Pechmarie und Hans im Glück. Die Geschichte einer Jugendfreundschaft von C. v. D o r n a u. Nachdruck und Uebersetzungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten. (Fortsetzung.) Das wirkte förmlich grotesk nach den Vorgängen der letzten Stunde. Trotz allen gerechten Verdrusses mußte Hans lachen. „Du kannst mich auch ruhig noch 'mal ansehen beim Abschied!" sagte er neckend und hielt ihre Hand fest. Sie tat'9, wie gegen ihren Willen dazu gezwungen. Ern einziger, rasch vorbeihuschender Blick war's in sein gutes, ehrliches, güteleuchtendes Gesicht-Aber er sah doch daß große, schwere Tränen in ihren dunklen Augen standen, und die seinen wurden Mild und sanft: „Ich danke dir — für alles, was du mir gewesen bist, Marie!" sagte er sehr ernsthaft. Er wollte ibr noch mehr sagen: daß sie Vertrauen zu ibm haben solle — daß sie immer, immer (ruf ihn zählen dürfe — aber er fand kein weiteres Wort. Sie wußte das ja alles, auch ohne daß er sie's erst groß versicherte. Und der Kleinbahnschafsner mahnte aufgeregt zum Einsteigen, ehe ihm noch eingefallen war, was er ihr nock) sonst hätte sagen können. Da blieb's bei dem: „ich danke dir für alles, was du mir gewesen bist!" Die zehn Worte bildeten den Urtext, die Grnndmelodie für eine wundervolle Glückssymphonie, die aus der ganzen Reise in Maries bescheidener Seele tveit ertönte. 6 . 'Kaum betrat Marie die blitzblank geputzten Zimmer daheim, als sich Fiddi Moll bereits einstellte. Sie hatte Mille gehörig ausgefragt und am Fenster auf Maries' Ankunft gewartet. Dann war sie die Treppen hinunter- geschosseu, batte stürmisch und andauernd an der Wohnungstür geschellt, die sich grad' eben erst hinter Marie schloß, und hing nun weinend nnd jammernd am Halse der Ueber- raschten. Marie, noch in Hut und Mantel, versuchte vergebens, das kleine, zähe Geschöpf abzuschütteln. Mille, zuerst so verdutzt wie sie, kam ihr schließlich zu Hilfe. „Was soll deuu das heißen!" rief sie erbost. „Mein Fräulein is eben erst da, nnd nun belästigen Sie ihr schon! Nomm-eu Sie gefälligst wieder, wen'.l sie sich ansgeruht hat." Urrd sie nahm Fiddi Moll wie ein Kirrd an beiden Schrck- jbern und schob sie der Wohnungstür zu, ohne die geringste Rücksicht auf ihre Bitten und Wehklagen. „Laß, Mille," sagte Marie sanft, Nach der ersten Ueber- xaschmrg und Entrüstung ob des jähen Ueberfalls spiirte sie jetzt nur ruxh Mitleid. Wie verzweifelt mußte die arme, narrische, kieiue Persou sein, wemr sie sich in Kannlles Gegemvart derartig gehen ließ, vor der sie ihre Sorgen INuo Mte bisher stets geschickt verbarg!" „Laß ma, SDtttte/' tviedarholte sie, als die Alte nicht gleich hörte. „Ich bin nicht müde, nicht abgespannt. Und wenn ich's wäre — du siehst ja, daß Fräulein Molden- brecher ernsten Kmnmer hat. Hier — nimm meinen Hut und den Staubmantel und laß uns allein —" Fiddi Moll hatte schleunigst^mit Weinen aufgehört und lauschte begierig auf jedes trostreich dünkende Wort. Kamille sah ihre Herrin an — dann sie — dann wieder Marie seufzte und gehorchte schweigerck). Marie trat ins Wohnzimmer zurück, auf dessen Schwelle sie bisher gestandem nnd die Moll huschte gewandt hinter ihr hrnein, sah sich ängstlich um, ob auch Kamille wirklich fort war, und versuchte sich daun mit einem neuen Tränenstrom abermals in Maries Arm zu werfen. 2lber die war jetzt auf ihrer Hut. Sie zog sich hinter einen Stuhl zurück, dessen Lehne sie fest nmspamcke, mib deutete mit dem Kopf nach dem Sofa hinüber. . . „Setzen Sie sich, bitte, nnd erzählen Sie vernünftig r befahl sie nicht ohne Strenge. „Ans Fhrein Briefe bin ich wirklich nicht ganz klug geworden. Aber Sie sehen, ich bin gekommen. Also reden Sie —" Uixb Fiddi Moll redete. Oft von Schluchzen unterbrochen, weitschweifig nnd recht verworren. Aber schließlich schälte sich doch der Kern der Sache für die schweigsame Zuhörerin heraus: Die beiden gesck-äftsnnkuubigen Künstlerinnen hatten ihr Pensionat ganz ins Blaue hinein, ohne die geringsten Kemrtnisse, fast ohne Mittel begründet. Vticht nur die Möbel — nein auch Betten, Wäsche, Tafelgeschirr, Kücheneinrichtung, kurz, so gut wie alles war einem Ab- zahlungsgesck-äft entnommen. Die Zahlungen waren schon lange unregelmäßig erfolgt: jetzt stockten sie gänzlich. Ein paar Pensionäre hatten gekündigt, waren weggezogen —1 neue hatten sich nicht eingefnnden. Nun ivar das Ende da. Ein Eride mit Schrecken. Wenn sie bis übermorgen nicht zahlten, wirr de ihnen alles, alles wieder ans dem Hanse geholt — sie hatten damals blindlings einen Kontrakt unterzeichnet, wonach sämtliche Gegenstände bis zur Abzahlung des letzten Pfennigs Eigentum jenes Geschästs- nnternehmers blieben nnd von ihm zurückgenommen werden konnten, sobald die Zahlungen nicht pünktlich erfolgten. Nun hatte Fiddi Moll alles aus ihrem krausen Herzen und Gehirn heransgeschüttelt. Sie saß stumm loeinend da, geduckt, wie ein Kind, das Prügel fürchtet — Maries kaltes Schweigen bedrückte sie immer mehr. Sie hatte sich das nach früheren Erfahrungen ganz bedeutend leichter gedacht! AL er Marie schwieg wirklich nicht nur aus Vorsicht. Sie war erschrocken, aufrichtig erschrocken- Selbst ihr ungeübter Tatsachensinn sah ein, daß hier mit kleinen Mitteln nicht mehr zu helfen tvar. Hier mußte radikal eiugegrisfen werden — oder gar rächt. Und die Verantwortlichkeit lvar groß. Diesen unfähigen Unglücksweibern eine größere Snmnre Geldes vocschießen, hieß irn Grunde nur, ihren Leichtsurn, ihre Oberftächlichkeit unterstützen. „Und da to-nmren Sie nun zu mir!" sagte Marie ver- — 170 Beßlich. Verdrießlich, nicht, weit sie iricht helfeii wollte, ftmdern weil sie sich's nicht jutraufce, helfen zu könnvii. —> Fiddi Moll fing s-oglerch wieder mit lemten Klagen an. „Wir haben ja niemand anders aW Sie," schluchzte sie, ^Veinerr Menschen weiter in der Welt! Und wir dachten—': Die, die Sie nnt Glücksg übern so gesegnet fiub, könnten uns doch wenigstens ein wenig — über die nächste Zeit h-i bis tvir wieder mehr Pensionäre haben —" „Einen Augenblick!" unterbrach Marie. Sie hob Schwei- f eu gebietend die Hand und ging bis zum Erkerfenster inüber, wo sie sinnend stehen blieb. Hier hatte Hans Anhoff gesessen, hier hatte sie sein Buch gelesen. Sein Buch, in dem so viel Irren und Frieden, Suchen und Kämpfen war. —> — Und Hans Im hoff hatte ihr gedankt, für alles, was sie ihm gewesen war. — — Sie stano noch ein paar Minuten in ernstester Ueber- legung. Dann kehrte sie zu der kleinen Bittstellerin zurück, die ihr angstvoll und verschüchtert entgegensah, und blieb dicht vor ihr stehen. „Ich »will Ihnen helfen," sagte sie nach einer kleinen Pause voll atemloser Spannung. Das Geschöpfchen schnellte jubelnd in die Höhe, wollte sich freudeweinend in ihre Arme stürzen — sie drückte es nicht unsanft, aber energisch auf seinen Sitz zurück. „Ah will Hhnen helfen," wiederholte sie lauter und S ster. Sie trat ein wenig seitwärts und schob einen schützen- n Stuhl zwischen ihre Person und die der anderen. „Aber ich will das anders, als Sie denken — so, wie Sie's wünschen, geht das nicht — hören Sie mich einmal ganz ruhig und vernünftig an, ohne dazwischen zu schwatzen. Wollen Sie das?" » ,^Ja," bauchte Fiddi Moll demütig. Sie saß bebend da und starrte oie so Verwandelte schweigend an. Marie stützte sich auf die Stuhllehne und entwickelte klar urrd ruhig, was sie zu tun beabsichtigte. In Wirklichkeit wurde sie sich erst beim Sprechen klar. Ganz, wie's Hans Jmhoff von sich behauptet hatte. Der liebe Freund. Immer wieder tauchte sein Bild vor ihr auf, und tin leises Lächeln überflog chr ernstes Gesicht. Mit Geld allein, was doch die beiden nie würden zu- rückzahlen können, war ihnen absolut nicht geholfen. Marie fetzte daö der etwas ungläubig Aufhorchenden logisch ausein- 6 ander — und sich selber gleichzeitig auch. Sie gab ihr auch onungslos zu verstehen, daß sie die beiden Freundinnen erhaupt für unfähig halte, ein derartiges Unternehmen tzu leiten. Daß sie sich vor allen Dingen entschließen müßten, das Pensionat aufzugeben und etwas anderes anzusangen, toaS chrer — ihrer Begabung mehr entspräche und, als wichtigste Bedingung, nicht mehr Anlagekapital von ihnen forderte, als sie wirklich besaßen —" ,^Za, aber —" Fiddi Moll lauschte angstvoll, rang verzweifelt die Hände. — „Wenn wir unsere schöne Pension jetzt ausgeben — dann haben wir doch erst recht nichts —?" „Natürlich nicht! Aufgeben ist auch nicht das richtige Wort. Ich will sagen: Sie müssen die Pension eben abtreten — verkaufen." „Verkaufen!" Fiddi Moll spitzte gierig die Ohren. Das Wort „verkaufen" hatte goldenen Klang. Aber gleich überfiel sie wieder Angst und Verzagen: „Wer wird mrs die aber gleich abkaufen mögen!" ächzte sie. Da trat Marie tief Atenr schöpfend einen Schritt vor. , "Ich!" sagte sie fest. „Ich kaufe sie Ihnen ab! Jetzt glerch — sofort. Und übernehme sie selber. Ueber den Preis werden )vir uns schon einigen; denn natürlich —f' hier mackste wiaxie den Versuch, äußerst geschäftsmäßig, äußerst kühl, berechnend und zurückhaltend auszusehen — „natürlich muß ich mich erst ganz genau unterrichten, wieviel die Pension jetzt wert ist, wieviel Sie hineingesteckt haben und wieder rechtmäßig herausbekommen müssen! Wir werden gleich mal zu Ihnen nach oben steigen, und Sie müssen sich schon dazu verstehen, mir alle Ihre Bücher und Llbmachungen vorzulegen." ' u Ob Fiddi Moll sich dazu verstand! Ihre Freude war ww ihr Kummer. Sie schleifte Marie förm- lich im Triumph nach oben, sie tanzte, lachte, schwatzte bis zur völligen Atemlosigkeit. Sie holte Fräulein Meta Stil- ling herbei, die würdevoll ins Zimnrer rauschte und Marie mit königlicher Gebärde die Hand reichte: „Niemand trete ich unsere Schöpfung lieber ab, als Ihnen!" Dann schlepp- ten berde ein halbes Dutzend höchst unordentlich geführter Ausgabe- und Einnahmekvnten herbei, aus denen sich auch viel klügere Geschäftsleute als' die arme Marie nicht heraus« gefunden hätten. Sie häuften Papiere — Kontrakte, Rech* nungeu, Mahnbriefe — vor ihr aus, bis es Marie schwindlig wurde und sie um ein Glas Wasser bat. Sie macksten eine Art Winkelkonsulenten ausfindig — einen Referendar a. D. — der bei der Prüfung der Bücher und Regelung der Geldgeschäfte verlvendet wurde. Uebrigens ein guter Bekannter von Fiddi Moll ans früheren Zeiten. Marie hegte ein gewisses Mißtrauen gegen den ziemlich heruntergekommen ausschauenden Herrn uno wimmelte ihn sobald als tunlich wieder ab. Ob sie nun wirklich ein paar hundert Mark mehr oder weniger zahlte — darauf kanr es ja gar nicht so wesentlich an. Die Hauptsache blieb, daß alles klar geordnet urrd den armen hilflosen Geschöpfen dauernd aeholfen wurdet Marie nahm schließlich die ganze Sache allein in die Hand, machte einen dicken Strich durch alle Berechnungen und! Kostenanschläge, die doch nur Verwirrung in die gaiize Air- aelegenbeit hineintrugeii — und nannte den Freundinnett kurz uno bündig eine Summe, die sie ihnen für Ueberlassung des Pensionats und Ablösung der bisher gezahlten Raten aus setzte. »Eine Summe, die, so klug Marie sie auch bemessen zu haben glaubte, die kühnsten Erwartungen der beiden Damen und ihres geheimen Beraters doch noch übertraf. Vorher war Marie zu der gesprächigen Hauswirtin gegangen und hatte sich mit ihr anseinanderg^setzt. Das toav leichte Mühe, sobald man erst durch den Schwall von Gesprächigkeit hindurchgedrungen war. Die brave Hausbesitzerin war eine zu tüchtige Geschäftsfrau, um nicht sehr rasch einzusehen, wieviel vorteilhafter es für sie sei, mit dem vermögenden, hochanständigen Fräulein Krumpa zu tun zu haben, als mit dem unzuverlässigen „Theater-Pack"" im dritten Stock. Marie löste also sowohl den eigenen Mietskontrakt alS den der beiden Damen Mollenbrecher-Stilling. Dafür mietete sie ben ganzen gerade leer stehenden Stock des Hauses! und richtete ihn mit ihren eigenen und den fertig abgezahlten Möbeln ihrer Vorgängerinnen sehr hübsch und zweckentsprechend als Fremdenpensionat ein. Es kostete sie das alles viel Geld — viel mehr, als sie zuerst angenommen hatte — urrd sie mußte ihr Kapital erheblich angreisen. Aber was schadete das? Ihr blieb ja soviel — reichlich genug! Und sie war glücklich, glücklich in der Ueberfülle der Arbeit — und im Bewußtsein, Menschen aeholfen zu haben, die ihr vertraut, auf sie gehofft hatten, oie ohne sie verloren ge- wesen wärerr. Mille hatte sich erst sozusagen mit Händen und Füßen, jedenfalls mit Aufgebot all ihrer Redekräfte gesträubt. Aber Marie faßte schließlich ihren Arm und sah ihr tief, tief in die rornrgen Augen: „Siehst du denn nicht ein, Mille, daß ich das haben muß — die Arbeit, das Sorgen — damit ich mein Leben ertrage?" Da schwieg sie und fügte sich. Und ihre wirtschaftliche Tüchtigkeit schwelgte bald rn der ausgezwungenen Aufgabe. Dies Scheuern, dies Putzen, dies Nichten und Kramen — es war wundervoll! Ein kleines flinkes, sauberes Dienstmädchen mußte der Alten *itr Hand gehen. Es stand in zitternder Abhängigkeit vor ll)r — ein halbverhungertes Waisenkind — Mille zankte und erzog und fütterte das kleine Ding heraus, als ob^s ein Konkurrent ihres fetten Puffs werden sollte. Von den drei Pensionären ihrer Vorgängerinnen behielt Marie nur einen einzigen. Eine alte, stocktaube, sehr lau- ursche und anspruchsvolle Dame, die eine kleine Stiftsrente zu verzehreil hatte und wegen Unverträglichkeit aus so vielen Fremdenpensionen hinausgegrault worden lvar, daß sie des Unterschlupfs bei den Damen Moll und Stillina \xolj sein mußte. Die beiden anderen waren ihrer schmuddligen Wirtschaft mir deshalb treu geblieben, weil sie mit dev Zahlung im Rückstand waren. Marie erließ den beiden großmutig ihre Schuld und tat sie hinaus. Es waren außerdem zwei Herren — ein Student und ein ältlicher, beschäftigungsloser Hauslehrer — da sie beabsichtigte, nur Damen aufzunehmen. Dazu hatte ihr Hans Jmhoff so dringend, so berz- llch, unter Anfiihrung so triftiger Gründe geraten, daß ein Widersprich undenkbar blieb. Sie standen jetzt beide in lebhastesteni, frenndschaftlichf- stem Briefwechsel. Hans hatte ani Tage nach ihrer über- sturzten Mreise einen seiner sonnigsten, gütigsten, zugleich lerstandigsten und übermütigsten Briefe au sie gerichtet. Fast n derselben Stunde, in der sie an ihn schrieb lind ihn wegen ihres „dummen, albernen" Beiiehmens beim Abschied sehr drollig und widerwillig um Vergebung bat. Diese beider, Briefe, die sich kreuzten, führten eine vollkommene Versöhnung zwischen ihnen herbei. Marie teilte dem Freunde kurz Mit, was sie zu tun beabsichtige, und wenn sie sich in ihrem Entschlüsse auch nicht durch ihn erschüttern ließ, so holte sie doch wenigsterrs in Nebendingerl seinen Rat ein und befolgte ihn nach Möglichkeit. Alles, was Sinn und Verstand hatte bei Marie Krumvas Unternehmung, was zu ihrem Vorteil und Bestell dabei, war, geschah aus Hans Jmhofss Veranlassung hin. Daß das nicht mehr wurde, war wirklich nicht seine Schuld. i —i Er empfahl sie auch an seinen Verleger in Berlin, einen alten, wlird.lgen Herrn, in Geschäftssachen außerhalb seines Verlages so unerfahren wie ein unmündiges Kind — oder wie Marie selbst, was dasselbe besagte; aber er konnte sie wenigstens beraten, in welchen Blättern man aln zweckmäßigsten inserierte, um ihr Pensionat zu enrpfehlen — und er xomite ihr sogar nach einigen Wochen selber eine Pensio- narm verschaffen, eine junge Russin, die an der Berliner Universität studierte. Die Russin rauchte übermäßig viel Blgaretten, verqualmte die ganze Wohnung und bezahlte dafür nicht ganz pünktlich — aber sie bildete doch mit der tauben Stlftsdame, Fräulein Fiddi Moll und Fräulein Meta Stllllng zusammen einen festen, kleinen Stamm. „ , 2a! Fiddi Moll und Meta Stilling gingen dem neuen Unternehmen nicht verloren! Als sie die dritte Etage räumen mußten, waren sie zu Marie hinabgestiegen und hatten sie um gastliche Aufnahme gebeten. Nur für ein paar Tage nur, brs sie sich anderwärts untergebracht, einen neuen Beruf gefunden hatten. Aber der fand sich so rasch nicht. Und auch in eine aridere Pension überzusiedeln, zeigten sie gar keine Lust. Wozu auch? Bei Marie war's unbeschreiblich sauber und nett, und die alte Mille kochte wunderbar. Nach acht Lagen — nachdenr Marie auf einen warnenden Brief Hans jmhofss hin den beiden Gästen wegen ihrer Zukunftspläne ein wenig auf den Zahn zu fühlen begonnen — erschienen sie b^e vor ihr mit dem Vorschlag, sie zunächst selber in Pen- swn-Wohnung u^d volle Verpflegung — zu nehmen. Als vollzahlende Pensionäre natürlich. Meta Stilling hob das sehr hervor. Und Marie kam sich außerordentlich schlau- berechnend, kalcherzig und geschäftsgewandt vor, als sie sich nur unter der Bedingung bereit erklärte, daß die Zahlungen binen ganzen Monat int voraus zu erfolgen hätten^ Meta Stilling erkannte die Forderung für voll berech- £ l ?ir^ an o- '^/wlte mit ihrer kleinen Freundin in zwei ^immerchen der zweiten Etage über. Sie verfehlte nicht, Marie gleich in der ersteil Stunde mit einer gewissen Emphase das vereinbarte Kostgeld für den beginnenden Mo- nat zu überreichen. Auch die nächsten Male erfolgten die Zahlungen uberwältigerid exakt. Marie schriebt triumphierend dem Freunde. Der Gedanke kam ihr niemals, daß wurde"— Ia mit ^ rem Egonen Gelde bezahlt (Fortsetzung folgt.) Der Herzenbrecher. Ein heiteres Gcschichtchen von Käthe v on Beeker. Die Frau Amtsrichter besuchte die Frau Doktor. Sie trat groß und gewichtig ein, — die zierlichen Salvnmöbel zitterten' alle heimlich bei ihrem energischen Schritt, und ihre schlanke, zierliche Herrin zitterte gleichfalls heimlich, warf einen angstvoll sorgenden Blick auf die fernen, hohen Empirebcinchen ihrer Lieblinge mW lnd dann mit reizeiider Handbewegnng uiid annmtigem Läckieln den stattlichen Besllch in die Wohnsüü>e, irr der iveite Lehnstühle mit festem Untergrniide eine erquickliche Sicherheit boten ^klärte die liebenswürdige Wirtin, „da Jot meine Mia ihr Spielwinkelchen, kann ihren lieben, kleinen Besuch am besten empfangen, und tvir beiden Mütter genießen die Freude Unsere Kinder in ihrem Beisammensein zu beobachten." Die Frau Amtsrichter hatte nänüich ihren Stammhalter mü- gebracht, per z-ugleich li.hr Ebenbild toar, nur ins' männlich? amd vier- tähnge übertragen, aber in diesem Verhältnis ebenso stattlich und gewichtig wie die Frau Mama. , Die lächelte breit Und zufrieden. Ja ich wollte Ihrer Kleinen- eine Frellde macheii. Sie ist immer so allein, imd kleine Mädck)-en Niögen kleine Jwigens besonders gern. Sie rnachen meinem Bubi sckion jetzt alle den Hof. Ter wird mal ein Schlimmer werden! Er laßt ste alle an sich herankommen und ihn umkosen, aber er selbst bleibt kühl bis ans Herz hiimn. Freilich, vor Ihrem Elschen. wird ferne stolze Zurückhaltung wohl kaum Vorhalten, die ist ja wie ein Püppchen, nmn nurgt sie kairm anznrühren, so zart! Aber Bubi wird das auch nicht ttm, er ist nach jeder Seite hin zurück- haltendr Ms Frau Doktors ausdrucksvollem Gesicht hatten sich bieder langsamen, wohlgefälligen Rede ihres Gastes allerlei sindungen abgespiegelt, es kostete die Mühe, dem derben, blonden! Junge::, der Mutters Kleid fest in einer der fetten Hände haltend, sich mit einer gewissen mißmutigen Würde in das Zimmer schob, über das borstige Haar zu streichen und liebenswürdig auf ih« herabzulc^elst, denn die Bemerkung, daß alle lleinen Mädchen dieses kleine Walroß — wie Frau Doktor ihn heimlich nannte —> umtosen sollten, ging ihr als sehr stolzen Mutter eines kleinen, reizenden Mädchens gegen das mütterliche und weibliche Empfrn- den, und nur die anerkennende Wendung, daß vor Mias Liebreiz sich selbst das männlich stolze Herz Bubis erwärmen müßte, sänftigtü ihren heimlichen Aerger. Ta kam auch schon Mia angeflattert, im weißen Spitzenlleio- chen mit mattgrüner Seidenschärpe, mit feinen nackten Aermckien und Beinchen, auch Empirestil wie die Salonmöbel, mit blonden entzückenden Löckchen und rosigem Blumengesicht, ein lleines, süßes Menschenküch, — nein, — ein Schmetterling, eine Blüte, ein Gedicht, roenigstens in den Augen der Mutter, während über das runde Vollmondsgesicht der Frau Amtsrichter fast etwas wie Mitleid flog urrd ihr Blick sich zur Erhöhung schnell auf ihren fest- geständerten, rotbackigen SprMing senkte. Sie schob ihn eilt Stück vorwärts, Mia entgegen. „Da, Kleines, da Hab' ich dir einen. Spielgefährten gebracht, mit dem kannst du dich amüsieren, während ich mit Mama spreche." Mia war entzückt, — die Frau Amtsrichter hatte recht, sie kam so selten mit Kindern zusammen, mrd in ihrem Herzchen war so viel Liebe. Freurrdschaft und Geselligkeitstrieb! Das rosig« Gesichtchen wurde noch rosiger und strahlte wie eitel Scnrnenschein, ihre feinen, weißen Fingerchen faßten gleich eine der roten Fetthände des Gastes, Und ihr helles Vogelstinrmchen zwitscherte selig: „Komm' m:r, lieber Bubi, ich zeige dir all meine Spielsachen^ Wir lvollen zusammen spielen und ich erzähle dir ein schönes Märchen. Ich Hab dich doch so lieb, Bubi!" Damit zog sie den wie ein Eichxlum fest Wurzelnden mit zärtlickier Getvalt vorwärts, ihrem Spielwinkel zu, ihnr immcrtf lieblich zu redend und ihn mit den weißen Fingerchen streichelnd. Frau Amtsrichter lachte befriedigt auf. „Sagt' ich's nicht? Sie fängt's inrmer gleich an, Liebeserklärung und Liebkosung^ Ja, die Mänrner haben es gut, von früher Kindheit an werden sie von den Frauen verwöhnt und umgirrt." Die Mutter der lleineu Zärtlichen lächerlte süß-sauer. „Das wollen wir nun doch nicht sage,;. Mia würde jedes kleine Mädchen ebenso liebevoll empfangen, sie hat eben ein gastliches, liebevolles Gemüt und freuU sich der Spielgefährten, ganz gleich, ob es ein Junge oder ei:- Mädchen ist. „Na ja, ich sag' ja auch nicht, daß sie ihn gleich heiratent will," lachte Bubis Mutter witzig, .trotzdem ich gegen solch ein Schwiegertöchterchen nichts einzuivenden hätte" — bei sich dachte sie, daß ihr solch ein erbärmliches Spinnendingchen für ihren Pracht- jungen höchst unwillkommen sein würde — „aber dagegen läßt sich nickst streiten, der Zug zum Mann steckt schon im jüngsten Mädel. Hören sie nur den Ton der Zärtlichkeit. Ich «vette, dasl klingt anders, als we:m sie da ein Gleichwertiges vor sich hätte!" Wirklich klang aus dem Spiellvinkel Mias Silberstimmchen in den kosesteN Lauten herüber: „Da, setz' dich, mein liebest Bubi, in mein Stülstchen. Ach, nein, da gehst du nicht hinein, du bist ein bißchen zu dick! Hier, mein lieber Bubi, willst du ans dem Schemelchen sitzen? Ader das ist nicht so weich, — ich hol' der ein Kißchen, mein lieber Bubi!" Dazu flatterte das Spitzenlleidchen, :cnd die Iveißen Füßchen tanzten um das breitbeinig dasteheiche kleine Walroß, wie die Frau Doktor, und zwar diesmal mit viel grimmigerem Ausdruck, Bubi uneder heimlich umritte, herum, und das kleine Walroß schnaufte und brummte und ließ sich darrn schiver und ungeschickt auf dem sorgsam herbei geholten weichen Kissen nieder. Bubis Mutter lächelte befriedigt und ein bißchen spöttisch zu Mias Mutter hinüber, aber da der Triumph so augenscheinlich auf ihrer Seite war, kam ein edle Siegerregung über sie, und ft# lenkte von der konrpromittierenden Hmidlungslveise Mias ab. „Ich komme nänüich nur auf einen Sprung heran, um über das Wohltätigkeitskonzert mit Ihnen zu spreche:: —." Die Unterhaltung bog nun in ganz abliegeude, harnüvse Bahnen; aber die Hausfrau loar nur nnt halbem Interesse dabei, die andere Hälfte horchte und blickte immer nach dem Spielrvinkel. aus dem nach wie vor Mias immer zärtlicher werdendes Geplauder klang und mit jedem Wort einen Dolch in das stolze Herz ihrer Mutter stieß. Tie liebe, kleine Unscluüd bemühte sich rnlmnrd um die Pflicksten der Gastfreundschaft, sie kramte all ihre Spielsachen ans, rühmte sie mit süßem Zwitschertou. strcickielte zwisck>endurch die immer röter glül-euden Wangen des in lieblosen: Sckpveigen Verharrenden und wttr so allerliebst, daß Sein Mensch von natürlichem Empfinden, lelbst lvem: er erst vier Jahre zählte, diesen: Liebreiz hätte wider- stel>en können. Nur Bubi »v-iderstand, er regte sich nickst. Dieses Walroß! wie Frau Doktor ihn jetzt ohne milderirdeS Beinxuk heimlich imnnte mib dabei etueit folcl-eu Zorn in sich fühlte, daß sie an: liebste:: anfge standen :viire und ihn geohrfeigt hätte. Bet alleden: uxn° die Ko!^crtm:gelecM:heit in Ordmmg gebracht, und die FrcM Amtsrichter schickte sich -um Gehen an. „Kvmm. Bubi, wEr müssen weüer. Nimm Abschied von dem (gtftycn War das hübsch, Meine?" Mia sah nrit ihren blauen Unschilldsangen verklärt -u der Vraserin auf. „O, er ist so süß! Ich l-ab' ihn so lieb!" Tie Frau Doktor l>atte rbren Liebling noch nie gestraft, aber in diesem Augenblick fühlte sie einen starken Drang, das zart« Dingelchen m rütteln tzind zu schütteln und ihm den hübscl>en Locken- köpf kräftig ziurechtzusetzen. «Süß! Dieser ungeschlachte Tolpatsch! Selbst ein vierjähriges kleines Mädck>en sollte sich da schon seiner Ausdrücke bewußt sein! Die Frau Amtsrichter lachte hell auf. „Sagt' ich's nicht- Er wird einmal ein vei'zenbrecher, die kleinen Mädel können ihn: nicht widerstehen: gegen natürliäre Anlagen ist nichts zu machen. Geh. Bubi, sag' deiner kleinen Verehrerin Lebewohl und gib ihr ein Küßchen?" Bubi tapste -tu, griff mit einer seiner heißen, dicken Lände nach Mias kühlem., weißem L-älsä-en und schob seiner: blonden Dickvopf ihrem rosigen Gesichtchen erttgegen. Mit einem Llufschrer bog sich Mia zurück. „Weg du dicker, garstiger Junge!" Und im gleichem Augenblick klatlchte ihr zartes Händchen mit ungeahnter Kraft aut ein« der erst geliebkosten Wangarr des süßen Bubi. Der geplante Kuß und die einem plötzlichen, unl>egrcifl:ckM: Impuls mtsprungene Ohrfeige waren so rafd) allfeinander gefolgt, dc:ß keine der beiden Mütter hindernd hätte eingreifen können. Bubi brüllte auf und flüchtete zu seiner Mutter, Fvau Doktor rief erschreckt: „Aber Mia!" zog chr Kind mit leidenschaftlicher Innigkeit, die ivenigev Zorn als Befriedigung verriet, an sich, und die Frau Amtsrichter, puterrot und empört, schalt: „Nein, so etwas! Ist das ein Benehmen einem Gast gegenüber! Erst ist sie wie ein Täubchen und dann wie eine Megäre! Die kam: gut werden! An dest haben Sie sich ein sauberes Früchtck>en erzogen, meine Liebe!" Das war der Frau Doktor zuviel, besonders da sie sich mit ihrer Tochter niemals mehr eines Siimes gefühlt hatte als im Augenblick, da diese ihre mädchenhafte Würde so energisch verteidigte. Sie zog Mia noch inniger ansich. „Bitte, Mia machte meiner Erziehuna alle Ehre, sie war die liebenswürdigste Wirtin, aber sie wehrte sich gegen Intimitäten. Das ist ein sehr verständlicher mädchenhafter Zug, den Ihr kleiner Herzenbrecher gar nicht zeitig genug fermen lernen kann!" __ Dazu lächelte sie liebenswürdig scherzend und machte einen schwackren Versuch, Bubis Borstenkopf zu streicheln. t Aber Bubis Mutter war nicht zu Scherzen aufgelegt, sie entzog ihn der streichelnden Hand. „Komm mein Herzblatt, — weine nicht! _ Du hast deine erste schmerzhafte Erfahrung im Verkehr mit falschen Frarcen gemacht! Wir rverden das nicht vergessen!" Dannt rauschte sie znr Tür hinaus, und hinter ihr lachte Frau Doktor herzhaft auf, drückte ihre über die eigene impulsive Tat anscheinend nachträglich erschreckte und verwirrte Tochter an sich Und sagte: „Das war nicht. höf!ich, Mia, aber Gott erhalte bist diese natürliche Entschlußkraft im richtiger: Lhu gen blick!" vüchertisch. auch bei timi zahlreiche Freunde ettvorben. Stijn Streu vellg der Arbeiterfrennd, umfaßt liebend die Seele seines Volkes^ den Armen und Bedrückten unter ihnen, imd ist der Stolz der fläunschM Tichickmist genannt worden. Hei-man Teirlinckö Kunst steht in kraftvoller Fülle erst am Anfang seiner Entwicklurig. Goorgeß Eekhoud, dessen Roman „Das neue Karthago" in Frankvehtz in unzähligen dluflagen verbreitet ist, ist in dieser Sammlung durch die von ihm selbst am höchsten geschaßte Novelle „BuvcL Mttttl" vertreten. Henry Conscience' „Rekrut" ist eure äußerst liebenswürdige Idtrlle, :n die er sei:«: eigenen Soldadmevi iunermrgerr hineingcwoben !>nt. Er, der Wicdererwccker dev stämischen Tichtuirg ist durch seinen „Löwen von Flandern" auch in Deutschland rasch bekairirt geivorder:. ^Cber wer wußte bis zum heutigen Tage etivas von deur flämischer: Wunderhorn, den Herr-, licherr alten, flämischen Liedern, ben nberscht verglichen „Visionen der Schwester Hadewich", von dem seltsam tiefen Buch, Ruisbroecks „Die zrvvlf Beghinen", und dem lieblichen „Lar:zelot und Sauderein", und endlich, es wird Zeit uird es ist Pflicht, daß wir rnrs mit dem größter: dieser Flameir, mit Guido Gazelle, beschäftigen. — Deutscher W i l l e (K u n st w a r t). Zweites Mär z- he st 1917. (Kriegsausgabe zum ermäßigter: Preis vor: 3,60Mk. vierteljährlich. Vcnlag von Georg D W. Callwetz, München.) Artus Bonus leitet das Heft ein mit einem Aufsatz über „Realpolitik und Kulturpolitik". „Auch Passionsgedankeu" r:ennt P. Th. Hoffmarm einer: Aufsatz über „Gotthe und der: Tod", irr ivelchenr der Verfasser den Fragen nachgeht: \m$ ist der Too? und was wird r:ach dem Tode? im Sinr:e Gvetheschc'r Meinnrrgen über dieses Thema. 5-annS Heiß bringt zu Stendhals 75. Todestage einen Erinnerungsauffatz Über dieser: französischen Dichter. Ernst Fuchs untersucht die Frage: „Immer weiter das römische Recht?" Er wünscht eine größere Vorurteilslosigkeit in dieser noch allzusehr von einem falschen Historismus verschleierten Angelegcnhett und fordert eine Losbewegung von der ronmnischen Scholastik, der wir fett dem Trrnbruch Italiens noch weniger anzuhängen brauchen. Otto Eorlxrch bringt einen ausfr'thrlichen Beitrag über „ErirährrrngS- Politik" und begründet gebieterisch die Forderung, daß bei allen Maßnahmen in Fragen der Ernährung auf den Ursprung der Erzeugung Ukrückgegangen und dort angefangen werden müsse. Bon dieser inneren -znr äußeren Politik führt eilte Arbeit Ernst HartmigS über „Schrvsdische Stimme,:", in der eingehend das Programm der schwedischen Aktivisten und ihre Stellung zum Weltkrieg sowie oie Stimnrung der öffentlick-ien Meirrnng in Schveden überhaupt nach der neuesten Literat:!r besprochen wird. — Sei gegrüßt in weiter Ferne! So lautet der Titel einer neuen Schrift von Joliannes H ö f f n e r, die soeben im Verlage von I. Engelhoims Nachf. in Stuttgart erschienen ist. Weit entfernt von jeglichem Frömmelei, ist daö Werk völlig mit der lauteren Lust des evangelischen Pfarrhauses und des dörflichen Leben erfüllt. — Band Nr. 1109 von .Kürschners Bücherschatz Medea Roman von Robert Kohlrausch — 96 Seiten Umfang — Preis 20 Pfennig Hermann Hilger Verlag, Berlin W. 9, Potsdam« Straße 124/125. _ Der Vaterländische Hilfsdienst der Schul- fugend von K. Bechtolsheimer. Wallmann-Verlag und Buck)«- oruckerei, Berlin^Lankwitz. Preis 50 Pfennig. Es ist in dieser schweren Kiüegsnot des öfteren das Verlangen gestellt und auch von dem Schulbehörden unterstützt worden, unsere Schuljugend möge durch tüchtige Mithilfe beim dicker- und Gartenbau und durch eifrige Sammeltätigkeit die Nahrungsmittel melxren helfen. Reckit schöne Anfänge sind auch bereits gemacht Und gute Resultate erzielt ^worden, doch kann noch vieles in dieser Beziehung geschehen. Recht brauchbare Anleitung dazu gibt das hier vorliegende Büchlein des Haupt- lehrers Bechtolsheimer in Offeichach a. M., das allen Schulleitern und Lehrern bestens enrpfohlen werden kann. A>er Verfasser spricht aus Erfahrung und gibt viele praktische Winke, wie die Kinder zu gar mancherlei Arbeiten erfolgreich und znr eigenen Freude an der Arbeit herangezogen werden können, roie der Wunsch der Stadtkinder nach Mithilfe erfüllt werden kann, wie damit zugleich auch der Verwilderung der Jugend vorgebeugt, die Freude an der Natur geweckt, die Lust und Liebe zur Arbeit gefördert wird und ein arbeitskräftiges, fleißiges und sparsan:es Geschlecht heran wächst zum Wohl und Segen des Vaterlandes. — Mit der flämischen Serie der Insel-Bücherei bietet der Insel-Verlag der deutsch':: Leserwelt eine in vieler Beziehung wichtige Veröffentlichung. Tie stammverwandten Flamen, die uns bis zum Kriege so gut wie unbekannt blieben, stehen heute im Mittelpunkte der politischen Diskussion und w-erden im Mittelpunkt des literarischen Interesses stehe::. Tie soeben erscheinender: 12 Bände der Jnselbück)erei bilden den Anfang des umfangreiche: flämischen Programms, das der Verlag zu verwirklichen gedenkt, zeigen aber schon den ganzen Reickstum der flämischen Literatur, von der mittelalterlichen Mystik bis zur mode «men Novelle. Zum Ruhme Charles de Cöfters brauckren nur kein Wort mehr hinzuznfügen. Anton Bergmanns anmutige Erzählung „Das Ziegesbaus", das in seiner Heimat jedermann femtt, hat sich Gießener Hausfrauen-Verein. Kochanweifungen. Falsche Rahm karlo ffelu. Man bereite eine Mehlschwitze von Fett, Zwiebeln, Mehl, Salz, rührt sie mit Buttermilch auf und fügt die gekochten, in Scheiben geschnittenen Kartoffeln hinzu. Atm: kann noch etrvas geriebenen Käse dazutun. Stockfisch m:t Sanerkraut.. Gewässerter Stockstsch wird mit koä>endem Wasser aufgesetzt, ar:gekocht und Vs Stunde ziehen gelassen, entgrätet und zerteilt. Mit fast fertig gekochtem Sauerkraut und Kartofselschechen gemischt, mit Zwiebelttmke über- gossen !imb V, Stunde zusammen gekocht. Aickn kann es auch in eine Auflaussorm schickster: und backen. Kuchenbrot. Pfund Ddehl, V»Liter Milch, 75 Gramm Zucker, ettvas Salz, Schale und Säst einer Zitrone, 2 Backpulver IV» Löffel Natron, m längliclrer Form nne Brot gebacken. Ein neues B r a t p n l v e r ist in: Handel erschienen, das in aufgelöster Form recht zu empfehlen ist zun: Braten von Kartoffeln, Fleisch, Reibefe:ck-ei: sorvie zu Salaten. Es heißt Marke Küchenfee. _ Kryptogramm. ! 3 4 5 A 3 4 A 2 3 A 3 4 6 6 8 p i e gel 4 Trübsal A Herz A Krallt Pant c h ^ Friede A Fest A Handel 2 3 4 A 2 4 ^ 1 2 A 3 4 5 Auilöruug :n nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: J-'e Schrtitlettung: Fr. R. Zenz. —Zimllingsrunddruck uuö Berlaa der Brühl'scben Unioersttüts-Buch- und Steindruckecei. R. Lange, Gießen.