Die blonde Drossel. r Roman von E. Fahrow. tFortsetzung.) Noch eine ganze Stunde besprach sich Frau Ulrich mit ihrem Faktotum, dann entließ sie ihn, damit in den neuen, aufregenden Plänen keine Verzögerung eintrat. Als er fort war, stand die große, stattliche Frau eine Weile still mitten im Zimmer und blickte mit bewegter Miene umher Daß hier Jugend einziehen sollte! Daß ein frisches, ßhönes Geschöpf hier matten, eine Helle Stimme zwitschern, daß ein unverdorbenes und vielleicht ein dankbares, war- mes Herz hier ein Hciju finden sollte eine Berwauote, eine ihres eignen Blutes jetzt an ihrer Seite leben sollte, das War alles wie ein Wimder Aber wie ein herrlühes, beglückendes Wunder? Warnt war ihr Herz, und warm blickten ihre Augen, als sie das Blumenzimmcr verließ und durch eine Reihe wohnlich eingerichteter Räume hinüberying nach den beiden Gartenzimmern, die bisher die „Gastzimmer" geheißen hatten Gäste hatten selten hier gehaust. Aber nun konnten fie einen Zweck erfüllen, konnten einen Gast aufnehmen, der kein Fremdes bleiben, der ein lrnrktiches, richtiges Kind des Hauses werden konnte. „Gott gebe seinen Segen dazu!" murmelte Frau Ulrich, als sie ihren Rundgang beendet hatte und wieder vor dem Ständer angelangt war, wo der zahme Papagei sich zutraulich und erfreut vor ihr verneigte. Er konnte nur sehr wenig sprechen, aber dieses wenige pflegte er zu merkwürdig passen oen Zeiten anzubringen. Und als Frau Ulrich ihm jetzt freundlick) über den runden, kleinen .Kopf strich, murmelte er: „Hast dii gut gemacht, Frauchen. Hast du gut gemacht." 11. Kapitel. Fräulein Ruth Stockton hatte seit einigen Wochen ihr Anit im Atelier Otter angetreten und zur Zufriedenheit des Chefs wahrgenommcn. . Sie harte ietzt, da die Reisezeit so viele Berliner fernhielt, nicht gerade anstrengenden Dienst, doch war immer ein Kommen und Gehen in dem luxuriösen Raum, wo sie waltete. Eben lat sich die Tür wieder auf, und ein hochgewachsener Herr trat ein, kam mit dem Hut in der Hand näher und sah die schlanke Empfangsdanre in ihrem dunkelblauen Schneiderkleiü sich entgegenkommen. Sie erkannte ihn sofort nach der großen Anzahl von Photographien, die hier von ihm vorhanden waren. Er blickte freundlich — allzu freundlich, dachte Ruth — die neue Angestellte an und fragte: ^ „Kann ich sogleich eine Aufnahme machen lassen? Ich habe leider nur sehr wenig Zeit." „Wenn Sie eine halbe Stunde Geduld haben wollten, es sind gerade einige Kinderaufnahmen im Gange." „Kinder? 2lch, Himmel, das kann abec unendlich tätige dauern, fürchte ich! Ich bin hier sehr bekannt, Fräulein mein Name ist Riethling, Referendar Riethling." ,Za, ick) weiß. Es find viele Bilder von Ihnen hier. Aber die Kinder müssen nun doch erst fertig seit!, nicht wahr^-Wvlleu Sie vielleicht wiederkommen, dann sorge ich dafür, daß Sie nicht zu warten brauchen, lvenn Sie zurück kehren." Rilth ahnte nicht, daß der glattrasierte, junge Herr, der halb wie ein Schauspieler und halb wie ein sehr vornehmer Lebemann aussah. ganz genau wußte, daß er die rer zende Sängerin ans dem Walde von treulich vor sich hatte Er Dlickte sich Utlschlüsfig um, zögerte einige Sekunden und hing dann sei nett Hur an einen Haken. „Ich warte lieber hier", sagte er. „Vielleicht haben Sie die Güte, mit inir ein passendes Format und sonstige Wichtigkeiten nuszusuchen. Es handelt sich nämlich um eine Auf nähme für eine sehr einflußreiche Persönlichkeit, die mich noch nicht kennt. Man möchte doch einen möglichst günstigen Eindruck machen!" Er lächle bei diesen Worten und sah sie kindltch treuherzig an. , L . Diese Miene war eine tvohlbewußte Besonderhett an ihm, die er tausendmal in ihrer Wirkung erprobt hatte. Die Menschen, vor allem die Damen, faßten Bertrauen zu chm, wenn er fein „knabenhaftes" Wesen hervorkehrte Ruth war viel zu harmlos und unerfahren, um das zu merken. „Das Format müssen Sie schon selbst bestimmen , antwortete sie, ebenfalls lächelnd. „Vielleicht hier, diese Größe? Und in der neuen skizzenhafteti Art ausgenommen? Die Bilder sehen säst wie Handzeichnnngeu aus." Er beugte sich neben ihr über die Photographien, die ne zeigte, und atmete dabei den Dust ihres lichten Haares ein „Eine süße Kröte!" dachte er fortwährend. „Sie könnte einem gattz gründlich den Kopf verdrehen, wenn man nicht wüßte, daß hier bei Otter keine „leichten Fliegen" angestellt werden." Er wählte eine ganze Weile, sieß sich immer wieder andere Muster zeigen und fragte dabei sck)einbar nebenbei: „Sie sind noch iiicht lange hier, nicht wahr, Fräulein? Vor Ihnen War eine sehr große, stattliche Dame hier — was ist aus ihr geworden?" „Die Dame hat sich selbständig gemacht. Sie ist Tier Photographin. — Ich glaube, jetzt werden die Kinder gleich kommen, und Ihrer Aufnahme steht dann nichts entgegen. Haben Sie sich zu dieser Große hier entschlossen?" Sie sprach jetzt in höflich geschäftsmäßigem Ton, denn es waren neue Kunden soeben eiiigetreten, denen sie entgegenzugehen hatte. Hein; Riethling imitbc in die Werkstätte gebeten, und als er nach einer halben Stunde zurückkam, fand er die 370 schlanke Empfangsdame so beschäftigt, daß ihm nur Gelegenheit zu einer kurzen Frage blieb. Wann er die Probebilder sehen könne? In fünf bis sechs Hagen. Man könne sie ihn: aber auch mit der Post zusenden. Nein? Er wünsche selbst zu kommen? Ja, dann also nächsten Donnerstag bestimmt. „Auf Wiedersehen, Herr Referendar." Die Glastür schwang hinter ihm zu, und Ruth wandte sich ihrer Beschäftigung wieder zu. Nicht mit einen: einzigen Gedanken folgte sie dem jungen Herzensbrecher. Sie wartete mit einiger Ungeduld heute die Stunde des Geschäftsschlusses ab, denn Kürow war in Berlin angekommen und wollte sie gegen Abend in der Pension Schubert aussuchen. Er hatte weit mehr Schwierigkeiten gehabt als sie, eine neue Anstellung zu finden. Herr Wecker, einen Zusammenhang ahnend zwischen dem Abgänge seines begabten Ingenieurs und der Kündigung Ruth Stocktons, war voller kleinlicher Bosheit bemüht gewesen, Kürow zu schaden. In Dortmund und in der Nähe wollte dieser ja nicht bleiben, aber alle großen Betriebe in Berlin, bei denen er sich schriftlich Meldete, hatten Auskünfte von Wecker verlangt. Und alle diese Auskünfte hatte der erboste Krösus so zu färben gewußt, daß man den jungen Bewerber zwar für talentvoll und geschickt, aber für unzuverlässig und ungleichmäßig in den Leistungen halten mußte. Heute aber war Hermanns Brief an Ruth voller Zuversicht getvesen. Eine große, sehr bekannte Fabrik von Flugreugen hatte seine persönliche Vorstellung gewünscht, und deshalb kam er nun an. „Ich weiß, ich werde kommen und siegen," schrieb er. „Ich habe diese Nacht von Kaviar geträumt, und ich weiß, was das bei mir bedeutet." Ruth war kaum eine Viertelstunde zu Hause angelangt, da meldete man ihr Besuch. Ein Herr warte im Empfangs- ' zimmer und wünsche Fräulein Stockton zu sprechen. Ruth warf einen raschen Blick im Zimmer umher. Es sah ganz „Präsentabel" aus. Ihre Ottomane, die des Nachts als Bett diente, war mit einer bunten Plüschdecke behängt, der Waschtisch stellte bei Tage eine Kommode vor, der Kleiderschrank, ein Möbel, das sie haßte, stand im Gange' vor den: Zimmer. Man konnte schon diesen kleinen Raum als Wohnzimmer ansprechen, wenn man bescheiden war. Das Stubenmädchen brachte gleich darauf den Besuch herbei. Lächelnd stand Ruth mitten im Zimmer und streckte den: blonden Hünen die Rechte entgegen. Aber er machte es wie an jenem Tage in den Anlagen, hob sie mit -gelassenem Schwünge empor und küßte sie von Herzen. „Mein Mädel!" sagte er innig und schaute sie an, als ob er sie versengen wollte. „Willkommen," erwiderte sie freundlich. Er ließ sie herunter und nahm nun ihre beiden Hände, bte er schüttelte. „Ruth," sprach er so sanft und leise wie er nur konnte, „das war \a nicht mehr auszuhalten ohne dich! Wenn ich letzt keine Stellung gesunden hätte, so wäre ich dennoch gekommen. Aber wie siehst du aus! Prachtvoll! Schöner als le zuvor. Und ganz uub gar nicht so, als ob du dich voA Sehnsucht nach mir verzehrt hättest." „Sollte ich das?" fragte sie lächelnd. Ich habe wohl an dich gedacht, Hermann. Aber viel Zeit habe ich nicht zum Nachdenken hier. Wie geht es meinem Vater? Du warst doch nochmals in Dortmund?" „Sie fragt erst nach ihrem Vater", dachte er eifersüchtig, „und nicht nach mir. Herrgott, und ich Hab Tag und Nacht an nichts anderes denken können als nur an sie allein. Zum ^errücktwerden lieb Hab ich sie! Aber sie muß wohl erst noch lernen, was solche Liebe bedeutet. Ob sie mir je mit gleicher Münze zahlen wird?" „Komm," sagte Ruth, „nimm Platz. Und erzähle mir Kles, vor allem auch von dir. Meinem Vater kann es nicht schlecht gehen, sonst hätte es mir Franziska ja geschrieben." geht ihm gut. Eigentlich ausgezeichnet; er hat eine geregelte Tätigkeit, und doch genügend Zeit, sich mit seinem Erfindungen zu beschäftigen. Seine Gesundheit ist dieselbe wie immer, also im Grunde ist er nie richtig krank, doch stets unzufrieden und voller Klagen gegen Gott und die Welt." Er besann sich, daß er Blumen mitgebracht hatte, und sah sich um. Beim Eintreten hatte er den Strauß auf die Dielen fallen lassen, und nun hob er ihn auf. Während er ihn vor Ruth auf den Tisch legte und sich in dem Sessel niederlieb, den sie ihn: hingeschoben hatte, nahm sie den Strauß auf, und er sah deutlich, daß sie einen Kuß auf die Rosen drückte. „Danke schön," murmelte sie. „Das sind herrliche Rosen. Und nun setze dich bequem hin, wir trinken Tee zusammen, und du mußt erzählen." „Muß ich? Aber ich sitze ja so schrecklich rveit von dir. Kann ich nicht neben dir noch Platz finden?" „Nein", lachte sie, „das ist doch nicht nötig." „Also gut," seufzte er. „Ich berichte zunächst: Mail hat muh engagiert. Mein Einkommen ist um ein Viertel größer als bei Wecker. Aber ich werde enorm zu tun haben. Wir können uns höchstens des Sonntags sehen und an Feiertagen, Kaisers Geburtstag und so weiter. Uebrigens wohne ich nicht direkt in Berlin, sondern in Pankow." „Wie? Hast du schon eine Wohnung?" „Heute vormittag um zehn Rücksprache mit meinen neuen Chefs. Um elf Uhr Unterzeichnung des Vertrags. Um 12 Uhr Frühstück bei Fritz Töpfer in Berlin. — Da werden wir übrigens öfter hingehen, du und ich. — Um zwei Uhr zurück nach Pankow, Wohnungssuche. Um vier Uhr Zimmer gemietet, Gepäck hinbesorgt, mit Wirtin sämtliche Kleinigkeiten besprochen und abgemacht. Um halb sechs Uhr wieder Berlin gerutscht, um halb sieben Pension Schubert angelangt, fünf Minuten nach halb sieben von meiner Braut ziemlich gnädig empfangen. Um dreiviertel sieben Rapport abgestattet. Jetzt bist du an der Reihe." Sie faltete die Hände und legte sie artig wie ein aufsagendes Kmd auf die Tischkante. „Laut brieflicher Berichterstattung angestellt als Emp- fangsdame be: dem Hofphotographen Otter. Dienst bis um sechs Uhr. Zweimal wöchentlich von halb neun bis halb zehn Uhr Gesangsunterricht bei Signora Tribaldi. Unangeneh- mer noch als das Empfangen bei Otter. Sonntags bisher Ausflüge mit Fräulein Berber, meiner neuen Freundin. Letztere schlug mir heute mittag — in der Frühstückspause treffen wir uns zuweilen bei Aschinger — (billig und manche mal gut) — sie schlug mir also vor, meine Stellung bei dem Photographen nur so lange zu behalten, bis ich etwas Behaglicheres fände. Hatte auch schon einen Vorschlag, den ich Mit her später besprechen möchte. Ich finde Berlin entzückend und Mochte me wieder fort von hier." t „Aber wenn nun dein künftiger Gatte anderwärts sein Heim errichten muß?" „Das hat noch lange Wege." r"Oh, wer weiß. Ich glaube, zwei Jahre wäre das Aller- langste, was wir noch warten müßten." . ,/Zwei Jahre sind aber eine Ewigkeit. Inzwischen soll ick) ia eine Konzertsängerin werden und furchtbar viel Geld verdienen." nur verhaßt. Dich aus dem Podium zu sehen! Jede Aus- Pjeiner weiblichen Person finde ich schon wenig wünschenswert; aber wo es sich um nreine Braut handelt, will rch ganz und gar nichts davon hören." Emen Moment schwieg Ruth. Dann sagte sie ganz liebenswürdig: * L^böer Hermann, wenn du mein Gatte sein wirst, dann kannst du derartige Verfügungen treffen. Aber wir sind noch Nicht einmal öffentlich verlobt . . . ." * werden^ aber doch jeden Augenblick nachgeholt' „Ich wünsche es vorderhand noch gar nicht. O Her- maim, sieh nicht so böse aus! Ich meine ja nur, daß eine jahrelange Verlobung mindestens zwecklos ist. Ueberha-upt diese Oeffentlichkeiten! Wir beide wissen doch, daß wir uns Welt an?"' ^ ba§ md > t genug? Was geht es die Außen- ■ wäre recht viel zu antworten. Aber ich sehe em, daß uh kem Rcht habe, auf irgend etwas zu pochen. Also wie du willst, Ruth. Es geht auch ohne öffentliche Vec- (Fortsetzung folgt.) Der Aschreichlum unftrer Gewässer einst und jetzt. • Bon Dr. Johannes Klein Pa ul. Der lange l-arte Winter ist diesmal auf den Fischbestand unsrer Gewässer nicht ganz ohne Einfluß geblieben. Dre Bäche int Harzgebirge % B. waren irrt Winter bis auf beat Gruird eingefroren, urtb als Folge davon ist der ganze Forellenbestand darrst vernichtet: zu Hunderten trieben die Fischleicl)en Überall an dest Ufern und Wehre:: an. Hingegen hat bei Hela der Lachsfang! wieder begönne::, inrd zwar gleich am Anfang mit einen: Riesenergebnis. Am ersten Ttage wurden dreihundert Zentner einb gebracht, darunter viele Tiere, die bis zu 40 Pfund wogen. So große Lachse werde:: in unseren Flusse:: nur höchst selten gefangen. Kurz vor Ansbruch des Krieges wurde von: Königlichen Zovlo- stsclien Musen::: zu Dresden ein bei Pirna gefangmer 18 Pfmch ck-iwerer Lachs männlick-en Geschlechtes angetanst, ein Prachttier einer Art, und öffentlich, ansgestellt. Hechte von dieser Größe werden noch öfter, selbst in kleineren Gewässer:: erbeutet. Im letzten Winter noch brachte ein Fischwasserpäclster in Thüringen einen zwar:zig Pfmrd schweren Heck>t mit nach Hanse, Und gleichzeitig auch :wch eine andere, noch) kostbarere Beute: das \mx der Otter, der ihm den Hecht ansgespiirt und aus dein! Wasser aufs Eis gezogm! Dem Otter ward für diesen sauren Timst sauerer Lohn, er büßte ihn mit denk Leben. Doch das ist noch längst nicht der größte Hecht, von dem wir wissen^ Jin Jahre 1707 wurde ans der Elbe ein Hecht gefischt, „der 32 1 /» Pfund wog und gm^e Kieselsteine im Leibe hatte". Wer es nicht glaubt, daß es auch jetzt :roch so große und lveit größere Fische in unfern Gewässern gibt, der reise mit nächster Gelegenheit in die Schweiz. Int Zuger See wurde- voriges Jahr ein 35 Psimd schwerer Karpsm gefangm, der nach den: Answciden — er tvar prall mit Rogen gefüllt.— immer noch 22 Pfund wog. Er hatte eine Länge von 92 Zentimeter und einen Brustumfang von 75 Zentimetern; in der Mittelreihe zählte man 40 Schuppe,:, die größte war so groß wie ein Fünfnmrkstück. Ein Ein Gipsabdruck dieses kaltblütigen Riesen wird im Zuger Fische- reimusenm ausbewahrt. Der riesigste Hecht aber, den d:e Geschichte kennt, ist im Rat hause zu Heilbronn beschrieben n:td abgebildet^ Er soll 350 Pfund gewogen haben und beinahe fünf Ellen lang gewesen sein — ein richtiges Fabeltier, derrn er soll auch an 300 Jahre alt geworden sein. Wie der neben den: Bilde aus- • gehmlgte Bericht in Verse:: erzählt, hat ihn im Jahre 1230 „Friedrich der Andere" anläßlich eines Fischersestes (gewiß nicht als winziges Fischlein, sondern gewiß schon als anschnlick)eü Fisch) mit einen: Ringe versehe:: und in den Böcklinger See gesetzt, imb 1497, also 267 Jahre später, wurde er wieder heraus!- gefischt und dem Kaiser Maximilian vor die Füße gelegt. Doch weder Lachs noch Hecht sind eigentlich unsere größten Flußfische. Die größten such vielnrehr der Wels und der Stör, die, wenn^ auch selten, bis 3 Meter laug werden. Für einen Lachs gilt, ebenso wie für den Aal, ein Meter, für eine:: Hecht 80 Zentimeter, für einen Karpfen 70 Zentimeter als ein anständiges! Durchschnitts inaß; mrdcre Edelfische, wie Zander und Flußkarpsen, erreichen nur ganz ansnahmsweisc diese Größe. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, daß nicht auch die kleinen Fische in unserlem- Bolkshanshalte eine große Rolle spielten: jedenfalls war das früher «in hohem Maße der Fall. Man aß früher so unglaublich viel Fische an alte:: unfern deutschen Flüsse::, daß sich das Ge- , finde — von der Maas bis znm Memel — in seine:: Met Verträgen ausdrücklich verbat, öfters als zweimal in der Woche mit Lachsfleisch gefüttert zu ir-crbeu. Noch im Jahre 1871 wurde auf dein Granau er Anger bei Magdeburg Störsleifch an die dort untergebrachten französischen Kriegsgefangenen um 2 Groschen das Pfund abgegeben; man hatte dantals dort cm einen: Tage vierzig große Störe in der Elbe gefangen und wußte sie nicht besser zu verwerten. Andererseits aß und schätzte inan früher- j aber auch manche Klein fische, die -vir heute frmim' den: Aussehest und den: Namen nach kennen, und fing sie in solcher Menge, daß wir uns davor: 'heute karmr noch eure rechte Vorstellung mehr zu mache:: verrnögen. So übersandte der Rat der Stadt Döbeln den: Dresdener Hof früher (zuerst im Jahre 1593) viele Jahve lcn:g regelmäßig, sobald die Miltide aufgetaut war, sechs bis acht Schock Steinbeißer. Wer kennt heute noch Steinbeißer, gar n.och als Fischgericht?! — Höchstens Schmerlen werden heute noch hier und da als Leckerbissen aufgetischt — als einziger unter de:: vielen unscheinbaren Kleinfifcl>en, die unsere Bäche beleben; Theodor Fontane erzählt davon reizvoll in einer seiner Harz-NovellenÜ Ein ähnliches Präsent erhalt auch Kaiser Ferdinand, als er in: Jahre 1562 nach Jsni kam; dort verehrte man ihn: „zwei Wagen Haber, einen Wagen Wein und sieben Schifflein mit Fischen": Haber und Fisch werde:: im Mittelalter sehr oft zusammen genannt; das war ein altes Gericht. In unser:: Tage:: kennt imd schätzt man von den Klein fischen eigentlich nur noch die grelle. Aber von den nteiftm gilt frei-j lich, was die folge::de:: Verse bündig :md zierlich gebunden zn- samnden fasse::: „Forellen ist mein Lieblingsessen! Ich selbst Hab' sie noch nie gegessen, — Doch meiner Mutter — Sckstvester — Sohn, Der hat mal — neben einem Mmm gesessen. Der lxrtte ivelche — sehe:: essen. . . Forellen standen auch früher schon iutmer hoch im Preise. So bistete beispielsweise in dein vogtläudischeu Städtchen Schöneck im Jahre 1698 das Pfund Forellen (nach Ausweis einer dama- ligen Stadtrechnung) die ansehilliche Sunrme von 1 Gulden und 6 Groschen meißnisch; zum Vergleiche führe ich an, daß das ganze Jahresgehalt des dortige:: Bürgermeisters damals nur 6 Gulden betrug; für 2 Gulden und 2 Groschen lief ein Bote in Schöneck über das ganze Erzgebirge nach Dresden und zinilck. Vielleicht! erklärt sich dieser auffallend hohe Preis dadurch, daß die Forellen dan:als infolge eines großen „Fischsterbens", wie jetzt wieder, selten geworden waren; wahrscheinlicher aber ist: wer Forellen essen wollte, fing sie sich selber. So taten z. B die Freibergerk Bürger, sogar rwch währeich des Dreißigjährigen Krieges, als im Jahve 1645 das schwedische Feldheer unter Torstenson vor ihren Toren lag. Mollner berichtet darüber in seiner Chronik: . . so 'hat man doch Nebhülxner und Hasen vor und in den: Graben geschossen und in die Stadt gebracht, auch noch zur Not ein frisch Esten Forelle:: bekonvnen körmen." — Die Klage:: über den Rückgang unseres heimischen F-ischbesta:ches sind aber trotz aller in der guten alte:: Zeit zur Verfügung stellenden herrlick-en Fisck>gerichte nicht erst neueren Datums, sondern uralt. Schon in: Aisgange- des Mittelalters hat man ihn: Einhalt zu tu:: versucht. „Vater August", der bekannte sächsisck-e Kurfürst und Volkswirt, versuchte es, den Anschauungei: seiner Zeit gemäß, in erster Linie durch Androhung von abschreckwchen, wahrhaft barbarische:: Strafen. „Wer widerrechtlich fischt," heißt es in seiner aden, den ein Reiher für die Fischerei ansmacht, aus 1000 Mark! Hciupcn und Raupenplagen. An die ägyptische Plage der Heuschrecken, die das Lmid bedeckten und alles fraßen, erinnern Nanpe:wlagen, wie sie gegenwärtig 'eine den Berliner Tiergarten Irin:sucht. Jetzt sind die Raupen ausgewachsen und mit ihrer vollen Größe hat auch ihre Freßgier ihre Höh^e errcicht. Kahl, buchstäblich kahl, fresse:: sie jede:: Bann:, den sie befallen, statt der dickste:: Kiwne, durch die die Sonnenkringel ans den Boden sielen, tragen die Lmibbäuine k:'Kn^- merliche Reste von Blätter::, die nur noch) aus dem Gcnirwe bestehen. Der Gärtner line der Förster tote:: eine ganze Reihe voi: Raupen, die zu förntticlstn Laichplage:: werden kö::nen mch alles Grün vernichte::, und die des Goldasters, nnr die cs sich in der Reickishanptstadt in erster Linie handelt, gehört zu den gefährlicheren. In großen Nester:: überwintern die kleine:: Ränpchen; in: Mürz ober Avril, jvenn sich die Bäume bcckaulwu, beginnen sie 272 ihr Zerstörungswerk. intb nach der testen H-Luttma, um die Wei'de vom Mai ftufejtf Juni, Traben sie es gcltröMirf) beendet. Wrn^sMm- tntr als die Gowaftcrraupen, die nur Laübhölzer ansauen. der Nonne. Die Dichterin Selma Äwerlöf hat einmal in drchte- rischer Form geschildert, u»as ei,re Nouueuplagc bedcrrtet; voll- koncnien im Einklang mit der: natuNvissenschastlichen Tatlachen er- -alÄt sie den llirtergang eines großen scmvedilckM Walves Kolmärden — durch No^ieufraß, sie erzalKt, Wie eines Tages die Raupen koMnren und ihr 3üerk beginnen, wre Blatter nnu Zwgigs labsterben und der. verödete Wald stirbt, wal-rend me Nonnen ran Pen schließlich an einer Krankheit zu Grunde gehen. Ein Feind der Obstbäunre im besonderen ist die Icaitpe des ^rost- spanners; die Kt)eiu ländischen Kirschenzüchter vor allem kennen sie genau: berichtet die Ehrouik auch von ganzen Fragen von #il)' ren, in denen Dank k mehrfach getan haben. Aber inögeii Staupen einen Laubbaum im Borsommer auch vollständig >ahl gefres'eni haben, sein Leben ist dadurch in der Regel uirf>t bedroht, da di« Laubbölzer zurzeit des JolMUiistriebes beginnen, den schabeir wieder gut zu machen, iudein sie sich von neuen, belauben. Biel schlimmer steht es nur die Edelhölzer, sie tragen nicht Blatter, die nur sür ein Jahr bestilmnt sind, sondern ihre Nadeln ItrS> für ürehrere Jahre berechnet, und n?enn sie abgefressen sind, ist das gewöhnlich gleichbedeutend nnt dem Todesurteile für den Nadel- figunt. Die Raupen, die sich vorzugsweise oder ausschließlich an Nadelhölzer machen, sind ziemlich zahlreich: die Nonne, die Kiefern- spümer und -spamrer sowie die Kieferneiile sind nwhl dre gefahr- nchslen Waldverdcrin'r darunter. Seit mehreren. Jalwhnnderrew sind Fälle bekannt, tvo ganze Waldungen ihrem Fraß zum Opfer gefallen sind. Airs der Mitte des 15. Jalülnmdcrts sind Bericlckc, Mcjnn mich etwas unklare, über den Kohlfraß der Mdelivälder dilrch Rwipeu überliefert. Gewaltige Dettvüsttrngm rirlstete der Kiefernspnriver 1788 in der Mark an, und ans den, Jahrzehnt 1862 1872 sind ausgedehnte Waldverwüsttmgeu durch diese Raupen bekannt: Brandenburg» Poininern, Posen und Sachsen wurden besonders schlimm betroffen. Als Fall, von ausgedehnter Waldvernichtnng aus neuerer Zeit sei schließlich noch die fast völlige Zerstör,nig des Nürnberger Reick)sn>aldes durch die Raupen vee .Kiefernspanners in der ersten Hälfte der 90ev Jahre an gefüllt Die llöatnr selbst kommt in vielen Fallen der Bekarnp- fting der Raupen durch den Menschen zu Hilfe: manche der Raufen -haben in der Lcbeivelt ihre Erl,feinde. So ioerden die Nonnen raupen \— ganz wie Selma Lagerlöf schildert — fcvnrtfj eine Seuche, die Wipfelsnchtt dahin ge ras st, die ans. ein Kleinlebewesen zu rückz-u sichren ist, das nach I. Volles Nntersuckmngeu mit dem Erreger der (Nckbsucht der Serdenvrnpe übereinstiniint. Man bat dal-er daran gedackst, die Protvzoenkrankheit künstlich unter die NvnnenranpvM zu bringen nnd die also ähirlich zu bc- kämpfen wie die Mänseplage mit dem Löfflerschen Bazillus. Der eigentlirb' Erbfeind der Normen raupe ist eine Fliege, eine Ta- schina -Art, die ihre Eier in Nonnenraupen legt und so unter den Raupen aufzuräumen vermag, wie Sck)lupstvespeu unter anderen Raupen atten oder anderen Insekten. Zeitgemäße pilzgerich!e. Nichi mir zu Gemüse eignen sich die verschiedenen Pilze, sie find namentlich für Suppen, in Verbindung mit etwas Niehl- Produkten, wie wir der praktischen Franenzeilung „Dies Blatt gehört der Hans stau" entnehmen, sehr empfehlenswert, weil no'hrh.isk, lvährend ihre Zubereitung als Salat eine sehr erfrischend« Abtmcl! selling bietet, da die Pilze uns gerade in rwr chüßesten Jahreszeit zmvachsen. In den Fällen, wo gettx'cknetc Pilze verwenden nwrden, müssen diese erst völlig auftveichen. Sehr gut ist eine Suppe von frischen Pilzen.. Man kann hierzu Ein- zclsorten oder auch gemischte Pilze nehmen. Eine gute Hand voll Pilze reicht für -1 bis 6 Teller Suppe. Saulwr gereinigt, werden sie fein gewiegt und dann mit Wasser bedeckt, aber olme Salz, ungefähr eine halbe Stunde langsam gekocht. Tann stillt man so viel kochendes Löasser nach, wie man Snpix- 1)nben will. fügt tu etwas Fett abgebranntes Mehl, Salz und eine Prise Pfeffer (Ersahi bei. läßt sie ordentlich durchkochen und gibt »um Schluß noch fein gehame Petersilie dazu. Koteletts vom Pilzen. Alle Pilze eignen sich hierzu. Sauber geputzt, werden sie erst nnt kochendem Wnsfer übergossen/ dann abgesiebt und recht fein gehackt. Rstrr geriebenen oder ein- geioeichtem und lvieder ansgedrücktem Brot, einer fein geriebenenj Zwrebcst. Sck» und Pfeffer und 1—2 Eiern werden sie gut vev- miengt. Ans dieser bündigen Masse formt inan dann Koteletts, die nicht -n stark sein dürfen, wälzt sie in Riehl leicht um und brät sie schnell in irgendeinem vorlmudenen Fett. Sie schmecken vorzüglich zu grünem Salat. _ Pilzvmelekle. Eine Handvoll Stelnpilze oder Eham- pignolis lverden fein gel-ackt oder in blattdürme Scherlxhen gcschnib- t«n, mit ein wenig Fett und einer fein zerschuiNenen Zwiebel schnell überdlünstet, so daß die Zimwein rwch hell bleiben. Jn-'msärn macht inan einen Terg aus drei Löffel Grieß, mit drei Löffel Was> er auSgequollen, so daß er sich vom Topf,löst, läßt ihn ausrühien und verrührt ihn innig mit 1—2 ganzen Eiern: ist die Masse dann noch m büf, so gibt man etivas kaltes Wasser dazu. Man würzt nun nnt sal» und abgeriebener Zitronenschale: der Teig muß dickflüssig sein. In lÄner flachen Pfanne unrd ern reichlicher Löffel ooil Fett erhitzt, der Deig langsam hineingegeiben und mit einem passenden^ Deckel »ugedeckt. Das Omelett soll nur unten bräunen. Ist eS geschehen., dann bringt ;nan aus die etne Halste die Pilze und schickjgt die aur bete Hälfte darüber, läßt die so entstandene Halbmonofonn auf eme Schüssel gleiten und trägt sie biatt» auf. Sal a t von Pilzien. lieber sehr mildern Feuer läßt man die in Scheiben geschnittenen Pilze im eigenen Saft dämpfcn. duis gehackter Zwiebel, etwas mildem Essig, einer Prise Zucker mrd Sal» macht man. eine Sauce, in die man die Pilze gibt und sem ge^ schinrttenen Schnittlauch, auch Petersilie darüber streut. * Wie können mir Ei^-r aufbelvahren? Die bekan.itcn Kvnservierungshrittiel sür Eier, Wasserglnä und Gcrrantol, sind nun auch knapp geworden, so daß die findige Hausfrau wieder selbst Mittel und W^rge suchen rnuß, um über den Vtangel hinweaz-irkomnien. Wie die praktisck^e Fra neu -Zeit sch ri st: „DiLs. Blatt gryStti der Hausfrau" mittellt, ist es manch« Hausfrau gelungen, auf einfachste Art die Eier recht lange frifch »u ev- l-alüen. Die Re-epte dazu geben wir nachstehend: 1. Wenn dye Eier frisch sind — dies ist die Grundbedingung für ersolgreick>es Aufbewahren —, genügt es, sie zu säubern (eL darf keine Spur von Feuchttgkejit in der Schale lxisten!) und mit Fett eulHureiben. Man erschrecke nicht bei dem Wort „Fettt5 als forderen wir hier »nr Vergeudung dieses köstlichsten Dtahrnngsmittels auf! Droö Ein reiben beansprucht nämlich so wenig davon, daß ein Tee- tdffel voll wohl für 100 Eier ansreickst. sehr gilt läßt sich das Bntteipopier hier ansnützen oder eine Schocrrte, so daß es meist gar wicht nötig fein wird, Speisefett zu benutzen. Durch das Einsetten »verden die Poren der sckiiale geschlossen und die Bakteneizj fern gehalten. Man muß die Eier nun kühl aufbewahren (am besten in Papier cingewrckelt) und ,rach längerem Zwrsä>enrauin das Ein- oeiben vielleicht nochrnals vornehnien, da die Soinmertemperatuu wohl auf die Fettschicht einwkrken könnte. ^ 2. Als mnteres Mittel ionrde auch übermangansaures Kali genannt von dem man eine rosa Lösung macht und die Eier darin! 1—2 Stunden liegen läßt. Dann nimmt man sie heraus, ttocknet fte und hebt sic ain kühlen Ort, in Papier gewickelt, auf. Die Halt- Ijiarlfeit der auf diese Art konservierten Eier soll recht danerlrast sein, doch empsiehlt öS sich, bei allen noch wenig erprobten Mitteln nicht mit allzu langer Dauer zu rechnen und hin und wieder nachzusehen, ob dA Eier noch gut sind. 3. Frische Eier halten sich sehr lange, wenn man sie, in Papier aewickelti in einem kühlen, sauberen Raum anstecht stellt und sie alle 8—14 Tage wendet. • 4. Als letztes uns immer noch zu Gebote stehendes Mittel nen- kren wir Kalkwasser, das man sich in Drogerien l-erstellen lassem kann. Will nmu es selbst bereiten, so nehme nran ans einen Deil Kalk zehn Teile Wässer (nach Gewicht berechnet). Hierbei ist aber zu beachten, daß der Kalk, der lang« an der Lust gelegen bat, istcht mehr brauchbar rin EierkonserVierung ist. Man tut daher besser, ungelöschten Kalk zu verlvenden, was aber nicht ungefährlich ist. Ungelöschter Kalk, der mit Wasser in Berührung kommt, „bvenitt": man muß daher beim Mengen des Kalkes mit dem Wasser äußerst vorsichtig sein. Kiilkeier halten sich lange. Schonung der Gummiringe beim Oeffnen von Einmachr- glnsern. Die Gummiringe, die zum Verschluß der Einmachegläser dienen, sind jetzt in der Knegszeit teuer, schwer erhältlich und oft mindev- wertig, darum empfiehlt die Wock-enschrist „Dies Blatt gehört der Hausfrau", bei ihrer Entfernung von den Gläsern die möglichste Sor^stalt walten zu lassen. Votteilhast ist es, die Gläser vor dem Oeffnen umgekehrt in heißes Wasser zu tauchen. Sicherheitshalber muß man den Deckel mit einer Kelle dabei festhalten. Dann lockere nian vorsichtig ein wenig nnt dem Messer, ehe man sie ab-zieht. Sonderbar. Tritt's mit Milt an uns heran. Wird besiegt der stärkste Mann. Aber kommt'- mit einem Ton, Nerint es meinen Schiviegersohn. — Zi. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Weltkrieg. Gchriitteltllng: Fr. R. Zeriz. — Zwillinasrunddruck und Verlag der Brühl'schen Unioersttäts-Buch- und Steind'-uckerei. R. Lauge, Gießen.