Mittwoch, den w. März V Pechmarie und Hans im Glück. Die beschichte einer Jugendfreundschast von C. v. D o r n a u. Nachdruck und Uebersetzungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten. (Fortsetzung.) Hans glitt vom Tisch herunter und ging still hinaus. Er schritt vorsichtig die steile, knurrende Treppe wieder hinunter, über den .Half uuis die Müsse zurück und wie eine Schildwache wohl eine halbe Stunde draußen auf und nieder. Die Zeit wurde ihm nicht lang. Sein ernster, nach innen gerichteter Blick sah nichts von dem kleinstädtischen Leben um ihn her, das ihn neugierig und naiv-dreist anstarrte. Endlich kam Marie. Er hatte erwartet, daß sie ernst, ja traurig gestimmt sein würde. Statt dessen lachte sie ihm freundlich entgegen und ihr winkender GruH war beinahe übermütig. „Hans," sagte sie atemlos, sobald sie ihn erreicht hatte, „ich muß dich bitten, allein nach, Berlin znrückzufahren? Sei nicht böse, daß ich dich im Stiche lasse — ich muß um Milles willen noch hier bleiben." „Aber du kannst doch unmöglich bei ihr wohnen? Es ist ja kaum Platz für die Mte selber in ihrem Vogelbauer." „Ich will in dein Hotel absteigen, wo wir zu Mittag aßen. Das bißchen, das ich für die Nacht brauche, kaufe ich mir rasch. Ich hoffe, ich habe Mitte morgen so weit, daß sie mit mir geht." Hans stand in fassungslosem Erstaunen vor der lebhaft, ja heiter Redenden. „Mit dir —" stammelte er. „Du kannst doch nicht — bit willst doch unmöglich die Alte mit biv nehmen!" „Mit mir und zu. mir? Gewiß! Warum nicht? Sie hat tnir's schon halb und halb versprochen." „Nach Berlin? Mer das ist ja —" „Nach Berlin oder wohin ich sonst bestimme. Wir trennen uns nicht mehr." „Mer ich bitte dich, Marie — das ist ja hirnverbrannter Unsinn! Auf so was kannst du nur kommend „Du bist sehr liebenswürdig. Von hirnverbranntem Unsinn ist keine Rede. Ich habe mir altes reiflich überlegt." „Reiflich? In dieser halben Stundet „Aus die Zeit kommt es nicht an. Ich bin mir ganz klar, daß ich richtig und vernünftig handle." „Und ich bin fest vom Gegenteil überzeugt! So felsenfest, daß ich's nicht zugeben werde—" „Zugeben? Lächerlich! Ich Hab' dich, glaub' ich, uixfy nicht um Erlaubnis gefragt!" Sie sahen sich zornig tu die erhitzten Gesichter. Ein kleiner Halbkreis gaffender Kinder bildete sich bereits um die Zankenden, die unbekümmert laut und heftig weitersprachen. „Ob du nrich fragst oder nicht — ich bin doch für dich verantwortlich!" rief Hans. „Verantwortlich? Für mich? Blödsinn?" rief Marie ebenso hitzig. „Ich möchte wissen, wieso!" „Ich Hab' dich hierhergebracht, und so fühle ich mich verantwortlich für allen Unsinn, den du hier begehst." „Und ich spreche dich feierlich von jeder Verantwortung frei! Ich weiß allein, was ich zu tun habe." „Das weißt du leider anscheinend trotz deines starren Dickkopses nicht! Und ich versichere dich —■ Haus hielt plötzlich inne, denn die junge Dame, zu der er so außerordentlich unhöflich sprach, hatte sich auf den Hacken umgedreht und war kaltblütig, in äußerster Nichtachtung, mit Riesenschritten davougegangen. Er gab einem Jungen, der ihm mit offenem Munde im Wege stand, einen derben Nasenstüber uno ging in gleicher Eile hinter der Zornentbrannten her. „Marie! So nimm doch Vernunft an! Marie! Hör mich doch wenigstens an!" rief er ärgerlich. Sie schritt unentwegt weiter, sah Boeder rechts noch links. Er hatte sie jetzt erreicht und ging neben ihr. „Natürlich! Wenn man keine Gründe hat, läuft man feige vor 'ner Auseinandersetzung davon?" bemerkte er ingrimmig. Sie fuhr herum und blitzte ihn aus zornigen Augen au. „Feige? Weil ich deine Grobheiten nicht mitanhören mag? Denn du verkriechst dich hinter die Grobheit, weil du keine Gründe hast!" „Gründe? Zehn für einen!" „Da wäre ich aber neugierig —" „Es sind so viele, daß ich sie in der Geschwindigkeit gar nicht alle aufzählen kann. Erstens: man soll alte Bäume nicht mehr urnpflanzen! Das ist ein gutes, weises, vielerprob tes Sprichwort — die alte Kamille ist nie aus ihrem Neste herausgekommen." „So? Das weißt du ganz genau?" Marie sah ihren Gegner triumphierend an. „Nun, du irrst dich doch, mein Lieber! Mille ist vor 25 Jahren mit ihrem Mauue hergezogen, der allerdings aus der Gegend stammte und in der Heimat sterben wollte — was er gleich darauf besorgt hat. Vorher hat sie aber mit ihm in Bremen gelebt — er war Steuer» mann — und auch öfters große Seereisen mitgemacht!" „Und nun willst du mit ihr zur See gehen?" „Red' keine Albernheiten. — Ich will mit ihr in Berlin leben. Und versuchen, uns irgendwo ein kleines, eignes Heim zu gründen. Begreifst du denn nicht, Hans?" Marie bl-ieb stehen, faßte seinen Arm und sah ihm ernst, ja traurig, aber ohne Bitterkeit in die Augen. „Was das für mich bedeutet? Ich Hab' doch n»ve ein eignes Heim gehabt! Du mußt ja nicht denken, daß ich etwa nur für Mille sorgen will - es ist sehr viel Selbstsucht dabei — ich denke sogar hauptsächlich an mich „Pah! Wer dir das geglaubt! Wenn du ein bißchen mehr an dich — und über dich selber nachdächtest dann würdest du dir nicht die Alte aufhalsen wollen, die ia gruudgut und treu und ehrlich und was sonst noch alles sein mag — aber alles andere eher als angenehm und- liebenswürdig —" 132 „Bin ich das etwa? Wir beide passen wundervoll zusammen, Mille und ick." „Komm' einmal her, Marie," sagte Hans ernsthaft. Er nahm iie bei der Hand und führte sie zu einem primitiven Bänkchen nahe einer Gartenpforte. Sie harten in: raschen Vorwärtsschreiten das Ende der Gasse erreicht, und damit schon wieder die eigentliche Grenze des Städtchens: hier führte ein Fahrweg zwischen Gärten und vereinzelten Häuschen völlig ins Freie. Hans drückte feine Begleiterin auf die kleine Bank nieder und setzte sich neben sie. „Wir wollen das 'mal in Ruhe weiter bereden," fuhr er rasch fort. .»In Ruhe und Frieden, nicht wahr? Ich verstehe sehr wohl, was dich zu diesem Entschlüsse getrieben hat — td) gestehe, daß ich vorhin selbst darüber nachgedacku habe, wie schrecklick seelische Einsamkeit ist. Dein Herz hat nach einem anderen Menschenherzen gehungert — ja: gehungert — wenn du'S auch selbst nicht gewußt hast — Nach einem Menschen, für den du leben kannst! Aber — ich wünschte, baß du nicht gerade auf die alte Kamille verfallen wärst, weißt du —" .Ach bab' grad keine große Auswahl," sagte sie kühl, in herber Selbstverfpottung. „Da nimmt man eben, was man kriegen kann. Weißt du wohl, Hans —" sie sah ihn plötzlich "mit weirgeöffneren Augen, starr grübelnd an — „daß du der erste Mensch in der Welt bist, der von meinem Herzen redet? Die andern haben vermutlich gedacht, ich hätte keins — öderes wäre nicht der Bdühe wert, davon zu reden. Das Hab' ich selber wohl ebenso gedacht. Und daß ich doch eins habe — und was damit anfangen kann — das ist mir eben klar geworden, als ich meine alte Mille wiedersah!" „Du bist ein lieber Kerl, Marie!" sagte Hans gerührt. „Und vielleicht hast du recht: es wird dir gut Lun. daß du überhaupt für einen andern Menschen zu sorgen hast. Es kommt mir jetzt beinahe selber so vor, als ob das zunächst das Richtige für dich wäre. Schließlich — verheiratet bist du ja nicht mit der Alten! Ueberbaupt^ — Hans lachte plötzlich lustig aus — ,Mir tun gerade so. als ob das nur immer so bleiben müßte mit deiner Herzenseinsamkeit! Du bist doch schließlich nicht nur ein gmer Kerl — du bist auch nebenbei noch ein ganz stattliches, ansehnliches, junges Mädel —" Marie nickte. „Mit fünfzigtausend Taler Vermögen! Das ist nämlich mein Hauptreiz. Vorher hat mich keiner begehrenswert gefunden. Aber in den letzten Wochen bab' ich gleich zwei Herratsanträge bekommen. Nein, nur anderthalb —: beim zweiten bab' ich rechtzeitig abgewinkr. Man bekommt bald Er- fabrung im Korbausteilen. verstehst du?!" Sw stand aus. Auch Hans sprang aus die Füße. „Was waren denn das für spekulative Zeitgenossen?" fragte er belustigt. „Mein Hauswirt in Treuenbrietzen, ein kinderreicher Witwer und Geschäftsmann, — und der zrveite ein Kollege von der Schule. In Treuenbrietzen spricht sich eine Erbschaft rasch herum. — Aber ich glaube, du mußt zur Babn, Hans — viel Zeit kannst du unmöglich mehr haben." Hans zog die Uhr. ..Noch fast eine Stunde bis zum Abgang des Zuges! Durch die Anlage um die Stadt herum brauche ich keine rwan- zig Minuten. Bringst du mich bis zum Wachturm? Du bist darin gan^nahe deinem Horel und kannst da gleich Quartier beitellen. Ich bringe dich gerne selbst hin, wenn ich noch Zeit habe. —" Bewahre! Das besorge ich schon alleine. Natürlich arl^n wtr zusamure» bis zum Turm. — Hier ub Malkes ©arten --besinnst du dich? — Wo Nur immer Pflaumen gemaust baden. ..Es waren aber auch die schönsten Pitanmen in der ganzen S.adk." lackte Hans. «rouberbar wie st: st es deu: hier ist — nickt wahr? uä!U es dir ruckt auf? Man lieht kaum einen Menschen —" ,."s.as in wohl immer so gewesen, und nur du bist anders gewohnt ^worden." meinte Mlirie nacddenklick». „In den .inlagen getn man d er eben nur Sonntags spazieren, bas war von Hetzer so. Irr man überdauvt zu uniei-er Zeit stxinereu gegangen' Nur die Binder bummelten bernnr sobald iie keine Schule hatten Und die sind heute auch 'awn nack Hause Es wird ja jetzt schon früh Abend. Tu- herbstliche Dämmerung senkte sich in der T2« Mädchen. Anftc. w gut ge stet, daß er ibüi immer freundlich zmächelre. Man wußte auch in dem kleinen Haust, iver er war, und einmal un Herbst, als der Wald schon bunt gesprenkelt in absterbe::den V. örtern wand und die See unter einer niedergehenden Sonne wie erne :oeue. stlberne. pvn rötlichen Li . i .u üb'rtanzre Fräst' log lud ibn der Btcucmumu. als Brendicke nahe dem Gärtchen am .>cm H< unweg begrirstn u>ar, mm Äusiuden am die Bank ein. Diesmal lra. dst Frau mit der- Kindern fort und die Männer wßen ast.m. ^reuerurann er rate re von stiner lehren Fadr: nach Ba:.:ria urrd Brendtcke tatfifa c t tzn. Eke er ging, reigte idm der Steuermann lmt frctifctgrci S:ol; sein kl me5 Sftüw und mit oü::r% etgenrmnl'.chen Gerüdl ging Breudicke da reo die niedere, eneei: ^imm e die durch ihre altmodiscl. 1 Möbel noch rro : r rv tmrven. durch den stur der gehhaltenen Garten a-v' der Rück rw, !NS in *eDt^abgenrU'lseu Beeten und Rabatten an ckeatüstn wuchst Familie brauchte, stlbst in den klein et: Stall, wo eine eu;e ^rege stach», die ihn mit ihren lebhaft«, glänzend neag:er:g an a. Er kam »ich redruckt :me ein Eindringling vor, der unlautere )' - gegen ftenckn» Best7, degr. und une b mn n überkau: ein datz rr einmal die. selbst wohnen und de- Frieden Annexen konnte, den bv: alles atmete. HAI-' st". » i * 123 Bei späterer: Besuchen, die in iveiten Zwischenräumen erfolgten, L-nnte er durch vorsichtig tastende Fragen sesMellen, daß der Steuermann wohl das Haus hingeben würde, wenn es ihm gut bezahlt würde. 3o nahm mit den Jahren, wahrend sich seine Ersparnisse häuiren, Brendicke von dem Häuschen rmmer mehr geistigen Besitz. .Abends machte er sich einen genauen Man von Haus lmb Garten, teilte die Zimmer ein, notierte, was in den Beeten wachsen sollte. Eine Ziege wollte er sich auck halten. Tiefer Plan erfuhr im Laufe der Jahre, die unter täglicher, anstrengender Arbeit Ue gingen, viele Aendermigen und Verbesserungen. Das Haus wurde um- und aus gebaut, der Garten vergrößert, der Sdrll eriveitert. Es war ein wundersames Phcurtasiespiel, was Brendickcs Muße zum größten Teil ausfüllte. Er ßomne nun die Monate zählen, die ihn von der Verwirklichung seines Traumes trennten. Aber je schnelles diese Zeit verging, desto inehr ward er von dem Gedanken bedrückt: „Was dann, wenn du oben in dem Häuschen sitzst? Was füllt dir die Tage ? Was hast du dami für ein Ziel?" Und die Unruhe stieg und erfüllte ihn immer mehr. I«. nun kannte er das Häuschen kaufen, nun brauch:e er nicht mehr in Ltderströms Kontor die Tage über den Geschäftsbüchern zu versitzen — aber die Wunschsreudigb?it verblaßte mir jedem Monate» mehr. Er hatte ja hcui kein Ziel mehr und er konnte sich doch nicht mit semen-sünnmddierzig Jahren zur Ruhe setzen. Und die Erregung, die ihn rastros uMtrred, wich erst nach dem Besuch seines Bruders, der zu ihm gekommen war, um seine werktätige Hilst in An'- ..ch zu nehmen. Dem Bruder bor sich jetzt eine Gelegenheit, sich in bescheidnen Grenzen selbständig zu machen. Und Brendicke gab ohne Besinnen hin, was er durch Fleiß und Sparsamkeit gestuunelt, und a-mete befreit aus. Jetzt mußte und wollte er von neuem beginnen. Das Ziel ivar fern wie einst, aber er sah es doch wieder. Kaufmann Ader ström, dem die sonst seinem Buchhalter fremde Erregung, die nicht immer ganz mrterdrücki werden konrtte, nic^ entgangen war, stack) mm wieder Brerckicke in vollem Gieichgewi-Ä- Za, er meinte sogar, sein Buckst.rll?r zeige sich nun elastischer, bew eglicher, jünger. Und ^Brendicke stl. st verspürte eine Erneuerung seiner Kraft, die in der Wunsch osig teil zu versiegen gedroht harte. Es kam etwas wie eine 7 '-ecke Jugend über ihn, der zuletzt wie von einer zehrenden KranU'-eil ergriffen schien, und Äperström nick:e wohlgefällig, wenn er, der dock» nur fünf Jahre älter war, von der Jsckias anacürllcn und an den Stuhl gebannt, Brendicke stell und behend bald bei den Lageriprichcrn, bald im Kontor sah. Das keine Haus veränderte sich kaum merklich. Als Regen und' Weller an sei.'.ein Mauer werk gefressen rund den weißen Putz abgebröckelt hatten, bekam es ein frisches Kleid, und leuckrere nun von der Höhe weithin zur Stadt hinao, ü: die sich ein häßliches, rrilgdar selbst bei lichtestem Sonnenschein, eingesresstn zu haben schic». Der Garten aber blieb derselbe, mit seinen zarten Farl-en im Frühling und seinen kräftig lsdenrde^' im Herbst, sieben der alten Ziege stand ein junges Döcklein, das sich in dem lltzen ui peisstrlickm Sprüngen versuchte. Die Kinder wuchsen heran, wurden in Sr. Marien konirmicrt. der Junge kam aui eine Bark, aber Arllje blieb daheim und wurde mir jedem Jabrc mehr der Mutter ähnlich. Es schien, als ginge alle Kraft Arett und in Saft Sing, best? mehr schwand d:? Mutter dahin, wie ausgezehrr vom Leben. Und einst, als Be rwicke an einem niedergehendst Olloberrag neck» der Höhe kam, r'and er das Haus verschlossen: Ter Barer mir Kindern brach:-? d:e 15 x 011 , dre ge:erben war. zur mrr letzten -einen Ruhe. Indes dort oben sich die Ge/chicke entwickeltet! u:ck> lösten, der Steuermann in einem Strurm fern an der spanischen Küste ums Leben kam, der Sohn seine großen Ueöersee'ahe:?:: machte, Antje heira:?te und mi: :. dann und Kindern im Haas . lieb, gingen für T,.'b.s: b.gJ b .? ro»r :oeck.stckles da?w. Er schritt tun nid': mehr w *c;t mö :ckeer .vre einst, seine Sckmltern neigten sich vornüber rnrd d:e Furchen auf der Stirn und um Mund und Augen gruben fick rieter durch die welNe Haut, und sein Haar wurde allmLdlickr weiß wie das Ta:: mann Adcrströms. der auch immer noch'ans seinem Posten aus harrte. Diesmal, und das erschien Brendicke so merkwürdig, rückte er b.m Ziel viel rascher näber -als vordem. Bob! gingen sün Jak.? dnbiu. ai;r sie dünkren ihm schnell verstoßen. Und w wie damals wuchs »eine Svannwn und Erregung, se nädtt , nte. Es traf sich rarer hatte, der ehn der Knuü Haus zum diesmal alles gut. Antje, die einen Beamten in eine widere Sraot versetzt worden u>ar. Verlaus aus und schloß mir Brendicke rasch eck.' strrm, der mm endlich von seines Büd balrers Traum erfuhr, n-d.e befriedigt: ..Ein Ziel hat ja jeder' und wünsche Brendicke altes Glück iu seinem Besitz dem <.age an dem Breudickc zur Höbe stieg, um von dem Hch.'sd'en Belitz zu nehmen. oürte er eine merkwüchigr Ruhe und • nur lä’ - uch schwa.rleud trugen Oben im Garten fand er Anries Hei* nr.- . adel t>: U>m zurrvullch emg a kam und erzählte, die Mut- ve. räume noch im Hau Er setzte sich wo die Bark neben der Tür u.rd blukre, tie' armend, au^ die See. deren Lickrer ör der T ämmerung langsam erblichn. Ein Gest'di ,nre er e» nie «rnp anden. durchdrang ihn. Ein Wind kam leifc feran und hob sacht ein Harr, umfächelte ihn mit sanften Schwingen. Das Kind spielte unweü von ihm und ries zu ihm hin und er anllvortcte läck-el:ck>. Plötzlich aber hob er sich mit einer halben Bewegung von der Bank, es .?ac als sttöme alles Blut ihm mit einem harten Druck zum Herzen und fluce im nächsten Augenblick plötzlich fort, er öffnete die Lippen zu einem Hilferuf, aber es kam kein Laut über sie. Das Kind ries ihm und kam. als er schmieg, zu ihm. „Warum sagst du nichts?" fragt es aber er antwortete nicht mehr. Gr hckrre nur ein stilles, fein^ Lächeln um den verschlossenen i'Nund. Cornelius und Goethe. Eine Erinnerung zum 50. Todestage von %etex v. Cornelius. .Als im ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts sich in der deutschen Kunst jene nr: :ige romantisch? Ber egnng entwickele die einst Jahrz-Tnte lang als die glänzende Erneuerung der deutschen Kunst verherrlicht worden ist, um ron der modernen Kmrstge- schichtsschreibung in ihrem künstlerischen Werke und ihrer ge- sck'.chtllchen^ Bedeutung um so mehr unterschch: zu werden: da war es neben Friedrich Overbeck der junge Rheinländer Peter Eorne- lins, d?r alsbald an die Spitze der Bewegung trat. Jedoch ging Cornelius von wesentlichen anderen Voran b''?tzungen aus, als Overbeck, da er von der Antike Einstuß er'a' :?n ha: und in dev Tick/sungs- mid Gedankenwelt Goethes lebte. Ja. er ljonte in Goeth? den künftigen Schutzherrn dieser neuen bratschen Kunst zu erblicken — er badre dabei an jenen Goetstc. der das Straßburger Münster Lewurckert. gegen die welsche Äackabmung geeifert, der Namen und Begriff des Gotischen von j a brbundertalrem Makel gereinigt hatte. Freilich erstchr Cornelius eine erf» Enttäuichunr. als er sich in den Jahren 1604 und 1605 an den Deinrarischen Kunstausstellungen beteiligte und dabei leer wrsgi:-g: dennoch wart er sich mit voller Begeisterung au' die Ausgabe 0 ?. Illustrationen zum Faust, und er harre das Glück, einen aas ^^vichneten Vermittler ;u finden, der sich 'ür diese seine Arbeit bei dem Dichter^ Lomüb:?. Das irar Sulpis Boisseree, der ttenliche rhei- rn E? Kunstfreund und Sammler, der als unermüdlicher Förderer der romantischen Kunst wirkte. Bei seinem Äntrittsbe'suche in Deiawr im Frühfahr 1811 legte er Goethe und 'einem Kunst- Adlalus d.steyer des Cornelias Faust older vor. und er vermochte die beiden so weit für die Blätter zu interenieren, daß Gosche dem jungen Künstler einen anerkennenden und ermunternden Brief schrieb, in d?m er ihn freilich Zugleich warnte, di« dsttsche Kunst- well des 16. Jahrhunderts als ein vollkommenes Mustmr zu fee* trachten. Eornelius nxir oegl :ir und a ntw ortete mir einem be- geiirertcn TanDrief; allein wenn Bois sei se von Goethe noch oehr erhoiir und insbesondere gewünscht hatte, daß er die FaufL.ldsö durch ein paar eigene Worte bei der ÖerstnrlichkeiL einstähre, so sah er /ich enttäuscht, da Goethe auswich. hinz^z und 'ich schtteßÜO diesem Wunsche versagte. Einige Jalwe später drängt« sich chm ;ed--xb die inzwischen weiter enrwickelte künstlerische Er'cheinuno des doch einen so bedeutend?:: Eindruck, daß er ßst Bvi'seree gegenüker mir erstaunter Bewunderung über die''e „stupmden Tinge"' äußerte. Dabei sprach er die bekannt gewordenen Worte aus. daß zum erw-?n Malerin der Knnstgeschiate bestrurcnde Talente Lust stillen, sich rückwärts zu bilden, in den Sckoß der Mutter znrückzukestiea und io eine Km:st zu gründen. Boiweröe war froh das Jnieren« Goethes für siinen Schützling wieder warb zu sehen, und er : l xt bei bem Besuche des Tickt? rs in Heitzeldw- dem er Tr >? „Kunst und Altertum ' die Bcrössenttick „Neull>. uttch religiös vatricri' ü e >\ r.iu* war allerdings Meiner, aber Ge?:.-? halte durchaus einverstanden, und dieser an d ? Romawtikc-. F::unde m:d Gönner, sowie alle Pertterer und Fördeeer de? rv- ma'lli'che» Gedanken waren außer sich E? ? strinen erick? ?n L?n czec war verrrimmt, 00m ..??:* berro Ter T?ai r zur:- 'cheu ihm und Weimar war fürs erste abgn'dn.tten: und als eche oebre -pater sein Sckr".w >örs:?r bei ö.??: ? ;n Gaste ' d war es :ür dies« etwas a,v- .. .. : -.st ü ? . . r.st bas Lttrdinm Raffaels W-rt .. : - - 7?: - • £ ja inzun'chen rief in die an: ne ? ?.: ? ?n2 Ta faßte Goethe doch für een Künstle? wrester I n ' und richtete an ilm einen Brie» voll würdiger . -rk>« un? tt dem er iim auch um einen Äbiwuck seiner „Unter, elf bza Ca. « c .rli fr auch ober er har nicht einmc' mir einem Ttu.'e bixant ;?i*u* » 124 toortet, uut> der un-ermMühe Boisseröe hittte nicht unrecht, wenn er Goethe dies vorhielt. Tn kam der Unmut des Alten aber erst recht zum Ausdruck. Er bekannte, daß ihm das Wesen und Treiben der Münchener Schule, die sich freilich in ihren Zeitschriften über die Alte-Herren-Kunst in Weimar zutveileu respektlos äußerte, recht verdrieße. Ueberhaupt hat sich seine Verstinmrung gegen die Nazarener, wie es scheint, in seinen letzten Lebensjahren. nur noch gesteigert: fort er doch damals trinmphierend ans gerufen: „Sie sehen endlich doch ihre Lehre begraben.." Im ganzen ist also das Verhältnis Goethes zu Cornelius als das einer nur durch einzelne Anlänfe unterbrochenen Mlehnung zu bezeichnen. Goethe war eben nicht mehr der Straßburger Jüngling, sondern er war der Mamr, der sich in Italien endgültig zum Klassizismus bekehrt hatte, der in Winckeliuann und der Antike den alleinseligmachenden Weg der Kunst sah, und der überdies von Müeyer in seiner Abneigung gegen, alles, w>as in der Kunst nicht ganz rechtgläubig lvar, stets warnt erl-alten wurde. Cornelius seinerseits hat sich trotz aller Enttäuschungen in seiner Verehrung für Goethe nie erschüttern lassen. Er chrt einmal gesagt: „Es geht Goethen mit uns, wie der Henne, welche Enten ausbrütet. Nun, wenn wir ihm auch auf dem ihm. fremden Elemente davonsck)wim>- men, so werden wir doch nie vergessen, daß er uns ins Leben ge- rnsen hat." Tas eben war es, was Cloethe nicht verstand. Er verstand nicht, daß der Geist, in dem Corneliirs schuf und wirkte, daß die Mkehr von dem akademischen Schematismus, und von der Nachahmung der Franzosen, daß die Begründung des Kunstwerks ans das innere Erlebnis auf seine eigenen mächtiger: Anregungen zurückging. Was er in der Dichttmg verwirklicht hatte, das suchte Cornelius in der bildenden Kunst zu verwirklichen, ob mit den rechten Mitteln, bleibt eine Frage für sich Aber gewiß ist, daß er ein gutes Recht hatte, seine Kunst auf Goethes Anregung znrückzufnhren: und ebenso gewiß, daß Goethe hierfür den Blick nicht halte. So ging er an diesem mächtigen Talente, das in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die ganze deutsche Kunstwelt in Belogeimg versetzte, ohne nähere Berührung vorüber. Vöchertisch. — Beiträge zur Rheinhessischen Geschichte von Heinrich Bechtolsheimer, Dr. Julius Reinhard Dieterich und Kurt Strecker. Festschrift der Provinz Rheinhessen zur Hundertjahrfeier 1816—1916. Verlag I. Tiemer, Mainz. — Bor einigen Monden, als der Tag der Hundertjahrfeier der Zugehörigkeit der Provinz Rheinhessen zum Großherzogtum Hessen heran- nahte, erschien dieses vortreffliche Werk, das wir der Arbeit, den Forschungen dreier Männer zu verdanken haben, die mit Liebe und Begeisterung für dieses interessante Kapitel unserer Heimatgeschichte die Mühen nicht scheuten, um das verworrene und umfangreiche Material faßlich und verwendbar zu machen. „Historische Festschriften" in großer Auflage der Oeffeutlichkeit zu übergeben, bildet fast immer ein Wagnis für den Verlag, der, wie oft leider, den größten Prozentsatz des Werkes nicht umsetzen kaum weil die starre, stereotype, strengwissenschaftliche Form das Buch in den Händen eines Gelehrten, eines Wissenschaftlers oder auf einer Universitätsbibliothek, in einem historischen Seminar usw., wohl zur Geltung konrmen läßt, dem Mann des Volkes, oder sage,: wir dem Bürger, der Interesse für die Geschichte seiner Heimat hat, aber zu hoch gegriffen ist und nichts bietet. Ties kommt bei vorliegender „Festschrift" gänzlich in Wegfall., Hier ist die streng wissenschaftliche Form in eine selten so glückliche, erzählende Fassung gebracht, und ein jÄwr, der mit Interesse und Verständnis für die Entwicklrmg der Geschichte an dieses Werk heraw- tritt, wird seine Helle Freude daran haben. — Ter Geschichtsforscher und Gelehrte, der ein historisches Ereignis unter die Lupe der unparteiischen Kritik nimmt und es mit all seinen vorausgehenden Ursachen und nachfolgende:: Folgerungen der Mit- und Nachwelt festlegt, hat sich bei der Abarbeitung des Stoffes selbst nur an die vorhandene:: Tatsachen zu halten Für ihn darf weder Sympathie oder Antipathie :wch der politische Zeithimmel, unter dessen Belenchttmg das Werk der Oeffeutlichkeit übergebe:: wird, maßgebend sein. A:nh das ist ein hcrvorzuh ebender Zug dieser „Jahchundertsck-rift", und wenn dem einen Mitarbeiter z. B. von ein oder' der anderen ianatischen Seite der leise Borwnrf gemacht wird, er habe bei der Beurteilung der Rheinhessen, für die heutige Zeit etwas mehr :me notwendig das ehemalige „Franzöjeln" betont, so ist auf dieser: „Nonsens" nur mit dem Spiegelbild der heutigen Zeit zu antworten. ^Ter Rheinhesse war rmd ist kerndeutsch, inib wenn in einer heute :veit zurückliegeiüren Zeit, wo die Zerklüftung rmd Parteilichkeit dem Tcrrtschen Reiche schwer zu schaffen machten, ein Staatengebild« an den neuen prakttschen napoleonischen Gesehen und Einrichtungen Gefallen fand, so ist das nur zu begreiflich, wenn man einen Blick in das Chaos der Zeft um i787 wirft. Man sehe sich mitf die — übrigens ganz vortreffliche beigefügte Karte an, die in ihrer Buntscheckigkeit der' Palette eines Malers ähnelt, und man wird erkennen, daß irr einer Zeitperiode, :vo die .Kleinstaaterei, das Frohu und Lehnwesen noch schwer ans jedem einzelnen lasteten, eine Regicrungsform mit vielen befreienden Neuerungen und Erlösurrgen, wie die damals von Frankreich kommende, mit Freuden begrüßt lourde. — Machen wir einmal einen kleine» Gang durch das vorliegende Werk. Es wird sich lohnen u:ck wmuhe Arrregrmg geben. Ter von Hch. Bechtolsheimer verfaßte Teil behandelt die „Provinz Rheüchessen in den beiden ersten Jahrzehnten ihres Bestehens". In anschaulicher Forin, klar und faßlich, ohne zu ermüde:: und ins rein Aktenmäßige zu verfallen, erzählt der Verfasser zunächst von der Zeit der Franzosenherrschast, die mit dem Frieden von Campo Formio im Jahre 1797 einsetzte. Ueber die Zeit der Zwischenregiernng von 1814—16 und die Besitzergreifung durch das Großherzogttm: Hessen hinweg wendet er sich der Gegenüberstellung von Alt- und Neuhessen (Rheinhessen) zu und gibt dann äußerst tverlvolle und interessante Belege und Beispiele für die ganze staatliche und wirtschaftliche Euttvicklung von jener Zeit an bis zur Gegenwart. — Ter von Dr. Jul. Reinhard Dieterich bearbeitete Teil „Hessen- Darmstadt auf dem Wiener Kongreß :md die Erwerbung Rheins Hessens" gibt in ausführlicher wissenschaftlicher Durcharbeitung einen interessanten Ueberblick über die diplomatischen Verhandlungen unter Ludwig I. und seinem Gesandten Johann von Türckheim, dem Kampf um Rang und Geltung und schließlich den Wiener Vertrag vom 10. Juni 1815 und die späteren Schlußverhandlungen zu Paris und Frankfurt a. M. In: letzten TÄ „Tie Gegend zwischen Rhein, Nahe und Donnersberg im Jahre 1787" gibt Kurt S t r e ck e r an Hand einer von ihm entworfenen und bis ins genauste durchgeführten Karte eine territoriale Uebersicht über das Gebiet des heutigen Rheinhessens, wie es im Jahre 1787 aus sah. Wir können dem Werte nur weiteste Verbreitung ivünschen. — Den „Krieg gegen England", den U-Bootkrieg zu verfolgen, von dem wir alle, wohl die Entscheidung in dem Welt- ringen mit Zrrversicht erwarten, eignet sich ft: hervorragende:» Maße die im Verlag von Velhagen & Kinsing in Bielefeld und Leipzig erschienene, unter dem obengenannten Titel zusammengefaßte Kartensammlung. Zn dem billigen Preise von nur 1 Mark 25 Pfennigen enthält sie zunächst eine Ueber sicht starte, die gmrz Großbritannien und die Nordsee, die rvestliche Ostsee, den> Kanal und die französischen Gewässer bis Bordeaux hinunter darstellt. Meeres tiefen. Bänke und Eintragung der bisher vocge-j sallenen Seeschlacksten beleben das Bild. Unter anderen: suchen wir hier zum ersten Male den m letzter Zeit so viel genannten Namen „Hoosd-en"^anf einer derartigen Karte verzeichnet. Daran schlichen sich zwei Spezialkarten, der Umgebung der Straße v-vn Calais, Themse-, Rhein- und Seineniüudung i anfallend, und der Deutsche:: Nvrdseeküste, im Osten über Lübeck hinaus reichend. — Die wichtigste Neuerung dieser Karte aber ist eine große Uebersicht vvit Europa und der umgebenden Meere, in welcher genau nach dem Wortlaut der diplomatischen Note das Seesperrgelnet seit dem 1. Februar eingetragen tft und die durch errtsprechnche Färbung der Machtbereiche beider Staaten gruppen an: 1. Februar, zu Begum des Entscheidungskampfes ersehen läßt. — Der Völkerkrieg (Verlag vor: Julius Hoffman»/ Stuttgart). Heft 113 des „Völkerkrieg" behandelt das Börsen- und Bankwesen, Industrie, Handel und Handrverk, Arbeitsmarkt und Kriegsrvohlfährt. — Im Heft 114 beginnt die Darstellung der Ereignisse an der Ostfront von Anfang August 1915 bis Februar 1916. — Adolf Damaschke: „Friedrich L i st", ein Märtyrer und Prophet der deutschen Weltwirtschaft". Jena, Verlag von Gustav Fischer. 1917. Pre:s 60 Pfg. — Die StoNwechselkrank h eü t e n, Zuckerkrankheit, Gicht, Fettsucht und ihre Verhütung. Ron Prof. Tr. Strauß, Berlin. 8°. Max Hesse's Berlin W. 15. Preis vornehm gebunden 1,50 Mk. — I. I. David: Die Hanna. Nr. 10 der „W e l t - literatur". Preis 10 Pfennig. Verlag der „Weltliteratur", München 2, Färbergraben 24. In allen Buchhandlungen erhältlich; als Feldpostsendung besonders geeignet. Pyramide. J1- , l B 0 E| | E | E H h|T| | 1 | L L M M S | W| Die Buchstaben sind in der Pyramide so zu ordnen, daß die mittelste senkrechte Reihe einen berühmten Musiker bezeichnen, während die drei wagerechten Reihen ergeben : 1. Zeitabschnitt, 2. Baum, 3. männlichen Vornamen. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Ergäuzungsrätsels in voriger Nummer: Winzer, Ster», Qualle, Partie, Beere. Winterquartiere. Schristleftung: Fr. R. Zenz. — Zwillingsrunddruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.