Pechmarie und Hans im Glück. Die Geschick) t" einer Jugendfreundschaft von E. v. Dornau. Nachdruck und Uebersetzungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten. (Fortsetzung.) Dies war nun sein Schicksal. Der Weg, den Hans, der tapfere Kämpfer, der Sieghoffende —- Hans im Glück! — gehen mutzte. Ein Dornenweg, mit einer Kette am Fuße. Einer Kette, so schwer, so schwer, daß er fast daran verzweifelte, sie tragen — ertragen zu können. — Mer das durfte nicht sein. So feige durfte er nicht sein. Er würde sein Geschick meistern, den Leidensweg dieser Ehe gehen mit Mcrmiesmnt. mit männlichem Erbarmen. Er durste seinen Jammer dies junge Wesen, das er zu seinem Weibe gemacht, nicht entgelten lassen. Es war ja nicht ihre Schuld, daß er sich so furchtbar getäuscht hatte. Sein die Schuld, sein die Lust. Nun saß es weinend in einer Ecke, das arme, schwache, verschüchterte Püppchen mit dem Vogel Hirn, mit dem leeren Herzen, und grämte fich und wußte gar nicht, was es eigentlich begangen hatte. — —' Es war feilte Pflicht, sogleich zu ihr hinüberzugehen, sie tröstend und beruhigend in seine Arme zu nehmen, ernst- sreMi blich zu ihr zu reden — den Versuch wenigstens zu machen, das irre Seelchen zu sich emporzuziehen. — Er trat in den Flur hinaus — kein Laut aus dem Eßzimmer! Unten im Hause sang die treue Amme seinem Kindchen ein Wiegenlied. Um seines Kindes willen mußte er Geduld üben, unerschöpfliche Geduld —> urrd weise und tapfer, uiid milde zugleich sein. Er öffnete geräuschlos die Tür. Spähte mit bangem Zagen hinein — fuhr zurück — trat über die Schwelle — mit raschen, lautlosen Schritten hinter seiner Frau ans offene Mittelfenster. —- Sie lag mit beiden Armen auf dem Fensterbrett ausgestützt, weit hinausgebogen, trotz des schneidenden Nordost, der ihr gerade ins Gesicht blies, und lachte — und lachte — Er prallte bis zum Tisch zurück, stieß an einen Stuhl — sie fuhr herum und winkte ihn lachend näher: „O! Komm! Sieh'" rief sie freudig erregt. „Da unten — da liegt der alte Nachtwächter Hausse — betrunken, total betrunken — am hellen, lichten Tage! Er ist grad' vor unserm Hause hingesallen und versucht schon feit fünf Minuten vergebens, wieder auf die Füße zu kommen. Es sieht zn drollig aus — alle Nachbarskinder stehen um ihn herum und johlen vor Vergnügen." Sie war auch nur ein Kind — ein unerzogenes, ungebildetes Kind.-Er faßte sanft ihre Hand, zog sie in das schützende Innere des Zimmers zurück und schloß dann rasch beide Fensterflügel. „Oh Kind," sagte er freundlich) mahnend, „wie unverständig von dir! Du wirst dich erkältet Haben, so erhitzt, wie du bist vom Lachen! Ueberhauvt sollst du mir nicht länger in diesem sonnenlosen Zimmer Hausen — wir werden umräu- men — was meinst du dazu? Das Eßzimmer nach drüben verlegen, und deine schöne Putzstube nach hierher — ist da- nicht ein geradezu großartiger Einsall?" * Marie kam erst am Vormittag des Tauftages. Sie hatte sich lauge niä)t entschließen können, ob sie der Einladung überhaupt folgen sollte oder lieber die Unmöglichkeit, ihr Pensionat ein paar Tage zu verlassen, vorzuschützen, — ^— — das das eben doch eine bewußte Unwahrheit gewesen wäre, bestimmte sie schließlich zur Reise. Sie schrieb Hans Jnrhoff erst am Tage vorher, daß und wann sie kommen würde. — Nun mußte cm Versehen vorliegen — oder man hatte ihr die verspätete Zusage übelgenommen — jedenfalls war niemand an der Bahn, um sie in Empfang zu nehmen. Und sie hatte doch im stillen auf diesen Weg mit Hans Jmhoff gerechnet, als auf das einzige, was chr Freude bereiten konnte an diesem Tage-denn sonst war ein starker Widerwille in ihr gegen diese ganze Klein-Kinder- und häusliche Glück-Atmosphäre. — Ein häßliches Gefühl, dessen sie nicht Herr zu werden vermochte! Jetzt wäre sie am liebsten gleich wieder nach Berlin zurückgefahren. Torheit! Sie nahm statt dessen einen Wagen, den sie zufällig leer auf der Station fand, und fuhr allein nach Hans Jmhoffs Haus. Es lag im vollen, strahlenden Frühlingssonnenlicht. Der erste schöne Tag nach wochenlangen Stürmen. Das Hauleuchtete. förmlich schon außen vor Glück, schien's ihr- aber niemand kam ihr entgegen. Auch nicht, als längst der Wagen hielt, sie hinabgeklettert war, bezahlt hatte. — Sie bedeutete dem Kutscher, noch einen Augenblick zu warten — sie werde gleich jemand wegen des Koffers hinausschicken. Verwundert stieg sie zur Haustür empor und schellte. E- lag beinahe etwas Unheimliches in dieser absoluten Stille und Verschlossenheit. Im selben Moment ging die Haustür auf. Und Marke fuhr erstaunt — erschrocken zurück — eine Diakonissin in voller Tracht, ziun AuSgehen bereit, trat hinaus, grüßte Marte mtt ernster Miene. Und zugleich fiel ein ungeheurer, wuchtender Sckpreck auf die Besucherin —: Hans! War er — krank? Sie streckte wie abwehrend kleide Hände ans: „Was ist los?" stieß sie atemlos hervor — „was ist, geschehen?" Die Schinester sah sie ernst an. „Sind Sie — eine Vernxrndte?" fragte sie zögernd. „Eine Verwandte von — Frau Jmhoff, meine ich?" „Nein! Eine Freundin. Ist — ist jemand krank im Hause T „Die arme junge Frau ist vor einer Stunde gestorben." Eintönig, mit etwas geschäftsmäßigem Bedauern, hatta es die Krankenschwester gesagt. Jetzt tat sie doch einen er* schrockenen Ausruf, einen heftigen, kleinen Sprung vor- tvärts. Die fremde Dame war so totenblaß -ürückgetaumel^ büß die Schwester eine jähe Ohmnacht fürchtete. Aber Marie hielt sich allein aufrecht. Sie führ sich mit beiden Händen nach oem Kopfe: „Gestorben? Gestorben?" hauchte sie. „Hans Jmhoffs Frau — gestorben? Das — das ist ooch — nicht wahr, nicht möglich —l 4 * Schwester Agnes schüttelte sehr betrübt den Kopf mit der weißen Haube und zo-g zugleich die Handschuhe an. „Es kam auch sehr rasch — sehr überrasche uh," erklärte re. „Eine Lungenentzündung — die arme junge Frau hatte ich vor neun oder zehn Tagen heftig erkältet. Eine ge- ährliche Wendung nahm die Krankheit erst vor einigen Tagen — heute früh trat plötzlich Herzschwäche ein. Herr Jmhoff hat sie Tag und Nacht gepflegt." Schtvester Agnes hielt erstaunt inne. Die Fremde hatte jäh Kehrt gernacht und stürzte in fluchtähnlicher Eile zu denr unten warterrderr Wagen. „Fahren Sie mich sofort zur Bahn zurück — rasch! rasch!" befahl sie. Sie saß schon drin, ehe der Mann sich nocl) recht besann. Und floh, ohne einen einzigen Blick zurück- zuwerfen —i Nein, sie konnte ihn nicht sehen in seinem Schmerz >-i sie konnte es nicht! Sie wäre an seinem Leid zugrunde gegangen! 7 . Wenige Tage später erhielt Marie irr Friedenau einen ebenso überraschenden als Freude und Trost spendenden Besuch: Philipp Koch machte ans seiner Reise nach dem Süden in Berlin den ersten Aufenthalt und suchte seine Jugeud- freundin aus. Sie fanden sich gegenseitig recht verändert seit dem letzten Zusammensein im Herbst. Marie erschien weich, zu Tränen geneigt, in bitterlicher Sorge um den. anderen, schioergeprüften Freund. Phipps ständige, sanfte Ruhe dagegen war von einer großen, stillen Heiterkeit wie verklärt, ^ynt Gegensatz zum vorigen .Herbst, wo sein Wesen überschattet schien von bangen Ahnungen, wo sein gutes Auge Hans Jmhoffs Gesicht immer wieder in sorgenvoller Bedrücktheit suchte --doppelt auffallend war diese Wandlung, da er ja doch erst gestern denr Freunde geholfen hatte, serir junges Weib zu begraben. — Er sprach kein Wort von ihr, nur wenig von Hans, sondern fast ausschließlich von sich selber. Auch dies — dres vor allem — befremdend ungewohnt an ihm. Er erzählte, daß er schon lange eine brennende Sehnsucht nach dem Süden verspürt habe. Und so froh sei, nun endlich mit Mem Genüssen reisen zu können. Daß er auch schon mehrere Wochen früher ausgebrochen wäre, wenn nicht dies — du .verßt schon" — dazwischen kam. Und nun wollte er weiter gehen, immer weiter nach dem Süden, dem Ziel seiner Sehnsucht - und Ostern, das ja in diesem Jahre so besonders spät fiel, in Rom verleben. Wohin es dann weiter ginge, wisse er noch nicht — er beabsichtige, sich ein wenig aufs Geratewohl treiben zu lassen. „Das habe ich noch nie im Leben tun können," sagte er Mit seinem glücklichen, leisen Lachen, „sondern inimer ganz ^ ä u Hause gesessen und nach der Uhr gearbeitet, l!£r r b r?r mt J d>ei i> brst die Großmutter, dann den Bruder, IZMich den Vater gepflegt - bis sie alle, eins nach dem andern, starben. An unserer Krankheit, du weißt ja- Uni> , """ 6?ht's mit einem Male, endlich, endlich, in die dbe, schöne freie Welt hinaus! Das bekomme ich nun alles noch zu sehen — denke mir, Marie!" ' ' r '3 a ' ^**5? j/* s^hr nett für dich!" sagte sie etwas un- aenoiien "^ U ^Ä ^lrklich noch schrecklich wenig vorn Leben genchjen —- — für erneu Mann- wenigstens. Wir Frauenzimmer fühlen uns ja gewöhnlich in der Enge am wohlsten ei ? gräßlicher Gedanke, so aufs Gerate- sah zum Fenster hinaus und ließ sein iwt en iaTte7 ' Kl-okusblüten im Doppel- faß?• "® a§ Hand macht?" wiederholte er nach. denNrch - zerstreut erschien's Marie. ■ ^ * !?' ", mit starker betonter Un«duld du kannst dir doch vorstellen, daß ich gerne wissen möchte, wie €S €r ^ ein Schicksal trägt, ob er seyr sehr unglücklich, ob er zerschmettert ist ' 9 ' ' 9 ®Iinän. e hXüdh WiliPPs Auge wich nicht von ben „Er spricht nie darüber," sagte er langsam. „Nun, natürlich nicht — das glaub' ich wohl! M« bas sieht man doch — du mußt es doch sehen — fi „Weil ich sein Freund bin, meinst du? Oder als i-h S pökenkieker'?" — Philipp lächelte ganz leise vor sich hin. —4 „Liebe Marie — fern Freund bleibe ich freilich bis zunr letzten Atemzuge. Aber ich glaube, es gibt Dinge, die sich auch denr vertrautesten Fveurrde nicht enthüllen. Dazu gehört, was Hans Jmhoff jetzt durchlebt. Da hindurch nruß er ganz allein, aus eigener Kraft —, und er komint auch hüi- durch, glaub' nrir das! —- Aber w-eder ich noch du, noch irgend ein anderer Merrsch in der Welt vermag ihm dabei zu helfen!" „Es tut es würde trägt.' „Wie ein Mann!" sagte Philipp feurig. Sein großes, glauzercd-es Auge kehrte vom Fenster zurück und senkte sich tref in das ihre. „Daran laß, dir genügen, Marie. Er schweigt —- und arbeitet. Er braucht nichts als Stille und -Arbeit, und hat beides die Fülle." „Mer sein Kind!" Marie rang die Hände im Schoße vor innerer Qual. „Das Kind kann ihm doch nichts sein, als Sorge und Unruhe — was wird mit dem?" Philipp sah zu Boden und überlegte. . , ,.,Es bleibt uns jetzt nichts übrig, als auch hier geduldig abzuwarten, bis er selber Rat und Hilfe verlangt, sagte ler Nach> lkurzem Besinnen. „Jede Ernmischuug.wäre vom Uebel. Vorläufig hat er die treuesten Dienstboten — die /i -^2 vergöttert das Kind — und Miete ist beschränkten Geiste-, aber willigen Herzens. Wir können ihm jetzt nichts Besseres antun Marie, als daß wir gar nichts für ihn zu tun versuchen!" „Das ist schwer!" seufzte Marie. Sie erhob sich gleich dem freunde, der abschieduehmeud vor ihr stand. „Aber ich >ehe ein, du hast recht, Phipp. Und was uns schwer wird, darauf kommt es gar nicht au. Nur auf ihn kommt es' an^Mir daß er scylreßlich wieder Mut zum Leben bekommt, nachdem ihm sein ganzes Lebeusglück zertrümmert ist!" „Sein Lebensglück?" wiederholte Philipp sinnend. Wieder ging sein Blick gedankenvoll ins Weite. „Mit dem Worte wird, glaub' ich, doch manch Mißbrauch getrieben," sprach er leise, langsam, wie immer zu^ sich selber redend. „Nie und nimmer glaube ich, daß Haus Jmhoff damals in zeitskutsthe^ob^^ ^ seines ganzen Lebens in die Hoch- kn hJL und schwieg fast erschrocken, so jäh. so heftig hatte Marie seinen Arm gepackt. „Phipp," sagte sie, leise wie er, aber mit stockender, zitternder Stimme. „Was hast du gesehen — damals am lenfter'ftanfaen?" 8 “ 661 ~ bu unb id) rusammen am Aberlie'tteß ch^Kos B€rfud,t£ ™ wtffcn®“ mU6t mit iel)t faöen! " rkf f t solche war Soer gnd Lil,e Marr ich ränge für Solche aus §an,em Härtzen und du bist mein basier m" bu l ? n,ci ; nu 'uig dangst. Heute ,oold ich Drr jchraiive iNrlanp varn däd. Deine Muter kamr ja ein ^rtschaf!dlrge-> geh.rg tmache das gäd am besten, schradoe bd mi?unf 5yrSue mis aaetodI Es fiifot un kißt dig Tansentinal Dein Cchaz Idhcmnes." l)oat ben Zräip geläse, es hätt net väil gefohlt c / I S* Brüder wollen nur aus Urlaub ^ I e r U r 1 '^wrtet, ich geh' euch schon dafür'" Damit moacht he sich an de nächste Bräip: >nrd gelvist so Gnd sein den Hannes bald bl ° erllte ^itig veinkommt und damit Werne dochwr sich wieder freue kann. ^^ubnian meine dichter und ihr gans ergebenst Schuster Wittroe." kiff enn fing laut tm zuo lache enn aus dem Lache eraus. Wäi dr Haubmuuu baal druff am ^ mier 001 '^ aaC bekoam, doa dat he aach helle Lach ^5^»^/uto Hmrnes! Na da liegt allerdings ein dri^ So, des !tS bA wahr Geschicht wäi dr Hünnes »ou fmn, Uurlaab komme is, «mr iverm he jetzt baal selwert dehaam is. daim karm he uch noch mck von sebre ErlLbnisse in Bälgie ver-äMl Vas „bescheidene" Veilchen. In diesem Jahr habeir wir das Märzveilcherr bitter vermißtv vre Kunst des Gärtlrers, die ja zn jeder Jahreszeit Veilchen herv>or> Mlockerr verrnag, hat uns zwar auch im März Veilchen beschert, aber da bei un» die^Natur fast bis zum Ende dieses Monats noch garrz in Eis rmd Sckxuee starrte und uns in dieser Zett ncch starke Winter froste brachte, konnten und durften sich die Veilchen in der freien Natiir diesmal im März nicht hervorwagen, und sie holen erst jetzt, trotz aller Launen des ^lpril, alles nach, ^vas sie uir Boriirolmt versänmt hatten. Die phantasiereichan Griechen des .Altertums, denen wir so viele Blunrensageki verdanken, knüpften aii. das liebliche VeilchjeiL folgende schöne Mythe: Tie glühenden Strahlen des Sonnengottes Phöbns Llpollo verfolgten einmal eure der wegen ihrer hervorragenden Schönheit bekannten Töchter des lstmnreltragelüxir Attas. Die Spröde sioh vor dem Gotte; da sie aber sah, hast ihre Kräfte nicht ansreichen wittden, sich ihin aus die Tauer zu entziehen, so bat sie der: Zeus um Rettung, llnb dieser, von Mitleid ergriffen, verivlmdelte das zagende mld verschüchterte Mädchen in das lieblich-schlirchterne Veilchen und schützte seine kleine blauäugige, iroch immer ängstliche Blunie dadurch vor deir versolgerrden Strahlen des erglüherrdeir Gottes, daß er sie tief hinein in den Wald barg, wo sie auch jetzt noch im Vev-' borgenen, ^den S-oilirengott scheuend, toetterblüht. Seit dieser poettscheir Scrge gilt das Veilchen den. Meirschen als besonderes Synrbol der Bescheidenheit. Dieser simsigen Derttung ensipricht nun freilich die nüchterne Na tu r beob a chtiu rg nicht ganz. Das Veilchen ist keineswegs eilt Schatterlgewächs: die Pflanze liebt allerdings den Halbschatten, aber nur den Halbschatten, und sis weist daher gar trefflich die Blätter im hohen Grafe oder im schatten der Heckeil vor den altzualüheirden Strahlear der Somir zu schützen, die Blume selbst aber liebt wie alle Blüten die Svv»e und das Licht, deren sie zu ihreni Gedeihen und zu ihrer Entfaltung dringend bedarf. Inr hvl>en Gras ist der Stengel Ut Blüte lang, so lang, bis diese ans Lickst gelangt ist. im kurz- grasigen Rasen aber ist der Blütrnstengel kurz. Das Veilck>en weist sich also sehr wohl seinen Platz an der Svime zu erkämpfen, Uno die Geschichte von seiner Beschei den l-eit und von dem Blühen im Verborgenen, das so viele Dickster besungen Haberl, ist also nllv eine Mythe, die mit der Wirklichkeit in eüligem 'Wid-ersprirch steht. Ter Sprichwörterschatz des deutsck-en Volkes- ist selbstverständlich auch am Veilchen nicht achtlos vorübergegangeil. „Ein Veilchen riecht besser als zehn Tulpen" ist ein sehr zntt'effender Ausspruch, nm zum Trost, dast alles Begehrte nickst auf der Stelle oder eines erst nach dem anbei-eu zu xclangen sei, heißt es: „Veilchen imd Lrlien blühen nicht intimer" oder „Wenn die Veilchen blühen, können die Aepsel noch llickst reif sein." Falls man jedoch einen: lauteren Charakter int Gegeitsatz zu dessen schlechter Umgebung in das richtige Lickst rückrn will, urteilt man: „Veilchen loachserr auch im Urckraut" oder „Veilchen wachseir nicht als Nesseln". . . . Tie erst« Gemahlin des Kaisers Napoleon I., Josephine, hatte das Veilchen zu ihrer Lieblingsbluute erkoren, dadurch, wurde es auch die Lieblingsblume des Kaisers und so schließlich die Parteiblntne der französischen Bonap^rrtisten. Als der Usrtrpatvr von Elba zurückkehrte, begrüßten ihn die akten Gardeu mit dem Rufe „Bollä j Voilä! le pöre lä voilette!" (Selst, der Vater Veilchen!) Ist geradezu anffaUender Weise trug die Kaiserin Eugenie, die Gemahlin des dritten Napoleon, bei Spazierfahrten, in Gesell- sckaiten und aus Bällen an ihrer Kleidnrtg das Veilchen, die Bünne der Bonaparttsten zrtr Schau, und als Napoleoit III. am 9 Imrua^ 1873 in Chyelehnrst mifgebahrt lag, breiteten sich die von seinen Anhängern ans Frankreich gesmidten Beilchenkränze gleich eüiem dichten vtolettblanen Teppich um sein TvdeSlager. ?luch deil Hoheii- zollern war dreses liebliche Kind des Frühlings eni stets will- konimener Cwst. So sah Friedrich Wilhelm III. von Preußen das Bild ferner Gemahlin, der Königin Luise, gern mit Beilchm geziert Ern nnt Lorbeer und Veilchen bekränztes Bildisis der Königin stand auck^vor Uyn ans dernsell^n Tische, an dem er am 10. März 1813 tfr. LQstnel den Entwurf für das Eiserne Kreuz zur Aus- mngerragen würbe, zepste etne Beilchmnmrahumng. Jedem ist es M auch bekannt, daß das lieblüche Blanängelein der Blunim.velt die Lrebluigsblnme des Kaisers Friedrich ae-oesen ist. Eine besondere Borlreoe für das Peitck;en legte Goetl>e an den Tag. Un>er größter dichter ivollte sich nicht nur selbst an ihm er- treiiat, sondern auch anderen die gleick-e Freude bereiten. Darum streute er auf L-^paMrgängen bänsig den Samen der Bsiune aus. Noch hrnte weodrn dre sir der Nähe Wstmars blübmdeil Blmiblüttielem „Gvethe-Veilchen genannt. Goetles wunderschönes Lied' Ein Veilckien auf der Wresa stand / Gebückt in sich und unbekamit: / Es war km herzig's Beilck-cn" — ist bckmmtlich von Mozart, Z. F. Renhhardt mid anderen Koniponisteti vertont rvorbeu. Mit Wrtrag^rebrackst^' ? ^ ° 5afermehl oder Maismehl oder Gerstengrü^, die sehr sorgfältig g. rocht und durch ein Sieb gestrichen wurde. kann in gleicher Art mit di gen Gemüsen gemischt werden. Ein arngeloster Brühwürfel oder etioas Lmmxm- wür.e kräftigt d.e Suppen im Geschmack. — In gleicher Weise empfiehlt sich die Verwendung geringer Vorräte von Törrgenrüsm. Das gsvaschene Dörrgemüse wird abends in Wasser gelegt, mit demselben Wasser omb etwas Knochcnbrül^e oder einem Brüh- Würfel halb weich gekocht und dann mit soviel Wasser vermischt, als man Suppe lxrben will. Nach Belieben dickt man die Suppe mit Kartoffeln oder Grill;mehl. Das Gemüse kocht man vorher vollends gar, gibt, je nacki-dem man kann, etwas Butter ^und Salz und, wenn beliebt, etioas gehackte Petersilie dazu. In Stücke geschnittene, für sich allein gargekochte Kartoffeln können auch n einher gereicht werden. Tie Suppe ist in erwärmter Terrine anzu- richten. (Aus „Dies Blatt gehört der Hausfrau".) m — Hallet Euch Ziegen! Von behördlicher Seite ist jüngst die Zisg-enMckü angelegentlich empfohlen worden, mn dadurch der Knappheit der Kuhmilch einigermaßen zu begegnen. Die Wochenschrift „Dies Blatt gehört der Hausfrau" betont, das; auch vom hygienischen Standpunkt der Genuß der Ziegenmilch mir befürwort^ werden kann. Ihre Vorzüge in dieser Hinsicht beruhen auf ihrer leicküen Verdaulichkeit, daß sie in feinen Nocken gerinnt und dann am meisten der Frauenmilch älmelt: des weitere» kommt Ln Bickracht, daß die Ziege im allgemeinen von Krankheiten, namentlich von Duberkulose, Maul- und Klauenseuche, versckont bleibt. Tie Ziegemnilch kann demgemäß Jaft immer roh genossen werden, wodurch sie ebenfalls an Verdaulich^ gewinnt. Daß die Ziege trotz ihrer Vorzüge noch immer wenig Freunde gefunden hat, kommt MM Teil daher, daß unsere Mttchstegeir, im Winter trocken stehen und man immer wieder genötigt ist, zirr Kuhmilch, die es das ganze J-ahc hindurch gibt, zurüSMgDeifen. Soll also die Zieaenhaltung sich heben, so ist vor allem das ZuchtziÄ dalän abznäiwern, daß man zwei Ziegen zur Verfügung hat, von denen die eine im Sommer, die andere im Winter Milch liefert. Eine gute Milchzisge muß nicht allein hornlos, sondern auch kurzhaarig sein, und regelmäßig Körperpflege (mit Bürste nrid Striegel) darf nicht vernachlässigt werden. Unter den dirrchge- tzüchleten Rassen erfreut sich heute die 'weiße Sannenziege mit Recht großer Beliebtheit, doch auch die rehfarbigen leisten an Milchergiebigkeit und Fruchtbarkeit durchweg Gutes. Eine halbwegs gut gefütterte und sorgfältig gepflegte stiege liefert täglich bei dreimaliger Melkung mindestens zwei Liter Milch, es gibt jedoch Unter den vier-, und mehrjährigen viele, die täglich bis zu vier und fünf Liter geben) Futter, Haltung und Pflege der Tiere, sowie Geschick beim Melken jedesmal gründliches Ausmelken bis aus 'den letzten Tropfen) beeinflussen die Milchnenge «wesentlich. Tie Wahl der Art 'ttärtzt sich am besten nach^ der Nass«, der der in der Nähe des Ziegenlttlters bereitg 'haltene Sprungbock angehört. Tie Ziege ist bekanntlich sehc wählerisch im Futter: würzige, saftige Kräuter frißt sie am liebsten. Frühjahr, und Sommer bieten an Gras, Kräutern, Laub von Bäumen und Sträuchern (Ulme, Pappel, Buche. Haselnuß, Weißdorn, Hopsen. Akazie) eine große Auswahl: ihr liebstes Tnrrfutter für den Winter ist Luzernklee Und Grummet, Hafer- und Gersbenstroh. An Kraftfuttm: erhält sie in der Tränke Schrot und Weizenkleie. vüchertisch. >— Wurth, D r. B.,Tas Großh. Hessische Wappen Ln seiner geschichtlichen Entwicklung: mit 2 Farben - blättern und 22 Abbildungen im Text: 105 bezw. 123 Seiten. Das Buch ist die Festgabe des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen zum jüngsten Regierungsjubiläum des Großherzogs. Würdig reiht es sich an die bereits große Zahl van Sonderschriften an, die wir über die Wappen der einzelnen deutschen Bundesstaaten und Länder besitzen, und füllt zugleich die bisher bezüglich Hessens bestehende Lücke aus. Vln der Hand gesckhcht- lich belegter Bilddarstellungen führt der Versasser den Leier durch die ganze Entwicklung sgeschichie des hessiscl-eu Wappens, von der Zeit au, da es noch mit dem thüringischen Landgrasenwappon einer Gestalt war, durch die der alten Landgrafschaft, die der Landgraf- schast Hessen-Da rmstadt bis zu denen des Großherzogtums. So gipfelt die Darstellung in einer geschichtlichen Erläuterung des Staatswappens, das Großherzog Ernst Ludwig dq Jahre 1002 seinem Hessenland verlieh. Zahlreiche Streiflicht« aus die Entwicklung sgeschichte des hessrschen Staate- und sein« Teile, sowie ans allgemein wappentundliche Fragen durchsetze« die Darstellung. Wie jedem Geschichts- und Wappenfrecmd überhaupt, so bietet das Werk jedem Hessen insbesondere Gelegenheit^ die ihnl täglich entgcgenttetenden Mappenbilder des hessische« Fürstenhauses zu versttl)en und zu erklären. Von praktischem! Wert aber ist cs nicht nur für die zahlreichen Stellen, ins- besondere Baubehörden, die Mullich mit dem Gegenstand seiner Darstellung in Berührung kommen, sondern ebeusoivohl für den bilbcitbm imo darstellenden Künsller, den Krmßgerverbler, das Gttoerbe und das Handwerk. (Precs der einfacher Ausgabe: 3 Mk.; der größeren auf Büttenpapier, in blan Leinen gebunden: 15Mk.; der Japanausgabe, numeriert, in Japan gebunden: 30 Mk.; Selbstverlag des Historischen Vereins für das Großherz-ogtum! Hessen; TarnOädt, Residenz schloß.) — Jan Gramatzki, Ter Krisliall. Ein Roman. In künstlerischem Umschlag Mk. 4.—, gbd. Mk. 5.—. (Verlag Felix Lehmann, G. m. b. H., Cl-arlottenburg.) In diesem Roman, in dem üppigste Phantasie und naturalistische Tarsteilungskraft sich aufs innigste verbinden, offenbart sich wirklich einmal ein neuer schöpferischer Geist der Noiuan-Literatur. Als Zuschauer zunächst gerät der Erzülster in Atünchen in eine „Geheimloge", bis er selbst in dm Wirbel vieldeutiger Geschehnisse, Verbrechen und Visionen mit .hineingerissen wird. Aus der süodeutschn Hauptstadt, deren Typen mit prachtvollen: Humor geschildert snrd, geht es in der Steigerung der Erlebnisse nach London und Amsterdam, schließlich nach Kopenhagen. Immer rascher und rascher wird das Tempo des Erlebens, immer atemloser die Spannirng des Lesers, bis zrun Schluß eist voller Akkord eine wahrhaft künstlerische Lösung bringt. — Das literarische Echo. Halbmonatsschift für Literaturfreunde. Verlag: Egon Fleischet & Co., Berlin W. 0. Tas 1. Mailieft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Paul Nikolaus: Ter Bürger: Paul Friedrich: tarnt Br au setvetter ; Artur Brausetvetter: Wenn man über sich selbst schreibt' Fritz Hunziker: Neue Kellerbriefe; A. v. Gleichen-9ttlßwurnr: Hauptfragen der Lebensgestalttmg; Fedor v. Zobcltitz: Aus dem großen rdriege: G. Markull: Grillparzer und Boethovens Egnwnt-Musik: — Echo der Bühnen — Echo der Zeittncgen — Gä-o der Zeitschriften — Echo des Auslandes. Gietzcrrer Haussrauen-Berein. Kochanweisungen. Spinat -Kartoffelklöße: Verwendung von Spinat !und Kartosfelreßen: Tnc kältgewordcnen, gekochten Kartoffelcesde werden durch die Presse gedrückt und mit einer kleinen, geriebenen Zwiebel, ettvas MM, etwas geweichter und geriebener, altbackener Semnrel, ein Ei, etwas Salz, geriebener Muskatnuß und 1 bis 1V* Obertasse Spirwtgemüse (auf 500 bis 750 Gramm Kartoffeln) zu einem derben, haltlwren Teich gemischt, den rnan ein Weilchen ruhen läßt. Dann formt mair mittelgroße, runde Klöße ruck» kock-t sie in siedendem Salztvasser gar. F i s ch r a g o u t: V» Pfund geräucherter Fisch wird gewässert, 4 Pfund in der Sck>ale gekoelße Kartoffeln abgezogen und in Scheiben geschnitten. Lagenrveise mit dem zerpflückten Fisch in die Form getan. Eine gut gewürzte braune Einbrenne darüber gegossen unb eine Stunde gebacken. Brotaufstrich: 60 Gramm Butter, darin 2 bis 3 Zwiebeln gar gedünstet und 1 Lössel Mehl dazu gerührt. Tann vier Bouillonwürfel in eine Tasse kochendes Wasser aufgelöst, 4 Blatt weiße Gelatine hinzu mrd darmtter geucjsckit, kalt tvepderr lassen. Gra upen ku chen: 3 Tassen gemahlene Graupen, 3 Tasse» Mehl, 3 Tassen Milch, 2 Tassen Zucker und 2 Päckchen Backpulver, alles gut vermischt und eine Sttuide gebacken. Vilderratsel. (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung des Buchstabenrätsels in voriger Nummert dlnSsitifibuno. ^ill-'äcbeitiina. Schriillettung: Fr. N. Zenz.—Zwillingsrunddruck und Verlag der Arühl'schen UniversttätS-Buch- und Steiicdruckerei. R. Lange, Gieße«.