen. Die Pilze en zudem nickst nur iung, sondern oiutf) gesund fern; will mau nicht mit krauten tmnötig schleppen, muß mau den GesnNdheits- Mtatrd also gleich an Ort und Stelle untersuchen, und dazu empsiehst es sich, sie abzusch-leiden, nickst ausziureißen. Die Jn- ftften, meistens Pilzftiegen, legen nänllich ihre Eier meistens am Stielgrunde ab, und von hier wandern daun die Larven Zuerst im Stiel in die Höhe, bis sie in den Hut gelangen ; häufig ist daher der Hut noch brauch rar, wenn der Mel bereits von Maden zernagt ist. Reißt uralt dagegen den Pilz aus, so wird, selbst wenn pr schon vvn Maden durchs?^ ist, der Stiel häufig gesnnd auSfthen und eine t<ü>ellose Beschaffenheit vvrtäuschm. Bei manchen Pilzen ist es nun von Wert, zur genauen Feststellung der Art das im Boden sitzende Stielende M betrachten, so bei dem gefährlichsten Giftpilze, dem Knall enblätte rschwam m, der oft mit dem Champignon verwechsckst ixnrb; reißt man einen Pilz aus diesem Grunde aus dein Boden, so durchschneide nran den Stiel sogleich? Ebenso wichtig wie das eigentliche Einsantmeln ist die Beförderung der Pilze, und hierbei Werden ebenfalls oft Fehler begangen. Ter beliebte Rucksack, das Retz oder die MaEdrsche sind zum Tragen von Pilzen ganz ungeeignet; hartsteisckige Pilze leiden in ihnen zivar mir wenig, »veuchfleischige Pilze, die man in solchen Behältern nach Hause trägt, leiden darunter jedoch sehr, und das birgt eine Gefahr in stich, insofern die Zersetzlichkeit der Pilze dadurch begünstigt wird. Ter richtige Sammelbehälter für Pilze muß fest und widerstandsfähig sein und den gegenseitigen Truck der Pilze möglichst verhüten. Pappschachteln oder Botnnisierdosen entsprechen diesen Forderungen einigermaßen, noch besser aber ist ein Korb, der wegen seines Durchlässigkeit auch längeres .Aufbelvahreu im Sammelbehälter gestattet. LeMverstündlich ftrnu man den Sammelkorb im Netze oder Rucksack tragen. Tie letzte Ziegel des Pilzsammlens bezieht sich auf dre Aufbewahrung der Ausbeute. Können die Pilze nicht sogleich beim NachHausMnnmen Wbereitet werden, so müssen sie auf alle Fälle einzeln auf einem Brette oder Tischst! , auf Traht- hürden usw. ausgebr eitet werden, und besonders zUoeckmäßig ist c£, trenn man sie wenigstens oberflächlich durchputzt und dabei noch einmal ans ihre Gesundheit und die Ungiftigkeit duvchprnft, was sich besonders empfiehlt, wenn es sich uni die Sammelbeute mehrerer .Personen «handelt amd unter den Sanimlern Kinder waren. vüchertisch. Karl Lainprecht, Rektoratserinnerungen. Mit s-wei Bildnissen des Verfassers. Preis 2 Mark. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G. Gotha. — Ein Stück aus Karl Lamprechjts autobiographischem Werk, das uns einen Blick in die Werkstatt dieses umfassenden Geistes tun laßt. Lamprccht benutzte im Gegensatz zu einer bloß repräsentativen Führung des höchsten akademischen Ehrenantts sein Rektoralsjahr zu dem Versuch einer ziel bewußten und umfassenden Hochschnlpolitik. Welche Kämpfe und Schmerigkeiten ihm diese eingetragen hat, davon ist seinerzeit schon einiges in der Oeffentlichlkeit bekannt geworden, und es ist um so fesselnder, hier die wirklichen Tat- sackten in Lamprechts dluffasfung und in seinen eigenen Worten zu vernehmen. An der Hand seiner äußeren Erlebnisse saßt er noch einmal alte seine Gedanken und Taten zur Hochschulpolitik zusarnmw und wieder wird man mit Bewunderung inne, nücr bei diesem wahrhaft universalen Denker imd Kämpfer auch das scheinbar weit Auseinanderliegende einem einzigen großen und immer mehr entwachsenden Ziele dienstbar wird. Tie von Laurprüchts Schüler, Dr. Artur Köhler, heran ^gegebenen Aufzeichnungen enthalten außerdem die Schilderung einer Reise nach England und Schottland, die wie das ganze Buch voll scharfer Beobachtung! intb überlegenen Humors ist. — Ein neu entdecktes Lutherbildnis. Vor einigen Zähren gelang es dem Oberburghauptmanu der Wartburg, Herrn Ma;or von Cranach ein von seinem Ahnherr Lucas Cranach b. I gemaltes, bisher so gUt lvie unbekannt geblichenes Porträt Martin Luthers ans Licht zu ziehen, das von F. Bruckniann A^°G. in München in originalgetreuem farbigen Druck vervielfältigt und der Allgemeinheit zugänglich gemacht worden ist. Das Bild ist um das Jahr 1540 netstanden und trägt, auch auf der Wiedergabe deutlich' erkemrbar, das Maler^eichen des Wittenberger Meisters, die geflügelte Schilange mit dem Krönlein. Es ist ein Brustbild intb stellt den Reformator im Alter von etwa 5? Jahren dar, mit leicht ergrmttem Haar, abgeklärt und aus dar Höhe seiner Wirksamkeit, in voller reifer Kraft. Die braunen Mgen schauen hell und Qchig gerade aus. Tie linke Hand MU die BLbek. die rechte erheLL sich leicht ^n redender Bewegung.. Das einfache schwarze Priester- gevmnd wrd durch den weißen Hemdkragen Uno einen breiten Streifen des roten llnterkleibes gehoben, der .am Halft sichtbar wird. Kein „ideales Porträt"' des gewaltigen Mannes, aber ein achtes. lebenswahres, von Freundes- und Meisterhand geschaffene» Bildnis des großen deutschen Reformators. Die WicdevaaDe hat die Größe des^ Originals: 33 :35^/z om und ist vortrefflich, gelungen. Da das Bild Zur Massenverbveitung im Jubeljahr der Reformation Vesvnders geeignet ist, tritt beim Bezüge größerer Mengen eine namhafte Ermäßigung des Einzelpreises von 2 Mar? ein. — Zivilgefaugener Nr. 7 59. Von Martin Leistikow. Verlag AugM Ächcrl G. m. b. H., Berlin. Preis 1 Mark. Tie fesselnde Erzählung eines deutschst .Seemanns, der nett seinem Schiff am Tage der Kriegserklärung ahnungslos in Riga ankam Und sogleich vvn der russischen ,H>lizei aufs „liebevollste" in Empchang genommen Mirde. Nach mancherlei bösen Gefäuauis- erlebniss'en Und Mappenirrfahrben landet er jm berüchtigten Gouvernement LtzimtNa, um in den Srinipstoäldern als Holzfäller und Wegebauer zu arbeiben. Seine Schilderungen gcweu ein erschütterndes Bild von dem elenden Los der deutsck^n Gefangenen dort, die mtter der Armseligkeit der ländlichen Zustände, die hier ganz ungeschminkt dargestellt fverden, fast nicht weniger zu leiden haben, als lucker dar Knute gvalisamer Polizisten. Hunger und Noit römreu Mar den Mut unseres Deutschen nicht brechen, wohl aber vermtlanen sie ihn Kirr Flucht. Wenn auch der erste Versuch mißlingt, So findet sein trotziger Wagemut doch einen neuen Weg. In Begleitung etnaK in RuUmch geborenen, sprachkundigen Deutschen reift er frech-fröhlich als russischer Rekrut nach Mchangelsk. Beide gelangen. Ms einem neutralen Dampfer versteckt, nach einer aufregenden Begeginmg mit einem engilischen Kreuzer glücklich in die HennaL. Gießener Hausfrauen-Berein. Kochamveisungen. Verwendung von Speiseresten. Dicke tzlerste wird über Rächt in der Kochkiste oder TagS vorher gar, aber saftig gekocht, lagentveise mit fertigem Erbsen- oder besser Wirsingaemiffe und Fleischresten, die durch die Maschine aetrtefcen und mit Zwiebeln und Petersilie angerSstet wurden, in eine auSgefchmierte Form gefüllt, obenauf Gerste, mit Butterstückchxn belegt, und im Bratofen aufgebacken. Saure Gurken schmecken gut dazu. Blind-Huhu. Gelbe Rüben werden nicht zu sein geschnitten, mit gerösteter Zwiehel, Pchersille Und Salz angekocht, grüne, in Stücke' geschnittene Bohnen dazu getan und beides fa st gar gÄochlt mit einem Stt'dckchen srtten Schweinefleisch oder Speck- würselu. Daun gibt nran würftllg geschnittene rohe Kartoffeln dazu, salzt sorgfältig nach und fügt, weim diese fast gar siird, schwach gesüßten Äpftlbvei oder würfelig geschnittene frische Aepfel und etwas Zucker hinzu und läßt ferttg kochen. Gefüllte Gurken. Mittelgroße Gurken werden geschält, halbiert ausgehöhtt und mit Salz und Zitronensaft ausgerteben. Dann füllt man sie mit Fleischfülle, btndet sie zu, brät sie auf beiden Seiteit an und dämpft sie im Rohr fertta. Die Tunke wird mit Mehl verdickt und mit Zitrouenfast abgeschmeckt. Gurkengemüse. Große Gurken werden gefchält, halbiert, ausgehöhlt und in Stücke geschnitten. In Wasser mit Salz, Essig und etwas Zucker sowie Gewürz weich gekocht. Speckwürfel iverden ausgebraten, die Würfel entfernt, MM darin gebräunt, mit der Brühe aufgesüllt und die Gurkenstücke noch *4 Stunde offen darin geschmvrt. _ Silbenverstcckrätskl. Mittelraoer, Grobian, Meissen, Scherben, Barren, Meister, Nichte, Gutsbesitzer, Kirchturm, Aschengrube, Wiegenfest, Eisenerz! Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach versteckt sind ln vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger' Nummer i Sonne, Leder. Fritz, Edelmann, Nn, Main, Trnhe, Fah, Eiland. S o n d e r f r i e d e n m i t R u ß l a n d. ^christlettung: Fr. R. Zenz. — Zioilllngsrundbrnck und Verlag der Bri'chstschen Universttäts-Buch- und Stetndruckerei. R. Lange, Gießen.