Die blonde Drossel, Roman von E. F a h r o U>. (Fortsetzung.) In Berlin, als sie bei Gelegenheit einer geschäftlichen Angelegenheit mit Therese in einem Weinhause der Leipziger Straße gespeis^ hatte, da war Riethling, der am Nachbar tische sa»; und Therese scholl vorher begrüßt hatte, beim Fort gehen heraugekommen und hatte sich vorstellen lassen. Eine ganz flüchtige, formelle Begegnung also: aber doch war Franziskas Eharaktertopf in seiner Erinnerung hasten geblieben, und im Weiterschreiten sagte er zu Stockton: "Das war Ihre Chefeuse, nicht wahr? Sieht schneidig aus: aber nicht sehr liebenswürdig." „Liebenswürdig? Sie ist das männlichste Frauenzimmer, das mir in meinem Leben begegnet ist! Hat einen Kopf wie der geriebenste Kaufmann, weiß es aber auch! Es ist das*-- Widerwärtigste, was mir passieren konnte, daß ich in meinem Alter gezwungen bin, mich unter ein Weiberregiment zu ducken." „Nun, Herr Stockton, wenn Ihre Erfindung wirklich eine ?o hervorragende ist, dann werden sich ja auch Mittel urid Wege finden lassen, um Sie aus dem unwürdigen Joche zu befreien." „Dann müßte ich endlich einmal in meinem Leben das verdleiue Glück haben! Aber, Herr Riethling, wo werde ich denn! Hundertmal schon schien mir das Glück so nah, daß ich es greifen zu können glaubte. Und jedesmal war es eine Täuschung. So geht es jachen meisten Erfindern!" „Den meisten Genies!" verbesserte ihn Riethling, der gestern abend die Bekanntschaft mit Ruths Vater gemacht hatte. „Ich sagte Ihnen ja, Herr Stockton, daß ich ein Mem'ch bin, der sich für Außergewöhnliches interessiert. Wenn ich Nicht schon ohnehlil ben Wunsch gehabt hätte, Sie kennen zu lernen, so würde ich diesen Wunsch doch in dem Augenblick bekouliuen haben, wo ich von Ihrem Flugzeug hörte." „Sie hörten davon - in Berlin, sagten Sie ?" : „föa, imb zwar auf Umwegen Ihre Tochter, die ich uebe, wie ich Ihnen ganz offen bereits gestern anvertraute, nlup, ivohl von Ihren Erfindungen gesprochen haben - wer will die Wege verfolgen, auf denen solch ein Thema zuletzt einem zu Ohren kommt! Jedenfalls vernahm ich von Projekten und auch davon, daß sich noch niemand gefunden hat, der Ihnen hilft, sie zu verwirklichen. Deshalb verband ich eine Reise in die .Heimat mit diesem kleine;! Abstecher hierher, und da bin ich nun und brenne darauf, Ihre Modelle zu sehen." Stockton harte den Hut abgenommen und ftlhr sich aufgeregt^ durch die spärlichen Haare. Jhur war so heiß und beklommen vor Glück. Sollte es denn endlich möglich sein, sollte der Traum Wahrheit werden? Aber er besann sich, daß ja wieder Ruths Person hier mit hineinspielte — gerade wie damals mit Wecker, als er NA, bereits darauf gefreut hatte, der Schwiegervater des Millionärs zu werden. Er besann sich auf seine Würde und fragte von obenher: „Sie lieben meine Tochter, sagten Sie. Aber Sie können Uch denken, daß ich jedem Freier meines Kindes gegenüber lehr vorsichtig und genau sein muß. Meine Tochter wird eines Tages, durch meine Erfindung, sehr vermögend sein. Deshalb ist ja auch jeder Vorschuß, den ich jetzt brauchen würde, nur ein ganz kurzer, geschäftlicher Uebergang. Also Ruth macht Ansprüche, und das kann sie auch. Was hätten Sie meinem Kinde für eine Zukunft zu bieten?" Durch Riethlings Kopf blitzten die Summen aus Frau Ulrichs Testament, und er sah das große Haus in 'der Friedrich-Allee vor sich auftauchen. „Fräulein Ruth", sagte er, „wird eines Tages in Berlin in einem vornehmen, großen Hause wohnen, sie wird zahlreiche Dienerschaft und ein Auto für ihre persönliche Benutzung haben, sie wird Frau Geheimrat Riethling heißen und von mir, ihrem Gatten, auf Händen getragen werden." „Hm, hur — Ihre Vermögensverhältnisse sind also gute und gesicherte?" "Sie sind so gesichert, daß nicht der leiseste Anlaß vor- liegt, daß sie sich jemals ändern werden," antwortete Heinz sophistisch. „Uebrigens wird Ihnen der Name des Vortragenden Rats im Ministerium von Waklien vielleicht bekannt sein. Das ist mein Oheim, er war nrein Vormund und Nt jetzt mein Erbonkel — außerdem besiehe ich monatliche Renten aus Familienstiftnngen, die nie geschmälert werden können." J3o, so Nun, das ist ja ganz nett alles. Aber ich kann doch natürlich meine Tochter, wenn sie auch noch nicht mündig ist, nicht zu einer Heirat zwingen. Haben Sie denn mit Ruth bereits gesprochen?" Riethlings Gesicht wurde so feierlich und bieder, lvie es um Anno 1830 am Platze gewesen wäre. „Ich hielt es für richtig," sagte er gemessen, „mich vor allem an den Vater des teuren Mädchens zu wenden. Habe ich Ihre Zustimmung, dann werden Sie ja gewiß auch die richtigen Wege wissen, um mir Fräulein Ruth günstig zu stimmen." Stocktou warf sich in die Brust: „Wir wollen sehen, was sich machen läßt. Das törichte Mädchen hatte da allerdings eine kleine Herzcnsverirrung angefangen - ich glaube, es war nichts als eine Tändelei, wie sie Backfische betreiben ein Ingenieur, der jetzt im Kriege ist .Doch ein Machtwort von mir wird da genügen! Ich lasse nicht mit mir spaßen, wenn es gilt, ernst zu machen." Riethling empfand einen gewaltigen Stich bei dieser unerwarteten Mitteilung. So also lagen die Dinge? . Deshalb hatte er, der Herzensbezwinger, bei Ruth keinen Erfolg gehabt? 310 X \ Dir -tn-eleqenheit schien doch nicht ganz so einfach LU sein, wie er sich vorgestellt hatte. Aber gleichviel, er mußte nun doppelt eifrig darauf bedacht sein, den Alten ganz aus seine Seite zu bringen, und er lenkte sofort ans sein ^ ,^Wir wollen nun aber boe. Das lvar überwältigend! Er batte nicht einen Augenblick das Gefühl, daß er ein Unrecht oegehen wollte. So, wie er niemals früher, als er Ruths Jugend und Arbeitskraft so rücksichtslos ausgebentet, sick) klargemacht hatte, daß er niedrig handelte, so wenig kam ihm jetzt eine solche Ueberlegung. (Fortsetzung folgt.) Herr Zchellhaa«. Eine Kindheitscriimerrmg von Louise Schulze-Brück. Es lvar eine Lieblingsbeschäftigung unserer Kinderzeit, uus auSzudenken, lvelche drei Wünsche wir auSsprechc.:, ivoltten, wem, eine güuge Märck-ensee uns das erstattet hatte. 2« „reinigen waren sehr vmchiccener Art. Eine ^ieitlang wünschte ich mir aufs heftigste, erstens, daß „deine langen Zöpfe, die mir jeden Margen »neuen Aeraer machttn, wenn unsere alte Marie sie eisensest an den 2kvpf flocht, kurz abgesckxritten wären, zlveitens. daß ich cS fertig bräche, ivie der von im3 heiß bewunderte H«ns Spiekermann, ein Butterbrot, das ringsum mü großen fetten Spinnen belegt war, verspeisen )u können, — sie schmeckten lme Nüsse und Rusinen, erklärte Hans lchmatzcnd —' , *m6 drittens, daß ich jeden Tag gut Herrn Sck-ellkias geben dürfte, um sein Mnsikroerk zu hören, von seinen gebackerren Birnen eine zu bekommen und seinen herrlichen Reden m laufdjen. ES kamen baim mich andere Zeiten und andere Wim sch'. Memc Zöpfe sollten nickü inehr abgesckmitten, sondern unr einen Pfeil mir zlvei silbernen Kugeln in crn Nest gewickelt werden. Die neuen Sckrrul^, die Schalster Pe^rberger mir mack-te, sollten eine Handhab höher, mrd das Kleid, daß das bucklige Linettchen für^mick) zureck-rsck-r.eder.e, «ine Hmidbreit länger sein, so daß meine Strümpfe nicht mehr sehen rvaren. ?lbcr wenn die gütige Fee diese zwei Wünsche als einen gelten ließ — was man ja vielleicht l-offtn konnte —, so ioar es noch immer meines HercenS höchste L>ehnsucht. Herrn SchellhaaS möglickffl oft zu bcsuclien und ÄckZaner der Bewilnderung vor seiner Person' zu empftnden. Die meisten dieser Wünsche nmßtc ich im tiefftcn Herzensgnmd verbergen. Das Abschnciden meiner Zöpfe hatte ick, einmal versucht. dock) hatte mir Marie gerade iroch reckitzeitig die Schere aus der vand gerissen und mich mit allen zeittickjen und Höllenstrasen bcdiohr, ivenn ich sowas nochmal pwbicren würde. Tos Spinnen- butterbvodessen komrte ick» nicht lernen, tveil ich einm unüber- n-indlichen Abscheu gegen Spinnen hatte. Einen silbernen Kugel- Pfeil erklärte meine Mättter für unkindlich und geschnrackloS, gegen Hobe KnopMcfel verhielt sich Schifter Peerbergcr entschieden ablehnend, und über das längere Kleid ivar das ^inettchi, in philosophische Belrackmmgen geraten, die mit dem ylusspruch schlossen, daß ich noch zeitig genug lange Kleider träger, könne und noch einmal mit blutigen Tränen die .Zeit der kurzen lxrbeiweiii«r würde. Und auch Herr SchellhaaS war ein mrr selten erreichbarer Gegenstand der Beivuneerung. samt seinein Dktsikwerk. seinen gebackenen Binren und seinen herrlichen Flieden. Herr Schell baaS bieß im allgenreincn Meister ScheNliaas. Aber seit er meiner Mutter' rnimal LterNütten Blicks und nril nicht mißznVentebor- der- Teittickkeu caiseinandergese^t hatte, daß die Trau Landrätftr, )v,'icke, „mm doch einmal wzukaaen offiziell nicht mrr die vor» 811 nehmste Tamc weil und tarii, fonbctn auch die -cmeinste und mfbrrtr&ftiafte fd" - was für biffc cu*fle»cutli*tt Prrftw. lfctfrit bat trMjfte tob Uttr, bieUKÜ cs brmbUifienb uitb Irutfclw bcbniiftf -. ifat nffagt Hobe: $>m Sck^llhaas. Sic itnb ein ,vab. rer Künstler —, also seit dieser Jett nMrntr mul' ich ihn me «nderS alS Herr Dchellhaas. „Tic Fvau Landrärin sagte über mufc so uxie fattc sie von Rumt ntr gesehen Nämlich der Ritz in ihrem taf fette lfnt ei i öabcu« fieib war, irrt Eclauvn^ zu sagvi. an einem kehr peniblen Platz, sozusagen direkt mitten auf dem -lermcl ." TieS flüsterte er hinter vorgefattener Hand n» einer Dritter zu. die zuerst etn«S ängstlich bXicPtr, txrmi erteil plStichen Hustenansall besam, w>»zu sie eines Taschentuches benötigte, um es ivr den Miuid zu halten. ^.Sie müssen wissen, Fnoi Rärin, cs tvar das violett und grün gestreifte, ztvei äußerst schnncriae Kalüren. und ,>rade sozusagen treu» und quer gerissen, tvirkldch äußerst genierlich aber man sah nichit die Spur mehr" und Herr Schell haaS erhob feine Stimme ru eineni Enrziickinrgssctirei — ,/> — d — oh. ich foflr Ihnen, yrml Rätin, nickZt einen ?)domang sah man davon, nülK einen" —, und da er fern ganz passendes Work für cnese lZöck'Lte Momanglosigfeit fand, so dämpfte er plötzlich seine Stimme wieder Mid sprach dafür verschämt ein faniiscties aus: „nicht einen Fitzel." Man sieht, Herr Sck?ttlfaas pflegte außer der Kunst, Risse und Schaden, die an beit penibelsten Sollen sich befanden, en, auch bei mangelnder Verständnislostgkeik'." Und Herr Schellhaas seufzte so tief aus seinem Magen herauf, daß es mir sehr unheimlich) ivurde. Seine lbehasie Phantasie mochte ihni auch die kleinsten GeschZchnisse -zum Ereignis Einmal hatte ich bei ihm ein winziges Kätzchen heiß bewundert: es war so klein, wie eine junge Ktttze überl)aupt sein kann, und tonnte noch nicht Miau sagen, sondern blieb noch) bei einem kläglichen Mi-Mi. Tiefes Gcchöp/chen fands ich ein paar Tage darauf auf der Straße, im dlugcnblick. da ein großer Hund sich? überlegte, ob es der Mühe wert sei. es durch; eiu Schütteln in ein besseres Jenseits zu befördern. Ich rettete es und trug es int Triumph zu seinem Eigentümer zurück. Herr Sefalllxras freute sich mäßig: „Ten ganzen Tag läuft dieses Tier weg." sagte er mit rollender stimme und himmelwärts gerichteten Augen, „und wenn man es einsperrt, so brüllt es WÜ ein Löwe!" Tos kleine Tier fattc sich mittlerweile unter einen Schwank irifnKfen und sein Bti Mi llang,»v»e das Pfeifen einer Maus worunter hcrror. Aber Herr Schellhaas reckte die Hand nach der Stelle und sagte pathetisch: „Ta hörst Du es, nne ein Löwe", und es war ihn, augenscheinlich ein nwhltnender Gedanke, daß etwas aus seinem Besitz wie ein Löwe brüllte. ' Es gab auch eine Frau Schellhaas. Ihr Dasein verriet sich jedoch- meist nur durch einen starken Wäsche- oder Bügelduft, der aus den unteren Regionen des kleinen Häuschens zu den Gemächern des Hwisherrn hinauchrang. Tenn wenn auch bie Frau Loiidrätin öfters Mi einer penible»! Stelle, etwa auf dem Aermel — einen Riß hatte, und cs ja überhaupt solck< Monrangs des öfteren gab. so reichte doch die Bezablung dafür hin, um Herrn schellhaasens fturftfmüf* Neigungen zu allerhand seltsamen Schnurrpieifeieien, nrie das drehende, glitzernde Musikwerk eins war, oder die tveißcn Mäuse, die wie »oabni'innig in thirwi "äka beannho'. len Tarrun lvusch und plättete Frau schMlk- hui, mit tifet imb ^olg die Wüsche der „IeMtfeu Herren" de- Stäblleint, NxrS Herr SchpilhaaS als eine „von wei-en BeriihiUNg mit .n'dildeien Ständen 'iülZst honorige Liebhaberei" bczcichuet^ und darum auch duld.-tc, deun eigciltllch fjatU seine „Gattin" ss. evixis nicht nötig. Frwi Schülhaas \vax eilte blasse, kleine und stille Frau, die aus Bcw.rn^r.ing für ihren erhabrncA Watten cinüjf feiner Rcdcblilten m ihren eigenen Garten perpflanzt batte und sie möglich'! oft an^vandte. BclonderS liebte sic daS „mit Erlaubnis ui sagen." „Tie Hemden rvm Herrn ?lnscsscl-, mit Ei'lanbnis zu saget'.'' .chcr Spülsiein,mit Erlaubnis zu fanen" und „dem .1>nrK linr.i Tau meist er seine St rümpfe, mit Erlaubnis zu sagen". Sie musste viel tmsch.-n und plätten, die Frau des Künstlers, um die Ansprüche befriedigen zu halfen, die er an dpö Leben stellen konnte: ihre Hände nurnt immer grauweiß und verrunzelt und ihr Gefickt sah mer au- Aber iie tat alles stiN und fleißig, und mir wsm der Gatte pompl-aft erklärte, daß seine „WaUm" es nicht nötig lxtbe. so zu arbelten, ging manchmal ein schnelles. etnraS bitteres Lächeln um ihren cingesallenen Miuid. Tie scl?önsten Augenblicke in ihrem kleinen Leben tvaren es, nvnn sie des Sonntags an der Seite ihres Gatten zur Kirche ging, in einem k«iitterigen scktvarzen „tasfetasstnen" lileid, wrliheS sich um sic blähte, wie ein Segel, in einem grioicilen Scl>il, imd mit einem seltsamen Hutgelniude ron sonst nie gesehener Form über dem granblassen Gesül^. Herr 2ckZelll)aas dnldi'te sie nur in diesem Aufzug an seiner ^eite, „denn man hat seinen Stolz sozusagen, und weiß, was sick^ gehört." Er telbst trug einen sckinalrandigen, drei Stock hohen Zplinderhut zu einem oliv- brMmen Rock und hohen Vatermördern und tpandclte mit Würde und Hvl)eit einher. Manchmal vcrscl».'.xnid Herr Sck-elll-aas für ciltigc Tage Zkam man zu solchen Zeiteu mit einem Auftrag, so fand man dir Frau noch gedrückter mit» eifriger arbeitend, als gavrilstckich. Ihr Maiur 1 sei uack) der Stadt, um „Mat''rial" ui besorget!, bl^entete sic dann ihre Kunden. Aon solchen Sindisahrten kam Herr Sch-lll-aac. sdcl» in einem etiuaS desolaten Zustiand zurück, der sick:. selbst l-uvch die schrankenloseste Detvunderung der städttsckien Herrlichkeiten ;iiri>t ganz erklären lieft. ,fi, Frau Rätin," schpvarmte er dann. .,w,chch eine Erhebung genient man doch, tv-cuu man die Museunis besiulst? Tie Staturen find erhebend. Zlvar sind sie, mit Erlmibnis zu sagen, sehr imbe» Neidet, v,elches ich tadeln mus), aber doch, man hat doch das Bewusstsein oer Kunst, und dies ist sozusagen für mich die Haupd, sache." Er lxttle schon ^.lamals oas Geheimnis so mancher Zkunst- begeisterung ergründet, mein Herr Sckvllhaas. „Ich glaube, der Meister Schellhaas macht sich öfters einen fideler'. Tag, als seiner Frau lveb sein kaim," sagte meine Mutter einmal zum Baker, als sic mich nicht in Hörweite bemerkte, und Vater nickte da«i. Wanim sollte Herr schellhaas sich keinen stdelcii Tag machen? dachte ich. Große Leute sind doch wunderlich. Und doch behielt Mutter recht. Tenn eines schönen Tages fand meine Mutter Frau Schellhaas so in Tränen gebadet, daß sie Trieft umhin konnte, nach der Ursache zu fragen. Frau Schellhaas aber war erst nicht zu bnoegen, Auskimft zu geben Erst nach und nach kam es heraus^ daß Herr Schelll-aa- Mif Abtvegen ging. „Oh, auf Pfaden der L-Ünde, mit ErlailbniS fu sagen," meinte Frau Schellhaas. „Er war im Therjatcr ge> wesen, in einem heidnisck?7n Stück, und darin hatten sie getanzt, jairoht, Frauenzimmer mit Röcken, btc nicht ’unial bis über die Knie gingen und oben ljenim auch. — mit Erlaubnis zu sagen — sozusagen nichts, — und so etwas hatte Herrn SckDellhaas gefallen, — ihre Beine warfen die ja wohl so in die Höhe, daß sie mit dein großen Zeh einander unter die Nase kamen" und Herr Sck^llliaas fatte sich aus lauter Begeisterung darüber anderen Tages daheim einen Rausch angetrrncken, und als er damit »:ach Hanse kam, da, — da hatte et seiner „Gattin," seiner angetranten Frau vormachen wollen, wie die, - die - die Therjater- frauleut getanzt hatten, — o, eine Schande is das, Frau Rätin, — und er war bingefallen und hatte sich die Nase zerschlagen, und den Arm verstaucht, imd nun lag er im Bett, und sie fattc die jkuochcnflickern holen müssen, die ihm den Arm einrenktc, und auf der Nase batte er ein Pilaster, und tllchtige Schmerzen stand er aus. Hier hörte Frau Schellhaas plötzlich aufzu weinen, machte ein rachsüchtiges Gesick-t und sagte: „Und das ist ihm sozusagen eine. Sttaie und recht geschehen!" Llber dann übermanntc sie bcKf-, der Jammer wieder und sie laut »oieder ins Weinen uni» schlug sogar auf den Tisch imd schluchzte laut auf: „Und Frau Rätin, mit Erlaubnis zu sagen, von meinem gesparten Geld hat cr die Gottlosigkeiten begangen!" Und außer sich vor Schmerz. Z'orn und Enipörung riß Frau Schellhaas die Tür auf, und da lag in seinem Bett Herr Schekl- Haas mit verbundener Nase und geschientem ?trm hilflos, von seiner Höhe gestürzt, ein entthronter Götze. Ich- ging dann nicht mehr gern zu ihm. Bei seinen schönsten Reien hätte ich ja doch an seine Gottlosigkeit denken müssen und an seine verbundene Nase. 812 Erntedichtung .. Än Dcmtschland, im Larrde der Poesie. l>iben sich naturgemäß dre Dichter viel mit den Feldern und der Ernte in ihren Schöpf uu- gen obgegeben: schon in frühen Zeiten wurden die den GötteriS dargebrachteu Bltt- und Dankopser in gelnrndener Rede verherr- licht, Unsere Vorfahren lebten gern mit der Statur, mrd die Feld- arbeit, die rmtcr dem besonderen Schuh der Götter stand, ivar ihnen Lebensbedürmis. Hölty dichtet: Sicheln klingen — Mädchen singen Unter Sicknl klang. Bis vom Mond beschiminert Rings die Stoppel flimmert Tönt der Erntesang. Die Dichtung schließt sich vielfach enk fein, das; des Armen Brot teuer bleibt. „Sieh, Vater, diese Pracht. Die hat der liebe Gott geniacht." Tie Freude an der Ernte kommt in Schillers Worden: „Sclstver beladen Schwankt der Wagen", und in Goethes: , Z'n ihnen allen sind Andeutunyen oder auch Zusammenfassungen des tu den großen Romanen bis ms einzelne Entwickelten. Das Paar der „Liebesspiele" — emer glühenden und höchst intensiven Vor- fttrdw zur „Jagd nach Liebe" —, die schmäle (Gestalt der Eontsssina, der Mmn alle versteckte Weichheit seines Wesens geschenkt hat die legendären Figuren der Rocca de' Fichi-Geschichten, die Partner d-os „Ehvenhaudels" schließlich im! Simplizissinrus-Groteskstil, - chve «bunte Gesellschaft" ht feinster Auszug des ganzen betäubenden Wirbels, der dem W-mck .veiurich Manns den Eindruck einer die Mwä-e Menschheit wnspaunenden Mannigsaltigkeit sichert. — Z wi scheu Reims und den Argonne n. Herausge- Eden von Nöajor d. Res. von Gn«rard. Bilderaufnahmen von! Kriegs Photograph Rich. Spellrng. Geschmackvoll ansgestattet in jeitenr Bütten-Umschlag. Pveis 3,50 Mt. Verlag Gvcthlein n. Co. v in Leipzig. Das nene, l-ochinteressante Bilder wert ,,Zwischen Reims !mrd den Argonwen" gibt zum ersten Male einen lleocrblick in Bildern über die reiche Kriegswirtschaftliche Tätige tteu, über die uugMure Wbait, die deutscher Fleiß iu dev Champagne geleistet hat. Groß sind die Kämpfe gewesen, die es KN ubenvmden galt, um alles das zu erreichen, was da geschaffen worden ist von und für unsere Feldgrauen. Abwechslungsreich und anschaulich in seiner Art, bringt das Werk auch seltene Bilder von: der rz-ront, reizvolle Photographien vom Leben und Treiben in dev Etappe, sowie eine Anzahl künstlerischer Aufnahmen von berühmten Orten und charakteristiscl-en Landschaften der Champagne in hervorragender Wiedergabe. Die Taheimgebliebewen wird es mit Ltolz erfüllen, unfern Feldgoauen ein Buch des Erimrerns sein. - "Die Weltliteratur. Nr. 27. Adalbert Stifter. Brigitta. Nr. 28. Nikolaus Gogol: Die Nacht vor dem Weihnachtsfest. Preis der Nunrmvr 10 Pfg. Verlag der Weltliteratur, München 2, Fcnbergraben 24. Erhältlich in jeder Buchhandlung imd ans den Bahn Hofen. Gießener Hausfrauen-Berein. Kochnnweisungen. Stachelbeerspeise mit Sago. Stachelb^ren werden mit aen-ü-gendem Wasser zu einem fllissigen Brei gekocht, der durch ein Sieb gerührt wird. Auf 2 Liter Saft rechnet man 250—275 Gvrmjm Sago. Nun stellt Man den mit Zncker gemischten Saft aufs Fener, läßt ihn Mn Kochen kvmnren und gibt dann den Sago dazir, läßt ihn unter stetem Rühren gar und die Nkasse dick kosten und gibt ste zu'ul Erkalten in mit kallem Wasser gespülte Glasschüsseln oder Formen. 5öurc^eltcr. Leber wird in Milch gewässert, darin schneidet mau sie in Scheiben oder Stücke und bratet sie in Mehl gewälzt A zerlassenem Fett cm, fügt Salz, ettvas Essig und ein bis zwei Suppennmnel hinzu und läßt sie gar schmoren. Grütze schmeckt sehr gut dazu. Ein machen von Bohnen in Flaschen. Die Bohnen wec-deu geschnitten und in lnstdicht abschließende, sogenarmte Patent- flaschen getan. Alsdcnm rvird Wasser darüber ^gossen und das Gan^e über Nackst ofhen stehengelassen. Am andern Tage wird das abgestmidene Wasser iveggeschättet und durch soisches ersetzt, wobei daraus zu act-ten ist, daß es tkber den Tfohnen richtig abschlicß!^ d. h. diese ganz bedeckt. Nimmehr kann die Flasche geschlosst werden, und die Flaschenbohnen sind fertig, die bann stehend aus- bewahrt nnrden kömwn. Besonders sei beunierkt, daß Abbrsthen und Einsalzen durchaus nicht erforderlich ist. Die Bohnen halten sich jahrelang und behalten ganz ihren frischm natürlichen Geschmack. Graupenpudding. y 4 Pfund durch eine Kasfoentühle gemahlene Graupen werden mtt i/ 2 Liter Milch auf dem Fener unter beständigem Rühren gekocht bis sie sich ooni Löffel lösen. 2 Eigelb und 1—2 Löffel Butter werden mit y 4 Pfund Zucker schrumig gerührt und dauu die erkalteten Graupen dazu getan. Den Eierschnee durchgemischt und in der Puddingforul iy 2 Stunden gekocht. Grießplätzchen. 2 Eier und >/. Pfund Zucken werden schaumig ge;cl>lagen und mit y 4 Pftmd Grieß gemengt. Aul ge- Itrichenem Blech zu Häufchen gesetzt imd 10 Mmuten gebacken. B u t 1 e r f r i s ch a u f z u b e w a h r e n. Man drückt die Butter fest m ein Weckglas, y 8 Liter zu y 2 Pfund Butter, tat ein dop- veltes Pergamentpapier darüber, schüttet eine Kleinigkeit (etwa einen' Teelöffel voll) reinen Spiritus oder Rum darauf. Dies steckt man an und tut brennend Ring und Deckel darauf. Es muß fest slUießen dann hält sich die Butter lange Zeit frisch. Adstrichrätsel. llob, Kiatcheu, Vers, Lante, Riga, eug. Von jedem Wort ist ein Buchstabe zu streichen. Die übrigen Buch- staben müssen im Z»,sammenhang ein wichtiges Kriegsereignis bezeichnen. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Treizüger von Havelka. (W. Lol, Dbl, Lei, e 6, B a 2, 5, f 3. Schw. Le 4. Th I, 5, B d 5, f6, h3.) 1. L e 6 - d 7, d 4 ; 2. D b 3-f. - 1. Leb; 3. Dd6-f.- ^ Xd4; 2. L{2-f- — 1 . beliebig ander-; 2. Dc2-f-.