Pechmorie und Dans im Glücn. Die Geschickte einerJugendfteundschaft von C. v. D or n au. Nachdruck und Ueberseyungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten. {ftartf e&itng.) „Marie," wiederholte et, dicht vor ihr stehend, und sah ihr ernsthaft in die Auge», „sag mal — ist dir auch so wunderbar, so bedeutungsvoll zumute? Du lachst mich vielleicht aus, aber ich kann's nidjt Helsen: Mir ist, als wenn ich eben etwas ungeheuer Wichtiges erlebt hätte! Und dabei ist mir doch nur ganz klar geworden, was ich schon lange mit mir herumaetragen.-Soll ich dir einmal alles erzählen? Willst du mich ganz still anhören? Du kannst so wundergut zuhören, das Hab' ich gestern abeird bereits erprobt. Da konnte ich so froh und leicht zu dir sprechen, mir alles vorn Herzen herunterreden, in völligem Vertrauen, wie ich's noch zu keinem anderen Menschen gekonnt habe.-Darf ich dir nun auch den letzten Rest arvsschütten? Es würde mir unendlich wohltun!" Er sah ihr bittend ins Gesicht. Marie nickte stumnr. Sie hätte in diesen: Moment kein Wort h-.-rausgebrächt, und wenn es sich um ihr Leben gehandelt hätte.-Sie wich noch ein wenig zurück, und er lehnte sich neben ihr aus (Ständer, schlug die Arme übereinander und erzählte, ohne sie anzu- „Sie heißt Elfriede. Wir kennen uns schon seit drei Jahren. Seitdem ich nach Braunschweig kam. Ihr Vater lebt da mit seiner großen Familie und einem recht kleinen Einkommen — er rst, was so die Leute einen mittleren Beamten nennen. Ich wohnte ganz in ihrer Nähe — Haus au Haus — und mußte täglich au ihrer Parterrewohnung vorüber *um Kontor gehen. Dann stand Elsriede am Fenster und goß ihre ' Blumen, und ich sah hinein und grüßte schließlich einmal, und von da an täglich —■ so hat es anaefangen, und so oder ähnlich sängt es wohl immer au Wir hatten noch kein Wort miteinander geredet, als ich die ganze Familie durch Zufall aus einen: Sommerausfluge kennen lernte —, lverrn man so was Zufall nennen darf. Natürlich verkehrte ich von da an in ihrem Hause, schloß mich aus Sonntagsspaziergängen an und wurde mit gemütlicher Selbstverständlichkeit als Freund des ganzen Hauses betrachtet — von El friede vielleicht als mehr. Stillschweigend-was hätte es für einen Zweck gehabt, wenn wir uns gesagt hätten, was wir doch schvn voneinander wußten? — Wir waren ja beide so lächerlich arm. Also an eine Verlobung dachte weder sie noch ich. Und o innig war der Zusammenhang der ganzen Familie, so treng behütet war sie ohne Absicht dadurch, daß wir kaum e ein paar unbelauschte Worte haben wechseln können — so >aß ich gar nicht in die Gefahr geriet, ihr mehr zu sagen, als ch durfte. Die stille Liebe war eine harmlose Ausschmückung meiner einförmigen Gedankenwelt, meiner wenigen Feierstunden — weiter nichts; um sich zun: Begehren zu verdichten. dazu war sie von Anfang an zu hoffnungslos. Und dazu war auch Friede zu rein, zu wunschlos sttll, zu traumhaft lieblich. Friede! So nennen sie Eltern und Geschwister. Und der Name paßt für sie wie kein anderer. Doch ich will nicht versuchen, sie dir zu schildern. — Du müßtest sie selber sehen, um sie in ihren: ganzen unsäglichen Liebreiz begreifen zu können." Hansens Stimme hatte bei den letzten Worten geschwankt. Jetzt schlvieg er ganz und gar und begann in starrer innerer Erregung vor Marie aus und ab zu gehen. Sie stand sttll, als sei sie mit dem grauen Steing-elärü>er verwachsen. Zweimal öffnete sie vergeblich die Lippen, um die Frage zu stellen, die ihr auf der Seele brannte. „Und — als du das Geld bekamst" — brachte sie endlich heiser herv r „har du's ihr doch sagen fö men —" Hans blieb stehen und ftriu; mit der Hand über die Stirn. „Ja," sagte er langsam. ,.da hätte ich's ihr sagen können. Natürlich. Jetzt kommt's mir auch so vor — in diesem Augenblick kvmmt's mir so vor — als ob ich das gleich hätte tun müssen. Das Sonderbare ist nur: ich habe damals — als das Geld kam — mch bis auf den heutigen Tag, bis fast auf diese Stunde — nicht so gedacht —" Er tat wieder ein paar rasck>e Gänge hin und her, ehe er. stehen bleibend, weitersprach. „Als die Erbschaft fam, empfand ich zunächst nur eins: jubelndes Entzücken über meine Freiheit. Keinen Gedanken hatte ich für etwas anderes übrig. Es kam dazu, daß Wieden- brincks — Elfriedens Eltern — mit ihr verreist waren. Zum erstenmal in den drei Jahren verreist. Zu einer sterbenden Großmutter.-Ich sah sie also nicht, ich hörte nichts von ihr, der märchenhafte Zauber ihres Elfenwesens wirkte nicht auf mich ein —, b'i verhärtete sich mein Herz in kältestem Egoismus. Ich sehe heute ganz klar ein, daß es bas und nichts anderes war! Ich hatte Angst, ganz gemeine, feige Angst, um meine kostlxrre, neugewonnene, nie vorher gekannte Freiheit.-Siehst du, Marie, die Bestte Mensch! Eine Entschuldigung gibt's vielleicht für mich: daß ich vorher nie an eine Heirat gedacht hatte. Tlber sie ist doch höchst fadenscheinig! In Wirklichkeit war's eben nichts, als ein außerordentlich minderwertiger Charakterzug von mir, dieser rückhaltlose Freibeitsrausch." „Du hast sie — noch nicht wiedergesehen seitdem?" „Nein. Ich reiste ab. ehe sie zurückkehrte. Reiste ad, als ihr kleiner Bruder mir aus der Straße erzählte, die Großmama sei tot und begraben, und Eltern und Schwester kämen nun bald wieder heim. Ich kniff aus, Marie, feiger Kerl, der ich war, weil ich wußte, daß ich vor (Hfrieoe# sieghaftem Aicheln doch balo die Waffen strecken würbe!" „Und — nun?" „Nun hat sie auch ohnedem gesiegt. Wunderbar! DaA Zusammentreffen mit dir — unser Wiedersehen und Beisammensein — hat mir das geliebte Ntädchen wieder ganz nahe gebracht! Obgleich ihr doch nicht die geringste Aehnlich- 126 feit miteinander habt. Aber sie war eben mit einem Male wieder da.-Und ich weiß auch, wie es gekommen ist. Me wir Erinnerungen austauschten, du und ich — und ich, ein warmherziger, selbstloser Junge, wurde im Geiste, von des Gedankens Blässe unangekränkelt — da ist's so ganz allmählich über mich gekommen.-Und Philipp Koch hat recht: es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. — Und du hattest recht mit den:, was du über die Sehnsucht nach dem eigenen Heim sagtest. Mein in der Welt wird man kalt und hart und armselig. Das hab^ ich an mir jetzt recht deutlich gespürt. Wie sagt der Dichter? „Alle großen und guten Gedanken konrmen aus den: Herzen!" Merns ist in Selbstgenügsamkeit verknorpelt und verknöchert. Nun weiß ich wieder, oatz es etwas Besseres gibt. Nun kann ich wieder mit dem Herzen denken. Sie wird's mich lehren, sie, die so ganz Herz. Seele, Zartsinn ist. Ach, Marie! Liebe alte Marie! Wie soll ich's dir je danken, daß du mich auf mein besseres Selbst zurückgefuhrt hast!"- Hans sprach in überquellendem, hingerissenen Ernpfin- den. Er berauschte sich an seinen eigenen Worten, er strahlte, er glühte. Und Marie stand inrmer schweigend und sah an ihm vorbei und sab, daß es immer lastender dunkel wurde — harrte aus, ob nicht irgend etwas geschähe, was sie von den: ungeheuren Druck befreite. Jetzt machte er eine seiner raschen Bewegungeil auf sie zu, streckte die Hände chr entgegen, als ob er dre ihren fassen, sie an sich ziehen wollte. Das gab ihr die Kraft, auf die sie gewartet hatte. Sie hastete an ihm vorüber, sie stieß ihn fast zurück: „Du mußt fort," drehte sie atemlos hervor. „Wenn du dich jetzt nicht sehr beeilst — kommst du gar nicht mehr zum Zuge zurecht!"- Qrr lachte hell ans. Es war ein Lachen, das anch ihn befteite. Ein prachtvoller Kamerad, dieses Mädel! Bei ihr vain man nicht in Gefahr, sich in uferlose Gefühlsschwelgerei zu verlieren! Er zog die Uhr: „Du hast recht!" und reichte ihr flüchtig die Hand: „Leb' wohl für heute —j ich werde laufen müssen — bleib lieber zurück. Ich schreib' dir, sobald sich's entschieden hat — rmch deiner Berliner Pension, nicht wahr? Morgen geht'- nach Braunschweig!" Er schwenkte grüßend den Hut und wandte sich zum Gehen. Noch einmal drehte er sich halb zurüch „Du! Dein Geld! Ich Hab' jetzt keine Zeit, mit dir abzurechnen! Ich tu's nnterioegs und schreibe dir, wieviel du zurückbekommst, und geb's dir gelegentlich. Du kriegst jedenfalls noch 'ne Menge zurück — der Tag war billig!" Und er grüßte und winkte noch einmal und sauste davon -h tn froher Haft, seinem Glücke zu. Marie aber stand wie festgenagelt und starrte ihm aus trockenen Augen nach. — ^ Et" billiaer Tag! Ein billiger Tag! Hartes, rasch unterdrücktes Schluchzen erschüttere ihre ganze Gestalt. Ein billiger Tag! sagte Hans im Glück. Der armen Marie kommt eine bange Ahnung, als habe der Tag sie unendlich viel gekostet. 3 . „Liebe Marie! ^reicht, der groß« Wurf ist mir gesungen, bas holde Wunder ist an mir geschehen. Befürchte nicht, daß ich mit . etn ^ Schilderung meiner Dräutigamsseliakeit an- äden werde. Dazu habe ich selbst in tneirrer schwimmenden mr e • 5’?^. Fl viel Respekt vor Deinem klaren, nüchternen ^?^^tsblrck! Vielleicht anch das Gefühl, daß man aus jO^chbm Traum wohl ein Gedicht schaffen kann — oder ein Lebensgluck — aber keinen halbwegs verständlichen Brief ^„bre cmßeren Geschehnisse sollst du erfahren. Und auch tnnrr;S ie weißt Du ja uun bereits. Es i t brnfach — ein Kinderspiel, und beden- tete ^ so v^el. Sie hatten bereits von der Wendung in erfahren, so daß mir anaenehmerweise lang- «Ällärungen erspart blieben. Gleich nachdem ich — etnx^ bangen Herzens - in das genreinsame Familienwohn- zrmmer getreten war und die Glückwünsche aller entgegen^ hatte, verkrümelten sich erst die Mutter, dann die MN -/Üblich ward auch der Vater abaerufen, und ich blleb mit Elfe allem — zum erstenmal in unserem Leben hat rmmer auf mich gewartet, immer. Und nie an Sill 0 jemals. Du müßtest das von ihren eigenen Lippen hören, tn welche Llbgründe demütiger Zerknirschung in welche Weltmeere unbegrenzter Seligkeit mich dies Gv» ständnis gestürzt hat! Ein ganz klein wenig fange ich aber doch schon wieder an, nach einem festen Stutzpunkt in all der himmlischen Verwirrung zu angeln. Elfe besitzt ein wundervolles Verständnis auch dafür. Ihrer: gutherzigen, ein bißchen weltfremden Eltern erscheine ich leider jetzt als ein halber Ki'ösus. Sie haben ja nie auch nur annähernd ein Einkommen von sechstausend Mark besessen — geschweige denn solch märchenhaftes Kapital, was da jahraus, jahrein Dukaten ansheckt, ohne daß mar: was anderes dabei zu tun hat, als vierteljährlich ein paar Kuponzettel abzuschneiben. —| Bon einer dichterischen Tätigkeit hat die gesamte Familie Wiedenbrinck — wieder mit der einen göttlichen Ausnahme — selbsttedend keinen Schimmer von Begriff. Sie nehmen's bei mir für einen netten Zeitvertreib, eine Laune, die sichl ein so reicher Mann schon gestatten darf. Sie begreisen'A nicht als Selbstzweck, und sie fassen anscheinend anch nicht, daß man damit nebenbei auch noch Geld verdienen kann. Elfe versucht, ihnen das letztere wenigstens klar zu machen, da sie wohl empfindet, daß den braven Leuten für den idealen Wert niemals Verständnis aufgehen wird. Und Else ist es auch, die völlig mit mir überein stimmt, daß ich mich bald von ihr losreiße, irgeno wo anders in die Einsamkeit begebe oder auf Reisen seelisch auslüfte — je nachdem mein Genius es fordert — und die stilgemäßen Monate bis zu unserer Hochzeit damit verbringe, erst einmal etwas zu leisten, was mich vor mir selbst berechtigt, die Hand rrnch der holdesten aUer Menschenblumen aus zu strecken und gemeinsames Leben auf meirrer Kunst zu gründen. — Ich Hab' auch bereits einen aanz großen, ganz wundervollen Plan. Aber wenn ich dir davon zu erzählen anfinge, würde dies kein Brief, sondern ein Buch — und das Buch soll erst im nächsten halben Jahre geschrieben werden. Sie kennt den Plan und versteht ihn und billigt ihn und regt stündlich neue Gedanken in mir an, weniger durch Worte, als durch ihr Lächeln, ihr Erröten, einen Seufzer, einen Angenaufschlag, aus dem der ganze Himmel ihrer Seele schaut. — S>alt, Hans Jmhosf! Eine gewisse, kühle, kaltherzige, junge Dame lacht in diesem Augenblick hell auf. Lacht den verliebter! Bräutigam ans.-Ich schicke Drr ein Bild, das Dich besiegen wird, alte Marie! Tausend Grüße von ihr und mir. . Dein Hans I." Marie !fa£ den Brief an einem nebeldüsteren, nässetriefenden Nachmittage, eine Woche nach ihrer Rückkehr in die Berliner Pension. Es war so dunkel geworden während des Lesens, daß sie den Kops ganz nahe an die Fenster- sä)erben pressen mußte, um die Schlußsätze zu entziffern. Das Brld, das der Umschlag noch enthielt, war in dem trüben Därnmerliclst nicht mehr zu erkennen. Sie saß eine Werte unentschlossen und sah in die fließenden Regerimassen draußen. Der Lärm der Großstadt tönte kaum bis zu ihrem Znnmer im vierten Stock hinauf; es war unsäglich still um fte her. So still, daß sie das tödliche Schweigen nicht mehr ertrug.-Sie sprang auf, schaltete das elektrische Lrcht ern, das rn einen! Mornent das ganze kleine Zimmer in blendenden Glanz tauchte, und bettachtete, dicht unter der Lampe stehend, das Engelsköpfcl)en von Hans Jinhoffs Braut mrt lerdverschärsten Blicken. Es besiegte sie, ganz wie er's gewollt hatte. Sie sah mit einen: Lächeln auf, gerade in den Wandspiegel hinein Sah drrn sich selbst, die gerade, steife Gestatt, eckiger noch rn den Bewegungen als in den Formen — sah das eigene' dunkle, unregelmäßige Gesicht, das puritanerhaft schlicht geschettelte Haar, die anmntlose Linie des fest zusammengepreßten Mundes, die starren, strengen Augen. — Unbarm- herzrg zerglrederten diese Augen das Bild im Spiegel -h U no dann tat Marie, was Hans Jnrhofs von ihr erwartet hatte: sre lachte — lachte laut und herbe. — - du — dkirrin!" sprach sie Hohnvolt zu ihrem Spregelbrld. Dann verbarg sie Brief und Bild von neuem tm Umschlag, vergrub alles in ihrem Reisekoffer, ganz tief unten, zog dre Schreibmappe hervor und setzte sich zur Antwort zurecht: 1/0 „Lieber Hans! Ich danke Dir für Deinen Brief und das Bild Deiner Braut und gratuliere anch schön. Glück braucht man Dir ^eEck^nicht erst zu wünscl-en. Du wirst ohnehin immer Das Bild Deiner Braut ist so schön, wie ich noch nie was gesehen habe. Ich stecke seit einer Woche wieder hier und suche Wohnung — allein, denn Mille könnte ich nicht dazu gebrauchen, selbst wenn sie wollte. Sie denkt aber gar nicht dran. Sie Kat eingewilligt, zu mir zu kommen, aber nur unter der Bedingung, daß sie ihren Hund mitbringen darf. Er heißt „Puff" und ist ein alter, bissiger, überfütterter Wolfspitz, grad so fett, wie Mille mager ist. Sie hat ihn mal irgendwie vorn Verhungern gerettet und zu sich genommen und kann sich nicht mehr von ihm trennen. Natürlich wäre das Geschöpf in einer Berliner Fremdenpension — vier Treppen ’fyod) — undenkbar; deshalb ist Mille vorläufig daheim geblieben. Heute vormittag ist es mir gelungen, eine Wohnung zu finden. In Friedenau, wohin ich ans Versehen gefahren bin, indem ich einen falschen Ringbahnzug bestieg. Ich Hab' sie eigentlich nicht genommen, wert sie besonders schön oder preiswert ist, sondern die vermietende Hausbesitzerin einen ungewöhnlich glatten Redefluß, eine besonders glänzende Anpreisefähigkeit besitzt. Um des Hundes willen mußte es eine Parterrewohnung sein — diese ist noch dunkler, wie Parterrewohnungen in Berlin sonst zu sein pflegen. Um Mrlles willen, die leicht friert, ist s ein' m t Zentralheizung verabscheue; ich schlafe z. B. mit Vorliebe ganz mit Aber ich denke, im Winter wird diese Heizung schon von selbst einfrieren. Der Portier sah mir ganz danach aus«. Es wird also wunderschön werden, und die Hauptsache: Wir können sofort einziehen, die Wohnung ist leer, hat bisher augenscheinlich iuinier leer gestandeii. Wir sind die ersten, dre den Mut haben, hineinzuziehen. Die Adresse: Friedenau, Rosenstraße 7 — falls Du mir mal wieder was zu schreiben hast. Cs grüßt Dich und Deine Braut Marie Krumpa." (Fortsetzung folgt.) hindenburg und die deutschen il'assikr. Eiirzlich wurde darauf hingewiesen, daß ein Hindenburg, und zwar der Mathematiker Karl Friedrich (1746—1808) vor über hundert Jahren zu den Berühmtheiten der Leipziger Hochschule gehörte. In emer hübschen Mitteilung über diesen Gelehrten die E. Cbstnn soelren in der ,,Zeitschrift für Bücherfreunde" Verlag von E. A Seemann rn Leipzig) verö fentlicht, wivb darauf hin- gevnesen, daß aus den Andeutungen, die Hindenburgs Bruder Beru- hard in seinem Buche über den Feldmarschall gibt, der Zwämweir- hang der bürgerlichen Hindenburgs, denen jener Begründer der Kombmatorrschen Analylrk angebörte, mit der Familie des Feld- hewrn wohl als wahrscheinlich anzunehmen ist. Der Mathematiker Hrudeuburg stand mit Bürger in Beziehung, von dem' ein Brief an ihii veröffentlicht ivorden ist, uird er gehörte zu dem Bekannteut- kreise seines Götttnger Kollegen Lichtenberg'. Un den Briefen die dre beiden Mathematiker gewechselt haben, waltet der fachmännische Inhalt vor, doch verbandet ste in den Jahren 1778'79 auch gemein- literarische Interessen. Dan,als war Hindenburg — int Alter bon 38 Jahren — melufach für längere Monate in Güttingen als Hofmeister und ^ "er unes Herrn v. Schönberg, und wie Li'ch- teit.ie.g tvar auch Hmd nburg Geg-ier Lavatrs; dies beweisen zwei O^d'lchte,' . r in den Göttinger Musenalmanachen von 17/9 und 1780 verolse'itlrckste und die Lichtenberg „vortrefflich" fand. Hindenburg hat sich auch sonst dichterisch versucht und im von 1778 als poetisches Denknial auf Haller eiu Gedicht „Haller - veröffentlicht, dessen einzelne Lüge er mit wenigen Ausnahmen, wie er selbst hervorhob, aus Hallers all- gemein bekannten Adrchten genZonnen" batte. Aus Hindenburgs spaterer Leipziger Zeit ist mancherlei bekannt.. Der Physiologe Karl Friedrich i als er, Messer — Gabel verachtend mtt den Händen aus dem Teller essend, m den erschrockenen Goimerrnm-' verlangte, daß n'e ihn die fettgewordenen Füiger sanber küßten, was als Zeickimi der Demur und Sinnbild der Herrensreimgung eine erbte Bedingung des Erlösnngsw-erkes sei batte er gewonnenes Snel. Süch-r Kaviar für Hu Da wen lmtte ledenwsss den Nerz ^e>- Nenartiaknt ilnd ließ außerordentliche Er- warch -e> für die Lnhmft erhoff«!. Es ist der reine Roman, der sich m d esnn Lebe 'de des geschickten Schoindlers vor unseren Augen abrollt. ± a ö ■£ e l e p h o n a l s K n g e l f i n d e r. In einer großen Anzahl von französische»! La-aretten. sowohl im Innern des Landes wie auch an der Fvont. ivsird jetzt das Telephon nH Hilfsnrittrk bewutst. um die von .Geschostchl .l-errühreuden Metallstücke im Körper von verwundeten Soldaten aufzufiuden. Blau bedient sich dazu eines Apparates der auf dein Gesetz der Induktiönswoa>e beniht Der ?brzt „hört" den genauen Ort, wo sich irgend ein- vAetallstückchen im Kraukeu befindet, ab. indem er mit einer kleinen beweglichen Rolle den Körper des Kranken abtastet und gleichzeitig am Telepdsn lauscht. Wenn die Rolle in die Nälw des verborgenen wc-etallstückchens Kormnt. so wird naturgemäß, das elektrische Gleichgewicht des Systems gestört und am Telephon nnrd ein Ton gehört der am kräftigsten an der Stelle ertönt, an der- da- Rteta>lstück emged. ili-gen ist. Der Apparat besteht aus zwei mmMetischeu Rollen, dre aus einer Platte beseitigt sind. Sie sind mit der kleinen „Sonde" verbmrden die aus zwei von einem Hartgurnmiaehüuse umschos- senen Rollen besteht. Gleichzeitig steh'w die Magnetrollen rn!) ement Telephon rn Verbindung. Um die Töne im Telephon »n erzeugen, rp ern mit einer Batterie geladener Vibrationsapparak verwenret. Nach dem Gesetz der Jnduktionswage kanri man den in deni Lelephon gehörten Klang dadurch neutralisieren saß. srrnn di? woagrietrollen rn die richtige Entfernung zueinander bringt w ^ e n l st bittenen M e e r s ch w e i u cd e n. Wer der nnncyi war. day der in E'.rova bekannte berlige Bnreankratius in Limerika keinen Eililaß erbalten bälte. tvird durch eine voi»» 198 ) rasch eines erschien ein zuholen. Er wollte als Zoll nur 2ö Cents pro Stück, den Tarif für kleine Haustiere, bezahlen, der Beamte aber verlangte den Tarif für Schweine, 30 Cents, da seiner Meinung nach Schweine mit oder ohne Zusatz „Meer" eben Schweine wären. Tenn das Gesetz habe einen solchen Unterschied nicht vorgesehen. Hierüber entstand ein großer Streit, der Farmer verweigerte die Bezahlung, der Beamte die Auslieferung, die Präsidenten großer gesetzgebender Körper- schasten, Sachverständige, Gerichtshöfe wurden in die Angelegenheit hineingezogen, Telegramme und Expreßbriete gingen Monate lang hin lind her. Nach der Entscheidung zugunsten des Farmers wlrrden ihm endlich die Meerschweinchen zugesandt, die sich inzwischen um das Dreißigfache vermehrt hatten. Und nun verweigerte er den Empfang, da er nnr zwei Stück verlangt hätte und diese Originale nicht herausgefunden werden können. Tie große Streitfrage bleibt also unentschieden. -Matin' mitgeleilte lustige Meerschweinchengeschichte Besseren belehrt. Au? einem amerika,tischen Bahnhof warmer, um -wei an ihn gesandte Meerschweinchen a ^Petroleum als Salatöl? Die Notwendigkeit, btc im Lande vorhandenen Speiseöle so viel wie möglich zn strecken und der Herstellung voil Klinstspeisefetten dienstbar zu inachen, veranlaßt eine Umschau »lach Oelersatzmitteln alls anderen, bisher noct) mdit-fftr den Genuß verwerteten Quellen. Wie die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" (Verlag von Gllstav Fischer in Jena berichtet, hat sich Dr. Eduard Gracie, ein bedeutender Erdöl- forscher, praktisch mit der Frage beschäftigt, ob sich Mineralöle zum Speiseölersatz eignen Er machte selbst in seinem eigeneil Haushalte Versuche mit Paraffinöl und Schmieröl Destillaten alls rumänischem Petroleum. Er reinigte diese Mineralöle auf chemischem Wege so weit, daß sie ihren typischen Geschmack und Gerllch verloren, und fand, daß fie beim Genüsse weder nnangenehn'.e noch schädliche Wirklmgen hervorbrachlen. Es wird daher dem Reichs- gesnndheitsainte eine errlstliche ErwäglNlg dieser Frage anempfohlen. Ein Nährwert ist derll Mineralöl freilich nickt eigen; es würde sich daher bei diesem Speiseölersatz um einen Vorgang handelil, wie wir ihn schon beim Ersatz des Zuckers durch Saccharin erlebt haben. Tas neue Mlileralöl dürste lvohl besonders als Salatöl in Frage kommen. vüchertisch. — Gedichte aus crnster Zeit von Anna Hopfner. Soeben ist im Verlag der v. Münck>owschen Hof- im'o Universitäts- druckerei (Otto Kindt Witwe) dahier eine kleine Schrift erschienen, deren Erlös zugunsten der Jubilüums-Spmde bestimmt ist! Das Werk enthält mehrere Gedichte über Kriegs- und Zeitereigitisse und schildert in gerrandter Form und mit zu Herzen gehenden Worten die Stimmung des deutschen Volkes. Eiuzelne Gedichte sind bereits in verschiedenen Tageszeitschristen zum Abdruck gekommen. Die jetzige Zusammenfassung m einem Bande dürfte manchem unserer Leser willkommen sein. 9Nit Rücksicht auf den guten Zweck, den die Schrift verfolgt, kann die Anschaffung zum Preise von 1.20 Mk. empfohlen werden. Die Verfasserin, die sich in so uneigennütziger! Weise in den Dienssy der guten Sache gestellt hat, ist eine Gießenerin. — Neuerscheinungen der Univers al - Biblio - thek in neuer Ausstattung. Nr. 589i—5893. Der Trompeter von Säkkingen. Ein Sang vom Oberrhein. Bon Dikwr von Schessel. Mt einer Einleitung heraus gegeben! von Dr. Cdm. von Sallwürk. Geh. 75 Pf., geb. M. 1.20, inj Gefcheukband M. 2.—. Das volkstümliche Werk, das Scheffels Rubm begründet hat, wird hier in einer billigerr, handlichen sorg- fältrg durchgefehenen Ausgabe geboten, die es den weitesten Kreisen zugchrglich machen wird. — Nr. 5894—5898. Kriegsgesetze des Deutschen Reiches. 5. Ergänzungsheft. Abgeschlossen am 1. Oktober 1916. Textausgabe mit kurzen Mmerknngen und Sachregister. Herausgegeben von Karl Paunier. Geh. M. 1.25, geb. M. 1.80. — Nr. 5899. Die Soldaten. Eine Komödie von Jakob Michael Neinhold Lenz. Mit einer Einleitung von Paul Friedrich. Geh. 25 Pf. Der „deutsche Zyklus" am Berliner deutschen Theater hat einige Dramen früherer Zeit wieder aufleben lassen, die mir noch der Literaturgeschichte angehörtm, während fie jetzt bei der Aufführung eine verblüffende Bühnenwirkungl erzielten und dauernd den Spi-elplan beherrschen. Das erste dieser Stücke tvaren „Die Soldaten" von Lenz aus der Zeit des Sturm und Dranges, die, im heutigen ^.Kriegsgebiet Flandern spielend, in unserer Zeit besonders interes,ierten: picht durch Beziehungen Mm Kriege selbst, sondern als .Ajbbtld früheren Soldat Erlebens, das einen völligen Gegensatz Mm heutigen bildet. Bor allem aber fesselt das Werk durch seine dichterische Vorzüge und das allge- metn Menschliche des Inhalts, der auf durchaus verivandte Tendenzen im jüngsten deutscl-en Drama der Wedekind, Eulmbergl u. a. trifft, wie Paul Friedrich in seiner Einleitung ausführt. Zum ersten Male seit dein Jahre 1776 erschienen „Die Soldaten" wieder in einer Einzelausgabe. Des Dichters vorausgehmde Komödie „Der Hoflneister" mit einer biographischen Skizze brachte die Univ.--- Bibl. als Nr. 1376. — Nr. 5900. A. De N o ra , d a s l o ck e n de Blut und andere Novellen. Mit dem Bildnis deS Nrp> fasscrs und einer Einleitung van Carl W. Neuinann. Geh. 25 M., geb. 60 Pf. Inhalt: Einleitung. — Das lockende Blut. — Der Fuß. — Zwei Wege. — Die Diebin. — Der Blinde. — Der Letzte«. — Das Märzheft von Bel Hagen & Kla singSl Monatsheften bringt wieder eine reiche Fülle des anzieherch- sten Lesestoffes. Biele werden gern nach dem Aufsätze über das herzogliche Kurland greifen, andere wieder werden, die durch öfcf« Bilder illustrierte Schilderung der Kruppschen Kanonmfaori? tu Essen zuerst zur Hand nehmen. Ganz an die Zeit klingen «weiter ztvet Aufsätze an über die wirtschaftlichen Grundlagen des U-Boots- Krieges und über den berüchtigten mystischen Schwarmgeist Raspu- lin: zeitgemäß ist schließlich auch eine Schilderung- des Grafen Scatünelli, wie es im öste.-reichischamgarischcn .Kriegspresseq uartisr zugeht, und zeitgenuiß ist desgleichen eine tiefarabende, gelebrtv Erörterung über Aufriclstigkeit wrd 11uau.fr ichckgkeit in der Politik. Mit dieser stattlichen Reche voir z-eitgenräßen Aufsätzen ist aber der Inhalt des Märzhestes von Belhagen & Kinsings Monatsheften nicht erschöpft, denn auch der .Kunst, die in dieser Zeitschrift ia nie fehlt, ist ihr Reckst getvovden. Ueberaus interessant ist der Wiener Theaterbrief Ludwig Hirschselds und sehr lesenswert ist auch die reich illustrierte Stachle über dm hochbegabten Mal-er imd Zeichner Joh. Bmcenz Cissarz. Die Romane und Erzählungen von Julian« Karwath, Th. Birt und Friedrich Frech« werden ebmfalls gern gelesen tverden. — Feldpredigerf ährten a n der Westfront., Kriegserlebnisse mrs großer Zeit von Ludivig Hoppe, FelddivisionS-! aeistlickier im Hauptquartier des Oberbefehlshabers Ost. 6.—9. Tausend. (152 Seiten mit vielen ganzseitigen Abbildungen.) Der-« lin NW 7, 1916, Furche. Verlag. Preis 1 Mk. — Hans Ludwig, der Spion. Seine Erlebnisse in England. Von Fritz Segelken. Umfang 18 > Seiten. Preis 1 Mk. Verlagsanstalt Vogel & Vogel, G. in. b. H., Leipzig-N. Gleßener Hausfrauen-Bereiy. Kochanweisungen. Graupen und P flaunren. Vs Pfd. Graupen, Vr Pfund Backpflaunien, Wasser, Salz, Zucker, 1 Stck Zimt, 25 Granrm Fett. Die Graupen werden abends vorher eingew.ficht, gleichfalls di« Pflaumen. Man läßt die Graupen fast garKxhen, gibt dann die Pflaumen, Zucker und Getvürz hinzu.. Tas Gericht nruß nicht stets sein. Fett gibt man beim Anrichten darüber, kann es evtl, fort-* lassen. B u 1 t e r m i l ch p l i n sie n. 300 Gramin Mehl, Vs Lrder Buttermilch, 1 Ei, Salz, Zucker, 1 gcstr. Teelöffel Natron. Aus diesem recht glatten geschlagenen Teig backt man in der Pfanne mehrere kleine Plinsen, die mit dem Schöpflöffel dickst neben einander gefetzt werden, so daß sie nicht viel aus-einanderlanfen». sondern mehr in die Höhe gehen. Dazu gedünsbet-es Obst oder Kartoffelsaat, doch läßt mau in letzterem Falle dm Zucker fort. Gc'müsepudding. 2 Pfimd verschiedene Gemüse, 100 Gramm Grarrpen oder Gerstengrütze, 2 Eier, 100 Gramm Semmel, 50 Gramm Fett, Wasser, etwas Milch (notfalls Wasser) zum Etu- weichen der Brötchen. Man nimmt der Jahreszeit entsprechend Mmüse. Mohrrüben, Sellerie, Rosenkohl, Petersiliemmirzel ufw., kocht jedes für sich «v und schneidet es fein. Die Graupen läßt man mit der Gemüsiebrüh« dick ausquellen. Eigelb, Fett werden gut mit der Semmel vermiss, dann Gemüse 'rmd Graupen l-nrzu-getmr, ein Löffel gelmckte PetersLi« und zuletzt den steifen Schnee der Eier. Tas Gericht wird 1 —IYa S tunden in einer verschlossenen Prcddrngform gekocht^ Bilderrätsel. Auflösung der Pyramide m voriger Nunrmer: ^ B M a i Esche Wilh «bim Schrinlettung: Fr. R. Zenz. — Zmillmgsrunddruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei. N. Lange, Gießen.