Die blonde Drossel. Roman von E. Fahrow. (Fortsetzung.) ' Ruth wunderte sich nicht über die springende Art der Freundin. Sie wußte, daß es Franziska heimlich verlegen machte, wenn nran ihre im Grunde stets edlen und selbst- losen Gedanken durchschaute.- sie konnte bei solchen Gelegenheiten von Herzen grob werden, und es war vorgekommen, daß sie dann zynisch und mokant wurde, was Ruch nicht ertragen konnte. Die Frisuren der Damen, der stillere und vornehmere Glanz der Linden, und glech darauf das verwirrende Getriebe der Friedrichftraße beschäftigten sie so, daß sie, atemlos schauend wie ein Kind, kaum noch hinhörte, was Franziska sagte. Diese warf fortwährend verstohlene Seitenblicke zu ihr hin. „Wie wunderreizend sie aussieht!" dachte sie. „Hub da- bet ist es nur das Innere, was aus ihr herausleuchtet, was sie so hübsch macht? Wieviele Männer werd n sich in sie verlieben! Freilich, ich sehe, daß sich auch der Berliner Frauentypus außerordentlich zum Vorteil verändert hat. — Vor zehii Jahren noch stand es iiicht zum besten damit; aber mit Niese,ischritten eilen solche Kulturerscheinungen vor- tvarts- Die „Kulturerscheinung", die Franziska soeben im Sinne hatte, interessierte auch Ruth. Und wie ein junger Strwent, der das erstemal in eine große Stadt kommt, rief sie begeistert: „Ach, Fränze, diese Menge entzückender Mädchen? Ich begreife Nicht, wre es so viele davon geben kann! Sieh nur diese Große, die hier kommt!" Franziska warf einen Blick auf die Bezeichnete und konnte es m Muße tun, denn es war eine augenblickliche St«kung eingetreten, und die endlose Wagenreihe stand still. , . «Ach. sieh da!" rief sie aus, „das ist ja Fräulein Ber- r? te ^l nte lc ^ — sie ist Photographin, ein netter Mensch - ich werde euch bekannt machen — das trifft sich la vorzüglich!" Sie winkte so energisch nach dem nahen Bürgersteig hinüber, daß Therese, die' dort eilig dahinschritt, es bemerken mußte. Freundlich grüßend trat sie heran und reichte Franziska bie Hand: „Sie hier, Frau Sebius? Wie nett!" „Haben Sie Zeit, Fräulein Berber? Steigen Sie ein, rch freue mich, gerade Sie hier erwischt zu haben. Ich bringe soeben emen fremden Vogel nach Berlin, der hier heimisch werden soll — Fräulein Stockton, Amerikanerin, Buchhalterin, Künstlerin urrd meine Freundin." Lache ,\b gaben sich die beiden Mädchen die Hand. „Das letztere," rief Therese, „genügt als Einführung vollständig! — Wo fahren wir aber hin? Ich habe nur ein« halbe Stunde Zeit." Sie war eingestiegen, und Franziska nickte: „Das ist vorläufig genug. Wir kommen vom Bahnhof und fahren nach der Pension Schubert in der Königgrätzsr Straße. Meine Freundin sucht hier eine anständig bezahlte Stellung, die ihr noch einige Stunden eigne Zeit läßt. Sie war bisher in meinem eigenen Ort beschäftigt, hat dort ihre Stellung gekündigt, was den ehrenwerten Chef veranlaßt hat, ihr ein ganz nichtssagendes Zeugnis zu geben, was aber nichts schadet, denn sie hat hier noch einige Empfehlungen von mir, hat genug Geld, um einige Wochen ohne Sorgen leben zu können, und wird bei Frau Tribaldi Gesangsstunden nehmen, wobei Frau Tribaldi einiges lernen wird." „Fränze," rief Ruth, „so hole doch Atem!" Therese lächelte und blickte wohlgefällig Ruths zartes Gesicht an. „Frau Sebius hat immer ein Tempo, bei dem einem selber der Atem ausgehen kann," sagte sie. „Aber ich weiß doch nun schon alles Wichtigste über Siei Ich für meine Person. . ." „Sie," siel ihr Franziska ins Wort, „ist die rechte Hand des Hofphotographen Professor Otter..." „Mit rächten!" unterbrach sie Therese. „Sondern ich bin seit acht Tagen ein selbständiges Wesen, Tierphotographin, urrd zwar eine vortreffliche Tierphotographür.! Doch, Fräulein Stvckton, das kann Sie unmöglich interessieren. Frau Sebius kennt mich auch nur aus dem Otter- scheu Atelier und von einer achttägigen Somrnerreise her, die uns beide nach Rügen fiihrte. Sie kann also ga Frücht so sicher wissen, daß ich für einen Neuling in diesen: Spreebabel ein passender Umgang bin. Wer ich bin's! Und ich würde mich freuen, wenn ich Ihnen irgendwie von Nutzen sein könnte." Ruth reichte ihr die Harrd. JD, ich danke Ihnen," rief sie fröhlich. ,^Jch glaube, ich darf mich glücklich schätzen, daß ich gleich so freundliches Errt- gegenkommen siirde! Und es gibt mir schon ein tröstliches Gefühl, daß ich doch nun einen Menschen hier kenne!" „Liebes Kind," sagte Franziska trocken, {/ bn wirst bald mehr als genug kennen! Durch die Tribaldi allein machst du zahllose Bekanntschaften. Wer die sind mit Vorsicht zu genießen, während Fräulein Berber — du wirst es schon allein fi'lhlen — eine SärUe für dich sein kann. Uebrigens erzählen Sie doch, Fräulein Berber, wie sind Sie denn zu einem so mutigen Entschluß gekommen?" „Angeborene Dreistigkeit!" erwiderte Therese ernsthaft „Mein Onkel, von dem ich Ihnen ja erzählte, hat mich beinahe verstoßen, weil ich meine sichere Brotstellung aufgab Wer ich hatte doch recht. Schon habe ich einige Dutzend sehr fesselnder Tieranf nahmen gernacht. Sie gm üben gar rächt, wieviel Vergnügen das macht!" „Doch, ich glaub's! Auch ich habe ott lieber mit Tieren gu tun, als mit Menschen- Aber hier sind mir nun zum Mel. Darf ich Sie noch anderswohin fahren? Oder wohnen Sie in dieser Gegend?" „Ich tvohne nicht weit und sheige lieber aus. Also, Fräulein Stockton, ich werde mir in den nächsten Tagen, erhüben, Sie zu besuchen und mit Ihnen einer: Kriegs Plan ans zuh ecken, wie wir uns am bestem im Berliner Wirbel einrichten. Einstweilen aus Wiedersehen!" Ruth hatte fast gar nichts gesprochen, aber ihr lebhaftes Mienenspiel hatte gezeigt, wie sympathisch ihr diese neue Bekanntschaft war. Jetzt nickte sie und lächielte und drückte herzhaft die barg eboteue^Ha itb. Dann ging es drei Treppen hinauf, über breite Stufen, die mit billigen und purpurvoten Läufern belegt waren. Auf jedem Treppenabsatz befand sich ein Wandspiegel schlecht und recht; daneben ein Rohrsesselchen ohne Ähne für schwache Steiger. „Uff!" sagte Franziska, als sie bei dem dritten Stocks- Werk angekommen waren und mm feststellten, daß dies erst die „zweite Etage" sei. „So ein Schwindel! Das haben wir nun auch erst Von den Parisern gelernt: „Au troisieme -— audessus de l’entresol!“ Als ob es eine Schande wäre, im vierten Stock zu wohnen!" Sie klingelte, errdlich Vor der richtigen Tür, herrisch und lange. Und sofort, wie aus einer Pistole geschossen, stürzte jenrand herzu und riß die Tür auf. Es war ein ganz junger Herr, knabenhaft und äus- ländischen Aussehens, der offenbar jemand anders erwartet hatte und nun eine verlegen^ Verbeugung machte. „Oh, entschuldigen Sie," murmelte er in der kauenden Aussprache, die Franziska mit „Knautschen" zu bezeichne:: pflegte. „Ich dachte. . „Ist Fräulein Schubert zu sprechen?" unterbrach sie ihn. „Wir werden erwartet — sozusagen-" Eine Tür rechts tat sich auf, und ein Dienstmädchen Mit einem weißen Häubchen erschien. „Gott, Mister Bost!" sprach sie vorwurfsvoll zu dem Jüngling, „Sie sollen doch nicht immer aufmachen! — Bitte die Damen! Fräulein wird gleich komme::!" Und mit einer gebildete:: Geste öffnete sie die Tür zum Salon, drehte eine elektrische Lampe au und versicherte dann ftenndlich, es sei recht schönes Wetter. „Fräulein" kam nun auch eilfertig herbei. Eine große, unendlich magere Dame mit einem Gesicht, das so mechanisch lächelte, daß man das Gefühl hatte, auch im Schlafe lächle «k wohl verbindlich. „Grüß Gott!" rief sie den Dame:: er:tgegei:, absichtlich Ehren süddeutschen Gruß wählend, den sie sich trotz zwanzig- jährügen Aufenthaltes in Berlin nicht abgewöhnt hatte, weil man ihr stets versicherte, es klinge so „traulich". ,,'n Abend," erwiderte Franziska trocken. „Na, wie geht's, Fräulein Schubert? Hier ist Fräulein Stockton, von der ich Ihnen geschrieben habe. Für einen Monat ungefähr wird sie wohl Ihr Gast sein, dann hat sie hoffentlich ein Unterkommen gestruden." „Herzlich willkommen!" Mete Fräulein Melinda Schubert. „Ich hoffe, daß es Ihnen bei uns gefallen wird. Meine Schwester und ich, wir Haben ja viel Erfahrung und können Ihnen gewiß mancherlei Rat geben. Nun w:ll ich Ihnen aber erst Ihr Zimmer zeigen. — Gnädige Frau, Sie bleiben doch auch einige Tage hier, nicht wahr?" „Nur bis rnorgen, ich bin zu Hause nicht abkömmlich. In diesem Penftonat wohne ich stets, wenn ich in Berlin bin, Ruth. — Es ist teuer hier, — na natürlich, Fräulein Schubert! — aber auch gut. Und du mußt aut genährt und gepflegt toerden, gerade in dieser ersten Zeit, wo Berlin Sturn: auf deine Nerven laufen wird." « 'Äft. f 1 ? h?ben ja ein so ruhiges, schönes Zimmer, ?Ebes Fraule:n Stocktou," lächelte „Fränlein", „Sie werden YerrUch schlafen. Auch ist unser Pensionat augenblicklich nicht uversullt nur einige Ausländer und durchreisende deutsche Damen; man hat es bei uns ganz in der Hand, ob man allem blerber: oder anregenden Berkehr haben w-Ul. Minden Sie allem zu speisen, so können Sie das auch — natür- nch gegen (Atraberechnung, das geht ja nicht anders. Hier,' sehen S:e, dieses Zimn:er dachte ich — aber es sind auch noch andere frei, falls Sie irgend wünschen ..." ^desttE «ing immer in derselben devoten, ae- N!e?stVe7z«N" fie ba§ „Danke, es gefällt mir ganz gut," murines Ruth. „Mir gefällt es zwar gar nicht," versicherte Franziska, „aber für heute Nacht mag es gehen. Die Hauptsache ist ja doch, daß es still ist. Ich selbst? Wo haben Sie mich hin- quartiert?" „Hier nebenan — bitte! Ist es Ihnen so recht, gnädige Frau? Oder wünschen Sie . . ." „Nein, nein, wir wünsche:: gar nichts, Fräulein —. machen Sie doch nicht so viele Umstände! Ich weiß ja doch, daß für den abgemachten Pensionspreis bei Ihnen nur ganz bestimmte Zimmer zu haben sind. Also ist's gut, urü> wir bitten nun um gar nichts mehr als un: warmes Wasser. Wollen Sie, bitte, Marie damit herschicken? Sie heißt doch wieder Maries" „Ja, in der Tat — man kann doch unnwglich jeden Monat einen neuen Namen einsühren — leider bleiben ja die Dienstbloten heutzutage kaum langer. Also ich sende das Wasser. Und das Gepäck? Soll es abgeholt werden?" „Es kommt als Frachtgut. Danke , sehr, Fräulein." >Die Tür schloß sich hinter der laugen, demütigen Gestalt, und Ruth blickte vorwurfsvoll die gfrantbin an: „Aber Franziska, wie kannst du denn das arme Wurn: so greulich behandeln?!" „Aha! Also das hast du bereits gen:erkt, daß sie ein „armes Wurm" .ist? Nun, dann will ich dir mal etwas sagen, die ist schlauer und geschickter als du n:id ich zusammen! Mit all ihrer Devotion hat sie nie eine Sekunde etwas anderes im Sinne als ihren Profit, und damit hat sie auch ganz recht! Geschäftsfrauen müssen so sein! Nur »vählte sie aber eine ungewöhnliche Maske dafiir. Ich will sie aber nicht schlecht machen! Taugte sie nichts, so hätte ich dich ja nicht hergebracht. Sie gibt vorzügliche Verpflegung und hält auf anständige Pensionäre. Ihre Schwester ist nichts als Küchenbrödel, man sieht sie fast nie. 'Die beiden haben aber schon ein hübsches Kapital zusamrnengelächelt, das kann ich dir sagen. So, da kommt die ewige Marie mit dem heißen Wasser. Und nun wollen wir uns ein wenig einrichten und dann zur Abendtafel gehen, wenn der Gong ertönen wird." Sie versicherte sich noch durch einen rasche:: Blick, daß Ruths Handgepäck zur Stelle war, ging i:: ihr Zimmer hrnein urw schloß die Tür. Ruth besann sich einen Augenblick, sah sich um, als mußte sie erst seststelten, daß sie allein sei, und atrnete tief und ein werng befreit ans. Dort stand ein kleines, altmodisches Sofa/ auf das sank sie hin, nahm den Hut ab und schloß die Auge::. „Wunderlich!" dachte sie. „Nun bin ich wahrhaftig in Berl:n! B:n weg von zu Hanse! Und das ist alles gekommen w:e e:n Orkan! Nicht vierzehn Tage ist es her, da saß ich noch bei Herrn Wecker in den: neuen Bureau und graulte mich, weil der gräßliche Mensch mir mit seinen unerträg-, Uchen Augen so viel vorvedete! Und dann kam es Schlag auf Schlag! Grst ging Hermann Kürow fort — dann wurde ich tollkühn und ki'lndigte Wecker — dann bekam Vater Nerven- anfälle — und schließlich ging doch alles glatt und ich reiste ab; und nun bin ich hier! Wahrhaftig draußen im Stroin! Ach, wie das donnerte und brauste da auf den Straßen! Und mir ist eigentlich ein bißchen bange, und eigerttlich ist mir auch wieder furchtbar kühn und fröhlich zumute! Es w:rd schlon gehen, denke ich! Das nette Mädel, die Therese Berber! D:e hat's gemacht, glaube ich! Wenn ich die nicht gle:ch so gefunden hätte — vielleicht wäre ich ganz zer- k:::rscht vor Angst! Denn Franziska, so gut ich ihr bin,mnd so sehr :ch auch ihrer tatkräftiger: Hilfe alles dies verdanke, fte versteht es uicht, einen: neben dem Mut auch noch ein Stuck Frieder: zu geben. Und den brauche ich! Der: werde :ch nur auch imnrer schaffen, auch wenn es nur in einem so w:nz:gen Zufluchtswirrkel ist wie dieses Zimmer. Das Früu- leu: Berber — die wird mir schon helfen. Die hat so was Warmes. Das braucht man ebenfalls! Und übrigens ist es ja himmlisch still in dieser Zelle." varre me rnugeu geicylofleu, um die wohltue:rde Strlle des Augenblicks auszukosten. Und plötzlich schlief sie. Schlief fest und tief, so daß sie n:cht answachte, als Franziska klopfte und fragte, ob sie fertrg se:. Sie öffnete nun die Tür mib sah Ruth schlummernd aus dem Sofa halb sitzen und halb liegen. Ein sanftes und liebevolles Lächeln glitt über Fraw- z:skas Züge. Einige Sekunda: betrachtete sie mit mütter- ttcheln Wohlgefallen das Mrrt gefärbte Antlitz, die schimmernde Pracht der Flechten und die dunklen, geraden Äugen- bvauen über den geschtossenerl Lidern. Dann zog sie sacht die Tür wieder zu und verließ cruf den Zehenspitzen ihr Zimmer. „Sie soll schlafen," murmelte sie. „Wie jung sie noch ist! Und wie gesund, daß ihr Körper sofort von selbst das beste Erfrischungsrnittel ergreift, um die Ermüdung wett- rmnachen, oie sie natürlich überfallen hat! Ich werde allein der Abendtafel beiwohnen und später dem Kinde Abendbrot auf dem Zimmer qffon lassen! Morgen soll sie Berlin tm nüchternen Bormittagslicht kennen lernen. Und dann reise ich ab, und sie muß allein im Strome schwimmen. Trügt mich nicht mein Gefühl, so wird sie hier chr Mick machen, so oder so; ehrlich und tapfer ist sie — solche Menschen braucht man hier wie überall. Glückauf denn, meine! kleine Ruth!" Ihre innere Rührung hinter den funvelnden Kneifer- aläsern verbergend, begab sich Franziska in den allgemeinen Salon und begrüßte einige Stammgäste, die sie von früher kannte. Auch der knabenhafte Jüngling wurde ihr vorgestellt, der ihnen vorhin die Tür geöffnet hatte: Mister Bost aus Philadelphia; Glaswaren en gros und Schau- unternehmer; ein Krösus von Vaters Gnaden, dessen kindliches Benehmen über seine fabelhasten merkantilen Talente ebenso hinwegtänfchte wie „Fräuleins" Demut. (Fortsetzung folgt.) Der Ausreißer. (Schluß.) Die fremde Dame war bald hinter ihm her. M der fünften «Straßenecke holte sie den .Flüchtling endlich ein. Sie hatte bemerkt, wie sein ganzes Vksen aus den Angeln ging, und sie wollte sich den Versuch nicht verdrießen lassen, es wieder einzurenken: vielleicht kam! sie noch ziurocht, um ärgeres Unheil zu verhüten. .Er wurde über urrd über rot, als die schöne, seine Dame ihn an rief, und sein erster Jnipuls war, davonznlaufen. Aber schließlich schämte er sich seiner bubenhaften Scheu, und als sie sachkundig! von Minsik Md von seinem Spiel Ml sprechen begann, hatte sie! sein Zutrauen bald geiummeit. lieber vierzehn Jahve war er bereits alt, natürlich! Und er wollte Musiker werden, Komponist. Und keiner sah. wie ihn die Schul!tube beengte, wie die harten Kanten nnd Stacheln der Fach- disziplmen seine ,nach künstlerisck-er Gestaltung dürstende Seele wund und blutig rissen. Und man habe ihm sogar die Weiterbildung m seiner vergötterteil Kunst versagt, danrit die Schulstlkdien nicht darunter- lrtten. Da fexfe ihn die Verzweiflung gepackt: und dev Drang nach i>cm großen Erlebnis der seelischen Freiheit, das da draußen irgend! vo ans ihn tva.rtete. . . Und er Irichtete ihr auch, !vie er seine Sehnsucht büßeil gewußt, und Me ec tan jenem Gaukler in der gestohlenen Uniform bis aufs Leder'ausgeplündert worden sei. Und wie er längst wiedep M Hmise wäre, wenn nicht die Entdeckung des erlitt mm Berlusts zugleich seinen Fluchtversuch euthiMen zniMte. . . . Sie scheute nicht den langen Weg, den sie der arme, trostlose Funge quer drirch ganz, .Berlin mit sich schleppte. Latte sie nicht selbst mit ihrer trostlosm SüM sucht zu kämpfen? War sie nicht selbst von HenUiveh gesckKttelt — von Hei inweh nach einem Rterr- sch.ell, der rhr einst Freund nnd Vaterhaus nnd Welt nnd Selig- kelt gewesen war? Sie hatte von ihm nichts lviedergehört, seit er in dm Kriec A^ogen war. Keine Kunde von Tod, Verwnitdnng oder Gefangen' schaft l-atte ftc erreicht. Leer tmd hohl klmrg das Echo des Krieg« von den tosenden Sck^.rchtfeldern in ihr verarmtes Leben hinein Es lwr em Schmerz, tiefer lurd lastender noch als jener der Frm und Mutter im Trauerflor. Ich Werken der Güte Und engelhaften Huld entquoll dies über machtlge Lew ihrem vollen Herzen, suchte sich Mlmknng und Tros am Trotten der airdern. Das itw'r es, was sie antrieb, den müd sellgeil Pfaden der Gl ückv erlassenen nachzugehm. . Jenen scharfen, verzehrenden Schnlmz aber konilte sie hmt. viellecht emer geäugstigteil Mutter ersparen. Wenn er die verlorene .Summe von ihr annähme, so könne ei nocli, l-eutc rn lein Heini zurückkehoen, intö nieinand brauche zu wißeil welch schacksalsschwere Möglichkeiten znüsck-eir Anfang nn! Ende dieses Tages beschloss^ lagen. . . . .. . Er ging langsamer, unrnhig überlege iw. Wieviel läng von dresem Enschluß ab! Seme Stimme ül^erschliig sich vor Erremm und hemckrckier Freude, als er antwortete: ihi-e Dresse ^ ^ ^ >arIclKni «"fzufassen {ft —" Und er bitte im ^tztere verweigerte sie. .Als großer Tvnkünstler ,oerd« er m sicherlich emstün der Lage feig .... ineiitte sie schnauft. Und dann iverde fte iljri [djfon wieder zu suchen wissen. Da Wichten beide lachen. Er steckte derr Schein Lästig in die Westentasche, während sich die Helfertu mit flüchtigem Gruß seinem Dank entzog. * t Spät abends betrat er das Familien zrimnxr. Das Gedeck für ihn stand aus dem. Tisch. Gott sei Dank — es nxrr iwch ntenrarrd auf der Polizei gewesen ! Aber alle hatten sich anscheineich sehr Um ihn gesorgt. Was beim eigentlich los war? — Oh, nichts Besonderes. Sie hätten sich nur etwas längär beim ^Fußballspielen mifgehalten . . . ^„Und in einem Wirtshaus, da wareine Dante, und die spielte L^ckiumann — herrlich! . . ." Während er aß, herrschte ein bedrücktes Schveigni. Wie lveam ettoas Fremdes in der Atmosphäre läge. „Und,wo hast du dann das Geld?" fragte errdlich Mama. ,,Hier, Mutti! Es komtte mir niemand wechseln. Ein Kollege hat ernstweilen für mich aus gelegt." Und dann, drängend Und schwer, als hinge viel, viel mehr davon ab als von all dm in Rede stehenden Kleinigkeiten: ,,Mutter — darf ich morgen wieder mit den Mnsikstunden im Konservatorium beginnen?" r Sie wußte nicht, wie es kann: aber es war etwas bi seiner Stimme, was jede Ablehnung und Gleichgültigkeit aasschiloU. Sie zog ihn an sich und sichte ihn, wortlos bejaheich. Die Kose in der Kulturgeschichte und Poesie. Keiner Blunrc wnrde von jeher eine solche Verehrung Mtteil wie der Rose. Schon im Altertum hieß sie die Königin der Blumen oder die Blume der Blumen. Bei den alten Griechen war sie Aphrodite, der Göttin der Liebe, und Eros geweiht. Unsere Vorfahren hatten sie Frau Holle zngeeignet, und später wnrde sie der heftigen Maria gewidmet. Sie war allgemein das Sinnbild der Anmut, der Schönheit und der Jugend, wegen ihres raschen Vergehens aber auch das des schnellen Verfalles und der Vergänglichkeit alles Jrd2- schm. Papst Urban V. stiftete die Goldene Rose, die Tugendrvse, die am Sonntag Lätare, dem Rosensonrttag, an katholische F-ürsümre-r verliehen wird. Wie sich in allm Zeitaltern Liebende mit Rosen beschenkten, wie diese das Symbol der Jugendfröhlichkeit waren, wie sie Göttern als Opfer dargebracht und großen Feldherren bei Siegeseinzügen hingestteut wurden, so wurde der Rosenstrauch auch auf Opferstöcken und auf Gräbern eingepflanzt. Die Rose erscheint Überall: an berühmten Bauwerken, auf Bildnissen, auf Gedenk- münzen und auch in den Wappen alter Geschlechter. Wie keine Blunre mehr Verehrer und Verehrerinnen gefunden hat, als die rasch welkende Rftlq, so hat auch keine so viel Dichter- gesunden. In Griechenland und im alten Rom, im Persien der alten Zeit, Überall märt) die Rosse als die schönste Blume von den Dichtern gefeiert. Die Morgenröte nennt sie Homer, urid unzählige Dichter der Alten wissen Herrliches über die Rose, tib.-r auch Wehmütiges über ihr rasches Verwelken zn berichten. Aufonius singt im 4. Jahrhundert unseres Zeitalters: Einen einzigen Tag umfaßt das Leben der Rose, Das in einem Dtonat Jugend und Alter verknüpft und weiter: Pflücke die Rosen, o Mädchen, solau.gc sie grünen nnd blühen. Wisse, daß auch dein Lenz schnell wie die Rose vergeht. Firdrlsi, der größte persische Dichter, smgt von der ^Äse: Siebzehnmal die Rose blühte, Siebzehnmal ist sie verwelket; Urkd die Nachttgall besang sie Und versttlnrmte siebtzehnmal. Auch in Deiltschlarrd gibt es kaum einen Dichter, der der Rose nicht ein Gedicht oder mel/rere gewidniel hätte. Altmeister Goethe sang: ^ - L>ah ein Küab' ein Röslern stehn . . . und in „Hermann und Dorothea" heißt es: 9lber Rosen winde genug zum himslichen Krauze, B<üd als LUie sck-lrngt silberne Locke sich durch. Cliamisso, Logau, Hölch, Lcssing, Uhland, Platerr, Rnckett, Enrannel QkiUü ünd viele andevs, E hälfen die Rose besungen. Wie schön weiß Platen die Rose zu sckyldern, voenn er sagt: An Dauer !reicht die Rose dem Rubin, Ihn aber schmückt des Taues Träne nicht. uird Lcirau singt: Diese Rose pftück' ich hier In der fremden Ferne: Liebes Mädchen, dir, ach dir - Brächt' ich sie so gerne! Doch bis ich zu dir mag zich'n Viele weite Meilen, Ist die Rose längst dahin, 'Denn die Rosen eilen. Nie soll lveiter sich ins Land Lieb' von Liebe wagen. Als sich blickend in der Hand Läßt die Rose tragen. 252 Laub und Rekstg zu Mterzwecken. Von verschiedenen Seiten ist angeregt morden, Laub und Reisig in größerem Dtaße, als dies bishei geschehen ist, zu Fütterungszwecken henrirzuziehen. Bei der strotzen Futterknapphell, urrter der das Nutzvieh zu Leiden hat, ist icder Versuch, dieser Not abzn'helsen, "beachtenstvert: die Anregungen sind im Kriegs- erncchrungsamt einer genauen Prüfung unterzogen worden. Es hat sich gezeigt, daß bei dem Mangel an Arbeitskräften und bei den bestehenden Beförderungsschwierigkeiten eine zentralisierte Verarbeitung dieser Stoffe zu Futtermitteln zur Zeit nicht durchführbar ist: dagegen erscheint es sehr Wohl erwägenswert, iiberall da, wo Laub und Reisig mit den vochandercen Arbeitskräften, gegebenen falls unter Heranziehung der Schuljugend, gesammelt und in nal)e gelegenen Trocknungsanstalten ^zu einem dauer- l>aften Futter verarbeitet werden können, alsbald die hierzu erforderlichen Anordnungen zu treffen. Es dürfte alle ^Veranlassung bestellen, erneut auf die Bedeutung dieser Futterstoffe hin znw eisen! und die Gewinnung derselben je nach Lage der Verhältnisse! tunlichst zu fördern. Im Anschluß hieran sei nachstehend ein Verfahren zur Laub- Heu- und Reisigfuttcrgewinnung angegeben. Die abgeschnittenen kleinen Reiser diesjähriger und vorjähriger Triebe, die höchstens % Zentimeter stark sein dürfen, iverden 1—2 Tage auseinandergebreitet, damit die frischen Triebe und das Blattloerk ettvas trocken und welk werden. Sodann bindet man sie ähnlich wie Getreidegarben oder wie den ersten Schnitt der Luzerne in kleine 30 bis höchstens 40 Zentimeter starke Bündel zusammen, und zwar so, daß das Blattwerk nach der gleichen Seite gerichtet ist. Zum Binden, das locker erfolgen muß. können Buchen, Birken- oder Weiden ritten benutzt werden. Die Reisigbündel sind wie Getreidestiegen zu 6—8 aufrecht gegen^ einander oder' anlehnend um Baumstämme zu stellen. Damit die Trocknung nicht zu grell ist soll sie nicht in der prallen Soune, sondern möglichst im Halbschatten erfolgen. Andernfalls vertiert Vas Reisig an würzigem Geruckt, die Blätter fallen leicht ab, und die Tiere foessen cs dann nicht so gern. Je nach dem Wetter müssen zivecks gleichmäßiger Trocknung die Bündel umgestellt werden. Sind sie zur Genüge ausgetrocknet, chas bei günstigem Wetter in etwa 6—8 Tagen geschehen sein kann, so bringt man das Reisigfutter am besten auf trockene, luftige Hans- oder Scheu nenbäden unter Dach, wo es nachtrocknen kann. Wie Wtesen- und Kleckhen nach dem Eincrnten nachschtvitzt, so ist dies auch bei Futter reisig und Laubheu der Fall. Die Reisigbündel dürfen daher beim 'Einernteu otn Aufbeivahrmrgsorl nicht zu dicht und fest auseinandcrgepackt. sondern müssen möglichst locker und luftig gelagert toerden, damit eine Erwärmung sowie ein Stockigwerden und eine Schimm-elblldung vermieden wird. Für den Futterwert ist es am geeignetsten, wenn das Laub demnächst, also im Mai oder Juni, geschnitten wird, es ist zu dieser Zeit nährstoffreicher als im Juli und im August. Auch die Tageszeit des Schnittes ist nicht ohne Belang, so sind die am Abend geschnittenen Blätter und jungen Triebe gehaltvoller als die am Margen geschnittenen. In den Blättern der Bäume urrd Sträucher wird mit Hilfe des Sonnenlichtes >Stärke gebildet, diese sind also in den Abendstunden am stärkereichsten. Während der Mchtzeit wird die Stärke in den Blättern in Zucker umgewandelt und im Saftstrome dem Stamme Und den Wurzeln zugeführt, daher sind in den Morgenstunden die Blätter am nährsboffärmsteu. Für die Lanbheu- und R-eisigfttttergewinnnng sind demnach die zu boachteilden .Hauptgesichtspunkte: Rechtzeittger Schnitt, vorsichtiges Trocknen im Freien und sorgfältige, trockene, luftige! Lagerung unter Dach. VSchertisch. »— Adam Müller-Guttenbrunn: Joseph der Deutsche. Ein Staatsroman. Einband von F. Felger, Berlin. Geheftet Mk 4.50, gebunden Mk. 6.—. Verlag von L. Staatsmann in Leipzig. — Die geschichtliche Romanreitze, die mit dom „Großer Schwabenzutz" begann, in „Barmherziger Kaiser!" fottgesetzti Wurd?, komnrt mit „Joseph der Deutsche" zu einem vorläusigew Abschluß. Die Besiedelung des südlichen Ungarn mit Derttschon Mts dem Reich hat ihren Höhepunkt überschritten, kein künftiger Herrscher tut mehr, was die vormrsgegangenen getan haberi, in Joseph yi J>felt das Werk, das der Dichter in bunten, Volks tüm'- Uchen Bildern uns vor Äugen geführt hat. dlchtzigtansend deutsche Baueni. siedeln inr Banat, auch evangelische, die Joseph ries. Jetzt kommt das Einleben in das kaiserliche Land und die Einpassung der neuen Provinz in den ungarischen Staat. So beginnt dceser belvegte, tatenreiche neue Roman. Aber er wird auch zum Lebensroman des Kaisers Joseph, dessen ganzes Werk der Staats- veform, der Merrsckienbeglückllng und Geisterbefreiung galt. Das Banat tritt allmählich zurück in sein Verhältnis zum Reich, es handelt sich jetzt um ganz Ungarn, es handelt sich um Oesterreich und seine fernen niederländiscl-en Provinzen. Was heute Kriegsschauplatz ist in West und Südost, das ist es zuletzt auch in diesem Buche, Joseph ringt mit der belgischen Frage, und er ringt nur die Walachei Und Serben. Würde in „Barmherziger Kaiser!" der Werdend geschildert, steht hier der serttae, gereifte Datenmmsch vor uüs. Seme ganze Umweltt das theoesllrnisch-josephillische Oesterreich mit Wren als Nttttcklpunkt tvird lebendig vor dem Leser und der Dickster kleDet seinen spröden Stoff vvn der ersten Zeile cm rn die leuchtenden Fcrrbetl deS Romans. — Wenn alle Brünnlein fließen . . Deutsche Liebeslieder. Uns gewählt ans den deutschen Volksliedern von HanS Heinrich Ghrler. In künstlerischem Einband Mk. 2 60. Verlag von Strecker L Schröder in Stuttgart. Diese Volkslieder- sammlung weiß mit glücklicher Hand dljuflösung der Skataufgabe m voriger Nu innrer^ Kartenverteilung: ^ V. adäL. *10, K, D; bA; c 10, v. 8. M. cB, aA, 9, 8, 7; cA, K, 9; d 8, 7. H. b 10, K, D, 9, 8 ; d A, 10, K, D, 9. Skat: b 7, c 7. Spiel: 1. VaB, a7, b 8. — 2. V d B, a 8, b 9. — 3. V b B, a 9, d 9. - 4. VaD, aA, d A ( — 2b) 5. M d 7, d K, a 10. — 6. V b A, c B, b 10 ( — 23) 7. M d 8, d D, a K. — 8. V c 8, cK, d 10 (-14) 9. McA, bK, cD ( — 18) Den letzten Stich «lacht der Spieler; die Gegner haben aber bereits 80. Es hätte dem Spieler nichts genützt, wenn er in den ersten Stichen statt Trumpf etwa Farbe gespielt hätte. Er ulüßte die 610 ab werfen oder sich herauS- schueiden lassen. Schristlettung: Fr. R. Zen». — ZwillmaSrunddruck und Verlag der Brühl'schen UnioersttätS-Buch- und Steindrucke re i. R. Lange, Gießen.