ra ** im-(»«oh, atls ungemütlict)en Betrachtungen gerissen zu werden. Er würde voll der gewandtem: Dame in den Salon genötigt, dessen Tür offen blieb, und wartete dort mit unterdrückter Urlgedilld ans Maries Wieder- erscheinet. Fräulein Meta leistete ihrn Gesellschaft. Er ließ ihre sanft plätscherrtoc Ullterhaltung über sich ergehen und blickte ihr mit so vertieftem Ausdruck ins Gesicht, als ob er wirklich hörte, was sie ihm vorplauderte. So faild Marie die beiden, als sie umgekleidet herein^ kam, in behaglichem Nahe beieinandersitzen. —■ Man schien sie selber trüber vergessen zu haben! Ihr Gesicht ver- dutikelte sich. Aber sie hatte Selbstbeherrschung gelernt. „Die Droschke wird hoffentlich bald da sein," bemerkte sie kühl. Die beiden standcll verlegen da. Fräulein Meta, rveil^ sie vergessen hatte, eins der Mädchen nach einer Droschke wegzuschicken. Hcnts aus eitlem ihm selbst unklaren GrlNlde Frälllein Meta lies mit ungewohnter Hast hinaus um einmal „nach der Droschke aus zu sehen"; irr Wrrllichkeit inn erst eine holen zu lassen. Hans und Marie standen sich sftrmm gegenüber. Tat in tatj Hans rasch eilt paar Sck-ritte auf sie zu: sie sah wieder so blaß, so abgespannt aus — „Du mutest dir zu viel zu — und ich bin schuld daraus sagte^er ehrlich l*etrübt. Sie machte eine uugedilldig abwehrende Bewegung. „Unsitln? Du kannst doch wahrhaftig nichts dafür, daß mtte krank ist!" „Vfiier dafür, daß du sie nicht hier — bei dir hast. Marie! Ich bin ein scl-amloser Egoist gewesen -ich Hab' die ganze Zeit über nur an mich selbst gedacht —. mtr daran, daß ich nur mein eigenes Leben wieder einrenken wollte. Und Hab' andere dabei in der garstigsten Weise ausgenntzt- 202 . Nein, faß schon nichts dawider! Das redest du mir nicht wieder cni$. — Ich darf dich zier Bahn dringen, Marie —" Marie kämpfte einen Augenblick mit sich. Nein, sie wallte jetzt rächt tager mit ihm znsanimen sein, seine Selbstbezichtigungen nicht auhören, seinen ernsten, unruhigen Blick nicht nrehr aus sich ruhen fühlen-„Laß das gefälligst," Versetzte sie knapp. „Ich besorg' das alles viel lieber allein. Endlich! Emma! Ist die Droschke ba?" Das rührige kleine Harisntädchen hatte aus eigener Ueberlegung den. Wagen besorgt. Es trug nun. Maries Handko-ffer nach nute::. Marie wollte ihr folgen, sah sich noch einmal nach Haus um — er tat sofort herbei und umschloß ihre ansgestreckte Mchte mit beiden Händen. „Wenn ich doch nur auch irgend etwas tun konnte!" sagte er kläglich. — Sie nrußte ein wenig lachen. Er hatte in diese::: Moment etwas so rührend, so jugendhaft Unbeholfenes! „Du Sannst die Miete bei meiner Wirtin für mich bezahle::!" sagte sie fast heiter. „Sie liegt bereits abgezählt auf meinem Schreibtisch. Ich wollte sie gerade hinunterbringen, ehe du kamst. Heut' ist doch der erste Oktober-- Leb 'wohl —i du bekommst bald Bescheid." Sie entzog ihm rasch die Hand, die er noch festhielt, nickte ihm kurz zu und ging davon. Ihr weibliches Gefolge schloß sich draußen im Korridor an uni) brachte sie aufgeregt die Treppen Hinab; auch ein paar ihrer jungen Pensionärinnen waren darunter. Haus kam ganz gedankenlos hinter-^ her. Und [taub in der offener: Haustür rtaben Fräulein Meta Stilltng, gerade noch rechtzeitig angelangt, um Marie in: Wäger: ver schmück) ei: zu sehen-Und gerade noch rechtzeitig, urn der Abfahrertaen besagtes Fräulein Meta und ihn selber dicht nebeneinander, abschied winkend, als hübsches Griwpenbild erscheinen zu lassen. Dies Bild nahm Marie mit sich auf die Reife. Es verließ sie die nächsten Stunden nicht wieder. Es packle sie wie ntit glühenden Zangen, und ein bitteres, häßliches Gefühl brarmtc [ich tief in ihre Seele Hinei::, bis ein noch tieferes, mächtigeres Gefühl sie überkam: — das der Sehnsucht nach ihren: kleinen Liebling — bis die leidenschaftliche, sehnsüchtige Fce:tde aus das Wiedersehen mit Hans Jmhofss Kind — Hans Jmhofss Bild in ihr erblassen ließ! Hans stieg neben Fräulein Meta ins zweite Stockwerk hürauf und holte sich das Geld für die Wirtin ans Maries kleinen: Zimmer. Fräulein Meta wollte ihm dabei behilflich sei::, aber er rotes sie beinah unhöflich zurück. Die allzu Liebenswürdige begann ihm lästig zu werden. Ihn: ging *9 viel durch den Kopf und Sinn, wobei ihr flaches, wohl- ^.^ogenes Geschwätz störte. Es gab doch recht wenig Frauen, dir rechtzeitig zu schweigen verstanden! Er kannte eigentlich nur eine einzige: Marie. Er dachte in emem Gemisch von Beivnnderung und Rührung an sie, und es bereitete ihm geradezt: ein geheimes Wohlgefichl, einen Wunsch von ihr zu erfüllen, etwas für sie zu tun, und wenn's auch nur diese lächerliche Kleinigkeit war. Da lag das Geld, sorgfältig eingewickelt, und daneben das Mietsquittm^gsbuch. Gr nahm be:des an sich und schickte sich zum Gehen. Aber er sah sich vorher noch eünnal mit einen: langen Blick in den: winzigen Zimmer che;: unr, ihm war's plötzlich so zumute, als ob er sehr viel darin erlebt tzätte. Da streikte sei:: Auge die Truhe. O, Marie! Am Schloß der Truhe hing ja noch ihr Schllüsselbmck)! Er erschrak förmlich über ihren Leichtsinn, ihre Vergeßlichkeit, und mußte doch gleich wieder gerührt vor sich hin läck-eln : das war so ganz sie selber, daß sie ihm förmlich wrperlrch nahe schrei:. Rasch den Schlüsselbund abgezogen und ihr versiegelt ^tal-geschickt! Ja, war denn auch die Truhe abgeschlossen? Er versuchte, bewahre, sie sprang auf! Und da lag auch sein Buch, ba& unglückselige Buch, das so viel Verwirrung in Marres Kopf und Leben angestiftet zu haben schien, und da, da lagen ja noch Wele, v-lle andere Bücher, arte aleichnäßia gebmwen, alle, alle, seine Bücher. Er beugte sich tief über die verräterische, alte Truhe; :dn: tat's nicht als Unrecht vor, daß er so tief hineinsah, es war ernfach ein übermächtiger Zwang, die Notwendigkeit, zu wiften, !vas ihn dazu trieb. Und als er sich wieder auf- rrchtete, hatte ihm die Mihe des Backens das Blut zu Kopfe getrieben, :rnd rn [eine:: Angen glänzte es verräterisch r^r at ! schmnte er sich, lvarf er den Deckel wieder zu, schloß ab, steckte die Schlüssel ein und besam: sich erst im allerletzten Augenblick, er war schon halb draußen in: Korridor, daß er das Geld auf den: Schreibtische hatte liegen! lasjen. Holte es eilig, wobei er ärgerlich nrtd Verwirrt vor sich hinürurmelte, rannte draußen die „plastische Empfangsdame" beinahe um und begab sich ntit einer gewissen eifrigen Wichtigkeit zur Frau Hausbesitzerin, wie er:: guter, kleiner Junge, der von seiner Manra mit einem Groschen zum Krämer geschickt ward. Sehr ernst, sehr nachdenklich ersten er ein Stündchen später wieder in: Treppe:chcrus. U::d stieß sofort mit einem kleinen Herrn zusammen, der an ihm vorbei nach oben strebte. Sie sahen sich an: „Phipp!" — „Hans!" Da hielten sie sich schon an den Händen. Und Hans sah :nit tiefem Erschrecken, das er rasch zu verbergen" strebte, in das schmerzlich veränderte Gesicht oes jüngeren Freundes. Der hatte de:: Blick doch erfaßt u:rd verstanden. Er nickte in wehmütig-heiterer Ruhe: ,/I«, sieh, Hans Imhoff, unsere Krankheit! Du weißt schon, nun hat sie mich auch! am Kragen. Aber wie kommst du denn hierher? Ich vermutete dich noch im Süden." Hans erzählte. Phipp sah an ihm vorbei die Treppe hinauf. „Und Maries' fragte er plötzlich. Dein Neffe hat sie vorhin telegraphisch gerufen, weil die alte Mille plötzlich erkrankt ist. Du kommst nicht direkt Von zu Hause?" „Ich fuhr bereits gestern nach Berlin, ich wollte noch einmal zu einen: Arzte. Es ist doch immer gut, wem: man Völlig Bescheid weiß, nicht wahr? Und nun treffe ich Marie nicht einmal an. Schade! Ich hätte sie gern gesehen und gesprochen, es hat wohl so sein müssen." „Du findest sie nun ja gleich zu Hause an," sagte Hans betreten. Der kleine, gute Freuno scknen ihm so lounder- lich verändert. So fremd, so fern, so beinah abweisend gleichgültig. Als ob er gar nicht mehr recht hinhörte, wenn der - andere sprach. Hans hatte ihn: eigentlich erzählen wollen, was alles er eben mit der Wirtin verhandelt und sonst beschlossen, daß die brave Frau, die ihm redselig über vieles Aufklärung verschafft, gern erbötig sei, Maries Pension selbst zu übernehme::, freilich auf etwas verrrnnftgemäßerer Basis. Ohne Fräulein Meta und Konsorten. Daß er, Hans, aber doch hoffe, Marie aus diese Weise wenigstens einen Teil des geopferten Kapitals wieder zu verschaffen. Daß er überhaupt jetzt e:rtschlossen sei, als wahrer, treuer, brüderlicher Freund für sie einzutreten! Dies alles und noch einiges mehr hatte er dem kleinen Phipp anvertraue:: wollen. Aber er brachte keinen einzigen Satz mehr heraus. Das war ja aar nicht nrehr der kleine Phipp Koch-, der da vor ihm stano im unsicheren Dämmer- licht des bunt verglasten Treppenhauses. „Du bleibst noch hier?" fragte die sanfte Stimme. „Dann sage ich dir gleich jetzt Lebewohl, Hans, ich fahre mit dem Abendzuge. ■— Und du, Hans?" Die großen glänzende:: Angen schlugen sich voll zu Hans Inchosf auf, — „du wirst auch bald kommen, ich weiß es, wenn du nrich an.ch nicht mehr triffst." „Du willst noch eimnal verreisen?" fragte Hans fast zaghaft. Wieder dies erhaben ferne, aeheimrnsVolte Lächeln: „Ja, ich verreise; leb wohl, Hans. Grüße Marie. Biel Glück euch beiden!" Und die kleine, schlanke Gestalt glitt tww: der Stufe weg, auf der sie eben noch nebeneinander gestanden — mit leisen, raschen Schritten die Treppe vollends hinunter — wandte sich noch eimnal um, winkte einen Mlfreuudlichen Gruß Zurück — und Verschwaird in dem Menbenbei: Lichtstemn, den das heftig von außen anfgestoßene große Hausportal here:::flr:ten ließ. Hans stand wie gelähnll, es überfiel ihn: dies war ja ein Abschied fürs Leben, und ein dieses' Bangen ging durch ferne Seele: Galt das dir oder galt das nrir? Nur für Sekuudenspanue. Dann grüßte der heraufkommende Portier neugierig-mißtrauisch. Und Ha:rs grüßte mechanisch wieder und ging ganz langsam, in tiefen Gedanke:: davon. Draußen auf der Straße blieb er plötzlich stehen. „Ich hätte ja Phipp die Schlüssel nntgeben können!" sagte ergänz laut. U:cki wußte gleich, wie er's aussprach, daß er das gar nicht gewagt haben würde. Ging grübelnd lange Zeit aufs Geratewohl umher, aß irgendwo, verbrachte einen ruhelose::, ungemütlickMn Tag und eine fast schlaflose 203 Vogen Morgen mußte, er auf einmal, was er tun müsse. ,Lch muß unbedingt nach Hauses erklärte er dem ge- Korsam aufhorchenden, eigenen Herzens. „Es ist meine Pflicht, v-a nacü dem Rechten zu sehen! Ich muß mich doch endlich mn mein Kind bekümmern! ES wäre ja lächerlich, sich durch sinnlose Schicklichkeitsbedenken abhalten zu lassen! Lächerlich und unserer beider unwürdia. Ich kann doch bei Phipp wohnen, oder im Hotel. Ich habe Sehnsucht nach meinem Kinde. Und übrigens muß ich Marie unbedingt die Schlüssel bringen, sie wird sich ganz gewiß bereits darum geäugstigt haben." Die Schlüssel gäben den Ausschlag. Hans Jmhosf verließ Berlin pünktlich mit dem Morgenzuge. (Schluß folgt.) Wildgemüse. . Die lang andauernde Kälte des heurigen Frühjahrs hat die Entwickelung der Vegetation um mehrere Wachen zurückgehalten, und dadurch einen empfindlichen Mangel an Frühgemüse verursacht. So gilt ey jetzt und in allernächster Zeit, auf jede Weise Ersatz zu gewinne!:, den uns die eßbaren wildwachsenden Kräuter in willkommenem Maße bieten. Tatsächlich gibt es in unserer Flora eine ganze Reihe solcher Kräuter, die recht gut als Nahrungsmittel Verwendung finden kön- neu, in sicheren genuiseärmeren Zeiten allgemein als solche fanden und noch jetzt in manchen Gegenden, namentlich im Gebirge, benutzt werden. In sehr dankenswerter Weise hat die Schulabteilung Großherzoglichen Ministeriunis des Innern an die ihr unterstellten Schulleitungen kürzlich bereits eine Aufforderung zum Einsammeln von Wildgennsie seitens der Schulen gerichtet, das in erster Linie im Daushalt der Angehörigen der Schulkiiider, dann aber auch in Volksjpnsestcllen, Lazaretten, Krankenhäusern, Kasernen zur Verwendung kommen soll. Dadurch wird die Kienntnis der in Betracht kommenden Kräuter in weite Kreise gebracht und eine zweckmäßige Volksernährung gefördert. Für die erste Frühlingszeit empfiehlt das Rundschreiben vor allem die weiße, die rote und die gefleckte Taubnessel, die Vogelmiere, die große und die kleine Brenncssel, den Geißfuß oder Giersch, den Löwenzahn, die Brunnenkresse, den Sauerampfer und die Schafgarbe. Auch der Alice-Frauenverein hat sich dieser Angelegenheit atu genommen und wird das Sammeln und die Verwertung der Wildgemüse in ieder Weise fördern. .. Jk? er obige Gewächse und einige mrdere, auf die tvir ebenfalls dre Aufmerksamkeit richten möchten, solle:: hier einige Ausführungen Platz snkden. „ wilde Sauera mpfer (Nnmex aectosa) wächst hier überall auf Wiesen und au Grasrainen. Seine Verwendung zu Sauerampfersuppe sowie die der B r u n n e n k r e s s e (Nasturtium ofsici- nale), d:e :n den Dorfgräben verbreitet ist, zu Salat ist allgemein bekannt, ebeatsv dre der Blätter des Löwenzahns (Taraxaenm osiicmale) zu Salat. Da die Löwenzahnblätter etwas bitter schniekem empfiehlt es sich, die ausgestochenen Pflanzen mitsamt den Wurzeln auf 10 bis 12 Tage im Keller in Saiid einzulegen, wodurch sie etwas ausblerchen und milde werden. Die V o g e l m i c r e (Stellaria media), die als Grünfutter von den Zimmervögeln gern verzehrt wird, ist ein kleinblättriges, am Boden medernegeirdes Kraut mit weißen Blütchnr, daS auf Aeckeru und iii Gärteil in großen Mengen, zu finden ist. Gründliches Abwaschen von Erde und Sand ans den Kräuterrosette!: wird erforderlich sein; daher wird man wohl andere, größerblättrige Kräuter bevorzugen, nur einen Ersatz für Spinatgemüse zu erhalten. Hierzu werden die drei Taubuesselartcn (Lamium albüm, rubrum, maculatum), die überall häufig sind und leicht in größeren Mengen gesammelt werden können, empfohlen, ebenso die zartaefiedertew N.lngen Blätter der S cha f g a rb e (Achillaca millofoliun'.),. ferner die Blätter deq W e. g e r i ch e (Plantago, major, media,- laneeolata), namentlich bte des mittleren Wegerichs, die int Vogelsberg als erstes Gn'ingemüse oft benutzt werden. Besonders aber kommen, nach allen vorliegenden Angaben in Botanischen Werken zu schließen, B r e n n e s s e l (Urtica dioiea) und Geißfuß (Aegopodium Poda- graria) in Betracht, die biüde als Gemüse wie Spinat zubereitet, recht nahrhaft sind :uid in größten Mengen bei nns wild wachsen Die Brenncssel ist jedermann bekannt, weniger der Geißfuß Dieses Unkraut :nächst in ausgedehnten Beständen überall an Hecken, auf Grasplätzen unter Bänuten im Halbsck)atten. Der Geißfuß ist ein golden gäwächs, das im So innrer lv-eiße Doldenblüten trägt. Seine Blätter entstwiugen ein ein unterirdisch kriechenden Stengel, kommen einzeln für sich aus den: Boden hervor und sind doppelt dreizählig, aus schief eilanzettförmigen, an: Rande sägezähnigcn Fiederblättchen, zusammengesetzt. Zurzeit sind die jungen, noch zarten, jetzt etwa ern Dezimeter langen Blätter ebenso )m die jungen Sprosse der Brennesscln besonders geeignet zum Einsammeln. Es sollte nie- mand versäumen, diese Kräuter 'zur Belebung seiner mit Kartoffeln und Rüben überreichlich bedachten Speisekarte zu setzen. Die Zubereitu na ist die aleickst, Me Ne: Svinat. Man kann die Geißfuß- blärter dämpfen oder auch vorher etwas abbrühen, wodurch sie milder werden. An Güte stehen sie dem Spinat' durchaus gleich. Für Breunessclspiuat wird eine Zugabe von Schafgarbeblätter:: emp- fohlen. ' Recht brauchbar zu Salat an Stelle von Schmalzkraut sind die kleinen glänzenden Blätter des S cha rb o cks krau t e s oder dev Feigwurz ((Ranuneulus Ficaria) zu verwenden. Dieses Kraut, dessen gelbe Blüten sich jetzt zu öffnen beginnen, kommt im ersten Frühjahr mit den Veilchen zum Vorscheii: und ist Ende Mai bereits abgestorben. Zwischen leinen Wurzeln sitzen keulenförmige, an den kriechenden Stengeln rundliche Knöllchen, die sich mit StärkemeU füllen, anfangs scharf schmecken, nach der Blütezeit aber milde und genießbar werden. Indessen dürste das Einsammeln dieser Knöllchen zu mühsam sein. In der Pfalz werden die Blätter als Salat viel verwertet. Da das Kraut an feuchten Waldstellen ungemein häufig vorkommt, so könnte es in großen Massen hserbeigeschasft werden. Junge Hopfcnsprosse (Humulus lupnlus) liefern ebenfalls einen guten Salat. In größter Menge wächst der Hopfe:: wild im Gebüsch der Aue::wälder am Rhein, beispielsweise auf dem Kühkopf, wo auch die Nessel ungemein üppig gedeiht. Als ausgiebiges Wurzelgemüse an Stelle der Schwarzwurzel, entweder wie diese zubereitet oder auch nach dem Abbrühen zu Salat hergerichtet, kann die Nachtkerze (Oenothera biennis) in Betracht ^kommen, eine nordamerikanische, mit dem Weidenröschen und der Fnchsia verwandte zweijährige Staude, die seit Beginn des 17. Jahrhunderts über ganz Europa sich verbreitet hat und nament- lieh an Eisenbahndämmen, auf Sand- m:d Schuttfeldern massenhaft bei uns vorkommt. Die Pflanze bildet im ersten Jahre eine überwinterte Blattrosette auf langer Pfahlwurzel und im zweiten Jahre den bekannten hohen Blütenschast mit feinen großen, abends anf- blühe. den gelben Blumen. Tie Blasirrosette!: sind im Winter und in: ersten.. Frühjahr rötlich gefärbt. Auch dM Fleisch der Wurzeln zeigt häufig etwas rötliche Färbung. In manchen Gegenden Deutschlands ist die Wurzel als Rhapontikwurzel oder als Rapunzelsellerie bekannt und auf dem Gemüsemarkt, vorhanden. Die wichtigsten Wildgemüse sind Geißfuß, Breii^essel, Nachtkerze und Scharbockskraut, weil diese eben in größten Mengen leicht eingesammelt werden können. Genaue Kenntnis der Pflanzen ist naturgemäß erforderlich, damit keine Verwechselungen mit schäd--' lichen Pflanzen eintreten. Wer sie einmal gesehen hat, wird sie leicht wieder erkennen. Die verschiedenen Wildgentüsepflanzen werden demnächst im Schaufenster der Rote-Kreuz-Teestube zu Darmstadt, Ernft-Ludwig- straße, zur Ausstellung gebracht. Vermischtes. — Eine Menzel-Anekdote. Bei der Schilderung der Studienarbeit der Maler erzählt Fechner in der Mainummer von Velhagen m:d Klasiugs Monatsheften auch einige Anekdoten^ darunter ein köstliches Geschichtchen vom alte:: Menzal. Durch die Nebelluft,^schreibt er, glühen die elektrischen Bogenlampen. Und seltsame Farbenkränze umralMen die Hunderte von leuchtenden! Punkten, die sich in regelmäßigen Linien, de:: Fahrdamm entlang', da hinten begegnen. An der Bordschwelle steht aufmerksam beobachtend der alte, kleine Herr schon seit geraumer Zeit. „Exzellenzü- ken, det werden wir jleich luden" — u:id kräftige Arme fassen ihn sorgsam Mid führen den Widerstrebenden sicher und sckmell durch all den Wirrtvarr der vielerlei Wagen hinüber zur ander:: Seite des Dammes/ Behutsam stellt der stmu'mige Arbeitsmamr seinen Schützling auf sicherem ab. Unwillig der: „Was fällt Ihnen ein? Wollte gar nicht herüber. Lichter tm Nebel beobachten und so. Kennen Sie mich denn überhaupt? Wer sind Sie denn?" — „Na, wer sollte wolt Menzeln uich kemren! Aber denn kominen Se man, Exzellenzeken, da werd ick Ihne:: man wieder rctuhr setzen." Eh: der Meister sich's recht versieht, stellst er auch schon! wieder drüben bei seiner Laterne. Während er jetzt tn seine:n! Portemonnaie herum sucht, begütigt ihn der Menschenfreund: „Nee, so it*ar’t uich jemecnt, lassen Se man stecke::." Der Meister behält indessen freu Sprecher interessiert im Auge. „Stehen bleiben!" herrscht er ihn plötzlich an, zieht sein Skizzenbuch heraus, um! sich in: Handunrdrehen ein paar Notizei: über die Beleuchtuugst-i Wirkung im Nebeldunst zu machen. „Was sind Sie denn?" — „Na, ick Hab doch hier iu die Irgend als Mauerpolier zu tun." — ,,Da haben sie wohl keine Zeit, mir als Modell zu stehen? Paffen mir gerade." — „Uff'n Sonntag jeht et schon mal. An'n nächsten? Ja'woll, da kam: ick. Jute Nacht, Exzellenz, und »lischt for nirjut!" * K o r k e r s a tz ans Papierstoff. Daß die Ersatzurittel- JndUstrie sich läiigst über die Greirzen der Kriegführenden hinaus verbreitet hat, ibetveiscu die intmer .wieder auftauchenden Mel-> duugen von neue:: Ersatzmitteln !lud Ersatzprozessen, die im neutralem Ausland entdeckt wurden. Der neueste Ersatz entsta-ud. !oie einer.Mitteilung der „Un:sck?ail" zu entnehmen ist, in Siandi^ navien. In Gotebnrg umrde nämlich von G. Hillerström ein Korkcrsatz erfunden, der aus ungefähr derselben Art Papf-ogoff hergestellt lvird, den man bisher zur Erzeugung von weicher Pappe Venvaudte. Der Papierstvff ü>ird in verschieden breite Streifen^ geichinttm, hierauf iiuit dem neu erfundenen Zusatz verarbeite^ 804 ßnb &u Pfvopssi gerollt. Diese Pfropfen sollen ebensodicht l^clltat ttne die aus Kork und lassen sich, auch nlit dem Korkzieher hebein, Der Preis soll sich aus IS schwedische Kronen für das Lausend stellen. — Gegen die „Bandwurm-Urteile" roendet sich Landgerichtsrat Tr. Sck llhaS iin neuesten öeft der Deutschen «oHniten oritung. Urteile von unmäßiger Länge bei unbedeutenden Gegenständen sind leider in der deutschen Recht >pre chm g eine danftge Er'chstnnng, die l>rt dem Wunsch nach Ersparung von Zeit und Arbeitskraft ini Gerichtsbetriebe in erster Linie verschwinden müßte. So erwacht Dr. Schellhas zwei Urteile eines Oberlandesgerichts ans den letzten Jahren als Beispiele. Der Gegenstand war weder rechtlich noch tatsächlich von irgend Ivelchcr besonderen Bedeutung, uird doch war das eine Urteil 100 Seiten »US und das andere sogar über 25 0 Seiten. „Jedesmal ist sap die Hälfte Darstellung des Tatbestandes in ungeheurer Weit- stchveingreit. Ganze Schreiben und andere Urkunden sind im Wortlaut wiedergegeben, alles Dinge, die in den Akten vorhanden smd, und deren Inl)alt, ebenso wie der ganze Sachverhalt, den Parteien natürlich genau bekannt ist." Also weg mit den Band- wurmurteüen, die für Richter und Volk nur eine Plage sind! -* vlusstellung von Schlachtfeld-Gast^ y o s e n. .ll'.' dre^onderbarste aller bisherigen Kriegsanssiellungen unbedingt die letzt in den Pariser Tuilerien eröffnete Ausstel- lung von Lxblachfeld-Gafthöfen zu bezeichnen, die vorn französischen Touring-Klnb in Szene gesetzt wurde. Dieser Klub, der die Miellen der französischen Fremdenindustrie zusammenfaßt, lw- ichasngt irch schon lange mit den: Gedanken, ivie er auS der' Be^- ^ Cl ‘ rxl*'achtselder nach dem Kriege durch reicf>c Fremde crm besten Geld heraus schlagen könnte Man rechnet vornehmlich mtt den Amerikaneni, die möglichst l>ald die Slchachtselver werden besichtigen Bist len, und verfertigt daher Pläne und Modelle für transportable Schlachfeld-Hotels. Wie der „Gaulois" voll Etolz mrtzuteuen weist, bergen bereits die jetzt ausgestellten Modelle allen erdenklichen Luxus und die raffiniertesten Bequemlich- tkilen, womit rnan das Andenkeii der' gefallenen Franzosen scheinbar am besten zu ehren glcmbt. » französische rr Abgeordneten und der Al - 'kohol. Der Kampf gegen den Alkohol in Frankreich scheint baupt- K? darum io wenig von Erfolg gekrönt zu sein, well selbst die Mehrzahl der Abgeordneten eine nickt zu leugnende Vorliebe für den Genuß von Alkohol empfindet. Als die Kammer nämlich den t derorscken Eritschluß geiaht liattc, sich nrit der Möglichkeit einer Ein- «Nikung des Alkoholgenusses im eigenen Hause zu befassen, beugte sie nach langer Beratung, dah der Alkochlausschank im rlamEaebäude m Zukunft — fiir Gäste verboten sein solle. ' Mitglieder der Kammer dürfen natürlich nach wie vor trinken was und soviel sie wollen « 0 r ' ^bst unter den besten Freunden eines GlaseS «ockd^er durfte es wenige geben, welche die Herkunft dieses AuS- vruäs ^rmen. Er stammt von dem Orte Einbeck im Regierungöt- t»trf Hildesheim. dessen Büre im Mittelalter berüchit waren. rn Ernbock imd ein Bock ist leicht begreiflich. Gchties'l'.ch blreb nur die Bezeichnung „Bock" übrig und diese wurde dann auch von mrdenrn. besonders bayerischen Brauereien, ihren stärker (ivach chnbechck)er Art) cingebrmrten Meren beigelegt. Das M urdiudnch zuerst vor -DO Jahren imck>zuw'isen. Im Gegenstück «um B o ck wurde damals ein schwächer gebrautes und darum Wi ' H bchrndcrs die Jesuiten her»u. stellen pflegten. Garst genannt. v und Balfour im Golf-Wettkampf. Bal- sour. der letzt rn Anrerika die Rcklametronwiel für England rührt ^vori dem neuesten Verbündeteil möglichst viel heraus schlagen Mockte^ versucht navirlrch, lrch im glänzendsten Licht z,i zeigen, und da er ferne grövten Triumphe aus einem der Politik sern- liegenden, dem Engländer aber sehr teuren Gebiete, dein Golf- I* ^t er nach Meldungeil französischer Blätter Präsident Wilwn, der als echter Engtandtreund das Lieblings- -laatsn.änner eberifalls sehr liebt, zu einem Gois-Wcttkampl herausgesordert. Wilior. hat angenommen, und so tverden ioir wohl bald ersahren, wer von den beiden bet denk andern „mehr herausschlägt" — rvenigstons im Golfspiel Die Wildsa«. Viel Feind, viel Ehr, hat die Wildsau gedacht Ilnd ist in die Aecker gefnhrloerkt, Gesenkten Rüssels und ungeschlacht, Wie man jeweils aii der Spur merkt. Hurra die Wildsau! Daun klang das Hifthorn ini Munienwald, Die Treiber schwangen die Knüttel, Schuß! — und am Boden lag das Getier Mit schwärzlichem Borftengeschüttel. Hurra die Wildsau' Geietzt der Fall, statt der Wlldsau toär 1 # ginn Beispiel ein Wildsohn gewesen, Dann lautete anders dieser Vers, Dann würde man ungefähr lesen: Ireund, viel Ehr, hat der Wildsohn gedacht; Mtt Süßholz tat er rricht knmlsern. Doch muten in eitler Frühlingsnacht Begann er sich plötzlich zu mausern. Bi^l Freund, viel Ehr, viel Geschäft, viel Profit, Brel Tmrz um goldene Kälber. Beiin Essen bckomnrt man den Appetit Auf Treibjagd geht er nun selber, Hurra der Wildsohn! Doch gleicht der Wildsohn der Wlldsau, sofern t rt ihrem Treiben und Wandeln ie beide nnt ihrem Mundwerk gern Kultur und Kulturen behandeln. Vöchertisch. n-, "S ^ d u a r d S p ranger, Begabung und Studium. Ler^tg 1917. B. G. Teubner. (99 S.). Diese Schrift des bekannten Leipziger Professors der Philosophie und Pädagogik ist ein tlZertwuer Beitrag für die mich auf uiiscrcn Universitäten ivün-- -^nswerte Reuorienfterung. Tie ivichigsten Fragen, die darin arwett werden, sind etwa folgende: ivelckes ist die Stellung nick Aufgabe der Universität in unserem Volks- und Kultur- jeden: l vorin bestellen Wesen und Hauptarten der wisseuschaft- Ucken Begabung und der Begabungen für die akaderuischn Be- w«' rst es zu erreichen, daß möglichst nur Begabte aus die Hochschule kommen- wie find die Begabungen zu erkennen und Wwerrl / (In diesem Zusammenhang wird auch eine Reform des ^tipendienwe!ens erörtert.) — Die Darlegiuigen SprangerO bekunden ern ftmes Verständnis ft'ir das Wesen der Universität und unserer Kultur und für die Eigenart der geistigen Begabungen. Die Ne.ornivorschläge sind ivohl begriindet und leiten sich in den Greilzen des Crreickü'aren. Besonderen Beifall verdiertt di« Grurchtendenz, Universität wid pvaktifckies Kulturleben in innigste Wechlelbeztekung zu bringen. . - des Maiheftes: Italiens im- perialisttsche Politik. Von Umv.-Prvf. Dr. Alois Meister Der Roy bub. Erzählung von Peter Dörfler. — Das Pvlentum nn deutschen T-enken iurd Dichteil./Bon Prof. Dr. Paul Holz- vcnlsen. — Marie von Ebner -Escheiibaü». Ern Anniversarium von Johannes Mrnubaner. — Briefe eines Okkupationssoldaten Meine Bau,derne: Menschlichkeit. Von Oskar Ä. H Schnütz (Salzburg). — Kritik.- Auch ein .Kriegsbuch. Äon Dr. Anton L. Mauer. Reue Romane. Von Franz Herwig. — Rundsckian- Knegsbetvachtung ftir März. Bodenftage urrd Arbeiternrteresse Carl Hailptnrann. Eine neue Don-Juan-Over. — Unsere Kunsb bcllagen. — Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für LitH- raturfreuiide. Veilag: Egon Fleisck>el & Eo., Berlin W 9 Das 16. Maiheft ist soeben mit fölgendem Inhalt erschienen: Heinrich Zerkaulen: Moderne katholisck)e Liter«turanffassung: C. Tb Kaempf: Die baltische Landschaft in der DichUmg; Oskar Walzel- Wilhelm v. Humboldts Tagebücher: Ferdürand Gregori: Von beiden Burgtheatern: Earl Milller-Rastatt: Neue erzählende Literatur: Hans Heinrich Bockivip: Belgisch? Bibliographen: — Echo der Bühnen — Echo der Zeitungen — Echo der Zeitschriften — Eckw des Auslandes. Bilderrätsel. ‘IßLÄ (Auflöftmg in nächster Nummer.) Auflösung der Steigenmgsscherze in voriger NuMnren 1. Wunde - Wunder: 2 srei-Freier; 3. wagen-Wagner. «chri„l-»un-: Fr. R. dfu. - ZwiNingrrm.ddruck und IS.Buch. u»d S!-indrucker-i. R. Lm,a-. Giebkl