IM - Nr. Xf> jcheW H MerhaltungsMl )um iGießenerAlqeiger lGeuem!-Au;eiger) Montag, den 16 . Zull H dazu Die Monde Drossel. 9bwna nt von E Fahrow. (Fortsetzung.) Frau Ulrich sah, daß sie litt, aber sie schwieg absichtlich Mochten die jungen Leute siel) allein zurechtfinden, es tat nicht gut, sich da ungerufen einzumischen. Dabei wuchs ihre eigne, zärtliche Zuneigung zu ihrer Nielite alle Tage. Mit ihrem klaren, einfachen Verstände hatte sie Ruths Charakter balo völlig erkannt, und was Berber ihr gleich in den ersten Tagen gesagt, fand sic mehr und mehr bestätigt: In Ruth waren eine Menge einzelner Zuge, die sie uon ihr, der Schwester des Vaters, ererbt zu haben Das machte sie ihr noch, teurer; denn die schlechtesten Züge wareii es gerade nicht, die sic da bemerkte. Al- sie eine solche Andeutung Berber gegenüber lcutt- werdeu ließ, zog dieser ein noch verdrießlicheres Gesicht als sonst und ertaubte sich, mit beißender Ironie zu fragen, itm» für schlechte Eigenschaften denn das Fräulein überhaupt da hätte erben können? . ,M) Gott, Berber," antwortete Frau Ulrich. „Sie hal- ten mich ja wohl für eine gailz Perfekte! Bin ich aber nicht, Weiß Gott nicht. Ich muß es doch am besten wissen — so ga,rz still vor sich nimmt mau ja kein Blatt vor den Mund. Und ich Tann Ihnen sagen.. na t)er nichts sagen. Wie konliuc ich dazu, ^chueu meine .Schwächen und Fehler auf die Nase zu binden?" Berber lächelte noch sarkastischer, so daß er wie ein leibhaftiger Satan aussah. , Sie kann lange reden!" dachte er. „Mir macht sie doch nichts weis. Den Fehler möchte ich mal sehen, den die Frau hat!" , , _ ™ ^ Doch nie ließ er seine bedingungslose Anbetung irgendwie merken. Er war und blieb der gewissenhafte Geschäftsführer uub Ratgeber in allen Geldangelegenheiten, und er blieb auch das Faktotum, das er seit so vielen Jahren ge- tüeU1 ^>icv und da mußte sich Berber wieder um August Stock kümmern, inußte Erkundigungen einziehen, obwohl Ruth durch Frau Sebius ziemlich regelmäßig Nachrichten aus Dortmund bekam. . r . . , Es ging seit Ausbruch des Krieges nicht besonder» mit seiner Gesundheit; wenigstens schrieb Berbers Gewährsmann, daß der Alte ziemlich verfallen aussehe, obwohl er abends am Stammtisch bedeutend mehr Bier trinke und bedeutend „lehr rede als früher. Ueberhailpt könne es mein an irgendeinem Mangel liegen, daß er so schlecht aussähe, denn er kleide sich sichtlich besser als ehenials. Vielleicht sei er „kriegskrank", wie so viele andere. ., . ^ ,, Diese Auskunft erfüllte Frau Ulrich uni großer Un- ruhe; aber Berber suchte sie ihr auszureden. „Wenn er wirklich krank wäre," sagte er, „so würde ja sicher Frau Sebius sofort seine Tochter benachrichtigen. „Aber es wäre mir doch sehr lieb, wenn sich jemand persönlich nach ihm umsehen würde. Ich selbst würde hrr^ fahren, aber ich fürchte, dann verrate ich mich. Man rst d»ch nicht gewöhnt an Komödienspielen; es fällt mir schon schnür genug, daß ich es meiner Nichte gegenüber immer noch Um muß." „Muß? Warum nlüssen Sie denn?" „Weil sie noch keine zwei Monate bei mir ist; und ich halte mein Wort, auch mir selbst. Sehen Sie, da haben Sie gleich einen so kleinlichen Zug an mir. Bloß weil ich mir vorgenommen habe, mindestens ein Vierteljahr lang das liebe Mädchen auf Herz und Nieren zu prüfen, darum will ich nun auch nicht vor der Zeit das Geheimnis aufdecken. Eigentlich ist es ja dumm." „Es ist ganz in der Ordnung," entschied Berber. „Die junge Dame ist doch hier in Stellung, da ist es nur natür> lieh, daß sie sich zusammennimmt und von der besten Sette zeigt. Sie kann noch vielleicht ganz andere Saiten auf- ziehen." ^ „Unsinn, Berber, von jungen Mädchen verstehen Sie nichts. Das haben Sie doch auch bei Therese gezeigt, von der Sie dachten, sie würde Ihnen wunder was für Streiche machen. Na, und nun ist sic Krankenschwester und Hilst im Felde unsere Verwundeten pflegen." An demselben Tage erschien bei Frau Ulrich der Rest rendar Riethling, um eine kurze Information für den Justiz rat zu erbitten, die sich auf einen kürzlich vollzogenen, übrigens unwichtigen Notariatsakt bezog. Zu^Riethlings Enttäuschung empfing ihil Frau Ulrich allein, während er in der Hoffnung gekommen war, Ruth zu sehen. t .,Me, Sie sind in Zivil?" war die erste Frage, die ihm entgegentönte. „Wie kommt denn das, Herr Referendar?" ,,Jch bin untröstlich, meine gnädigste Frau, aber das Schicksal hat es mir nicht vergönnt. Krieger zu werden?" „Nanu? Wieso denn? Sie. sind doch ganz heil und ge sund?" Riethling blickte melancholisch zu Boden. „Das glaube ich auch. Aber die Militärärzte waren doch anderer Meinung. Ich wurde, als ich dreiundzwanzig Jahre alt war, zum Landsturin ohne Waffe verwiesen. Nervös» Herzschwäche hieß es."" Frau Ulrich schüttelte den Kopf. Sie hatte wieder ein- nral, ihrer leidigen Gewohnheit folgend, die Arme m die Seiten gestemmt und blickte, halb mitleidig und halb mißbilligend, den schönen, jungen Menschen an, der sick) freilich hütete, ihr die volle Wahrheit zu gestehen. Denn damals, als er sich stellen mußte, da hatte er, um dem verhaßten Dienst' jahr zu entgeheil, vierzehn Tage lang eine ganz schändliche. Kur mit sich vorgenommen. Vierzehn Tage lang hatte er lediglich von schwarzem, übertrieben starkem Kaffee und Dutzenden Zigaretten gelebt. 302 bis er eine wahre Leichen färbe und ein derartiges Herzklopfen erreicht hatte, daß man ihn eher für einen Todeskandidaten als für einen ganz gewöhnlichen „Drückeberger" halten mutzte. Diese Gewaltkur hatte ihm keinen dauernden Schaden gebracht. Er hatte seinen Zweck erreicht, brauchte nicht zu dienen und pflegte sich in einigen Wochen wieder zu der gewohnten Frische und Schneidigkeit heran. Jetzt, seit der Mobilmachung, hatte ihn wohl ein Anflug von Reue und von Bedenken gepackt. Aber die Zeiten waren zu bedeutsam für i h n, er konnte nicht um des Vaterlandes willen seine Pläne ausgeben. Diese Pläne datierten von dem Abend her, als er die Testamentsentschlüsse angehört hatte, die Frau Ulrich bei Justizrat Kurzius kundgegeben hatte. Jetzt sollte er ins Feld? Die „Knarre" schleppen und den „Assen" und sich schinden, bis ihn die Kugel irgendeines gottverdammten Feindes traf? Denn so weit war er patriotisch, daß er weidlich fluchte und schimpfte. Nur selbst hineilen und seine Glieder zu Markte tragen, wo es doch nach seiner Meinung genug andere schon gab, die das taten — ja, wo lag da der Sinn? Daß es in einer gigantischen Maschinerie viele tausend winzigste Teilchen gab, die nötig waren, damit auch das unscheinbarste Rad sich richtig drehte, das war ihm ein lästiger Gedanke, von dem wollte er nichts wissen. machte er ein betrübtes Gesicht, während Frau Ulrich kopfschüttelnd vor ihm stand und ihm schließlich einen Platz anbot. * 1 - entledigte sich seines Auftrages, war aber so umständlich und langsam dabei, daß endlich zu seiner geheimen und frohlockenden Genugtuung doch ein leichter Schritt sich näherte und Ruth über die Schwelle trat. Da er bei ihrem Eintritt aufsprang und sich verbeugte, sah er, daß sie errötete. , Schon wallte ein vorlauter Triumph in ihm auf, da neigte sie so kühl und beinah unhöflich den Kopf, daß ev wiederum stutzte. * , "Mein gnädiges Fräulein," rief er aus, „wer hätte gedacht, daß wir uns hier Wiedersehen würden?" k sah ihn ganz groß und kalt an. Instinktiv wußte sie, daß dieser Adonis seine Fangarme aufs neue nach ihr aus- aber das leichte Gefallen, das sie früher an seiner ritterlichen und flott unterhaltsamen Art gefunden, war längst emer gründlichen Gleichgültigkeit gewichen: und sie ?-^Ä?nd es wie eine Zudringlichkeit, daß er sie so enthusiastisch begrüßte. Frau Ulrich hatte verwundert aufgeblickt. „Sie kennen sich?" fragte sie. ^Eing waroderist einer der besten Kunden L" .?"er. erklärte Ruth, nicht ohn^rnen Beiklang von -'Ar Herr, welcher dort die Aufnahmen macht, M *!; ba J dem Herrn Referendar nur eine ihm bekannte Hofschauspielerin konkurriere." Mipkb^nÄ^^^^/^psindlich zu tun, lachte Heinz Archen hatte T ' ^ er cm W r schönktzngendes ^ E 10 r gab er zu. „Ich bin schrecklich eitel, Madige Frau, und außerdem habe ich zahllose Bekannte die öfters Bilder von mir haben wollen. Indessen jetzt, in sol- Nnßerdem" ? e £ en ' mirb mid) Herr Otter nicht Wiedersehen. r rac ^ ? b n U r llb blickte Ruth mit einer so glutvollen .Anbetung an, daß sie verstehen mußte. Frau Ulrich," sprach sie, sich kurz von ihm ab- wendend, „da sind Boten vom Roten Kreuz, die sich die Mmmt'h7ben.^ sollten, die Sie für die Verwundern be- ■ < ^ V ich komme. Herr Referendar, Sie feben Ä?n"toiS‘S ÄS 6 .'!?” ®" *■ U > "«> yr e ^be ja auch meinen Auftrag erledigt. Aber darf ^fragen, gnädigste Frau - richten Sie ein Lazarett hi» wfÄÄtWÄ 1 !; * *c »“'& ÄE&ä TS a m,,n ' Singer laufen! Wohltätigkeit in alten Ehren, aber inan kann doch auch darin übertreiben!" Er wäre gern noch mit durch die Zimmer geschritten. Nicht aus Interesse, sondern um noch in Ruths Nähe weilen zu dürfen. Jndessen'gelang es ihm nicht. Er mußte, um nicht auf- dringlich zu erscheinen, das Feld räumen, doch ging er nicht zuruck rn das Bureau des Justizrats, sondern schleuderte durch die Straßen. Wieviel hatte er zu überlegen! Seitdem er neulÜ) das Gespräch im Bureau belauscht, seitdem er wußte, daß Ruth eine schwerreiche Erbin sein werde, kannte er nur iwch den einen Wunsch, das eine Ziel, sie zu erringen, ihr Gatte zu werden. x. ci ^ber konnte er sich ja nicht verhehlen, daß der sieghafte Eindruck, den er sonst auf die Damen machte, hier versagt hatte. Er mußte sich also Bundesgenossen suchen. Und .g^. denn natürlich den einen, stärksten und wahrscheinlich auch willigsten Bundesgenossen: Ruths Vater, Mr. Stockton. Er war, wie er neulich vernommen, ein Querkopf, ein sozusagen verkommenes Genie, das sehr begierig darauf aus war, einen Kapitalisten zu finden, damit er seine phantasti- ^en Erfindungen verwerten, sie überhaupt fertig aus den Markt bringen konnte. verschlagenes Lächeln umspielte Heinz Riethlings klassisch geschnittene Lippen, als er so seine Gedankenfäden welterspann. Den Alten wollte er schon einwickeln! Es galt nur, mit einem, wenn auch nur scheinbaren Grunde, nach Dortmund zu kommen und dort den Mann kennen zu lernen. . Ob er ihm verriet, was er wußte von Frau Ulrich? Nem, lieber doch nicht. Sobald Stockton ahnte, daß seine Achter ein großes Vermögen zu erwarten hatte, dann brauchte er;a keme andere helfende Hand mehr, dann würde er sich selbstverständlich an die Tochter oder an die Schwester klammern, von der er jetzt noch nichts wußte. Also das Gegenteil mußte er im Auge behalten — er mußte den alten Sonderling in dem Glauben lassen, daß iS i”ÄS S ' m "’ % ° am rp;r*w ie sm hn9 I^l es gar nid&t schwer, sich in die Rolle des ^wen Mannes hlneinzuversetzen, denn es war nicht das K«di^v°rschaM haK * Ileuen ^^"? b ^barerweise gelang es ihm in der Regel, sich nnd^obn? Labyrinth seiner Schwindeleien hindurchzuwinden eipTtcn Scyaden davonzukommen. Auch hatte er tatsächlich einen vermögenden Onkel, den er ins Feld zu tt,te ^ e i ne überhaupt angesehen und rs mar ' A gerade Heinz, als ein unverbesser- licher Schuldenmacher, von dem bewußten Onkel ebenso wie Acht nnd°Rann"V^"^ denkenden Mitgliedern längst in verschweigen""" ^etan «'«r, das pflegte er wohlweislich zu Jedenfalls war er aber augenblicklich, da alle Freunde und Gönner n» Felde oder doch mit aller Anspannung beschäftigt waren für das Vaterland, ganz ohne Hilfsquellen im Monat kann man nicht Hmnz- soviel nämlich erhielt er von den Verwandten „Es „t die höchste Zeit, daß ich den großen schlag tue der m,ch auf den Gipfel hebt, wohin ich gehöre Der große Sckilag »t diese Heirat. Also nur keine Zeit ver- oder "nicht." b “ 8 ®’ len Wmieben ' gleichviel ob es heiß ist (Fortsetzung folgt.) Die ewigen Nosen. so durch die Von Alfred B r a t t. «5-^.^r '-lcht wnnger als das, was man bei Fünf-Uh'r-Tee- "ad aus deir großen Bällen einen ^Löwai des Salons nennt. Trotzdem fein Name leuchtend genua war ^ unter den gronten des Landes zu iuiikeln. iaiw ^ sich niemals ü Reihe von „Empfange,i" im Reigen der Grohstadtfest l“ 1 “T SüT 1 abseits gestanden, und fo IM ?ls er groß geworden war, gqoß im doppelten Sinn, ".LsMei.sch und als Künstler. Denn fftoriK Ä ge,chatzte,l>cn und ernstesten Dichter seiner Tage 1 ?" em ^Een Fischerdorf am obersten Zipfel der Oerei'und und gewachsen, war er als halbwüchsiger Fnnm auf See gegangen. Er hatte die träumerischeKjch? 303 für den Mich im Dackel sverk chch das Gairgeln des Wassers am Bugspriet, die große und, stumme Sehnsucht, die tu die Weite silhrt Und nicht rastet. Er fuhr auf großen Barkassen, auf Motorseglern und den unter zwei Schornsteine gestreckten Frachtdampsern, die von Skandinavien nach den Tropen gehen. Er kam. in viele Städte: in alte, reich an steinernen Erinnerungen, und 'in junge, tn dmen em erhitztes, aus noch jungfräulichem Boden emporgewach- sens Leben unter der glühenden Sonne dampft. Er fuhr und sah und lernte, und als er das erste Mal schrieb, kam ihm selbst dies kaum -Um Bewußtsein. Dem ersten Buch folgten viele andere, und dann ßedelte Kay sich toieder in der Heimat an, an einem unbeachteten Küstenort, den er meist nur verließ, um in Helsingör oder Goten- bürg mit jungen Künstlern und Studenten *u schwärmen und zu -echen, wobei er mich auf dem zweiten Gebiet eine weltgewandte Fertigkeit bewies. Aber alles, ivas „Gesellschaft" heißt, war und blieb ihm ein rotes Auch, und seine fast krankhafte Scheu in dieser Beziehung erhöhte den Nus seiner Originalität. Man nannte ihn einen Frauenfeind. Und das verlieh ihm in den Augen seiner Leserinnen natürlich einen besonderen Reiz. . Darum wirkte es nicht anders als eine Bombe, als man eines schönen Herbsttages in den Zeitungen las, daß Kay Fensen heirate, mrd zwar Dagmar Nissen, die einzige Tochter einer „Spitze" der Kopenhagen er Gesellschaft, des Bankiers Arvid Nissen. Das Ganze wäre auch, ohne die Mitwirkung einiger Rosen kaum möglich gewesen,' der „ewigen Rosen", wie Kay sie nannte. Und das ging folgendermaßen zu: Die Rosen lagen im Schaufenster eines Ladens in der Golhers- gade: ,ie waren in ein mit Moos ansgelegtes Körbchen gebettet, und so boten sie sich! den Blicken Kays dar, als er auf dev Durchrase nach Stockholm in Kopenhagen bummelte Tie Augen Kays aber hatten nicht lange vorher etwas anderes, nicht minder Lrebtlches erblickt — nämlich ein Mädchen mit ganz fürchterlich strahlenden blauen Augen, in einem Gedicht von weißem, flattern- deni Sommerkleid. Die Rosen und die Augen wurden für Kay Urplötzlich zu einer Art gemeinschaftlicher Vision, und um diese Zusammengehörigkeit zu bekrästigeii, betrat er den Laden und taufte .^I^sentörbckien ' amt Inhalt. Kay hatte in Samoa mit den wild es len Eingeborenen Branntwein getrunken, er hatte Panther lgeschoisen und in heftig,lein Sturm das Segel voni höchsten Mast ^— ober Rosen kaufen . . . nein, das tat er wahrhaftig zum erjten Male in seinem bewegten Leben. ...Ms er wieder auf der Straße stand, war das junge Mädchen natürlich langst auf Nimmerwiedersehen in der Menge ve-rschwun- deii. Das störte Kay nicht weiter. Er liebte es, seine Menteuer für W allein auszu,pmnen. Vergnügt schleppte er die Rosen in sein Hotel und stellte sie aus den Sch.veibti,ch. Da er in seinem damaligen •Kormri wieder &et der ewigen, ihm gräßlichen Schvierigkeit l , ywicu uikv ui iicuuua j ; ;m vj>a>eruen per yuvscheu Erschein nag seine bisher vergeblichar Versuch..- zu wiederholen. Und merkwürdig — diesmal gelang es, und zwar so fix, daß es einl Verginigcn war. Befriedigt las Kay den Manuskriptfetzen durch und steckte ihn daun, einer übermütigen Eingebung folgend, in den Blumenkorb, der so erfolgreich die Muse vertreten hatte Zehn Minuten spater saß er drunten bei einem Whisky, und Korb mosen und Blauaugen waren vergessen. Als aber Kay sich am nächsten Morgen noch etwas Whisky- stywer erhob, hatte er sich in dem unbestimmten Verdacht vml einem ge-,vipen jungen Mädchen geträumt zu haben. Im Hasen, wo neben dem Stockholmschiff ein kleiner Badeort-Dampfer lag, Passierte etwas Seltsames. Auf dem kleinen omlz vorn an der Reeling, um das gewisse junge Machen zu erblicken. Kay ließ Stockholm im fernen Schweden: K^u imd gmg auf das Dampferchen. Es war ein gottsjämmcrli- s ^ a ^ ec er lat es nun einmal und sah sich so tut Verlauf einer Stunde zum Badegast im modischen Klnmpm- borg gewanoelt. . Kay blieb willen- lind ahnungslos in Klampen borg: er badete S nt> tv ? nf L mc a } 1 ^ Leut?. Er wohnte im Bad^ Ebm dem fernen wurden seidene Damenbaoe- !^l>en zum Trocknen aufgehcmgt. T/a, es ließ sich nicht leugnen das. Fraulein Dagmar Nissen das Zimmer nebenan bewohnte 6^», c2L } nettm ci:i Paket aus Kopenhagen für Herrn Z 5 V Jacken an. Gr öffnete es. Da stauch der achtlos oergessone -oiuinenlor... Kay hatte an das Kopenhagcner Hotel telegraphiert man solle letne Post nach Klampenl.org senden,' und so war auch der Korb unverlangt und unschuldig hier angelangt. Kay nahm den Korb und stellte ihn zur Verschönerung des dirnh seine weiße Drin che etwas kahlen Speisesaales in die R bitte Icittagstafel. Dann schleuderte er, bereits wieder in Gedanken an andere Tinge, zum Strandweg liegen der Nachmittagshitze in seinem Ziinmer Ärb'vor u m J2™ 1 ? lNstauiien daselbst wieder den der mtt Nntersttitznng des Hansdieners mich me Post für die Galle verteilte, hatte an einen Irrtum des ^E^llf selbst ziemlich gleichmütig,, chni gegemcher stchtlicherregt die kleine Antje Nissen, die Tochtm ^ Apothekers, Dre Nttitter hatte sie geschickt mit einem Fläsckj- chen vom alteneinsten Rum, als Herzstärkung für die Reise, r r , kolkte sofort wieder gehen, aber die Rektorin hielt sie fest. Als sw nun Roh gegeniiber saß — beide ein bißchen verlegen dw Frau Rektor ihrem alten einen Wink, und sie stahlen sich einer nach dem andern leise hinaus. Sie ivollteü cs den IikNgen gern cur bißchen leicht machen. <- ^cheiln die beiden Men aber glaubten, daß die jungen Leute nutzen tvurdeii, uni sich zu verloben, dann sahen sie sich g& jausckw Ms sie nach einiger Zeit wieder auf die Veranda traten- saßen sw sich mit hochroten Gesichtern gegenüber und zankten sich „Du bist ein schrecklicher Mensch!" sagte Antje „Das ist sehr schmeichelhaft." "%'] tun, daß du in den Schützengraben kommst." ''!'' I:C - 1111 ^ auc ^ /uöchtig drauf. In Polen gibt es reizende r.ladchen: iw such gar nicht hochmütig — dort laufen einem die schönsten Vcadcknn nach." „Hier läuft dir niemand nach." „Nicht?" „Nein, niemand . . . Ich wünsche dir glückliche Reise . . Ich M?g ^ n" allein^ ,mrf) llid,t 311 begleiten. Ich finde den „Und mein Mschiedssträußck>cn?" .. --Das lxib ich vergessen. Laß dir doch von der Magd eins PslNMN." ^ Mit diesen, Worten ging sie wirklich Sie hörte noch, ivie er der Magd zuries, sie sollite ihm chnl Morgen ein Sträußchen pflücken je bunter, desto besser. ' si- ihm^gesagt^Eb Wut. Nicht einmal ordentlich Lebeivohl hatte — Früh um sieben Uhr hielt die aelbe lUh* S? l ‘ Rektor Thiessens Tür. Tie beiden Alten geleiteten ihren Lohn hipanS. Ter warf einen rasclicn Blick am das Nar!aarha:is sZNk Lrnnen Fenst«rläb«n fest acschlossen l-iclt. „Bei Apothekers schlafen sie wohl noch" meinte die Mutter. 304 Rolf biß sich auf die Lippen. Er Hefe sewst t*m feutcr Mutter nicht geni in seine SeÄe hiucrnleuchleu. . , Tie Magd kam mit einem Primclsträustchen. Er mrnkte ai>. Wozu Blumen, loemn sic ihm nichts bedeuteten? Ter Postkutscher Vlies: .Mutz i dem,, muß r denn -um Stabile hinaus". Noch ein letztes verztveifeltes Wunen, und der Wage,: rollte pin Torfe hinaus. . Rolf Tlstessen war der einzige Papier an den: KWgww Sonuuermorgen. Es fuhr sich leicht unter freu Klängen de-o 4wjt = Horns in den sonnenfrischen Tag hinein. Dennoch Er es rym, als ob etwas ihm das Herz abdrückcn wollte. Träumend schaute der junge Mann aus dem geöffneten ive nsrer . Tie tanberieseltcu Grassel der glitzerten in der ausgehenden Sonne. In dem Weidengebüsch an, Wege zwttfcherten d,e Vögel, und über die Wiesen kam eiligen Lauses ein junges Mädchen rn weißer Bluse, mit blondein Haar . . ? er fuhr sich mit der Hcmd über die Angen . . . träumte er? War das nickst Antte Nissm?- - Jetzt kletterte sie über das Staket . . . Jetzt nahm sie den Graben. Nun stand- sie aus .der Chaussee. In der Hand hucht sie tm Sträußchen . . . Ein paar Schritte noch ... da hatte sie ove NosMttsche erreicht ... „ - - •• & Sic schwang sich ans das Trtttvretl und ivollte das Sträußchen hmcinwcrstn; da tat sich die Wagentür auf- Hände zogen sie hinein. „Antje — Antje, du süsie Trrn? Sie sank in seine Arme. „Das Sträußchen," ted?ie sie, und Xyvdt es chm hm. „Ich suck-te und suchte. Von jeder Blume sollte eine dabei sein . der ganze Garten . . Ta fuhr der Postwagen vorbei . . . Nun bin ich hinten über die Felder gevamtt." Er 'lahm das Sträußchen. Das leuchtete in allen Farben und duftete wie ein Sommertag. Ter Kutscher blies: „O Jugendzeit, du schöne Zelt . Sic n-olttc sich iosreisien. „Ich muß Mrück. Ich fahre \a immer weiter fort von Hause." , . Er lies; sie nich'. ,,Dn bist mir nachgelausen — nun bl>t du mein. Ich habe gestern abend, als eine gewisse kleine Person Ulich so schlecht behandelte, geschworen, dasi ich das erste Mädchen heiraten würde, das mir nachlänft. Jetzt mnsit du mich heiraten." „Musi ich?" „Ja, wenn du mich lieb hast." „Schrecklich lieb ..." „Nun, kleine Antje, fährst du als blinder Passagier mit zur Stadt, dem, bu kannst Den ganzen Weg nicht zurncklaufen. Ter Posthannes kriegt ein Trinkgeld und nimmt dich wieder mit zurück. Und bei meinem ersten Urlaub lassen wir uns kriegstrauen." Ter Poschannes war nicht wenig erstaunt, als statt des ernsten jungen Mannes ein verliebtes Pärchen aus dem Postwagen stieg. Aus dem Rückwege hatte er tvieder nur einen Fahrgast in der Kutsche. Diesmal blies er: „Mein Schah ist a Reiter — a Reiter mutz sein . . ." Verrniichtes. * Der Ka rtoffel könig von Kalifornien. Ir, ShTifornien lebt ein Mann, der nicht weniger als ein volles Viertel aller Kartoffeln erzeugt, die in diesem Staate hervvrgeF bracht iiMTbcn. Ter Name dieses Mannes ist allgemein, bekannt, und Georg? Shima's Kartosseln bilden einen Gegenstand lebhafter Teilnahme und Erörterung unter der kalifornischen Hausfrauen-, wett Es ist für die Uebcrschwemurung Kaliforniens mit den gelben Gästen ans dem Osten bezeichnend, dasi dieser kalifornische Kar- tofsclkönig ein Japaner ist. George Shima ist vor 27 Jahren nach Kalifornien gekommen, l>at allmählich den Kartosfelbau zn seiner Sozialilär gemackst und verfügt jetzt über riesige Ländereien/ auf denen seine Arbeiter in 57 Zeltlagern untergeb rächt sind. Sein Vermögen luivb gegenwärtig aus etwa 83 Millionen Dollars oder utit anderen Wwrten gegen 350 Millionen Mark berechnet. Es versteht sich, das; der kalifornische Karlosselmärkt in seiner Preis- beivegnüg zn einem sehr erheblichen Teile von Shima und seinenj Opera!ionen abhängig ist. Vor einiger Zeit hat der japanische Kartvssclkönig sich im vornehmsten Teile von San Francisco ein Haus gekauft und dort mit seiner Familie Wohnsitz genommen. Das erregte unter den reichen Venwhnern dieses Viertels zunächst Entrüstung und Widerspruch, al»er über 350 Millionen vergisit man sogar die mongolisch? Abstammung, die der Kalrfornier sonst so hasit, und Shimia hat sein Hans ruhig weiter bcivohnen können. Merkwürdig ist es übrigens, welcher Wunsch das Ideal des Kar- losselköuigs ist: er möck>te einmal eine MUste lmben, ein Jahr lang an der Universität von Kalifornien Geschicks zu studieren. 'Aber bei der Ausdehnung seiner Geschäfte besteht wenig Aussicht, das, er in absehbarer Zeit diesen Wunsch wird befriedigen können. vüchertlsch. — Unsere Bundesgenossen. Ein Buch für die Feld- ranen in Ost mü, Weit. Gelüftet' 1 Mk. (Stuttgart, Deutschs agsanftalt.) ^ Ein Bückstein, das sich in erster Linw an alle «8 Felds nuven ivendet. Es tvül ihieen schlicht und ohne viel Gel-Vv- samkeit erzählen von den Kameraden fremder Nation, mit denen sie Schulter an Schulter ge fochten haben, wo diese Kameraden Ijerftmiiuen, ime das Land aussieht,, das sie geboren und erzogen hat mW das sie nun verteidigen; wie sie leben und regiert werden- wie die Sprache klingt, in der sie redQi, mW die Hymne, die sie in feierlichen Stunden singen. Ein Soldatenbuch ist/s — ein Buch, das von Soldaten handÄt und für Soümten gefchriebm Wurde. An Bildschnrnck bringt >es neben den Bildnissen der Herrscher und Heerführer und allerlei Tuuppenbildern Zeichnungen be* kannter Künstler, wie Ernst Heilemann, Grno von Finetti, Lncttm Bernhard, Pfaehler von Ochegraven, die in charaktei ist, scheu Bst- dern typisck-e Erscheimmgen ans den Lagern unserer Bundes-^ genossen festgehalten haben, ferner Noten und Textworte der Nationalhymnen, damit die Feldgrauen kräftig mttsmgen, können, und einen kleinen Sprachführer, der die Möglichkett schassen soll, trenigstens ein paar freundliche Worte in ihrer Muttersprache mit den Waffenbrüdern zu wechseln. Tie Vergewaltigung Griechenlands duvch die Entertte bel-andett ein Grieche, der erst vor kurzem aus Athen nach Teutschlaich ge- kommen ist, auf Grund genauer Kenntnis der Verhältnisse in der neuesten Numnver 3861 (Kriegsnummer 152) der Leipziger „Illustrierten Zeitung" (Verlag I. I. Weber, Er ireisi eine Reihe unbekannter Tatsachen nrrtzuterlen, me be- zeicknende Schlaglichter auf das Verhalten der „^cyntzmächle lrersen. Güte Porträts des Königs Kvnstmttiu und des neuen Königs Alexander sind dem Artikel beigegeben. Ueber das Kamps- gebiet in Flandern plaudert ein genauer Kenner der Flmwernfvmtt, Obeclentnant Hans Schvenfeld. Rudolf Lipus zeigt in enmr ern- dracksvollen Zeichnung den Zusammenbruch eures englrschell Angriffs bei Arras. Zwei Mdierungen des Kriegsttilirehmers Alfred Frank veranschaulichen Comines bei ein setzendem Trommelfeuer am 1. Juni l 917 mrd das MtlMcs zu Comines. Dre Heltmttaten unserer österreichisch-ungarischen Verbin cdete^r veryerrlrclst ver Kriegsberichterstatter Karl Gras Scapinelli in fernen „Bildern aus der !zehnten Jsvnzoschlacht". Eine Anzahl präckstiger Mwahinen führt uns zn einer Truppenschau nach Damaskus während des Besuches des ttlrkischen 'Armer'sührers Dfchemal-Pasckia. Erne rn Tiesdrncl wiedergegebene doppelseitige Zeichnung Fritz Grotemeyers zeigt türkisck-c Artillerie beiin Passi-ereir der Zizilrschen Pforte im Tanrnsgebirge, durch die schon Alexander der Gwsie mtt serneni .Heere gezogen ist. Die Misstellung der Künstlervereinlgung Dresden würdigt Hofrat Toenges in seinem iltustrierben Beitrag nach ihrer Bedeutung für den gegenwärtigen hohen. -Stand der Dresdner Kunst. Eine sesseliide Er-zählung „Ter liebe. Herrgott" von August Trinius, eine Reihe markauter Aensieriuigen l>ervorragendec Schulmänner zur Reforni der höheren Schulen in der „Kulturrnndschm' . ein illustriertes packendes Gedülst „An der breiten Lttasie nack, West" des Kriegsteilnehmers August Hiurrchs, verschiedene Zeich- imngen und attuelle Aufnahmen vervollständigen den Inhalt der Nummer. — Die Dorskirche. Jllusttierte Monatsschrift zur Pflege des religiösen Lebens in heimatlicher und volkstümlicher Gestalt. Herausgeber: Hans von Lüpke. — „Die Volnisck)en Bauern", I. Gmelin. — „Äe Resorrnatton und das Landvolk, O. itteller. — „Ahnnngen in, Kriege", K. Mehrhan. — „Dunkle Seelenkrüfte auf dem Torfe", A. Miller. — „Stadt und Land", Predigt, Pfarrer G Mahr-Gießen. — „Bon, Geist in die Wüste geftilytt", Ansprache, S. - „Die heikle Frage", I. Leute — „Jnnenkoloin- sation ans Psarreiland?", P. Rnpertt. - Großstadtklnder auf dem Lande", H. Balke. — Deutsche Landbnchhandlimg, G. m'.b. H., Berlin SW 11, Dessaner Straße 7. — Tr. K. Flvericke, Plagegeister. L-tuttgart, Kosmos, Gesellsckiaft der Naturfteunde. Geschäftsstelle: Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart. Geh. 1 Mk., gebd. 1.80 Mk. — Der Völkerkrieg. Eine reich illustrierte Clwonik der Ereignisse seit dem 1. Juli 1914. Herausgegeben von T-r. C. H. Baer, Verlag von Julius Hofsinann, Stuttgart. Heft 131/132. Preis je 40 Ps. 5kat-Ausgabe. (»d eä die vier Farben. V LI II die drei Spieler. A 21b, DauS; K König ; v Dan,e, Ober; A Bube, Unter, Wenzel) V, der Dorhandspieler, verliert Handspiel (Eichel - Solo) auf folgende Karte: acB, aA, K, D, 8; b A, D; dA; D Eichel-, Rot - Unter; Eichel - Aß, - König, - Ober, -8; Grün - Aß, - Ober; Schellen - Aß, - Ober. Die beiden andern hatten sogleich gepaßt. H hatte 12 Punkte mehr in seiner Karte als Ll. In, Skat lagen c8, 7. Wie saßen die Karten? Wie ging das Spiel? Auslösung in nächster Nunmier. Auflösung des Abstrichrätsels in voriger Nummer: Verschönter Unterseebootkricg. (Vater, Schärpe. Falter, Unke, Tiger. Sehne. Boot, Lotos Karl, wregt) Schri'llettung: Fr. R. Zenz. — Z.villingSrmwdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Stetndruckerei R. Lange, Gießen.