Die Monde Drossel. Roman von E. F a h r o w. (Forderung.) b. Kapitel. inih ^bu dkvend Ruth den Heimwea angetreten hatte die Ecke der langen Allee bog, die sie stets als ab- [ t,ä ^ te ' trat ihr Kürow entgegen, den hatte ^ Swriftnndlgen Mittagspause heute nicht gesehen &w rt r 0 M '^ a c - e ^ x 5 rn ? lln ^ f c ^ r verlegen au§, und ein paar Rosen m seiner Hand ließen Ruth unruhig toerdeu. *ra "Ä K abe Jh'len aufgelauert, Fräulein Shitf}/' rief er yoststettnua. „S>eute mittag Gelder nicht begriißen, weil ich gar nicht zur ging , aber ,ch dachte auch, daß Sie bielleicht nbeKs eher Zeit haben wurden." Da er stockte und unbeholfen nur die Rosen hinhielt geloainr sie scknell ihre FNssnng wieder ilird lächelte dankbar- , rfl . r ie '^d für mrch? £), ich danke schön! — Und waA rst s denn, wofür ich Zeit haben soll? — Ich kann leider nickt 0k h?iffeU ' wein dater zählt die Minuten, ^ rurr ! 1,lte kr, -,weil er sich langweilt! — Aber er e,n paar ^Mnnten ioarten - ich „ruß Ne durchaus etwas staßen, Fräulein Ruth. — Das heißü nein vielleicht—^ ^ ^ Aynen zuerst ettoas sa^en tolpatschig . Oder - ich bin furchtbar . .. herzlich auf, aber sie sah dabei so freundlich p&d* wr^ Ta ?"V l £ le ^öhe, daß er nicht umhin konnte, nun: ebenfallv 31t lächeln. Und so sagten sie sich auf diese stumme ergentüch schon s,o Viel, daß der schüchterne Freier plotzüch mutrger ward und ohne weiteres h-ercmsplatzte - ^ck habe Sie nämlich schrecklich lieb!" Dies kam nun aber doch gar zu rasch heraus und Rntb erwiderte gar nichts als ein „Ach". V 0 kiitf i id) ' tH?n P nt a0 ' setzte ihn tvieder ratlose Bücke auf den gesenkten Madchenkopf und erwartete äuge,ischernltch, daß sie uuu etwas sagen sollte «JW aber dem, ein sinnloses, buntes Lurcheiuau- N.^"öelte ihr durch den Kopf, wenn sie jetzt gesprochen wahrscheinlich eine Bemerkung über das dergleichen zun, Vorschein gekommen sein. Oder ! ? s^Zkn, daß fte sich nicht verloben könne, solanae itr m'l e ta T f bedürfe? Aber von Verlobung hatte er doch Uchen?Fa?le ^ .Gott, was tut man denn nur in ^^a, Fräulein Ruth!" brummte Kürow sehr dickt an Mein Ohre. „Nun sind Sie wohl böse?" ’ V li e vuf. ,,Aber im Gegenteil . . Dies war eure Unvorsichtigkeit, mindestens eine Unü.ber- folgen sie auf der Stelle zu spüren bekam. Denn plötzlich wurde sie von einem Arm umfaßt, ihre Futz- spitzen verloren den festen Halt auf der Erde, und auf eine "uslaublnh geschickte und unnachahmliche Weife ward sie so wert emporgehoben daß ein bärtiger Mund ihr kleines Ohr erreichen und cs küssen konnte. ^Um Gottes Willens" stotterte Ruth. Da ließ er sie schnell wieder herunter, schob aber seinen b L n lbren und sprach mit gänzlich verändertem, sehr bestimmtem und l:ur ein wenig dabei zitterndem Ton- c k fki Dank! Wenn Sie das Gegenteil von böse 2 i n ' ,tn ru e also froh. — Dann haben Sie mich raten^ m bt ^ flt ^ te&/ und dann werden wir uns &eir ... Giraten! — Das klmrg so einfach uich selbstverständ- üch, und doch brachte es Ruth sofort alle die unübersteig- luhen Lnndernisse ins Gedächtnis, die ihrer warteten Sie HeMidr ^ m lbcen ? rm öu ~ bem s^nen und sagte sehr . es ist wahr, ich bin Ihnen gut. Aber an es n§ erlauben "" ,mf mt6t bCnfen ‘ ~ Mein Vater würde 'vX?”, darin werdell wir ihn einfach nicht fragen" überhaupt nicht^""^ wieso - so schnell gehl das doch abweknd^an ^ '” ie 9a,tä tan9e lmb °sscnbar geistes- .Geschwindigkeit, die ihm selbst später komisch 8" LL"" 3ll " r, ' m, ‘ 4‘« S?ÄS? 1 ' “"»«'w»"«'». b--. , cvÄVl ffl9 t e V 0a ? ä fcfi9 ' "so schnell geht es nicht. es kann sogar ein paar Jcchre dcmerir. —) Ä^^vn Sie auf mich warten wollen - ick denke, länger als zwcr ^ahre wird es nicht nötig sein." Ruth wurde sehr verlegen. "H. sss unmöglich," murmelte sie, „ich, kann Ihnen keine bestimmten Versprechungen mach,en — ich meine, ich ^nn^keimn Zeitpunkt nennen. — Mein Vater würde mich „Verstoßen, enterben, verfluchen!" rief Kürolv mit einem Tor«e, als verkülrde er kommende Seligkeiten "Ruch er hat sein Leben gelebt, und wir wollen das unsere leben! Lasten Sie mich, nur dafür sorgen — den Widerstand eines sonderbaren Vaters zu besiegen, das wird keine Serkulesarbech sein. — Auch, kenne ich Ihren Vater — er will natürlich euren reichen Schwiegersohn haben. — Finde ^ rfm rUM Wh ^?UN' reich bin ich ja nicht. — Ich bin < ■ S r Wttbtge morgen meine Siellung bei niachen derlm und werde dort nkeincn Weg ^Aach Berlin?" fragte Ruth, halb erschrocken, halb froh. „Dort soll ich ja auch hm! — Das heißt, meineAeundm Prack, davon - es hängt ab^r wieder von meinem Vatermb „Hang him!" knurrte Kürow, doch so leise, daß es Ruth Nicht hörte. Und dann fuhr er m ganz ruhigem und nüchter- neni Tone fort: „Ich meine, er kann Sie doch mch .tyr Leben lang für sich ausnntzen, - Wenn Sie m Berlin Vorteile erlviarten, so dar? er nicht Steine m Ihren Weg werfen. „Aber er ist so Hilfslos ohne mich ,®r ist alt, Herr Kürow! Ich kann ihn doch nicht zwingen, seine geistigen Ar- beiten aufzugeben uni) einem Broterwerb nach zu gehen. „Hm — zwingen kann ihn niemand. Aber er wrrd es alt* von selbst tun, wenn ihm nichts anderes übing bterbt. * ? . ..L ^ ftrfv _ verdonnern! erstlchett Sie es nur — lassen Sie sich mcf)t Halten Sie ihm einmal stand/' Verwundert hörte Ruth diese Worte. — Es' war genau dasselbe, was Franziska ihr schon so lange predigte. Mer diese beiden standen dem alten Manne fern — in ihnen sprach natürlich nichts für ihn, sie schuldeten ihm auch keinen Dank. Während sie - ja - wofür schuldete sie ihm eigentlich deii.Dank, von dem er so oft sprach? Sie schüttelte den Kopf, ihr war gaiiz wirr und sremd LMiiiite. Und das Nächstliegende, Banalste ausgreifend, rief sie aus: . . , . „Ich muß nach Hause, es wird \ci viel zu spat! Bitte, Herr Kürow, lassen Sie mich jetzt allein gehen." Er nickte und trat zurück: „Morgen früh sehen wir uils, spätestelrs mittags, iiicht wahr? Und dann werden Sie mir eine andere Antwort — eine bestimmtere geben, nicht wahr'?" Sie blickte mit warmen Augen zu ihm auf: 1 „Ich weiß es nicht," sagte sie ehrlich. „Mer ich hoffe es'. Leben Äe wohl bis morgen." Ein Händedruck, der nicht enden wollte, schloß ihre Häiide zusammen. Dann eilte sie so schnell, als habe sie eine Pflicht versäumt, aus dem kürzesten Wege nach Hanse. .Herr Stockton stano mit düster gefalteter Stirn am Fenster. Ruth sah mit Schrecken, daß er in übelster Laune war; sie kannte jeden Zug in diesem gefurchten Gesicht und wußte, wenn der Blick diese starre Härte hatte, dann gab es nicht nur schlecht Wetter, solidern Sturm. „Sol" ries er aus, als sie hastig ointrat. „Das gnädige Fräulein kommt also doch noch heute nach .Hanse! Sie läßt sich herab, daran zu denken, daß ihr leider immer noch leberr- der Vater nicht in der Lage ist, sich eine Dienstbotenschar zu halten? Daß er so etwas Aehnliches wie ein Stück Brot noch hier und da nHtig hat? Und daß er noch nicht alle Würde so weit verloren hat, um tnit einent Korbe einkaufen zu gehen. Freilich, das wäre es gerade, was dir recht erschiene!" „Vater," sagte Ruth ruhig, doch um eine Schattierung 'Nniger demütig als sonst, die seinem scharfeii Ohr sofort auffiel, „entschuldige, daß ich zu spät komme. Ich kann nicht iinmer auf die Minute zu Hause sein." „Ach, was du sagst! Und wesyalb nicht, weitn ich. fragen darf? Ms du klein warst, da habe ich immer auf die Minute zu Hause sein Wunen, Uiu dir dein Essen *u geben oder dich! zu wartetr, wenn du krank warst, wie es \a nur zu oft vorkam! Du aber — nein, du Lärmst iiicht pünktlich sein! Das wäre zu viel verlangt! Recht so! Fahre nur so fort! DU machst ganz hübsche Fortschritte in letzter Zeit in der Nichtachtung deines Vaters!" „Ach," sprach sie gequält, „sprich doch nicht so, Papa. Du weißt doch, daß es nicht stimmt! Ich bin ja sonst auch immer pünktlich, aber es kann doch vorkomnten, daß ich. auf- gehalten werde. Abendbrot hatte ich auch schon besorgt — es steht j>a alles in der Kammer bereit, braucht nur wnrmge- stellt zu Werden." ,tM) so, und das konnte ich ja längst getan haben, meinst du! Ja, gewiß — nächstens werde ich dir die Teller abwaschen und die Kohlen aus dem Keller holen, wenn du nur die Güte haben willst, mir ein Stückchen Gnadenbrot zu geben! Uebrrgens danke ich jetzt für jedes Essen! Ich habe genug! Jeder Bissen würde mir zu Galle werden,' nachdeni er in Undank mib Gift getaucht ist!" Er hatte sich wie gewöhnlich in eine Wut hineingestei- gert, die er anfangs gar nicht empfunden hatte. Sein hageres. Antlitz war farblos, und seine tiefliegenden Augen flackerten. Ruth blickte stumm zu Boden. Sie erwiderte kein Wort mehr, und doch merkte der alte Mann, daß es nicht die gewohnte flnterwürsigkeit war, die sie schweigen ließ. Heimlich stieg nun in W) eine Unruhe empor. Mas War denn mit dem Mädchen? Mas dächte sie, daß ihre Stirn sich so sonderbar spannte? Er wartete, ob sie nicht endlich doch etwas äußern werde. Sie blieb aber in Hut und Mantel stehen, als habe sie selbst vergessen, wo sie sei. , , „Beliebtes vielleicht endlich?" knurrte er weiter. „Willst du an deine Pflichten gehen oder iiicht? Ist es am Ende noch nicht spät genug? Oder verfügst du von jetzt an eine spätere Abendbrotstnnde? Du hast ja nur zU befehlen — bist ja bie Herrin im Hause — ich werde mich natürlich. bescheiden sügeii — bitte — bitte!" Er stand vor ihr und verbeiigte sich eininal über das andere, ties und hastig. Ruth sah ihil an lvie einen Fremden. Ein dumpfes Gefühl- des Widerwillens erfüllte sie, und zugleich die Erinne- rnng an Franziskas Vorschläge. Es waVwohl das beste — hier mußte ein Eiibe gewacht werden. Ihr war'-s, als sei sie in dieser Stunde plötzlich aufgewacht, als hätte sie der ungerechte Empfang und alle-die Selbstsucht, die ihr hier.entgegenspra n g, nun auf eltv* mal ausgerüttelt. Oder war es Hermanii Kürow, an den sie dachte? Sie blickte an dem giftig biencrnbeit Alten vorbei, und der Sch alte ii eines Lächelns huschte um ihretr Mund. Dann schritt sie gelassen durch das Zimmer-, legte in ihrer Kammer ihre Sachen ab und ging in oie Küche, wo sie emsig und ge?, schickt zu hantieren begann. j (Fortsetzung folgt.) Blaue Stunde. Skizze Von Bernhard F l e m e s - Ha mein. Heinrich Larsen saß seit zwei Stunden in den Fichten, lehntck an einem harzduftenden Stamm Mid rauchte eine Zigarre nach der andern, hastig und kräftig paffend, wie es seine Art war, wenn er nachdachte. Ter blaue Ranch zog lustig gegen die Fuchsburg. Einmal fuhr ein roter Kopf Mit schmalen, glänzenden Augen aus dem Lock)>. Larseii griff nach der Büchse rmd stellte sie mißmutig irieder neden sich. Das Füchslein aber schnupperte nach der fremden, beißeiwen Luft mtb Verschwand. Mochte es! Er war ja eigentlich nicht der Füchse wegen chier, soiidern er wollte eine Stunde ruhig Nachdenken. Er stand auf Und vertrat sich die Beine. Er wär sehr unzu- frieben mit sich, weil er,mm zwei Wochen ans dem Gute tveilhe und KN Frau Erna Hollenberg nicht das entscheideride Wort ge* sprachen hatte, das er sprechen wollte. Und iveshalb zögerte er? Lag lvirklich die Ursache darin, daß er die Gutsherrin selten allein traf, daß sie fast immer mit ihrer Stieftochter zusammen war? Torheit! Er war doch kein Kind, das sich solckie .Gründe suchte. Oder kam es daher, daß sie ihn oft so still und fragend ansah, als wollte sie sagen: An wen denkst Tu? Doch nicht aii mich? Marsen warf die Flinte aus den Rückeir und zog die Uhr. Tie Frauen hatten versprochen, ihn abzuholen. Er tat ein paar rasche Schritte gegen die Schneise, um zu sehen, ob sie noch nicht kamen. Mer die Schneise knickte in der Mitte seitab und versperrte die Aussicht. Ta überkam ihn eine Unruhe. Er sehnte sich! nach Frau Erna, nach ihrem brauiren Haar, ibren Augen, die so hock^ inübig blicketi konnten und doch so viel Mite in sich bargeii, nach ihren kühlen, weichen Händen. Aber er sehnte sich auch — er konnte es nicht leugnen — nach der schlankhaften Mädchenhaftigkeit Renatens. Erklärte er sich Frau Erna, so gewann er auch Renate. Und sie um sich zu haben, ähnelte der Freude, die man an der ersten mattblauen Hyazinthe hat. Sie steht auf denk Fensterbrett und spinnt ihren Duft leise ins Zimmer, und doch ist es^ als durchdufte sie das ganze Haus, als fülle sie alte Räume mit ihrem lieben Blütenschein. Aber <— war diese Freude an Retiate wirklich so rein.platonisch, so — väterlich? Sie War acht Jahre jtknger als Frau Erna. Ter Altersunterschied war also nicht bedeutend. - Er selber war üi der Mitte der Dreißiger, uiid seine zahlreichen Reisen hatten ihn brauil, sehnig -Uiid gespannt gemacht. Dyns Zweifel war er noch sehr jung! Doch — was sollten diese! törichten Gedankeii? Und er machte eine energische abwehren.de Handbewegimg Und spraiig über deii rieselnden Bach auf die breite Fahrstraße, die in langer, sacht sich senkender Linie gegen die Felder strich. Unten beivegteli sich zwei Figürchien. Kamen sie, oder giiigen sie hinab?. Neüi, sie kamen. Es wären Frau Erua und Renate. Er erkannt« die letztere aii der weit ausholenden Armbewegung, mit der sie ihretr Bergstock auf veil Boden .ztr stoßen pflegte. Cr Wollt« ilyieu rasch entgegen gehen, besann sich aber uub steckte mit scheinbarer Gelassenheit eilte neue Zigarre an, sah sich ein paarmaj um und ging dann erst mit weiten, langsamen Schritten bergab« Bei der großen Eiche trafen sie zusammen. „Nun?" fragte die Gutsherrin. „Ihre Liiße werden sich noch eine Weite gedulden müsserst Der rote Lehlingel kanr nur einmal mit der Nasenspitze zuist Vorschein. Wir müssen graben." Gr Mke ihr eiudtt Vorleger aus dem^FU.chZbakg' Versprochen. „Es ist Me in -er Fabel, wo die drei Gesellen den Bären IltnÄer sich teilen." -.Und w-ie er kommt, klettern sie auf den Baum," fiel Renate ein. „ ,, „Nun — auf einen Baum bin ich zwar nicht geklettert. „Wirtlich nichit?" fragte Frau Erna. Es sollte ein Scherz sein, aber er fühlte, daß mehr darin steckte, und nahm sick> vor, noch heute von seinem Bannte herab-- zusteigen. Renate sah ihn au. Und wieder war es ihm, als verbreitete sich der Schein rhrer blauen Mgen um ihre Gestalt, so daß sie blond im blauen Glanze stand. Unter der Fichte toter eine Bank, die morsch und verfallest, aussah. „Wir müssen sie erneuern," sagte Frau Erna. „Renatens' Vater hat sie einst aufstellen lassen. Man konnte früher über die Fichten hinweg das Gut sehen. Knüpft sich nicht eine Sage an die alte Eiche?" „Ja," sagte Renate. „Ein Ritter liebte zwei Schwestern, die ans e.iner Burg wohnt«:, die hier gestanden haben soll. Er konnte sich nicht für eine entscheiden, zog in die Welt und blieb lange Jahre verschollen. Ms er als graubärtiger Mann zurückkam, war die Burg verbrannt und von den Schwestern war rede Spur verloren. Ta pflanzte er in der Nähe zwei Eichen und ging Wieder ins Land. Eine hat der Blitz vernichtet, und dies hier ist die andere." Es war dämmerig Igewiorden. Tie Frauen schwiegen Und standen „Wollen »vir noch euren Weg machen?" fragte Larsen. „Durch die Fickst«: und dann am Waldsaunre nach Hause?" meinte Frau Erna. „Bitte, geht Ihr voran." sagte Renate, „ich nehme Bärlapp Und Moos mit." Sie hatte stets einen Kranz um des Vaters Bild hängen! Und nahm meist Bärlapp! dazu, iveff der Verstorbene dies Gewächs gern gehabt hatte und es durch seinen Forstaufseher irr seinem Holze schlitzen ließ. So blieb sie zurück, indes die beiden vorgingen. Sie kan:«: in eine Schireise, wo die Feuchte ans dickerr Moos- Polstern stieg. „Ich weiß nicht, »vas mit Rerrate ist," sagte Frau Erna, „sie ist seltsaur verärrdert und macht mir Sorge. Zärtlicher ist sie unb lreber als sonst zu »nir. 2 Lber es fehlt ihrem Entgegenkommen die ruhige Vertraulichkeit, und ettvas Frenrdes, Stürmisches ist darin. Tas liegt sonst! nicht in ihrer feinen, znvnckhasteiw'sU Natur." Er wußte nicht, ivas er dazu sag er r sollte. Sie hatte nur ein einzigesmal mit ihrn über Renate gesprochen. Tas war damals, als der Gutsherr nach halbjähriger zweiter Ehe starb und Frau Erna mit dem dreizehnjährig«: Mädchen zurückließ. Ein paar Rehe sprang«: quer über den Weg. Unten kullerte ein Bach durch Steingerüll. Ter gegerrüberliegende Berghang war blau übeffchleiert. Eichen und Bergahorne standen brarrn urrd gelb im blauerr Tust. Der Wind kam über die Höhe rmd bog die Fichten. Frau Erna schlatrerte leicht. „Bald konrnrt der Winter." sprach sie leicht. „Fürchten Sie ihn?" „Was heißt fürchten? Es wird sehr einsanr bei mir werden." „Weshalb?" wollte er fragen. Aber er brachte die Frage nicht heraus. Sie kamen au den Waldsaun:. Bor ihnen lag das breite Tal, dahinter ein Bergzug steil und massig gufstieg. Mles lag im Blauen. Unten das Dorf, davor sich weiß ans dunklen Baum Massen das Herrenhaus erhob. Kmderstimm«: kamen aus dem Torfe, rmd auf den Felder»: glühten ein paar späte Krautfeuer. Tie nahen Kornäcker waren blaßgriin von junger Saat, rnrd es sah schön aus, Wie sich die zarte Silhouette eines sacht steigend«:, begrünten Ackers gegen eilte schwarze Fichtenmauer legte. Tie Umrisse der Bäume und fernen Häuser, der Büsche unb Boden- lvellen wurden weich. Geheimnisse schieiren zu wandern, die Schweres bargen u»»d dock) beglückten. Alles rückte nah rmd vertraulich zusammen, und doch dehnten sich sehnsüchtig die^ Weiten. Tie Feuer glomurerr rvie freudige Hoffnung. Es tvar die Stunde, irr der alles Erleben reicher ruid schöner »vird. Larserr tvurde welch. Mer seine Uuschtüssigkeit rxnlvr sich. Er wollte sein Leb«: wird sesire Zukunft mit beider: Händen! an greisen. „Wo nur Rerrate so fange bleibt?" fragte Frau Erna. „Wünschen Sie, daß sie jetzt kommt?" Er griff irach ihrer Harrd. Sie rvarrdte sich ihrrr zu. „Nerrr!" sagte sie nttt bebender Stimme, „demr Sie haben mir «Ewas zu sagen." „Muß ich es jetzt noch sagerr?" fragte er, ihre .Hand an die Lippen zieherrd. „Ja, das müssen Sie!" Und sie zog ihre Hand.zurück. Ta begann er zU sprechen oorr seirrer Liebe zu j.hr, die mrn schon Jahve gedauert hatte. Er fand schöne, wwhlgcsetzte Worte, an denerr er irn Augerrbltck selbst eine kleine Frerrde hätte. Urrd der Maerrbsick hatte ibU so im Bann, daß ihm das gar nicht verdächtig vorkam, Damr »ckrv tt z!rr Ende'. Mer sie schwieg zu allenr. „Fraw Erna?" fragte er betroffen. „Ich fühle, daß dies mir galt," sagte sie da, „demr es war schön urrd wohtgesetzt. Verzeihen Sie, lieber Freund, aber mir war, als hätten Sie soeberr konversiert. Ich glaube. Sie würden zu einer andern arrders gesprochen haben." Er machte eine abwetzrende .Handbewegung. Aber sie mißlarrg. Er trollte sprechen. Mer er »var zu ehrlich dazu, denn er lvnßte mit einem Male, daß sie recht hatte, »mißte mrn, daß er Renate mehr liebte als sie. „Lassen Sie nur, Larsen!" sagte sie, als sie sab, wie er sich quälte. „Es war nur die blaue Stunde. Das Leben dieser Stunde Verlveht rasch, Und das andere, echte dauert lange. Mir beide sollten! so verständig sehr, unser Handeln danach einzurichteu, selbst — wenn es einem von uns schmerzlich würde. Renate liebt Sie, Larsen! Urrd nun lasst'.: Sie mich geherr. Ich will zrr Hause die Lichter anzürrden, danrit Ihr beide ins Helle kommt!" Sie nickte ihm zu und schritt voran gegerr das Dorf. Larsen stand verloren urrd blickte ihr nach. Er konnte es nicht ^ sehen, daß ihre Augen voll Tränen Ovaren. Aber danrr atmete er tief aus und sah in den Wald. Ta starrd Renate blaß zwischen der: dunklen Fichten. „Renate!" rief er leise rmd ging zu ihr. Die „hochbegabte Nachtigall". In sturenrl wunderbaren Frühlingslied „Geh aus, mcirr D-wz, und suche Freud", das mair auch als Kirchenlied in den protestaro, tischen Gesangbücher»: wiedersindet, singt der Dichter Paul Gerharde zUM Lobe der Nackstigall: „Die hochbegabte Nachtigall ergötzt rmd fMlt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Dal und Felder." Biele viele unserer Dichter und gerade die bester: haben liebliche (Sängerin des Frühlings rmd der Liebe verherrlich^ von Walther vor: der Vogelweide an, der sie i!m „Lied vom .Waldi vögleiir" preistu „Boi: den: Wald in: Tale klang — Tandarader — Süß der Nachttgall Gesang." Zu dem! Schönsten, was deutsche Dichter ihr zu Ehre»: gesagt haben, gehören Unstreitig die ihr von dem Dichter des „Me»ts Mwrlich«: Simplizissimus" gewidmeten Verse: „KoUmr, Trost der Nacht, o Nachtigall! Laß Deine Stimm mit Fre uden schall lAufs lieblichste erkling«:! Murin, komnr, Und lob den Schöpfer Tein, Weil andre Vöglein schlafen set)»:, Unb nicht mehr mögen singen! Laß Dein Strnrnrlcirr Laut erschallen. Teirn vor allen, Karin st Du lobe»: Gott im Himmel hoch dort oben!" Auch Goethe hat der Nachtigall u. a. irr dein Gedichte j,Land« lich" eine»: Vers ins Stammbuch geschrieben: „Die Nachtigall, sie »rar entfernt, - Der Frühling lockt sie wieder; Was Neues hat sie rricht gelernt, Singt alte, liebe Lieder." Goethe »rollte sicherlich die Nachtigall damit »richt herab setzen, sondern zrmr Ausdruck bringen, daß wir uns an dem Nachtigallen-, gesange nicht satt hören können, obrvohl er doch immer wieder die alten Weisen bringt, aber vielfach, oft sogar unter ausdrücklicher Berufung ans Goethe, »verdeir die Verse in einem ganz anderes Sinne zittert, und zrvar tut man dies in der abgekürzten Form 2 „Die Nachtigall, sie »var entfernt, / Was Neues hat sie nicht gelernt," um jemand zu verspotten, der »reite Reise»: unternommen, aber seinen geistiger: Horizont dabei nicht enoeitert !>at. Gegerr. ein solches Verfahren, das de»: urspriinglick.1: Sin»: der Goetlu- schen Verse gänzlich verändert, auch, wenn dies mir in: Scherze geschieht, darf mit einigem Rechte Einspruch erhöbe:: werden, und zun: Ersatz lvüre in diesen: Fall für die Keimzeichnung des Reiserrden, der »lickst arrders zurückkehrt, als er gekommen, das sä>ö»:e Sprichwort von den: über der: Rhein geflogenen GänsclZen, daS als Gigack »oieder heinrgekehrt ist, rechst empfehlenswert. Fritz Reiltev sp«:det der Nachtigall in seiner „Bagcl- und Minsclxnr- geschicht Ha»me Nüte" das folgende ii: seiner Einfachheit sehr mU sagende Lob: „Nu lchr," stggt Jochen:, „hür dock) mall Dit is die Kroet, de Nacht» gal, 'Tat Tieugschen si'iht nab gor nicks nt, Uit »vo bringt stt bat uüblich rut! Uit üinnrer l?att s'ei: Stück parat. — —" Reuters »msterblicher «irritierter Entspekter Bräsig beschränkt seine KemMis der' Nachttgall aus die Verse eines alle»» Liedes: 240 -Aachttaahl, id> hör Dir laufen, ^ ^ s Ans das Bächlein Zoillst D^r saufen. ^ >r f ' Das ist Dein großer Ziel und Ziveck!" ^ Bläsig zitiert zivar rviederholt die schönen Verse, tiot^bcm hat aber unbekannter Dichter unrecht, rvenu er bel-aNptet, daß das Drucken das rmzige Ziel und der einzige Zioeck Unserer lieblichsten Früblingssängerin sei. Immerhin liegt den Versen eine sehr richtige Beobachtung Zugrunde. Oft nämlich hat inan sich schon gewundert, weshalb Plötzlich Nachtigallen ans einer Gegend gänz- nch verschtrUnden sind, in der sie jahrelang vorher genistet haben. Echltehlrch kam man dahinter, das; man durch Verlegung oder ^uschurtung eines Bach?s oder Leiches den Nachtigallen eine jErge ^ebensbedmgmlg entzogen hatte. Tic Nähe eines Wasscr- vcacnz muh also berücksichtigt lverden, wenn wan die Nachtigallen > »n einen bestimntten Ort fesseln will. , ich hör Dir laufen. vermischte-. V =rli5 ^ n J$ l ^ 11 *L C r sollen Gras essen. Einen beachtenswerten Beleg für den Einfluß des U-Boot-Krieges auf den englischen, Lobensmittelmarkt liefert die folgende Betrach- ^ing rn der „Daily Mail". Nach sorgenvoller Erörterung der Nahrungsknappheit gelangt der Verfasser John Chalfo.tt zii der Überraschenden Frage: „Warum essen wir kein. Gras?" „Sind die Gelehrten," so fragt der neilgierige Mitarbeiter weiter, „wirklich felsenfest davon überzeugt, das; das Gras keinerlei dein Menschen dienliche Nährwerte enthält? Mir müßten ja nidft das Gras so ^er hat man schoit versucht, es wissen- fäiaftlich zu Kuchenzwecken zu verarbeiten? Das Gras bildet ohne- dres au; indirektem Wege bereits einen sehr erhebliche!: Teil unserer Nahrung. Der Och,e lebt sa,t ausschließlich von Gras, der Genuß di>_gelben bildet die,Grundlage seiner Kraft, und wenn sein Fleisch alif dielen: Wege wtt geworden ist, wird es von uns Menschen A ^ faßten Behagen vermehrt. Sollte es nun nicht möglU &I 1 '& b I n b = r ?A e ^dem geschilderten Ernährungs- borstellt, einfach aus-uschalten? Man nenne inich nicht phan- % bas drahtlos zu telegraphieren vermag, darf klvch orner solckien Frage nicht ratlos gegenüberstehen Jedes vor! h}. Menichheit benutzte Nahrungsmittel mußte vorerst entbccft wer- ben, und zwar wurden derartige Entdeckungen meist in Seiten der Hungersnot gemacht. Mar der erste Mann, der ein Anstel aß em Held in seiner Art? Wttr der erste kühne °^ r bummcrelser nicht würdig, mit den, Viktoriakreuz aus- efAÄS;s:at.®äSS . *Sv ^ r . 11 &ftu cksftulle der englischen Schul- kugend. In einer Lehrerversammlung, die kürzlich in London ttbge^llteli wutde, kam auch die Frage der Ernährungsverhält- Mlse zur Besprechung. Sam1lick>e Teilnehnier erklärten es für not- »»ilidlg, unter den bestehenden Verhältnissen und in Erlvartuna einer.weiteren Verschlechterung, die Kinder systematisch zur Spär- samkett iin Verbrauch von Nahrungsmitteln zu erziehen. Am be- n i d J n>rI ^ n den kstndern verboten Schaffner Der gdoße Austrag. Kontinentale ^^kmrst? (Schriften ynv &ii und Geschichte- 6^Bandchen.)60 Snten Oktav. Kart. 75 Pf. Verlag von G. Grote, vfitoh'rT ^ der Abdruck eines Vortrages, to* t 1 r. ll]lkx großem Beifall in Berlin und Lmbürg gehalten hat. Der hervorragende Schrveizer Dichter bekennt sich «85™.*1?^ uur 5^ iXNitschfreundlicher Schweizer, sondern aß schlechthin"^ 9r ° 6ett bnit]dyni Nation, „als deittscher Mensch r . ~7 c u 1 i cf) f a it b 5 Zukunft bei einem guten und in München, T-i,sE ^ "" ^-.F. Lehmann ttnvLm^'^ rD ’li r ' Die Staatenbildung in der n 1 ! tl" Ullli) J t /Schriften zur Zeit und Go- Endchen) Mtt einer 'Karte. 103 Seilen Oktav. Kart. 1 Mk. Verlag von G. Grote, Berlin. ^^dgemüsc, Tee- und Heilkräuter. Batev- ländische Sainmcln ,o)vie Zubereitungarten. Von A O. Klein und P. Ulsert. Nebst EKleitroort von Frau Generalseldmarschalt Mit 3Z TeLttabbildungem Preis 80 Pfennigs 351Mark, IM Stück 60 Mark). Verlag von Püul ParZ rn Berlin SW. H, Hedem,nnnstratze 10 und 11. Gietzener Haussranen-Verein. r Kochanweisungen. Gehacktes Herings-Kartoffelmus. Ein Hering (des,er zwei, wnd gereinigt, enthäutet, entgrätet und in kleine Würfel geschnitten. 750—1O0O Gramm Kartoffeln, wenn man İ&7 Ä' ,üer ^ n gargekocht, abgegossen und sofort b cf„r~ re ^ e Uneben ^ie Kartoffelnkasse vermischt man mit etwas fl um gm Fett (Butter oder Margar-ine., etivas Atehl wenn man ivttl und es hat, mtt einem Ei, Salz, Pfeffer, etwas stingelxicktcr Ztvlcbcl, wenn man sie l)at, gehackter Petersilie, Lrippenwurze und den kleinen He ring swür sein (man kann ncÄ Ha sw 1 -- aüd l klnnhacken) und gibt die gut abge- schmeckte Maste rn.die mit rvett ausgestrick-ene Puddingsfonn oder ^^' i*M Vudding wird eine Stunde äm sieden- Backvstn gesteM die Form wird für eine Stunde in den . u g uter Brotaufstrich. Vs Liter Wasser, Mi große rn Würseln aeschnittme Zwiebeln, Vs Teelöffel Kümniel, Vs Tee- löfsel gemucktes Geivurz, Vr Teelöffel Pfeffer, 1 Eßlöffel Wurst- Geschmack, 2 Teelöffel Ochsena oder 2 Bouillon- lourfel Diese Masse wird 5 Minuten langsam gekocht, dann quirlt man 70 Gramm Grieß in i/ 4 Liter kaltem LSasser-, gießt dies nnttr MS^endeni Umruhren in die Masse, dann das Ganze in die Schuisel, laßt cs erkalten und die gut schmeckende Wurst ist fertig Kann man von seiner Fl ei scharrte 1 Pfund Kopfflei ch kaufm Kochkiste mit dem Gewürz über Nacht recht weicht fo ?lbart man die Ochsena. Man kawl darm die dreifache Zortron bereiten. Zn 210 Gramm Grieß gibt man das Aiffstrrchs^ ^ ^ ^ ^ ^ 9r ^ e wohlschmeckenden Deut scher Tee Die Zubereituug des Dees aus deutsckien ft>lgt nidjit l^cctcf> .Abbrühen mit heißem Wasser wie bei dem ausländischen Tech sondern du och kräftiges Kochen des ^zu amm^i nitt dem kaltri: Wasser auf das Feu^ gebracht^ ^EL^vcrden des Tees ist dabei ebeusottienig wie bei Ergänzukigrrötse!. L«" Dk-SchrM b-han^l, j„ 20 «TuffäfeenXrf?r Öif glfgei die Fahrten des von der evangelischen Land^'kircki > n' frtfWen VemnsloMi^„„^s O 3 „©«feSin Sn x^Jj‘ w, L^ < ? r 2 KIT ^1o bis Okkober 1910, die Eindrücke und der Verstffser auf diesen Fahrten mb das W r en des mrnnil * m Sl ’ 9 - ^inerlös ist für das Rote Kr^ Tie Punkte, sind durch passende Buchsta'ben'zu ersten, so dast be- ^""^Hauplivortcr (keine Eigennamen) entstehen. Die ergäinten Bilchstaben müssen im Zusammenhang unser aller Wahlspruc^ in^der gegenwärtigen Kriegszert ergebe». ^ 1 0CC (Auflösung in nächster Nummer.) ! Auflösung der Pyramide in voriger Nummeklt ^ 8 L 8