Königsträume. Romarr von Karl Busse. (Nachdruck verboten.) (Asrtfekung.) Kasimir Rzonka deutete aus das Treiben. Die Niederlage ward iinmer ftcrchtbarer. Auch was auf den Flügeln noch standgehalten, wandte sich jetzt zur Flucht. Erbarmungslos stachen die Soldaten nieder, was ihnen in den Weg kam. Tote und Verwundete neben sterbenden Pferden; Blutlachen, in denen sich die wieder hervoraekommene Sonne seltsam spiegelte; Sensen, Buchsen, Säbel, Aexte, alles durcheinander und übereinaiwer; herumirrende Gäule, die, scheu geworden, in zitternder Angst bald hier-, bald dorthin galoppierten, das war das Bild, was sich den Blicken bot und ans das Kasimir Rzonka hinwies. „Aussichtslos, Herr Graf!" sagte er mit bleichem, kaltein Gesicht. Er knöpfte den Rock zu. Ein kurzer Gruß, er warf das Pferd herum. „Herr! Wohin?" Ein Schrei war's. „Zu Czechowski. Das ganze Heer wollen Sie ihm nicht zufnhren So soll er die Trümmer haben!" Er sprengte davon. Ein wilder Ruf hotte ihn ein. „Und ich?"' Nur ein Achselzucken war die Antwort. Einen Augenblick schien es, als würde Napoleon Rill- kowski vorn Pferde stürzen. Er schwankte im Sattel. Sein Gesicht verzerrte sich. Da brausten seine Reiter auf der Flucht heran. Von der andern Seite stürzte Barlek Zychod auf ihn zu und hing sich an den Zügel des Pferdes. Die Reiter rissen den Grafen mit in ihre tolle Jagd hinein. Me ein Verzweifelter hielt sich Bartek Zychod, um seinen Herrn nicht zu verlieren, fest. „Euer Gnaden!" keirchte er; mit erstickter Stimme: „Hoch unser König!" Als hätte ihn das zu sich selbst gebracht, fuhr 9?apoleon Rutkowski auf. Ein heiserer Schrei brach von seinen Lippen. „Die Sterne lügen, die Würfel lügen, alle lügen!" Frr funkelten seine Augen. „Steht?" schrie er: „um Gottes Barmherzigkeit willen! Sieg? Ich führe euch! Vorwärts! Vorwärts!" Sein Pferd riß er herum. Bartek Zychod ward jäh zur Seite geschleudert. Keiner hörte ihn im Getöse. Da schien es ihn wie Wahnsinn zu packen, rechts' und links sauste sein Säbel. Mit dein Säbel schlug er sich eine Gasse. „Vorwärts! In den Feind! Mir nach!" „.Hoch unser König!" keuchte schon leistr der alte Diener, der nicht von ihm ließ. Aber wie ein Echo scholl es rings: „Czechowski, Czechowski!" Ein furchtbares Lachen, gell, schneidend, grausam. ..König von Polen!" Und wieder das wahnwitzige Lachen. Der verzweifelte, flehende Ruf: „Herr, Herr, was tut Ihr?"" Die Russen, die im Laufschritt vorstürmten, sahen plötzlich in gestrecktem Galopp einen einzelnen Reiter mit vm> gelegtem, gleichsam suchendem Säbel auf sich zusprengen. Schreiend, mit erhobenen Armen, mit bloßem Kopf, jagte, so schnell ihn seine Füße tragen wollten, ein alter Mann hinter ihm drein. War's ein Ueberläufer? Ein Wahnsinniger? Sie stürmten weiter. Aber der wilde Reiter jayte direkt auf sie. Ein heiseres Lachen, ein stählerner Blitz, mit gespaltenem Haupt sinkt einer der Soldaten nieder. Ein Wut> geschrei. Wieder blitzt der Säbel aus, aber ehe er vernichtend zum zweitenmal niedersausen kann, krachen zwei, drei, vier Schüsse, das Pferd bäumt sich, überschlägt sich, die wütenden Grenadiere fallen.wie wllde Tiere über Roß und Reiter her. Ein Zucken um die Lippen, das alte, nervöse Zucken, ein Gurgeln: „Kö—nig von-" Mehr nicht. Don Kugeln durchbohrt, voll Bajonetten zerrissen, halb begraben von dem im Todeskampse um sich fchlageiwen Gaul lag Stanislaus Napoleon von RutkowsÜ im Sande. Da langte keuchend Bartek Zychod an. Er konnte nicht mehr schreien. Mit dumpfem Aechzen warf er sich über die Leiche. Die erbitterten Soldaten, die ihren todwunden Kame- raden räche:: wollte::, sorgten dafür, daß auch er nicht mehr aufstand. Die Sonne brannte jetzt wieder übers ^Schlachtfeld. Es ward stiller darauf. Der Lärm entfernte sich. Ein Teil der Aufständischen hatte den Wald erreicht, andere jagten aus der Chaussee dahin uitb schwenkten nach Süden ab, ein letzter, versprengter Trupp, von den Russen verfolgt, floh in Todesangst nach der entgegengesetzten Richtung. Man hörte die Leute rufen „Czechowski! Czechowski!"", als wär's ein neuer Heiliger, den sie anflehten, als wirre nur bei ihm Heil und Rettung. Sto kam's übers Feld. „Czechowski? Czechowski!" Es störte keinen mehr. Kein Zucken, keine Bewegung an dem Flecke, wo, fast in engem Knäuel, die Getöteten lagen. Das Pferd hatte die Beine starr von sich gestreckt und mit dem Kopf sich etwas in den Sand gewühlt, lieber Napoleon Rutkowskis Gesicht, es z:rr Hälfte bedeckend, lag Bartek Zychods .Hand. Sein Haupt ruhte auf der Brust des letzten jenes Geschlechtes, dein er sein Lebtag gedient hatte. Ein scharfer Geruch von Blut mW Pulver zog über das Feld. Immer ferner klang der Lärm. Und die Sonne stieg höher.- 18. Kapitel. In Nasgora herrschte reges Leben. Der Bau der Ställe und der Wirtschaftsgebäude war begonnen worden. Zahlreiche Arbeiter bevölkerten das Dorf. Schon stiegen die Mauern empor. Wie lauge noch, und der erlittene Schaden war ausgeglichen. Auch manches andre kani allmählich wieder ins gewohnte Geleise. Kascha Kaczmarek hatte den schweren Gang aufs Schloß getan. Hanna von Graßnick hatte sie nicht sehen lyvllen. Aber das Mädchen wartete wie ein Hund vor deu 94 Dür. Weinend warf sie sich der Herrin zu Fußen. Nach langem Hin und Her war sie wieder zu Gnaden angenommen worden. Und Hanna durste jetzt mit ihr zusniwen sein. Aktes Laute und Wilde in ihr war gleichsam gedampft. Sie hatte nur noch einen Wunsch: in Frieden hier bleiben zu dürfen. . ^ p ^ Die ausfälligste Wandlung iedoch erfuhr Hans Albert. Er war einer der kreuzbraven Menschen gewesen, die, von Jugend auf an das Kommandieren gewöhnt, in allen Lebenslagen mit dem Krückstock regieren und Vorsehung spulen müssen. Weil er das Beste seiner Leute wollte, weil er sich ehrlich bemühte, gerecht zu sein, so war es selbstverständlich, daß alle Welt das anerkennen mußte, so hatte er auch das Recht, den Leuten das, was er für ihr Glück hielt, aufzu- zwingen. Er war eine Art patriarchalischer Tyrann, der an «ine eigene Unfehlbarkeit glaubte. Die Religion und der Krückstock waren seiner Ansicht nach die besten Volkserzieher. Und deshalb hatte er die Religionsstunden, die Morgen- vndachten, eingeführt. Wäre eine Kirche in Nasgora gewesen, so hätte er die Leute dorthin gewiesen. Da sie fehlte, so fühlte er die heilige Pflicht, selbst einzugreifen. Felsenfest war sem Glaube, daß er ein Gott und Menschen wohlgefälliges Werk damit tue. Felsenfest auch war der Glaube, daß er so seine Leute am besten vor bösen Gelüsten, vor der Teilnahme am Aufstand, vor dem Eindringen falscher, moderner Lehren bewahre. Und nachdem er sein ganzes Leben so gelebt, war dieser felsenfeste Glaube mit einemmal umgeworfen worden. Bei den Nachbarn konnten Unruhen ausbrechen, auf seinem Gute nie, darauf hatte er wie aus das Evangelium geschworen. Und nun hatten sich gerade seine Leute, nur seine Leute als die einzigen in der ganzen Provinz, zu offenem Friedens- bruch gegen ihn erhoben, und es war nur ein Zufall, daß Hm nur der Arm, nicht der Schädel zerschmettert worden. Als Hans Albert auf dem Bette lag, nachdem die Dra- «oner die Rebellen vertrieben, als er fortwährend auf einen ßunft starrte, stürmte alles in ihm. Ein grenzenloses, ihn «rssungslos machendes Erstaunen, wie sich das alles überhaupt hatte begeben können, war das erste. Er fühlte darin alle seine Stützen wanken. Was bisher über allem Zweifel «haben war mit einer naiven geschritten war unsicher ijm Dunkele, er lag da wie ein entwurzelter Stamm. Das tat ihm weher als der Arm. „Ich verstehe die Welt nicht mehr, ich passt nicht hinein!" sagte er oft bitter zu sich ftlber. An der Religion selbst wollten ihm Zweifel kommen. Aber zu fest hatten Erziehung und Leben den Glauben in ihm wurzeln lassen. Nicht die Religion, nur diejenigen, die stv kehren, ober die, die sie hören, können sich irren, dachte er. Und plötzlich stand die Frage vor ihm: „Wer hat sich also geirrt, ich oder die Leute?" Ein Gedanke, der bei Haars Albert früher Unmöglich ae- wesen wäre. Auch jetzt noch wies er ihn ein paarnml unwirsch ab. Er kam wieder, er quälte ihn. Da ließ er sich znM Trost und zur Bestätigung dessen, daß er im Rechte war, die Bibel geben. Er war, ohne sich dessen selber ganz bewußt zu sein, rin Mensch, der seinen Gott lieber im Alten Testament! suchte als im Neuen. Sein Gott war der große, zürnende, vächende Jehovah, der in Blitz und Donner sprach, der in roter Feuerwolke Vor Israel zog, der furchtbar strafte, um die Menschen ans den rechten Weg zu führen. Er war eben ein Gott nach dem Herze;: Hans Alberts. Unruhig, im Innersten aufgewühlt, las der Schloßherr von Nasgora das Buch der Bücher. Er las es inbrmsitiger, aufmerksamer als je. Alle Zweifel, jede Verzweiflung sollte es ja scheuchen. Mehr und mehr führte ihn das Alte Testament auch Zurück zu seinen alten Änschauun-gen. Und doch fühlte er, daß dies letzte und größte Erlebnis, das er erfahren, ;hm nie mehr aus dem Gedächtnis schwachen, daß er nie den felsenfesten Glauben wiederfinden würde, daß etwas in ihm gebrochen war, sein stärkster Halt. So kam er zum Neuen Testament. Und siehe: die geborstenen Grundpfeiler seiner Anschauungen, die er mühsam wieder aufgebaut, und die doch den Riß trugen, sie schwankten und wurden erschüttert, sie wollten sich wieder erheben und wurden doch mit jedem Tage immer mehr untergraben, bis sie zusammenstürzten. Nicht in Stunden und Tagen, in vielen, vielen Wochen war diese Entwicklurrg vor sich gmangen. Altes käuchste mit Neuen;, Zweifel und Verzweiflung packten das Herz manchmal, oft schien es Hans Albert, als müsse er darin zugrunde gehen wie ein alter Stamm, der in s-rinem Erdreich keine Nahrung und keinen Halt mehr findet, und der sich doch auch nicht mehr umpflanzen läßt. Zum erstenmal hielt er Einkehr in sich. Zum erstemnäl fühlte er sich krank an Leib und Seele. Seine alten Altäre, an denen er ein Leben lang geopfert, wurden ihm zerschlagen — war's nicht besser, er ging mit ihnen unter? Nächtelang starrte er vor sich hin. Die Lampe brannte. Das Neue Testament lag neben ihr. Er nahm es immer öfter vor. In den einsamen Nächten erschloß sich ihm ein neues Evmv- gelium. Neue Altäre bauten sich an der Stelle der alten auf. Zagend nur trat er heran. Und je Imehr sich seine Seele füllte, je tteser er das große Liebesevangelium verstand und erfaßte, um so klarer ward ihm, wie das hatte geschehen können, was geschehen war. Er wies die Frage: „Wer hat geirrt, ich oder die Leute?" nicht mehr unwirsch ab. Er verstand, was die Leute empört hatte. Er hatte geirrt, indem er ihnen aufdrängen wollte, was sie nur halb oder gar nicht verstanden: gmrrt, weil er die Religion gleichsam nur als Mittel zum Zweck behandelt; geirrt, weil er in seinem naiven Hochmut von seinem Stand- punkt aus predigte und lehrte, ohne sich jemals zu ftagen, ob das Gewissen der Leute sich dadurch nicht belastet fühlte, ohne sich jemals in die Seele der Knechte versetzt zu haben. Kraft seiner Macht als Gutsherr hatte er diejenigen, die von ihm abhängig waren, gezwungen, an den Morgenandachten teilzunehmen. Und ob er sich auch das Zeugnis^ geben konnte, daß er nie und nimmer, selbst im Traume nicht, daran gedacht hatte, die Leute von ihrem Glauben abtrünnig nt' machen — er verstand, daß die Armen im Geiste zu dieser Ansicht kommen konnten. Denn sie hörten nicht so, was er sprach —i sie hörten nur, daß ein Andersgläubiger, ein Protestant, ihnen, den treuen Söhnen der katholischen Kirche, die Bibel auslegte, sie wußten nur, daß er sie zwang, dem beizuwohnen. Und da sie keinen anöern Grund seines Tuns ernsahen, so mußte sich die UeberzeUf- O in ihnen mehr und mehr festigen, daß der Ketzer auf mfang aus ging. Da§ war ihr Irrtum. Wer ihr Irrtum, der seiner Schuld entsprang. Denn wenn er nicht so verrannt gewesen wäre in seine selbstherrliche Unfehlbarkeit, dann hätte er weiter sehen müssen. So nahm Hans Albert den größten Teil der Schuld auf sich. Und auch den Schmied verftano er mehr und mehr. Er verstand den Tchmerz des Vaters um den verkrüppelten Knaben; er verstand, wie der Haß sich in die Seele des Mannes festgesetzt. Hatte Michael Laskowicz nicht dasselbe getan wie er, sich verrannt in Hochmut, sich aufgeworfen zum Richter? Und immer leuchtender erschien das „Richtet nicht!" vov seiner Seele. Es zeigte sich, daß der furchtbare Hammerschlag, den der Schmied geführt, noch schlimmer gewesen war, als man zuerst angenommen. Man dachte zuerst noch an eine Heilung oes Armes, ob er auch steif bleiben würde, aber die Knochen waren nicht gebrochen, sondern zertrümmert. Der Unterarm mußte amputiert werden. Noch einmal bäumte sich der alte Trotz in Hans Albert auf. Er bezwang ihn. In Geduld ertrug er die Operation. Ja, ihm schien, als wäre seine Seele fteier danach, als wären alle die Schmerzen himmlische Strafe und Buße. Fm Juni war die Verhandlung gegen Michael Lasko- wicz und Genossen vor dem Kreisgericht festgesetzt. Als! Hauptzegge war Hans Albert geladen. Es machte einen tiefen Eindruck, als er, ein gebeugter Mann, mit dem blassen Gesicht und den; halbleer herunterschlotternden linke;; Aer- mel vior die Schranken trat. Einen scheuen Blick warf Michael Laskowicz auf ihn, dann sah er hartnäckig zu Boden. Und Hans Albert sprach. Das Wort „Richtet nicht!" hatte er auf den; ganzen Wege sich imnrer fester ius Herzj geprägt. Immer erstaunter wurden die Gesichter, als er jetzt erzählte. Er kl«gte nicht an, er entschuldigte. Er sprach von dem Krüppel, von dem Unglück, das durch das Schloß iiber den Schmied gekonnnen war. Er wies darauf hin, daß die Morgenandachtendais Volk erregt hätten, daß durch den Aufstand so wie so schon Flammen in die Herzen geworfen waren. Michael Laskowicz hatte das Gesicht erhoben. Ein jähes Staunen kam iiber ihn. Es ward innner mehr zu Schreck, 96 Bfcfycun, Schmerz, es schien, als woktte er auffdjrcicn, als wollte er den Baron Lügen [trafen, als wollte er aus ryn tzuspringen. Daß böse Blut stieg ihm zu Kopf, der Schwerß stand ihm auf der Stirn. Der Deutsche, den er zum Krüppel geschlagen h- der leere Aermel schieir zu drohen — sollte ihn Mittagen, belasten, ins Zuchthaus bringen. Er wäre hinern- gegangen und hätte sich gesagt: „Du hast recht getan, daß du an ihm Vergeltung geübt!" Aber er sollte, er durste nrcht fo> reden, wie er redete, das hielt er nicht aus ! Jedes gudq Wort schuf ihm Qualen, bei jeder Entschuld ig'uug schien der furchtbare Hammerschlag, den er geführt, auf ihn selbst Iuriickzufallen. Er sank immer mehr in sich zusammen. Er hob nicht dann einmal den Kops, als Peter Wroblewski ver- rrommen wurde. Der Fußgendarm bestätigte die Aussagen Hans Alberts. Auch ihn. übrigen waren seine Bekundungen für den Schmied günstig. Der Schmied hatte ihn vor der Rotte geschützt. Denzel Smilicz war der Rädelsführer gewesen, der sich an ihm, der Obrigkeit, tätlich vergriffen hatte. So geschah es, daß Michael Laskowicz nur wegen schweren 'Hausfriedensbruchs 'uno schwerer Körperverletzung unter Annahme mildernder Umstände zu der niedrigen Strafe von zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die Untersuchungshaft ward ihm aber nicht angerechnet. Als Hans Albert nach der Verhandlung das Gerichtsgebäude verließ, stand vor der Tür Peter Wroblewski. „Herr Baron," sagte er stammelnd, „Herr Baron !" Er konnte nicht weiterreden. Er salutierte nur und rührte sich nicht von der Stelle. Mer in seinen Augen, die feuchtglänzend waren, stand die Versicherung: „Nach dem heutigen Tage lasse ich Mich für Sie in Stricke hauen!" Der Juli verging, die Erntearbetten kamen. Immer mehr der über die Grenze gegangenen Arbeiter fanden sich in Nasgora ein. Dieser und jener ward noch verhaftet, aber man ließ sie bald laufen. Unnötige Sttenge sollte vermieden werden. (Schluß folgt.) Dar Grammophon. Erzählung von Paul Alexander Schettler. Eines Mends, als das Bellen der Geschütze oft minutenlang vuhte und der lang verhallende Donner vereinsamter Schüsse in! der Abendstille weicher verebbte, trug der Wind urplötzlich ein leises Klingen über die Gräben, ein Klingen, das wie ein linder süßer Duft über die Gräser strich und das in der Stille zwischen dem polternden Abendgebet des Eisens lieblich wie ein Klingen aus einer aw- deren Welt!zu den stumpf gewordenen Ohren der Männer drang. Der deutsche Hochposten in: vordersten Grabenstück hob den Kopf, das Gewehr fest in der Faust. Auch die anderen lauschten und lächelten überrascht. Es war kein Zweifel,-eine helle Frauenstimme sang aus dem Graben der Engländer, und es war eine kecke, lustige Melodie, die sich in den Abend aufschivang. Die Englishmen schienen wirklich in guter Gesellschaft und Stimmung. Das klang ja wie Tingeltangel! Und Damen im vordersten Schützengraben? Vielleicht gar Suffragetten? So witzelte man, bis einer die viel nüchternere Lösung fand: sic ließen sich diüb'en von einem Grammophon ansspielen. Ja, sie hatten ein Grammophon und kürzten sich die Zeit, die Herren Engländer. Man hörte es jetzt ganz deutlich, als ein Atemzug des Menwindes die Musik herüberwarf, und es klang gar nicht betschwesterlich, dieses Zwitschern und Tirelieren, unterbrochen vom ferne rollenden Grollen der Geschütze, ja, es klang angesichts der Drahtverhaue, der Schießschatten und Kriegswerkzeuge sehr verwegen sogar. Es war, als wenn über alles Dunkle, Schwere ein lachendes Liedlein triumphierend das Banner der Lebenslust schwänge, als ob es in unverzagtem Tänzeln schnippisch dem Tod eine Nase drehe. Ein übermütiger süß lockender Refrain aus Fttedeuszeiten kicherte in das verhaltene Schweigen zwischen Leben! und Tod, machte sich lustig über Krieg und Todesbereitschaft . . . Ten Männern im Graben wurde cs seltsam zu Mute. Sic hatten zwar auch zuweilen mit Mund- und Ziehharmonika ein Konzert improvisiert. Da waren liebe, schwermütige Volkslieder zu einem! heiligen innersten Gebet geworden, in dem sich ihre Sehnsucht nach der Heimat auslebte. Aber ein Grammophon mit solcher Musik — daran erkannte man den Engländer, denn Tingeltangel im Schützen- grober: brachte nur der fertig. Aber, wenn and) einige knurrten, daß dcnc)) da drüben die Lustigkeit bald vergehen sollte, sie lauschten doch und ließen sich die Töne melodisch ins Herz sickern. Es war halt Musik und mal Was a)idcres ... ( Der Aberrd war herabgcsunken. Noch immer krähte das Grammophon eine Platte nach der anderer: 'herunter, unermüdlich plärrte es in den milden Mend hinein. Die da drüben hatten wahrlich sich einen ganzen Vorrat von Musik importieren lasser), und eine Nummer vergnügter als die andere. Schon hatte die nnsreiivillige Andacht im deutschen Graben wesentlich nachgelassen, — da, was war däs? Nun horchten sie doch aus, die Deutschen. Diese Töne kanriten sie. Die Kdiserhhmne war es, was jetzt herübcrklang. Heller und vernehmlicher als die Bänkelsängerweisen. Die Engländer mochten, den Schalltrichter dem Feinde zngewendet, vielleicht den Apparat sogar aus den Grabenrarrd gestellt haben, daß sie es bester hören konnten, die Germans. . Die Deutschen waren im ersten Augenblick w überrat cht, daß sie nicht wußten, ob sie lachen oder wütend sein sollten. Einer von ihnen aber, hochrot vor Zorn, stieß etwas von Dicb^ stahl und Verhöhnung hervor und war im Augenblick, noch che die Kaineraden den Hitzigen zurückhalten konnten, über den Rand der Sappe verschwunden. Es war stocksiuster ringsum. Sv war cs den Kaineraden unmöglich, zu erkennen, was der Unerschrockene begann. Das Dunkel verhüllte ihn vollständig. In begreiflicher Spannung.blieben ste zutt'rck, angestrengt lauschend und in das nndurchdringllche Dunkel starrend. . „ . . Noch eine kleine Weile spielte das feiirdliche Grammophon feaite Siegesweise herunter. Plötzlich verstinnmte es, und sehr heftige Explosionen, die wohlbekannten Erschütterungen, mit denen Handgranaten zu zerplatzen pflegen, folgten rasch aufeinander. Kurze Zeit darauf raschelte und keuchte es vor dem Graben-, rand der Deutschen, und es erschien mit hastigem Schwung der kühne Abenteurer wieder im Graben, ein Gramnrophon als Beuten strick im Arrne. ' ; Tie Kameraden umringten ihn lachend und fragend. Er mußte berichten, wie er sich im Schutze der Dunkelheit zum feindlichen Gräber: geschlichen habe, wobei ihm 'das durch Granaten aufgewühlte Gelärrdc besonderen Dienst als Deckung geleistet, lvie ihm ein durch eine Granate geschaffener Durchschlupf leicht den Weg durch den feindlichen Drahtverhau gestattet und ihm ermöglicht habe, ganz nahe an den Graben der Engländer heranzukommen. Sich vorwärts tastend und schleichend sei er den lockenden Tönen des Apparates gefolgt. Abs er ganz rrahe am Graben geweien ser, schien man plötzlich feine Nähe bemerkt zu haben. Eine Hand habe das Grammophon vom Rand des Grabens gehoben. In diesem Augenblick aber seien schon seine Grüße in den Graben gesaust. Drei Handgranaten hätten genügt, um die Kerle kopsscheu zu machen. Die entstandene Verwirrung habe er benutzt, den Kasten ergriffen und sich, lvie er gekommen, im Schutze der Dunkelheit zurückgepirscht. ■ , „ „ Ein erbeuteter Minenwerfer hätte nicht mehr Aufsehen hervor- rusei: können, als das erbeutete Grammophon, das frisch aus dem englischen Graben geholt war. Das Instrument war auch ganz unversehrt, und sogar die letzte Platte fand man noch aufliegeu., als man den Fund im sicheren Unterstände genauer beim Licht der Taschenlämpchen besichtigte. ... ^ c Freilich, als der brave Beutemacher innen Fund wohlgefällig schmunzelnd betrachtete und den Titel per schwarzen Kautschub- platte las, kratzte er sich hinter den Ohien. „Gpod save che fing! Das lvar ja gar nicht, was er erbeuten wollte. Die deutsche Nationalhymne wollte er doch „requirieren". ' Man zog das Instrument auf und ließ es spielen. Wie denn? Das war ja doch „Herl dir im Siegerkranz"! Der kühne Eroberer machte tellergroße Äugen über die Entdeckung. Diese Engländer, diese Spitzbuben! Also auch in der Musik segelten sie unter falscher Flagge? War es zu glauben? Auf der Schallplatte stand „Good save the king" und der Apparat spielte „Heil dir im Siegerkranz"! Einer der Kanuraden freilich nahm lachend den Entrüsteten bei Seite und suchte ihm klar zu machen, daß er diesmal ausnahmsweise die Engländer in Schutz nehmen müsse, da die deutsche und die englische Nationalhymne die gleiche Melodie hätten. Der wackre Soldat aber ließ sich nicht so leicht von der Anf- fassuiig abbttngerl, daß hier ein Täuschungsmanö v e r der Tommies vorlicge. „Den Kerls ist alles zuzutrauen!" meinte er, und seiner Ansicht nach gehöre „Heil dir im Siegerkranz" nicht in einen englischen. sondern in den deutschen Schützengraben. „Heil Kaiser dir!" schmetterte das Grammophon wir zur Bekräftigung, und mit ihm brummten es die rauhen Kriegerkehlen im deutschen Unterstand. __ T die vermischte». * Blockadcbrc chc r i nt amerik a nis chen Bürger- rtcg c. Zur Zeit des ainerikcunscheu Bürgerkrieges blockierten ie Nordstaaten (Unionisten) die .Häfen der Südstaaten (rezessiv- uistenl, nur diese gänzlich vorn .Weltverkehr ab zu schneiden. Das nnu' für die Konföderierten um so fühlbarer, als sie irr bezug aus Waffen, Munition. Bekleidung, Kaffee, Tee usw. vom Auslands gänzlich abhängig loaren. Desto mehr miißte ihnen daran liegen, die Sp-rre so viel wie möglich mit List zu durchbrechen, denn ihrci HöfsililNg, daß England und Frankreich sie von den Fessel): befreien würden, ging nicht in Erfüllung. Zunächst gelang es einigen' klcinci: Dainpscri:. durch das dichte Netz der Blockadeslotteu zil schlüpfen, denen ihre Aufgabe durch die Art der amerikanisch^- Stroinmündungen erleichtert ivurde. Es handelt sich bei ihnen nicbl. wie bei der Elbe und Weser, um euren riesen, sich ins Meer er gießendei: Fluß, sondern nm'Ausströmungen rvir beim N:!. nur daß die Inseln des Deltas nicht sichtbar siird, sondern aus über spülten Sandbänken beß»l?en, zwisclM denen sich tue vielen schissbarei: SV nälc hindurchMichen. Die H,rndelsschliffe, die hier ein r:nd aus' laufen, sind also gezwungen, sich in diesen AvEen zu. halten. Die blockierenden Kriegsschiffe brauchten sich deshalb mrr vor den! Wasserlaufen zu verankern und dort auf der Lauer zu liegen. Man sollte denken, daß es unter diesen Umständen fast unmöglich gewesen sei, irgeird ein Fahrzeug aus dem £mfen heraus oder in ihn dirieinzubrinqeu. Aber weit gefehlt! Da das Durchbreche: der Blockade ungeheuren Gewinn adivarf, so entnnckelte es sich zu einer »vahren Kunst. Vor allem gehörte zweierlei dazu: eine große Geschnnndigkeit der Schiffe und ruhige, mutige Kapitäne^mit einen: tüchtigen Personal und nnerschrockenen Lotsen zur Seide. Dar Kapitän erhielt für eine einzige glücklich ausgesührte Fahrt durch die Blockade gegen 60 000, der Lotse 15 000 Mk. Die Dampfer, die man dazu ausrüstete, waren meist englische Schiffe, die ein«! Geschüvindigieit von 15 bis 17 Knoten laufen konnten und deshalb imstande warm, sich jedem verfolgenden Schisse zu entziehen. Die damaligen amerikanischen Schisse machteil raunt 10 Knoden. Garrze Flottillen solcher Dampfer entstanden, da die Verdienste nach Hunderttausenden zählten. Tie Blockadebrecher unterschieden! fick schon dem Äuge des Laien von weitem von allen anderen! Schiffen: um in der Nacht vom Schaume des Meeres möglichst wenig Lbzustschen, waren sie sämtlich mit grünlichweißer Farbe! 'angestrichen. Von den Mastkörben aus spähten Ausgucker bei Tag und Nacht aus, um vor feindlichen Schiffen rechtzeitig warnen zu können. Die Schornsteine waren so konstruiert, daß sie den Rauch verzehrten und keine Funken gaben. Ost wurde in den Nächten, in denen man durch die Blockade lairsen mußte, mit Harz oder sonstigen weniger Rauch gebenden Substanzen geheizt. Für Passagiere waren die Furten ans solchen Schissen auch bei kurzen Strecken nicht billig. So mußte Major Schubert, der in den Reihen der Sezessionisten kämpste, von einem Hafen der Bahamagruppe nach der blockierten Festung Charleston 600 Mk. und sieben Monade später für die kurze Ueberfahrt nach den Bermudas 1000 Mk. zahlen. * Vom russischen Brief st i l. Eine besondere Eigentümlichkeit des russischen Volkes ist die bilderreiche, überschwengliche und phantastische Ansdrmksform, die in brieflichen Mitteilungen immer wiederkehrt. Will eine Ehefrau z. B. dem Gatten ihre Liebe und Treue beschreiben, so findet sie etwa folgende beliebte Wendung: „So lange der duftige Frühling Bäumen und Sträuchen: rin neues Meid gibt und es ihnen alljährlich inr Herbste wieder! raubt —, so lange unter den Birken das Moos grünt, so lange die Sterne am Abendhimmel strahlen, so lange Gnt und Böse fortlebt uild der Krug zum Brunnen getragen, das Brot in den Backofen geschoben wird, so lange lieb ich Dich' . . Die Phantasie deS Mannes ist in ihrer Liedesbeteuerung nicht ganz so blumenreich, wie die weibliche, und ihre Bilder richten sich meist auf realere Dinge. Zum Beispiel: „So lange die Kuh Milch gibt, das Huhn Eier legt, der Sand am Meer liegt ,md das Schwein Speck liefert, so lange werde ich Dir treu bleiben . . Wbllen sich Verwandte brieflich etwas mitteleilen, so beginnen sie meist damit, sich als Briefschreibende folgendermaßen vorzustellen: „Diesen Brief schreibt Dir Dein treuer Schwiegervater, der Dir seine fleißige, brave und hübsche Tochter zum W^erbe gegeben hat, und Deine Schwiegev- mntter, die Dich zum Glücklichsten unter den Sterblichen gemacht hat, denn sie gab Dich mit ihrer tüchtigen, arbeitsamen und schaffenden Tochter, die Dir nie Kummer bereiten wird, zusammen . . Wesentliche Mitteilungen und Erlebnisse oder Ereignisse werden dagegen kurz, fast schroff abgetan. So wfird die Mitteilung eines' Todesfalls fast in folgenden Worten zusammengefaßt: „Gestorben ist meine Frau, Deine Mutter, die Dich als Mnd gewiegt hat und Dir das Leben schenkte." Bilderreich ist aber wiedermn ivie der Anfang auch der Schluß eines Briefes. Eine sehr beliebte Wendung, die auch bei den Schreibnnkundigen durch die Popen und Schullehrer verbreitet wird, lautet: ,Lch grüße meinen Schwiegersohn! mrt einer tiefen, tiefen Verbeugung von der kalten Erde W zum weißen Gesicht . . Die russischen Frauen, die ihren Männern in die Gesangenschast schreiben, drücken sich blumenreich, auch in der Anrede aus. Können sie nicht schreibe,:, dann legen sie häufig aus ihren oder ihrer Kinder Haaren geferttgte Buchzeichen oder Figuren ein, oft schneiden sie auch aus Papier die Hände und Füße ihrer! Kinder aus, oder ein Jpevfr, auf dem danjn eine fremde Hand geschrieben hat: „dies sind die Hände Deiner Frau, Deines Söyn- chens, Deines Töchterchens, küsse sie, als wären sie aus Fleisch und * Grausamkeiten bei der Pelzaewinnung. Unter dem zavlrerchen Pelzwerk, das vornehmlich der Dammwett K:m Schmuck dient, gehören die feinen Lammfelle, die unter dem Namen Persianer, Astrachan und Breitschwanz bekannt sind, zu den bel:ebtesten und kostbarsten. Sie stamnven aus den asiatischen und südöstlichen europäischen Gebietm des weitm russischen Reiches, Und zwar hauptsächlich aus China, Buchara und Turkeftan. Der kostbarsk unter den drei Pelzarten ist der Breilschwanz, der sich bind) einen herzlichen Seidenglan- und glatte Behaarung auszeichnet. Diese beiden Eigenschaften sollen aber dem Pelzwerk nur erhalten wsrtwn, wenn es von neugeborenen Lämmern stammt. Um alw ein solches Lammfell zu gewinnen, muß das Mutterschaf kurz vvr der Gekurvt des Lammes getötet ,Verben, dadurch erklärt sich schon zun: großen Teil der hohe Preis des Pelzes. Wenngleich diese Gewinnung deS Pelzes durchaus nicht schön zu nennen ist, so ist fl» doch himmelweit verschieden von einer neuen Methode, Me in den Pelz:ändern leider :n neuer Zeit inttner mehr tn Aufnahme aekvmmen ist und die den unerhörtesten Grausamkeiten und Scheußlichkeiten gehört, die mau sich denken kann. Die Kirgisen Dm> Vestans, die als Hauptlieferanten des Breitschwmrzes in Betracht kommen, rufen künstlich aus die gemeinste Weise eine Frühgeburt hervor, um nicht alle Mutterschafe zu verlieren. Sie bearbeiten! das angepflückte, unglückliche Tier auf das unbarmherzigste so-, lange mit Knütteln imb Stücken, bis es unter furchtbaren Qualen das Lamm zur Welt bringt, dem sofort das feine Fell abgezogen tvird. Selbstverständlich gehen bei dieser grausamen Methode viele Mutterschafe zugrunde, aber es sollen doch zwei Drittel der bedauernswerten Tiere am Leben erhalten bleiben, ivas für den Besitzer einen großen Pvoftt bedeutet. Selbstverständlich haben die halbwilden Kirgisen gar kern Gefühl dafür, daß sie unerhörte Unmensch- lichkciten begehen, und auch ein Verbot dieses grausamen Verfahrens würde gar keinen Zweck haben, denn die Nomaden der weiten Kirgisensteppe könne»: daraufhin nicht kontrolliert werden. Auf Besse- ttmg dieser Zuftäiche ist also nicht zu hoffen, aber vielleicht stimmt eS dock» manche Dame nachdenklich, wenn sie bei Bewunderung! ihres kostbaren Bveitschwanzpelzes bedenkt, wieviel Schmerzen und Opalen arme Tiere um diesen Schmuck haben erdulden müssen- Und vielleicht Vertvirtt dann allmählich die Mode diesen Pelz und bevorzugt andere, die nicht auf solche nirmenschliche Weise Wonnen werden. vücherüsch. - Deutscher Wille (Kunst wart). 1. Februar- best 1 S 1 7 . (Kriegsausgabe zu ermäßigtem Preis. Vierteljährlich 3,60 Mk. Verlag von Georg D. W. Eallwey, München.) — DaS Heit ist besonders der Frage der „Neuorientierung" und den diesem Problem naheliegenden Dingen gewidmet. Woligang Schn- »nann untersucht die „Neuorientierung als Schlagwort und als Sache" und behandelt in einem weiteren Aufsatze „Die öffentliche Meinung und die innere Neuorientierung" in ihrem praktischen Verhältnis zueinander. Ein weiterer Beitrag behandelt die „Neuorientierung in der Frauenbewegung". Allgemeine Richtlinien zu dieser durch den Krieg hervorgerufenen neuen Lebensgestaltung bringt ein Rundschaubeitrag „Norm oder Typu»?" von P. Th. Hoffman«, während für zwei besondere Gebiete HanS von Wolzogen und Werner Mahrholz die Zusammenfassung von jüngst gewonnenen Ergebnissen bringen: jener für die Bühne mit dem Aussatze „AB C für Theateridealisten", dieser für die Baukunst mit der Arbeit „Von dem. was der neuen Baukunst am meisten not tut" (mit erläuternden Abbildungen). Hübner bringt in einem Aussätze „Berichten und Ausdrücken" unterscheidende Benimmungen dieser beiden Ge- staltungSformen. Zur amerikanischen Friedenspolitik äußern sich tn entgegengesetzter Weise zwei gewichtige Stimmen: Alfred H. Fried und Otto Corbach. — Ans der sehr reichhaltigen Rundschau fer der weiteren hervorgehoben: Die Entente als Suggereur von Avenariuß, Das Hildebrandslied und wir von Hoffmann, der Bericht über Berliner Theater von Düsel, Vierteltonmnsik von I. Mager, Deutsche Wanderburschen im Orient von Kleinböhmer, Krieg und Partei von Carl Jentsch, Nationalitäten von Volkheiten von Bonns. Besonders gehaltvolle Bilderbeilagen (Robert von Hang und Kurt Kluge) und eine Komposition des jungen Müncheners O. E. CrusiuS sind beigegeben. — Bernd Jsemann: Maria im Tempel. Novellen. Verlag R ü t t e n & Q o e n i n q , Frankfurt a. M. Kart. 3 Mk. — ES gibt Novellen, Erzählungen, deren Größe und Klarheit ein köstliches Gefühl der Ruhe und Sicherheit auslösen, und dann wieder solche, deren ganzer Ausbau, Gestalt und Form trotz vielleicht ge- wollter Einfachheit etwas Atembeklemmendes an sich haben. Zu diesen letzteren zählen die Novellen Jfemanns. Man liest diese Erzählungen von Blatt zu Blatt vertiefter, eifriger werdend, und kann schließlich, wenn man das Buch aus der Hand legt, nicht fassen, warum gerade diese beinahe nur skizzenhaft durchgeführten Bilder ihren Leser nicht loSlaffen, da ihnen doch jede eigentliche Spannung :m heutigen Sinne fehlt und sich die Schilderungen nur auf der Basis real problematischer Erzählungskunst bewegen. Aber der Entwurf ist so genial, die Lösung der ausgestellten und nicht gelösten Menschheitsprobleme so durchsichtig, daß man — und da» ist daS Schöne — das Merkchen nicht schließlich gelesen hinlegt und sagt: „das ist ganz nett", sondern, daß man Nachdenken muß und da» Verstehen für tief menschlich-seelische Regungen emporkeimt und zum Bewußtsein kommt. Pyramide. 3 Vokal. 3 2 Nahrungsmittel. 2 6 3 Volksbezeichnung. 4 2 3 6 Getränk. 4 6 2 3 1 Mitteilung. 1 2 8 4 5 6 Krankheit (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Schwere Artilleriege'erbte. Schri'tleitung: Fr. R. Zenz. ZwillingSrunddrnck und Verlag der Brtthl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.