Pechmarie und Hans im Glück Die Geschichte einer Jugend freundscha ft von C. v. Dornau Nachdruck und Ueberseyungsrecht in fremde Sprachen Vorbehalten (Fortsetzung.) Ganz benommen folgte sie dein nun leichtfüßig Voran schreitenden. Er hatte bald ein leeres Tischchen ausfindig gern acht, sehr behaglich in einer Ecke, nur grad' für zwe Personen groß genug. Ein Kellner half ihr aus dem Regen- mantet: Hans streifte nachlässig den seinen ab. Dann saßer sie sich gegenüber, der Kellner enteilte nach Mer, und Hanr lachte die Gespielin mit iviedergervvmrerrer guter Launc übermütig an: „Hast du nicht vorhin dein Brot mit mir geteilt? Wohl« tat tragt Zinsen, jetzt gebe ich dir ab. WaS befiehlst du?" Er schob ihr die Speisekarte zu, sie starrte eine Weile ratlos hinein. Dann reichte sie sie ihm zurück, ohne ihn anzusehen. „Bestell du lieber." Er sachte und tat's. Während er scherzend mit dem Kellner verhandelte, quälte sic sich mit den naßgewordenen Handschuhen ab, die so schwer von den Finger" gingen. Und dazwischen sah sie ihn immer wieder verstohlen an: Vorhin ll - ,r r wie im Traum erschienen. Zum ersten Male sah sie ihn jetzt ganz deutlich Er hatte im Gruiche noch » . V / Vi, l tVyv- //vyv-ljvlV mit cuimi Male. Seitdem er ste so derb angefahren, fithld sle sich erst richtig in die alten Zeiten zurückversetzt. Hans Jmhoff verabschiedete den Kellner, stemmte di, verschränkten .Hände leicht vor sich auf den Tisch und bog fick ein wenig zu ihr hinüber. „Nun möchte ich aber vor allen Dingen wissen, wie dr eigentlich daher kommst!" sagte er. „Das Hab' ich dich gerade fragen wollen!" rief Marie ^ Sie lachten beide ohne rechten Grund. Lachten wie zwei fröhliche, harmlose Kinder. Marie faßte sich zuerst. „Die Erbschaft —" begann sie. „Ja, der gute Onkel Poldewitz!" rief Hans. „Daß er uns so reichlich bedacht hat. Es ist unglaublich, daß er überhanvt so viel hinterlassen hat! Dreihiurderttausend Mark! Und dabei tat er nranchmal, als ob er nicht genug -um Sattessen hätte, ermahnte rnich immer lind immer wieder zur äußersten Sparsamkeit, er könne leider 'mal aar nichts für mich tun." ö er mit Zoller Absicht gejagt," meinte Marie nachdenklich. „Natürlich! Er lvollte mich nicht nur zu Fleiü unv guter Wirtschaft erziehen, ich sollte mich vor allen Dingen nie mand aicher-, als auf selbes verlassen lernen. Na, das bat er ja dann auch glücklich fertig gebracht. Mir wahrhaftig kein anderer weitergeyolfen, seitdem ich vo-r zehn Jahren auS der Lehre kam, urrd das bißchen, waS Vater uns hinterlassen konnte, kaum für Mutter und Schwester langte. — Und diese zehn Jahre haben mich stehen, gehen und sehen gelehrt, drei Dinge, die einem, wie du wohl auch •Ü? v• ^ a ^ en wirst, erst das reife Leben deioringt, nicht die Kindermuhmen und Schulmeister. Ja, nützlich uiid notwendig war die harte Zeit, ccker schön war sie nicht —i gar nicht, Marie! Schön soll'S jetzt erst werden, weißt du." Sie hatte sehr aufmerksam zugehürt. - n. verstehe," sagte sie, immer den gespannten Blick fest auf ihn gerichtet, ,chu hast unter der ständigen Abhängigkeit gelitten, gerade du mehr als irgend ein anderer an deiner Stelle!^ „Ja, ja! Ganz recht! Wie gut du das verstehst, Marie!" _ "un bekommst du plötzlich die Möglichkeit, dich selbständig zu machen, du willst mit deinen fünfzigtausend Talern ern eigenes Geschäft anfangen, das ist nnr aller- dings ganz klar." < t. ^stchoff ließ die Hände in den Schoß fallen und lehnte sich ein wenig zurück. „Und da irrst du dich wäre das allerletzte, was „Aber . . sagte er langsam, „das „Willst du mich ein Weilchen anhören? Ich muß dir das in aller Ruhe auseiiiandersetzen. Siehst dir, ich bin nicht aus Neigung, aus dem geringsten inneren Antrieb Kaufmann geworden, sorckern einzig mck allein, weil das nun mal der billigste Beruf ist — wo die Mlsbildung am wenigsten kostet und der Jüngling zuerst in die beneideriswerte Laye konlnit, außer der Hochachtung der Welt auch klingende Münze zu gewinnen. Das haoe ich ja auch getan, ick fing vor zehn Jahren mit vierzig Mark im Monat an und ver> diente zilletzt als Prokurist meiner Braunschweiger Firma ganze ziveitausend pro anno. Mer, wie gesagt, Spaß hat's mir nie gemacht — auch die zweitausend nicht, sie nwren mit zuviel Qual und Zwang erkauft! Und sobald die erbosende Nachricht kam von Onkels Testament, da Hab' ich das Tintenfaß wie iveilaiid Held Liither gegen die Wand geworfen bildlich natürlich! — den Kontorrock ausge- zogen und dem großen Hauptbnche eine bange Nase gemacht. Und seitdem, seit diesem gesegneten ersten Oktober, seit ganzen drei Wochen also, bin ich frei — so frei, so ganz mein eigener Herr, wie ich's mir in nreinen kühnsten Träumen vorher kaum geträumt hatte!" „Aber — um Gottes willen! Hans, du willst nun gar nichts mehr tun?" „Unsinn! Wer sagt das?" „Du selber." denk' nicht dran! Ich will künftig nur einer an- ,5^".^wbeit, einem anderen Berufe leben, einem, zu dem ich mich tiesinnerlich berufen fühle!" verste he kein Wort . , ^06 — „So siehst bu aus! Gänzlich fassungslos. Anne Marie! Nun hör' mal weiter zu, ich habe schon gemerkt, du. kannst prachtvoll zuhören. Also: das vorhin mit dem Tintenfaß gegen die Wand ist ein arger Sprachfehler gewesen, wie er unsereinem gar nickst: passieren dürste.- 1 ^m -Luitensasse habe ich nickst Valet gesagt - im Gegenteil, Marie! Mit Haut und Haaren, mrt Kopf und Herz will ich mich dem Ninstig ausliestrn — das ist's ja gerade! Ern Mann der Tinte, der Feder will ich! — kann ich — darf ich von nun an sein!" „HansDu rvillst Schriftsteller werden! ? Du?". „Ich habe die starke Absicht. Oder, genauer: Geichrreben Lab' ich schon seit langen Jahren — ein bißchen — so ganz schüchtern und heimlich — in jeder mühsam abgesparten Freistunde. — Meinzeug, Krimsnams zumeist — zu Größerem fehlten Muße und Seelenruhe. Wer jetzt Hab' ich die — und jetzt wird's was — das fühle ich — das weiß ich. So gewiß weiß ich das, wie daß du mir hier gegenübersitzest und der Kellner endlich mit den Rumpsteaks kommt." Sie wartete, bis der Mann wieder fort war und nahm unterdes gedankenlos Messer und Gabel zur Hand. Wer sie Legte sie gleich wieder fort und sah den Jugendfreund in «temloser Erwartung an: „Und davon willst du nun künftig leben?" sagte sie kopfschüttelnd. - „ „ , „Davon? Nein —! Dafür! Das ist nämlich ein gewaltiger Unterschied! Für meine selbstgewählte Arbeit von den Ansen dieses köstlichen, rein vom Himmel gefallenen Kapitals-i die find ja so ziemlich das dreifache vor: dem, was ich bisher zunr Leben gehabt — nick) gebraucht habe. — — Denke doch nur, Marie, was das für mich bedeutet! Ich hätte nstch anr End wohl auch ohnedem schließlich durchgefetzt — mir ist wenigstens so zumute, als ob ich das Zeug dazu gehabt hätte. — Wer was wären das .für end- nervende, zernmroerrde Kämpke gewesen. — grad' in meinen besten, reifsten, schaffenssreuvigsten Jahren! Und dann — ich habe oft eine heillose Angst davor gehabt, daß mich die Not einmal dazu, treiben Ännte, um des Geldes willen billige Dutzendware zu liefern.-Einzelne meiner kleinen Skizzen und Aufsätze waren, streng genommen, nichts besseres Sie mußten «reu meinen Schuster oder Schneider be- C len. — h- Jetzt aber ist alles, wte's sein soll! Solch Glück noch gar nicht dagewesen, wie auf mich unwürdigen nschen yeruntergeregnel ist. — Und nun Hab' ich auch die Verpflichtung, nicht wahr, etwas Großes, gantz Gutes m leisten — was, Marie? Aber vor allen Dingen haben wir letzt die Verpflichtung, unsere Rumpsteaks zu essen — Mvb dabei wollen wir zehn Minuten keinen Ton reden!" DaS taten sie nun auch. — Er, sich gemütlich dazwischen dn Lokal umschauend, die Nachbarn musternd, das BierglaS Dur Hand: sie, rasch, zerstreut, ohne von ihrem Teller aus- !u sehen. Sein umherrrrender Blick fiel schließlich auf sie, vlieb an ihr hasten. Er wartete schon ein wenig ungeduldig, bis sie fertig war, dann schob er mit raschem Griffe die S eerten Teller und Schüssen zur Seite und bog sich mit ^gestützten Ellenbogen zu chr hinüber: „So! Und nun erzähl du von dir!" bestimmte er. „Es ist ja geradezu schmachvoll; in meinem ganzen Leben Hab' .ich, jpaub' ich, nicht soviel hintereinander von mir selber geredet als eben! Mw dabei weiß ich noch aar nichts von dir i «ußer der erfreulichen Tatsache, daß ou auch fünszigtausend taler vom guten Onkel Poldewitz geerbt hast. Richtig — »vch eins: In der Testamentsabschrist stand : „die Volksschul- tebrerin Marie Krumpa erhält" — usw. Daraus Hab' i' erfahren, was du jetzt bist. — ES ist rein unnatürlich, da man so lange nichts mehr voneinander hörte." „Unnatürlich? Wieso?" Marie Krumpa strich das Tischtuch glatt und legte die gefalteten Hände darüber. ,Ach flnde es ganz natürlich, ganz selbstverständlich. Wir hatten teer so schrecklich viel mit sich selber zu tun, daß wir gar leine Zeit mehr fanden, an andere zu denken.-- Und Onkel Poldewitz schrieb doch nie was anderes als die Postanweisungen für das Geld, was ich im Seminar brauchte — kaum noch einen Gruß auf den Abschnitt — nachher, als ich nach seiner Ansicht genug verdiente, kamen auch die Post- crntoei futigen spärlicher und hörten schließlich ganz auf, sobald ich fest anaestellt war." „Wo ist das? Ach richtig — in Treuenbrietzen — das stand ja auch im Testament. Und da gefällt'- dir? Da fühlst du diw wohl?" „Nein. Gar nicht. Ich Hab' kein Talent zur Lehrerin. Und natürlich auch keine Freude dran. Wer danach wurde doch nicht gefragt. Auch von mir nicht. Es war eben meine Arbeit. Und |fo ging's schließlich ganz grtt, chmuer den gleichen Gang in der Tretmühle, und ich hatte mich daran gewohnt. Wer sehr wohl habe ich mich nie dabei gefühlt —, und das war ja auch nicht nötig." „Na, aber — erlaube mal! Sehr nötig haben wir das! Das Beste schaffen wir nur, wenn wir unsere Arbeit lieb haben —, und lieb haben wir sie, sobald wir bei ihr daH Beste aus uns herausholen dürfen. — Du willst nun natürlich nicht Lehrerin bleiben?" „Ich bin's bereits nicht mehr —" „A! Bravo!" „Wieso: bravo? Hab' ich damit was Verdienstliches getan?" „Sicher! Erstens an deinen Schülerinnen zweitens noch viel mehr an dir selber." „Du glaubst also, oaß ich nun besser dran bin?' „Wer ganz gewiß! Das ist doch keine Frage!" „Meinst du?" Marie lächelte in gleichgültiger Selbstverspottung. Sie lehnte sich jetzt mit verschränkten Armen in ihrem Stuhl zurück und sah starr an Hans vorbei. „Ich war ja noch ein Kind damals," sprach sie gedankenverloren; weiter; „aber in mir gesteckt mutz es da auch schon haben, — sonst hättet ihr anderen mich wohl nicht grad die Pechmarie genannt. — Ich Hab' zu nichts Talent, Hans Jmhoff, zu gar nichts! Nücht mal zum Glücklichsein, was doch, das ünr sachste von allem ist —/' Er bog sich einüg weiter vor. „Du — das sag' nicht!" widersprach er lebhaft. „So einfach ist das acw nicht: glücklich zu sein —, im Gegenteil! Wer dafür ist'? eine Kunst, die mail lernen kann — und soll — du sollst fl« kernen, auf alle Fälle! Ich weiß wohl, was die allermeisten Leute ohne weiteres ein großes Glück nemien würden: diese für unsere bisherigen Verhältnisse so überreiche Erbschaft — das ist an sich noch keins —> Geld ist nur Mittel zum Zweck. Aber für uns war der springende Punkt: das Geld verschaffte uns beiden die Freiheit." „Und was Lab' ich denn voir meiner Freiheit?" „Wie?" — Die trockene Zwischenfrage verdutzte Hans bis zum völligen Verstummen. Dann lachte er mit einem! Male hell auf: „Du bist köstlich, Mädchen!" rief er. „Verblüffend geradezu! Was du von deiner Freiheit hast? Ja, die ist doch an Ulld für sich eins der höchsten Erdengüter *—" „Für einen Mann — ja! Für dich — ganz bestimmt! Aber für mich? Was sang' tdj mit ihr an? Dich hat'H gerade zur rechten Zeit §ctxniemals nach Hause gekommen! Ich muß gleich fort — „Ich bitte dich um alles in der Welt, Marie zappele nicht so! Setz dich nur noch zwei Minuten — ich innß doch erst bezahlen — wir gehen dann gleich." „Wir? Du kannst bleiben, wenn du Lust hast —f' „Danke für gütige Erlaubnis. Ich bringe dich natürlich nach Hause. Kellner — bitte, zahlen. Cs wäre wirklich angebracht, Marie, daß du dich noch ein bißchen hinsetztest." . (Fortsetzung folgt.) Der 3ehnmMor?en-Tommq. . x JStite britische Kriegsgeschichte in zwei Szenen. Von Alfred Bratt. E r st e Szene. Lesezimmer int Londoner „Klub der vornehmen Patrioten". — Douglas Hopkins, der neunzehnjährige Sohn des ehrenwerten Unter- Lausmitgliedes und Whiskyfabrikanten Sir George Henry Emerald Hopkins, sitzt in einer Ecke anr Kamm. Vor Dolnglas steht ein Keines Tischchen mit einer Batterie geleerter Flaschen. Der junge Donglas ist vornübergebeugt und starrt in sein Glas mit der Miene eines Mannes, der „schwer geladen" hat und geistig im Lande jener Träume Elt, die nach einenr anstrengenden Rummel Das beherzteste Gemüt wie der dickste englische Neblel umwallen. Plötzlich erscheint in der Türe Sjir Hopkins. Er erkennt seinen Sohn, und sein von einer starken Erregung gespanntes Gesicht nimmt einen' befreiten Ausdruck an. ( Sir Hopkins: „Gott sei Lob und Dank, Douglas, daß ich Dick- endlich finde! Suche Dich seit sieben Uhr abends wie eine Stecknadel. Habe eine Sache von höchster Wichtigkeit mit Dir zu besprechen! Also höre ..." > \ Douglas ohne anfznsehen: „Ruhig Blut, alter Herr. Dein! lUnterhausmitglisds-Temperament in Ehren'. ... Du hast eine) fo überraschend heftige Arit, die der momentanen geistigen Verfassung Deines Sohnes durchaus widerspricht. W^enn man wie ich oreiundzwanzig Whisky intus hat . . ." Sir Hopkins: „Sprich nicht von Whisky! Das Alkoholein- schvänkungsgesetz unserer Regierung hat meine Fabrik pleite gemacht!" ... l Douglas, ohne ansznsehen: „Wie Du siehst, ist wenigstens Dein ikohn und Erbe noch ein treuer Kunde . . ." Sir Hopkins: „Hat sich was — Erbe! ... Du weißt, wie es mit mir steht. Unsere Schulden sind größer als Dein Verstand..." Douglas, ohne anfzusehen: „Ich l-ä'tte sie noch bedeutend höher eingeschätzt ..." i Sir Hopkins: „Keine Zeit zum Scherzen, mein Junge, nachdem ich halb London nach Dir durchstöbert habe! Also: ich erhielt heute abend einen Brief, der uns Millionen bringt, wenn Drr vernünftig bist/' Er zieht einen zerknitterten Brief ans der Tasche und 'nt- saftet ilm ..Dieses faWt schicksalsreiche Schreiben ist von Deinem Onkel, dem Bruder Deiner Mutter, der, wie Du weißt, in die fernen Kolonien zog und verschollen war. Der alte Bursche hat sich in Afrika ein Millionenvernrögen ernwxben und ist dem Sterben nahe. Von Dir hängt cs ab, ob wir das Geld kriegen oder nicht." Douglas, diesmal anfsehend: „Wenn der Bursche annehmbare Bedingungen stellt, wollen wir ihm den Gefallen tun, niryt?" Sir Hopkins, merklich erregt: „Tie Bedingung, da§ ists \a eben! Er schreibt:.ich bin nach einem arbeitsreichen Leben an jenem Punkte angelangt, wo man in seine Heimat znrückkehrb, um sein Testament zu machen. Ich fahre in bfrei Tagen ab rLv treffe in zwei Monaten bei Euch ein. Was mein Testament betrlffk, so hinterlasse ich Euch mein gesamtes Barvermögen von zehn Milltv- nen, wenn ich die Gewähr habe, als Mitglied einer Patriarchen Familie sterben zu können. Wenn Du mir also schwarz auf weiß beweisen kannst, daß einer Deiner Söhne — sicher hast Du welche — denr aktiven britischen Heer angkhört, seid Ihr meine einzigen Erben." I Donglas, starr: „Der gute Mann ist irrsinnig geworden! Wa- nützen mir die zehn Millionen, wenn ich erschossen bin? No, meine !Äeben, ich streike." .! Sir Hopkins: „Du bist erbärmlich feige, Douglas . . . Douglas: „Besser für Kriegsdauer feige, als sein Leben lang tot. — Uebrigens ... er schreibt doch, einer Deiner Söhne . . Sir Hopkrns: „Allerdings; er ist über unsere Familienverhälli- nisse nicht orientiert." I ? Douglas: „Alter Herr, das wird uns retten. Dein Sohn hat eine Idee, die ihn auch zu Deinem Erben machen wird) . . . Du adoptterst ganz einfach irgend einen armen Burschen aus dem Volke, der vertraglich gegen Zahlung von, sagen -vir zehntausend Schilling ins Heer eintritt. Was sagst Du dazu?" Sir Hopkins; nachdem er sich einigermaßen von seiner Verblüffung erholt hat: „Ich sage, daß Du würdig bist, der Sohn eines ehrenwerten Unterhausmitgliedes zu sein!'. . Z w e i t e S z e rt e. Im Wohnzimmer der Familie Hopkins. Sir Hopkins, LadH Hopkins und Donglas sind um den abgevänmten Eßtisch versammelt. Spannungsvolles Schweigen. Endlich ickchtet Lady Hopkins sich auf. Sic klingelt. Ein Diener erscheint. Lady Hopkins: „Ist der Notar schon lange im Krankenzimmer nrcines Bruders, des ehrenwerten Sir Richards?" Der Diener: „Seit einer Stunde, Lady Hopkins. Sir Richards weiß, daß der Arzt die Hoffnung aufgibt, und trifft seine letzten Verfügungen." Lady Hopkins, strenge: „Das wissen wir. Sie sollten nur auf das antworten, wonach Sie gefragt werdet (££ ist gut." Als der Diener sich entfernt hat: „Mein armer Bruder! . . . Wie gutx daß er noch rechtzeitig eintras. Hast Du ihm den Musterungsschein dieses . . . dieses adoptterten Tommy Atkins gegeben, George Henry Emerald?" ( Sir Hopkins': „Natürlich habe ich das getan. Möchte bloß wissen, wo dieser Flegel blckib't."' ' » Douglas: „Wahrscheinlich muß der arme Mensch exerzieren. . Es klingelt. Gleich darauf tritt der adoptiere Tommy AtkinS in funkelnagelneuer Khakiuniform ein. Er ist ein achtzehnjähriger waschechter Junge ans dem Gaunerviertel Whitechapel. Tommy Atkins: „Guten Tag, lieber Papa, liebe Mama, lieber Bruder!" Sir Hopkins : „Unterlassen Sie bitte diesen familiären Ton!... Das -var in unseren Vertrag nicht mit einbegriffen." Tommy Atkins, sich ohne Umstände an den Tisch setzend: „O bitte, diese zarten Ausdrücke sollten Säe nur daran erinnern, daß die letzte Rate von zweitausend Schilling noch nicht gezahlt ist." Sir .Hopkins zieht seufzend die Brieftasche und überreicht Tommy Atkins die Summe in Papier: „In Gottes Namen, jetzt sind wir quitt. Und nach der Testamerttseröffnnng werden Sie schleunigst verschwinden." Tommy Atkins: „Sehr gerne, Papa! Sie sollen Tommy Atkins — Verzeihung: seit einer Wvche laut behördlicher Adoptiv- nrknnde Tommy Hopkins — nicht mehr Wiedersehen. Ich bin in Geschäftssachen ein Ehrenmann." ■ Ehe Sir Hopkins etwas erwidern kann, treten der Arzt und der Notar mit feierlichen Gesichtern cisir. r Der Arzt: „Lady Hopkins, ich muß Ihnen die traurige Mitteilung machen, daß Ihr edler Bruder soeben sanft entschlafen ist." Sir Hopkins, erregt: „Wie — etwa ohne das Testament. ..?" Der Notar, ein Dokument vorweisend: „Nein, der Verstorbene hat als echter Gentleman den Pflichten eines Bürgers und Verwandten vollauf Genüge getan: er gestattete sich beit letzten Seufzer erst, als er seinen Namenszng unter das Schriftstück gesetzt hatte. Hier ist es." Srr Hopkins ergreift das Testament hastig und beginnt nunv mclnd zu lesen. Zuerst lassen seine Mienen strahlende Befnedii gung erkennen. Dann aber wird er plötzlich leichenblaß. Er wankt, stützt sich an den Tisch und sinkt dann ächzend, mit der Miene eines völlig geschlagenen Mannes auf den nächsten Stuhl. Die Familie ist starr. Dann ergreift Lady Hopkins das T>la- ment. Aber auch fiie sinkt nach dem Ueberfliegen der ersten Zeilen! -vie von einem schweren Schicksalsschlag getroffen nieder. DaS g'eiche geschieht mit DoNglaS. 108 Jetzt kann der Tommy seine Neugierde nicht länger bezähmen, vr ergreift das auf den Boden geflatterte Dokument und liest laut: "... rrnd so vermachte ich denn mein gesamtes Bar- vermögen in Höhe von zehn Millionen Schilling meinem braveil, tzU^crell. dem britischen Reiche treu dienenden Neffen Tommy Sir Hopkins, schäumend: „Der Teufel in Person soll alle pa- triotiichen Onkels, Testamente und Tommy- holen! . . ." .Der Tommy setzt seine Mütze auf und wendet sich zum Gehen: ,-Ach empfehle mich, meine Herrschaften." Lady Hopkins sucht sich aufzurichten, mit gewaltsam liebevoller Stimme: „Willst Du unö verlassen — mein Sohn?' " Der Tommy: „Allerdings will ich das, Lady. Ich'gehe zur vank^Ihres H^rn Bruders, n*nm Sic nichts dagegen haben" tw,.* ballt die Fauste und stöhnt. Douglas Nlurmelt Fluche, dre in keinem Konversationslexikon stehen. „ Dar Tommy, ^ich im Türrahmen noch einmal umwendend: wohl, >srr Hopkins. Ich halte, wie Sie sehen, unseren Pertrag, indem ich verschwinde, und will sie auch wunschgeniätz nicht mehr Papa nennen. Mer ich werde Ihre ehremverte Person m He^ und^Srnn behalten als die des größten aller Patrioten Lk lrnd der einzige britische Bürger, der es sich verschafien?'" ^ *°^ en l^ß, um dem Heere einen Soldaten mehr zu . -?? uoAken Augenblick hinter ihnl »»gefallen ist, erreicht der Fluch, den Sir George Henry Emerald Hopknrs ent>- sendet, nicht mehr'sein Ziel. vüchertisch. ,, ^ RenSe ErdöS: Tie Perlenschnur. AuS dem Ungarischen von I oh. M um bau er. Verlags. Gesellschaft Hausen, Laarlouis. — Es ist eigentlich jammerschade, daß nicht schon längere Zelt vor Ausbruch des Weltkrieges, wo noch alle an eurem ltterarischen Ereignis hätten teilnehmeu können, die Lynk vieler Dichterin zu uns gedrungen in. Dichterin! S,e ist es wahrhaft, keine Versemacherin oder Erzählerin, die auf dem lyrischen Pegalus mit unechten Blumen und Kränzen den Frühling oder die Natur verhimmelt und Phrasen drischt. Nein, hier jauchzt und e !A Menschenherz in einer so wundervollen Sprache, mit Wicher Sicherheit der Toum .lerer, wie es nur ein Meister, der fern Te! nen i V 1 ?* 5 * er bat, veruiag. Erinnern die Lieder . .Sappho ,n ihrer pompös hellenißffen Art iind Freiheit mit- unter an Rabindranath Tagore, spricht aus dem (Gedicht ^Ger- UEn die ganze liefe dieser Frauenseele, und lernt man sonst die JL "Nd Glut ihrer Sprache kennen, so wird man die enthusiastl,ch.7 Aufnahme ihrer Werke in ihrem Heimatlande Ungarn verstehen, um so mehr, wenn man die Vielseitigkeit der Dichterin veachkct und chren ganzen Werdegang und die Abstufungen er- ^'e sie z. B. aus dem Bai,de lyrischer Gedichte ^Die goldene Schale sich zu erkennen geben. Hierkl.nqen plötzlich rein religiöse ?o"e !^'""EElbarer Sprache derLeele zu ihrem Gott. Diesen ^ Resonanz deS TlMogischen; da ist nur LhrisluS und die Menschenseele. Wie die Liebec lieber in ihrer Pracht nur ifTl f r 0 ’Rabrndranath Tagores zu veraleichen sind, jo wacht iistc Mystik nur an Tauler und einen 'Angelus Silesius heraii. ^aS vorliegende Bändchen .Tie Perlenschnur' bietet eine AuSwch-l aus sämtlichen Werken. Ter Uebersetzung aus de.n Ungarischen diwch Mumbaner lag die stetige Kontrolle der Dichterin zugrunde, imäeS ist ans sinngetreue Uebersetzung. Rhythmus und Xi;: s? «,: w£im* ^syusssvs; „vä ö(4 gesammelte» totes Material, erst daun Lebcusfrische, wenn ein langjähriger VertrauteW^^ in das Seelenleben seines Helden blicken lapt. A. Proust, Poiiliker und Literat, ist der ge» borene Biograph Manets. Als Schucka.nerad mit ibm ausgewachsen ist er ihm sem ganzes Leben nahe geblieben und schildert m dem vorliegende,, Buche da? Leben und die Kämpfe de« Mannes der uns 'iUe mit einer gewissen Selbstverständlichkeit als einer der grogen Neuerer der Kunst erscheint, und besten ganzes Leben doch lieber Kamps war big die Welt ihn eikannte ,y.d anerkannt ^ eit der damaligen geistige,i Hochflut taucht vor uns aui. wenn Proust von Bandelawe. Murqer, Telacroir, Zola, Gam- ™ rc l 1 ,pn ^!- Doch erhebt er sich nie zum Pathos. aelebÄe^ erja() / t er ^ ancl: "eben, stört und nicht dt.rch gelehrte Beschreibungen seiner Werke oder seiner Technik: aber wir - •(. £ ei ' , '- t,) e ^3"fnnft. Grüsz« der Deutschen Hochschulen Z?JL TI ■ "" 3 m bt da,Jahr 1917. HandschrEch wieder- * ln,m ««wort de, Shell de, stellvc, „senden wenc- ral, .e, der Ar,nee «enerallenlnant ,'reiherr von Frenlaa-Larina- g, oc/ " l>erau»,ieaebe» vom ecuti l.en 6lubcntcnbieiif7 1 Ul. 91en|ere Biiciinltiin, butl Vralrhor ». b. «iimcte an bet fl.mftaeroe vbe. ^tfU m W r*' n - (#s ®' ) ® r - 8 ”- Berlin 1917, Fnrche-Verla,. 19 ,L, 17 ^>.°M!?! Srie fl*nMcf)irf)tc .Der Krieg 1914 11 m Wort und BiN>". 112.—114. üieff. ttireiis ie 80 -1 !ennm 1 il"n6 d e' e 88 ll,rloß6hn " 6 Bong * So., Berlin W. 57, Polsd.niwr r “ 1 ■' 8 > Karten und Feld. Franckh^che Verlag,. 6 3..s°."M°.n onk^' Ter 7 ^ ' Vie“ ^ M Färbergraben 24 ^"^ranSsohn. Preis 10 Pfennig. Akünchen 2, Marmeladen-Rezepte. unie^ sr- s ^« ^ Ze-t z»r Seltenheit geworden. Aber di» kLf.s-Ä.^Äerilrden HanSfra»,en unsteu immer Rat; sie kochen f oL5 f -. Marmeladen an« Zitronen. Apfelsinen, sogar . uch nirfn.,?* ^ Ul s er !' 'b"en auch der Zuckerkorb so hoch gehängt wurde! Wir haben viel derartiger Rezepte in der be- unü!n n Blatt gehört der Hausfrau« ge- Sn^L?g^n.°"''°' o . e Orangen-Marmelade. 1 fastreiche Zitronen, 1 Pfund Mohrrüben, . Die Zitronen werden mit einer scharfen Bürste obgeburstet, abgeschält, von der weißen Haut und den n/hpn i e rtl Ju"? b ber Schale durch die Reibe.naschiue ge- Mohrrüben,verden geschält und ebenfalls durch die E Lkl^ebei, Beides zusammen ivird mit reichlich Master Jm? lE nach Größe 3 oder 4 Stück, Master gleich IV, Pfund, 2 Pfund Zucker. Das ergibt in 24 Stunden^?^ 4 ^.dsi'nd. Apfelsinenschalen und üleisch werden iLt m " ln b t m ® afT * r eingeweicht. D.e Kerne werden ent- cmTff mun u ,oe . rl> i n -""achst die Schalen in den» nbaegostenen » ba ," n m J,‘ b«n Frachtfleilch durch Me l b Ri an kann die Schalen auch in haarfeine ^e«en schneiden und auch das Fleisch in kle.uere Stücke zer- b E» ^ormelade sieht letzteres besser aus. und Mh! olles mit Zucker und dein Einweichwaster zu Feuer Sbr mai br®i U " ben °^ en * « erin ^ ren Zwische.,räun,en rt t)rt mau die Maste um, es lortge etzt zu tun, ist nicht nötia ^od-r merte Test kocht ein. so daß'man 'ein Ergel m' von A^els-m-n^..e!^ b ^ D.e Kosten stellen sich nach Qualität der Siuf* Feueraufwand kaum höher als 50Psen.ua das ^"Ud, bei sehr guter Qualität. Tie Mar.uelade hält sicl? bei kühler Aufbewahrring ohne Hilfsinittel geraume Reit ^ K Di«rmelade. aus Kohlrüben.' ab undd chn-i^ n Steckrüben (Kohlrübe»,) schält mau. wäscht sie 0° schneidet sie in ganz kle.ne Stückchen. Dann setzt man sie ^^1-EwaS Master und emem halben Kochlöffel Salz anks Feuer, lätzt sie aufkochen, g.eßt das Master ad und setzt sie mit frische,n kochenden Wasser auf. Wenn sie gar sind, schüttet mm» sie auf einer »um Abtropfen. Inzwischen reibt n,an die Schale nfht ^ U l one ' , 5,c schale einer ganzen Apfelsine ab und gibt das Abger»ebene sowie den Cast von einer Apielsine und von 2>re» Zitronen zur Masse, ^ann s»igt man 1 Pfund Rucfer bei Es bester) und läßt d.e Maste unterIlmrühren ist Nun wird sie auf einen Durchschlag ge- ? "et „und^ durchgeruhrt. Wlinscht man, daß die Marinclade eine schone Farbe haben soll, so kann man etwa« Johanuisbcer- lange^ darilnter mischen. Tie Marmelade hält sich nicht Silbenrätsel. AuS den Sstheii: a. a, al, an, chü, dan, dt, e. e. ei en er, Ham me, m°, ,!a'. „c, 'ne.' ne.',,«!' P r i i2' ie, te, tt, tor, u, ve, ver wall ... ™ Hnb 18 ©ortet ju bilben, bereo erste unb legte Buchstaben ^ber 4. ®4tau>4rWpt.Vut| ,C, 6.' m ®ut* fi, 4|, D eag', 3 fc.rnim" ,b *• Drama von Sbakelpeare. 7, Römische «öl,in, 8 ^übstcher Frauenname. 9. Llabt in Böhmen, 10. Dar, 11. Wellast. 12. Cubanierikanischer Staat. 18 «enufimloJr' scher Ächier. ^ S8c ' efltf,,mB - ,6 ‘ Snnb K'einasien. ,8. gSStaS (Auflösung Ln nächster Nummer.) Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: 'Ansammlung feindlicher Truppen in Saloniki. ItmüWl Lwillmgsrunbbruck «„(. m?jL b J5 Brsthlstchen ^iversstä.-.-?,.^ unb Stelgbrucheee,. R. Lange, Sieße^