Pechmarie und Hans im Glück. Die Geschichte einer Jugendfreundschaft von C. v. D o r n au. Nachdruck und Ucbersetzungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten. (Fortseirung.) Wenn Marie in späteren Zeiten an ihren Braunschweiger Aufenthalt dachte, erstand nur ein wirres, buntes Durcheinander vor ihrem Geist. Der „Polterabend" ging für sie in einem Chaos von Kaffee und Kuchen, gefühlvollen Versen und ausgelassenen Kinderscherzen unter. Er spielte sich in zwei kleinen, mit Menschen und Dingen vollgepfropften Räumen ab -- „gute Stube" und „Eßstube", die zugleich Universalwohnstube der gesamten Familie Wiedenbrinck vor- stctlte. Sein größtes Verdienst war eine lobenswerte Kürze; um acht Uhr gab's belegte Butterbrote, dünne Bowle und Bier, und um neun ging man ausemanoer. „Um die Braut zu schonen," erklärte die sorgende Hausfrau. Aber die Bowle tvar auch bereits erschöpft. Hans, Philipp und Marie, die einzigen „auswärtigen" Teilneh-» mer, begaben sich in ihr Hotel zurück, wo die beiden jungen Männer noch lange in herzlichem Gespräch zusammensaßen, während Marie sich früh zurückzog. Durch ihre Träume dieser Nacht gaukelte unaufhörlich ein zartes Elsenfigürchen, ein rosiges, lächelndes Kindergesicht. Und dasselbe unbekümmerte, glatte lieblich lächelnde Gcsicktckeu kuospete am nächsten Bormittag unter Schleier und Myrtenkranz hervor — just als ob der bedeutungsvolle -Schmuck ein kindlicher Ve rk lei ckungs scherz sei. Hans schien während der Trauung tiefbewegt und doch in männlicher Fassung. Marie vermochte den Blick gar nicht von ihm loszureißen. So durchleuchtet war das Antlitz von innerem Glück, ein so zielbewußter Ernst tag 'in Haltung- uub Gebärde. Und als nach vollendeter Zeremonie das schöne Püppcken an seinem Arm lächelnd und gedankenlos an Maries Platz vorüberschritt, kam's mit einem Male über sie, als ob sie zornig die Hand ausstrecken und es von seiner Seite hinwegreihen mühte. — Die Regung ging vorüber, wie das andere alles auch. Das Hochzeitsmahl, auf Hansens Kosten nicht ohne Prunk in einem guten Weinrestaurant veranstaltet, verlief^ vorschrift-mäßig. Nachdem*die.Tafel aufgehoben lvar, das junge Paar sich zum Umkleiden zurückgezogen hatte, trat Marie aufatmend in eine entferntere Fensternische-des ziemlich großen Festsaals und Philipp Koch, der ihr Tischnachbar ge- Ivesen war, gesellte sich auch hier zu ihr und stand in schweigendem Ausruheu neben ihr. Draußen fuhr der Wagen vor, der das junge Ehepaar zur Bahn bringen sollte. Tie jugendlichen Brüder der Braut, stark erheitert durch ungewohnten Weingenuh, umsckwürmten ihn trotz strömenden Frühlingsrcgens. Einer versuchte so^ gar, zum Kutscher auf den Bock zu klettern und wurde von einem erwachsenen Bruder laut scheltend wieder hinuntergeholt. Dann tauchte der Vater ans in seinem unmodernen, schlechtsitzenden Fracke, einen baumwollenen Regenschirm über das kahle Haupt gespannt, ängstlich hin und her trippelnd in Erwartung des Brautpaares. Und endlich erschien auch dieses selbst — ein Lohndiener hielt Elfriedens Schirm sorgsam über sie — sie tänzelte, mit den Brüdern scherzend, zwischen allerlei kleinen Pfützen vorsichtig hindurch. Hans hatte dem Kutscher ein paar Worte zugerufen, nachgeschaut, ob das Gepäck richtig aufgeladen war. Nun hob er mit einem heklen Jauchzer sein Weibchen in den Wagen, dessen Tür der Vater offen hielt, und kletterte nach flüchtigem letzten Händedruck für diesen ebenfalls hinein. Noch einmal erschienen die' beiden glücklichen Gesichter schemengleich hinter der betränten Glasscheibe des geschlossenen Wagenschlages. Sie winkten und grüßten zu Marie und Philipp hinauf und nach dem .Hotelportal zurück, wo jedenfalls Mutter und Schivesteru standen. Schon ruckten die Pferde an — da tat sich die schlechtgeschlossene Wagentür von selbst noch einmal langsam lucit aus; der Lohndrener sprang rasch herzu und warf sie wieder zurück, der Wagen rollte davon, die JungenS erhoben ein frenetinisches Hurrageschrei. Marie aber wandte sich erstaunt, nein, entsetzt zu Philipp Koch um, der mit einem ächzenden Seufzer ihren Arm wie stützesuchend packte. — „Was ist los?" rief sie erschreckt. „Fehlt dir 'was? Bist du krank?" Er sah so furchterregend blaß aus! Aber er hörte sie gar nicht — er blickte immer starr durch das Fenster, auf den Fleck, wo eben Hans Jmhosfs Hochzeitskutsche gestanden - und umklammerte Maries Arm nur fester und wies mit dem ausgestreckten Finger keuchend hinaus: „Da! Hast du's nicht gesehen? Eben — das Schreckliche?" stöhnte er. ,-Was denn?" Ich verstehe dich nicht! Sag' doch, was los ist!" ries Marie bange. ,«Jch Hab' nichts Schreckliches ge sehen —" „Nichts gesehen? Nicht, wie der Wagenschlag noch einmal aufging?" „Sa, das natürlich. Aber da tvar doch nichts Schreckliches dabei!" „Du hast ihn nicht einsteigen sehen?" „Söit? Wen denn in aller Well!?" „(Ihn ihn-zu den beiden hinein —" „Ni mm's mir nicht übel, Philipp," sagte Marie halb beunruhigt, halb ärgerlich. „Aber du bist nicht reckt bet Tröste! Ich kann beschwören, daß niemand zu den beiden eiugestiegeu ist. Wer sollte tvohk auch ans den verrückten Einsalt kommen! Dazu hat selbst das Fritzchen nicht genug Sekt getrunken." Philipp ließ Maries Arm los und sttckck mit der Hand über das Gesicht, als wische er dort etwas weg. „Du hast recht," hauchte er mühsam lächelnd, „ick bin töricht, so etwas zu sagen. Vergiß es. bitte! Ick ich bin nicht ganz wohl. Ich bin so rauschende Festlichkeiten nicht gewohnt. — Wann reist du ab?" „Morgen früh mit dem Acht-llhr Zuge/' sagte Marie hastig „Aber willst du mir nicht erklären, Pbipp —* „Nicht doch! Nicht doch! Es gibt irichts zu erklären. Nur um Verzeihung Hub' ich zu bitten, daß ich dich unnütz erschreckt habe. — Ich fahre noch heute abend — in ztvei Stunden. Wir haben wohl die Verpflichtung, liebe Marie, uns ein wenig Hansens Schwiegereltern zu widmen; wenn's dir recht ist, aehen wir jetzt zu ihnen." Der Rest oes Hochzeitstages war für Maries Gedächtnis wieder nichts als ein verschwimmender Wirrsal von tränenreichem Mutterstolz, tiefen Bücklingen, schönen Redensarten und viel Lärm, Last und Unruhe. 4. Die Heimkehr war trostlos. KamÜle hatte die Abwesenheit ihrer jungen Herrin zu einem höchst ergiebigen Scheuer- und Reinemachefest verwendet. Die ganze Wohnung strahlte förmlich vor Sauberkeit und Ordnung. Die makellose Aufgeräumtheit wirkte geradezu beklenimend. Marie setzte sich mit schmerzlichem Lächeln cin ihre Sofaecke, und die Alte kramte schimpfend und glückstrahlend den Koffer aus und stellte jedes Ding wieder an seinen Fleck. Nun frtobe also alles wieder, wie es vorher gewesen war. Nein, es lvar doch anderes Die sttunpse, müde, tatenlose Gleichgültigkeit blieb verschwunden. Statt dessen kam eine peinige^ide Unruhe, eine ziellose Sehnsucht über das Mädchen, daß es sie nicht im Hause, in der engen Wohnung litt, täglich viele Stunden durch menschenübersüllte Straßen oder in die verhältnisniäßige Änsamkeit des nahen Grunewaldes Hinaustrieb. — — Todmüde kam sie dann gegen Abend zurück; uno es war ein leiser Schimmer wohltuender Wärme in ihr, wenn ihr kleines, sauberes Heimwesen sie empfing, die zankende, besorgte Alte nach Tee und trockenen Strümpfen lies. Der leichte Freudesunken verlosch freilich allzu bald und die Abende dehnten sich endlos. Diese dunstigen, verschleierten Frühlings abende mit ihrer entnervender: Lauheit, ihren aufpeitschenden Winden, ihren Regengüssen, die die garrze Welt in ein Meer von Tränen zu Versenker: schienen. Einmal, in: Mai war's, trat sie auf dem Rückwege von einen: ihrer weitausgedehnten Spaziergänge in eine Buchhandlung ein, um sich schnell noch etwas seelischer: Aus- füllsel für die Abendstunden zu holen. Gleichgültig überflog :hr Blick die Bück)ertitel auf dem Ladentische. Da schärfte er sich plötzlich, wurde starr und groß, sie griff nach dem schmalen Hefte, das der Verkäufer schon wieder achtlos beiseite gelegt hatte. „Hans Jmhofs! O! Ein Buch von ihm!" ries sie. Der junge Mensch sah erstaunt zu, während sie es in fröhlicher Hast durchblätterte. „Es ist nur eine Broschüre," erklärte er halb entschuldigend. „Eine Plcniüerei, eine soziale Skizze: „Arbeit". Ich alaube nicht, daß sie von Interesse wäre. Die Dame wünscht dochl etwas Unterhaltendes." „Ich kaufe dies Heft," sagte Marie hastig. „Und — ^rben S:e noch etwas anderes von ihm? Ich nehme alles. B:tte, sehen Sie genau nach." Der junge Mann befragte ein dickleibiges Nachschlaae- buch und erklärte danach, daß der betreffeiche Autor bisher mrr erst e:n kleines Märchenbuch — „Märchen für große f™ 5 ** — also voraussichtlich für das Alter von zwölf bch vierzehn Jahren — herausgegeben habe. Das Büchlein Ware nicht vorrätig, könnte aber sofort besorgt werden wenn die Dame wünsche — , ^ 5 ??? sprach diesen Wunsch mit ziemlicher Heftig- Wahreich s:e an der Kasse bezahlte, versenkte er seine Nase noch einmal :n das bewußte Buch und stürzte den^her^ wuchtiger ^Geschäftsmann hinter der Davongehen- Ech noch ein drittes Werk voii — von Hans ^^off :n Vorbereitung!" versicherte er atemlos Ein «.»*“ SS'TÄlÄSr* *“ nm „, 61 drehte imb wand sich: „Ein bisher leider fast qän^ lich unbekannter Autor." > > o rr „Unbekannt!" rief die Dame ernpört. „Ich kenne ihn. — Schicken S:e m:r den Roman zu, sobach er erschienen ist." ^ 5 N der nächstei: Buchhandlung, zwei Straßen weiter. fand Mar:e das Märchenbuch Hans Jmhoffs vorrätig. Sie trug's im Triuniphe Hein: und las die beiden Büchlein noch an demselben Abend glatt durch. Die „Märchen" warert zartsinnige, von feinster Schelmerei durchtränkte kleine Dichtungen voll Duft mrd Reiz. Und die kleine Broschüre sprachs in hohen, ernsten Tönen von Fluch und Segen der Arbeit — von dem Fluche, der die Menschheit aus dem Paradiese trieb — und ewig treiben würde zu qualvoller Frohnarbeit um Befriedigung selbstsüchtigster, niedrigster Bedürfnisse — und von dem Segen, der in der selbstgewählten Arbeit für große allgemeine Ziele läge.-Die Sprache des kleinem Buches war freudlos, zuweilen bitter, das Werk eines Riir- genden, nicht eines Vollbringenden —/«es mochte in der aller- trübsten Epoche seines Lebens geschrieben sein. In jenen Jahren, als Hans Jmhofs fast daran verzagte, je das Große schaffen zu können, das er in sich fühlte. Mit liebevollem Verständnis versenkte die Jugendfreundin sich in beide, untereinander so wesensverschiedene Merkchen, die ihr °doch jedes sein Bild klar und rein vor Augen stellten. Als sie zu Ende gelesen, trug sie die Büchlein auf ihren Lieblingsplatz im Erker nrid ging zu Kamille in die Küche hinaus. Die Alte saß, mit der Hornbrille auf der Nase, ihren fetten Huiid neben sich, unter der Hängelampe und stopfte Strümpfe. (Fortsetzung folgt.) Die Ztecklingszucht bei Kartoffeln. Bon Herrn Prof. Dr. Gisevius-Gteßen erhalten wir folgende Zuschrift: Die Idee, bei Kartoffeln durch Stecklingsverwendung an Saatknollen zu sparen, ist eine sehr alte. Vor mir liegen u. a. zwei Zeitungsaufsätze aus den Jahren 1814 und 1816, in denen diese - Frage behandelt wird. Wäre diese Methode wirklich so einfach durchführbar, so billig und. so sicher, wie es vielfach heute behauptet wird, so hätte sie sich schon lange in der Praxis eingebürgert. Tatsächlich aber hat man sich auch später immer nur darauf beschränkt, sie bei Sorten-Nenzüchtungen zur schnellen Saatvermehrung anzuwenden mrd zwar nur in dem Falle, daß man gärtnerisch ge-, ichulte Kräfte und daß man besten Gartenboden in reicher Düngung und hoher Kultur, endlich daß -nrstt.nnch die Möglichkeit des Begießens der Pflanzen bei Trockenheit zur Verfügung hatte. Ter Mangel an Saatkartoffeln hat nun jetzt neu die Frage zur Erörterung gestellt, inwiefern inan heute. 1917, ausnahmsweise das Kartoffelsaatgnt durch Stecktingsanzncht strecke:: soll. Da gärtnerische Einrichttnlgen zur Stecklingsgeivinnung ebenso notwendig ftnd wie gärtnerisch geschulte Kräfte, und bei dem großen Umfang, den diese haben müssen, ist diese Methode der Saatkartoffelstreckung ohne weiteres für das platte Land und für den prattischen kleinen oder großen Landwirt undurchführbar. Ter Ankauf öon Stecklingen ist angesichts der Preise für den prakttsckwn Landwirt gleichfalls unmöglich. Auf y 4 Hektar braucht man nach den verschiedenen Angaben 10 000 bis 20 000 Ltück, und der Preis pro Stück schüvankt zwischen 4 bis 12 Pfennig. Aus diesen Angaben heraus würde — ohne Transportkosten — sich das Stecklingssaatgut pro Morgen (= V 4 Hektar) auf 400 Mark bis 2400 Mark stellen. Rechnet- man an Knollen- saat 10 bis 12 Zentner pro Morgen und gibt man für Original- saat heute 30 Mark pro Zenttier, so macht das pro Nttirgen nur 300 bis 360 Mark aus. Tie Stecklinge brauchen besten, reich gedüngten und auf das Beste zubereiteten Boden, wnrn sie gedeihen -sollen. Sie müsse:: be: trockenem Wetter gut gegossen und dauernd gut gepflegt werden Be: einem Nachtfrost gehen die Stecklingspflanzen im Freien rettungslos nach dem Auspflanzen zugrunde, ohne daß sie sich aus einer Knolle neu entwickeln können, wie das bei den Saatknollen der Fall ist. Einer unserer ttichttgsten praktischen sachverständigen Landrvirte gibt an, daß er be: gut behandelten Kartoffelstecklmgen aus deren Pflanzen pro Morgen 20 Zentner Ertrag herausbrachte. Bei gärtne- ri,cher Behandlung werden die Erträge sich höher stellen. Bestimmte Angaben darüber haben sich bisher nicht ermitteln lasser: Alle Nachrichten aber heben hervor, wie unsicher und umständlich das Verfahren ist. Es kommt u. a. vor, daß die Stecklinge zur Hälfte oder in noch größerer Anzahl verholzen, so daß sie nach dem Aus- pflanzen nicht weiterwachsen. Ferner wird hervorgehoben, daß nur sehr wüchsige Sorten zur Stcckllngsanzucht brauchbar sind, und daß man dabei auch noch schlecht keimende Knollen ausscheiden muß Vre Anzucht bis zum Auspflanzen nimmt sechs bis sieben Wochen m Anspruch, zum Bewurzeln der Stecklinge braucht man pro Mor- gen 50 bis 110 Quadratmeter (je nach den verschiedeueu Angaben) an mit Glas gedeckten Frühbeeten oder an ähnlick)cn srostgeschützten Raumen, wenn man nicht Blumentöpfe vorzieht. .Überschätzt man den Wert der Saatkartofselstreckuttg, so nistet m der Gedanke ein, man könnte mit Sicherheit von 100 Zentnern ^ratknollen 90 Zentner ersparen mrd als Nahrung für Men- Ichen verbrauchen. Darin liegt eine große Gefahr, da in Wirklich- 189 kett die Erträge aus Stecklingeil nicht entfernt die Höhe und noch weniger die Sicherheit der Erträge erreichen, welche wir aus Saat- knallen geroinnen. Jnr Gegenteft müssen wir pro Morgen oder pro Quadratmeter mit sehr sehr niedrigen Durchschnittserträgen rechnen, wenn wir Stecklinge benutzen. Wer die Stecklingszucht als gleichtvertig mit der Saatknollen- Vettvendung empfiehlt, macht sich volkswirtschaftlich eines schwereil Rechenfehlers schuldig. Er verwechselt zwei Aufgaben miteinander. Die ein ^Aufgabe wäre die, aus einer gegebenen Menge Saatgut möglichst viele Zentner Speisekartoffeln zu erzielen, ohne Rücksicht auf die Kosten des Saat- oder Pflanzengutes und ohne R ü cksicht auf die Arbeit und aus die uns zur Verfügung stehende Bodenfläche. Diese Aufgabe könnte durch Stecklingsanzucht gelöst werden. Sie würde voraussetzen, daß der Mensch sich n u r mit Kartoffeln ernähren kann, und daß wir die Kartoffel als Volksnahrungsmittel durch keine anderen Früchte ersetzen oder strecken können. Diese Voraussetzung trifft nicht zu. Wir künneil die Kartoffel durch Möhren «Gelberüben), Weißrüben, Kohlrüben, Runkeln (z. B. Roterübenh Erbsen, Bohnen, Faseolen usw. usw. sehr wohl ersetzen und als Volksnahrungsmittel mindestens sehr wohl strecken. Tie uns volkswirtschaftlich wirklich zur Lösung gestellte Aufgabe ist eine andere, mft der wir die eben besprochene Aufgabe nicht verwechseln dürfen. Unsere Aufgabe ist es, aus der uns heute verfügbaren Bodenftäche — auch aus unseren Stadtgärten — möglichst viel Nahrungsmittel herauszuholen, d. h. möglichst viel Kartoffeln, Gelberüben, Kohlrüben, Runkeln, Erbsen, Bohnen, Linsen, Faseolen usw. Ten Luxus ausschließlicher Kartoffelernährung tonnen imb brauchen lütt uns heute nicht zu leisten. 200 bis 300 Zentner Gelbe- rüben pro Morgen gewonnen, sind weit billiger zu erzielen und geben uns viel viel mehr Nahrung als 30 Zentner Kartoffeln, die wir ans Stecklingen unter viel höheren Opfern gewonnen haben. Richtig^ ist es also, den Kartoffelbau nur so weit auszudehnen, als uns Saatknollen hierftir zur Verfügung stellen. Stecklinge können nur ausnahmsweise in gärtnerischen Betriehen dann verwendet Werder, wenn besonders günstige Umstände dafür sprechen. Es genügt idicht, wenn die Stecklinge in Gärtnereien nur angezogen nno dann tu Die Hände ungeübter Personen gelegt werden. Unsere Aecker und Gärten sind im übrigen nicht mit Kartoffelstecklingen, sondern ausgiebig mit Gelberüben, Kohlrübeü, Runkeln, Erbsen, Bohnen, Fa'.eolen, nff't Kohl und Kraut aller 'Art zu bepflanzen. Zur Beruhigung ängstlicher Gemüter sei noch daraus hinge- wiesen, daß war mit die,ein Wege die Kartoffel nicht ganz antz unserer Küche ver'choinden lassen wollen; wir wollen aber reich- lrche Nahrungsmittel zuin Strecken der Kartoffeln gewinnen. Tie Gefahren der ^tecklingsrernwndung liegen auch darin, daß wir wenig Kartoffeln auf viel Land gewinnen, und daß uns keine genügende Menge von solchen Früchten zuwächst, mit denen wir die uns fehlenden Kartoffeln darm ersetzen oder strecken können. Tie Gatten unserer Stadtbewohner sind dazu da, um Nahrung für uns zu gewinnen. Als Versuchsfläche zu dienen, dazu sind zu schade, .ue stecklingszucht bei Kartoffeln ist noch keine allgemein als brauchbar erwiesene Methode, eher ist sie nach den vorliegenden Erfahrungen schon als unbrauchbar und Volkswirtschaftlich als schädlich erkannt, sofern es sich nicht um rein gärtnerische Kirnst betriebe handelt. Ich spreche meine Ansichten in dieser Frage jetzt aus, da man sonst die Zeit versäuuit, um 'ich den Samen anderer Pflanzen für unsere Garten noch zu verschaffen. 5chnecken und Zroschschenkel. dkachdem unsere Ernährungsfrage immer kritischer wird und es den Hausfrauen fti Stadt imd Land immer mehr Schnnerig^ «eiten macht, WtvechMmg in die täglichen Mahlzeiten zu bringen halte ich es für zeitgemäß, endlich ans'die bei mis überall in großen Mengen vovlommenden Weinbergschnecken und Frösche, die beide für die Ernährung so gut «nutzbar gemacht werden können, hinzu- wi-ersen. ^n Süddeutschland such diese delikaten Gerichte längst bekannt und bilden gerade ut jetziger Fastenzeit eine hochwillkommene Abwechslung bei reich und arm. Der ärmeren Bevölkerung tnetet außerdem der Verkauf der gesammttren Schnecken und Frösche eure gatte Er,verbsquelle, da sie ihre frische Ware in der Stadt auf dem Markte oder vmi Tür^zu Türe ziehend, in kürzester Zeit ko^wiw. Einlesen der schriecken uiiü Einfangen der Frösch- «mm durch größere Kruder, gewöhnlich Knaben, besorgt »verdcn — Schnecken und ^Froschschearkel" höre ich ivohl manch' K-miperlrch Dämchen ausrufeir, während der Hausherr vielleicht Ichon einmal außerhalb mit diesen „Delikatessen" bekannt geworden rst. und sie im Gehernien zu schätzen versteht! Wie jedes Land seine Eittmr niid Gebräuche hat, so hat es auch seine Küchenspezialiräten, und daherivar es ftir Mich, vor vielen Jahren aus Süddeutsästand gekommen, mst eure Entbehrung, in der Zeit znckschen Weihnachten Mw Osterli auf diese vorzüglichen Gerichte verzichten zu müssen. Ab^.' Nicht allem als Delikatesse wollen wir diese Gerichte be- twchchen, vielmehr als Volts- und Gefangenenernährirng, soweit Um diese ber den letzteren auf die Privatverpflegung erstreckt. Voriges Frühjahr war ich in einer sehr schnecken reichen Gegend Mitteldeutschlands, wo mau offenbar von der praktischen Verwendung dieses Weichtieres noch wenig Wnung hat, denn zu tausenden lagen sie am Rande eines beschatteten Tannenwaldes und man hatte fast Muhe, nicht bei jedem Schritt und Trftt einige tot zu treten. IN meiner Behausmvg aaagelangt, jmnnrerte mir die Wirtschafterin vor, daß sie nicht wisse, mit was sie die aus dem Gute beschäftigten 10 g», fangenen Franzosen morgen satt machen solle, Fleisch ist nicht mehr viel da, und auch die Kartoffeln seien fast alle. Da ließ ich Lrrzerhand einen Korb voll Schnecken einsammeln, was kaum 10 Minuten in Aiispruch nahm: diese wurden gewaschen, gekocht, aus dem Gehäuse gezogen, geputzt und airderen Tags in einer Mehlschwitze m ft ettvas Essig gedämpft, dazu eine tüchtige Schüssel voll Mohrrüben. Nach dem Essen brachte einer der Franzmänner die geleerten Schüsseln zurück uird mit strahlenden Augen sagte er m gebrochenein Deutsch: „Oh! Serr gut, serr gut! Wollen sia Meder mal bringen! — Merei beaucoup!^ Ich sah auch allea^ andern Gesichtern an, daß sie nach dieser Mahtzeft ganz besoirdersj zufrieden schienen, und sie nahmen an mir vorübergehend heute befmrders höflich ihr Käppi ab. Weim wir die zoologische Stufenleiter von beit Fischen abwärts verfolgen, so gelangen wir zu den Krebsen, Garnelen, Fröschen, Anstern und mit einem kleineil Seitensprung zur Schnecke. Und zwar konimt ftir die Küche ,nur die große, recht fleischige Weinl^rg-4 schnecke, vom Spätherbst bis zum Frühjahr, solange sie sich noch im Winterschlaf befindet jund eingedeckelt ist, in Betracht. Bei, eintretender wärmerer Jahreszeit verläßt die Schnecke ihr Versteck «und ko Mutt pus der Erde, wirft ihre Teckelscheibe ab und richtet ihrer Gefräßigkeit halber oft vielen Schadeii an Unseren; Pflanzungen, insbesondere in den Weftrbergeii an. In Württemberg, Baden, Oesterreich und vielen andern Län- derii werden fte in besondererr Schneckengärten gezüchet, mit Kohlblättern und gequelltem Hafer gemästet und dann in großen Mengen hauptsächlich «nach Frankreich verkauft. Ein Franzos« wird ein .^chneckengericht, gut zu bereitet, j eder deutschen .Hausmanns kost vorziehen. Bei uns finden wir die iwch festgedeckelte Schnecke besonders an Hecken, Gebüschen, Zäunen usw. etwa 6—8 Zentimeter tief in der Erde. Sie können mit Leichtigkeit selbst von kleineren Kindern eingesammelt werden. Wem: man mit einem gewöhnlichen Stock, noch besser Feuerhaken, außerhalb des Ortes an einer Hecke oder eurem Gebüsche in der Nähe der Wurzeln die Erde wegkratzt, wird man alsbald auf eine sich noch im Winterschlaf beffndliche, einge- deckelte Sckmecke ftofjen, und wo deren eine zu finden ist, sind gewöhnlich noch viele, so daß man oft in ganz kurzer Zeit mit einigem Spürsinn eine genügende Menge hat, um eine reichliche Mahlzeit für mehrere Personen zu erhalten. Man rechnet für einen Schnek- kenliebhaber gewöhn lick) 10—12 Stück. Die Zubereitung kann aus die verschiedensten Arten sein. Ich will hier nur die gebräuchlichsten anführen, während aus jedem bessern Kochbuch die raffinierteren Zubereitungen zu ersehen sind. Tie Schnecken werden im Gehäuse sauber gewaschen, in strudelndem Salzwasser etwa eine halbe Stunde gekocht. Dann zieht man die Schnecken mit der Gabel aus dem Gehäuse, entfernt den schwärzlichen Ring, der um die ganze Schnecke geht, scl-neidet den Schwanz und das Harte vorn am Kopfe weg, spült sie durch Salz- Wasser und Echt sie in einer gut gewürgten Mehlschwitze mft etwas Efsigzusatz weich. Auf vorige Art gereinigte, ftr Salzivasser weichgekochte Schnei ken fckstnecken^vorzüglich ftr einer Salattnnke und gehen mit Katto-- feln in der Schale ein gutes, billiges Essen. Nun zu den F r o s ch s ch e n k e l n. , Mit ganz besonderer Vorliebe wurde ich mich jetzt — weniger b«it Fröschen .— «als deren Schenkeln zu, die eftrmal gegessen' unstreitig zu unfern Lieblingsspeisen zählen, demr das Fleisch ist wohl das zarteste, das es über Haupt gibt, und außerdem von einem außerordentlichen Wohilgeschnrack! Von Oktober bis Mar'sind die Frösche am besten. Ihre Keulen geben nicht vur eine ,sehr schmackhafte, leicht verdauliche Speise, sondern find für Magenkranke und Wiedergenesende außerordentlich empfehlenswert. Tic Frösche kommen in großer Zahl überall in Bächen, Tümpeln, Tersten und ^Seen vor, gehören zu den schrvanzlosen Lurchen mit glatter Haut mW laugen Hinterbeinen. Das Fangen der Frösche erfordert wenig Ilebmrg. Mft einer Kelle können an froschreichen Stellen oft mehrere auf einmal ans dein Wasser geschöpft nerden. Diese werden dann schleunigst durch einen Schlag ans den Kops getötet, die Hinterbeine so abgelvennt, daß sie an-, einanderbleiben, die Hosen abgestreift und di. Beine gekreuzt in- einandergeschoben. Ter Vorderu U dürfte den Euren ein ebenso uni! konimener Leckerbissen sein, wie die oben hergericksteten Sävenkel in oer feineren Küche ivill kommen sind. Glücklichrwvise braucht ja die t!Oansfran die Frösche, nicht selber zu fangen, zu amputieren und ihnen die Hosen abzuziehen. Sie bekommt dieselben sfr und fettig geputzt und hergerichust zu l.rusen. In vielen Gegenden werden die Froschscl>enlel in den Häusern feil geboten, da sie ein langes Hernmliegcn nicht verttagen. Wo diese gleich zum Markte gebracht lverdcn können, erfpart sich das Hermnlansen, bis man, Rme Liebhaber dafür hot. Ich kenne E>.'genden, wo einige hundert oo^c tmriend Frösche in den nächsten zel-n Hänieru abgefetzl werde» können. .140 In den katholischen Gegenden ist das FvoschschenkeleffM längst Manch und bietet tvähreitd der Fastzsnzeit entern angenehmen FlEiersatz. Die arme BevölSenntg verschalt ftch durch den ^vang irrtb ©erlauf der Fvvschschenkel einen schönen Verdienst. Die zum Verkauf gebrachten fratlen müssen ein festes, zartrosa Kersch h?bett das mit feinen, dunkeln LLederckMt durchzogen t]t. Letztere sind hauptsächlich nach dein Kochen gut stchtbar Die Zu Breitung ist die manntgfach-te tmd Ketmer streiten sich welches die unbestritten feinste sei! In der Tunke, gebacken, gedüutpst, oder gar, wie der FVinsch:necker behauptet geräuchert! Ich null nun einige Kochartc» mtführen, dann kann sich der Le!er, sobald er sich einige Dutzend Froschschenkel versck-aft und gegestctt Hot, selbst überzeugen, und ich bin >sicher, daß „eü" oder „fm künftig gerne an dem edlen Wettsträt tetlrummt, welches dre feurl.c Zubereitung sei. Allerdürgs nrust das Vorurteil dem Frosch gegene, über erst übertviunden sein, damit das Gericht tmieru ungeteilten Beifall firtdet. Warum soll ein Frosch dem: weniger appetültch und geniestbar sein, als etwa ein Krebs, Hmunter Austern ooer gar Muscheln?! — In Beckstcls Kochbuch steht die Froichschcitkel^ Zubereitung Mischen der Forelle und dem Hecht, nimmt alr-o ol^aic Zweifel auch da einen Ehrenplatz ein. Und wentt ich daran denke, dast die feine Forelle vielfach erst mit Maden fett gemacht tvud, ehe sie auf der Tafel erscheint, dann will ich doch lwbor glnck' in. einen Frosch beißen, zumaten, wenn er gebacken ist! Ltebe Leserin. bekämpfe mal dein Vorurteil, gehe, falls du sonst kerne Fwkch schenke! auszutreit^en vermagst, in Fcanckfnrtrn dte Bocken Herme straste dort bekonrmt man in einer ,,Feinkosthandlung dte zreruch zugerichteten Fvoschkeulchen — allerdings verhÄvlismästig twr — Mi kaufen. Etwa 30 Stück dürften fürs erste genügen^ Zu Hanse wasche sie sauber, tnache eine weiße Mehlschortze tust Salz, Zwiebeln, Muskatnuß, lasse sie etwa //. Stmtde Sochm, -etwas Zitronensaft Lend ein Eigelb verfeinert dre speise. Kartoffeln odeo gar Nudeln dazu sind eine Götwrspeise ! _ Gebacken werden die Froschschenkel aus folgende Art : Wenn sie gewaschen und getrocknet sind, so bestreut E fte mst Salz, kehrt sie in einem gebrühten Teig oder m Er und Weckmehl und backt sie in wenig heißem Schmal-. . Fro schschenkelsnppe kommt m ihrer Gute der Huhnes ^^Das^Einstms« mtd Herrichten der Frösche könnte übrigens für viele Ber.vnndele nicht nur ein gennnnLringender Zerwer- treib sein, sondern sie würden sich gewittz den -L .ntf vieler ihren fraufcit Kameraden verdienen, wenn sie dadurch zu einer so leichten, guten Krankenkost kommen könnten. Also frisch aus zu einem guten Fang! — " • vermischtes. *Wic Kaiser Wilhelm!, einer Fra,t-ösin Sparsamkeit be ihr achte. Kerne Eigetrschast im Charakter Kaiser Wilhelms I mutet uns heute, da wir selber in der Not dieser Zeit ihrer am wenigsten entraten können, so menschlich-rührend aii, wie seine Sparsamkeit. Keineswegs ettoa geizig veranlagt, war der Herrscher doch j^rer nutzlosen Vergeudung von Erzeugnwen abhold und pflegte auch in Geldsachen den Grundsatz Mt befolgen ,Maß in allen Dingen zu halten". Die schreckliche Kriegseretg- triste, die er sckton als Zehnjähriger durchztunachen batte, haben sick-erlich auch ihre unveM'ckchbare Wirkung für das gattze Leben ausaeübt. So pflegte der Monarch von jeder an ihn gerichteten Eingabe den „Refpektbogetst' zu entserneti imb ihn zu Notizen beiseite zu legen. Nach seinem Ableben wurden in fernem Schreibtisch gänze Stöße solcher von ihm abgetreunter Resvektbogert gesunden. Ebenso verwendete der Kaiser an ihr adressierte Briefumschläge durch Wenden des Umschlags doppelt. Besonders choratte- riftisch mr den bescheidenen Sinn, der Wilhelm I. auszeichnete, ist ein Vorfall, der sich im Sommer 1884 yt Baden- Baden zutrug. Eine französisck)e Schriftstellerin hatte trach einer tmchrstündtgen Fahrt durch den Badeort mit dem Kutscher des Miettvagens wegett der Bezahlung Strest. Die Fran-ösin lebte nämlich in dem Wahne, dast die Geldtvährung ihres Landes international sei, und wollte den Kutscher in Franks entlohnen. Der auf sein Deutschtum haltende Rostelenker bestand indessen auf Zahlung in deutscher Münze. Diesen deutsch-französischen Konflikt beobachtete ein Herr, der aus einer benachbarten Villa kam uttd schlichtend eingriss. Aus die Frage, lvas sie Trinkgeld zu geben gedenke, erwiderte die Französin: „Zwei Frank," woraus der vornehme alte Herr erwiderte^ „Das ist zu viel. Rtan muß das Geld tticht vergeuden." - „D, Sie sind gei-ig," meinte die Dame — „Geizig durstwus nickst, aber sparsam, merne Gnädigste. Soll ich etwa nicht sparsam sein, da ick doch das Geld meiner Untertanen ansgebe!" Die französische Schriftstellerin, die bald daraus erfuhr, dast Denlschiattds Kaiser ihr dirste Unter- Weisung in Sparsamkeit erleckt hatte, brache später in Wort und' Schrift zum Ausdruck, dast sie durch das schöne Bci'viel des Herr- sckters von ihrer Sucht, mit dem Gelbe zu ioerseu, gründlich geheilt sei. ' * T'Annunzios ikriegsspendc. Die sran-ösischen Blätter melden vollin: Rührung, dast D'Aunuttzio für die französischen und helgischen Soldaten 3000 Franks spendete. Der Gaulots erklärt daraushitt, daß nunmehr -ur Betvunde-rnng, die man &?u| Dichter zolle, etvige Dankbarkeit sich gesellen müsse. Wenn man bedenkt dast D'Amurnzio für feine Kriegshetze mehr als eine MÄ- lion erhielt ersckA'ürt die Dankbarkeit den 3000 Franks gegenüber immerhin ettvas übertrieben! * Vom Kohl. Der Kohl, dessen Nützlichkeit als Nahrungsmittel sich jetzt wieder in hohem Maste erweist, war bei den altetfl Völkern sehr hoch geschätzt. Die Aegtzpter ließen allen andern Gerichten Kohl vorangehen und nannten ihn eia „göttliches Gericht".! Die Griechen uttd Römer waren große Liebhaber von Kohl und fest überzeugt, dast das Verspeisen desselben vor Trunkenheit schütze. Die g neckst scheu Aerzte schrieben dem Kohl alle möglichen Wiicknngen zu : er sollte sogar Lähmungen heilen. Ist dieser Wert- schttznng des Kohls imtrden die Griechen nach von den Römern übertroffen. Diese meinten ogasr. er sei die Veranlassung, daß die 600 Jahre lang keine Aerzte vrauchteir, und Cato behauptet, Kohl heile heimliche Krankheiten. Die Alten kanttten verschiedene Kohlarten: beit langblättrigen Grünkohl, den harten Weißkohl, der zur Bereitung des Sauerkohls dieitt, ben Krauskohl und den Rotkohl. Dieser scheint besonders beliebt gewesen zu sein und wurde von dem Römern zuerst in (balltet! ernge,ührt. Die Griechen liebten es, dem Kobl Kümmel, Koriander, Oel, Rvsinen, Wein und Vtandeln zuzusetzen. Damals war Kobl mit allen seinen Zusätzen ein Festtags- Gemüse. Ellvas von der Zubereitungstveife bei den gsten Grieckien ist aus die Neu-Griechvn und von diesen auf uns gekommen: die Fscklung der Kshlköpfe mit einer pikanten, würzigen Fletschsauce, die, in kräftiger Fleischbvül>e geschmort, ein delikates Gericht bieten. Büchertisch. Lng ins Land. Baud 7 der Liebesgaben deutsche Hock>- schüler. (250 S., reich illustriert.) Mit einem Kartenatlas sämG licher Kriegsschauplätze. Berlin 1916, Furck>e-Verlag. Preis 2.50 Mark. Gietzener Hausfrauen-Berein. Kochanweisnugen. Geb. Stockfisch: Ten Fisch (2Pfd.) in reichlich pesal- frettem Wasser weich ziehen, nicht kochen. 2 in Scherbett geschnittene Z^viebeln tveich gedcntrpst, tücht bramr, den zarstückeltett Fisch olpte (träten mit den Zwiebeln und Kiartosselbrn, welchn nicht! zu dick sein darf, schichte ochse in euren mit Fett auSgeschmierten, Tiegel bäckt man die Speise im Rohr l /t—*U Stunde. Kaninchett gebraten: Mart reibt dasselbe 1—2 Tage vorher mit Senf (Mostrich» ein. Wer Speck hat, spickt es vor dem Braten tmd brät es toie einen Hasen. Die Soße rührt inan mit Mehl ab, ftigt getrocknete Steinpilze oder Motcssevons lnnzu. So znbereitet bekonrmt dos Fleisch eineit pikanten, tvildartigen Ge°' schntack. Nudclsalat: (Sättigend uttd toohlschmeckend.) Man kvchl Rndeln in Salzw-asfer ab, gleichzeitig meitgt man klein gehackt^ Fleischreste, 1 seingehacktes, hartgekockztcS Ei, abgekochten Sellerie, auch GemÜfereste von Pilzen, Spargel, Sckwteu, und riihrt dies mit Essig uttd Oel oder einer Salattmtke an. Dieses mischt matt daraus mit den Nudeln. Zur Wwseitierung dient Schinkenftvck oder Krabben an Stelle der Fleischreste. (Ä raupen nt i t Obst: Die lÄrattpeit loerden in Wasser mit Zlucler tveichgekocht: sind dieselbett zur Hülste toeich, gibt man auf Vs Äftistd Graupen i / 2 Psnnd Aepsel oder sottstiges Obst dazu und lässt das Ganze zusamnten dünsten. Bet getrost ne lein Obst ist cs besser, dasselbe gleich mit den Graupen kochnt zu lassen. Gefüllte Z w i c b e l tt: (Vroste, runde Zwiebeln, gewitzt und geschält, werden x !\ Stiutbe laug in Wasser gekocht, in frischem Wasser abgekühlt. ituveudig ausgehöhlt, mit Hackfleisch gefüllt, dicht nebeneinander in einett Tiegel gesetzt, mit Fleischbrühe ödest Bouillonwürfel, einem Stückchott Butter, einer Prise Salz und Zttster, gut z-ugrdeckt tmd langsam weichdünsten. Bilbcrvtttfcl. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Ntunmerr Walachei (Wal, ach, Ci.) Schristleiknng: Fr. R. 'enz. — Zwillingsrunddruck mtd Verlag der Brühl'schen UniversiteitS-Buch- und Stetitdruckerei. R. Lattge, Gießen.