Pechmarie und Hans im Glück. Die Geschichte einer Fugendfreundschaft von C. v. D o r n a u. Nachdruck und Uebersetzungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten. (Fortsetzung.) „Hans — hier arbeiten rief sie. „Und auf meinem guten Teppich hin und her laufen — uni) alle Augenblicke Fenster und Tür aufreißen — o, dü> liebe Zeit! Da würde meine schöne Stube wohl bald hübsch aussehen!" Hans hatte seinen Namen gehört und kan: zu den beiden hinüber. „Zieht ihr bereits gemeinsam über mich her?" fragte« er scherzend. „Du solltest barmherzig sein, Elfe, und dir nicht auch noch Marie zur Hilfe rufen — bist ohnehin stark genug." „Ach du!" Sie schmiegte sich an ihn und schmollte ein wenig. „Du tust ja doch eigentlich immer, was du selber willst — ich hatte mir das ganz anders gedacht —" „Ei, sieh da! Wirklich? Dies Bekenntnis einer schönen Seele ist nicht uninteressant. Was sagst du dazu, Marie? Aber nein, ich !vilt dich lielstw nicht fragen — du schlägst dich doch nur auf die Gegenseite. Denke dir, Elfe — Marie hat mein neues Buch so schlecht kritisiert, wie nur" denkbar." Gr sah mit spitzbübischem Lächeln von der einen zur andern, wie sie nun beide entrüstet über ihn herfielen. „Schlecht!" rief Etfriedes Silberstimme heiter. „Er macht nur Spaß, nicht wahr, Marie? Wo er soviel Erfolg damit gehabt hat — soviel verkauft ist, gleich in den ersten Wochen. Der Verleger hat geschrieben, es wäre erstaunlich, wie viel Aufsehen das Buch machte. Obgleichs gegen seinen Rat iit einer so ungünstigen Zeit -- im Juni! —'erschienen wäre! Na, das nächste erscheint ja nun hoffentlich zu Weihnachten, das soll ja wohl die günstigste Zeit sein." „Zu diesen! Weihnachten!" Haus fuhr sich komisch verzweifelt durch die Haare. „Ich glaube wahrhaftig, das ist ihr Ernst! Sic meint, ich schüttelte so alle Vierteljahre ein Buch aus dem Aermel!" „Nun ja doch! Du hast, doch sonst nichts zu tun! Das bißchen Schreiben — wo man doch so viel Geld mit verdienen kann!" „So viel Geld!" seufzte Hans. „Ein deutscher Dichter mit einem deutschen Buche! O, du Kindskopf, du süßer! — Aber jetzt, meine Damen, wollen wir schleunigst zu Tische gehen. Das Thema des „bißchen Schreibens" erschöpfen Elfe und ich doch nicht so rasch — das toird mindestens dreimal am Tage von ihr aufs Tapet gebracht!" Er bot Marie gravitätisch den Arm und führt« sie hinüber. Im Sper/rzimmer grüßten sie wieder vertraulich die alten Möbel ans Onkel Poldeioitz' Nachlaß. Hans zog seine Frau beiseite und tuschelte ihr ins Ohr. JD, das Tischtuch!" sagte sie laut. „Ja, iphj glaube, ich habe gar kein sauberes mehr. Sie sind wohl «Ile in der Wäsche. Du mußt Miete fragen. Heute geht wohl das alte nach mal —■" „Mer es ist ein Niesen-Petroleumfteck in der Mitte —- von gestern abend, wo Miete die Hängelampe kapnt gemacht! hat — das sieht scheußlich aus —" „O, nichts einfacher als das!" Frau Elfriede trug ein großes Blumenglas herbei und stellte es in die Mitte des Tisches, gerade ans den großen, übeldnstenden Fleck. „Da! Siehst du!" sagte sie zufrieden. „Nun merkt man säst gar! nichts mehr davon!" Sie saßen zienilich lange bei Tisch. Die vierschrötige Miete, durch den Gast verwirrt, bediente noch ungeschickter als sonst; Hans mußte alle Augenblicke ansspringen und etwas h olen oder weg stellen. Einmal lief er sogar in die Küche hinunter, um den Salat, Elfriedes Leibessen, anzumengen; die junge Fraju saß lieblich lächelnd da und ließ sich bedienen. Nach Tisch zog sie sich gähnend ins Schlafzimmer zurück, zum gewohnten, ausgiebigen-Mittagsschläfchen. Hans aber geleitete Marie stolz in sein „Arbeitskabinett", ein winziges, ziemlich dunkles Zimmerchien, durch dessen einziges Fenster er jedesmal klettern mußte, wenn er seine „Dauer- läuse" ans dem „Man" unternehmen wollte — was er ihr höchst vergnügt sogleich vormachte. Mer ans dem so sbotzl „Altan" genannte): Stückchen breiten Mauerwerks draußen war's doch noch gar zu heiß. Sobald er wieder driuuen saß, ans einem alten Ledersessel, Maries Sitz gegenüber, sing er ernst und lebhaft zu erzählen an. Von seinen nächsten Plänen. Und er sprang wieder auf im Eifer des Sich-Mitteilens, rannte hin und her, riß das Fenster auf und warf es, sich besinnend, wieder zu, pflanzte sich breit vor Marie aus und redete auf sie ein, als ob er sie durchaus überzeugen« müsse — und wurde immer glücklicher, immer strahlender, wie er sich so eins nach dem andern vom Herzen schüttelte und sich selbst im Sprechen klarer wurde. „Das ist's nämlich!" sagte er am Schlüsse. „Zutrauen bekomme ich zu mir selber, wenn ichs so vor dir entwickle -- da träume ich nun von, siehst du — von etwas ganz! Großem, Reichem, Schönen: — und trau mich noch gar nicht, es niederzuschreiben, weil's doch nachher lange, lange nicht so schön wird, wie ich's mir geträumt hatte —" „Und das erzählst du sonst alles deiner Frau," sagte Marie, den Kopf senkend. „Elfe?" Ein Schatten fiel über sein Gesicht. „Ach nein — davon verstände sie nichts! Sie hat sich woyl zu Anfang Mühe gegeben, aber —I" Er hielt imte und seufzte leicht. „Wenn man so eine Antwort bekommt —" „Wer ich habe doch auch kein Mort dazu gesagt!" rief Marie, der ängstlich und wohl zugleich zumute wurde. „Gesagt? Nein! Mer verstanden! Oder wenigstens versucht, alles zu verstehen! Das hilft denken — wenn jemand so ausschließlich, so intensiv nntdenkt. Elfchen — denkt dazwischen an anderes. Das soll kein Vorwurf fein — beileibe nicht! Sie hat eben nicht so scharf Nachdenken gelernt. Du mußt hi Betracht ziehen, in Ivelcher Umgebung sie.auf- gewachsen ist! Da, wurden id-evarti-g^ Themata nicht e-rfrctert! „Aber fidler nicht!" sagte Marie bereitwillig. Die Familie Wiedenbrinck erstano vor ihrem geistigen Auge. Haus ging schweigsam auf und ab. Marie folgte ihm nachd-enklrch mit den Blicken, plötzlich sagte sie fast schüchtern: „Sprich nnr immer zu mir, wenn's dir wirklich gnt tut, Hans! So bin ich doch hier zu etwas nütze! Deine Fron darf mich auch nicht nur als Gast betrachten, wenn ich wirklich ein Weilchen bei euch bleiben soll — sie muß mir schon erlauben, ihr ein ivenig im Hause zu helfen, ich versteheftetzt etwas davon, ich bin bei Mille in die Schule gegangen —" „Das werben wir gern an nehmen^ nickte Hans dankbar und erfreut. „Vielleicht bekümmerst du dich gleich mal um den Kaffee? Das ist nämlich sonst mein Amt. Ich wecke unterdes die Gnädige und bringe sie wieder nach oben. Gar zu lange darf sie mir nachmittags nicht schlafen, das ist nicht gesund." Hans hielt zvgerno inne, tat ein paar Schritte der Tür zu, blieb stehen: „Sie bedarf ein wenig der Schonung, die süße, kleine Frau," sagte er in einem po-ssierlicl)en Gemisch von Stolz und Verlegenheit. Er sah Marie dabei nicht an. Aber sie verstand ihn gar nicht. „Ja, es ist wirklich sehr he-itz heute!" gab sie freuitdlich zur Antwort. Worauf Haus belustigt auflachte und vergnügt pfeifend nach unten lief. Die nächsten Tage vergingen sehr einförmig. Hans saß den ganzen Vormittag und einen großen Teil der Nachmittage an der Arbeit oder unternahm weite, einsame Spaziergänge, zn denen er die beiden Damen nie aufforderte. Seine Frau liebte Spazierengehen überhaupt nicht, und er nahm wohl an, daß Marie lieber bei ihr blieb. Sie entschädigte sich fite den Mangel an Bewegung durch ausgedehnte häusliche Tätigkeit. Es kan: ganz von selbst so, daß sie bald hier, halb dort helfend einsprang. Frau Elfriede duldete es lieblich lächelnd, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Ihre Miete sah begeistert zu, !venn das Fräulein Kuchen buk oder sie die Geheimnisse des Silberputzens lehrte. Im Lande der Blinden ist der Einäugige König. Marie gestand sich's in ehrlicher Selbsterkenntnis. Dieser gänzlich ahnungslosen Küchenfee, dieser grenzenlos gleichgültigen 5^aussrau gegenüber stellte sie wirklich schon so etwas wie eine wirtschaftliche Kraft vor. Elfriede tat gar nichts, oder so gnt wie nichts. Sie ordnete hübsck)e Blumensträuße, sie ging ein wenig bin und her im Hanse, sie gab mit nichtigem Stirnrnnzeln Geld heraus. Im übrigen schonte und Pflegte sie sich. Und sah lieblich «ns und lächelte rntd wippte und girrte um Hans herum, schmiegte sich zärtlich an ihn und trieb ihn schließlich mit mahnenden Bitten an seine Arbeit zurück. Während sie nachmittags ruhte, saß Marie stets bei chm in seinem Arbeitszimmerchen — oder kletterte, sobald es erst kühler ward, hinter ihm her durchs Fenster ans den Altan — und saß still da, während er schweigend oder in lebhafter Rede — je nach seiner augenblicklichen Stimmung — vor ihr auf und nieder ging. Das waren chre Feierstunden, um derentwillen sie dablieb. Denn sonst war ein steigendes Unbehagen in ihr gegen dies ganze Hauswesen mit seinein Mangel an Ordnung und Sauberkeit, gegen die E.ingeengtheit und Interesselosigkeit ihres gemeinsamen Lebens, gegen die Frau, bereu Gast sie war. Gegen die Frau besonders, so redliche Mühe Marie sich auch gab, mit so freundlich geschmeidigen Worten auch Elfrrede sie umschmeick>elte — sie kamen sich keinen einzigen Schritt näher. Marie schalt sich, daß die Schuld nur an ihr lelber läge: ihre .Herbheit und Strenge, ihr unliebenswür- vrger Charakter stießen das sanfte, schmiegsame Weibchen zurück. Aber sie konnte nicht anders. Stocksteif stand oder saß sie da, ließ den milden Regen von Blicken, Lächeln, Händedrücken, frenndlick)en Worten über sich ergehen und bekam nichts weiter fertig, als dies alles wenigstens nicht srchtbar abznschütteln! Gegen Abend ging man meist zu Dreien spazieren. Nicht weit und nicht rasch, denn beides liebte Elfriede nicht. Und iwch denl Abendessen stellte sich öfters Phipp Koch ein; Frau Elpnede erlaubte dann gnädig, daß man ihren Salon durch- -chrrtt, und man saß plaudernd auf deni Altan. Elsriede behandelte deil kleinen 2lpotheker mit besonderer Freundlichkeit und Rücksichtnahme. „Er wird liicht lange mehr leben, passen Sie auf!" sagte sie, wichtig ihre Stirn kräuselnd, eines Abends vorm Zw- bettsgehen zu Marie. „Und daß er so ganz allein steht in der Welt — eigentlich feilten Menschen hat außer Hans —, das ist dock) sehr traurig — für ihn! Was hat er nun vor: all seinem Gelde? Denn er ist reich — oder wenigstens ver- mögeitb. Nein, ich habe es Hcnts schon oft gesagt: wir wollen uns seiner recht annehmen und ihn immer mehr ins Haus ziehen. Er soll doch fühlen, wie gnt wir's mit chm meinem Er soll auch Pate bei unserm Kindchen stehen —i hoffentlich erlebt er das doch noch!" Marie stand zu Stein erstarrt. „Euer —> Kind ■—il M stammelte sie endlich. Das liebenswürdige, etwas gezierte Lächeln der jungen Hausfrau bekam entschieden einen Strich ins Boshafte. „Ja — haben Sie davon wirklich noch nichts gemerkt?" fragte sie leichthin und beschloß, .Hans den „unbezahlbaren Witz" nachher gleich brühwarm zu berichten. „Im Februar sott's ankommen," plauderte sie heiter, während Marie ab- gewandt stehen blieb. „Jetzt haben wir bald Oktober —» hnh! Ich wünschte, es wäre erst vorüber. Dazu lasse ich meine Mittler Herkommen — sie soll mich pflegen. Sie versteht etwas davon, hat ja selbst acht Kinder gehabt." Frau Elfriede plauderte noch ein ganzes Weilchen fort, ohne daß sich Marie ans ihrer Erstarrung löste. Erst als sie die Schritte des jungen Hausherrn auf der Treppe hörte —> er hatte Phipp Koch hinausgelassen — kam wieder Leben in die versteinerte Gestalt. Sie murmelte ein paar Worte, die ntan mit etwas gutem Wollen für einen Gute-Nacht- Gruß halten konnte, und lftf nach oben, ehe noch Hans den erstell Treppeitabsatz erreichte. (Öornetfimg folgt.) wie Uirschbarierz Cito ins Elend kam. Ter deutsche Michel ist leider auch im Weltkrieg nock> nicht ausgestvrben. Und er ist gefährlicher, als man glaubt. Denn er ist ein selbstsüchtiger Mann, der denkt, wenn es mir mir gut geht, was liegt am Vaterland, das ist doch nur für die Großen da. Darum möchte ich euch heute eiue Geschichte erzählen, eine Geschichte, von der wir sagen: Gott sei Dank, daß sie nich wahr ist und auch durch die Tapferkeit unserer Soldaten nicht wahr wird. Tie aber wahr würde, wenn der deutsche Michel mit seiner Selbste sucht ans Ituder käme. Also hört zu: In ganz Talheim lvar festliche Freude. Waren doch die Männer uud Burschen l)eim gekommen aus dem langen Krieg. Was lag auch den Talheimern viel daran, daß der Krieg nach so viel Heldentaten und vergossenem Blut schließlich doch noch verloren gegangen n ar? In Deutschland waren die mächtig geworden, die nur au sich selber dachten. Das waren die, die nur in selber keine Not leiden wollten, wenn auch dje anderen darüber ^rlnmgerten! Ta l>atteu äe in Torf und Stadt die Nahrungsmittel versteckt uud zurückgehalten, hatten selber gelebt, als sei es im Frieden, und die Arbeiter in den Kriegsfabriken waren darüber vor Hunger ohnmächtig an ihren Arbeitsstellen zusammengebrochen, und als die Kriegsanleihe kam, hatten sie erklärt: wir zeichnen nrchts, die Großen sollen aufhören, wer wollen unsere Männer uud Sohne nicht in den Krieg lassen. Wohl hatten einsichtige Männer gewarnt, hatten gesagt, cs ist ein Verbrechen an euren Kälbern und Enkeln, wenn wir setzt Frieden schließen, gerade vor dem Siea aber der deutsche Michel gab nicht nach, und die deutschen Sütatsmänner mußten Frieden schließen. Tie Engländer hatten als erste Bedingung für die Frirdeusver- handlimgen verlangt: das deutsch Heer muß lwimgeschickt und die deutsch Flotte muß ausgeliefert lverden. Kaum lvar aber das geschehen, so besetzten sie selbst alle deutschen Häsen, englisch und französisch Trupven rückten in der Psalz, Rheinhessen, Rheiuproviuz uud Elsab-Lothringen ein und besetzten auch noch das westfälisch Industriegebiet. Ganz Ost- urrd Weslpreußen, Schlesien uud Polen kameil unter russisch Verwaltung. Deutschland niußte die Kriegsentschädigung für sämtlich feindlichen Staaten einschließlich Serbien, Montenegro und Rumänien überliehmen mit 300 Milliarden. Das kümnierte fteilich die Talheimer wenig in ihrer Festesfreude Sie jubelten und jauchzten, daß sie ihre Männer und Burschen unederhatten, und die. l)eimgekehrten Soldaten jubelten mir i'uuen. Nur ganz wenige waren miter ihnen, die mit ernsten Gesicheru dem Festjubel aus dem Weg gingen. Unter diesen wenigen war auch Klrschbauers Otto. Ter alte Kirschbauer lvar der reichste Mann in ganz Talheim Und er bildete sich eiu< in seiner Gegend mit am meisten Schuld am Frieden zu sein. Wieviel Frucht und Kartoffeln er zu wenig angegeben hatte, hätte er selber kaum sagen können, und seine Muchkanne, die er zur Molkerei schickte, Ivurde von Tag zn Tag leerer. Er meinte, die Faulenzer in der Stadt hätten immer noch genug, und als ihm der.Herr Lehrer einmal von der Not der Munitionsarbeiter erzählte, ba zuckte er die Achseln, die mochten ja die Arbeit liegen lassen, dann gabs auch 'Frieden. Uub als die Kriegsanleihe kam, da ging er von Haus zu Hans und sagte: Zeicl-net 163 Kur nicht. Wenn die Großen kein Geld mehr haben, müssen sie fcbon von selber aufhüren, ich habe ein paar tausend Mark aus der Oberstube liegen, bts sie die kriegen, können sie lang warten. Und was half es da, daß der Wiesbauer, des Kirschbauers Nachbar, zur Vernunft predigte? Aus den Dummen hat der deutsche Michel von jeher lieber gehört als auf den Klugen, und so hatte säst ganz» Lakheim es dem Kirsächauer nachgemacht. Darum betrachtete er sich auch am heutigen Tag als einen wichtigen Mann und Friedensstifter und hatte am Morgen breitspurig im Hof gestanden, um seinen heimkehrenden Otto in Empfang zu nehmen. Aber der war mtt scheuem Mick am Vater vorbeigogangeu und, als ihm die Mutter iveinend um den Hals fiel, hatte er sie sanft beifcitö geschoben und säst nun in der Stube in der Ecke, und starrte vor sich hin. Und als dann beim Mittagessen der alte Kirschbauer zu erzählen anfing, wie schau er es angefangen, um die Kriegsanleihe zu hutterlrerben, imi> was er darum für Verdienste um den Frieden habe — da geschah dem Alten etwas, Ivas ihn in seinem ganzen Leben noch nicht gestehen war: sein lieber Otto, der, seinem Vater noch nie ern böses Wort gesagt hatte, warf das Messer bin, schlug mit oer Faust auf den Tisch und schrie dem Vater ins Gericht: Ihr seid der größte Narr, der tut ganzen Latrd herumläuft. Das konnte sich freilich der Krrjchauer von seinem Otto nicht bieten lassen nnd er begann zu schelteit nnd ztt fluchn über den Undankbaren Sohn; aber da stauo der auf und griff nach dem Hut und sprach: ich kann auch fortgehen, es ist ja doch« alles verloren. Llber da l^gbe sich, die Mutter ins Mittel mit Weinen nnd Jammern, und der Otto hing seinen .Hut wieder au die Wand nnd blieb da. Seit jenem Festtag, da in Talheim die Krieger heimkehrten, waren nun 10 Jahre vergangen. Und der Kirschbauer war immer noch der reichste Mann int Ort. Aber das war ein böses Zeichen! Tenn wenn es auf des reichsten Mannes .Hof schon so aussah, wie mochte es damt mit dem übrigen Tors stei-en. A!ch ja, was hattcit die 10 Jährck-en aus dern irüher so reiclien und sauberett Talbeim gemmu-c. gar manck)?>n, der die früheren Zeiten gekanttt hatte, lies. .. o.-. I/ck.e.i Tränen über die Wartgen, wenn er daran dachte. Der atte Ktrctchauer wß nnn schon tett manchem Jahr als gebrochener Matm in der Ofenecke nnd sprach kein Wort mehr, und Kirschbauers Otto führte bas Wer?. Aber tcenn der Otto über seinen Ho, ging, dann starrte er vor sich auf den Boden, um den Jammer ringsum 'licht ztt sehen, und wenn er ja einmal den Kops hob, dam die Fäuste und knirsche mit den Zahnen. Wie hatte er segafft in stiller verbissener Wut, von morgens früh bis abends spät jahraus, jahrein, all die Jahre her, aber es war umsonst gÄvesert, es gittg rückwärts. Tte Schetter, die schöne» Scheuer, die sie ein paar Jahre vor dem Krieg gebaut hatten, die brau- nun wohl bald zusammen. Gleich nach dem Krieg, da- hätte ihr Tachwerk wohl einmal nachgesehen werden mäßen, da tvar nich mehr alles dicht. Und damats wäre wohl auch noch Geld dafür dagctoesen. Ter Alte hatte ja eilt paar tausend Mari auf der Ober- stnbe liegett. Aber gleich in den errett Tagen konnte man das nichit ausangeit, tveil die HundwerVer noch nich: bereit waren. Und ehe man daran kam,' da brachte eines Tags der Gemeindediener einen Sieuerzettel, den hielt der alte KirsthbauSr lange in der Hand und sah darauf, und griff sich an den Kops und schließlich ries er den Otto, tvas das zu bedeuten habe. Ter Otto warf aus den Zettel nur einen Blick und dann lache er ein häßliches Lachen und sagte: Ja, das ist der feine- Friede, zu dein Ihr alter Narr mitgehvlfeu habt, und das sind die Kosten: die außerordentliche Kriegs,.euer, die uns die Englmrder aufgelegt haben, ihr werdet schon zahlen müssen, wenn ihr beim Hof bleiben tvvllt! Ohne ein W-ort zu sagen, zerknitterte da der Alte dett Zettel in der Haitd und steckte ihn in die Tasch. Aber desto mehr grübelte und sinnierte er. Wenn er die Kriegssteuer zahlte, ging fast der ganze S nieder den ersten Namen. Der Leitartikel „Zuin dritten Male Ostern im Kriege"" ist von Professor Dr. Theobald Ziegler, Geheinttat Professor Dr. Rudolf Kittel hat eine nrit,vielen urkundlichen Abbildungen versehene! Plauderei „Von 'zbrivg wird Frieden in der Bibel"" beigesteuert. Ebenfalls reich illustriert, und zwar nrit Reproduktionerr nach Gemälden und Zeichnungen vmr Franz Grotenr-eper, ist der zweite I umfangreiche Artikel der stlumnrer „Heilige Stätten während des Weltkrieges"" vorr Stabsarzt Dr. Häring, der eine fesselnde Schilderung des heiligcar Landes im Kriegskleid gibt. Eine Novelle Volk Wilhelm, Sck>arrelnranac „Die beideir Kräirze"" rmd eiu bildlich umrairdetes Gedicht „Ostertag"" von Theo Sommerlad vervollständigen de>: literarisch«: Teil. Vertieft lvird der österliche Cliarakter des interessanten Heftes durch eine Reihe ein- und mehrfarbiges großer Reproduktionen nach Gemälden uird Zeichnungen, Gietzener Hausfrauen-Berein. Kochamveisungen. Kohlrüben in der Form: Eine gelbe Kohlrübe von ungefähr 2 1 /2 Pfd. wird geschält, geloaschen, in Stücke geschnitten irnd in Salzwasser sehr weich gekocht, läßt dann abtropseir, treibt sie durch ein Sieb, gibt 1 Psc>. kalte, geeieberre Kartcksfeln, 1 Ei oder Ersatz, etwas Fett uird 2 Löffel geriebene Senrrnel dazu, wei:n noch nötig, Salz rmd eine Prise Pfeffer. Gut gemischt nnrd das Ganze in eine mit Fett und geriebener Semmel ans gestrichene Form gefüllt und 3 /4 Stunden in: Ofen gebacken. Tie gleiche Speise macht man auch ans Mohrrüben und anderen Rüben. Kartoffelflecken: 1 Pfd. gekochte, durch die Preise getriebene Kartoffeln, 90 Gramm Butter oder Fett, 110 Gramm Mehl, Zucker nach Geschmack und einen guten Teelöffel Backpulver knetet man rasch zu einem Teig, den man mcsserrückendick cu^'ivalkt, in viereckige Kuchen schneidet, etwas dickes Pflaumenmus darauf- gibt ui:d den Teig voi: den vier Eck«: aus darüberschlägt, auf ein mit Mehl bestrichenes Backblech legt, wein: Vorhände::, nrit Eilveiß bestreicht und schön gelb backen läßt. Skatansstübe. (ab cd die vier Farben; V LIU die drei Spieler; A Aß, K König, D Dame, Ober; B Bube, Unter, Wenzel, Junge) Aul folgende Karte inacht LI, Mittelhandspieler, ein Wendespiel: a bB; a 10; b 10, 8, 7; cA 9, 8; dl) Eichel -, Grün ° Unter, Eichel -10; Grün - 10, -8,-7; Rot - Aß, -9, -- 8; Schellen = Ober. Der Skat enthalt ein A uub eine 7 in verschiedenen Farben. LI wendet stets das untere Blatt und verliert. Hätte V, der eine viel schlechtere Karte mit nur 28 Punkten hat und grundsätzlich das obere Blatt nimmt, Wendespiel gehalten, so ,vürde er das Spiel gewonnen haben. WaS lag im Skat oben und unten? Wie saßen die Karten? Wie ging das Spiel? (Auflösung in nächster Nummer) Echristleitung: Fr. R. Zenz.—Zwillingsrnnddruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindtuckerei. R. Lange, Gießen. Auflösung des Bilderrätsels in vorigem Nummer: Garnisondienst.