Die foioncie Drossel Roman von E. F a h r o w. (Fortsetzung.) 2. Kapitel. ' Als Berber an diesem Abend nach Hause kam, fand er seine Nichte im Wohnzimmer vor. Sie Mar damit beschäftigt, Zigarettenhülsen mit Tabak zu füllen. ,2lls er eintrat, sah sie attf, und ein rascher Blick ans! zioei ungewöhnlich großen und dunkteil Augen traf ihn. „Schimpfe nicht, teurer Onkel!" rief sie ihm entgegen. „Ich sehe es dir an, daß dir wieder eine donnernde Strafpredigt auf der Zunge liegt? Aber schlucke sie nur herunter, sie nützt dock) nichts, und ich bin nicht für Krastverschwen- dung." Berbers stets grämliches Gesicht wurde noch mürrischer. „Du weißt, ich gestatte keinen Zigarettenrauch in meiner Wohnung," knurrte er. „Ja, ich weiß," erwiderte sie sanftmütiger als nötig. „Du sichst ja auch, ich rauche nicht! Ich mache bloß Zigaretten." „Wozu das? Unnötige Ausgaben!" „Behaupte das nicht! Verurteile mich überhaupt erst, wenn du alles weißt, bester aller Onkel! Soll ich dir die Pantoffel und das Pfeifchen bringend Niemals hatte Gustav Berber diese beiden Requisiten benutzt, und enlpört blickte er seine Nichte an. Sie aber lachte übermütig auf, wobei ihr pikantes uird anziehendes Gesicht durch ihre prachtvollen Zahnreihen verschönt wurde. „Nein!" rief sie ans. „Er lacht nicht! Um keinen Preis lacht er! Wo wird er denn Spaß verstehen! Er ist der getreue Knecht Fridolin, ergeben der Gebieterin, Karoline Ulrich, und damit basta! Na, nun nimm mir nicht das wieder übel! Onketchen, du meinst es ja doch so gut! Und diese Zigaretten sind eine hervorragende Erfindung von mir ! Es sind B l u m e n d u f t - Zigaretten." „Was?!" „Im Ernst! Ich versuche auf einem Umwege den Damen Aesthetik beizubringen. Wenn sie denn schon durchaus qual- men muffen, soll es dabei wenigstens gut riechen. Dieser Tabak hier ist erst „entduftet" und dann imprägniert mit einem chemischen Produkt. Willst du mal Veilchen riechen?" Berber witterte etwas Geschäftticl-es und ward interessiert. „Meinetwegen," sagte er und nahm aus dein altmodischen Sofa Platz. „Rauche mir also Niars vor." Therese stand aus, reckte ihre prachtvolle Gestalt ein wenig und stöhnte, während sie Streichhölzer holte: „Ach, was muß man sich plagen! Den gairzen Dag Menschen photographieren, und abends noch Oheime anräuchern! Ich mu,ß übrigens gleich wieder fort, also mm fix!" Sie zündete eine ihrer Zigaretten an und blies leise den Rauch zu Berber hin. In der Tat verbreitete sich eilt erfrischender Veilchen- geruch im Zimmer. Berbers geräumigen Nasenlöcher weiteten sich, er sog rn vollen Zügen den Dust ein. „Nicht übel!" murmelte er. „Wirklich nicht schlecht-" „Wenn du „nicht übel" sagst, meinst du „prachtvoll","' versetzte kaltblütig Therese. „Und nun wisse: Diese Sache tvird mir das Kapital bringen, das ich für mein Tieratelier brauche." „Du bleibst also bei der verrückten Idee: Obgleich ich dir so dringend abrate?" Therese nickte und toard einen Augenblick ernst. ,-Onkel Gustav, ich bin 24 Jahre alt und ein moderner Mensch. Ich muß auch zuweilen nach eignem Ermessen handeln, selbst wenn es gegen die Ratschlage erfahrener Leute geschieht. Erfahrung auf einem Gebiet macht ja auch noch nicht zur Autorität auf andern! Wenn ich erst so Viel Geld besitze, daß es „angelegt und Verlvaltet werden muß, dann werde ich mich an dich wenden, verlaß dich darauf! Mer photographieren kann ich halt besser als du. Und was in dieses Fach schlägt, davon verstehe ich toirklich eine ganze Menge." „Ich rede ja auch nur davon, daß man doch eine sichere Stellung, wie du sie bei deiner Firma hast, nicht anfgibt, unr ins Blaue hinein ein „Spezial-Atelier" zu gründen! Das ist ein Risiko." _ ^ rillig. Und wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Ich finde, daß ein Tierphotograph erster Sorte hier fehlt. Alle die Pserdebesitzer hier in der Reichshauptstadt, alle die Hundeliebhaber, ja, alle die stolzen Landwirte, die ihr preisgekröntes oder auch noch nicht preisgekröntes Vieh photographieren lassen wollen, sie sollen und werden mich in Nahrung setzen. Es muß nur erst ein „Spezialist' austauchen, dann findet er auch Beschäftigung. Natürlich, ein paar tausend Mark muß ich erst für Reklame ausgeben." „Und inzwischen? Bis du etwas zu tun hast? Willst du von der Lust leben? Oder behältst du doch noch deine Stellung?" Therese lachte und legte ihre Zigarette beiseite. „Nein, nein, ich habe gekündigt und bin von jetzt ab brotlos. Mer meine Ersparnisse und diese famosen Zigaretten werden mich schon über Wasser halten. Uebrigens, falls ich reinfalle urrd bankrott werde, ninnnt mich Professor Otter immer gern wieder auf; das hat er nlir groß- mütrg angeboten. Nun aber will ich deine häusliche Ruhe nicht länger stören, Onkel Gustav. Meine Erfindung habe ich dir vorgesührt, mein rechtliches Gewissen ist lrernhigt — schlaf wohl!" Äe blickte ein werüg von oben herunter aus den ficr 222 — trächitlich kleineren Mann und schüttelte ihm mit eurer zugleich gemütlichen uttb burschikosen Bewegung bte Hand. Er zog die seine mißmutig zurück. „Ich wollte noch mit dir reden," sagte er. „Frau Ulrich ist ebenfalls der Meinung . . „Frau Ulrichs Meinung in allen Ehren. Onkel — ich verehre ja die Wackre ernstlich und ausgiebig / aber \it soll mir in meinen Kram nickst hineinreden. Ja, wenn ste noch eine Erbtante wäre! Mer solch einen Artikel gibt es ;a nicht in unserer Familie." ^ ^ . Ich dachte," erwiderte er, und diesmal war die^ronrc auf seiner Seite, „daß du nur Wert auf Selbsterworbenes legst?" „Falsch, grundfalsch!" rief sie, schon an der Tür. „Ich mache allerdings meine Menschenschätzung nicht von dem kaufmännischen, sondern von den: inneren Werte der Persönlichkeit abhängig. Und bei allen greisbaren Dingen ist es mir gleichgültig, ob sie kostbar sind, wenn ste mir nur gefallen. Leichter aber wird einem das Leben mit einigen Kassenscheinen iit der Tasche. Und deshalb tut es mir leid, daß ich nicht so ein kleirws Erbtantchen irgendwo in Aussicht habe. Du selbst, du hast deine Erben! Und denen gönne ich's! Mieu, adieu!" Ihre angenehme Stimme verklang schon auf der Treppe, und Berber blieb allein. Doch nicht auf lange. Er nahm flüchtig das kalte Abendessen zu sich, das ihm seine Wirtschafterin hingesetzt hatte, und ging dann zu seinem Stammtisch im Gerstenkeller. Dort traf er eine gutgemischte Gesellschaft, und unter andern auch den Polizeileutnant von seinem Revier. Den wollte er um Rat fragen, wie er am besten nach dem verschollenen August Stock forschen konnte. Das lvar praktisch und kostete zunächst nichts. Und dann konnte er mit dem Stadtrat Kestler über seine „Erben" reden, die Therese erwähnt hatte. Das waren die blinden Kinder des' ärmsten Mertels der Stadt. 3. Kapitel. Zur selben Zeit saß in einer westfälischen Industriestadt der Mann, den Frau Ulrich so eifrig suchen ließ, ebenfalls an einem Stammtisch. Er nannte sich aber nicht Stock, sondern Stockton, weil er durchaus als Amerikaner gelten wollte. Auch war es nicht „sein" Stammtisch, denn Mister Stockton hatte weder kleinbürgerliche Gewohnheiten noch das kleinbürgerliche Kleingeld, das hierzu gehörte. Er war nur ein gelegentliche r, doch wohlbekannter Gast in der trinkfesten Runde, über die er sich im Grunde erhaben fühlte; es war aber stets ein besondrerer Anlaß, der itju hersührte. Die Welt pflegte den jeweilige:: Anlaß sehr bald von ihn: zu erfahren. Und auch heute hatte er sein Glas Bier erst halb geleert, als er die buschigen, weißen Augenbrauen über den unruhig umher fahrenden, dunklen Augen emporzog und, ganz ohne Rücksicht ans das eben hochflutendh Gespräch über eine:: möglichen Krieg, laut ausrief: „Diesmal, meine Herren, habe ich's!" - Die Stadträte, Fabrikherren und sonstigen AMvesen- den sahen ihn mit offenbarer Belustigung an. „Ra, was ist's diesmal, Herr Stockton?" fragte jo- marib. „Doch nicht etwa ein Aeroplan?" Die hagere, lange Gestalt des Gefragten reckte sich verächtlich, und die Nasenflügel in seinem nicht unbedeutenden, aber durch einen Zug von Hochmut und Eitelkeit entstellten Gesicht weiteten sich. „Aeroplan?" fauchte er. „Nein, meine Herren? Auf einem so überfüllten Gebiete betätige ich mich nicht inehr. Das tat ich damals, als ich in Wiseonnty ansässig war, und als noch kein Mensch an Zeppelin und die andern dachte. Damals allerdings habe :ch einen Selbstflieger erfunden, der ganz großartig war *— kleines Modell allerdings', nur für zwei Personen — ungefähr so groß wie ein Dogcart — funktionierte im Modell tadellos — ich wurde aber betrogen — mein Kompagnon stahl mir die Idee,, ging mit meinem Geld und meiner Maschine nach Europa 'uno verschwand dort auf Nimmerwiedersehen . . ." „Ja ja," unterbrach ihn ungeduldig der Apotheker, der selber gern redete, „das kennen wir ja! Was haben Sie denn nun diesmal erfunden? Einen Lebens'eliricr vielleicht ?" „Gott bewahre — damit würde ich Sie ja um Ihr Brot bringen, und das wäre doch ewig schade!" erwiderte Stockton schlagfertig. „Nein, es handelt sich um einen Riesenartikel. Etwas, was der gesamten Eisenindustrie einen Schlag versetzen wird!" „Hoffentlich keinen tödlichen?" fragte der Gr^den- besitzer Wecker gelassen. Stockton hätte gern wieder etwas Scharfes erwidert, denn darauf verstand er sich. Mer Wecker war der Brot-- Herr seiner einzigen Tochter, die Stenographin und Maschinenschreiberin dort war. So beherrschte er sich und antwortete zwar etwas steif aber doch artig: „Nicht gerade das, Herr Wecker. Mer was würden Sie sagen, wenn plötzlich Eisenbahnräder nicht mehr aus Eisen gemacht würden?" „Aus was denn sonst?" fragten drei Stimmen zugleich. Und dies war der große Moment des Mends, um dessentwillen Stockton eigentlich hergekommen war. Er lächelte fein, kaum bemerkbar — dieses Lächeln kannte man an ihni —, dann trank er sein Glas auch wischte sich umständlich den Schnurrbart und kostete dabei mit Genuß die Sp annung der Umsitz enden airs. Worauf er endlich mit diplomatischer Betonung sprach: „Das, meine Herren, — das ist natürlich mein Geheimnis !" „Ach so! — Na ja! Das dachte ich mir!" ertönte es ringsum. Und mit einer Miene der Nachsicht, die eigentlich beleidigender als Worte war, ging der Llpotheker nunmehr zur Tagesordnung über: „Also dieser leider wohl unvermeidliche Krieg, meine Herren..." Stockton war anscheinend in tiefe Gedanken versunken und hörte nicht auf die ihn umschwircende Kannegießerei. Auch achtete niemand mehr auf ihn bis auf einen ungewöhnlich großen, blondbärtigen Mann, der mit einer gewissen Aengstlichkeit bisher Stockton in: Auge behalten hatte und sich jetzt zu ihn: über die Tischdecke bog: „Sie hätten nichts sagen sollen, Herr Stockton! Zwar kann ich es diesmal und von diesen Zuhörern nicht glauben, aber — wie oft sind Sie schon betrogen worden!" „Ja, ja, ich habe auch gar nichts gesagt!" wehrte ihn der andere etwas herablassend ab. „Lassen Sie mich nur Nachdenken, Kürow." Der blonde Riese schwieg bescheiden und tat, als ob er eifrig tränke. In Wahrheit war er nur hier, um aus Stockton anf- zupassen, dessen Verschrobenheiten er nur zu gut kannte, und den er vor Unannehmlichkeiten schützen wollte. Er tat dies freilich nicht dem untiebenswürdigen und selbstsüchtigen Alten zuliebe, sondern dessen Tochter Ruth, der er noch viel mehr zuliebe getan hätte, wenn es ihm gestattet gewesen wäre. Unterdessen befand sich Ruth still zu Hause und arbeitete noch für den Vater, den sie ganz allein, schon seit Fahren unterhielt. Die Wohnung, die sich in der billigen Vorstadt befand, war sehr bescheiden, aber sie besaß die traditionellen blanken Fensterscheiben und blütenweißen Gardinen davor. —- Hier saß Ruth in der Wohnstube am Tisch und besserte Wäsche aus, wobei sie leise sang. Ihr schmaler Kopf mit dem reichen Haar war tief herabgebengt, so daß das Licht der Lampe voll auf ihren Scheitel fiel. So war gerade Ruths größte Schönheit in das vorteilhafteste Licht gesetzt, diese, wie hellstes Gold jchim- mernden Wellen, welche, wie vom raffiniertesten Friseur gebildet ihren Kopf umgaben n::d in einem schweren Flechtennest über dem Nacken endete::. lÄne milchweiße .Haut mit zartein Inkarnat war Ruth Stocktons zweite Schönheit; und die dritte waren die unendlich gütigen, staylgrauen, von dunklen Wimpern umrahmten Augen. „Damit ist's aber auch ans!" Pflegte Ruth osfenherzig in: Kreise der jungen Mädchen zu sage::, die zuweilen das eigene Aussehen znnr Gesprächsthema machten. „Mit weiterem kann ich nicht auswarten! In meinen: Steckbrief müßte stehen: Nase und Mund gewöhnlich." Sie tat sich vielleicht unrecht mit dieser Kritik. Es gab Leute, die diesen durchaus nicht kleinen Mund mit den festen weißen Zähnen sehr reizvoll fanden; und die Stousche Familiennase mit einem deutlichen, germanischen Höcker lvar auch nicht übel. — Doch tag die starke Anziehung, die von Ruth ausging, nicht in einzelnen Zügen, foitbcru in der Wannen, lebhaften Elastizität uird Beweglichkert, die sie aus strömte. Sie war heimgekommen, müde von der mechanischen Atrbeit, jrie den ganzen Tag ihre Aufmerksamkeit anspannte, und nratt von der dumpfen Lust in denr enger: Kontor, das jie mit noch zwei Damen teilte. (Fortsetzung folgt.) Ein berühmter deutscher Krfegsincaüöe. Als Frankreich noch m:f den jetzt völlig in Vergessenheit geratenen einarmigen Gernral Pan die größten Hoffnungen, letzte, veröffentlichte der Figaro einen. Aufsatz, in dem er die Aufsagung! zu zerstören suchte, daß ein kriegsbeschädrgter General kein großer Held sein könne, und er wies dabei nachdrücklich auf das Vorbild eines berühmten deutschen Kriegsinvaliden hin, der es sogar zum Marscl-all von Frankreich gebrachst ^habe: auf den Grafen J o s ia s von Rantzau. Diese merkivürdige Heldengestalt, die selbst unter den abenteuerlichen Erscheinungen des Dreißigjährigen Krieges Nicht ihresgleichen findet, verdient es, dem heutigen Geschlcchtc wieder in die Erinnerung gerufen zu Werden; denn selten hat )ia> bie nngestüine Kraft deutscher Tapferkeit und der ^durch keiue köoper- lick-en Hemmnisse zu beugende deutsche Kanipfeswille großartiger verkörpert, als in diesem Manne. Daher hat ihn auch Hans Würtz berühmten Kriegsinvaliden der Vergangenheit ausgenommen, die in seinem bekanntdi: Buch „Der Wille siegt" unter die Reihe der^ er unfern Kriegsbeschädigten als nachahmenslvc rtes Beispiel vor- führt. Es verlohnt sich aber, noch etlvas eingehender bei ihm zu verweilen. Josias Rantzaus Ander:ken hat sich in Frankreich lebendiger erhalten als bei uns. Der glänzende Schlachtens iegech dessen Gestirn wie ein strahlendes Meteor am französischen Hose aufging, erschierr dort trotz seines Krüppeltums wie ein Symbol teutonischer Urkraft, und in der Galerie der Marschälle von Frankreich, deren Gemälde Versailles vereint, wird sein Bild mit dem Holzbein, dem leeren Aermel urrd der Bürde über dem einen Auge, von Alaux gemalt, als das schönste und interessanteste dieser Werke gezeigt. Voltaire widmete ihm in jeinem berühmten „Zeitalter Ludwigs XIV." einen Abschnitt und erwähnt Bautrns bekannten Ansspruch: „Rantzau besaß von all beut Körperteilen, die der Mensch doppelt hat, immer mir einen." Besonders aber hat sich in Frankreich die bereits früh au stauchende Ueberlieferung Wach erhalten, daß Josias der Vater Ludwigs XIV. gewesen sei. Schon die zeitgenössischen „Memoiren des Josias Rantzau" spielen darauf an, und wie die Familienchronik des Hauses Rantzau mitzuteilen weiß, l-at der Bürgcrkönig Louis Philipp im Gespräch hänfig ans diese Annahme Bezug genommen. Jedenfalls stand Rantzau bei der Königin Anna in hoher Gunst. Er war ein glänzender Tänzer und dckher besonders dazu anserwählt, mit der Königin zu tanzen, „eine Ginrst, die in jener Zeit und an einem so glänzender: Hose wie dem von Frankreich nur den durch ihren Rang und ihre Geburt ausgezeichneten Personen gewährt wurde." Es ist jedenfalls bemerkenswert, daß die. Königin, kurz nachden: Josias zu ihrem Lieblingstänzer erwählt '.vorder: war, nach 23- jähriger Unfruchtbarkeit den späteren Ludwig XIV. gebar. „Rantzau war eine ungewöhnlich schöne Erscheinung," sagt ei'.: neuerer Biograph G. Lövy-Ullmann. „Seine Zeitgenossen sind darin einig, ihn als den schönsten und tapfersten Edelmann zu schildern, der: Nlar: sich vorstellen konnte. Wenn man ihn sah. erzählen sie, ahnte man, daß er zun: Herrschen geboren war. Seine btonbe Schönheit bezauberte den französischen Hof, als er dorh 1635 vorgestellt wurde, und gewann ihm vielleicht die höchste Gunst der Königin Anna; nian ist so weit gegangen, ihn für den Vater Ludwigs XIV. zu erklären. Ausgestattet mit großer militärischer Begabung, hatte er in seinen Feldzügen ein erstaunliches Glück: die Sage ^visi, daß er stets am Kmrns seines Degens ein zauberhaftes Stück Gold trug. Seine Tapferkeit wurde sprichwörtlich; stets setzte er sich dem dichtesten Kugelregen aus: er empfing 60 Wunden und hatte bei seinem Tode Nur :wch einen Arm, ein Bein, ein Ohr nr:d ein Auge." Ns Sproß!ing des noch heute blühenden holsteinschen Geschlechtes der Grafen zu Rantzau geboren, zeigte schon der Ddnabe seine glänzende Begabung. In allen ritter- liegen Künsten war er Meister: aber auch in den Wissenschaften, in Philosophie, Theologie und Mathematik erlangte er gute Keunt- nisse beherrschte acht Sprachen, und die Malerei, die. dem Einarmigen später große Befriedigung bewährte, soll ihm die schmerzlichsten Stunde:: seiner letzten Krankheit versüßt haben. Unter Gustav Adolf erntete er den ersten kriegerischen Lorbeer; berühmt wurde sein Name, als er unter Aldringers Fahnen die Erstürmung Mantuas leitete. Von Kampf 511 Kampf, in Sieg und Niederlage gleich groß, stürmte der Held. Stets wollte er nur sich selbst seine straft verdanken, und als ihm die Mär von dem zauberhaften Schwert, das ihn stark machen solle, zu Ohren kam, warf er die Waffe stolz in den Rheim Mit Recht konnte er seine 60 Wunden als die beste Chronik seiner Schlachten bezeichnen. Mit dein Sieg von Pfajsenhosen, den er durch eine Attacke seiner Rrirer- scharen entschied, rettete er die Sache der Schweden in Deutsche land. Er wurde dann Gouverneur und Übiegsoderster von Straß- bürg, und -stellte sich, als Frankreich an Spanien den Krieg erklärte, unter die französische:: Fahnen. Bei der Belagerimg ron Dole verlor er ein Auge, blieb aber, lvie die Familienchronik berichtet, ..keinen Tag ar:s den Gräben fort, ja dieser Verlust verdoppelte seine Wachsamkeit, öhne seiner Körperschönhcit zu schaden". Bei der Eroberung von Me ras 1640 verlor er dann, als er ei'-: Fort gegen Uebermackst verteidigte, einen^Arm und ei:: Bein, und kurz darauf wurde er in einer anderen Schlacht eines Ohres beraubt. Die Niederwerfung der gewaltigen Festnngskette von Flandern und Artois war sein Werk, das der Sieg bei Fjurnes krönte. Er starb au: 14. September 1650 im 41. Lebensjahre und erhielt ei:: prunkvolles Leick-enbegängnis, bei dem der berühmte Bischof Camus ihm die Grabred ehiclt. Diese auch ins Deutsche übersetzte „tvohlverfaßte, zierliche, wie denn auch zugleich koohlverdiente Lob- nnd Leichpredigt" ist eine der wichtigsten Ouellen für die Geschichte seines Lebens. Knapper faßt seine Grabschrist sein Heldentum zusammen: „Des großen Rantzai: Leib liegt hier nur halb begraben / Es mußte Adars die andere Hälfte habe.: / Er sttcuite überall hin die Glieder und den Wihm. j Verstümmelt, :vie er war, besiegte er den Schmerz. / Sein Blut strömt' hunderstach hin für sein Heldentum, / Mars ließ nichts ai: ihn: ganz als nur sein Herz." _ Blühende Roßkastanien. „Die Roßkastanien hat auf grünem Kandelaber Die Blumen gelb und rot als Kerze:: aufgesteckt. Ter Regen will sie löschen, — aber Zn höherem Glanz hat er sie aufgeweckt." So singt Friedrich Rnckert zun: Preise der Kastanie, die in ihrem Eigenartigen Blütenschmuck so erheblich zu der Pracht unseres jungen Frühlings beiträgt. Es gibt in Deutschland lvohl kein Dorf, in den: nicht dieser schöne Baum in Alleen gepflanzt oder als einziger Schmnckba::m auf Plätzen, in Friedhöfen^oder in öffentlichen Anlagen mit seinem dicksten Lmibdach kühle:: Schatten spendet. Sv mancher wird zu seinem Erstaunen erfahren, daß dieser 'herrliche Frühlingsbaum erst vor wenige:: Jahrhunderten seinen Einzug in die Gärten Europas gehalten hat, vorher kannte man ihn bei uns ganz und gar nicht. Die erste Roßkastanie wurde im Jahre 1576 von dem großen Botaniker:md kaiserlichen Leibarzt Clnsius in Wien aus einem Same:: gezogen, den ihm sein Freund v. Ungnad, kaiserlicher Jnternuntius bei der hohen Pforte, ans Konstantinopel mitgebracht hatte. Als Clusius im Jahre 1568 Wien verließ, war sie zu einem stattlichen Baum heran ge wachsen, sie hatte aber noch nickst geblüht. Erst in: Jahre 1603 erstrahlten ans ihr die ersten Blütenkerzen, und Ctnsins wurde damals ein. blühender Zweig von ihr aus Wien zugesandt. In Paris wurden die erste:: Kastanienbänme ans Früchten, die aus Konstantinopel dorthin gesandt lvorder: waren, erst um das .Jahr 1615 in: Jardin du Ro: (Jardin des plantes) nick» im Luxembourg-Garten gezogen. Heute herrscht in Paris die Kastanie als Schmuckbanm vor, es sei nur an die Kastmiien des Duileriengartens und unter ihnen an den berühmten Napoleon-Baum erinnert. Nach den Forschungen Th. v. Heldreichs, des trefflichen Kenners der Flora Griechenlands, ist die Roßkastanie ein in de:: Gebirgen von Nordgriechenland. Thes* salien und Epirus unterhalb der Tannenregion um 1000 bis 1300 Meter wildwachsender Baum, der von den Gebirgsbewohnern ausdrücklich als wilde Kastanie der edlen Kastanie gegenübergestellt toird. Auch am Nordfuß des Balkans in Bulgarien wächst die Roßkastanie wild, und sie bildet dort größere Bestände. Man nimmt nun an, daß der Baum von dort aus durch die Türken oder die Byzantiner nach Kvnstanttnopel gebracht worden .sei. Andere Forscher rvidersprechen mit gute:: Gründen der Ansicht, daß, in Nordgriechenland, Thessalien uub Epirus die Urheimat des Baumes sei. Denn wenn es wirklich sck>on im Altertum in den Gebirgen des Pindns, des Ost:, des Pelion, des Othrys Roßkastanien gegeben hätte, so hätten diese unmöglich dem ^Scharfblick der Griechen und ihrer Nachfolger, der Römer, entgehen können. Bei einem durch seine besondere Sclstinhett und durch die Eigentümlichkeit seiner Belaubung, seiner Blüte u:td seiner Früchte so auffallenden Baume hätte man unbedingt eine Nachricht in den botanischen und geographischen Mitteilungen der Alten finden müssen, er war aber bis zum Jahre 1565. in dem Mattioli einen ihm aus Konstan- tinopel zu gegangene:: Fruchtzweig beschrieb, gänzlich unbekannt. Jedenfalls stellt die Roßkastanie mit ihren im Bogen weit aus- greifenden Aasten, ihren mächtigen Blattftächen und ihren prangenden Blütenfrüchten eine fremdartige und eher tropisch zu nennend« Form dar, die unter unseren Bäumen keine Vervoandten Jo. nnd deren nächste Sippe in: Hinralaya-Gebirge wächst Die Tar'achr» daß der Bann: erst nach der Festsetzung der Türken ans der Ba'.l.m- halbinsel von Konstcnttinojxl nach Westtnropa gekommen ist. legt die Vermnttlng nahe, daß die Türken ihn überhaupt erst itm Asien nach Enrosxr gebracht haben und de ^ er also auch erst später in 'Nordgriechenland und in Bulgarien Eingang gefunden sttt. :vv er heute wildwachsend angetroffen wird. Die Türken wandten die blanken hellbraune:: Frühste als Mittel gegen den Husten der S erde au: davon soll der prosaische Name Rost io stau ie lwrstannne" B» uns Norden die Früclste schon laugst im Winter zur Wildsüt-eniug und heute auch mit Erfolg als Zusatz vom Vie'Mutler veno-''dt. Eingehende Versuche, die in jüngster Zeck vorgeu "-."-reu den. Waben ergeben, daß sie nach ihrer Entbitterung der runülüiovn stlahruug nutzbar «zemackst nwrden leg,neu und ein durch.n... >:ck- fÜdigeS Ntehl ergebe», da? ohne BcHenken zur Stte-kung des PRizen oder Reggenruchls genommen werden kann Vermischtes. * Der Erfinder des Feldgrau. Gerade jetzt, tub das russische Zarentum, voraussichtlich für alle Zeiten, verschwunbenj ist, hat ein Buch des deutschen Pvofessors Maudt, der lange Jahre atu russischen Lpf Leibarzit des Kaiserss Nikol-cms I. geivesen ist, ,einien besonderen historischen Reiz. In seinem eben bei Duncker u. Humblot erfclpeneiren Lebenserinnerungen gibt dieser M^ann, der sich durch sein unbestochenes Ajuge und seinen offenen Charakter, durch seilt freies Deutschtum und seinen Männerstolz vor Königsthronen besonders auszeichnet, eine Charakteristik Nikolaus' I. lmd sagt von seinem Äheußenen^ daß jeder Zoll an ihm auszusprechen schien: „Ich bin der gottgesalbte Kaiser." Selbst in den: schlichtesten blauen ^Ättel würde jeder den Kader heraus keimen. Und Aoandt facht fort: „Dies ist wirklich später einmal so gewesen. Im Anfang des Krimkrieges hatte der Kaiser allen Offizieren den gemeineit, langen, grobeu, grauetr Soldateirmandel gegeben, irr der Absicht, die glänzerrde Uniform yu verhüllen, woran die französischer^ Scharfschützen vor Sebastopol so sichere Ziele gefunderr. Der Zar ging hier, wie immer, mit dem Beispiel voran, und eines dliorgens sab inan ihn auch die Straßen seiner Hauptstadt in dein groben! Grenadiermantel durchschreiten, ^ohne auch nur einem einzig eit ÄRensck^en zu begegnen, der den Kaiser in dein Soldaten kleid nicht erkannt hätte." So nxit also Nikolaus I. von RuUanst der Erfinder des Feldgrau: sein Gedanke ist gerade in diesem Krieg so überaus fruchtbar geworden. . * Die Bienen Probe in Polen. In Polen herrscht der eigen tmnliclte Aberglaube, daß die Bienen einen Justin kt für die Tugend der Brautleute haben. Bei polnischen Bauern wird vielfach vor der Verlobung der Brautleute eine Tugendprobe angestellt. Ain einem Sonntage nach her KirckMit geht das Paar, das sich verloben will, gefolgt von der ganzen Dorfjugend, in die Nähe eines Baumes, auf dem sich ein Bienenschwarm angesetzt hat. Zunächst muß sich daun der Bräutigam dem Schwann nähern und die Bienenrepnblik reizeti, während alle anderen erivartnngsvvll her- Uimsteben und mit ängstlicher Mlsmerksarnkeit auf die Bienen! blicken, ob sie den Jüngling an greifen und übel zurichten »Verben^ Tnn sie es, so ist der Bursche ein Söffet, lassen sie ihn in Ruhe, gilt er als braver «Kerl hmd sofort muß. sich seine Liebste deü gleickuw Tugend proR Wlssetzen, deren glücklicher AuSgang ihre Jnngsräitlichkeit bezeugt. Fällt die Probe bei beiden gut aus, so geben sie sich unter dem Jubel der ganzen Dorfjugend den Verlobungskuß. Indessen schließt wohl auch ein ungünstiger Ausgang der Tugendprobc nicht iistmer mts, daß die Beiden doch die Ehe Miteinander ivagen. *Terwandernde Niagara-Fall. Eine merkivürdige Äattirersck?einung führt, wie in der Umschau erklärt wird, dazu, daß der Niagarafall im wahrsten Sinne des Wortes aus der Wanderung begriffen ist. Zum Verständnis dieses Wanderns müssen einige den !sÄll betreffende Tatsachen vorcmsgeschickt loersten. Ter Riagara- svkl liegt bekanntlich fast genau in der Mitte zloifckvn dent Erie- Und dem Ontario-See und wird durch ein großes Felsenriff, Aregeninsel genannt, in den amerikanischen und kanadiscchn Fall seSeilt. Ter amerikanische Fall ist 275 Meter lang, der kanadische 880 Meter und liegt tiefer als der amerikanische. Tie Felswand nun, über die der Fall sich ergießt, besteht in ihrer obereil Halste aus Kalkstein, in ihrer unteren Hälfte aus Schiefern und Sandsteinen, die ziemlich weich sind. Ta diese lockeren Gesteine anr Fuße des 55 Meter hohen Falles von der wühlenden Kraft der herabstürzenden Wassermassen, dauernd ausgewaschen werden, wird auch di? härtere obere Kalksleintvand sortivährend nnterspült, so daß sie allmählich stückweise abbricht. Durch dieses Älbbröckeln rückt also der F-all selbst ganz langsam ein Ivenig stromaufwärts, nach den genauesten Berechnungen legt er auf diese Weise im Jahre bis zu 1,50 Meter zurück. Tie vom Niagarafall in den letzten Jahrzehnten vollbrachte, durch die geschilderten Umstände bewirkte Wanderung wird auf 178 Meter geschätzt. * „Fritz, nur immer druff!" Diese merkwürdige Inschrift befindet sich an einem großen Dampfhammer in der Kruppschen Fabrik siu Essen seit ungefähr 40 Jahren. Damals, 1877, besuchte Kaiser Wilhelm I. das Kruppsche Eisenwerk, und feiU Erstaunen erregte besonders der 1000-Zentner-Hammer, mit dent die großen Stahlblöcke bearbeitet werden. Alfred Krupp, der damalige Besitzer der Fabrik, erklärte dem Monarchen die Tätigkeit dieses Hammers und stellte ihm auch den Mascl-inisten vor, ixm er als einen ungemein geschickten Arbeiter rühmte, der den Schlag so sicher zu leiten verstehe, daß cm in den Mittelpunkt des gewaltigen 20 000-Zentner-Ambosses gelegter Gegenstand unbeschädigt bliebe. Der Kaiser war natürlich verwmrdert und legte, aufgefordert, eine Probe zu versuchen, seine mit Brillanten besetzte Uhr ans den Amboß, mit freundlichen Worten den Maschinisten ersuchend, die Probe seiner Gesckxicklichkeit abzulcgen. Dieser war doch tu diesem Augenblick etwas ängstlich: die Kostbarkeit des Gegenstandes mackste rhn bange. Aber der alte Krupp, der seine alten Mitarbeiter, mit denen er Jahrzehnte hindurch zusammen tätig gewesen, zu duzen pflegte, nes dem Maschinisten z'u: „Fritz, nur immer druff!" Und Fritz zögerte nicht länger: mit furchtbarer Gewalt sauste der Ham- p,ec ni^>ec, die Uhr aber bli-eb unbeschädigt. Der geschickte Maschinist Schrijllettung: Fr. R. Zenz. — Zwitliugsrunddruck und Verlag der L erhielt sie vom Kaiser geschenkt, Md KcUpp fügte noch 1000 M dein Geschenk hinzu,. Die anfeuecstde Aufforderung an! den Maschinisten aber w>rrde als Inschrift auf dem! Hammey verzeichnet. Seltene Vo l ksgebr-äjuche in Deutschland. Es wart als bekannt vorausgesetzt werden, daß in der Eifel und iml Aartal die Sitte besteht, daß im Mai die Mädchen an die Brmch-n versteigert werden, and daß die Ajugesteigerte die Tänzerin ihres Anjbergers für das ganze Jahr bleibt. Das aus der Versteigericng) erzielte Geld stießt in die Burschen^.Kasse und wird ftir t^rschie-, derleBergnügen zur Verfügung gehalten. Dieser Brauch heißt:' daS Ma,ilehen, und das versteigerte Mädchen ist auch des Barschen: Maileheu. Irr St. Goar aber herrschte der seltsame Brauch, daß am Pfingstmontage die Mädchen als Tänzerinnen für das Jahr vow Rate der Stadt versteigert wurden, und die Steiggelder in die städtische Kasse flössen. * Spart Tücher! Fonshwscheibvn wasche ütan mit fest zusamweu geballtem Zei- tmngspapier, das Man in laniocrrmes Wsasser taucht, ab. Sind sie etwas übergetwcknet, reibe man sie mit lose gekni'flltem Zeittmgs-> Papier blank. Spisgelscheiben reinige mm: ebenso. Blanke Teile am Heä>, Wasserleitnngshähne, Türklinken brauchest besten teiid seltener gewitzt zu werden, wenn sie ab und zu mit Zeitung s Papier abgerieben werden. Der iwch warnte Herd loird durch Abivasckien mit angefeuchtetem Pacher sauber und blank. Den Ährsguß reinige inan mit ZeitlMgspapier imd Sand. Zrnkgesäße, Spültische erhalten einen vorzüglichen Glaiiz, ivenn «n r 1111 ^ dem Scheuern mit Zeitungspapier naclsteibt. Messer urrd Gabeln Ichsche inmr nach dem Plitzen erst einnial mit Zeittrilgspapier ab. vüchertisch. — Baieris che Den kmale aus der „Theueren Zeit" vor h u n d e r t I a h r e n , ist der Titel eines soeben im Rahmen der „Bayerischen Hefte für Volkskunde" (VieNeliahrsschrift, herausgcgeben vom B a h e r i s ch e n L a n d e s- vcre'.n für H ei m a ts chu tz , Münck>en, Liidwigstraße 14) erschienene, umfangreichen Sonderheftes, das in unseren heutigen Tagen einem besonderen Interesse begegnet. Begleitet von über einem chrlb^i Hundert Text- und VolLbilderu und nrit einer größeren Farbbeilage geschinückt, lassen uns die Schilderungen die schweren Zeiten, che che „Hungerjahre" 1816 und 1817 über unsere Groß- eitern und Urgroßeltern brachteii, neu durchleben mit all dem Elend lener Tage, deni eine maiigelhafte Orgalüsation nur mangelhaft steuern konnte, mit ihrem erbitterten Kanrpf gegen das Wuch?rectum, aber auch mit ihrem befreienden Glück über den Erntesegeu von 1817, der che Not zu euderi schien. — Der Herd in der Fremde. Von Fedor von Zo- ^Eltitz. (Verlag von Ullstein & Co., Berlin.) — Nur wenige Autoren konnten den Roman der Diplomatte schreiben — und wohl teilt anderer als Zobeltitz mit der liebenswürdigen, im feinsten, Sinne unterhaltenden Kunst, die auch diesem seinem neuesten Werke etgnet. Alles kommt hier zusammen, das Gesellsck-astliche, Bilder fvemder Kulturen und eine erfahrene Menschlichkeit, die unter den äußeren Formell das nach Glück verlangende Herz sieht. — In der neuesten Nummer 3854 (Kriegsnumnier 145) der Leipziger Illustrierten Zeitustg" (Verlag I. I. W!e- ber) erörtert der bekannte Militärschriftsteller General der Jnsart- terie z. D. v. Jansoil in einem von höherer Wärte aus geschriebenetr Artikel „Die Frühjahrssästachten im Westen". Die Großtateti unserer Flieger zeigt eine Kürte, auf der che in der Zeit vom 1. Mürz. Io April 1917 im Mschnitt La Bassee—St. Quenttn abgeschossenen feindlichen Flugzeuge eingetragen sind. Mit freudigem Stolz verweilt das Auge des Besck>auers bei den Aufnahmen von orr Jagdstaffel des berühmten Kampffliegers Rittmeisters Freiherrn v. Rtchthofen. Ein mehrseitiger, reichillustrierter Beittag ist der Katserm Vtaria Theresia zur 200. Wiederkehr ihres Geburtstages am 13. Mai ge>vidmet. Mit der voraussichtlichen Witterung des Sommers 1917 besckwstigt sich ein Aufsatz des Meteorologen Dr. Rickwrd Heniltg usw. Charade. lTreisilbig). Die erste brennt und lenchtet, Die zweite ist nicht weg. Die dritt' ist hier am Messer. Das Ganze: der Feinde Schreck! Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummerr Der Sieger darf die Hand zur Versöhnug bieten. ühl'fchen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei R. Lange. Gießen.