Pechmarie und Hans im Glück. Die Geschichte einer Jugend freundscha st von C. v. D o r n a u. Nachdruck und Ueb-rsetzungSrecht in fremde Sprachen Vorbehalten. (Fortsetzung.) Marie ging nach der Rücksprache mit Mille festen Schrittes zu Fräulein Meta aufs Zimmer. J-hr n>ar so stark und klar und wohlgemut zu Sinn, sie hätte heut' auch schwierigeres fertig gebracht! Fräulein Meta lag in einem Schaukelstuhl, den sie sich aus Maries Zimmerchen herubergeholt hatte, und „schmökerte" in einein Leihbibliotheksbande. Sre sah so erstaunt, so kaltblütig auf, als Marie nach kurzem Mopsen eintrat, oaß sie sicher das allerbeste Gewissen der Welt besaß! Maries Mut sank infolgedessen sofort. „Ich möchte etwas mit Ihnen besprechen — " begann sie unsicher. Fräulein Meta legte höflich das Buch beiseite und bot der Hausherrin gütigst einen Rohrstuhl an. „Es ist nämlich — es handelt sich um eine — eine Veränderung hier im Hause," fuhr Marie nach Atem ringend fort. „Mille, meine alte Mille — wird mich sehr bald —| auf längere Zeit verlassen müssen —" „O!" machte Fräulein Meta höflich-gleichgültig. Sie war viel zu indolent, um Neugier zu empfinden, weshalb und wohin Kamille wohl ging. „Und da werde ich — natürlich bedeutend mehr zu tun haben!" erklärte Marie in immer steigender Verlegenheit. „Die Küche wollte ich ganz und gar selber übernehmen, nur mit Hilfe eines Küchenmädchens — — und da wollte ich Sie fragen —. Ihnen Vorschlägen — Sie bitten, ob Sie mir nicht von jetzt an auch — ein bißchen zur Seite stehen woll- tin? Im Haushalte helfen, meine ich?" „Ich? Ihnen? Im Haushalt?" Fräulein Meta sah so Maßlos hochmütig, so erstaunt aus. daß der arm eh Marie das Blut dunkel zu Kopfe stieg. „Ja, ich dachte — Sie würden es vielleicht — mir zu Gefallen tun mögen!" stottere sie kläglich. „Natürlich — natürlich nicht ohne — entsprechenden Entgelt! Ich — ich könnte Ihnen dann — ja sehr gut — ich müßte Ihnen dann eben — die größere Hälfte Ihrer Pension erlassen, verstehen Sie? Sie brauchen dann nur noch — ein Drittel künftig zu zahlen, sobald Sie sich ein wenig im Hanse nützlich Machen wollten." Frau Meta schwieg noch immer. Sie überlegte. Es blieb schließlich ohne große Bedeutung für sie, ob sie die ganze oder nur die halbe Pensron — oder meinetwegen nur ein Drittel schuldig blieb. — -- Andererseits — wenn sie jetzt nicht zustimmte — wäre Marie — oder vielmehr diese verivünschte Ulte Kamille, denn es war ganz klar, daß sie dahinter steckte — imstande, prompte Zahlung zu verlangen. Und am Ende riß dabei selbst einer Marie Krumpa Geduldsfaden, und der erhabenen Meta ging's nicht besser, als der leichtsinnigen Fiddy Moll. — „Ich erkläre mich einverstanden!" versicherte Fräulein Meta großmütig. „Es wäre unrecht, wenn ich Ihnen, mein« Liebe, nicht gefällig sein sollte! Bestimmen Sie also bitte, welchen Teil Ihrer Pflichten ich übernehmen soll. Vielleicht das Auskunfterteilen an Fremde, die die Pension besichtigen wollen? Es wird sehr lästig für Sie sein, wenn Sie grade in der Küche stecken. Bescheid zu sagen, freie Zimmer zeigen zu müssen, ganz abgesehen davon, daß Sie dann nicht in der angemessenen Toilette sind!" Marie sah das freudig und dankbar ein, und Fräulein Meta übernahm das Amt einer Empfangsdame. Sie füllte es mit wundervoller Würde aus. Es geschah mehrmals, daß Fremde die stattliche Dame für die Besitzerin des Pensionats hielten und sehr erstaunt dreinschauten, wenn zum Schlüsse Fräulein Krumpa in Küchenschürze und Arbeitsdunst erschien. Am dritten September erhielt Hans Jmhoff bereits Antwort. Marie schrieb: m Lieber Hans! Die alte Kamille kommt nächsten Sonnabend zu Dir. Sie will den Posten in Deinem Hause gern übernehmen, und Du kannst ihr unbesorgt alles anvertrguen: Sie ist die treueste, ehrlichste, zuverlässigste Seele in der Welt. Alles weitere besprichst Du wohl am besten mit ihr selber. Es grüßt Dich Deine Marie Krumpa. Das tiefgerührte, sehr herzliche Dankesschreiben Hans Jmhoffs enthielt u. a. die Behauptung, in einer Sache irre sich Marie doch: Nicht die alte Mille, sondern ganz wer anders sei „die treueste, zuverlässigste Seele in der Welt". Mitte September kam er selber. Er hatte versäumt, seinen Besuch anzumelden, und traf Marie nicht zu Hause an. Sie brachte eine jugendliche Pensionärin zur Bahn, was eigentlich Meta Stilbings Ausgabe gewesen wäre — aber der war das Wetter zu schlecht gewesen. Sie hatte behauptet, erkältet zu sein. Es regnete so garstig. Marie brachte also statt ihrer den abreisenden Gast fort, und Fräulein Meta trug den geliebten Schaukelstuhl ins allgemeine Wohnzimmer, auch „Salon" genannt, hinüber und hielt ungestörte Nachmittagsruhe. Marie uub ihr Schützling hatten gleich nach dem Mittagessen fortgemußt. Gerade, als Fräulein Meta fand, es sei nun wohl bald Zeit, daß Marie zurückkehre und sich um den Kaffee bekümmere — gerade in dem Augenblick schellte Hans Jmhoff. Auf seine Frage nach Fräulein Krumpa wurde er von dem kleinen Hausmädchen ohne weiteres in den Salon und zu Fräulein Meta geführt. Und von der erst sehr statiös ein bißchen von oben herab, dann aber, sobald er sich als Marie Krumpas Jugendfreund vorgestellt, mit gewinnender Liebenswürdigkeit empfangen. Man macht sich ja nach brieflichen oder mündlichen Be schreibungen oft ein gänzlich falsches Bild von einem Men- 190 schen. Hans hatte nach einigen Wendungen in Maries Briefen, noch viel mehr aber nach einer vernichterrden Urteils- äußerung Kamilles, Fräulein Stilling für ein höchst preten- tiöses, unangenehmes, älteres Fräulein gehalten, dem mit Vorsicht aus bcirt Wege zu gehen sei. Nun tras er zu seiner Ueberraschung eine durchaus nicht häßliche oder ältliche Person an, Fräulein Meta hatte sich auffallend gut „konserviert", wie der technische Ausdruck heißt — die gute Verpflegung, das sorglose Leben, die sie seit einem Jahre genoß, trugen ihr Teil dazu bei, sie &og sich sehr gut an, sie hatte auffallend schöne, sehr weiße und wohlgepflegte Hände und ein Paar prachtvoller, dunkler, nur etwas gar zu runder und hervorstechender Augen — „Kuhcrugen" sagte Mitte respektwidrig und ahnte doch nichts von Homers „kuhäugiger Juno/". Also Hans war angenehm überrascht durch die äußere Erscheinung der „Empfangsdame"', und ihre vornehme Ruhe, ihre sichere Klarheit wirkten wohltuend aus ihn ein, der von ärgerlichen und widerwärtigen Geschäftsbesuchen herkam. ?lls die heimgekehrte Marie ahnungslos den Salon betrat, saßen Hans und Fräulein Meta sich in freundschaftlicher Unbefangenheit gegenüber und plauderten behaglich. Sie blieb stehen, sobald sie ihn erkannte — sie wurde leichenblaß, uno ein leichter Flor schien sich auf ihre Augen zu senken, da war er schon aufgesprungen, mit frohem Ausruf auf sie zugetreten, uird seine lebenswarmen Finger umschlossen kräftig ihre eiskalten Hände. „Liebe, alte Marie!" wiederholte er. Da brach sie in heiße Tränen aus. „O, Hans, Haus!, daß ich dich so Wiedersehen muß!" schluchzte sie auf. Er war selbst bewegt — aber ihre haltlose Weichheit, noch dazu in Gegenwart einer Fremden, berührte ihn unangenehm. Er machte sich fast verlegen von ihren Händen frei und trat unwillkürlich einen Schritt zurück. „O, es geht mir gut, liebe Marie — sehr gut sogar!"- versicherte er ausweichend. „Nachdem ich durch deine Güte alles so wohl geordnet weiß in meinem Hause-Mille läßt grüßen. Sie hat sich bereits völlig eingelebt. Sie tyrannisiert das ganze Haus, und dein ganzen Hause geht's wohl dabei!" Und er sah sich fast schelmisch nach Fräulein Meta um. denn ihm fiel in diesem Augenblick ein, wie Mille die Schate ihres Zornes über die „plastische Empfangsdame", so nannte er sie innerlich selber, ausgegossen hatte. Fräulein Meta lächelte zufrieden zurück, sie ahnte ja s-ine Gedcknken nicht, und so blieb ihr schönes Seelengleich'- r^cLß ungetrübt. Marie staird enttäuscht, im tiefsten Herzen Äcrletzt, bis zur Bewußtlosigkeit erkältet, daneben- Wie jo ganz anders hatte sie sich dies erste Wiedersehen ausgemalt! Wie innig und liebevoll hatte sie zu ihm von semem armen, jungen Weibe, seinem Kinde reden wollen' ^B'Hbrz lvar brs zum Ueberfließen voll von Mitgefühl, von Mitihmleiden angefüllt gewcseii. Und iiun ging er mit ein paar gleichgültigen, oberflächlichen Scherzworten über alles hinweg. —' Daß die Meta daran schuld seili könnte, die steif und unerschuttert un Zimmer blieb, der Gedanke wiirde von ihr als ungerecht rasch zurückgewiesen. Sie empfand jetzt deutlich: vrel airders wäre diese Wiederbegegnung auch nicht ge- worden, werin sre allein geweseii wären. Und da war's Ade ganz gut, daß man sie nicht allein ließ. Nun hals ryr Stolz die Enttäuschung zu überwinden. Was hatte sie eigentlich erwartet? Daß er Tränen vergießeir würde, wie sie? Daß er in weichliche Klagen, in gefühlvolle Betrachtun- A^.^ch-'.drechen würde? Maries immer wache, herbe Selbsten trieb sie zur Selbstverspottung. Sie fand sich mit einem Schlage unglaublich lächerlich. ' J „Na, denn will ich uns nur vor allen Dingen Kaffee r U ^"kst doch machen mit, nicht wahr?'" sagte sie plötzlich laitt m bie Unterhaltung der beiden anderen & Und als Hans dankend ablehn?n wollte f^nd sie dÜ ^ , r ! j5 er knappen, energischen Art zuzureden: 7 .^wache, dii blnbstund trinkst mit der versammelten Weiblichkeit Kaffee bestimintr sie stirnrnnzelnd. „Du mußt doch meine ganze Menagerie kennen lernen!" ö ' Sie lief davon ohne aus seinen Protest Mcksicht zu nehmen, und ihm blieb nun gar nichts weiter übrig, als in ^bsellschast der „plastischen lÄnpfangsdame" zu warten, bis der Kafsess und das weibliche Kränzchen fertig waren. „Dagegen kann man nicht an!" sagte er zu Fräulein Meta. Und Fräulein Meta senkte den Blick auf ihre schönen Hände. Sie fand es sehr nett von Marie, sie mit dent „interessanten jungen Dichter" allein zu lassen. Dankbar gedachte sie in diesem Augenblick Maries sonstiger Vorzüge^ „Fräulein Krrnnpa ist außerordentlich tüchtig und tatkräftig!" erklärte sie liebenswürdig. „O ja, gewiß!" versetzte Haus. Er konnte wahrhaftig nichts dafür, daß das etwas gedehnt klang. Er hatte sich vas Wiedersehen mit der guten, alten Marie, der er so innig dankbar war, eben auch ein bißchen anders, ein bißchen gemütlicher vorgestellt. Schade! So ein prächtiger Kerl, wie sie im Grunde war. Was konnte sie dafür, daß die Grazien vergessen hatten, an ihrer Wiege Pate zu stehen? In der Speisekammer lehnte unterdes Marie mit der Stirn an der Tür des Vorratsschrankes, wollte Kaffee herausgeben uub konnte doch weder Schlüssel noch Schlüsselloch finden, weil ihr die Tränen gar zu stürmisch ans den dunklen Augen tropften! (Fortsetzung folgt.) Lein lrtzte- Lied. Von Martha Jankowski. (Nack-druck verboten). Daheim — daheim! Fn tiefen, durstigen Zügen schlürfte der Hannes Berghoff tue würzige Heimatlust. O, gab es beim wirklich noch irgendwo auf Erden solch eine märcheustille Nacht — solch euren tranmlusten Frieden! Tie l)ohe, sehirige Gestalt des Birrschen reckte ,ch höl>er. Heimat — Heünat! und volle vierzehn Tage sollte er das rmn genießen — das >war ja eine Ewigkeit! Aber gut amvenden rvollte er sie auch — eine selige Etoigkeck sollte das loerden! . Der frische, draufgängerische VLut des Bursck-en stieg schon wieder hock) rn ihm -— der helle, lacheirde Uebermut, der da draußen den Kameraden fast ebenso lieb und unentbehrlich lvar, wie das taglickx, Brot! M "L?^ber auf die Sonne verzichten, nur nicht auf Hannes Berghofss sonnigen Humor", so ging die Rede unter Kanreraden und Vorgesetzten. Aber diesmal hatte, sich der Hannes nicht halten lassen — durck, alle kameradick-astlrck-e Liebe mW Treue -nickst —, zu mächtig zog es rhn diesmal heim. „Gefreit sollte ja werden!" Jedem, der's Horen ivollte auf der langeir Bahnstchrt, erzählte es der glückstrahlende Bursch. ^Und nun war er — nach länger denn .einenr Jahr Trmrßen- -euw — heute abend m der Heimat angekommerr — ganz spät — aber beim <-u^delbauer hatte er doch glech vovgespwck-en. Und da hatte er neberr der —rsbctha «rtzten dürfen — neben der L'sbc ha dre r.i drer ivagen sein Weib loerden sollte! Immer hatte er' ne ansckMuen mupen. Er! Daß es nach so etivas Liebes, Sanftes gab aus der Erde — solch eine süße Milde! Uird an manche arme Leele da draußen l-atte der Hannes Becghoff denken müssen ^ dar» taglrck>e grauenvolle Erleben müd' und tmmd gerrsserr ruhig, ihr! In der Heimat, da fließt ein Born, ein heiliger Born, imd ^oem cs ans dem zu trinken vergönnt ist, der vnrd strll, ganz still, dem heilen alle Wunden der Seele, und wären sre noch so tref und schwer. Gerne eigene Seele war stark, gleich seinen: Körper, die hielt den schrecken da, draußen scharr stand, aber trotzdem l-atte mich er be: der Lrsbetlxr zartem Kosen gemeirrt, gerades oegs aus dem d^egefauer rns Himnrelsparadies versetzt worden bleibm ^ -durfte er nun irr den: Himmelsparadies Einen hellen klingenden Juchzer sandte der Verliebte in die nachtrge Stille. Ern lerses Echo arrtwortete ihn: Na mrn, noch ein Nachtwandler? Ach, das komrte ja nur der Friede! sein, sein liebster Schuld Lehrer des Heinratdörstliens — der F-riedel. der ore Nacht so lrebte^rrnd die ihnr diese Liebe vergalt {$*“ l le «ne ine süßen Melodien znflüsterte, die « dann *A •*»“** *»* Herrliche schüttelten sich die Freunde die Hand. hast du für Auszeichnungen! Das Drus ijt voÄ von deinem Ruhm, und nicksts hast du davon tvir doppelt stolz auf dich sein, du Held'" kachelnd vnnkte Hannes ab. ■ ^ gut fein, Friede!, Weißt, ein bisse! G!ück l^b' ich ha!t Erbt und dann, mr ia, die Kraft'" Höher reckte sich b« Prächtige, rassige Gestalt des Urlaubers. SOUS Blick den schmächtigen,- F^nncheS. Nern, solche konnte man ba draußen nnm vrannvn rn der mamrernwrdeuden Schlacht. Weiches Mitleid 191 tattr in seiner Stintme, als er den Friedel fragte: „Und die Brust, Uehl's mit der besser?" Bekümmeist verneinte der: „Nein, immer schlechter kvird's. Daruin wollen sie mich ja auch nicht nehmen. Und ich wär' auch Ao gerne, so sehr gerne dabei!" „9to, laß gart sein, Sllter," tröstete der gutmütige Hannes. G,War brauchen doch auch hier in der Heimat Männer. Must halt jeder seine Pflicht tun — der eine hier, der andere da! Für mich ist s übrigens noch ein persönliches Glück, daß sie dich nicht genommen haben," setzte er lächelnd hinzu, „hättest mir schön gefehlt auf meuter Hochzeit!" „Hochzeit -— bat, Hannes? Davon tveiß ich ja -noch gar nichts," erstaunt blickte Friede! den Freund an. Plötzlich aber trat ein banges Fragen in die wunderschönen Augen des' jungen Lehrers, Augen, in denen eine große, gute Menschenseele sich barg. „Ja, wen, wen willst du denn freien?" fragte er leise, «mm die Angst vor der nächsten Minute verbergend. „Die Lisbetha, des -R>.>delbauLru Aclteste, die SckMste, die Fernste von allen!" jubelte Hannes. Nun der Schlag gefallen, schien Friede! ruhiger zu werden. Vermessen war es, sich neben solch erneu Nebenbuhler — auch nur in Gedanken — zu stellen! Und doch wollte es das arme Herz tuxIj immer nicht fassen; der Hannes, bet übermütige, lustige Bursch, und die sanfte, sinnige Lisbeth! Aber der Hannes hatte es gesagt, und so nmßte es wahr sein. Ruhig glaube er zu sein, der Friede!, und merkte gar nicht, das; große, schioere Tropfen ans seinen Wlgcn fielen, hart und schwer — als sagte jede: Für dich gibt's frht Glück, kein Glück! . Aber auch Hannes ruerkte nichts von des Freundes Verstörtheit, vrel zu fest hatte ihn seine Liebe im Bann. Still, jeder seinen Ge- daacken nachhängend, schritten sie jetzt dem schlafenden Dorfe zu, und des Freundes bittende Worte: „Zur Hochzeit spielst mir doch, Fraedel, gelt?" begleiteten den jungen Lehrer in sein Heim — liegen ihn nicht los. Nun iwar er da, Hannes Berghofers seligster Tag! Tie Hochzeitsfröhlichikeit hatte ihren Höhepunkt erreicht, da bat Hannes den Friedel um das versprochene Lied. .. . Nun ivar es aber ein eigenes, wenn der Friedel spielte. Tae Böglern schienen bei seinem Spiel *u lauschen und von ihm lernen zu wollen den wunderbar süßen Klang. Die Menschen aber sahen beim Singen seiner Geige in die Ferne. Bald selig jubelnd, bald sckiwermütig war ihr Blick, und ilmen war's, als öffnete sich bet Frredels Spiel ein weites, weites Tor und gewährte ihnen Einblick in ein sonst verschlossenes Paradies. Hatte er geendet, daun blickten sie sich loohl scheu an!und schlichen hinaus, um draußen ihre Tränen $u verbergen. Und heute libertraf Friedel sich selbst. So süß und bang hatte noch me seme Geige geschluchzt, hastig Mick>en sich die ersten hinaus, die Männer, um draußen ihre Tränen zu verbergen, ler, e ^vernend folgten die Frauen. J-riedel aber spielte, spielte. Schwere Tropfen standen ans ferner todblassen &t\m. Die schwache Brust keuchte, das arme, krauke ve^ Yog m vasenden Schlägen. Er merkte es nicht, und die beiden Glücklichen dort drüben im Ehreneck merkten es auch nicht. Ihnen waren diese süssen Töne nur eine weich schmeichelnde Begleitung zu ihreni heimlichen, zärtlichen Kosen. Aber eine andere sah es, Marie, Lisbethas junge Sck)wesder. Kern Auge ließ sie von ihnr. Endlich litt es sie nicht länger, leise schlich sie zu chm herüber und legte battend die Hmid auf seinen Arm: „Hör auf, Friedel, hör aus!" Fremd irrte sein Blick an dem Mädchen vorbei, das noch heißer bat: „Hör auf, hör auf — du geigst dir ja das Herz aus der Brust!" Da blieb sein Blick wie erwachend in Mariens Augen hangen, und er sah dann all die heiße Angst-, die sie um ihn litt Em lnses, Wehes Lächeln trgt in Friedels dunkle Augen — da hatte ;a das Glück auch auf seinem Wege gestanden, und er hatte es mcht bemerkt. Ganz weich Ivar seine Stimme, als er sich zu dem Mädchen wandte: ,,Laß, Manc, mrr noch ein Lied, das letzte Lied'" Noch inmger sang die Geige. Marie war's, als ob sie vor thrern Herrgott stände und der Chor der Seligen sie umschmeichele. Da, ein läher Klang, der junge Geiger "wankte und fiel schwer m des Mädchens Arme. Entsetzt eilten die Neuvennähltm herbei; die Dochzntsgäste, alles wollte helfen. Doch traurig schüttelte Marie ben Kopf — hier gab es nichts mehr AU helfen. Friede! hatte, wie er vorhin selbst gesagt, sein letztes Lied gespielt.! ö)fc unsere Vorfahren den Zucker kennen lernten. Von Dr. Johannes Kleinpauk. und Zeidler (Süddeutschland) zu Genossenschaften zusammen; die zum Teil bis m verhältnismäßig späte Jahrhunderte fortlebten. Im Jahre lo98 gab beispielsweise die Zeidlergesellschaft zu Görlitz noch ihr Zeidlerrecht heraus, und im „Lorenter Reichswald" blieben die Verhältnisse der alten Bienenväter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestehen- noch vom Jahre 1799 datiert ein Bericht über das letzte zu Feucht, eiuem Orte bei Nüruberg, abgehaltene kaiserliche Zeidlerrecht. Die Zeidelgüter wurden nach Lehnsreckst verliehen und ihre Abgaben bestanden natürlich ans Wachs und Honig. Später wurde daraus „Wachs- und Honiggelb". Wie 'hoch die Bienenpflege ans allen diesen Gründen bei unseren Vorfahren in Ansehen stand, beweist der außerordentliche Schutz, den die Bienen Mid Beuten i'cherall genossen; wer Honig verfälschte, wurde mir dem Tode bedroht! Anderseits sick>erte ein Tropfen Honig den Kindern das Leben, — in jener frühen Vorzeit, als die Neugeborenen noch von der Aussetzung bedroht waren, so lange sie noch nichts genossen hatten. .." Der Zucker wurde bei uns zugrst durch die Kreuzzüge bekannt. In der Gegend von Tripoli fanden die Kreuzfahrer das Zuckerrohr. das ße bezeichneriderweise zuerst „Houigrohr" (canna mellis) nannten. Infolge der Umständlichkeiten des weiten Versands war der Zucker aber lange so anßer-ordentlich teuer, daß er als Volksnahnmgs'mittel, überhaupt nicht in Frage kam. Im 13. und 14. Jahrhundert kostete der Zentrier Zucker auf unfern größten Märkten nach imserm Gelbe 800 bis 1000 Mk. Zu Anfang des zahlte man in Danzig für ein Pfund Zucker 5 Mk.., und in Wien sogar 7 Mk.; im Jahre 1540 kostete das Pftlnd in Freiburg 6,50 Mk., im Jahre 1540 in Lüneburg und in Nürnberg 4,50 Mk. Noch vor hundert Jahren, während dee Kontinentalsperre gegen Errgland, kostete, das Pfund Zucker in Hamburg 6 Mk., und im Binnenlande mußte vielfach das Doppelte dafür gezahlt werden; damals wurde er, weil der Seeweg verschlossen war, von Griechenland her mit Tragtieren und Fragen auf Dem Landwege durch Serbien und Ungarn nach Deutschland eingeschmuggelt. Infolge dieser Verhältnisse lerntcai die Minderbemittelten den Zucker bis in die rieneste Zeit eigentlich nur als Arzenei oder sonstige Apothekerware kennen. In den Mittelalter- lick-cn Apotheken fand der Zucker — wie früher der Honig — cirif so ans gebreitete Verivendung, daß das Sprichwort auskam: Ohne Zucker, Wachs und Wein Kann man kein Apotheker sein. Für ttnd wider alles mögliche sollte er angeblich helfen, sogar den Ranch von, gebranntem Zucker sollte man gegen den Schnupfen oder „Naßpfnnfel" in die Nase gehen lassen. Am liebsten aber und am allgemeinsten genoß man ihn auf gewöhnliche Weise, da denn die Apotheker die wundersamsten und wirksamsten Formen als Penid- oder Gerstenzucker, Rvsenzucker, Zitronenzucker und Violen zu cker l)erzu stellen verstanden. Ein rechter Apotheker war eben gleichzeitig Konditor, und vielfach kamen die Pillendreher der 192 {juteit alten Zeit tiBerfymfrt vom Zuckerbäckcrgcwerbe her. So bmrde im Jahre 1484 die älteste Apotheke in Dresden, die Marienapothcke am Altmarkt, die heute noch besteht, vom Landes- Herrn als solche „befreit" (privilegiert), nachdem sie vorher "schon lange ein Krämerladen .gelvefen war, wv uum Saffran, Wachs und Honig faulen konnte. Unb zum Schuhe der bereits im Jahre 1294 (bald nach Grüickmna der Stadt entstandenen Freiberger Apotheke (der ältesten in Sachsen) verordnete iml Jahre 1475 der Rat, „daß Niemand Eonfect und andere Wahren, die in die Apotheke gehören, verkaufen solle, ohne in. Jahrmärkten und Massen: WüczL möge der Apotheker verSaufeu wie andere Krämer, hingegen aber soll cr die Stadt mit Siegekwachs und Dinten frei halten, soviel der Rat bedarf". Noch im Jalpre 1559 beschwerte sich die Witwe des älteren (früheren) Dresdener Apothekers Barthels, daß sich Joh. Lißbcrger (irgend ein imangenehmer Konkurrent) unterstehe „Confection, geworfenen Zucker und anders, so Inn ebner Apotheke gehörig, zu machen und seil zu haben", und der Kurfürst „Vater August" befahl durch Reskript vom 3. Februar, es ihm tvegzn- nechmen. Konditoreien gab es also damals noch nicht. In Dresden Entstand auch die erste Zuckersieoerei ans deutschem Boden. Mrt dieser Gründrmg ging es, ivie fast bei allem Neuen, nrcht ohne Schßoieriakieiten ab. Diese hier aber ivarcn besonders seltsamer Art. Im Jahve 1586 erwarb eine unternehmende Frau Barbara Rauscherin *u Dresdeir ein Privilegium auf sechs Jahre, Zucker zu sieden. Nach Ablauf dieser Zeit suckle sie um Erneuerung nach. Doch da glaubte der Rat zu Leipzig, das wäre wider sein Stapelrecht, Und suchte es zu hintertveiben. Der Kurfürst ernentL zwar das Privileg wieder, aber mit der Einschränkung, daß sie dasselbe bescheiden ttüh und also gebrauche, daß dadurch der Stadt Leipzig nichts nachteiliges -ugefügt wsroe; vielmehr soll sie den! Zucker, so zu Dresden raffiniert und gut gemacht wird, anherd Tiach Leipzig) zur Niederlage die drei Märkte (Messen) zu verschaffen schuldig sein, alsdann mag sie ihres besten Gefallens denselben, wohin sie will, vorhanden. Auch das Mehl, rvoraus dckr> Zucker gesotten wird, soll sie nicht, auf der Elbe (!) heranffübreu lassen". — Man versagte also dieser unternehmungslustigen sächsischen Untertanin sogar den Vorteil des bequemen und bllligen Elbhandelsverkehrs! — Das „Raffinieren" des Zuckers in den alten Zuckersiedereien geschah um deswillen, weil der Rohrzucker nach Europa in ungereinigtem Zustande gelangte, und es ging in oer Weise vor sich, daß man ihn durch Erhitzen flüssig machte mrd in schmale Gefäße füllte, die unten spitz zuliefen. Die unreinen Bestandteile der Masse sammelten sich in der Spitze der Gefäße an; man öffnete dann ctnen dort befindlichen Hahn und ließ den Bodensatz ablanfen, bis ganz reiner Zucker znm Vorschein kam. Nach dem Erkatten und Festwerden hatte der Zucker die spitz zulan sende Form, die zu der Bezeichnung „Zuckerhut" Anlaß gegeben hat. vermischte». ?— (Sin Mufterftaat int Tierreiche. Die Kunst der ^osÄeubildung ist bekanntlich nicht nur unter den Menschen, sorr- krrn auch bei den Tieren verbreitet. Regelrechte Staatswesen tst Msterem Sinne gibt eS abberdiugs nur in der Welt der Insekten, iow zwar sind hier Hummel-, Wespen-, Bieiren-, Ameisen- und Termitenstaaten bekannt. Diese Tierstaaten, von sog. sozialen Insekten gebildet, sind besonders psychologisch für den Müffchen interessant, da man bei ihnen in mannigfacher Beziehung die Gewohnheiten und Gesetze beobachten kann, die auch unser Gesellschaftsleben beherrschen. Da die Staatsmaschine der sozialen Insekten aber viel einfacher ist und bedeutend ruhiger uno sicherer ar- bcitet als die der Menschen, läßt sie sich in ihren Einzelheiten mit ziemlicher, Genauigkeit fest stellen. Das am wenigsten ausgebildcte Staatswesen besitzen die Humnreln, ein« Where Stufe nehmen bereits die Wespen ein, hieraus folgen die Bienen unb Ameisen, die unstreitig höchste Entwicklung der StaatSsorm aber wurde von den Termiten erreicht. Nach den Forschungen des Münchener Pro- fesiors K. Escherich. rÄrer die Dr. phil. O. Damm im Prometheus aau» neuartige Mitteilungen macht hat man bei den Termiten! sozusagen den Musterstaat im Tierreiche «ußTedeckt. Vvrbemerkt sei, daß die Termiten nicht, wie hcvrfig angenommen, mit den Ameisen verwandt sind, sondern vielmehr zur Familie der niedrigst orga-i nisierten Insekten, etiua zu den bei nuS bekannten Küchenschaben, dre meisten Aehnlichkeiteii aufweisen. Wenn man den Bau eines Termitenstaates — z. B. der TermeS bellicosuS — vor Beginn der Reaenzeit untersucht, findet nnm darin sechs verschiedene Formen, pno zwar erstens das königliche Paar, zrveitenS geflügelte Tiere, drittens die in der überwiegenden Mehrheit vorkonrmendeil Arbeiter, viertens große Soldaten, fünftens fBeirte Soldaten lutb sechstens die Jngendstadien. UebrigenS ist die Zusanrntensetzung bei den einzelnen Termitenstaaten verschiedtN und hängt auch von der Zeit ab. Derselbe Termitenbou enthält in der Trockenzeit z. B. »eine geflügelten Tiere. Bei arideren Termitenarben findet man mir eine Art von Soldaten, oder auch gar keine oder auch wiederum! drei verschriene Soldatengruppem Die hvchstorganisierte Art hat natürlich auch die ausgeprägteste Kastenbildnng. Das königlich« Paar und die Geflügelten sind als die eigerttlicben Fortpslanzungs-' tiere des Staatstvesens zu betrachte::. Der .König und die Königin haben nach dem Hochzeitsfluge die Flügel durch Selbstverstümnre- lung verloren. Die Königin ist ausschließlich da, um für den ganzen Stamm das Geschäft des Eierlegens zu besorgen. Eine Königin allein vermag die Staatseinwohnerschaff aus Huirderttausende^ elbst ans Millionen zu vermehren. Im Gegensatz zu anderen ta-otsbildenden Jnsetterr bleibt der König auch nach dem Hochzeitsluge Om Leben. Gleich dem Königspaar sind auch die geflügelten! Trere beträchtlich größer als die übrigen Stzaatsmitglioder, da dis Arbeiter- und Soldatenttuppen sich ans verkümmerten Tieren zusammen setzen. Im Gegensatz zu den Bienen und Ameiserr gehören der Arbeiterklasse nickst mir Weibchen, sondern auch Männchen am Die Arbeit selbst ist anßerordeirtttch vrelartig. Tie Hauptarbeiten! sind Nestbau, Herbeisck-affen der Nalstuug, Fütterung und Neint- ynttg des königlichen Paares und der Soldaten, Reinhalten der Wohnungen, Pflege der Brut nsw. Tie zur Verteidigung des Staates berufenen Soldaten sind sozusagen l)ochspezialisterte Arbeiter mit besonderer Ausbildung des Mopses und der Mnndteila. Man unterscheidet die twruralgebmtten Soldaten mit stark entwickelten, langen und oft phantastisch gekrümmten Kiefern, und die sog. Nasuti mit retortenförmig ausgezogenem' Kopf. Bet den einen werden die Kiefer als Waffe benützt, bei den andern sondert der nasenförnrige Fortsatz des Kopfes ein klebriges Sekret ab. das durch seine ätzende Wirkung als Kampfmittel gebraucht wird. Bezeichnend für das Organisationstalent der Termiten ist der heute besonders interessierende Umstand, daß sie auch Über eine regelrechte Nahrungsmittelorganisation verfügen. Ein Teil der cnffgerwmme- nen Stoffe wird als verarbeitete Nahrung hur Fütterung der zahlreichen Larven verwendet. Besonders wichtig bet der Ernährungs- srage ist die Zuckst gewisser Pilzarten, Zu diesem Zweck stellen die Termiten schfvamm artige Körper, die „Pilzknchen" her, lvelche! sozusagen als Mistbeete dieneir Sie bestehen cms Holz, sind mtti Poren übersat, die zu labyrintharttg geimcndenen Gängen führen, und ihr Gerüst wird vott dem Fadeng esl eckst des Pilzes durchwuchert. Wie hoch eitttvickelt die Termiten sind, kann man an dem Abbeißen der Unkräuter erkennen, so daß sie auch eine regelrechte gärtnerisckn Tätigkeit zur Schaffung ihrer NahrungsNiittelvorräte ansüben. (Aus der Zeitung der 10. Armee.) * Im Eifer. Der Leutnant verläßt den Exerzierplatz und befiehlt dem aufficht haben den (Feldwebel: „Also um ^/z12 Uhr lassen Sie einrücken.." Doch der hat seine Uhr im Oluartier gÄ lassen Und meldet das dem.Leutnant. Antwort: , 9lber, mein lieber! Feldwebel, nichts einfacher als das. Die Fabrik da drüben pfeift Um 12 Uhr, ha geh'n Sie eben eine halbe Stunde vorher los," * Auch ein Erfolg der amerikanischen Kriegserklärung. Der erste Grfolg der amerikanischen Kriegsevt klärung bestand darin, daß die Verkäufer alter Dokumente wieder effimal ans ihre Kosten komnren. In Paris und London wird ge^eu-i wärtig wilde Jagd aus die Autographen historischer amerikanffcher Persönlichkeiten gemacht, und die Preise steigen von Tag zu Lag.- < Eo wurden jetzt, wie der Gaulois berichtet, für eine Anzahl Briese von Benjamin Franklin, die auf den UnabhLnaigkeitskrieg Bezug haben, in London nicht weniger als 16 250 Mark bezahlt. VÜchertisch. — Bongs illustrierte Kriegsgeschichte. Der Krieg 1914/17 in Wort und Bild das 124. bis 126. Heft (Preis je 30 Psg.) Deutsches Verlags haus Bong L Co., Berlin W. bl, Potsdamer Straße 83. -— Der Bölkerkrieg, Hefte 121 und 122 (Herausgeber Dr. C. H. Baer, Verlag Julius Hoffmann in Stuttgart) weisen außerott»entlich reichen Jirhalt auf. Magisches Dreieck. A B D D K E E I M M N N 0 0 S Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart einzutragen. daß die vorderste senkrechte Reihe einen wichtigen Kriegsschauplatz benennt c«nd die wagerechten Reihen bedeuten: 1. Konsonanz 3. rätselhaft, vielumstrtttene Naturkraft, 3. Zeitabschnitt, 4. Himmelskörper, 5. Bodeniorm (Auflösung in nächster Nummer.) Lhlflösnng des AbftrichrLtfels in voriger Nummer. Verstand, Acht, März, Halsterry Ur. Born, Note, Kram, Siegel. Verschärfter U-Boot-Krieg. Pchrisllettung: Fr. R. Zenz. - Zwiliingsrnnddruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Stetndruckerei. R. Lange, Gießen.