Mittwoch, den 8. August äSB3a Der rätselhafte Feind. Roman von Sven Elve stad. (Fortsetzung.) Asbjörn Krag ließ sich diese Bezeichtnnna gefallen. Kurze Zeit darauf deutete der Bauer aus einige Baum- gruppen und sagte: „Sehen Sie dort den Glockenturm ,-,Jaivohl." „Das ist der Turm aus. dem Gute des Obersten." „Dann muß das ein großer Hof sein." „Ja, es ist das größte Gut hier in der Gegeud."t „Möchten Sie gerne die Stelle sehend setzte der Bauer nach einer Weile hinzu. ~ „Welche Stelle?" „Die 'Stelle, wo es geschehen ist. Wo man ihn gefunden hat." „Nein, ich danke. Jetzt noch nicht. Wer hat ihn denn gefunden'?" * „Der Ingenieur." Wieder deutete der Bauer mit dem Finger. „Dort auf dem Ziegelwerk. Er kam des Nachmittags über die Wiese daher und sah ihn am Waldrandj unter den Bäumen liegen. Er machte Anzeige beim Gericht. Dann wurde der Oberst nach Hause gebracht. Und nun sind wir da." Der Wagen hielt vor einem alten Herrenhause inmitten eines mit hoher Hecke umgebenen Obstgartens. Krag bezahlte den Kutscher und entließ ihn. Als er in den Garten: trat, nxic nirgends ein Mensch zu sehen, aber ein Hund fing an, mit der Kette zu rasseln und gewaltig zu bellen. Da kam ein Mann in Hemdärmeln heraus. „Ich möchte Herrn Jvar Rye sprechen," sagte Krag. „Ist er zu Hause?" ^ ^ Der Mann betrachtete chn schweigend eine Welle. Dann sagte er: „Ja, er ist zu Hause. Aber ich weiß nicht, ob er jemand empfangen famt." Allein in diesem Augenblick lvurde an eines der Fenster geklopft. Asbjörn Krag sah auf und erblickte sein.es Freundes Gesicht hinter den Scheiben. Der Polizei beamte erschrak. Jvar Rye sah aus, als ob er viele Nächte nicht mehr geschlafen hätte. Asbjörn Krag trat in seines Freundes Arbeitszimmer, dessen Wände mit hübsch eingebundenen Büchern förmlich bedeckt waren. Am Fenster stand ein großer Schreibtisch. Hier hatte Rye gesessen rmd' hatte seinen Freund ankornmen sehen. Die beiden begrüßten einander, als ob sie erst vor einer Stunde beisammen gewesen waren. „Na, es freut mich, daß du da bist," sagte Rye. „Eben habe ich mir überlegt, ob ich dir nicht telegraphieren solle. „Ich komme iveaen des Unglücksfalles," sagte Krag. Ein Schatten, glltt über des Freundes Gesicht. „Hast du schon mit jemand darüber gesprochen?" fragte er. „Ich habe mll zwei Leuten'aus der Gegend gesprochen." „So bist du wohl schon vollständig im reinen mit der Sache?" „Ja; mir ahnt, daß es dir augenblicklich nicht besonders gut geht." „Mcht schlechter als sonst," gab Jvar Rye zur Antwort. „Es ist nur der einzige Unterschied, daß ich jetzt bei den Leuten im Verdacht stehe, ein Ddörder zu sein." 4. Kapitel. Im Namen des Gesetzes. Asbjörn Krag legte Hut und Mantel ab und nahm seinem Freund gegenüber Platz. „Ist er tot?" fragte er. „Nein, er lebt noch, aber er ist nicht bei Bewußtsein." „Ist noch Hoffnung vorhanden?"" „Das tveiß man nicht. Es wurde nach den allerbesten Aerzten geschickt." „Er ist also draußen auf freiem Felde gefunden worden?" „Ja, nur etwa zehn Minuten von seinem eigenen Hofe. Der Oberst hatte in den letzten vierzehn Tagen seinen Hos nicht verlassen, aber gestern ging er aus einem bestimmten Grunde aus. Er war dazu ausgefordert worden."" „Wer hatte .yn aufgefordert?"" „Das hatte ich getan,"" antwortete Rt)e gelassen. Der Detektiv schwieg einen Augenblick, dann fragte er: „Du bist wohl in den letzten Tagen ganz verzweifelt gewesen?"" „Das kannst du dir denken. Ich war sehr niedergedrückt." „Die ganze Sache kommt dir jetzt wohl vollständig hoffnungslos vor?"" „Vollständig! Und ich habe mich zur Abreise bereit ge-, macht. Ich will das Gut verkaufen und für immer von hier fortgehen."" Forschend sah ihn der Detektiv an, und als er des Freundes fieberglänzende Blicke bemerkte, lief ein leichter Schauer über seinen Körper. Er ging hin und legte dein Freunde die Hand ans die Schulter. „Du hast weite Reisen gemacht,"" sagte er. „Du hast Menschen und Rassen kennen gelernt, die anders sind, als die, mit denen wir täglich verkehren. Du hast Leidenschaften ausflammeu sehen, du stehst vielleicht unter denr Einfluß einer andern Denkungsart, einer andern Moral. Ich kenne dich nicht so genau, daß ich ohne weiteres für dich einftehen könnte. Oder richtiger gesagt: I ch ke n n e d ich? Nichts wäre mir lieber, als wenn ich dir helfen könnte. Aber in einem bestimmten Fall bliebe mir nichts anderes übrig als zu ehen und dich deinem Schicksal zu überlassen. Nun will ich ich fragen — und du verstehst, welche Bedeutung ich in diese Frage lege —: soll ich bleiben oder soll ich gehen?"" 342 Jvar Rye stand auf und drückte seinem Freunde kräftig die Hand. ' „Du sollst bleiben," sagte er. „Ich stehe ganz allem, und du mußt mir helfen. Ich verstehe gut, wus du gedacht hast. Aber ich brauche dir wohl nicht mehr zu sagen, als daß ich nicht die geringste Schuld an diesem Verbrechen trage. Glaubst du mir? Wenn du mir nicht glaubst, dann reise lieber sofort ab." In seiner Stimme lag auch nickt die Spur einer Bitte, eher klang sich nach Ergebung und Hoffnungslosigkeit. As- bchrn Krag verstand die Bedeutung dieses Händedrucks; er wußte, daß er einem guten und charaktervollen Mann gegen- übcrstand und glaubte ihm. „Ich bleibe," sagte der Detektiv. „Du glaubst also an mich?" „Ja." „Und du wirst auch ferner an mich glauben, geschehe, was da wolle?" „Ja.' „Aber meine Sache steht sehr schlecht." „Um so interessanter wird die Aufgabe für mich sein." „Aber ich muß etwas vor dir verborgen holten." Asbjörn Krag stutzte. „Steht es mit dieser Sache in Beziehung?" „Vielleicht." „Aber jedes Verschweigen verschlechtert deine Sache noch Mehr." „Da ist nichts zu machen. Ich kann nicht reden." „Selbst wenn es dein Hchweigen unmöglich macht, den wahren Schuldigen zu entlarven?" „Das wird kaum der Fall sein. Wenigstens nicht, so weit ich die Lage beurteilen kann." „Nun, so müssen wir eben sehen, uns trotz deines Schweigens über diesen einen Punkt zu behelfen. Willst du ^nir jetzt den ganzen Hergang berichten? Zch bin sehr gespannt, zu erfahren, was eigentlich hier vorgegangen ist." Und Jvar Rye berichtete: „Wie du weißt, bin ick) hier in der Gegend nicht sehr- beliebt. Auch mein Vater erfreute sich keiner besonders hervorragenden Beliebtheit, aber die Leute in der Gegend kamen doch gut mit ihm aus, denn in verschiedenen Beziehungen deckten sich seine und ihre Interessen. Mein Vater war nämlich ein sehr eifriger Landwirt. Ich aber — ich habe dafür gar kein Interesse. Und ich kann wirklich nicht mit den Leuten hier verkehren. Sie mögen ja meinetwegen alle miteinander sehr biedere Menschen sein, aber ich kann nun einmal nicht mit ihnen umgehen. Und du weißt vielleicht auch, daß das Stundenhalten und das Predigen von Laien hier sehr im Schwange ist. Ich. bm bei verschiedenen Gelegenheiten gegen dieses hysterische Getue aufgetreten auf eine Weise, daß ich damit Aergcrnis erregt habe. Kurz gesagt, ich gelte hier bei der Masse des Volkes für.gottlos. Ueberdies fühlen sich die Leute von meinem ab- ^ifenden und verschlossenen Wesen abgcstoßen. Sie meinen, ich jei hochmütig, und doch gibt es nichts, was meiner Natur ferner tage als Hochmut, in deni Sinn, wie die Leute dies Wort..verstehen. Ich habe mir also im Lauf der Zeiten eine Unbeliebtheit erworben, die mich, offen gestanden, vollkommen kalt ließ Mid die nur dazu diente, mich noch, «beweisender zu machen, als, strengegenommen, notwendig gewesen Ware. Wenn die Sache zum/Schwur kommt, so gibt es JJ??/ ""r die Leute nicht zutranen würden. Das versteckte Mißvergnügen, der bisher verborgne Haß, all das Mnmt letzt zum Ausbruch. Das habe ich in den letzten vierzehn Tagen empfunden, ich habe es in den schiefen und lauernden Blicken gelesen, die mir zugeworfen worden sind. Treber Freund, ich kann nichts dafür, aber ich bin wirklich so verhärtet, daß all diese Gehässigkeit spurlos an mir ab- Seglrtten ist. Ich hatte anderes zu denken, und ich bin ein selbftandiger Mann und mein eigener Herr. Warum sollte ifch mich um das Gerede der Leute kümmern? Nun verstehst du also, daß ich hier in der Gegend nicht fehr geliebt werde. Im Gegenteil, ich habe hier keinen einzigen Freund. Einen habe ich gehabt, aber der ist viel- leicht in diefem Augenblick schon tot. Ich ineine den Oberst. der^Oberst stand die ganze Zeit über hoch in der Gunst des Volkes Er und seine Tochter wurden förmlich ver- göttert. Und das mit Recht, deiin eine liebenswürdigere Familie kann man sich gar iiicht denken. Es erregte darum Unwillen niid sogar Entrüstung ruiid herum auf ben Gütern, als das Gerücht auskani, ich würde mich mit der Tochter des Obersten verloben. Man hielt es für höchst, unpassend, daß ein so gottloser Mensch wie ich in eine so prächtige Familie kommen sollte, und es wurde gesagt, ich hätte mit Geschick und Tücke dem Oberst Sand in die Augen gestreut. Ja, man scheute sich sogar nicht einmal, zu behaupten, die Verlobung sei von ineiner Seite um Berechnung Und Geldspekulation. Ich sollte mein Erbteil auf Reisen vergeudet haben Und nahe am Konkurs stehen. Lieber Freund, dir will ich sagen, was diese Menschen nicht wissen: Ich habe allerdings auf meinen Reisen mehr Geld gebraucht, als mein Erbteil betragen hat, aber ick) habe mir durch glückliche Spekulationen ein neues und viel beträchtlicheres Vermögen erworben, als mein Erbe gewesen war. Ick verberge dir nichts. Ich erzähle alles, wie es ist, denn ich will, daß du dem richtigen Eindruck bekommen sollst von allen Umständen, die dazu beigetragen haben, daß ich jetzt so nahe am Mgrund stehe. Ich will dir auch nicht verbergen, daß mich der alte Oberst zu Anfang mit ver- dächtigen Blicken betrachtet hat; aber er änderte verhältnismäßig rasch seine Ansicht von mir, und er gab sich auch Mühe, seine Bekannten zu einer milderen Beurteilung meiner Person zu veranlassen. * Das glückte ihm aber nicht. Die Leute sagten, ich hätte ihn nur durch falsches und heuchlerisches Auftreten betört. Mer der Oberst, der sich auf sein eigenes Urteil verließ, (kümmerte sich nicht um das Gerede der Leute. Zu jener Zeit war ich der glücklichste Mensch unter der Sonne. Dann aber kam plötzlich die schreckliche Veränderung'. L>h habe dir erzählt, was an jenem traurigen Tage passiert ist, der mir unvergeßlich vor der Seele steht. Ich habe seither viel gegrübelt und nachgedacht, aber es war mir nicht möglich, eine Lösung des Rätsels zu ftnden. E Warum mußten wir Uns so plötzlich trennen? Warum sollte mit einem Male alles zwischen Uns ans sein? Mer den Leuten in der Umgegend war die Sache vollständig klar. Endlich seien dem alten Oberst die Angen aufgegangen, sagten sie zu einander. Endlich sehe er ein, was ich für ein schlechter und gottloser Mensch sei. ?aß ich in jenen Tag>en nur noch! finsterer und verschloß ener wurde, deuteten sie, daß ick Rache brüte, und Daanys verweinte Augen bestätigten iynen nur wieder einmal, daß die Liebe blind mache. Nach allgemeiner Auffassung stand die Sache so, daß der alte Oberst ferner Tochter entschieden untersagt habe, mich iwrederzusehen, daß er mir das Hans verboten habe, und basier selbst sich zu Hause halte, weil er mich nicht treffen Und nun wurde der Oberst mehr tot als lebendig auf- geftmden. Er lag am Waldrand unter den Zweigen einiger Baume und hatte eine große klaffende Wunde am Hinterkopfe. * Lieber F>reund, nach allgemeiner Ansicht bin ich sein Riorder und ich muß gestehen, ich habe den Schein gegen in ich. Ich ..." J a Hier wurde Asbjörn Krags Freund durch eine laute Ltrmnie, die ,rch im Borziurmer hören ließ, unterbrochen, jemand wollte herein, und ein anderer Jemand suchte ihn daran zu hrndern. ' ' Sin schmerzliches Lächeln glitt über Jvar Ryes Gesicht. „Das rft das Gericht!" sagte er. Und nim hörte Asbjörn Krag draußen im Vorzimmer eme polternde Stimme sagen: „Es hilft nichts, mir den Zutritt zu wehren, Andresen. Ich komnie nn Namen Hes Gesetzes." (Fortsetzung folgt.) Der Volkschullehrer. Eine einfache Geschichte von Fr an eine MannjvUng. (Nachdruck verboten.) rin I,a J tC r ä Arbeit gelvesM, die der arme Volte,chiullchrcr -m diesem Jahre ya bewAtiglm hatte! — Alle Kollegen waren dem Rufe des Vaterlandes gefolgt und er selbst hotle ei Mohl mir seinem schwächlichen Slmssehen mid der großen Brille M verdanM, daß er mit sein« 35 Jahren in seiner Lchnle bleiben tarnte und als einziger Vertreter der Bolksschül« lm Zaume hielt. Leicht Mar cs' nicht in der nicht cbeii mit Frucht- 343 ftrrfeit gesegneten bergigen Qtegenb, die Büben in Ordnung zu halten unb den Mädchen im herein mit der alten Handarbeitslehrerin allerhand 2r>o-tw!toiges' beMibringen. — ^Cujdh hier im ,Öanbe fing man die Knappheit der Lebensrnittel zü spüren an. Ter steinige Baden lieferte zu wenig, uni) an Einfuhr war nicht Kn deüken. Tie armen Menschur, die bares Geld selten ihr eigen nannten, konnten-nickst die geforderten. Preise bezahlen und waren auf ihre eigenen Erzeugnisse und den Tausche Handel runter sich, mrgerviesen. Ter Lehrer, der Innggeselle war, bekam das sehr zu spuren. Seine Wirtin gchiränkte die Portionen immer mehr und mehr ein, und die Wassersuppe wurde täglich dümrer, das Brat schssejchlter, die Kartoffel immer seltener-. Much die Kruder seiner Schlüte kamen immer hungriger zürn Unterrichte, sie konnten.nur mühsam dem Bortrag folgen und des Lehrers weiches Herz litt unter diesem Bewußtsein, daß die armen Kinder Mmgertien! >— Im Winter, der hart und grimmig einsetzte. wurde es noch Ärger, die armen Kinder froren aus den meiten Wegen zür Schule in ihrer notdürftigen Kleidung, und in deur warmen Raum — Gottlob, daß es Holz zur Genüge gab! —< schliefen sie vor Ermattung ein. — Der Lehrer selbst hatte mit sich! zu kämpfen, daß er nicht das tat, was er bei den Kindern strafen mußte. — In diesen Zeiten schlug das Samenkorn der Liebe hochiauf in seinem Herzen. sttte hatte er so leicht und faßlich den Unterricht gestaltet wie jetzt. Er fand Töne von seltener Herzenswärme für die Schilderungen der Vaterlandsliebe und der Treue, wenn er den Kindern von ihren Bädern, die da draußen kämpften, erzählte; er verstato es, in die Seele der Kinder ein Samenkorn zu legen, das später herrliche Früchte zeitigen würde! — Die Kinder, die instinktiv die Liebe fühlten, die aus dem gütigen Herzen ihres Jlugeudbi'ldners kam, hingen mit Zärtlichkeit an ihm. Sie kränkten! ihn nicht wissentlich, sie suchten ihn durch kleine Llüsmerksamkeiteu Kn erfreuen, brachten, eine seltene Blume, einen Küfer und b*er^ gleichen mit, vertrauten ihm all ihren. Kummer an, und ftlr jedes und jeden hatte er ein liebes tröstendes Wiort, einen frewrdlichien Blick! — Wie verstand er die Kinder ziu trösten, wenn eines weinend Kn dem Lehrer kam. Um ihm mitzuteilen, der Vater sei gefallen. — Nicht mit den üblichen Trostesworlen kam er da seiner Psticht nach! — Nicht mehr Trauen rief er hervor, nein! Er sprach dann vor seinen Schülern von den Heldentaten unserer braven Soldaten in flammenden Worten, und den Gefallenen hielt er dabei lvobl die schönste Grabrede, die sie sich wünschen konnten; verwob Wahrheit und Dichtung und am S'chjlusse warm die Trauernden überzerrgt, daß ihre Liebsten einen beneidenswerten Msckiluß ihres Heldenlebens gesunden! — Bon allen Seiten türmten sich die Anliegen an ihn. Mein and wie er verstand ein Urlaubsgesuch so anfzn setzen, eine Unterstützung f i erbitten, eine Mutter so zu trösten, wie der schlichte Mann. ie Feldpostbriefe an ihn mehrten sich, und im dritten Kriegsjahre hatte er eine so umfang reich? Korrespondenz, als wäre er Kriegsberichterstatter! Wenn er dann abends todmüde in sein Bett schlüpfte und vor geistiger Ueberanshrengüug lange nicht eiu-^ schllafen konnte, dann sah er sein einsames Leben vor nch^ ein Leben, .das er nur für andere lebte; für ihn kein Sonneni prahl des Glückes, und er wäre doch auch gerne da draußen im Kriegs- gebraus gewesen, hätte sich gerne die Kngeln nur die Ohren pfeifen lasse,: Und hätte all das Große selber erlebt, was er den Kurdern in Worten schilderte. — Ach! ins Leben hinaus, die große Zeit mitleben, iaiuch wenn er es mit dem Leben bezahlen umßte; was lag an seinen: Leben! — In ruhigeren Stoben aber behielt die Liebe zu seinen Kinder,: wieder die Oberhand. — Ich, streite ja auch für mein Vaterland! Ich! bilde chm wackere Männer heran; ich pflanze Liebe und Er-i kemttnis für ihre Schotte in ihr Herz. Tue ich nicht arrch so meine Pflicht für meiner: Kaiser? — Und nach solch':: Tagei: war der Unterricht noch schöner als sonst, und selbst die müdesten :m$> hungrigster: Kinder horchten dmm erstaunt ans. — Das zweite Kriegsjahr war ins Land gezogen, der Winter ungewöhnlich lang und streng gewesen. Endlich war das Frühjahr gekommen. Tie italienisch,e Offensive .setztt e So war ein Jahr dahin gegangen. Tie zweiten Ferien .luaren gekommen. Der Lehrer komtte sich mm ganz der junge:: Witwe Und ihre::: Anwesen widmen. Ter Schnitt kam, die Henernte :uar vorbei. Und er war unermüdlich tätig gewesen. — Frau Anna hatte es in letzter Zeit mit allerlei klein ei: Künste:: versucht, Cmttlick in seü: Inneres zu erlange,:, aber vergeblich! — So ging das nicht länger, dachte sie. Tie Dorftrachbarn machten Anspielungen, die der Lehrer einfach nicht verstand und die junge Frau absichtlich überlwrte. — An einem der schöne:: 2lbe,:de trat der Lehrer zu Frau Anna ms Zimmer. Wieder saß sie vor einen: Berg Papier', und das Bild ihres Mannes lag obenauf. Wieder weinte sie. und als der Lehrer es sah, ging ein tödliches Erschrecken über sein Gesicht. — Frau Amt«, sagte er. und seine Stimme bebte, Frau Anna, ich komme Ihne:: Ade zu sagen! Tie Enrte ist bald -eingebraätt. die Ferien fast vorbei. Tie letzten 8 Tage muß ich in der Stadt verbringen - weinen Sie nicht mehr um den Toten. Gott bat ihn als Helden sterben lassen, ich wollte, ich wäre sich z,rei L:ppeupaare in: seligen Kusse. Ptckerle »md die flehte Wma jirfrriteit laut auf, als sie zum erstennml „Baterle" sagen Zimten! - Das ganze Dorf freute siä., als das Mar zur Kirche schritt, der alte Pfarrer mit trfruonbeu Vlugeu die Glücklichen segnete, die Schulkinder Hurra riefen und Blumeir streiken. Ter einfach? Dorffchullehrec, der so viel Liebe gesät, erntete dafür reiche Liebe, Gort hatte ihn mit dein Kreuz der Lrebe gesckMückt, die höchste Anszeichmmg verliehen? vermischter. * „Zentralkühlung im Hause." .Lenttalkühlung — ettsprechend der Zentralheizung — im Hause" — das rlrngt wre Aukuiistsmusik, ist es jedoch nicht. Tatsächlich gibt es, auch nr Ten.l'ü .and, bereits hochherrschastliche, wie inan wohl lagen mutz, Wohnhäuser, bei denen diese Forderung für Speisekammern wie Web Amme ei'füllt ist, und bei größeren öffentlichen Gebäuden sind Zenttalti.hlungen schon mehrfach dnrchgesührt. Seit zehn Jahren ist die Deutsche Bank in Berlin mit, Zentralki'chlung ansgestattet, das Kölner Stadttheater hat ehte solche Einrichtung, ein Fernsprechamt in Hamburg, zahlreiche Krankenhäuser und nianche Apothe-en, Laboratorien und Parfümerien bedienen sich ihrer. Nur in Mieth.rufern lmt man sie noch recht, recht selten. Die Hausbesitzer scheuen sich, sic anlegen zu lassen, und haben dazu auch guten Grund. Wie einem Aufsatze des „Prometheus" (Verlag von Otto Spamer, Leipzigs zu entnehmen rst, ist die Zeittralkühlung eine viel schwierigere, verwickeltere mrd dazu auch teurere Einrichtung als'die Zentralheizung. Dian kann nicht etwa ohirc weiteres die Zentralheizung toährend des Sommers mit Kühlwasser durchs sttömvn: dazu sind die Kühlflächen zu klein und ist der Wasserbedarf zU bedeutend. Wo hingegen der Abdampf einer Tampfkesselanlagc zUr Verfügung sieht, etzv-a in unmittelbarer Nähe eines geiverblichen Betriebes, da ist die Zentralkühlnng von Wohnungen, Geschäftszimmern Krankensälen, Schul-, Arbeitsräumen nsw. ohne große Kosten durchführbar, imb die Zeuttalkühlung ist ettvas sehr Münicteustoertes, da sic die dlnuehmlichöeit des Aufenthaltes, die Arbeitslust und die Arbeitsleistung erheblich erhöhen kann. Tie Oseitbrück'sche Abdampf-Kältemaschine ist in solchen Fällen mitae- ringen Betriebskosten anwendbar. Mit der dlusstellung einer Maschine, die die Luft abkühlt, mit der einfachen Zuführung kalter Lust ist die Aufgabe iedock> nicht gelöst. Tie sachgemäße Lnstverteilung, die Inn (-Haltung der richtigeir Temperatur, die Ausscheidung der entsprechenden Menge des in der Luft enthaltenen Wasserdampfes erfordern sorgfältige Dias;iiahinen bei der Einrichtung und Durchführung der künstlichen Kühlung. Wollte man versuchen, auch nur um wenige Grade kältere Luft ohne weiteres zur Abkühlung tn einen bewohnten Raum ernznsühren, so käme es zu unangenehmen Zugccsckvnnungen, gegen die man im Sommer noch enrpsindlicher ist als im Winter, weil die Feuchtigkeitsabsonderung der Haut bei sommerlicher Hitze größer als im Winter ist. Feinst verteilte Lustznsühruug in möglichst großer Eittfernung von den im Räume Weilenden, Windfänge, die im mngekehrten Sinne, wie im Winter, angeordnet sind, und unter Umständen auch, noch die Schaffung von Temperaturausgleichen durch geeignete Vorräume zwischen dein t reien und großen gekühlten Versanrmlnngsränmen oder Sälen nd Vorsichtsnmßregeln, die die Baumeister und die Kältetechniker hei größeren Anlagen beachten müssen. In der neuen Welt ist die Zentralki'chlung schon häufiger eingeführt, als bei uns; die großen Gasthäuser in ^Lew--Dork und Chicago haben sie, ja eine ganze Stad Kansas City, hat eine stadtische Kälteleitung, aus der die Bewohner Kälte entnehmen, wie man es bei uns mit Wasser, Gas und elcllrischjem Strome tut. Mer über kürz oder lang wird es auch bei uns dazu konnn-en, daß die alte Anpreisung „der Zirkus ist gut geheizt", ihr Seitenstück in dem lodenben. Worte findet: „Ter Kino ist gilt gekühlt." * Klagen über zu hohe Hotelrechnungen. Tie Klagen über die zu hohen Hotelrechnungen sind keine Erscheinung der ßc'nzeit, sondern bestehen so lange wohl, als Hotels existieren! und Rechnungen dort eingeführt sind. Durch ein Mandat vcnst 1. Dezember 1578 bestiminte der Bischof Julius von Würzburg; „Der Wirt soll jcdein Gast seine Zehrung von Stucken zu Stucken Unterschiedlich rechnen, Bolgents auch über dieselben Zehrung, einen? unterfchiedlick^n Zettel zuzustellen schuldig sein." Damit scheint dann erst eigentlich der Brauch einer Gasthofsrechnung eingeführt worden zu sein. Ein paar Jahre vorher, unteren 4. Februar 1574, hatte der Nat der Stadt Augsburg eine Ordmmg für Wirte und Gastgeber erlassen: „Damit nycmandts wider seinen willen mit übermächtiger Zehmng beschweret loerde", was auf Klagen übep lieberoorteilung schiließen läßt. Unterm 8. Oktober 1523 erließ dekt Rat von Krieberg eine „Ordnung", „ioic es aut fürgenomen «pchkslag der ankomende Personen halb oon den wirten und gasb- gebern gehalten werden soll." — Nach dieser „Ordnung" toar der Gast für Herberge und Lager überhaupt nichts schuldig, es fet denn, daß er besonders vornehme Gemächer beanspruchte. Wenn ein Gast bei einem Wirt aber nichts verzehrte, sollte er dein Wirt das Lager — indessen nicht mehr denn 4 Pfennig — zu zahlen schuldig sein. Vermutlich war damit ein Lager für viele Personen in einem Raum gemeint, derm cs heißt weiter, daß, wenn Gäste Stuben für sich allein haben wollten, so sollten sie sich nrit dem Wsirt „darin oer-^ tragen". Für. Mahlzeiten, inbegriffen einen Trunk Land.vein, war eine bestimmt« Tore festgesetzt. Für die edlerem.insbesondere auch die ausländischen Wjeine durften die Wirte nach Belieben nehmen. * '2 er „gule Ton" in alter Zeit. Aus einem im im Anfänge deS 16. 'Jahrhunderts gedruckten Buckj,e mit Ansmnds- regeln für junge Edelleute errtnehnren wir folgende Sätze, die uns eilt iuteressairtes iBild der L-itten jener Zeit Vorführern „Tie Suppe sollst du nicht vom Teller trinken,' sondern iß sie rmt dem Löffel, und sollst dabei nicht schnaufen wie ein Kalb. Tie Butter streiche nie init dem Daumen auf das Boot. Wenn es Geflügel gibt, so lege die Knochen nicht auf das Tischtuch, auch nickst auf den Teller deines Nachbarn.. Wenn du trinkst, so nimm den Becher mit beiderr Händen empor. Du sollst nicht trinken mit einer Hand, wie ein Fuhrmann, trenn er den Wagen schmiert. Ferner sollst du nicht in den Bocher husten und nicht triirken, rvenn du noch Speisen im Munde hast, gleich dem Rind, noch mit Geräusch trinken wie ein Ochs, auch sollst du die Nase und den Mund abwijck'en, wenn du getrunken hast." * E i n e kr i e g schiru rg i s che E x a m e n f r a g e. Geheimrat Prof. Tr. H. A. von Bardelebsr <1813—95), der berühmte preußische Krvegschirnrg, der sich in den Kriegen 1864, 66 und 1870/71 große Verdienste efioarb, liebte es, in seine Universitätsvorträge gewisse Schierze einAu.flechter, die ständig wie- dekkehrten. So pflegte er- in einem besftnrnrten Kolleg di« folgende Examen frage eures alten Generalarztes mitzuteil-en: „Was würden Sie tun, wenn Sie auf das Schilachjtfew gerufen würderr und man ihiien sagte, das Pferd des Majors iväve gestürzt und hätte sich das Schlüsselbein gebrochen?" Ter.Examinator wies dann aUe mögliche Verbände mW Hellmrttel als unzweckmäßig ab; er >v>ollte nämlich 'Nur die obre Antwort hören: „Ich würde daS Pferd, für eine hohe Summe an ein großes Museum verkaufen, denn sonst gibt es — keine Pferde mit Schlüsselbeinen!" vücherllsch. — Bibliothek b u l ga r ische r Schrift steiler und Dichter. Band 1. Jstvan Wasow. Erzählmtgen und Novellen. Verlag Jivan H. Nikoloff, Sofia-Leipzig 1917. Broschiert Preis 2,40 Mk. — Der Gedanke, die bei uns leider noch gäirzttch unbekannten und doch an Schönheiten so reichen Literaturschätze des mrs in treuester Waffengemeinschaft verbrüderten, hoch sinnigen b ulgarischen Volkes dem deutsche:! Einpfinden zu erschließen, ist ebenso verdienstlich wie zeitgemäß. Der erste Band der durch schnrucke Ausstattung ausgezeichneten Vibliotl^ek vermittelt uns tn den .tief- aründigen Erzählungen Iwan Wasotos, ivohl einer der größten bulgarischen Dichter und Schriftsteller, die ganze sympathische Eigenart des bulgarischen Volkes, seine trotzige, aufvpferungsfählge Freiheitsliebe mit dem zarten Hauch der Poesie der die