Der räffeihafie Feind. Roman von Sven Elve st ad. (Fortsetzung.) Sie war ganz verwirrt vor Angst und Verlegenheit und fragte: „Du willst fortgehen?" „Ja. Wundert dick) das?" „Weiter fort?" „Sehr weit fort, Dagnh. Willst du mir nicht Antwort auf meine "Frage geben?" „Nein: denn ich kann nicht! Du darfst mich nicht fragen." „Ist etwas geschehen?" „Ja, es ist etwas geschehen: etwas, das nicht mehr ungeschehen gemacht werden kann." „Auch mit einem klaren Verstand, guten Willen und zwei starken Fäusten?" tSie gab keine Antwort: sie lächelte nur. Ein sehr nervöses Lächeln. Ihre Lippen bebten. „Liebst du mich nicht mehr, Dagnh? Oder willst du mir auch diese Frage nicht beantworten?" ' Erst schüttelte sie nur den Kops. Aber dann war es, als ob sie einen Entschluß gefaßt hätte. „Laß meine Zügel los," sagte sie. „Laß meine Zügel los, dann will ich dir Antwort geben." Ich ließ die Zügel fahren. Sie beugte sich zu mir herüber und sagte mit süßere bebender Stimme: „Ich habe dich von jeher geliebt, und ich liebe dich noch und werde dich immer lieben." Aber dann spornte sie ihr Pferd und jagte davon. Ich rief ihr ihren Namen nach .Sie drehte sich im Sattel um, winkte mir zu und rief: „Wir dürfen uns nie mehr sehen!" Seither habe ich sie auch nicht mehr gesehen. Ich weiß nutzt, ob sie noch auf dem böse ist. Vielleicht ist sie nock) da. Ich habe meine Ausritte fortgesetzt, weil ich sie nicht entbehren kann, aber ich bin andere Wege geritten. Und damit, lieber Krag, hast du erfahren, was geschehen ist. Ich bitte dich um deine Hilfe. Das tue ich, weil rch gewiß weiß, daß dies nicht eine gewöhnliche Liebesgeschichte ist, keine leichte und vorübergehende Frühjahrsliebelei. Es handelt sich um Großes für uns beide, jedenfalls für mich." Rhe stand auf und trat ans Fenster. In seiner Stimme war ein merkwürdiges Beben, als er sagte: . handelt sich um so Großes, als es sich überhaupt rnl Leben handeln kann. Du begreifst wohl, daß ich nicht aus nock) ein weiß. Aber vielleicht kommt es daher, weil ick vor Unglücksgefühl fieberkrank bin und blind vor großer Liebe. Aber ich kann wirklich nicht ergründen, was geschehen ist. Es liegt auf mir wie eine trübe Ahnung, daß hinter diesen Begebenheiten ein Geheimnis steckt. Ein Geheimnis, dessen Lösung ich nickt finden kann, aber vielleicht vermagst du es. Und wenn rch an das vergrämte Gesicht des alten Obersten denke, als ich zuletzt nrit ihm sprach, da zittert mir unwillkürlich das Herz. Was müssen das für Ereignisse gewesen sein, die so unauslöschliche Spuren in das Antlitz eines Menschen graben konnten!" Jvar Rhe hatte zu Ende gesprochen. „Wo ist mein Ueberzieher?" rief er. „Ich gehe!" „Ohne meine Antwort abzuwarten?" fragte Asbjörn Krag. „Du weißt ja, wo ich wohne," antwortete der Freund. „Du kannst, kommen, wann du willst. Ich lasse ein Zimmer für dch bereit halten. Aber du mußt innerhalb acht Tagen kommen." „Warum so geschwind?" „Nach acht Tagen reise ich ab." Im nächsten Augenblick stand Rhe im Ueberzieher da. ^ „Ich möchte nur zwei Fragen an dich richten," sagte Krag. „Bitte!" „Wer, glaubst du, ist wohl die Ursache von allem dem, der Vater oder die Tochter?" „Ich meine, das sei aus meiner Erzählung deutlich hervorgegangen," erwiderte Rhe. „Es ist meine feste Ueberzeu- gmrg, daß es der Vater, der alte Oberst ist, der sich meinem Glück und dem seiner Tochter in den Weg stellt. Aber er tuj das notgedrungen und mit blutendem Herzen." „Hältst du den Alten für einen Ehrenmann?" „Ich mag ihn sehr gern leiden, und ich halte ihn bedingt für einen Ehrenmann," antwortete Rhe. „Schön. Nun noch eine Frage. Weiß die Nachbarschaft etwas von dieser Geschichte?" „Ja, du, da bringst du mich auf etwas, das mich mit veranlaßt, meine Abreise zu beschleunigen. Es war ja nicht zu vermeiden, daß die Nachbarschaft etwas von Unserer Verlobung erfuhr. Ich weiß auch keinen Grund, warum sie nichts davon hätte erfahren dürfen, die Hochzeit war ja schon festgesetzt. Nun haben sie natürlich auch von dem Bruch erfahren, und es hat ein Geschwätz gegeben. Das ist unangenehm, aber es läßt sich nichts dagegen machen." Als nun Rye gehen wollte, hielt ihn Krag mit noch einer Frage auf. „Du hast mir von dem Obersten und Fräulein Dagnh erzählt. Kwtn nicht auch noch eine dritte Person im Spiele sein?" „Was meinst du damit?" „Gibt es nicht noch einen Dritten? Ich meine außer dir?" Rye drückte die Hand des Polizeibeamten. . „Nein!" sagte er. „Es gibt keinen Dritten. Dafür stehe rch." Nim verabschiedeten sich die beiden Freunde voneinan- 338 der. Rye jhio zum Bahnhof, um abzureiscn. Asbtorn Krag blieb iwch lange sitzen, tief in Gedanken versunken. Das war jedenfalls eine wunderliche Sache, ohne Ähnlichkeit mit andern Geschichten, mit denen er als Detektiv schon zu tun gehabt hatte. , .., ... ^ . . . legte sich die Frage ob er srch überhaupt m diese «Äche mischen solle oder nicht. Was konnte er eigentlich tun? Hier war ja nicht die geringste Ungesetzlichkeit begangE worden, und weder in seiner Eigenschaft als Polizer- heamter noch als Privatperson hatte er Veranlassung, sich! an den alten Obersten und seine Familie heran zud rängen. Aber jedenfalls konnte er feinem alten Freunde Jvar Mye einen Besuch machen nnd ettr paar Tage bei ihnr bleiben. Er konnte ja sagen, er wolle sich einige Tage der Muhe gönnen. Am Tage darauf erhielt er eine Postkarte mrt folgendem Wortlaut: Lieber Freund! Dein Zimmer steht bereit. Dein Jvar. Mein er bedachte sich noch immer. Da ereignete sich etwas, das ihn veranlaßte, einen! xascheu Entschluß zu fassen. Den Dag, nachdem er diese Postkarte erhalten hatte, traf er den Vorstand der Detektivabteilung, der ihm ein Telegramm zeigte. Es lautete: „Oberst Anders Holger ist in der Nähe seines Hofes lebensgefährlich verletzt aufgefunden worden. Unglücks fall oder Ueberfall. Umstände sehr verdächtig. Gerichtliche Unter- siLchnna im Gang." Ooerst Anders Holger, das war ja der alte Oberfh, Dagichs Vater. Eine Stunde darauf war Asbjärn Krag unterwegs. 3. Kapitel. Im Verda cht. Während der Eisendahnfahrt befand sich Asbjörn Krag tot einer Unruhe, wie er sie noch selten verspürt hatte. Minmal ums andere las er das Delegrarmn mit der Nachsicht von dem rätselhaften Unglücksfall. Der alte Oberst war also halbtot in der Nähe seines!' Hofes aufgefunden worden. Unter verdächtigen Umständen. Es kam Mag sonderbar vor, daß ihm Freund Rye davon keine Mitteilung gemacht batte. Aber vermrttlich hatte das traurige Ereignis seine Gedanken z!u sehr eingenommen. Verdächtige Umstände! Diese Worte klangen sehr bedenklich. Es mußte ihnen etwas sehr Ernstes zugrunde liegen, sonst hätte das Telegramm kaum so gelautet. Diese Depesche war von einem Berichterstatter ans Telegraphenbureau gerichtet lvorden. Wahrscheinlich hatten also die Leitungen Christtanias bereits das Publikum in Bewegung gesetzt, und das war dem Detektiv kein angenehmer Ge- banke. Es war ihm immer am liebsten, wenn er seine Arbeit in der Stille tun konnte. Er ging durch alle Wagen des Zuges, entdeckte aber zu seiner Freude keine Jour-' nalisten. Nun hatte er also jedenfalls einen halben Tag Vorsprung. Einer der Reisenden fing ein Gespräch mit ihm an. Es war ein älterer Herr mit einem gutmüttgen Gesicht, ein Versicherungsbeamter auf einer Dienstteise. Während des Gesprächs erwähnte Asbjörn Krag auch den Unglücksfall. der den alten Oberst getroffen hatte, und das interessierte den Versicherungsinspektor sehr lebhaft. Es zeigte sich, daß er den Oberst seit mehreren Jahren kannte. „Ich hielt viel von dem alten Herrn," sagte der Inspektor. „Er war ein alter Soldat von echstern Schrot und! Korn, konservativ und hartköpfig, aber im Grunde herzensgut. Seine Gastfreiheit war großartig." „Da ist er wohl sehr reich?" ftagte Krag. „Er hat etwas von seinem Vater geerbt, aber er selbst hat sein Vermögen vervielfacht, denn er hatte einen ausgeprägten Geschäftssinn. Bei mehreren Fabrikeil war er beteiligt, trocknete Moore aus und ließ Land urbar machen. Ich glaube, daß sein Vermögen jetzt nach unfern Verhält- nrssen wohl groß genannt werden darf." Der gesprächige Inspektor erzählte noch allerlei von dem alten Obersten, und Asbjörn Krag lauschte begierig. Me kleinste Kleinigkeit war ihm wichtig, wenn er mit einer derartigen Untersuchung beschäftigt war; alles, was er erfahreil konnte, stapelte er in seillein Gehirn auf. Da lag alles gewissermaßen in Schllbfächerll geordnet, und er konnte llach Bedarf das bettefsende Fach aufzieheil Nlld durchsuchen. Im Laufe des Nachmtttags langte der Zug an dev kleinen Statton an. Krag hatte seinem Freunde seine Ankunft nicht angezeigt und wurde deshalb auch nicht am Bahnhof abgeholt. Es war milde und warme Witterung, und Asbjörn Krag freute fick) behaglich auf die Wagenfahrt, die er bis zu Jvar Ryes Gutshof zurückzulegen hatte. Er trat in den Kaufladen, um sich einen Wagen zu bestellen. „So, Sie wollen also zu Herrn Rye," svgte der Kaufmann ruhig und sah ihn aufmerksam an. Asbjörn bemerkte den Blick und wunderte sich darüber. -Meinen Sie, er sei nicht zu Hanse?" fragte er. Der Kaufmann lachte. „Doch, ich glaube schon. Ich glaube nicht, daß er jetzt so bald auf Reisen gehen wird. Jedenfalls nicht weit fort." Als Asbjörn Krag diese ernst gesprochenen und verdächtig klingenden Worte hörte, fühlte er wieder eine sonderbare Unruhe in seinem ganzen Körper. „Sie sprechen von einem ineiner besten Fremrde," sagte er zu dem Kaufmann. ,Mch so!" beeilte sich dieser zu sagen. „Na ja, Jvar Rye ist gewiß ein sehr braver Mann. Und große Reisen hat er gemacht. Ist er nicht rund um' die ganze Erde gekommen?" „Doch, das ist er. Er ist in vielen Ländern gewesen." „Ja, in der Fremde dranßeil llimmt man's nicht so genau," sagte der Kaufmann und ging dann hin, um den Kutscher zu rufen. Asbjörn Krag merkte wohl die Vorsicht, die ans diesen Worten sprach. Also hatte sich das Gerede der Leute bereits dieser Sache bemächtigt. Krag merkte, daß man Jvar Rye nicht wohlwollte. Als Kutscher erhielt Asbjörn einen alten graubärtigcn Bauern. Während des ersten Teiles der Fahrt zeigte sich der Bauer still und verschlossen, aber durch Krags Freundlichkeit und die Gabe eines Priemchens Tabak taute er auf. Endlich fragte er zögernd: „Sie Sie — sind Sie dort aus der Stadt?" „Behüte, ich bin ans Christiania." „Und Sie wollen zu Jvar Rye?" „Gewiß." „Kennen Sie ihn denn?" „Nein," behauptete Krag einer plötzlichen Eingebung entsprechend. Es entstand eine lange Pause. Dann begann der Bauer wieder zu fragen: „ß)ann sind Sie vielleicht einer — so einer von denen — die aus der Stadt erwartet werden?" „Nein, das bin ich nicht," erwiderte Asbjörn Krag. „Aber ich bin wegen des Unglücksfalls, der Oberst Holger betroffen hat, hergekommen." Der Bauer nickte. ,>Na, das konnte ich mir ja denken," sagte er. „Lebt er noch?" „Ja, er lebt noch, und vielleicht macht er es auch durch, aber er ist noch nicht wieder zu sich gekommen." Nun wurde der Bauer gehimnisvoll und murmelte halblaut vor sich hin: „Vielleicht ist es für jemand recht gut, daß er noch nicht wieder zum Bewußtsein gekommen ist und Zeugnis oblegen kann." ' „Kennen Sie Herrn Rye?" fragte Krag. „Jawohl, ich kenne ihn schon, und ich habe auch seinen Vater gekannt. Das war ein Biedermann. Mit ihm ließ sich doch noch ein Wort reden. Aber der da läßt sich niemand zu nahe kommen." Asbjörn Krag sah wohl ein, daß ein Mann wie Jvar Rye mit seinem Starrkops, seinem abweisenden und verschlossenen Wesen unter dem Volke wenig beliebt sein konnte. Kurz darauf fragte der Bauer: „Was haben Sie denn für einen Beruf?" Krag wußte nicht recht, was er sagen sollte. Polizev- beamter wollte er nicht sagen. „Ich bin Journalist," sagte er. Das verstand der Bauer nicht. „Einer, der in die Zeitung schreibt," erklärte der Detektiv. Da ging dein Bauer ein Licht auf. „Also Kvlporateur. Ach so," sagte er. (Forts, folgt.) » 339 Der lustige wiederelnzug der Zchwelnewurst in Uönlgsberg Anno lbOP Mitgeteilt VE Hans Runge. Während der beiden Letzten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts Hangelte es den Königsberg ern int alten Preußenlartde, gatrz wie rrt unseren Tagen, an sännen, schweinernen Würsten. Es war ein Verbot ergangen wegen Knappheit an schtachtbaren Sckiiivei- uen, WUrsttvaren l>erznstellen. Mit Llblcmf des Jahres 1600 trat das Gesetz außer Kraft, imd die Schwach,t erg itde der Stadt Königsberg hatte um die Jahreswende nichts Eiligeres und Besseres Kn verrichten, als Vvn einer großen Anzahl g-eschilachbetcr Schweine eine Wurst herzu stell eit, so — riesenlang, aber dabei so^schmackhaft Und köstlich, daß^ein Teil davon sogar Serenissimi Tafel zieren, durste. Und das war im Zeitalter der Morgenröte des aufgeklärten Absolutismus eine Tat, die der wohl löblichen Schlackstergilde der ttften, guten Stadt Königsberg #ur Llneekennung und Ehre gereichen durfte! Dent geneigten Leser sei ein alter, aus Urgvoßvätevzeit stammender Berickst über die , lustige Geschichte des Wieder ei nz^uges der langentbehrten Riesen Mettwurst nickst vorenthcckken: „Im Jahre 1601, am 1. Januar, haben die Schlachter zu Königsberg eine Wurst, 1005 Ellen lang, nach dem Schlosse der Stadt Königsberg getragen und Jhco Fürstliche Gnaden davon etliche Ellen verehrt, weil sie innerhalb 18 Jahren fötne gemacht hatten. Sie sind mit Trommeln jmb Pfeifen angezogen, voran ein Führer mit einem Spieße, wohl aufgeputzte mit Federn und Binden, mit fliegenden weißen mrd grünen Fähnlein. Diesem sind gefolgt 103 Schlächterei rechte, haben die Wurst getragen. Ms beyden Seiten sind »etliche einh'vo gegangen, lim die Wurst iu Acht zu uehmen, daß sie nicht Schaden litte. Wie sie nach dem Schlosse gekrümen sind, haben sie ihrer Fürstlichen Gnaden 130 Ellen von selbigem Monstrum verehret. Vom Sch>losse sind sie Über die .Schstniedebrücke in den Kneiphos, von da durch die Altstadt in den Löwenichk gezogen; allda sind sie von den Bäckern empfangen worden, welchen sie auch viel Ellen Volt selbiger Wurst geschenket, und von den Bäckern rwch.nals zu Gaste behalten worden, auch bis in die tiefe Nacht hinein beysammen lustig gewesen . . . Tie Bäcker waren auch ni-cht müßig und ließen sich nicht lumpen. Sie buken acht gewaltige „Strützel" und sechs große Kringeln. Zwei der „Strützeln" Hattert eine Länge von 9 l / 2 Fuß; 12 Schefßel Weizen wurden zu dem Teig genommen. Die Kringel wurden aus Pfeffeickuch^tteig gebacken, mit denr Bäckevgesellen- wapipl?it verziert und mit Löweuköpscm aus Papiergold und bunten Fähnlein behängt. Auf Wunsch Serenissimi wurden die Kosten für diese RiesenlucklvUnder getunt bevchnet. Tie Endsumme ergab 43 Mark 3 Groschen, oder ungefähr 24 Reichstaler. — Ob nun Serenissimus ent sparsamer Herr war tutd genatl wissen wollte, wieviel Taler und Groschen das gewiß lange Ende Wurst wert.gewesen sei, das er verzehrte, inn nachher Vergleiche mit den Preisnotierungeit seures Hof- ttnd Leibsch,lachte rs an stellen zu köimen, oder ob seine Fürjtlvchle Grraden die luftigen Stadt- scksachter M einer besottdereit Steuer „condeinniren" wollte, tveil sie so forsch auftvaten und mit dent Schweinernen .gar zu verschwenderisch umsprangen, weiß ich nicht;-- genug, Serenissimus besohl Feinem ersten Haus- und Hofmeister, von den Fleischeru spezifizierte Rechnung einzusorderu. — Aber geben wir wieder dein Schreiber der oltett, fast verblaßten Zeilen das Wort: ,Mndern Tags ist auf Begehren Fürstlicher Turchlauckst von beit Srf:i(M;ibern Ivos die lange Wurst gekostet und was darauf gegangen, olles aufs genaueste berechjnet und zum Bericht aufgesetzt worden: Die Wurst ist laug 1005 Ellen, hat gewogen 22 Stein Uud 5 Pftmd, thuet 685 Pftutd, dazu ist kein ander Fleisch gekommen, als Rthlr. Gr. eh. 81 lautere Schweinsschinken.= 118 10 3 Die Därmen von 45 Schweinen item l'/'a Tonnen Salt;.= 3 5 — item l'/a Tonnen Bier.= 3 — — item 18'/« Pfund Pfeffer.. . = 24 13 — item ha beit daran gearbeitet drei Meister, 67 Gesellen, machet 70 Persoiten. Haben dabey anSgctrunken 2 Faß und eine Tonne Bier. Aber die ganze Zeche über ist auf- gegangcn ohngefähr 40 Faß Bier, jedes Faß 12 Mark, ntacht. 480,— Mark. Den ersten Tag daran gearbeitet von 6 llhr deS Morgeits bis auf den Abend um 7, deS anderen Tages voit 8 — 1 Uhr. Der Kränze (womit die Wurst geschmückt war) sind aeiveseu 109, haben gekostet . 112,60 „ Ter polnische Groschen, wonach damals in Westpreußen gerechnet wurde, gtngon! .20 (Stücf auf Äit« Mark. — Es waren noch ivohlfeile Zeiten im alten Preußen, als 81 „lauter Schweiusschinken" etwas mehr als 118 Reichstaler kosteten. Dafür gibt's heutzutage, im dritten Jahre des Weltkrieges., wenn Niait Glück hat und „die Sache gut geht," höchstens zwei. Auch, der Pfeffer, der heute wieder nn er scholli g l ich ivird, lvar wohl ums Jahr 1600 ein kostspieliges EöQvürz. Ten lustigen Köuigsberger Schilachterumizug, bei dem nxohl die längste jemals hergestellte Wurst zur Schau getragcit wurde, hat ein Maler in de rb-to Mischer Manier im Bilde festgehalten. Lange Jahre hirtg das Gentälde in ,, LU tshädti scheu Gemeingarten" zu Königsberg. _ ' vermischte*. Wie die moderne Kältemnschine entstand. Die für zahlreiche Industriezweige und besonders für die Herstellung uno Bewahrung gebrauchsfertiger Genußmittel so überaus wichtige Kältetechnik wird in den Vordergrund gerückt durch dos Jubiläum i^res Begründers Earl von Liitde, der vor wenigen Tageit seinen 75. Geburtstag feierte. Trotzdem es bereits vor dem praktischen Ergebnis dec Arbeiten Lindes Kühlapparate und Kältemaschinen gab, kann ohne Uebertreibung gesagt werden, daß erst seine Stttdien zu dem ivissenschaftlichen Begriff der Kältetechnik geführt haben. Linde, der heute auf eilt Lebenswetk von dauerndent Werte zUrückzublicken verntag, hat in seinen der Allgemeinheit ttock) nichts zugänglichen Lebenserinnernng-en ausgcführt, wie es zur Schaffung der modernen Kältemaschine kam, und die wesentlichsten Mit e l-ngen hierüber lassm sich, einem Be uchit ron Prof. Dr. Ma; Joboo irr den „Raturwisse 1 t.fch 7 .fden" entnehmen. Schals außerordentlicher Professor sah Linde sich aus siitanziellen Grüttden gezwungen, mancherlei Nebenaufgaben 311 übernehmen, und ein f r ei sausschreiben veranlaßte ihn, die Literatur über künstliche ühlung geitau zu prüfen. Trotzdem die drei Haupttypen der Kältemaschinen — KaltlufiMaschinen, Kaltdampf-Llbsorptionsmaschütcn Und Kaltdautps-Kompressions Maschinen -— bereits vorhanden waren, erkannte Linde sofort, daß auf diesem Gebiet noch wichtige Ausgaben Ku lösen gab. Er schuf in der Folge eine Theorie der Kältemaschinen, wobei er das größtmögliche Verhältnis von Kalte- pvcdu'ktion zur aufgewarrdteit Arbeit zu firtden such>Le. Die Veröffentlichung dieser Studien erregte die Beachtung der an künstlicher Kühlung außerordentlich interessierten Brauereiindustrie, die Linde die Mittel für eine Versuchs Maschine zur Verfügung stellte. Mehrjährige praktische Arbeit führte auch zu einem vollen Erfolge. Das hauptsächlich Reue der Theorie und Ansführungsart Lindes bestand in der Erwägung, daß Kälte sich am «günstigsten erzeugen läßt, trenn bei der höchstzulässigen Temperatur der zu kühlenden Substanz Wärme entzogen imd wenn diese Wärme bei der geringstmöglichen Temperatur an eine wärmeaufnehmertde Substanz wettergegeben wird. Zirr Verwirklichung dieser Theorie erschienen die sog. Kompressionsmaschmm am bestert geeignet. Bei diesen wird eine „flüchtige Flüssigkeit" durch den zu kühleren Körper verdampft, Wobei sie ihm die Wärme entzieht. Ter Dampf wird dann komprimiert, wieder verflüssigt, und 'seine Wärme geht an doS Kühlwasser über, worauf der ganze Vorgang aufs neue beginnen kann. Es gab derartige Kompressionsmaschinett auf einer gewissen Vorstufe in England, und zwar wurde bei deuselben Schweseläther angewandt. Der Fehler bestand hauptsächliich darin, daß der geringelt Flüchtigkeit des Schwefeläthers ein verhältnismäßig sehr- niedriger Druck entspricht und daß durch die Druckverluste in den Ventilen die Wirkltngskraft noch verrmgert wird. Man mußte sich also nach flüchtigen Flüssigkeiten umsch.'n, deren Dämpfe bereits bei Temperaturen in Höhe der Untgebungstemperatnr hohe Drucke ausuben Zuerst wurde Methyläther und eitdlich Ammoniak angewandt. Weitere Verbesserungen bestanden im Llbschluß der unter Gasdruck stehenden Räume von der Außenlust durch Sperrflüssigkeit — etwa Glyzerin — die gleichzeitig zur Schmierung dienteit. So wurde endlich, von Linde die nioderne Ammoniakkompressionsmaschine geschaffen, die mit ihrer besonderen Tichtungsart in ganz Europa heute die typische Fornt der modernen Kältemasch> nicht unvernünftig, heute beni sog'. „Frösch.'u", das ist dem Froschsang, näherzntreten, und zivar zur Geivimtultg der . stt keulen. Tie beste Art dieses Fröschens ist drrichttmg bringt man an einer mit 2 Meter Schmir versehenen Fischgerte an, imd schreitet nnn bei Beginn der Tannnerimg -oder vor und während eines lauert Regens die Ränder der Tümpel entlaiig. Das grelle Rot des Lappens übt ein s ins Plaudern. Es N>ar der sog. Schillenvein, der um Harbach roächst, der Heimat Schillers, uud den man gm ganzen Reich nickst kennt, oft nicht einmal dem Namen nach. Meine Bemühungen, Bassermann in ein politisches Gespräch zu ziehen, scheiterten, und das Einzige, was ich von chm hörte, war ein großes Lob des schwäbischen Weines, twn dem nur eine ganze Flasche leerten. Ich erAarte ihm darmif, mrt einem solchen Lob, öffentlich. ausgesprochn, müsse er sich alle schwäbischen Herzen genmrnen. Tags daraus hörte ich ihn spreck.n und fanwte nicht rvenig, als er seine Rede mit ;'inem Hymnus des Ncckarn>eines einleitete. Dabei wußte er geschickt die Tatsacke, daß es im Schwaben!ande manches Gute gibt, das aber nickt über die eigene Heimat IMvegkommt, »veil man es selbst genießt, mit den tnnerpolitffchen Kämpfen in Württeniberg zu verbinden. Jedenfalls mar der Beifall, den diese Weinrebe, als die er sie nachher bezeichnet^, bei den Hörern fand, außerordentlich stark, und auch die „Nichä-Bassermanner" stimmten in den Beifall ein. * Ei n e stä n d i g e P il z au s st el l ung im Zoologischen Garten zu Frankfurt. Als neueste Kriegsmaß- uahme ist zur Erweiterung 'her dem Insektenhause ungegliederten „Ausstellung nutzbarer Wildpflmizen" seit einigen Wock^u eine kleine ständige Schau der iioichtigsten Pilze in einer Sonderabtcrlung untergebracht. Tie Art der Veranschaulichung ist insofern neuartig, als die Mze, nicket tvie man es bisher aus Pilzausstellten gen sah, einfach in ?Noos gesteckt sind, oder auf Tischen liegen, sondern in Masbehältern, sog. Terrarien eingepflanzt 'sind, die nachi der Art ihrer Einrichtung dem Beschauer ein Bild von dem natürlichen Standort einer jeden Pilzart geben. Wir sehen also die Bewohner des '.'tadelivaldes in einem kleinen Nadelwaldausschnitt, die der Raine und Wege in entsprechend eingerichtetein Behälter, die der Wiesen'aus Grasaussttchen und so fort. Es wird besonderer Wert darauf gelegt, daß der Beschauer die wichtigsten guteii Speisepilze und die wenigeir giftigen Artcu kenneil leritt, die häufig mit ersteren verwechselt werden. Die flehte Ausstellung ist, da sie mix frischs, nicht konserviertes Material zeigt und auf ständige Er- aänzunKen angcklviesen ist, natürlich, in ihrem Bestände sehr wech- selnd. Lxnt der Eröffmmg lvurden etwa 30 Pilzarten zur Schau gestellt. * Eie russisches Torfbild. Aus dem Bezirk Sim- dirak erfährt „Mrs.zewija Wjedomosti" daß die Lage dort fortgesetzt drohender wird. Iii deii Dörfern kümnrert inan sich durchaus nicht um die politischen Verhältnisse, und von den Vorbereitungen zu den Wahlen für die Konstituveretide Versammlung' ist nieinaiid uitterrichtet. Nur das Schlagnwrt „Es kommt heraus!" geht von Munde zu Munde, dabei kann keiner sagen, tvas herauskommen soll. ?lus den Feldern wird kaum etwas getan, denn teils fehlen die Laiidwirtschaftsgeräte, teils herrscht auch eine zroeifel Haffe Aengillickkeit, ob der Arbeitslohn gezahlt und ob die Fn'tche der Arbeit dein Besitzer des Grundstückes zufallen iverden Iii jidcm Torfe smd gegenwärtig 2—3 Halsabschreider anzutteffeii. die dm Leiiten das Fell über die Ohren ziehen. Außerdem ist Raub, Diebstahl, selbst Totschlag, ferner mutwittche Einstellung der Feldarbeit ohne jeden Grund, Verletzung der Ärbeitsverkrägjc und dergleichen mehr an der Tagesordnung. Tie Vernachlässigung der Feldarbeit scheint Nöte heraufzubeschvöreu, toie sie 1905 durch dm Hunger eingetreten Ivaren. Die Felder bieten fein erfreulicheves BildTie Wirttersaat steht niedrig, von der Deßjattn i,t nicht viel mehr als unr die Hälfte geinäht, und der Rest dimt hernmirvendem Vieh als ^Futter. Für Weizm, Hafer, Erbsen und Buchwerzm, sowie für Kartoffeln sind keine günstigen Aus- srchten vorhanden, niid infolge der nrangelhaften Bestellung ist mit einer Unterernte sicher $u rechnen. Und das zu einer Zeit, lpo alle Nährmütel für Mensch und Vieh völlig erschöpft sind! Du Klage: „Das Vaterland ist in Gefahr.'", so schießt der Berichterstatter des russischen Blattes, „keimzeichnet noch lange nickt die tatsmtzliche Lage der Dinge, die viel schliminer ist,, als man m der Großstadt ahnt. Der erbarmungslose utid noch nie dagewe,ene Hunger des Jahres 1918 ist nunmehr unabwendbar!" liebt keine krummen Zahlen. . . Uns wird geschrieben: Bon dem früherm russiser HandroerkSmeister folgendes Er- lebiiis: Iahrlaug hatte er für Pen Adirrister die Bilder seiner Fainrlie v-ergr>ldm müssen, ohne je einen Kopeken Zahluiig dafftr l»moiiimen zu liabeu. Lv oft er sich im Palais mit seiner Rechirurig !ehen ließ, Nstesen ihn die Diener ab. Doch, einmal erwischte ec den Miniltec. Dieser zerrte ihm wütend die Rochimna aus den Fingern und brüllte, daß er keine krummen Zahlen. und unaleickje Rechnungm liebe . . . Viit Sselerrruhe versetzte der biedere Handwerksmeister, daß er die Fahlen nach, oben abrunden werde und den Fehlbetrag hinzu zalsten nwg?e. Verdutzt sah der Minister (fftt den -Sprecher, dann schleuderte er ihm .die Rubel scheine vor dre rtilße und jagte ihn zur Tür hinaus . . . . * Die Amazonen von Elbing. Während einer Fehde des deutichen Ritterordens mit dem Herzog Swantepolk von Pommern waren auch die Bürger der Stadt Elbing mit dem Orden zu rz-elde gezogen, und nur die Greise. Frauen und Kinder wären in der L>tadt zurückbüölieben. Dieses letztere wurde dem Herzog durch erneu Verräter Unterbracht, und der Pommer beschloß, die Stadt, unter solchen Umstchrden für leichte Beute hielt, mit einigen Fähnlein ferner Leute zu überrumpeln. Als man in Elbing das Herannahen der Feiirde erfuhr, erhob sich ein großes Wlehllagenj und eitel Verzweiflung. Mer die Frau des Bürgermeisters undj viel beherzte Geschlechtsgerwssmnen hielten sogleich Rat, wie sie dre Stadt so lange verteidigen könnten, bis man die-Männer zur Hilfe /zurückgeholt hätte. Alle in der Stadt noch vorhandenes Harnrsche und Waffen wurden hervorgesucht, und die Fmuen und Jungfrauen Elbings zogen djc Rüstungen an, gürteten die Schwerter um und nahmen Schild und Spieß in die Haird. Dann besetzten sie regelrecht die Rdauern und ep,barteten das Hieran- naheir des Herzogs. Dieser war sehr crfluujit, die Stadt so stark ver- ttrdigt zu sindeu, glaubte, sein beabsichtigter Haiidstreich loäre den Elbrngern im Lager des Ordensheeres verraten worden und diese wären rn die Stadt 'zurückgekehrt, und da er die Bürger als tapfere Ltretter ivvhl kairnte, zog er es vor, mit fcüttm tvenigen Leuten oou dein Angriff abzustehen und lieber heimzukehren. So waren dre mittigen Frauen rmd Mädchen Elbings dre Retterinnen ihrer gefährdeten Vaterstadt geivorden. vücherttsch. — Flemmings Zweiblattkarte der W estfront. — Als Nr. 40 der Flemminchschen Kriegskartensamm-luug (Carl Flemmuig, Verlag Berlin uud GlogaU) erschmtt svebeii eine aus zwei großen Blättern im Fornrat von je 88 :'71 cm bestehende „Lpozialkarte der gesamten Westfront" von der Nordsee bis zur ?^8^^reis 2 Mark). In dem eingehenden Maßstabe v.ni 1: 320 000 g^eichnet, weilt die Karte naturgemäß einen großen Reuhbum des InhaÄs auf, so daß sie ermöglicht, den Kriegsvovi gärigen bis rn die Einzelhetten zu folgen. Beide Blätter der Karte Und auch vvin völkischen Standpunkte aus inteoessaiit, iirdein mrf chnen überall, wo sichere Ouelleii Vorlagen, an Stelle oerwelschter Orts- und Flußnanren die alten oberderttschen bzw. nieder-oeut^ scheu .'tameii wieder Migewandt wurden. -y % ^ (Kriegsousgabe) HerMisgeber: I. E. DiertÄMrlich (6 Hefte) 5 Mark, Ein- zelheft 90 Pfg. Pvobehest portofrei (^tttttgart, Greiner L Pfeiffer) Ans dein Inhatt des ersten Mgustheftes: Mldeittsch? Von I. E. Freiherrn von Grotchuß. — Die Schicksalssvurde Roms. AinF-mil RaSmlussen. — „Ern stades Volk." Von Prvf Tr N>. Heyck. — T^ Philaitthvop. Bon Jüliuö Kreis. - Lozial- demokratte und Evobernugspvlttik. Vorr Otto Corbach,. — Gustav von Lchuroller. Von Dr. Richard Bahr. — Carglaiids Herr- schaff: über dre Meerengen als Grundlage seiner Bllckadepolttik Zpu E B. — Weltfrrede und Ehrisdenttun. - Tschechisch oder Bohimsch? — Theater imd „Freil-eit der Kimst". Von Karl ^orck. — Das Harmonium mit besonderer Berücksichtigung ferner Bedeutung fftr das heutige Musikleben. Von H. Oehlerking — Türmers Tagebuch,: Ter Krieg. — Auf der Warte. — Kunst, beilag err. — Notenbeck age. rc -^b ^ Bölkerkri e g Eine reich lllnstt-ierte Chronik der Ereigniffe seit dem 1. Juli 1914. Herausgegeben von Dr. C H Ker, Verlag von Julrus Hoff'mann. Stuttgart. Heft 133/134 Preis \t 40 Pfennig. iiyjuiju iu|u. NCEZHOAIHESTNCSL Die Buchstaben sind mit einer bestimniten Zahl auszuzählen. Beini ansgezahlten Buchstaben wird stehts ivteder begonnen und keiner übersormigen. Die Lösung beuennt einen Teil der Kä'mvse gegen Italien. (Auflösung in nächster Stummer.) Sluflösung des HoinograinniS in voriger Nununer: DES DAMPF EMDEN SPEER FNß JdjrijlltUima: 3t. Ji. Z«nz. - Zwillingsr.uiddruck Mid Becla, dec Btühl'lchen Universttäts-Bu». und Steindtucketü R. Lange.