Montag, den 50. 3ult Die blonde Drossel Roman von E. Fahrow. (Fortsetzung.) Stockton sprang auf und eilte im Zimmer hin und her. Seine Hände fuchtelten umher, sein Gesicht wurde m beängstigender Weise bald blaß, bald braunrot, und er schrie mit schriller Stimme und überstürzter Eue: . „Du sagst es also mit dürren Worten! Du bist immer lwch so herzlos, wie du es von jeher warst! Aber letzt ist cs aus Mit altem Wenn und Aber! Es ist drr vielleicht un- bequeni, aber es ist dennoch wahr, daß ich ctn tobtröitrer Mensch bin! Anstrengungen, Herzkränkungen sind mir auss strengste verboten. Uub in deiner Hand liegt ganz einfach mein Leben." Ruth stand aus und versuchte, den Alten zu beruhigen, seine Hand-zu erfassen, die er ihr aber zornig fortritz. „Besinne dick, dock,, Papa," bat sie, „wovon sprichst du denn jetzt? Die Sache mit Wecker ist doch längst vorbei. Womit soll ich beitu nun dein Leben retten können, wenn du glaubst, du seiest so krank?" . ^ . - „Mit eilt wenig gutem Willen, stieß er hervor, „wäre alles getan!" , . ,, . ^ ~ . Dann besann er sich, daß er auch vielleicht andere warten auszieheu sollte, und plötzlich ward sein Don weich und fein Blick ganz demütig, als er fvrtfuhr: „Ruth, es gibt Opfer, die ein liebevolles Kind wohl zu bringen vermag, wenn es für seinen Vater nur wirkliche Kindesliebe empfindet. Du weißt, niemals war ich cm Freund von rührseligen Worten. Aber heute ist der ^ag der Entscheidung heute liegt bei Gott Tod und Leben deines Vaters in deiner Hand." ^ . - Ruth hatte ihr Pelzmützchen ab-enommen und aus den Tisch gelegl, (auch den Mantel warf sie aus einen Stuhl. Ihr war so heiß und schwül und bange zumut. Das flehende Gesicht des Alten und seine unerträgliche Demut benahmen ihr fast den Atem. , „Ich verstehe kein Wort," murmelte sie. Er aber blicfte sie an, wie sie dort stand un Schimmer des schon verblassenden Tageslichts und so angstvoll zu ihm Hinblicke. Ihre Holdseligkeit fiel ihm eben jetzt so recht ins Auge, und zugleich stieg das Bild des schönen Freiers- mannes vor ihm empor, der sein Retter werden wollte. „Ruth," sprach er förmlich zärtlich, „du gewinnst die Herzen der Männer spielend leicht, das weißt du ra ganz allein. Und jetzt wirbt wieder einer um dich — aber er m nicht alt und abstoßend, sondern jung und hübsch und reich. Der will mir helfen, will mir auf der Stelle alle notigen Kapitalien aus den Tisch legen, wenn du dich — o, gar nicht etwa sofort, mit ihm verheiraten willst! So stürmisch und anspruchsvoll ist er aar nicht — sondern wenn du dich nur mit ihm verloben willst! Er liebt dich wie ein Wahnsinniger. Ruth! Und ich würde, wenn du jetzt ein einziges Mal nachgeben, meine Bitte erfüllen willst, ein glücklicher, ein wohlhabender Mann sein." t r Ruth tanzten bunte Funken vor den Augen herum. Was nrochte denn hier geschehen sein, wer mochte ihren armen, verwirrten Vater so betört haben? Wußte sie nicht von Hermann, daß alle seine Pläne wertlos waren, daß ledes darauf verwandte Kapital verloren sein mußte? „Von wem sprichst du, Papa?" fragte sie leise. „Es ist ein Mann aus vornehmer Familie, der sich m Berkin in dich verliebt hat. Er glaubte, daß es richtige^ sei, wenn er zuerst mit mir, mit deinem Vater, spräche, bevor er dir als Bewerber gegenübertritt. Aber es ist gegen ihn wahrhaftig nichts einzuwenden!" , t . „Bevor du weitersprichst, Pa, will ich dir Mit emem Worte die Unmöglichkeit klarmachen, auf irgendwelche Heiratsprojekte einzugehen Ich habe mein Wort bereits vergeben und ich weickn es halten. Du würdest selbst kerne Treulosigkeit von mir verlangen, nicht wahr?" „Treulosigkeit? Und dein Wort vergebenohne mich auch nur danach zu fragen? Ha — eine Lächerlichkeit ist das, wenn nichts Schlimmeres! Du hast also hinter meinem Rücken irgendeine Liebelei angefangen und wagst es, mir mit solchen Kindereien entgegenzutreten? Laß dich nicht auslachen!" Ruth erhob ihren Kopf sehr hoch: „Du irrst dich sehr, wenn du das eine Kruderel nennst! Ich habe das Recht, über mein Herz mrd meine Harw alletu zu bestimmen — jawohl, Papa, das habe ich! Und ich werde keinem anderen Manne mein Jawort geben." „Auch dann nicht, wenn ich dich — bitte? Wenn ich, dein Vater, meine Existenz in deine Hand lege? Es ist ernster, als du denkst, Ruth, ich warne dich! Du sollst nicht glauben, daß ich dir e/ine Komödie Vorspiele — mein Leben, hörst du, mein Leben hängt von deinem Jawort ab!" Er stand jetzt dicht vor ihr, und sie blickte m ein plötzlich bleifarbenes, verfallenes Gesicht, das ihr zugleich Entsetzen und Erbarmen einflößte. ,, ^ Ihr junges Blut jagte in wilden Wellen'Durch ihre Adern. Noch wußte sie nicht, uni wen es sich handelte, und doch wehrte sich ihr ganzes Denken und Wollen gegen die ungeheuerliche Zumutung, die ihr hier gemacht wurde. „Wer," flüsterte sie, „wer ist es?" , , , .. Sofort zuckte in Stockton die Hoffnung hoch. Er satzte aber mit beiden Händen nach dem Herzen, denn was ihm schon mehrfach in letzter Zeit geschehen war, das ging ebeit jetzt wieder an: eine peinigende, schrecklrche Angst und Beklemmung schnürte ihm das Herz zusammen. Er atmete schwer urid stoßweise. Dazwischen fragte er mühsam „Sage mir erst, an wen du dich — so leichtsinnig, - versprach,i hast? Ich werde selbst — dafür sorgen, datz — du wieder — frei wirst." „Hernranu Kürow hat mein Wort." Ein häßlicher Laiit, halb Grunzen und halb Aechzen, . kam aus seiner Arust- 326 „Mute rch's doch! Dieser Habenichts, dieser Mensch ohne Geld uich Namen und Familie! Nein, mein Kind — da ist jbfer alirdere eine sehr viel ansehnlichere Partie. Du kennst ihn — er ist in Berlin — sein Name ist Riethling." „Riethling! — Mein Gott, — er war hier? Und er weiß es, daß ich ihn nicht leiden kann! Welche Ehrlosigkeit, sich hinter dich zu verstecken!" „Nein, nein, nein!" schrie Stockton, jetzt wieder in Aufruhr geratend. „Es war ehrlich von ihm und anständig! Und noch inehr — er verlangt nicht einmal gleich die Heirat! Er will sich nur mit dir verloben!" „©ine Verlobung ohne nachfolgende Heirat wird er wohl schwerlich wünschen," sagte Ruth ganz kalt und bitter. „Und dieser Heinz Riethlnm hat dich also geködert mit Versprechungen von Geld? Und du hast ihm geglaubt?"' „Du unvernünftiges, eigensinniges Geschöpf!" donnerte der Alte. „Sobald du Ja gesagt hast, trifft er hier ein. Und nicht eher soll er dir den Berlobunaskuß geben, dfö bis er mir sein Wort eingelhst Hai. Mein Kind, geh in dich! Vieh ein, um was es sich handelt? Ja — ich will dir alles lagen, alles, was dir dein „Opfer" — um dieses überflüssige Wort hier zu aebranchen — leichter machen soll: Sobald ich meme Erfindung ausgeführt habe — das kann höchstens ein paar Wochen dauern — nur ein paar Wochen, Ruth — ^mn nehme ich hundertmal, tausendmal so viel ein, wie Riethlmg mir vorschießen will! Und dann bekommt er so- wrt seinen Vorschuß zurück, und du — du bist ja — dann mrmer noch — nicht verheiratet — kannst noch immer zurücktreten, meme ich. . . . "W'l" rief Ruth empört. „Pfui, was für ein be- trügerischer Plan!" Und völlig außer sich, riß sie ihren Mantel, ihre Mütze M srch und stürzte hinaus, um nur svrtzukommen aus dieser Luft von Irrsinn und Unehrlichkeit. »cc blaustem aber noch nicht die Korridortür ge- öffnet, als sie «tuen durnp feir Fall hörte. Zurückeilend, fand ß? $$*?*!! % Dielen hingestreckt, mb aus seinem Munde rieselte ein dünner Mutstrahl hervor. 22. Kapitel. MMiSka Sxbius, durch einem Boten Herbeigebolt, saß «eben Ruth au dem Krankenbett und blickte mit ruhigem Ernst auf den alten Mann, der nur schwach atmete. Er war vorhin mehrmals zur Besinnung aekommen, doch immer mrr auf wenlge Minuten. Gleichwohl hatte er diese Lichtblicke benutzt, um Ruth weiterzuquälen. ' . ^ „©ane mir, was ich tun soll!- hatte Ruth in ihrer Her. Und Stockton schlug gerade in diesem Moment die rief ihr heiser zu: Arrgen Mf und „Willst du zur Äatennör5erin toerden? Sage Ja — telegraphiere an Riethling — und ich werde — wieder gesmrd werden." FEziska gemurmelt. Aber auch nicht dein drohenden Ernst der Stunde m ^ntte sie ihren eigenen Arzt kommen Lasseir, der nach emgehender Uutersnchung achfelznckcird ver- in lchchstern Stadium. Der x.tUL.'E S d&gGiäzatii T tbSKfc w burd> mb &*** - .Diesen Bescheid hatte Ruth selbst mit anaehört und seitdem saß sre hier in wachsender Herzenspein, ohne zu einem Entschluß kommen zu können. ^ m früh schlief der Kranke ein. xnd Ruth ft>lgte Franziska in das Neberrzimmer. y ^ Telegramm au Frau Ulrich gesäi,dt/< ^ verstört und mit übergroßen Augen umher- sie doch herkäme! Sie ivird mir das Mch^- ^ben^s^^Ä^^^ x6) FöT 2 t doch nicht meinen Vater L^ erntmni nicht verraten." u U Ruth? Dann hättest du schon äü fiv 11 schreiben müssen. Der arme Kürow! Er ist vielleM schon ganz überzeugt, daß du ihn vergessen hast." „Sag das nicht, o sag das nicht!" schluchzte Ruth auf Kundin um den & ,eyT/ )o lehr. Ich will kür memen Vater arbeiten, bis ich alt und grau bin, damit er die ersehiiteri Mittel bekommt i aber ich kann doch Riethling nicht nehnren!" „Riethling muß das selbst von dir hören," entschied Franziska, „dann muß er selbstverständlich zurücktreren. Uebrigeiis aber habe ich an iyn telegraphiert." "Was? An Riethling? Franzisk'ä, das hast du getan?" „Es blieb mir keine Wahl, meine Liebe. Während du Mit dem Arzt hiiiausgiiigst, hatte dein Vater bereits selbst eure Depesche an ihn aufgesetzt, und bestand darauf, daß sie r^fv'vi abgeschickt werden sollte. Ich habe mir jedoch ertaubt, den Wortlaut zu ändern." Ganz erschöpft sank Ruth auf einen Stuhl. / fuhr Franziska fort, „hatte geschrieben: „räuty ist hier, kommen Sie sofort, es ivird alles gut erledigt werden." Daraus habe ich gemackft: „Ztuth ist hier, kommen Sre wfort, es kann nur durch Ruth selbst erledigt werden"." „Gott ser Dank!" murmelte Ruth. „Ich hoffe aber', er kommt nrcht eher an, als Frau Ulrich. Was sie bestimmt, wftl rch tun. Auch weiin sie sagt, daß ich Riethling — daß rch Rrethlrng-" Sre konnte nicht weitersprechen. Ein heftiger Träneu- stroiii erstickte rhre Worte, und Franziska nahm sie in die Arme und tröstete sie, so gut sie konnte. Endlich ging sie zuruck an das Krankenbett, wo der alte Mairn im Halbschlummer hindämmerte. Wie langsam schlichen die' Stmrden dahin! Mer doch wurde es Dag, wurde Vormittag, Und endlich hörte man Raderrollen, und eine Droschke hielt vor der Diir. Frau Ulrich war angekommen. . Sie ging nicht so aufrecht wie sonst und fam leise herein m du Wohnung, wo -ihr Bruder zwischen Dod und Leben lag. rv ^Ä^/blbst! öffnete ihr die Tür und fiel ihr um den Hals ’jpj sei Dank!" flüsterte sie. „Jetzt sind Sie da — jetzt habe rch kerne Angst mehr." Besinnung?"^ ^ ihm?" fragte Frau Ulrich. „Ist er bei „Ja, et war eben wach —, schlief dann wieder einmal ern und scheint etwas besser bei Kräfteir zu sein. Wollen Sre rhn seheir ? Vrellercht wenn er wieder wach ift?" r^ruu iUrrch legte Hut und Mantel ab und ging in die man am sichersten war, daß kein Don bis in oas Krankenzimmer dringeir konnte. Ruth mußte erzählen. < . «ffangliche.Erreg,mg, in der ihre Beschützerin sich nmg* ' toa!nibefte ,u ^ ^ dreiem Bericht bald in Enis» So also war ihr Herr Bruder! Verschachern woNte er sein Kind; unb nicht mir das, MmiA .beit SÖSiM betölpeln, der sich auf den häßlrcheir Handel erngelassen hatte! Pf 1 Name des Msamen Fjreiersi nicht gefallen, aber eben ,etzt sprach ihn Ruth aus. kuhr Frau Ulrich «npor. „Ist «s die Moa- lichkeit! Heinz Riethling, der schöne Röserendar?^^ "Za — Sie wissen, der .nnr die Blumen schickte." • ? u r Ulrtd> jagte gar nichts mehr. Aber der unaehenre Schwindel, der hier hinter der Werbung steckte, Ivard ihr ff "ar. Sie entsann sich sehr genau, daß Riethling Zeuge chres Testaments gewesen, und daß er also aani aenau U^ßte, welches Vermögen Ruth zu erwarten hatte? atnie?e besait auß °^ ^ '® iöeit kut ^sagt, und Ruth ^Üte sic zaghaft) „es wird!idoch nichtnötiq KL»„ „, ci „ " s ------ "f 0 nicht daran sterben," sagte sie. „Es soll ihm anders geholfen werden. Meine kleine Ruth, ich wollte es di> £tf l hr- th ? hC i schöneren Gelegenheit sagen, aber druilgt, und dre Umstände sind wieder einmal stärker als wir. So sollst du es denn erfahren, was ich bisher '< E.hElt rnne denn Franziska kam eilig in die Mche: sieht"so^sontwrbar ans"'" " ^ ^ «at« lang^m^ mhte in bü§ Zimmer, Frau lllrich folgte ihr f. .. ^UAust Stocktou hatte sich aNfgerichtet und saß ganz sterf m seruen Krsseu. Seine Angen ivaren weit aeöfsuet und sem Gesnyt hatte veränderte, lauggezogene Züge. 327 „Nun?" fragte er. „Hast dtu an Riothling telegraphiert^ Witfty?" „Me Depesche ist schon Uiirgst abgegangen, Papa — Herr vneihlina ist aber noch nicht eingekvoffen." Jetzt trat ^rau Ulrich naher heran, neigte sich über deir Kranken rmo nahm seine unruhig hin und hergreifende Hand. „Ich bin Krau Ulrich/' sagte sie, vergebens versuchend, ihrer Stinrme Festigkeit zu geben. „Sie missen, Ruths mütterliche Freundin. Und ich bin hergekmnmen, um Jhneir Lu sagen, daß es .uicht der Hilft des Herrn RieiWing bedarf. — Ich selbst will Ihnen geberi, was Sie stir Ihre Erfindungen brauchen. Ruth bat mir davmr erzählt. So ist es doch besser, nicht lvahr, daß Sie von jenmnd die erwünschte Beihilft erhalteii, der dabei keine so häßlichen Be- dingilngen stellt." Stockton hörte gerrau, was sie sagte. Er faßte es anch klar auf, drih schien ihn etwas anderes noch mehr zu beschäftigen als ihr Vorschlag. „Frau Ulrich sind Sie?" sagte er. „Ja — ich weiß, Ruch hat es gut bei Ihnen. — Urrd es ist sehr- nett von Ihnen, daß Sie mir helfen wollen — es ist ein glänzendes Geschäft, wissen Sie. — Wem sehen Sie bloß ähnlich? Ich weiß gwnz gewiß, daß Sie jemand sehr ähnlich seheii, den ich aut gekannt habe." (Schluß folgt.) Der Vertrag mit dem Tode. Ms dem Kriegstagebuch keines Helden. Bon Max Treu. Ich bin kein Held. Ich fürchte mich vor dem Tode. Tas Still- V?. des Lebens, der ekelhafte Vorgang des Zersetzens, der yaulnis floßt nnr Grauen ein. Ich vermag es nicht, das Le. den verachten, es von nnr zu werfen, im Rausche der Begeisterung ft wenrg, wie in kühler Ueberlegnng: ich habe das Leben Ueb, habe Frau und Kind daheim, die sehnsüchtig meiner Wieder- kehr harren und für die ich schaffen, wirken, arbeite:! muß, weim Ar Lasern aus g-esrcherter Grundlage beruhen ftll. Mein Herz hangt an dieser Welt mit ihren! Glück und ihren Mühen und noclr> nnmal: rch brn kein Held, ich fürchte mich vor dem Tode. . . . ^cun kommt er doch! zu mir, er, der Fernhintresser, der jeden g finden werß. Ich liege still, ganz still und erwarte ihn. ub er nicht da — aber ich fühle. tS. er komwt, er ist m! navisier Jcafyc es gibt kein Ausw^eichen, seine Arme sind stark Urw ferne Umarmmrg ist vernichtend. Muß es denn sein? ^zch wiar mit meinem Pionierzug wrgeschickt, eine Mtbrücke über >emen klemen Flußlauf zu schlagen. Tie französischen Gra- naten heulten un: uns, jene grausige Melodie, die wir allö ft mit schon kennen: klatsch! klatsch, fahren sie ins Wasser — Gott sei Tank! Tort schaden sie nicht mehr. Aber die anderen, welche «vischen die Baumäste sausen, mannesstarke 'Stämme um/reißen, sich m den weichen Boden wrihlen — die fordern ihre Blutopfer Und lassen es Nicht los. ... ' „Achtung, Herr Leutnant!" höre ich rufen. , ffi™ W& urüh: ich fühle einen heftigen Schlag, höre im selbe:: Augenblick wie seltsam! — das fröhliche Lachen meines sechsjährigen Jungeil daheim, sehe mit verdmikeltein Blick noch ommal den Spiegel des langsam gleitenden Flusses, dann fchwmden mir die Sinne. . . . Als ichl wieder zu mir komme, ist es Mend. Dunkel rinasum Z?d owe große beängstigende stille. Bill ich ettva schon tot? Rock) Nicht. Ich fthle den Verband, den mir eine hilfreiche Hand wn die wunde Brust gelegt hat: er ist klebrig, naß von Blut — als ob ste etwas Ekelhaftes berührt habe', Gicht meine Saud zu- ^E matt^nieder. Tabei fährt sie aufs neue m eklvaS Rasses, abn doch scharfes, tastet langsam umher: ah, ich liege dßitze dm der kalte Tezemberwmd, der schireidendi durch den Wall) pfeift mrt eurer Eiskruste liberziehen will — eru unheimliches Totenbett. . . . Ich will rufen. Tie stimme versagt, nur ein aUraeluder Ton kommt aus dem Munde. Niemand hört ihn. Tvch — da ist r e lr blasses Gesicht neigt sich über mich, zwei M?zt dunkelnde Augen bringen in die meinen — wohl ein „Werde ick leben ?" fragte ich angstvoll. „Sie jtitb doch Arzt?" M Lnws-Eme ^"nsch^it kennt!" tagte eine stille. s® atmete auf.'Tas ist ein Gruß des Lebens. . . „Tann bm ich, in guten Händen!" flüsterte ich „In den bejten! kommt die Antwort, wie von weit, weit her. jsWnnc hilfreicheren gibt es für den Menschen'" - lsises Leuchten zuckt in denr tiefen Auge ^ weo schaffen Sre mich fort!" bitte ich. „Zum Verbandplatz vz-d kommen den Verwundeten suchen und finden!" Mugt btr Entgegnung, ruhig, leidenschaftslos. ' ,,Und warum tun Sie es nicht?" fragte ich. Mir bangt um das langsam verrinnende Leben. , ,So stirbst du selbst!" Qtine Eiseskälte greift mir ans Herz. Turch die kahleir Aeste der Baume rrngsUm singt der Wind das Lied vom Sterbem Meine Augen durrkelii. Ein Gesick-t taucht auf: das zarte Gesicht' einer geliebten Frau. Ms ihrem Schoß zwei Kinder: ein Kuahe und cm klein, klein Mädelchen. Sie lächeln, ivinken: „Vater, Vater, klomm!" . Und schwer und schwerer liegt der Tod auf mir. Er drückt den „Atem aus der Brust — es ist das Ende. Mir granst . . . „Wahle! Du oder dein Zug!" ft klingt es mir in den Ohren, das Herz haliimert Ivild, Mid Me Pulse jagen Elil ZenAergewichit steht Lus meiner Brust. Kein Memzutz mehr moglicht. Nachit vor den Augeii. Und trotzdem —- noch immer fthe rch sre winken, sie, die ich liob chabe: „Komm doch lvitder heiin. Vater! Komme doch!" Und wieder schrei ich auf: Ielt>en! ^ ir 9taui m bir! Tu weißt, ich bin kein „Tu oder dein Zug! Wähle!" Aus der Tiefe meüres gemarterten Herzens steigt die Ant- wart: „Meinen Zug! Tu svNst ihn haben! Mich gib frei'" Ta fpeuht die Last von mir; mir lmrb frei und leicht. Tief und lvionuevoU hole ich Mem. Ein Lied klingt in meinen Ohi'en: Es steht ein Baum im Westen' Mn der Straße nach Paris, Ter schirmt mit seinen« Schalten Uns grünen Wiesennktfcn Ein deutsches Soldatengrab. Trin ruhen zwei aus der Kicrinakk. Bon der Heimat weit, so weit: Keine Trommel kann sie mehr wecken. Keine Trommel aus dem Schlaf ansschrecken — Doch der Baum, der grünet mich heut'. Und geschieht es einstmals wieder, Tab der Franzose den Krieg anfing', Tann soll der Banm im Westen Uns lveisen den Weg, den besten, Ten's Anno Siebzig ging. Eine Stimme schlägt an mein Ohr: „Bahre her! Hier liegt der Leutnant!" Vorsichtige Hände fassen mich an, heben mich auf . . . „Er lebt!" sagt einer. Und ein anderer tritt zurück. Ich Venne ihn nur zu gilt. Er neigt das Haupt. '„Tu lebst! Aber vergiß nicht: Verträge mit dein Dode müssen gehalten werden — es gibt keine Instanz, die dich davon ent^ Linden kann. Tein Ing gehört mir! Ich bin der Herr der Welt und lasse mich, nicht täuschen!" Er verschwindet im Dickicht, langsam, majestätischen Schrittes. Ich fühle, wie die Tragbahre ansgehoben wird. Tas rveiche, wohlige Schaukeln des tz^etragenwerdens spüre ich. Ein beseligendes Gefühl schleicht mir ins Herz. „Ich lebe! Ich werde leben! Ich grüße dich, Heimat und Weib und Kind!" * Spuk der Nacht war alles, Gaukelbilder eines Fiebernden. Meine guten Pioniere hatten mich gesucht, mich endlich gefunden und zuni Verbandplatz gebracht. Meine Wunde war schwer, aber der Arzt gab gute Hoffnung: „Sie haben eine«! besonderen Schutzgeist, Herr Leutnant! Manckien andern hätte der Riß in der Brust unter die Erde gebracht!" Nun bin ich mit Heimaturlaub bei Weib und Kind. Welch ein Wiedersehen war das! Als die Kinder ihre Aermchen um mich schlangen, meine Frau mich herzte und küßte — da zog ein Gefühl von Seligkeit in «nein Herz ein. wie ich es in solcher Stärke smb Schöne vorher noch nie gekannt hatte. O, Leben, Leben, wie so Ularm, so wonnig, so berauschend bist du, wie so gänz anders als der Tod . . . Ter Tod! Ein Schauer kriecht mir über das Herz. Ich denke jener Nacht im Walde. jener stillen mrd doch, so furchtbaren Gestalt, die aus dem stürmischen Sieden meines Blutes in Fieberglltt geboren ivar — wie kam «nt der Mensch zu solchen Gesichten? Ich, grüble und grüble, bis mir mein Weib mit weicher Hand über die Stirn fährt: „Was hast du, Mann?" Und ich ziehe sie statt jeder Antwort an mich und küsse ihre feuchtschimlnernden Augen ... Ter Urlaub geht zu Ende. Ich, bin völlig wieder hergestellt, Lrernwrgeii muß ick) wieder ins Feld. Bor der Stunde bangt mir; sich das erstemal losreißen, ist schwer; aber sich ein ztveites Mal, nachdem man soeben den« Leben Wied er geschenkt, losreißen von allem, was uns lieb, das erschüttert auch des stärksten Mannes Kräfte Aber es wird Überstunden, muß Überstunden werden. — Nun stehen wir am Bahnhof. „Gott erhalte dich uns!" spricht meine Frau. Ein leiser Schauer übecläust mich. „Hoffen Unr es!" entgegne ich. Ein letzter Händedruck, ein letztes Zunicken der Kinder — der Zug setzt sich in Bewegung. Ich sehe mit winkendem Duch den Zurückgebliebenen nach, solange das Auge «roch irgend etwas von ihnen erraffen kann . . . „Werde ich euch Wiedersehen?" fragt mein Herz. Und aus der Tiefe, als ob sie aus dem Rollen der Räder herauftäme, klingt eine Stimme: „Tor! Wie sannst du zweifeln! Ter Tod hält sein Wort, halte du das deine!" Ich erhielt den verhängnisvollen Befehl. Warum gerade ich,? Ich, der schlichte Reserveleutnant, der sich sonst im Frieden daheim als Ingenieur sem nicht leichtes Brot verdient? Ich, der ich am harten Soldatenhandwerk keine Freude empfinde?" ^ _ Was helfen Fragen — Befehl ist Befehl! Ter Kommandeur des Pionierbataillons, Major Schirmer, rief mich an, als imr, während die Sch,lacht vor uns krachte und donnerte, m eurer Bereitsckastsstellnnq standen. Soeben war'der Adfutant irgelid- emes höheren Stabes bei ihm getvesen uird nach, erstatteter Meldung in gestrecktem Galopp wieder davongejagt. ^ . „Herr Leutnant Rothe!" ruft die scharfe Ltimme des. Maxors. „Zu Befehl, Herr Major!" (Schluß folgt.) vüchertisch. - Türerschule, Zeitschrift des Bundes Dürerschule E. B., Herausgeber G. H. Neuendorfs, Verlag H. May Nachf., Lauterbach -Hessen), jächrl. 4 Hefte -zu V- M. Jahrgang 1916—17, 84 S., gab. 3 M. — Zu beu bisherigen VerösseMrchungen des Bundes TÜrerschUle (Die Wcher .der .Dürerschule, Verlag B. G. Teubu-er, Leipzig) ist dies neue Unternehlnen aetrehen, daS in vorläuftg etwa dreinmnatiger Folge Über Ziele luub Arbeiten der Dürerfchule Hochwaldhansen (Oberhessen) berichtet. Ist dadurch eine ganz bestimmte, der (Gesinnung dieser Reformfchule gemäße geistige Haltung des Blattes gegeben, lote sie vorzugs- ireise in den Leitaussätzen des Herausgebers (z. B. lieber nationalle Bildung, Kulturpolitik und Freie..Lchjnle) ausgeprägt wird, so steckt es sich doch seine Grenzen Weiter, insofern es der Theorie und Praxis verwandter pädagogischer und allgem^n-kulturellen Bestrebungen nähertritt mrd ans diese Weise an pm Konzentration tulturschöpferifcher Kräfte mitzuarbeiten versucht. Demnach L>mmen z. B. in dem vorliegen den Bande Führer der Freidöutschm Jugend, der Siedelunggememden, der Deutsch,en Gesellschaft für häusliche Erziehung zu Wort; bekannte Pädagogien mrd Hochschullehrer haben inhaltreiche Aufsätze beigesterrert, M üller^L per-München rlber die , Soziologie in der i Schule, Pwos. Frarrkfurt, über W. Mertons LebenÄverk, LaUva Frost-Bonn über die Erziehung erwach euer Kinder. Alle diese Ubhandttrngen, die Abteilung „zur neuen deutschen Krckturbewegung" und die Brrchbespreckfungeu seien der Aufmerksamkeit von Lehrern und Eltern empfohlen; sie sind wohl geeignet, denen eine willkommene Handreichung zu sein, die den Fragen einer zeitgeinäßen Bildung und Erziehung die Bedeutung beilegen, die sie gerade heute im Interesse der Zukunft unseres Volkes verdienen. — Tie Ost Preußen-.Mmmer der Leipziger „Illustrierten Zeitung" (Verlag I. I. Weber) gibt ein geschlossenes Bild der durch den Krieg am nreisten heimgesuchten Ostmark unseres Reich.es. Auf der UmMagseite bringt Rudi Hammer eine Vevkörperung des Erntesegens, der weiter tvirkungs- voll .dargestellt wird in der Pion Frau Gertrud Pfeiffer gezeichneten Umrandung zu der vom Oberpräsidenten von Berg geschriebenen Einführung. Mit Ostpvenstens geologischer Borzett befaßt sich Professor Tr. Andres, der Direktor des Geologisch- Paläontologischen Instituts und der Bernstiemsammlung der Universität. während über die Frühgeschichte Professor Peistr und über Preußens Geschichte Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Krauske berichten. Professor Tr. Hesse, Direktor des Jirstituts für Ostdeutsche Wirtschaft, schreibt über die Grundzüge des Wirtschaftslebr.ns in Ostpreußen, Tr. Heß vop Wichdorff würdigt die Landschaften Ostpreußens in ihrer durch die Eiszeiten bedingten Eigenart und Professor Tr. Lullies macht auf dre eigenartigetr Schönheiten der ostpreußisck^en Landschaften aufmerksam. -Professor Dr. Brack- mamr behandelt die Zerstörungen: Ostpreußens und Regierungsund Baurat Lange, Leiter des Hauptbailbevatungsanites in Königs-, berg i. Pr., gibt Grmrdsätze für den Wiederaufbau unter besondereu Berücksichtigung der ästhetischen Seite. Tie Landwirtschaft in ^Ostpreußen sindet eingehende Behandlung durch Geh. Regievungsrat Professor Tr. Hausen, Ostpreußische Kunst wird durch Professor Dr. Detlefsen vertreten. Professor Dr. Gigalski erinnert an Copernikus' Tätigkeit in Allenstein als Verwaltungsbecunter und Geheim rat Professor Tr. Bezzenberger schildert in anschaulicher Weise die ostpreußischen Volkstrachten. lieber den „Bernsdernwald" plaudert Dr. Ludwig Goldstein und Graf Dohna-Schlobitten spricht als Waidmann über die ostpreußische Jagd. Eine Fülle eindrucksvoller Bilder, zum großen Teil nod) Originalen, vervollständigen den künstlerischen Eindruck der Kummer. Es seien nur die Namen Heinrich Wolfs, E. Müller-Bernburg, Lndtvig- Tettnrann, Otto Heichert und K. Storch geuanrtt, die als Mitarbeiter hevangezogm wurden. Ter Preis der Rümmer beträgt 2 Mark. Akrostichon. a. b. 1. altes Gewicht — Land in Asien. 2. Körperteil — mineralischer Stoff. 3. »turnen — Kirchenfest. 4. Naturereignis — Befestigung-mittel 5. Getränk — Schmuck. 6. Abschiedswort — alte Gedichtform. Von den Wörtern unter »ist durch Umwandlung des Anfangsbuchstabens die Wortreihe unter b zu biden. Die Anfangsbuchstaben der Wörter unter d benennen einen im jetzigen Krieg vielgenannnte (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer.: 5-da, Amme, Tier, Zelt, Sitz. Sommerzeit. Schrisllertung: Fr. R. Zerrz. — Zwittingsrunddruck und Verlag der Brühl'schen UnioersttätS-Buch- und Stetndruckerei. R. Lange, Gießen.