T7l ?9(? — Nr. 65 ] '• ' — 1 -— Die blonde Drossel. Roman Don E. F a h r 0 w. (Fortsetzung.) In dein vornehnlen Hause des berühmten Photographen Otter waren die Geschäfte bald erledigt. Der Inhaber, ein freundlicher, alter Herr, der aber selbst nur noch dann in de,'. Werkstätten erschien, wenn Fürstlichkeiten zu Aufnahmen angemeldet waren, begrüßte Ruth freundlich, fragte nach ihren Sprachkenntnissen, machte ihr einige väterlich klingende Kornplimente über Aussehen und schloß gleich einen Vertrag mit ihr, der vorläufig für ein Vierteljahr gelten sollte. Das Gehalt war ebenso hoch lvie das, welches'sie b-ei Wecker, unguten Angedenkens, erhalten hatte. Und in Berlin durfte sie, tv-enn sie tvollte, alles für sich verbrauchen, nachdem ihr Vater sich wohl oder übel entschlossen hatte, die Stellung bei. Frau Sebms an- zunehmen. Arm in Arm verließen die junge:: Damen das Haus. „Fch werde lange nicht soviel verbrauchen," rief Ruth, „und ich kann meinem Vater jeden Monat noch eine Hum me senden." Therese war van Franziska in die Eigentümlichkeiten des alten Stocktvn eingeweihl worden. Sie schüttelte den Kopf und erwiderte: „Das wäre vielleicht ein Fehler. So viel ich tveiß, hat dock» Ihr Vater seit! Auskommen. Sparen Sie das, was Sie etwa erübrigen, für Notfälle ans: ich kann. Ihnen sagen, nichts ist entsetzlicher, als wenn man zum Beispiel im Falle einer Krankheit ganz ohne eigene Mittel ist. Bei allen: Respekt vor nnsereiu Bersicherungswesen muß ich Ihnen doch den deutlichen Rai geben: Werden Sie niemals krank; aber wenn Sie es werden, dann seien Sie froh, wem: Sie eine eigens, kleine Reserve haben? Auch für eine kurze Erholungsreise muß man stets ein paar Kröten beiseite legen. Denken Sie doch bloß an, welches Hochgefühl Sie erfüllen würde, wenn Sie das erste Mal aus eigene Kosten in die Alpen oder an die See gingen." „Ach. ich bin nicht so reiselustig," murmelte Ruth, „drüben sind wir mehr als genug auf der Eisenbahn nncher- gevollt. Und von der See habe ich gleichfalls genug bekommen: denn wir kamen nicht aus einem Dampfer, sondern auf einem altmodischen und langsam fahrenden Segelschiff herüber. Aber sagen Sie, wo gehen wir dein: eigentlich hin?" „Zur Untergrundbahn ein dummes Wort, nicht wahr? Wir haben es aus dem Englischen übernommen, aber es hat ja keinen richtigen Sinn: denn „Grund" bedeutet bei uns doch incht Erde, wie dort in den: mir überhaupt so unsympathischen England. Warum sagen wir nicht einfach „Tiefbahn?" Ach, mein liebes, geliebtes Berlin, und bii, mein über alles geliebtes Vaterland, warum machst du immer, immer noch nicht ein so stolzes und eigenes Gesicht, wie du es dock) wahrhaftig dürftest?!" Thereses Wangen hatten sich gerötet und ihre großen dunklen Augen brannten, wie stets, ivenn sie auf Deutschlands Größe und Deutschlands Schwäche zu sprechen kam. Aber schon fuhr sie lächelick» fort: „Hier sind wir schon? Und nun versenken wir uns in den Schoß der Erde. In einer guten Viertelstunde atmen wir Waldluft." Sie flogen in den stillen, dunklen Schacht hinein, Ruth ganz voller Neugierde und Freude, wie ein Kind, das etwas beschert bekommt. In der Heerstraße stiegen sie ans. Scharen von Ausflüglern waren schon unterwe-S: Therese kannte hier jeden Steg. „Kolonne marsch?" kommandierte sie, indem sie weit ausschritt und dabei den Hut abnahm, um ihn sofort mit einer Nadel am Kleide befestigt zu tragen. „Gleich werden wir hinaus fei» aus der Menschenmenge, die ich nicht ansstehen kann. Und wenn das Glück gut ist, gelingt mir vielleicht eine Tieranfnahme mitten in: Walde." Sie trug ein federleichtes'Gestell aus Aluminium und einen Aufnahmeapparat. Ohne dieses berufliche Rüstzeug machte sie keinen größerer: Spaziergang, auch ließ sie sich nie beim Tragen helfen und behauptete, diese Dinge seien ihr eine süße Last. Ruth atinete tief und wohlig den Waldesduft ein. Wie wunderschön waren diese hochragenden Kiefern, die piuiew- gleich gegen den tiefblauen Himmel abstachen. Quer durch die Forst ivanderte Therese, die einen bei Frauen seltenen Orientierungssinn besaß. Bald mischte sich Laubwald zwischen die Nadelhölzer, das Gelände hob und senkte fick), kleinere, und größere Seen tauchten auf und verschwanden wieder, und ganz vereinzelt nur begegnete ihnen ein Mensch. „Sirrd Sie müde?" fragte nach einer Stunde rüstigen und beinahe stummen Dahinschreitens Therese. „Ach nein? Ich werde immer frischer. Welch eine Ueber- raschung ist das, so dicht bei Berlin solche herrliche Waldungen!" Therese nickte; sie war befriedigt, daß sie eine so schlveig- same Weggefährtin gefunden hatte. In der Regel schwatzten in die Menschen, wenn sie wanderten, das störte ^beresej jedesinal. „Der Wald spricht ganz allein," dachte Therese, „was soll einem dabei das unnötige Reden der Leute?" Eben jetzt blieb sie stehen und lauschte aufmerksam eine Weile. Sie hatte das leise Pfeifen eines Rehs gehört, und stellte lautlos ihren Apparat auf. Durch Zeichen verständigte sie Ruth, daß sie stehen bleiben und sich ganz ruhig verhalten müsse. Ein Haselgebüsch deckte sie beide gegen Süden hin. Von dorther nahten sich wirklich drei Rehe, eine Ricke mit ztoei Kälbchen. Auf einem runden Rasenfleck, der fünfzig Meter weiter zwischen Birken uub Buchen herüberleuchtete, hatte sich ein winziaes Tümpelchen gebildet. Hier standen saftige Halme und Blumen, so recht ein Tisch voller Leckerei für die Kleinen. Therese richtete ihr Objektiv auf die reizende Gruppe. — 258 ©cfd& i dPt ra(d), mit glühenden Wangen machte sie sich ans rMerk. Alles lag so günstig wie möglich, die Verteilung von i^rcht und Schatten wie bestellt, der leichte Wind gegen sie, so daß die lieblichen Tiere keine Gefahr wittern konnten. Ruth wagte kaum zu atmen. Mit halbgeöffnetem Munde stEte sie die Re^ an; dergleichen hatte sie noch nie zuvor ln der Freiheit erblickt. Jetzt war das Bild ausgenommen, und Therese 'schob vre Kasette hoch, um womöglich noch eine zweite Aufnahme »u erzielen Al^r es gelang nicht mehr. Das Muttertier halte den schmalen Kopf sekundenlang erhoben, gab einen kurzen L^aut von sich, und in der nächsten Sekunde waren alle drei verschwunden. „Ach!" machte Ruth, „war das wundervoll!" „Das sollt' ich meinen!" rief Therese, die geradezu strah- leiw aussah. „Ich werde mir merken, daß Sie ein Glücksbringer sind. Schon zehnmal habe ich hier auf Wild gelauert, aber nie erhaschte ich einen solchen Moment. Uebrigens werden wir nunmehr königlich speisen, denn ich gedenke aus dieser reizenden Aufnahme güldenen Lohn zu ernten." Dabei schulterte sie schon wieder ihr Stativ und schritt querwaldein weiter. „Aber Sie wissen doch noch nicht, ob alles gelungen ist," mahnte Ruth. „Ach was, natürlich ist es gelungen! Erstens mißlingt mir selten etwas. Und dann muß man niemals am Erfolg zweifeln — niemals! Merken Sie sich das, Ruth. Sie sind zwar ebenfalls keine Pessimistin, aber die richtige dreiste - Zuversicht haben Sie doch noch nicht. Sie kennen doch die Redewendung „dreist und gottesfürchtig"? Es liegt ein ungeheuer e r n st e r Kern darin!" „Ich verstehe Es wird inir auch liicht schwer werden, mir dies alles, und was Sie mir sonst anraten, zu eigen zu machen. Sie und Franziska Sebius sind ja meine Leitsterne, so verschieden Sie auch sind." t V?Etern — ich? Wenn das Onkel Gustav Berber gehört Hatte! Oder Frau Karoline Ulrich!" „Einerlei, was andere sagen, ich habe meine eigenen Meinungen Uebrrgens sprachen Sie bereits öfters von Frau uirncy; ich bin schon ganz neugierig auf sie genwrden; sie kxnte //7niV ""akmlich anderen Damen, die ich je kennen bnR — öas E Non eigentlich gar nicht. „Frau", das rst der richtige Titel für Frau Ulrich, und es ist ja auch d^ntitel ohne Gleichen. So wie ich inir kein höheres L-ob denken kann, als wenn man von einem Manne sagt „ein ganzer Mann , so ist es umgekehrt mit unserein Geschlecht doch auch. Dame? Das kann jede kleine Zieräffin auch sein!" ^ -.^rachtluh reckte Therese ihre Wallkürengcstalt und ^^^lt mächtiger aus, als wollte -sie für ihre Person jeden sierte^snb b f.« ^^ men Ö^fttc3feit abwehren. Ruth amü- w/p h b sre dachte an Kurow, der ebenfalls einen Ab- Ser BÄ Silier ’ "" M > e " etwos&tke/mJeslu? iet>t ' unb eä bl.tzte "Was^,st das?" rief Ruth. „Wasser etwa?" . l ft es. Dort werden wir speisen und dann werden wir westlich weiter, an einer mir bekannten Öligen Stelle faullenzen? Hierauf wandern wir noch bis nach Potsdam, falls Sie nicht müde sind, und von da fahren wir zurück nach Berlin. Ist es Ihnen so recht?" ,,^ch bin Gast," erwiderte Ruth lustig, , und babe aar nichts zu sagen. Aber welche Ueberraschungen such das heu^ für muH. .Dieser himmlische, riesige Wald! Uiid dliit große Wasser! Und hohe Hügel! Wie ist es möglich daß^die K LLKS av " ^ brg leiche an, daher ist sie in Mißkredit gekommen 5 ® • Meran oder Bozen nach Hausekommtd^nn naturUch erscheint solch eine Landschaft wie diese bier wg ärmlich. Oder Italien! Oder auch nur Thüringen oder das Nie engebirge oder der Harz - alle diese deutschen Berglandk »ÄSll SÄffiSS tnnwnbc SRoufferon, mit wirkttKm Respekt zk me dm der «bet ar.|to!ratira fein gewürzig ist und voVäuMndsichen Kilchenkünstlern dem Hammel- unb anderen Braten gern bei- ü^lrd, sofern man nämlich des winzigen Pilzleins yaohast werden kann. Und dort in dem schmalen Wasser- rauschen wimmelt es von Brurmenkresse, am Rande leuch- ten die eirtzückenden Vergißmeinnicht, rrnd hoch oben an den Halden breiten sich Ginster urrd Königskerz-en, Kissen von Hewerraut nnd Tymian aus. Darüber dre ritterlichen, gigmi- tischen Kiefern mit ihren roten Stänlmeri nick) dem trotzigen Wuchs, nnd dort unteii der blaue Wannsee. O Welt — o Heimat — o Vaterland!" . ^(^ere^'e, öie halb enthusiastisch und halb drollig ge- sprochen hatte, schwreg, weil ihr die Stimme versagte. Ruth blrckte sie gerührt faltete die .Hände und , . "Dies doch! Ich bin gerade so eitel wie alle andern iu-iaen Mädchen und mochte nur so ..„gern von Ihnen üb^tzt '-fotzen Sie wohl? Eitle Menschen lassen sich aar gern uberichatzen .— Hilf Himmel, was konrmt dort aill" € f^ Qtt€ r^ om .^"9ang her einen Herrn erblickt der zwar heute keine Samtjacke, dastir aber einen weißen Snm' ^^^SrV n - b - e y le •t? e^^ ^ C^^,^aue Krawatte trug. Der weiche ?vanische Hut laß ihm verwegen, allzu venvegen aus simm 259 C'&t, unb darunter quoll das dunkle Gelock frei und kühn hervor. >7^^ ÄErr Kirchler!" murmelte Therese. „Amadeus Drchler in Person. Mein Konkurrent. Ruth, ich hoffe zu Mort, oatz er mich nicht ettva ansprechen wird." Aber sie halte kaum ausgeredet, da näherte sich der lange, schlanke Konkurrent ihrem Tische. ^ glückselig aus, daß es unmöglich lnar, eine eiskalte Miene beizubehalten. bocf? enbrkT>!"rief er aus, vor Therese stehen blei- öeRö und den Hut mit einer weiten, wagerecht ausladenden Bewegung m der Luft haltend. „Schon hatte ich alle Hoffnung aufgegeben ..." , t 1c 6 r gescheit von Ihnen, Herr Kirchler," unterbrach ihn Therese. ,,^zch bin heute auch gar nicht hier anwesend. Mas birtxexte ihm sedes Wort und leitete alle Wm» . 1 —' 1 • i" *••• ■— “*11» .iivim.? ’ jjx . lli li . t ;>•> ^iXl tX firf> stets ourcf) cuie unergründliche Dummleit auszeichnete, so will ich seine ^ingen^ ^ ld)C m ' ^Eheit, das mir nnterioorfen ist, unter- Miriö wandte sich an den anderen Schatten: nahm um iSEr wl'" fäKl?' irü>e, l l 2 dne Wage in die Hand nahm, um alle Gedanken, Worte imd Taten zu wiegen. ^ y 4 .Mm (lästiger — bin die unsterbliche Gemeinheit. ?Ermag es Nicht zu tvrderlegen, daß der lwchgestellte- Pftma- Äfr grobe Gttralt b.-sntz, Dl,weiten! beging die einer- Esels würdig waren aber ooc allem handle er i.nrobIid, SBenn brine MÄde es mir geftatt.-i, so stLiHdir fönneif"^^ 1 6 Ullb bie ^^nrheit wird sie nicht leugnen: def ber Allgeftirchtcte, ieinen göttlichen fdK,ffn '- abn be|h> mt!n in \ «crMÄmLÄÄa^^ tn Ä e e^" b "* Kaum hatte die Gemeinheit das gesagt, so streckte sie ibre U Pßlnabndes ans, während die Dummheit ihn bei der cm^n.l Hand s atzte. Beide (Achter hielten den Atem an und war- : ne h>annt am das Urteil des Mgerechteri. Dieser bohrte sein Mler-auge in. das Antlitz von Pstmabiides, betrachtete ihn lange und sprach daun in ernstem, ruhigem Ton: dan Ihr beide ein unbestreitbares Recht auf feine ^ecle habt. Meine Lage i)t aber sehr schwierig, beim was du, st/um IN yett. auch lagen magjt zic deiner Leweisführung, cs rvird rmmer dumm sein, eben jo wie die Belauplungen der Gemeinheit, gemein und ,al>ch sein müssen. Keinen von euch beiden kann ich glauben, und daher habe ich fol.gen.des beschloßen: Ich rufe die Löeishelt her, Ge allhs ergrmrdet und ahnt, und befehle ihr, mir k»ar und kurz das Leben von Psturabudes zu schildern mrd Eure machst ms Licht zu stellen." Allmächtiger," rief die Dummheit mit Entsetzen aus „du Wersi-eit ist meine persönliche Feindin!" ... ./'Aber du farinlt mir glaubeil, daß sie eine eben solch persönliche Femdlii der Schlechtigkeit ist." Mit diesen Worten gab Osiris ein Zeick)en, daß die Weisheit erscheine. x>ie kam und sprach mit seinem, mitleidigem Lächeln: * Zt der hohe Staatsmann, der uiich aus Aegypten vertreiben ließ?" Wohl des Vaterlandes ist cs geschehen, auf mein Wort!" feAchung"^'^o'udes, der bisher geschwiegen hatte, zu seurer Recht- ihm. still zu sein, und ftagte die Weisheit: „Sage nung?" DummlJiit oder Bosheit die Ursaü)e deiner Verback- „Das eine wie 'das andere," lautete die Antwort. Der Gerechte setzte zwei Sä)alen auf die Wage, welche mr deii Dhron befestigt icar. tyaljft fort," rief er der Weisheit zu, „damit w 11 * fl iau l?Eln/er von deu beiden Schatten ein größeres' Anrecht aus ferne Seele hat." .Jp?? . Eindheit des hohen Würdenträgers beginnend, ent- roüte die We^hnt ein BaL seines Lebens, bis er das Ende semer Erdenwatlsahrt erreichte. Sie erzählte, tme er in den hohen Schn- ?ou ^.'Loen lernte und für die Freiheit schwärmte, wie er mib Wustden gelangeiid, dis Ideen feiner Jngeird tUij Gegen iw ck verwandelte. Sne ließ eröerrnen. daß er alle Vor- Boamtentmit m die Hände spielte, ^azn nnlauteve, ec- hmnre Mattel anwandte wird statt Gut und Blut der Untertans ^erderbm^p^ADa^ ^ides ünter Selbsttäuschmgen bznt vornehmlich von der Schlechtigkeit leiten ließ? fragte Osiris, das Zünglein an der Wage auf- merham beobachtend. ^ ' zu behaupte. Weisender, daß die Dummheit, zoster war als die Pyramide von Cheope. Gr wollte Aegypten groß und stark machen und vermochte nur es zn schwacher und zu erniedrigen." heit H^den^" ** ^ 0/ 001111 mU k ^ Zünglein sich zur Dunuw- s^s, ich noch sagen will: Psunabudes wurde der oeit er sich 1^5 "i^s hielt mid rvecl er es nicht fassen konnte, daß da, wo ehr- ES mörderlich seien, mit Betrug allein längen^" rCrf)t/ ^uwmheil muß das Uebergewicht er- „..Noch eins sei Erwähnt! Psnnabndcs sorgte in kurzsichtiger Weise nur für Mnen elgenen Vorteil. Er dachte gar nicht daraus ^ Mvpten P^rao und er selbst mächtig, berühmt, bliebt und reich werden können toenn er das Land klug und ehrlich verwalten lourde. . ^ .r^. «r der Waae wiegte sich hin und her. Acrgerlich wais Mi ns sic fort, schloß die Augen, griff sich mit beiden Hän '^^"Och^tz und dann den Hellen Blick wieder' auf Psnna- vudes richtend, sprach,«r feierlichst: „Du sichst, daß selbst die Weisheit hier nicht Rat schaffen kann, aber kraft meiner Mlnuräft zerschieide ich wie mit tem Schitvert der ^Ijomoiteit mit entern Wort den verwickelten Knoten, der aus Dummheit ümd Gemeinheit entsta irden ist, und kündigteWir eit; Kehre zu m Lehen, zur Erde zurück! Bleibe dort bis mrs Ende der Welt Minister der verscknedetten Pharaonen bet den verschiedenen Völkern und nün'de dich durch Befehle, Schl an Heu eit Und Widerrufe. . . . Am Ende aller Tuge lvird man leichter dnrchsckMten, ob dtt den TM eines Esels oder eines Betrügers für dich in Anspruch itebmmt darfst. Dann iverde ich wissen, welchem dieser beiden Schatten ich dich ztun enügett Besitz mis- zuliestrn habe." Mit diesen Worben schob Osiris Psnnabndes^der himmlischett Treppe zu nnd versetzte ittn noch einen kräftigen Stost mit seinem' göttlichen Fuß, damit er schneller zur Erde zurückkelne. Tiefe l^tÄle herrschte wieder in den lstmmli scheu Gefilden, aber dafür breitete Aegypten dein auferstandenen StaatsveNvalter laute Huldigungett, und an deit Pforten des Paradieses waren die vielstimmigen Rust zu hören: „PfnuabudeK, o Pfimabudes!" Die Weisheit konnte sich eines spöttischen Läckwlns nicht erwehren. (Detttsch von Rdarie Beßmerttty. vermischtes. * Die „O rts % eit". Zuerst gab es mir die mitteleuropäische und die westeuropäische Zeit, dann fügte der Krieg die sogenauuw Somitterzeit hinzu, nnd jetzt 'hat der Eigensinn der Bürgerschaft des sranzösisckien Städtchens Chevilly die Reil-e der Zeitbestimmungen noch um eilte besondere „Ortszeit" verntehrt. Als nämlich in Chevilly laut Ministerialerlaß die Sommerzeit eingeführt werden sollte, kaut es zu erneut heftigen Streit zwischen der Gemeindeverwaltung! lutb den über die Neuerung aufgebrachten Bürgern. Endlich kam eine Eitrig ung zustande, die. des tveiscn Salonto würdig gewesen tväre, niml führte nämlich die Ortszeit von Chevilly ein, nach lvelcker die Uhrett in der Gemeinde nicht um eine Stunde, sondern' — im Gegensatz zum übrigen Frankreichs— nur um 30 Minuten vorgerückt wurden. Die französische Regierung hofft aber, daß es bei dieser einen „Ortszeit" bleibett ivird, da sonst, nach der Zahl der französischen Gemeinden, überhaupt jede richtige Zeitbestim- imntg unmöglich werden ltnitbc. * W o ha t das H n u g e r - u n b das Durstgefü ü l seinen Sitz? Die nächstlieltettde Antwort auf diese Frage: im Magen, ist falsch. Neuere Forschungen, über die der „Prometheus" berichtet, haben vielmehr festgestellt, daß, die oberen Teile der Speiseröhre es sind, in denen der Sitz des Hunger und Durst- gesübles zu suchen ist. Versuche haben nämlich gezeigt, daß die Einspritzung von Kokarnlösung in Rachen und Speiseröhre eines hungrigen Menschen das Hunger- und Durstgefühl zunt Schnürt den bringen: dieser konnte daraushiu 5 Ta.n und 6 Nächte lang durch nichts dazu gebracht werden, irgendwelche Nahrung uird Flüssigkeit zu sich zu nehmen, woraus matt schloß, daß das Kokain den Hunger und den Durst vollständig ertötet hatte. Diese Beobachtung erklärt auch die allbekannte Wirkung des Kartells von Blättern der Kokapslanze, die viele Reisettde bei Naturvölkern kentten gelernt; habett: der Kokaingehalt wirkt ans Rachen »md Speiseröhre so, l^äubeird, Haß Hmiger nnd Dnrstgefühle erstickt werden. Tie gleiche Wirkung tuie beut Kokain kommt auch dem Nitkotin zu. Es ist eine alte Erfahrung, daß mau sich durch Rauchen das Hungergefühl auf längere Zeit vertreiben kann. Soldaten auf dem Marsche oder in der Stellung, deren Verpsleguug auf sich warten läßt, halten,-daher leichter ohne Nahrung aus, wenn sie rauchen. Entlausung v o tt K leid u tl g s st ü ck e n d tt t ch Ameisen. Wie „Stresfleurs Militärblatt" mitteilt, lrerden verlauste Montur- und Wäschestücke, Strümpfe, Fußlappen usw. aut schttellften und billigsten dadurch etttlauft, daß man die Stücke auf einen Ameisenhaufen legt. Die Wirkung ist einfach oerblnsstird: die fleißigen Amesten besorgen die Eittlausnug viel rascher und ein wandfreier, als das mit andern Mittel möglich ist. Die von den. Schmarotzern befreiten Wäscl/estücke werden dann einfach mit kaltem Wasser uttb Seife gelvaschen. Trotzdem haftet ihnen dann immer noch genügend von der durch die Ameisen zurückgebliebenen scharfett Säure an, um eine Wiederverlatistmg für längere Zeit zu verhindern. * Sarah Bernhardt, die Göttin des .Hasses. Sarah Bertrhardt, die in New Bork wieder einmal fast totgesagt war, soll jetzt vollkommett genesen feilt und gleich die ersten Stunden der Gesundheit zu einem politischst Haßbekcttntnts verwandt haben. Dem ersten amerikanischen Berichterstatter, der sie um eine Unter* redung bat, erklärteste nämlich mit „dramatischer" Stimme: „Ich möchte jeden dieser Männer, die sich Franzoselt nennen und trotzdem nach Stockholm gehen wollen, persönlich Niederschlagen. Frankreich muß kämpstn, solattge überhaupt noch ein Mann auf den Beinen steht. Wir Frauen aber müssen unseren Kindern und Kindeskindertt ewigen .Haß gegen die Barbaren einimpfen." „L'Oeuvre" bemerkt hierzu ironisch, daß diese Erklärung Sarah Bernhardts sicherlich die Haltung der französischen Negierung bestimmen und ganz Deutschland erzittern lassen tverdeit. bücherlisch. — Hochland, Monatsschrift für alle Gebiete des MssenS, der Literatur und Kunst. Herausgegeben von Professor Karl M u t h. Jos. Kofel sche Buchhandlung, Kempten, und München. Vierteljährlich 4,50 Mk. — Inhalt des Jutti-Heftes: Nationalismus. Von Hjecknatm Bahn. —> Der Mostbub. ErMlung von Peter Dörfler. —' Das erste Jahrhundert deutscher Jesuitetrgesckstchte. Von Dr. Lu- zian Pfleger. — Die jüngste Frauensrage. Bon Elisabeth Grtauch Mhne. — Elisabeth Gnauck-Kühne. Von Professor Dr. Ernst Witte. — Kleine Bausteine: Die Frühehe. Von Medizinalrat Tr. Joseph Graßl. — Kritik: Vom sozialpolitisclpen zum weltgeschichtlichen Denken. Von Firmin Coar. — Nene Romane. Bon Franz Hertvig. — Rundschau: Kriegsbetrachtung. Charles Päguy. Das Deutschtum im Ausland. Berliner Theater. Ein Münsterländer .Künstler. — Neues vom Büchermarkt. — Unsere Knnstbeilage. , — Note T inte weg! Sktzzen und kleine Berichte aus den« Kriegs- und Friedensleben der Schule von Johannes Gebhardt- Mit 23 Bildern und 1 Karte. VIII, 160 Seite:!. Verlag der Dürr- schen Bucblnndltutg in Leipzig. Preis 1 Mk. — Frauenbewegung u n d .christliche Liebes- tätigkeit. Bon Luise Döring. 177 Seiten. Geheftet 3,60, gebunden 4,20 Mk. Verlag von Quelle & Meyer tu Leipzig. 1917. — Das deutsche Volkslied. Hilfsbüchlein für dm deutschen Unterricht. Von Dr. O. B öckeil. 103 Seiten. Geheftet 80 Pf.. (Den tschku übliche Bücherei) Verlag von QuelleLMeyer in Leipzig. 1917. — Ät i r? oder M ich? Leitfaden zum.Gebrauch der Fürwörter. Ein Lehr- und Uebun-gSbuch für den Selbstunterricht. Gemeinfaßlich bearbeitet von R. Ernst. - Verlag: L. Schwarz 6c Cvtnip., Berlin W. 14, Dresdäter Stt. 60. Preis 1,25 Mk. ,—,,D c r Völkerkrieg. Eine reich iltttstrierte Chronik der Eveigitisse seit dem 1. Jnlt 1914. Hernusgegeben von Dr C. H. Baer, Verlag von Julius Hoffmanu, Stuttgart. Heft 127/128, Preis je 40 Pf. Gieße,rcr Hausfranen-Bereiu. Kochanweisungen. Gemahlene Graupensuppe: (4 Personen. 1 flac-M Eßlöffel gemahlene Grattpen toerden mit l l / 2 Liter kaltem Wasser angerührt (aut bestett V-> Stunde stehen gelassen^ 1» Stunde gekocht und igesalzen. Vorher etttgeu>eichstes Dörrobst mi«gekocht- schmeckt sehr gut. — Zu süßer Graupensuppe ninriut mm« 2 flache Eßlöffel Zucker, 1 Stück Zitroneltsck>ite oder Zimt und eine Prise Salz. Einfacher Kirschpudding: 500 Granun Brot, alt- gebackenes, schneidet Man in große Würfel. 7-50 Grantln .Kirschen entsteint man und schichtet diese beiden Zutaten abtvecbselnd ttt eine gut vorgerichtete Puddingsform, ivobei man die Kirschen mit Zucker bestreut. 1 / 2 — 3 / 4 Liber Magermilch verquirlt ntan mit einem ganzen Ei, 30 Gramint stitteut Zucker, ettvas Salz nnd ab geriebener Zitronenschale, gießt dies langsam über die eingeschich- teten Zutaten und läßt sie mindestens 2 Stunden damit durchziehen. Man kocht daraus den Pudding 1' Stunde, stürzt ihn und gibt eine ivarine Vcntillettntke (ans Bättilketunkenpulver) daztr. H a f e r s l o ck e n k l ö ß e (mtsgestochen): J /* Pstutd Hastr- flockcn, 1 Liter Wasser. 40 Gramm Fett, 1 Ei, 1 kleme Zwiebel, 1 Prise Salz. Haferflorken mit kaltem Wasser zu setzen nnd zu steifem Brei kochen, die st in geschnittenen Zwiebeln in Fett rösten, nebst Salz und Ei dazu, und etwas ausquelteit lassen Dattn mit einem nassen Löffel ansgestochen. Saure oder Zwirbeltunke dazu. * Eilt ausgezetchnebes E rf rischu.it gs ge t r ä n k wird >vie folgt bereitet: 10—12 Holünderblüten, 7 Liter Wasser, 1 Zi- ttonc in Scheiben geschnitten, V« Liter Essig, 2 Pfund Zucker stellt man, am besten in einem Glas, einen Tag an die Sonne, siebt die Flüssigkeit durch ein Tuch und füllt sie in Flaschen^ Man kann Bier- oder Spiritttsflaschen nehmen. Andere Flaschen müssen sehr gut vertonkt loerden. Das Getränk ist gettießbar, wenn es zu perlen anfängt. Magischer Sahienquadrat. Die Zahlen von 4 bis 28 sind in die Felder des Quadrats derart einzutragen, daß jede senkrechte, jede ,vagerechte jede der beiden Querreihen von Ecke zti Ecke, sowie die 5 mittelsten Felder jedeSmal die Summe von 80 ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung der Gleichklangscherzc in voriger Nummer: 1. GaS, Gati, gab; 2. Hans, Hans, Hals ; 3. wegen, Wogen, »vagen; 4. Hirt, Hirn; 5. Gang, Gaus. Schri'tlettung: Ir. R. Zenz. — Zwillingsrunddruck ultd Verlag der Brühl'schen UntversitätS-Buch- und Stetudruckerei. R. Lange, Gießen^