Königsträume. Roman von Karl Busse. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Durch das Eingreifen ©tartynrö kam die Sc Stehen. Hartnäckig wurden die beiderseitigen »lacht zum Stellungen gehalten: aus keiner Seite war ein Erfolg zu verzeichnen. iDas wilde.Getöse nahm eher zu als ab. Die Schüsse sielen nur vereinzelt. Um so wuchtiger klangen und klirrten Säbel und Sensen aufeinander. „Vorwärts, Brüder, vorwärts!" schrie Maryan Batranski lustig. „Es gibt ein Fressen! Heissa, wie die Hunde fallen! Drauf, drauf!" Die nächsten im Kreise niederhauen, in zwei Sätzen fast mitten in die Feinde stürzen, war eins. Seine Leute hinter ihm drein. „Heissa, heissa!" rief er immer wieder. Auch Wladimir Schbsczynski ging vor. Da krachte ein Schuß „Heiss —!" Das Wort kam nicht mehr zu Ende. Fast unter dem Arm eines verzweifelt init Maryan Batranski Kämpfenden fort hatte ein anderer dem Fröhlichen eine K^el ins Herz geschossen. Er sank sofort unv ohne Laut. Seine Finger spreizten sich, daß der Säbel der Hand entsiel. Seine Leute stutzten, erschraken. Zwei, drei sprangen zu, um den Gefallenen aus dem Gewühl zu tragen. Die ersten beiden sanken selbst nieder. Wie eine Lähmung kam es sekundenlang über alle. Mit Triumphgeschrei drangen die Russen vor. Auch Rybsczynski mußte weichen. Eine Kugel zerschmetterte das Kruzifix. Die Splitter des Holzes flogen über die Köpfe der Männer, die entmutigt die Waffen sinken ließen. „Da, über alles Getöse fort, tönte die Stimme 8chb- sczynskis. Wild schwang er das verstümmelte Kreuz mit dem verstümmelten, mußha,Welten Christus. „Seht hier, Briider, so" — eben ward Marhan Batranski vorübergetvagen — „Men sie eure Leiber! Und so" u- er schtvang das zersplitterte Kruzifix — „eure Seele, eure Religion! Für Gott und unseren Glauben! Mir nach!" Es war etwas Gewaltiges, Hinreißendes in seinen Worten. Hunderte, von entsetzten Augen richteten sich auf das zerschmetterte Kreuz, ein Wutgeheul brach los. dNärthrer des Kreuzes, Rächer des gemißbandelten Gottes wollten sie alle sein. Eine Wollust des Schmerzes packte sie. Tod und Wunden rricht achtend, stürzten und stürmten sie vor, mit keuchendem Atem und glühenden Gesichtern. Die ytussen hielten sich wunderbar. Aber gegen diese nichts achtende Wut konnten sie nicht an. Längst hatten sie die Gewehre umgedreht und parierten mit dem Kolben die Streiche der Sensen, die wie die furchtbaren Schnäbel großer, gieriger Raubvögel ewig über ihnen schwebten und au? sie ein hackten. Und immer jvoran, aufragend wie ein Wahrzeichen, bald hier, bald dort, vor und zwischen den Sensen das zerschmettert« Krein mit dem traurigen Gott. Schrittweise mußten die Russen zurück. Ueber Verwundete und Sterbende stürmten die Polen nach. Auch dt« Flügel, von neuem Kampfesmut ergriffen, avancierten. Um das Gefecht noch einmal zum Stehen zu bringen, ritten die Kosaken in prächtiger Attacke von der Chaussee her gegen den rechten Flügel an. Mer eine leichte Schtvenkung der Rothemden, die furchtbaren Sensen starrten ihnen ent- egen. Nicht aus die Reiter, über Augeu, Nüstern, Mäuler er Pferde wuchteten die Hiebe. Bon Blut geblendet, von dem Schmerze bis zur Raserei gepeinigt, mit zerfetzten Mäulern rasten die Gäule dabin, warfen die Reiter ab, gehorchten nicht inehr. Einige herrenlose geloppierten, wild um sich schlagend, in die Reihen der Grenadiere, niederstampfenb, was ihnen i'm Wege stand, die Verwirrung noch vergrößernd. Und wenn sie mit den blutunterlaufenen Mgen bte Sensen blitzen sahen, stoben sie noch jäher zurück. Es war kein schrittweises Znruckweich-en nrehr, schon drängten aufgelöste Bataillone laufend die hinter ihnen Stehenden auseiirander. — Napoleon Rutkowski hatte bisher scheinbar ruhig auf seinem Platze arrsgehalten. Es zuckte ihm in allen Gliedern. Sein Pferd tänzelte unruhig, er zrvang es zur Ruhe. Es und sich. Fliegende Röte und jähe Blässe wechselten auf seinem Gesicht, je nach dem Stande des Ringens. Es war etwa- Furchtbares, hier hu warten, ohne selbst den Säbel zu ziehen, ohne teilnehmen zu sollen an dem Kampfe, der über sein« Zukunft entschied. Und neben ihm, ein Blld eherner Ruhe, Kasimir Rzonka, der den Kampf beobachtete, ohne mit der Wimper zu zucken. Manchmal lvandte er sich mit eineu kurzen Aeußerung an den Grafen. Knappe Worte, die wie Befehle klangen. „Der linke Flügel muß ans Zentrum Verstärkungen.abgeben!" Oder: „Die Reiter sollen attackieren, die Bataittorro sind erschöpft." TtlS jetzt die Polen auf der ganzen Linie allgewaltig vordrangen, inächtig erfüllt von religiösem Fanatismus, dielt es den Grafen nicht mehr. Mit jauchzendem Siegesscyrei, der sich ihm fast wider Willen entrairg, gab er seinem Pferde die Sporeü und preschte näher. Die Schlacht war gewomum; die goldene Königsfrone neigte sich, lvie lange noch, und der Jubelruf der Sieger, der Leute, die er zum Siege geführt, würde inächtig zu ihm empvrsteigcn! Seine Augen brannten und leuchteten. Da trafen sie einen stillen Zug. Zwei Männer trugen einen Toten. Sie betteten ihn hin, um wieder ins Gefecht zurückzukehren. Der Tote war Maryan Batranski. Mit jähem Ruck hatte Napoleon sein Pferd hochgerissen. Es bäuntte sich kurz aus und stand zitternd. Wie fröhlich hatte Maryan, der Liebling der VNänner und Frauen, heute morgen noch gesungen! Im fröhlichen Borwärtsstürmeu hatte'die Kugel ihn auch getroffen. »0 — PHtfc w hrf Her» war ffe aedruirgen SS gab keine Qual, K n lanasameö Lvsterben. llnentstellt war da- Gericht. eich» aber noch mit einem Schimmer der Fröhlichkeit kmmf. Mart-ari BatranSkis Wunsch war erfüllt. Der UrurgrvH- ter, von denc die Thrvnik berichtete, daß siebenhundert rum im Königreich um ihn geweint Hütten, war schwer- . schöner urrd unentstellter Im Tode «wesen als sein tter Nack,komme. Napoleon Rutkowski schauerte leicht zu- .„nnien. Lanafarner ritt er den immer noch Vordringenden nach Er jauchzte nicht mehr. Kasimir Rzonka hatte iwch einen Augenblick auf dem ß e gehalten. Mit spöttischem Kopfschütteln sah er den en vorn-ürtS sprengen. Im Schritt ließ er sein Pferd JbkcH. T4r galoppierte von der Cbaussee, queri«g über Meid, ein Reiter «ran. Er hielt, muydem er, wie eS schien, vcrz geschlvankt yatte, direkt auf Kasimir Rzonka zu. Da- Vferd dampfte, lvolkig schnob der Brodem atiS den Nüstern rn die kühle Lust. Es waren Depeschen der Nationalregie- runa, die der Bote überbracl-te. Kasimir Rzonka riß sie auf. Sr laS. Dein Gesicht ward finster. Je l«iter er las. um so tiefer ward die Falte auf seiner Stirn. Mit düsteren Augen, die Oberlippe vorgeschoben, blickte er bald aus die Blätter, bald auf die Kämpfenden. Meck-anisch steckte er die Papiere dann in die Brusttascl-e. „CS ist gut. Gey' hinüber zum Krug und stärke dich" Lr wart dein Boten ein Geldstück zu und atmete tief aus. Dann ritt er hinter den» Grasen drein. Die Schlacht schien wirklich entschieden zu fein. Seit dch) verstümmelte Kreuz vor und zwischen den Sensen auf- oebaucht, konnte die Polen nichts mehr in ihrem SiegeS- iairfe aufbalten. Schon treiben die russischen Offiziere Ihre Mannschaften mli blanken Klingen inS Gefecht zurück. Aber tmnlcr lvieder, als ob eine gel-eime mäck)>tige Kraft davon mrsgeht. stärken die Rotbemden sich an dem Anblick deS LruzistLeS, des großen Siegeszeick)etiS, und ihre Sensen werden röter von Blut und heißer von der Arbeit. Mit einenrmal geht ein Scl>reckenSschre.i durch die Glieder. Liner, zwei. drei rufen, hundert folgen. Die Sensen stnken. Alles drängt »vie Verzlveifelt, ratlos nach einer Stelle. Ratlos wie die Herde, der man den Hirten nahm. Mm, sah, wie das Kreuz plötzlich nach recht« schwankte, sich neigte, verfchnmnb Tin Säbelhieb, der Wladimir Ryb- sczyrlSkiS Arm getroffen, war schuld daran. Einen Augenblick hielt sich der Arm iroch Dann fiel er kraftlos. Das Lreuz entstürzte der Hand. die eS vormigetragen. Nur die Däci-sten konnten das sehen. Die onbem mußten und sahen mrr, bt dieselben mehr. Sie wichen zurück. Sie kämpften, aber sie kämpften, nährend ihre Ge- bei dem gestürzten Kreuz waren, sie kämpften hoffnungslos ermattet. Der Himmel half ihnen nicht mehr, die heilige Jungfrau und ihr gel>enedeiter Sohn hatten ihr Antlitz verhüllt und voii ihnen geirxmdt. Als eine dunkle Wolke die Sonne schattete. iom»d die be- rlemrnende Furcht der Sclmren noch größer 'Wie ein Bann senkte es sich herab auf sie; fast willenlos neigten manche oen Streiciren der Feinde ihr Haiipt. In neu entstammtem Kauft'feseiser brausten diese vor. Ihr Geschrei wuchs. Die Offiziere brcruchten die Leute nicht mehr zu treiben. Erst langsani. txinn immer sckweller wurden die Polen zurückgetrieben. Wie ein Verzweifelter kämpfte Ri)bscznnski vnt dem gesunden Arm. „Für Qtott imb die heilige Vuna- fwul" schrie er heiser. Män hörte ihn nicht ° ' 9 „Vorwärts! BorivärtS!" rief Eusebilis voii Degorski ^d^r^prü^elte mit der flachen klinge die Weichenden vor' Der MaryuiS sah fick wild um. Auch seine Leute tat Wanken „Feiglinge l" stieg er zwischen den Zähnen hervor. Napoleon RutkowSki wollte es nicht glauben, daß der sichere Sieg sich noch InS Gegenteil verkehren sollte. Als! endlich nickt mebr daran zu zweifeln war, daß die Aufstän- bischen tatsächlich zurückgingen, ja. zurückgetrieben wurden, stürzte er, hoch zu Roß. mitten unter sie. „Wer ein guter Pole ist —< I" Und wild um sich schlau Send, führte er ein Häuslein von neuern vor. ES nükts nichts. Was von den Kosaken noch auf gesunden Gäulen ritt, attackierte noch einmal. Aus dem Zurückweichen ward mehr und mehr eine Flucht. Napoleon Rlttkowski selbst ward mit hineingertfsen. , Nur eine Möglichkeit gab es noch: die Fliehenden auf den leichten Anhöhen zu sammeln, die das Lager von der Chaussee abscknitten. One raste zurück. Kasimir Rzonka hielt dort drüben. Er mußte raten, helfen — er mußte. Der MarquiS, die Lippen fest zusanrmengepreßt, galoppierte vorbei Ml ihm. „Zu spät?" fcf>ric er. „Zurück! Hier ist nichts mehr »u retten! Zu EzechowSkik" Wie ein Peitschenhieb tras es den Grafen. Er sah nur noch, wie Siga WendrewSki die Leiche Marvan BatranskiS vor fick aufs Pferd !varf. Dann war er bei Kasimir Rzonka. Vor ihnen ein wüstes Ringen und Schlachterl. Auch die Reiben der Russen hatten sich gelöst. Schreiend flüchtete die Mehrzahl der Rothemden dem Walde zu. Die Sensen warfen sie fort. Und dicht ihnen auf den Fersen die Verfolger., Ueberall noch Einzelkämpfe. Dort ein Sensenmann, der sich mit dem Mute der Verzweistung gegen drei Grenadiers wehrte, bis ein Sck-uß ihn stumm machte; dort erbittert ein Säbelkampf zwischen zwei Reitern. Ein Russe, der voranstürmte, ward niedergeschlagen. Sein Tvd ward dreifach gerächt. „Das Signal zum Sammeln. Auf die Hügel!" keuchte Napoleon Rutkowski. Zu Kasimir Rzonka: „Nun?" „Depeschen vor, der Nationalregierung." Er zog sie aus der Brusttasche. „Biel Unglück auf einmal. In Bielsko- Forst ist eine Abteilung von achthundert preußischen Polen, die zu uns stoßen loollten, noch vor dem Ueberschreiten der Grenze zersprengt worden. Aus Verstärkungen ist also nicht zu rechnen. Noch schlimmer: durch kaiserlichen Ukas sind in Litauen und Polen die Pachtaüter den Bauern als freies Eigentum überantwortet worden. Das heißt: die Bauern sind für uns verloren. Die polnische Sache steht schlimm " Nur halb hatte der Graf zugehört. „Das ist unmAlich!" schrie er auf. „Wir müssen siegen „Sammeln Sre! Die Signale, Psia krew!" (Fortsetzung folgt.) vor hundert Zähren! Aus dem Wirtschaftsleben und der Verwaltung der Stadt Gießen. (Nach der „Bürgermeister-Rechnung" von 1817.) Don Dr. H. Berg 6 r - Gießen. Bor hundert Jahren war Gießen noch eine kleine Ackerbaustadt Es zählte kaum 6OÖ0 Efinvohker, nach der Berufstätigkeit zur Mehrzahl Landwirte, Fuhrleute und kleine Gewerbetreibende die neben dem Handwerk als Nebenerwerb Ackerbau und Viehzucht belieben. Dementsprechend bot auch die äußere Physiognomie mancher Stadtteile mlt ihren Scheunen, Stallungen und Miststätten hinter unb neben den Wohnstätten dem Fremden, der seinen ftnft in die ^tadt setzte, ein fast dörstiches Aussehen. Zur Verkehrserleick^ terung beim Ansagen von Einquartierungen und beim Erheben von Steuern und Al>gaben war die Stadt nach den vier Stadttoren in wer .Quartiere" eingeteilt. Bon einer großen Anzahl von Häusern, Scheunen. Stallungen und Miststätten wurde, wenn sie n a ch v mT tTieß- stände, Schühenhaus hinzieht, war früher städtisches Eigentum, wurde parzelliert und an Gietzener Einwohner verpachtet, lieber 600 einzelne Personen waren Pächter der „Triebviertel", so benannt, weil das betreffende Gelände, ehemaliger Wald, abgeholzt oder abgetrieben worden war. Tie Pacht von den Triebvrerteln ergab im Jahre 1817: 8 6 7 fl. Tie einzelne Parzelle kam jährlich aus ly 2 fl. zu stehen. Tie Lehrer am „Paedagog" (Gymnasium) hatten von den Triebvierteln 1 Morgen, zu 4 Stücken eingekeilt, die Professoren bei der Universität 7y, Däorgen, iji 15 Stücß: eingi'teilt, in freier Berrutzimg nach einem im Jahre 1605 bei der Gründung der Universität erteilten Privileg. Tie städtischen Wiesen wurden gleichfalls in Vierteln zu je 8 fl., 2 fl., 1 fl. 15 alb. verpachtet. Hieraus ergab sich eine Pacht von 8 1 3 fl. Pächter waren 387 Personen. Tie sogenannte „Wald- Inspektion", Forst Verwaltung, zahlte an die Stadtkasse von oer- vauftem Holz: 1000 fl. Tie Anforderung von „Be de gel- d e rn"^lKommimalsteioern), so benannt, weil sie durch die Bitte an die Stände bewilligt worden waren, ergab von den Bewohnern der Stadt: 118 1 fl von bei „A usm ärkern" die diesseits und jenseits der Lahn wohnten 101 fl., insgesamt: 1 28 2 fl. Bon der „Stadttchulden-Tilgungskasse" gingen durch Aufnahme von Kapitalien an die Dtccktkasse über: 85 7 6 fl. Bon der Groß- herzoglichen „Landes-Kriegskommissian" wurden als „französische Etappengelder" aus den Kriegen 1813 urrd 1814 an Zinsen und Obligationen: 1019 fl. überwiesen. 9lus „Wagegeldern", Chaussee- und Brückengeldern, wurden erhoben und durch den Großh. Zollbeamten rbgetiefert: ^88 fl. — Gießen hatte im g ohre 1817: 8 Jahrmärkte, Vieh- und Krämermärkte: sie 'len auf Petri (22. Februar), auf Laetare, aus die Woche nach! stern. auf Himmelfahrt auf Mariae Heimsuchung, aus Bartholo- moei (27. August), auf Michaelis (September) und auf den 88. Oktober. Tiefe Märkte wurden vor der Bleiche an der Lahn abgehalten. Kauflustige deckten hier ihren BÄ>arf an Vieh und an Verbrauchs gegenständen für den Haushalt, da es in der Stadt wich wenig Kaufmannsladen gab. Das „Standgeld" auf dem Krämermarkt erbrachte 9 3 fl. An „Unterkauf" und Standgeld kür das Vieh ging«! insgesamt 4 6 6 ff ein. Ter „Unterkauf"' stnrd vor Beginn des eigentlichen Vkrrktes statt. Der „ilnterkäuser" war der Handels Vermittler zwischen frencken Verkäufern und einheimischen Käufern. Er hatte das Kaufgut auszusuchen, zu prüfen und für die richtige Lieferung zu sorgen. Fremde, die sich das Gießener Bürgerrecht erwerben! woltten. hatten sich in die Bürgerschaft einzuraufen. Männer zahl- den das Bürgergeld mtzt 9 sl., Frauen das Aufnahmegeld mit je 6 fl. 22 alb., insofern sie in Gießen einheiraten »vollten. Im ganzen wurden ini Jalwe 1817 22 Personen in die Bürgerschaft ausgenommen, 9 Männer und 13 Frauen. Sie stammten aus dein Nas- «urschen, aus Württemberg, aus Hanau, aus anderen hessischen Orten: eine Frau war aus Bonnevil bei Paris. Tie ,reuen Bürger E außer dem Büraergeld 1 fl. 15 alb. zu den städtisches gerätschaften zu zahlen. Wer das rrotige Grundvermögen oder nicht Nachweisen konnte, envarb sich durch Zahlung von 1 ft. 15 alb. als „Bersasse" gewiss« städtische Vorteile. Es befanden sich unter den neuen Beisassen des Jahres 1817 8 Witwen und 6 Post- kn echte. Gießen betrieb damals bedeutende Viehzucht. Von den einzelnen Beirtzern wurden für das zur Werde getriebene Rindvieh an Weidegeld 121 fl. bezahlt, für das Weiden der Schafe 365 fl. — Auf den Wochen Märkten hatten Bäcker und Metzger das Recht, in der söge- pmrnten „Schrrn", in k^sonderen Berftmfsständen. ihre Waren fett tu bieten, wie dies noch in anderen Städtchr. so in Cassel, heute noch der Fall ist. Tie Bückerzimft zahlte für dieses Recht 4 fl, die Metzgerzunst 7 fl. Für das Läuten der großen Glocke bei Beerdigungen wurden 1 fl. 15 alb. gezahlt. Rur 8 Personen wurden 1817 zu Grabe geläutet eine verhältnismäßig geringe Zahl bei einer jährlickZenj Sterbezrffer von 158 Persorren. , , Die (Skfmirtcimtabme der Stadtkasse betrug im Jahre 1817 1 « o 7 1 fl. Ilalb. 2'/r P f g. Wie rettet sich die Mannschaft einer gesunkenen Unterseebootes? . Urrs unrd geschrieben: Im allgemeinen ist die Ansicht vor- herrlck^ird daß der lU-Bootdienst außerordentlich gefährlich sei. Von Facküeuten wrrdau der, Hand der Statistik diese Ansicht als j£5? bfreichnct. Allerdmgs st.llt der Dienst auf einein U-Boot sehr hol)« Antz>rderungm an dre körperlichen und geistigen Fähigkeiten ml unb Mannsckiaften, wotji entbehrt das U-Boot geglichen wolil besteht bet gemeinsam! *7 «F cr operierenden Booten eine verstärkte Kollisionswsahr der Besatzung der U-Boote und die Vertrautheit ^ Mamrschaften mit ihren Fahrzeugen bringen es bre Unfallziffenr der d.blindeii Waffe" wie inan so häufig die Unterseeboote nennen hört, unr ein glttes Ä^lil ge^ ringer geworden. _ vermischtes. n b « n b u r g 8 Kartoiselsieg. DaS Ergebnis der neuen Kartoffelsorte Hindenburg-, daS die dem Institut für GarungSgewerbe in Berlin angeqliederte deutsche Kartoffelkultur- Nation dem Generalieldmarfchall v. Hindenburg bekanntlich tele- gravhisch mitgeteilt hat, muß als ein hervorragend glänzendes be- leichnet werden, und dies um so mehr, al« das vorige Jahr infolge der ungünstigen Witterung ein besonders schlechtes Kartoffel- tahr gewesen ist, ja daS schlechteste, das wir seit langem erlebt haben. Wenn also in einem so schlechten Jahre die Sorte »Hindeii- 92 bürg" eine so vorzügliche Grcttta, ergab, so dürien wir mit Bestimmtheit erwarten, daß sie in einem besseren Kartoffeljahr, wie eS das Jahr 1917 hoffentlich fern wird, erst recht die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen wird . . . Die Kartoffel ist natürlich nicht das erste unserer Nahrungsmittel, das den Namen des Generalfeld- marfchalls von Hindenburg zu tragen die Ehre hat. Viele landwirtschaftliche. auch gärtnerische Neuzüchtungen, wie Erdbeeren, aber auch Rosen, Astern, Chrysanthe,neu usiv. sind der Kartoffel vorangegangen. Auch Hindenburg-Heringe gibt es oder richtiger gesagt ha, es gegebea bis zu der Zeit, in der nach Festsetzung u£m Höchstpreisen die Heringe vom Markt säst gänzlich verschwunden sind. Auch in. der feldgrauen Namenwelt darf selbstverständlich das Wort Hindenburg nicht fehlen. Speckerbsen heißen im Felde ganz allgemein Hindenburggranaten, und die Marmelade, die hm- sichlllch der Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit der feldgrauen Na,neu einen von keinem anderen Gegenstände auch nur annähernd erreichten Rekord geschaffen hat, hört auf so schöne Bezeichnungen wie Hindenburg-Butter, Hindenburg°Cren,e, Hindenburg-Fliegen- länger (= Fliegenfängerlei,n) usw. Ter letzte Name hat sicher Bezug auf den noch heute im Felde viel gebrauchten Ehrenbemamen Hindenburg»: »Ter Rusienfänger. . .* Noch aus einem besunderen Grunde, so schreibt uns ein Mitarbeiter, darf man den Sieg der KartoffeUorte .Hindenburg" freudig begrüben. Er wird hoffentlich ein für allemal dem leider noch viel gebrauchten, aber gänzlich unrichtigen Sprichlvort ein Ende machen: .Die dümmsten Bauern haben die größten Kartoffel,i\ das noch verschiedene .gebildete^ Umschreibungen erfahren hat, wie etwa: .Tie in der geistigen Entwicklung und Intelligenz am meiste,» zurückgebliebenen Oekonomen pflegen bei der Kartoffelzucht die glänzendsten Resultate zu erzielen. Ta» Sprichwort ist in der ersten Zeit des Kartoffelanbaues iu Deutschland entstanden, als man die rationelle Pflege und dre Kulturbedtngungen dieses neuen Zweiges der Landwirtschaft noch nicht kannte und sich bei dem Anbau der netten Frucht ganz dem Zufall überlassen mutzte. Da kam es häufig genug vor, datz ein tüchtiger und intelligenter Landwirt eine Mißernte in dieser Knollenfrucht zu verzeichnen hatte, während sein beschränkter und minder strebsamer Nachbar um so n,ehr von. Glück begünstigt ivurde. Heute liegt aber die Sache ganz anders. Heute hat nur ein intelligenter Landwirt auf die Tauer Erfolg in der Kartoffel- zucht, und da» in Rede stehende Sprich,vort trifft nur dann zu. wenn man eS in fein vollständiges Gegenteil umkehrt: .Tie klügsten Bauern haben die größten Kartoffeln." Hoffentlich trägt der Sieg der .Hindenburg"-Kartofiel das Setnige dazu bet. um der fachlich durchaus berechtigten und begründeten Umkehrung des vielzitierten Kartoffel-Sprichwortes in den weitesten Kreisen Anerkennung und Geltung zu verschaffen. * Albion in Nöten. Uns wird geschrieben: Der Mangel an Laderaum, verursacht durch die außerordentlich starke Heranziehung von Handelsschiffen zur Kriegsdienstzwecken und durch die immer energischer werdende Tätigkeit unserer U-Boote, macht sich Orangeat, das bis ins Unerschttnngliche steigt, tvird bekanntlich nicht bei unseren Feinden, und vor allem M den Engländern, immer unangenehmer bemerkbar. Ec spiegelt sich besonders in den vielen Vorschläge,! zu seiner Behebung in der Presse deutlich ab. Dazu tritt der Mangel an See- und Schanerleuten, sowie an sonstigen Arbitern durch die bis znr äußersten Grenze der Möglichkeit getriebenen Einziehungen zum Heeresdienste und pur Munitionsherstellung. Die Folgen »eigen sich sehr deutlich in dem schnellen Steigen der Preise fast aller Lebensmittel und Bedarfsartikel. Hand in Hand damit verliert das Geld täglich an Zablkraft. Mögen die Bankkurse noch so schön zu stehen scheinen, die machte schon im vergangenen April darauf aufmerksam, daß der Sovereign (daS englische Pfund Sterling) nur mehr eine Zahlkrast von 11 s. 2 d. habe, und das ist inzwilchen noch ganz bedeutend schlimmer geworden. Als neuestes Hilfsmittel zur Steigerung der Ladefähigkeit der rwch für Handelszwecke verfügbaren Schiffe empfiehlt die „Times" jetzt die Ausnützung der durch Schutzbauten gesicherten Teile des Oberdecks auf den Dampfern, mrd der Verfasser rechnet — auf dem Papier — hierdurch einen Zuwachs von 250000 Netto- Tonnen an Frachtraum Herauls. Diese Zahl ist natürlich, um den Lesern eure kleine Freude zu machen, chel zu hoch gegriffen. Der durch die Ausnützung der Schutz-Decke vermehrte Laderaum ist natürlich nur für einzelne Waren zu verwenden, die dem Verderben durch die Feuchtigkeit nicht ausgesetzt sind. Nebenbei käme einerseits die Frage doch sehr in Betracht, ob hierdurch nicht die Gefahr des Kenterns infolge der Belastung der Deckaufbauten zu sehr erhöht würde, tvährend andererseits jede einzelne Versenkung eines so bis zum äußersten vollgeladenen Dampfers einen doch umso empfindlicheren Schaden verursachen würde. „Uns kanns ja gleich sein .... desto besser gibts aus," sagt man auf gut münchnerisch. Auf jeden Falt geht aus alledem die Notlage der Gegner recht deutlich hervor. Das Gejammer, Geschimpfe und die Hin und Herraterei in der Presse, die Benichung von Linienschiffen zu Truppen- transporten (wie im Falle „Susfren" und „Gaulois"), das alles läßt uns einen tiefen Blick in die wirkliche Lage unserer Feinde tun. Jedes von uns neu in den Dienst gestellte U-Boot wirkt auf sie wie ein furchtbares Menetekel; dabei wächst die Zahl dieser Boote naturgemäß ständig mit der weiteren Dauer des Krieges, und mit ihr reichst die Zahl der versenkten feindlichen Schisse, und damit steigt bür die Gegner langsam und sicher das grauenhafte Gespenst der Not und des Hungers herauf, das sie so gern über uns verhängE hätten. vüchertisch. - Neue Irauenklei dung und Frauenkultur. Organ des Verbandes für Deutsche Frauenkleioung und Frauenkultur. Schristleittlug Klara Sander, Else WtrminghauL, beide in Köln. Verlag der G. Braunschen Holbuchdruckerei n, Karlsruhe. Jährlich 10 Hefte in Hoch-Qilart mit zahlreichen Abbildungen und Zeichnungen auf Kunstdruckpapier, sowie S ch n i t t musterbogen. Preis fürs Jahr 6 Mk., fürs Halbjahr 3 Mk. Probe- beste »tnberechnet und portofrei. - AuL dein Inhalt des Februar- Heftes : Sprachreinigung im Webstoffach. — Körperliche Kultur, vr meä. Fritz Weißwange, Dresden, -f. - Ein Beitrag zur Krieg»- 'trobe. — Ländliche Arbeitskleidung. — Verschiedenes: Neue Ge- sichtSpilnkte zun, Bevölkerungsproblem. — Von ehrena,nlltcher Arbeit der Frauen. — Der Film im Dienste der Aufklärung. — Bücherbesprechuilgen: Deutsche Feste und Volksbräuche. — Die Giltsfrail. - Die gebildete Frau ein Berater für den gesellschaftlichen und geistigen WirkunaS- und Pflichteiikreis. — Ter Krieg in den Tiefen der Me»,schheit. — Geschichte der deutschen Lyrik seit Claudius. - Vereinsmitteiluugen. - Beschreibung der Kleider. — Schnittmusterbogen. — K r o »» e n ° B ü ch e r. Band 32: ,T> ie bunte Reihe*, Roman von Fritz Mauthner. Preis gebimden 1 Mk. (Kronen- Verlag, G. m. b. H., Berlin S.°W. 68.) — Kürschners B ü ch e r s ch a tz. Band Nr. 1100: Stil l- vergnügte Geschichten. Novellen von Otto Ernst. — 95 Seiten Umfang. — Preis 20 P'g. — Herrn. Hillger Verlag, Berlin W 9, Potsdamer Straße 124/125. Gietzener Hausfrauerr-Berein. Kochanweisungen. Pichet ft einer: y* Pfund Schttveine- oder Rindfleisch. 2Vr Pfund geschälte Kartoffeln, 3 mittlepe Mohrrüben, 1 Stück Sellerie, 1 mittelgroße Zwiebel, etwas Petersilie, 5 Eßläffel Fett oder 100 Gramm Mark, V« Liter Fleischbrühe oder Wasser, Sal-, Pfeffer, Paprika. Das Fleisch wird in Würfel geschnitten., tm Kartoffeln in Scheiben, das Suppengrün in .feine Würfelchen, In einen gut verschließbaren Topf tut man das Fett, gibt eine Lage Kartoffeln darauf, dann Fleisch und Suppengrün, Sal» und Pfeffer. Ndrn fährt mit denl Einschichteu fort und legt als oberste Lage Kartoffeln, gießt Fleischbrühe oder Wasser über und kocht das Pichelsteiner stark an,. dann wird es bei mäßiger Hitze fertig gedämpft. Oeffnen des Topfes ist zu vermeiden. Kochzeit ly* bis 2 Stunden. Quarkklöße. 500 Gr. gekochte Kartoffeln reibt man, mischt sie mit 375 Gr. fomgeriebenem Quark, fügt 50 Gr. Grieß, ymt{ Eßlöffel Mehl, Salz, Pfeffer, 1 kl. geriebene Zwiebel und etwas gewiegte Petersilie (jin^u, formt längliche Klöße von der Masse. Sie werden flachgedrückt, in Fett lichtbcauu gebraten und zu grünem Salat oder Spinat gegebeil. Schmarn von Quark. 500 Gr. Quark rührt man recht fern, gibt 1 Eigelb, 1 Eiersatz, 40 Gr. Grieß oder Maisgrieß, 50 Gr. Mehl, 100 Gr. Zucker, 30 Gr. »erlassenes Speisefett und soviel Ddagev- oder Trockenmilch hinzu, daß ein dickflüssiger Teig ^entsteht, unter den man den steifen Schnee des Eies zieht. Mcür backt dünne Pfannkuchen von der Masse, reißt sie mit der Gabel in Stücke, röstet sie mrter ständigem Rühren weiter, bis sie überall goldbraun sind. Man gibt k«des beliebige Obst dazu. vilderrötsel. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Rätsels in voriger Nummttl Ecbneestnrm. Schrntlettung: Fr. R. Zenz. — Zwlttmgsrnnddruck und Verlag der Brühl'scken Universitäts-Buch- und Steiudruckerei. R. Lange, Gieße»«.