Pechmarie und Hans im Glück. Die Geschichte einer JugendsremZdfch«fl von T. v. D o r n au. Nachdruck und Uebrrseyungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten. (Fortsetznng.) „An dem größeren Geldverbrauch trägt deine arme Mutter die geringste Schuld!" sagte er kalt. „Was soll ich allo Philipp Koch heut' nachmittag sagen? Daß du dich noch nicht in der Lage siehst, den Taustag festzusetzen?" „Ja, ja — sag' ihm das. Ich fühlte mich noch nicht wohl genug. Daß Mama bald abreist, dafür laß mich nur somen. Und nun sieh ein bißchen nach dem Essen — ja? Nach Tisch willst bu schon wieder in die Apotheke? Du bist doch den ganzen Vormittag ausgewesen — da könntest du wohl am Nachmittag ein wenig fleißig sein — du lieber Leichtfuß du!" Hans Jmhofs erfuhr nie völlig, auf wekhe Weise seine § rau ihre unbequem gewordene Mutter zur Abreife bewegte. lfe sprach nicht davon, und er hütete sich wohl, tiefer als absolut unvermeidbar, iu die häßlichen kleinen Reibereien und Uebelnehmeveien hineinzuschauen, die von Stund an zwischen Mutter und Tochter auf der Tagesordnung standen. Diese Tage bis zur Abreise Mutter Aiedenbrincks gehörten ohnehin zu den unangenehmsten seines jungen Ehestandes. Nach drei Tagen hatte Elfrieoe ihre Mutter so weit, daß sie behauptete, lieber abreisen zu wollen — sie sei zu Hause erwünschter als hier. Hans widersprach mit unaufrichtiger Höflichkeit. Else zuckte lächelnd die Achseln: „Wenn Mama doch reisen will — wenn's ihr doch bei uns nicht mehr gefällt — ' Am nächsten Morgen geleitete Hags seine Schwiegermutter ritterlich zur Bahn. Elfe hatte ihr so gleichgültig, so obenhin Lebewohl gesagt, daß es ihm selber weh tat. Er versuchte ihre Kälte durch verdoppelte Liebenswürdigkeit gutzumachen. Aber Mama Wiedenbrinck weinte, allen Trostworten unzugänglich, bis zum Augenblick der Abfahrt fort. Ihr rundes, rotes Gesicht mit den kleinen, verschwollenen Augen wurde nur erst im allerletzten Moment wieder hinter dem Taschentuch sichtbar. „Latz man gut sein," seufzte sie und drückte HanS die Hand: du kannst ia nichts dafür, ich weiß wohl — die Friede hatieben kein Herz — bd$ ist es-" Trotz bösartig schneidenden Nordwindes — man steckte im allersrostigsten Nachwinter, der hier anscheinend gewohnheitsmäßig im März noch einmal aufzutreden pflegte —, trotz Kälte und Wind schickte Hans den Wagen leer fort und machte sich zu Fuh auf den Heimweg. Düster vor sich hin-- brüteick, den Rockkragen hochgeschlagen, die Hände in den Waletottaschen, so stapfte er durch den patschenden Schnee Und halbgefrorene Lachen. Und hörte immer das böse Wort: „Die Friede hat Heu kein Herz — das ist es —" Unsinn! Das war häßlich« Verleumdung wenn's vuch die eigene Mutzer sagte. Gerade diese Mutter durfte den Vorwurf nicht erheben — sie, bit doch selbst erst Elfes kind lichen Egoismus großgezogeu hatte. Kinderei, Gedankenlosigkeit, schlechte Erziehung — das war's. Uebleres nicht. Er — er mußte doch am besten wissen, welch warmes Herz in seiner Elfriede schlug- Er sann nun vergebens angestrengt nach, wann und wo sie ihm diese Herzenswärme offenbart habe. All ihre zärtliche Weichheit, thve schmiegsame Anmut stellte er vor sich die holde Sprache, das >ne Seele nicht schlummerte ihre Seeles ihr wärmstes, reichstes Empfinden eben noch in iyrem kindlich-lieblichen Körper. Er würde dies Herz, diese Seele wecken. Das loar jetzt seine heilige, beglückende Aufgabe. Er batte sie ja jetzt wieder K allein für sich, sein holdes Werb, die Mutter seines h 'r-t An dem Kinde würde ihre Seele sich entfalten. Mit des Kinder Seele zusammen reicher und reicher er- blühen. Da lag das liebe, närrische Häuschen schon wieder vor ihm. Und oben am Fenster stand Elfe und winkte ihm zu. Er grüHte strahlend zurück. Diesmal sprang er wieder mit Riesens^-eu —i zwei, drei Stufen auf einmal —* die steile Wendeltreppe empor. Sein Frauchen lies ihm schon im Flur in die Arme, hing freudetauchzend an seinem Halle. „Was bin ich fvoh! Was bin ich froh!" rief sie immer wieder. „Jetzt sind wir wieder ganz für unS —* das ist zu, zu schön!" „Deine arme Mutter —" sagte Hans, reuevoll, daß er sich selbst so freute. „Sie hat die ganze Zeit bis zur Abfahrt geweint." „Pah! Mama weint so leicht! Laß sie doch! Wir haben jetzt viel Wichtigeres zu besprechen. Die Taufe. Ich denke — wir nehmen unfern Hochzeitstag — was? Ist das nicht eine süße Idee? Den achtuudzwanzigsten März. Warte mal: heut ist der achtzehnte. Donnerstag der achtzehnte." Elfe zählte an den Rockknöpfen ihres Mannes und den eigenen rosigen Fingerchen sehr drollig nach. Also Sonntag über acht Tage ist der achtundzwanzigste. Fein! Du mußt nun bald zum Herrn Pastor gehen — und gleich heute noch an Marie Krumpa sm-reiben. daß sie Samstag über a kommen soll. acht Tage ,Ich möchte Marie eigentlich jetzt lieber nicht kommen lassen," sagte Hans zögernd und nachdenklich. „Ich hätte dich, mein Elfchen, am allerliebsten ein Weilchen ganz für mich allein! Marie mag sich im Sommer ihv Patchen besehen. Da werde ich mich sehr freuen! Nur jetzt gerads — stört sie uns." Er hielt inne und drückte Elfes blonden Kopf an seine Brust. 2lber sie stväubto sich lachend. .Stören? Aber wieso denn! Du bist ja töricht!" wider- > fie belustigt. „Sie kommt doch höchstens auf ein paar ^'age — sie hat ja bereits geschrieben, da siv nicht längere Zeit aus ihrer dummen Pension fortbleiben kann. Sich so etwas aufzuladen! 9£a. du kennst ja meine Meimncg darüber'. Aber kommen muß sie zur Tauft — du mußt ihr das imr sprach Tage - Gegenteil sehr dringlich machen — so was bindet immer. Also schreib' nur gleich — hier — am Eßtisch. Ich hol' dir mein TintenfaH und meine eigene Schreibmappe." Unter Sckerzen und Kosen wurde die feierliche, die „offizielle" Einladung an Marie Krumpa verfaßt. Beide Ehegatten schrieben Grüße und die Mahnung, ja schon am vanestag au 'kommen, darunter Frau Elfe hatte es so wichtig damit, daß sie den Brief gleich selbst zur Miete hinabtrug und das Mädchen damit fortschickte. Als sie wieder, nach oben kam, streckte Hans, der iwch am Tische saß, ihr mit froher Miene die Hand entgegen und zog fte ganz nahe an sich heran. „Ich Hab' eben über dich nachgedacht, Elfe," sagte er glücklich. „Du bist doch inr Grunde ein lieber, lieber Keiner Mensch — k— daß du so sehr gut bist zu der alten Marie — das macht mich so froh und dankbar, wie du dir gar nicht Vorstelten rannst! Es zecht mir, wie gut, wie verständig und liebevoll bit wirtlich bist — du ahnst das selbst noch nicht —i gerade Marie ist mir ein sicherer Betons davon! Sie, dte so grundverschieden ist von dir -h" „Gottlob, daß wir verschieden sind," sagte Frau Elfriede anftachend mit einem Blick in den nabehärlge'.rden Spiegel. Dann sah sie lächelnd wieder ans den Gatten herab, der ihre zarte Gestalt nock) fest umfaßt hielt. „Sonst würdest du dich Wohl kaum je in mich verliebt haben —' waö, Schatz? Die Marie wird übrigens selig sein, kommen zu dürfen — daß sie behauptet, eigentlich reine Zeit zu haben, ist natürlich bloße Ziererei." „Du, da irrst du dich aber doch in ihr! Marie weiß aor nicht, was Ziererei ist. Das verstcht eine gewisse, andere fimge Frau viel eher!" ,A du unyalanter ©te! — Nun, jedenfalls —: ob mit, ob ohne Ziererei — sie lvird kommen — und sich sehr se- schwbichsit und beglückt fühlen — und noch mehr in den Jungen verliebt sein, als du selber, du zärtlicher Papa — und dem Bubi später hoffentlich mal ihr ganzes Geld ver- maä)en!" „Ader Else!" rief Hans erschrocken -i „Wie kannst du so etwas sagen!" Er hatte sie unwillkürlich lorgelassen, und sie ging von wm weg nach dem großen Pfeilerspiegel in der einen Zknn^veek. Frau Elle liebte Spiegel urrd konnte kaum gemmdavon mn sich haben. - ,Marimr soll ich so was nicht sagen dürfen?" fragte sie gleichmütig über die Schulter zurück, während sie ihr ver- zarlstes Haar zu ordn«i begann. — — O Elfe, du machst ja nur Spaß, aber es MnKt so häßlich —" - „Häßlich? Das sehe ich aber gar nicht ein! Es ist dock) wr Gegenteil etwas sehr Nettes! Und Spaß mache ich gar nic^, es ist mir völlig Ernst damit! Die Marie ist die geborene Erbtante für unfern Jungen." Hans stand auf und ging zu einem der Fenster und sah mrt verdüsterter Miene in den MärMrm hinaus, der Regen, Hagel und Schnee in wüstem Gemisch gegen die Scherben peitschte. ^ a , , häßlich, und ich mag's nicht von dir obren beharrte er. „Dir sollst so etwas nicht sagen — um oerner selbst willen und um Marr.es willen nicht! Wir wollen Lanzem Herzen hoffen daß Marie noch einmal ein rechtes Glück findet — sw ist ja nicht viel älter als du, bedenke das doch nur! Wenn sie eines Tages dem Richtigen lieber^kam^-"^ ltt l ^ rep ei 3 enatt versteht, und den sie h™ V u Satz in ne. Seine Frau war ans deti nächsten Stuhl gefallen und lachte so herzlich, daß ihr die Tranen rn die Augen stiegen. ' b m ~ du urkomischer Junge!" xnef sie, säst schluchzend vor Lachen „Ernen, den Marre neben kann — das sagdEr- Er' ^ keinen Schimnrer von Llhnung, daß das N^,!?radel bls über berde große Ohrer: stürmisch und glühend ^u ihn verliebt ist — o, es ist zum Totlachen!" Hans stand zu Stern erstarrt. ... „Was sagst bu da?" stotterte er endlich. „Ich — Lab' wohl nicht richtig verstanden —" ' " ^ v^r^ ine wiederholte es ^gelassen: „Verliebt - beliebt — verliebt -- ist die Marie in dich! Das Hab' ich ^naufuigerm Polterabend gemerkt. Und du weißt ^ bis auf tat fymtxwn Taa noch nicht!" ^ imvier vor Lachen ausschütten. „Es .st unglaublich komisch, wo sie doch schoti selig ist, wenn sie nur in derselben Stube mit dir setzen kann. — Hätte sie uns sonst wohl all die guten Sachen geschenkt? Hätte sie die etwa dein kleirven Apotheker, ihrem anderen Beelens freunde, gegeben? Nein, die Marie heiratet nie einen ande- ren, daraus kannst bji dich ganz fest verlassen! Und das ist gut so — ans diese Weise kriegt unser Junge hoffentlich mal alles." Frau Elftiede lachte noch einmal hellauf und wandte sich dann wieder ihrem Spiegelbilde zu. Hans rührte sich nicht. Es war ein so scharfer Schmerz in ihm, daß er ihm fast die Besinnung raubte. Er bedurfte all seiner Selbste beherrschung, unl scheinbar ruhig am Fenster stehen bleiben zu können — anstatt sich, auf däs rosige, lächelnde, unbarnv- herzig plaudernde Geschöpf vorm Spiegel zu stürzen und es verzweifelt zu packen und zu schütteln. Was sie über Marie sagte, glitt fast unbegriffen an ihn: ab. Es war ja sinnlos! töricht, kindisches Geschwätz. Wer daß sie so reden konnte 1 — mit lächelnder, schamloser, kaltblütig würgender Selbstsucht so reden und so denken konnte — darüber kam er nicht hinw^ Das zermalmte ihn beinah! „Wso deshalb hast du sie an uttä' herangezogen!" sagte er endlich heiser; „deshalb hast du ihr Freundschaft geheuchelt — nur sie besser ausrmtzen zu können! Und ich Tor h^itegedacht, das sei alles Mitleid — Herzens güte-" ©te wandte sich halb nach ihm mn und blickte ein wenig scheu in sein zuckendes Gesicht. Irgend etwas' im Don seiner Stinnne warnte sie. „Nun — Mitlech Lab' ich natürlich auch ein bißchen mit ihr!" gab sie bereitwillig zu. „Goll, so ein sä-rulllges, häßliches, rurgraZt^eS Ding —■ wie kann man sich bei der in ello«s anderes verlieben, als in ihr Geld? Da ist es ja schll^Mch ein Glück für sie, daß die unglückliche Liebe zu dir sie verhindert, einem Mitgiftjäger in die Hände zu fallen!" „Schweig!^ donnerte Hans. Er trat hart mit dem Fuße Besicht hatte sich dunkel gerötet, seine Augen sprüht«: ZsrmiS flammen. Elfriede duckte sich Ich er: und zog eins ihrer lieblichen Schntsllmündchen. gar nicht nett heute," klagte sie mit einem ihrer aNeVerpvobtesten Aiigenauflchläge. — R Hans ying, bitter mit sich ringend, in qualvollem ScdlverH«: rm Zimmer auf und nieder. Plötzlich blieb er hen. „Wenn nur der Brief nicht fort tväre —!" stieß er weratnrend hervor. Seine Frau hatte ihn unausgesetzt ängstlich beobachtet. Sie verstand augenblicklich, was er meinte. Unb segnete tTn^rUd) ihre sonst nicht gerade flinke Miete, die eben diesen AustvAg so rasch ansgeführt. Die Einladung war fort Und nicht wieder rückgängig zu machen. Und bis die Marie wirb- lrch mm, wurde «s ihr, Elfriede, natürlich längst gelungen ^ zornigen Gatten auAzMöhuen. Sie lächelte vor \]\ v l VL^ n wie leicht ihr das wertal würde. Und sie läckMte in den Spiegel hierein und beschloß, ihren Zauberstab ^gleich spielen zu lassen. — „Das ist nun einmal geschehen —- und wir reden ein andermal Weller darüber — nicht wahr, Schatz?" sagte sie lehr tauft. „Es greift nurch noch ein wenig an, so viel m l}ah wich wohl eben ein brßchen nitgeschickt ^ ö"r ^ause — brs zu unseren Hochzeitstage will ich aber wreder ganz ftisch und gesund sein! Lrs verspreche rch dir, Liebster!" Sie Krm, leise in den Hüften wie- G'SKL! Unb Pf ‘ anäte i5r äierH ^ Persönchen einmal rnt!" lächelte sie bittend. Sie fcqte “Ä 11 L,uf dr- S-rtc u,id sah kokett einsckmeicheürd zu chm auf „Bin ich eigentlich noch so hübsch nne siüher? Mama meinte, ich wäre stärker geworden! Stärker — ent- ^ ft bU md,? ' Me s^est du mich l^sah sie starr an. gewöhnlich!" sagte er hart. Er schob sie von sich, toandte sich jäh ab und verließ das ^im- mer ohne ein weiteres Wort. Und taumelte über den Flur ern geschlageiver Aann, riß die Tür auf, tvarf sie flüchtend ^nter ftch ms GchloH, rannte wie ein Besessener in der steifen Putz stach« auf und nieder. - Kliener m der -. ^ wieder am Fenster und starrte hinaus obne rrgeich etwas ju^kit — — Schnee und Rege:: hatten auf- iStLS^SS.’tSfiäS»» ?” mvua&ciTMEZi SWUZSt Unb latt, erskalt wwrde es um Hans Jinhoffs Herz. (Fortsetzung folgt.) 179 Kleine Plauderei über die Seife. Unser Seisenbestaiid nnri> intimer knapper. Die Kernseife ist überhaupt nicht mehr erhältlich, ja selbst di-e feinere ..Körperseife" scheint vielerorts uesm-iffien, vielleicht auch eingehamstect zu sein. Dav»n ein kleines Beispiel. Bor kurzem schrieb mir mein Sohn aus einer offenbar sehr xffwarmen GegÄid: „Liebe Mutter, wenn Du aus Deinem kleinen beifenbestand noch ein Stückchen für mich erübrigen kannst, wäre ich Dir sehr dankbar, da ich hier keinerlei Seife auftreiben kann." — Mas tut eine Mutter? Bon ihren wie ein Kleinod behüteten vier Stückchen noch, alter, .guter Kernseife schickt sie gleich eines an ihren ßnstnbedürftigen Sohn und erhält bald darauf folgende Antwort.1 ,,Asus lauter Freude, endlich nüeder ein Stückchen. Seife zu besitzen, have ich nnch gleich einer gründlichen Reinigung sprozedur unter-- worf-en." — S3Ser hätte je gedacht, daß. Seife einmal ein so begehrter, rarer Artikel würde! — Selbst das Seifenrezept der Ürgrotzmutter ttützt Uns nichts mehr, da das nötige Fett fo&u fehlt. Für einen kinder- imd dienstbotenreichen Haushalt ist Seife kaum mehr aufzutreiben. Unerschtvingirche Preise werden für meist recht mindenvertige Ware -gefordert und — der Not gehorchend — bezahlt. Wir müssen daher recht haushälterisch mit dein noch vm» yandenen (Seif-mrest umgehen, -ohne unserer Reinlichkeit dabei Einbuße zu tun. ,,Heinz" und „Fritz" sollen dock) mit frisch^ waschenen H änden m der Schule an treten und zu Hause — wenig» stens zül Tische — mit sauberii Händen erscheinen. Und wer keimte sie nicht, die Bubenhände, die bekanntlich immer eine mehr oder weniger iundeftnierbsne Farbe, oft dm dunkenlsten Glacehandschuhen ähnlich, haben. Ohne „Heinz" und „Fritz" zu nahe treten zu wollen, ist das heutzutage bei der großen Seisennst ein wunder! Punkt. Besonders, wenn die Mütter jedrSmal, wenn ihr Sprshling von einem Neiulich^itsgefühl angewandt w«d, ruft: , BcrbrLuch mir ja nicht so viel SeiK!" — -Meer trotz aller mütterlichem Ermahnung- hat Fritz wieder die Seife ins Wasser aedmcht rHer gar fallen lassen, weil sie zu glatt ist, u nd seine im geschickten Hände sie nui)t fefthalten komttsn. . Uv: diesem Uebel «bznhelstn und eine längere Haltbarkeit zu erzielen, gibt es ein sehr einsscksts Mittel. . Man zieht durch das im Gebrauch beftMiche Stück Seif« mn etwa vierzig Zentimeter langes Stück Kordel, Mi deren einern Ende — um das Durchrutschen der .Kordel zu verm'e^en — cfer dicker Knoten, noch, besser ein Beinknopf, befestigt ist, hängt es in der Nahe des Gebrauchsortes auf, am besten so entfernt, daß die Seife nicht ins Wasser getaucht werden kaum. . Auf diese Weise erspart man viel Seife, weil diese immer wieder trocknet, und man nur mit der feuchten Hand darüber zu streichen braucht. Das dürfte namentlich in der Küche der häufigen Benützung wegen sehr zu empfehlen- sein. Auch hat die Hausfrau bei weitem nicht so auhupassen, trenn Heinz unb Fritz oder die Dienstboten sich ihrem Rein sichst itsd ran ge hmgeben. Ein.sehr gutes Reinigungsmittel — namentlich zum Händewaschen ist auck)> das gestandene Wasserglas. In vielen Haushaltungen weweir die Eier-Bo träte in entsprechend verdünntes Wasserglas eingelegt. (Ein 2i*er Wasser- »las mit acht Liter Wasser tüchtig imigerührt.) Mt der Zeit aetteht die rttüssigSett und bildet eine nmfe gaNerige Masse. Nach deui Berbraarch der Eier stellt Nim: sich in einem Schüsfelchen etwas von d«n gestandenen Wasserglas parat, und bei jeweiliger Benutzung genügt os, «tu wenig mit dein Finger heranszuholen. Dieses Haichrernigungsmittel ist weitaus besser als die minderwertige, teure Kriegs seife, da es die Hände nicht an greift, sondern zart und geschmeidig macht. Auch zum Abt»asck»n der Kücken!- täfelung, weißer Türen, von Holzgeschirr nstv. ist es erfolgreich anznwenden, und die Seife monatelang einzufparen. Aber ganz entbehren können wir sie doch nicht. — ' Ein^ Falles erinnere ich mich jedoch, wo der allzu sparsame verbrauch der damals — vor etlichen 40 Jahren — in genügender SDtenge vorhandenen Seife für einen meiner Schulkameraden recht verhängnisvoll wurde. } Fütterer" hieß dasGarnickel der Klasse. Er war kern besonders Neißlger, aufmerksamer Schüler und auch kein Freund voii Wasser Und Seife. , w .^^^oes hatte er wie so oft das Pech, daß ihn seine, Matl)ematischen Kenntnisse im Stiche ließen, wrd er nach Ansicht seines gestrengen Herrn Lehrers die üblicheii „Tatzeii" erhalten sollte. i <- warat nuferes sonst ganz gemütlichen Lehrers Lieb- ^Erasen, vermutlich weil ein Strafakt auf diese Asrt am schnellsten Erledigung fand. Diese wurden auch täglich so sicher -„aufgestrichen , wie rn damaliger Zeit die Butter aufs Brot. Fütterer mußte also antveten, inzwischen dos blanke, elastische Rohr Mw Mnem Bersbeck herbeigeholt wurde, und schon fjatte der diensteifr^e Magister zu kräftigem Schwünge ausgeholt und zur sicheren Auftoagung «nt »wer Fingerspitzen die Hand des „Nichts- wilsenden erfaßt, als er m lähcm Schreck — wie von einer Tacan- ^s. a <'^chen — Frirger »ach Stock zuruckzvg und rief: „Kerl, lixrs ^ Hände! — Willst du laiisen was du kannst und die Dandc waschen du Scftv . . . . g . l!" — Fütterer zog sich mit ganz besonderer Eile aus den: Bereich des Pädagogiums, wohl ahnend, daß der ihm zur Tür nacheilende, langbeiiiige Lehrmeister es iroch «urf eine Attacke seiner Kehrseite abgesehen hatte, und verschwand mit ein gezogenem Hinterteil um die Me des widerstandst iger«: Türpfostens. ^ dem drecheustrigen Klasf«Mmmer lag der im Schulhofe Oe* kirchliche Brunnen. Unser gestrenger „Herr Lehrer" konnte es sich mckü t>ersa§en, der schwierigen Reinigungsprozedur des eben ent- lassenen- Sträflings iwn oben zuzuschauen. Bald bemerkten dtt Schüler ern spöttisches Lächeln um den Mund ihres Magisters. Ed mge Borwitzige wagten sich an das Fenster, und nicht lange dauerte ech so waren die drei Fenster belagert, und die so tragisch begonnene. ^Tatzenszene" nahm einen sehr heitern Verlauf, da die ganze Masse mit samt dem Lehrer m ein lautes Gelächter auSbrach. rfiln ,rr t ^ rll!e Fütterer sich vergeblich unter dem vollen Wasserstrahl beurühte, seine pechschwarMi Hände rein zu bringen. W-as hätte er, damals für ein Stückchen Seife gegeben! — Als alles mckM half, ueb er dk Hönde am Erdbodeii, uird mit verzweifeltem Bttck nach dem Fenster ivvlltze er seinem Züchtiger klar machen, eher die Haut als der Schmutz zu weichen beginne. Strafe war ihm fair diesmal erlassen. Ich zweifle jedoch, ob ihm die Tatzen nicht lieber gsaesen wären, als der nachfolgeiide Spott einer etwa sechzigköpsigen SchAerzahl! ^ A.W. lvie e§ uns vor hundrrl Jahren auf dem flachen Lande ergangen ist. „Vor mir liegt eine alte Urkiuide, die damals zurückbehacktenei mntliche Absckrnt eurer Eingabe ans dem oberhessischeii Städtchen Schlitz, vom 7. 9^)vencher 1313 aii „die HochÄbk. EomNlwndcurt-' schoft Sr Kayserl. und Königs. Apoftol. MajeftLt zu M,ifeld". , .Die (Lugabe ist ein« dringende Bitte um Erlaß weiterer «e- forderter Fouragelieferungen an das BVoviantmasariii in Fnäa. NaM^em ar^eMhrt ist, ivie in dem Städtchen Sckstitz und den zur ^^F^ast Schlitz ziigehörigen 16 Dörfern ,chie Ättnurth tsprich drükTercher wird, weil das hier heimisch« GewerLe der Leinen^ wsberei wegen des gesperrten SecchairdÄs sch>on fett Jcchran dar- nttder liegt" heißt es rn dem Schriftstück weiter: r.rr"3^ Moiutt Tlprkl fimgen mrvermuthet die kapstick, französischen Cavalrene TruwAi Märsche durch das kleine Gebist an wrd dauerten bis Anfang -OLober. Der Mangel an Haber, Leu und Stroh ivar schrecklich. Das etgNe Vieh, d-l-rch stete Milttstrs.lhwn' ab gemattet, mußte diese halbhuiimckg verrichten. Mt den größten Kosten Hl# man im Ausland Forwage ankaufen, wo aber ebenfalls der kNüngel ciittrat. M«rncher konnte den Haber nicht zu Elfen bekonttn«n, nm%e ihn bor-vi, um ihn von der dstsjähi-igen: ^oiwe Lu erstatten. Glücklicherweise war letztioe nicht abermaLS eine MSeriLe /wie die vvriührige, sond«rn fo-w«it ergiebig dag man sich damtt ost« sorchettich großen Ankauf im Ausland bis zur nächfb6n Ecnde duschbringeii zu köniien hoffen durfte." DaS Ausland von ^wo die ssvurage her b^osen wurde, ist an twb&xi ÄtheMche und WElische b-z-ichnÄ. „Allein ?kst,s«tt dem Oktober dss K-vr^e SchÜtzffche Gebiet h imechort irnt CavalleiÄ; -Überschwemmt wordsm daß msn sich durchaus nicht Mehr zu helfen toriß. Um nicht writtäuftg zu ioerdsr, will MLii gar nicht beüühren, was au Leberssniitteüc, an Fl«ßch Brod Bvaicher-eiii, sfdtrnn an Meir, Waa«isch;nier usw. arnks-etzangen- mcht erwähnen, was für h^eld. KleDrr u. s. fort erpreßt tvorden: denn da dres so wild durcheinandergetriebsr wird, da8 jeder Lttlgen- blick neue traurige Auftritte darsttlkt med eine Beraubung uiid ">1ö- I-anesung, die andre verdrängt, überdies auch alle Einwohner sich in ^r gr-otztsn Bech'iiHwlg und wahrer Verzweiflung sich befinden, so lassen sch du- Berachiiungen dvs erlttbenen Schaden- vi«F^chtz nK > E aber geg.ewn«ctig in der Fortdauer der Leiden aufsstllm. Man bstibt emsttveilen bei der Fonragr itehen. Im Eckand ist diese dennWien gar nicht zu kaiifen. weil die Orte, welche denglerckien entbehren könnten, besorgen müssen, selbst Durchmärsche zu Oetommen. Är Wahrheit ist, daß män erschöpft ist, und viele jetzt den Saa-mhaber- nicht mehr besitzen. Mit dem Hetn ist's ebenf.,- doch ist der Mangel des ersteren, des Habers am fühlbarstni, werk dieser seither in unglaublicher Menge nicht sowohl verbraucht, als vn> schwendet worden ist. Mrs sonst 3—4 Pferd? erhielten, nimmt jetzt em einziges weg. Das Heu wird mit zur Streu verbraucht Die Dauern, welche teils nach hier, teils nach Fuld liefern sollten,'wer^ ten unterwegs ge fallen, ihnen die Forrrage al*genoniMeii, und! aewohnlwh aluch das Dreh mit fortgeführt. Bon Fuld kamen! Fonrage rneamsizronen. während ynnn selbst der Zuliestnmgen benötigt war Mid!»vahrend der' nemlick»eii Anforderungen von dein Militär di deii FUldischM Orten Burghauii und Mtchelswiiibech und selbst Aiterbach her geschehn und mit größer Getrialt das begehrt« erpi^;t Wicrde. Blos i^rs. was auf diese Art regninirt, voii der S.raßie oder von den Haber -amd Heuböden gewaltsam außer den aogenchteten Ra-ronkM weggemommen ioorden. übersteigt frfou die Kräfte dieses non Natur frrckZtarmen Ländcheas, und macht weitere Berp^gung^durckMarschi n^ibtr -Terchipen laimöglich. 9hm aber SgT' a - VJ0d K ^I lc ^ orn ' öa&cc und H-wlststr-una in das Magd zu Fuld zu bÄvür-ken, übertrifft alle Kräfte und'vollendet oen tiiiiZu. Welches Ergebnis diese Bittschrift frixr F-olgc gehabt hat, ist nicht mehr ftstzufdclleu. — Es ist gegenwärtig wohl angebracht an diele Kitt^KnöLe vor hnnbart Jahixu: zu erinnern, die in eurer dnmidevvttsrten, vvnr Äcrfthr znnUich ab gelegenen Eegand in, Erscheinung trcrtan. Wie mag es avec erst an den großen HLer-, sttaßcn hergegangen sein? Die Namen der Gefallenen an die Häuser! Aus dem 1. -lprityest des „Deutschen Willens" (Kuirstwart): Edmond Rvstand trat einen Vorschlag gem«cht, daß die Nanren der Gesallenetl aus'dkejelrigen Häuser geickMicben würden, in denen sie gelebt haben. Nur der Nanre und ein „Denlt an ihn!" dazu. „Ter Baumeister wird mit Liebe einen Platz für sie suchen. Die armen Hütten werden strahlen, wenn sie den Siam«: solch eines Gefallenen tragen, die Marmorpaläste aber, die keinen zeigen, werden minder stolz sein." Wo der Name anzuvringen sei, das läßt Rostand ganz vom Einzelfall abhängeir: „An die Wand der Schreibstube, rn welcher der Gefalllurc gearbeitet hat, an den Rand des Ackers, dem er gepflügt, an den Eingang des Garteirs, den er zur Blüte gebracht lZrt. Aber an das Haus, das Haus vor allem. Ter Name leuchte ül^er dem Türgiebel rüxw mit der Bahn an unsere Expedition znrück- gesandt, wodurch Arbeitskräfte und Frachtraum erheblich beirftet werden. Darum ivird von R?ontag ab die TimeS keine unverkauften Exemplare mehr zurücknehmen. Die Verkaufsstelle: dürfen nur so viel Zeiuntgseremplare bestellen,als bei ihnen abonniert wurden. Leute, die ohne Abonnement die Times lesen »vollen, müssen in Zukunft mit einem Aborrnenten einen Lesezirkel bilden. Da die Lage sich rapide zuspitzt. werden übrigens in loeuigen Wochen alle großen Blätter ihre Preise wieder erheblich steigern müssen. * Die brave Lloyd George-FaMilie. „Ter jüngste Sohn Lloyd Georges," so berichtet der Gaulots. „hatte ber seinem Feldkommando einen Urlaub erbeten, um der Verheiratung seine- Bruders in England beizuwohnen. Wagen der Betzentung der frc\ven- wärtigen Offensive wmrde ihm jedoch der Urlaub verweigert. Die Faniilie Lloyd Georges feierte außerdem die Hochzeit in vorbildlicher Weise, indem nach der reliaiösen Zeremonie nur ein einfaches Kriegs frühstück verabreicht wurde. Alkoholische Getränte waren dabei auch in der kleinsten Menge nicht zu bekommen." VLcherttsch. — Krüger, Gustav, v. vr., Professor: DaS Ehrt ft uS- bild unserer Altvordern. Volkschriften zum großenKttear 106/107. Verlag des Evangelischen Bundes, Berlin W. 35. Preis 20 Pfg. — Die verscl/üdenartige, dem deutsche Geist! entsprmrgene Gestaltung deS Chrrftusbildes bei Franken, Angelsachsen und aan» besonders im Heliand als streitbarer und siegreicher Held, der Über alle seine Feinde den Sieg behält, schildert der Verfafler in vorzüglicher Weise. — Deutscher Will -2 (Kunstwart). Erstes Aprilheft 1917. (Kriegsausgabe zatttt ennäßigten Preis von 3,60 Mart vrecteljähr- lich. Verlag von Georg D. W. Eallwey, Müarchcn.) Das H<üt wrrd! ein geleitet durch eine Bettachtung vyn Avsncttrus Über .Kriegsanleihe und Geistesarbeiter". Ern seltt »vertvolLS? A»rflatz über „Friü)«nserhaltung und Friedensgeswltuna" folgt. Der „Gestaltung der Landschaft" gelH Sctzlltzo-4öl»rnMuia> in einer längeren Ausführung nach „Hur Oper-Frage" bringt Wolfacaig Schumarm einen sthr tief schürfenderr Beitraig, der dj>2 künftige Entwicklung! dieses Musikgebietes krittsch betrachtend lierau'SMk. Jung-Sttl- lings 100. Todestag am 2. April gedenkt Paul Th. Hoffmann in einernl Aufsätze „Vom Heimweh", der den ersten Dorfgeschickxtdichter und Jugendfreund Goethes in seinen» Wirken und künstlerischen Schaffen zeichnet jurid auf das hinweift, toaS Stilling uns noch heut« zu sagen hat. Proben auS seinen Werken folgen. Vuchftavenratsel. Zum große»: Rennen »var'L mit d ergangen. Viel Nennungen erwlgten. Doch o weh! Als kaum das erste Rennen angefangen, Hieß eS, es sei reell nicht zugeganger:, lind in der Menge kam's zuin Wort mit t — Zi. (Auflösung in nächster Nummer.) Vee»«rschtes. * Her englische Ratienkrieg. Nach einer Mitteilung der „ÄimeS" inacht die englische Regierung und das Lanitzvirt- Auflösung des ErgänzungsrätfelS in voriger Nummer: DerS, Arsen, Kunde, Jungfer, Ltnd^ Blick, Scherz, Fahne, Kerze, Aug^ Versenkung feindlicher Fabrze»»ge. Gchristleitung: Fr. R. Zenz.—ZwillingSrunddrnck und Verlag der Brühl'schen NniversttätS-Buch- und Stetndruckeret. R« Lange, Eteben.