Königsträume. Roman von Karl Busse. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „ Kascha Kaczmarek hatte das Bildwerk nur durchs Mnjter :n Nachten gesehen, und da hatten ihre Augen auch *}? den Schöpfer geMt, nicht das, was er schuf. Erft jetzt, atv sie das ^uch abgezogen, starrte sie es an. Sie hatte das ' u,lc 9 m öer Hand, einen Zipfel davon, der andere lag mn Boden. Auch ihre Augen wurden immer größer, aber auf ihren: Antlitz tag nicht der Friede. Tin weher, wilder Zug Prägte sich darauf aus, ein Zug Unbestimmter Qual. Wie forschend, mit irrem, verzweifeltem Suchen, schweiften ihre Blicke über das Bild der heiligen Jungfrau und des Jesusknaben. Und von dem Bildwerk sah sie zu Juschu Laskowicz. Ihre Äugen fanden sich In den einen stand der Friede, in den anderen standen viel wehe Fragen. Und mit einemmal lächelte der Krüppel ihr zu — mit demselben lieben Lächeln, dem ihr der Knabe einst entgegengesehen, mit demselben Lächeln, das sie gegrüßt hatte, als sie die Nase vor so vielen Jahren an den Scheiben einst plattgedrückt. Sie glaubte es nicht; ruckweise ging es durch sie hindurch, wie heiße Strönie überflutete es ihr Herz, die heißen Ströme stiegen, stiegen, unnatürlich weit öffneten sich ihre S en, aber sie sahen immer dasselbe, sahen das alte, liebe eln, das sie so viele Jahre nicht mehr gesehen hatte. Und da stiegen die heißen Ströme noch höher. Unsicher Machte sie ein paar Schritte Vvr, und Plötzlich liefen die Tranen, überstürzten sich, überschwemmten ihr Gesicht. Ein Wernen war's, erst kurz, krampfhaft, dann ganz willenlos, unaufhaltsam. Bor seinem Bette stürzte sie meder, legte ihre Stirn auf die Kante und weinte. Die Sonne leuchtete inrmer siegreicher über den Todkranken, über das dunkle Mädchenhaar, über die Madonna mit dem Kinde. In Licht und Sonne lag der Krüppel. Er war zurückgesunken. Sein Werk stand vor ihm, grüßte ihn, neben ihm war Kascha, die gute, wilde Kascha, seine Spielgefährtin. O, die Dorfstraßc, und wie sie gespielt hatten, und wie das Ding immer zu ihm gehalten! Er lächelte. Er hatte sie lieb. Sv> sollte os immer bleiben wie jetzt. Denn jetzt hatte er alles. Er wollte reden, er wollte „Kascha" sagen. Er ließ es. Die Erinnerung an nna schien mit der Vollendung seines Werkes ganz von ihm abgekallen zu sein. Er war" wieder, der er "einst ge- wesen. Und einst hatte er vor allen andern Kascha Kaczmare! lieb gehabt. schien alte Not adzufallen, aller Trotz, alte Kümmernis. Alles war gut so. Sie dachte: Nun tat geh Sie weinte noch imnrer, ohne aufznsehen. Auch von ihr " r " t, aller Trotz, alle Erbitterung, auch der Stoß nicht mehr weh, der Stoß, den er mir da* mats von der Leiter aus gab. Die Zeit verrann. Linder wurden die Dränen. Die- Knre taten ihr weh auf dem harten Boden, aber sie sollten noch tausendmal mehr weh tun, wenn sie hier nur so liegen konnte. Sie fühlte, wie Juschu Laskowicz seufzte, sich llrrz steckte. Er hat mir zugelachelt, dachte sie. Immerfort dachte sie dasselbe, und ihr verweintes Äesicht lächelte auch. Es war still, es blieb still. Leute redeten draußen, sie gingen vorüber. Eine Stunde ging vorüber. Dann plötzlich dachte Kascha Kaczmarek: Wie sehr still es ist. Das Herz hört man schlagen. Sie lauschte aus das eigene Herz. Und es war immer so stlll, zum Fürchten still. Die Stille lag auf ihr. Sie hatte Angst vor dem ersten Geräusch, das sie machen würde. Sollte sie aufstehen? Lange, bange Minuten fragte sie sich. Das Bein wollte ihr einschlasen. Und mit jähem Ruck dann, als könnte sie nur so sich selbst befreien, als sollte daß. lvas geschehen mußte, schnell geschehen, erhob sie sich. Da lag Juschu. Ihr Gesicht veränderte sich. Er schläft, dachte sie. Ganz still, noch mit dem Lächeln ans den Bügen, schlief er. 9tur eine kleine Schmerzsalte war da. Sie machte das Lächeln seltsam. Er schläft, dachte Kascha Kaczmarek wieder, und dabei wußte sie, daß es etwas anderes war^ aber immer wieder sprach sie in ihren Gedanken zu sichr Er schläft! Sie berührte seine Stirn. Er wird frieren, ich mutz Feuer anmachen! Biel Feuer! Dabei schritt sie zum Ofen. Aber sie hatte ihn noch nicht erreicht, als sie sich umdrehte, mit halbem Schrei an das Bett zurückstürzte und nun ganz klar wußte, begriff, sich sagte, daß er nicht schlief, daß er tot — tot — tot war! Es stürzte so auf sie ein, daß sie zu keinem Schmers kam, daß sie halb mechanisch nur stöhirte. Er war tot. Jetzt N>ar er gestorben, wo das Leben für sie begann oder beginnen sollte, wo . er ihr mgelächelt chtttei in alter Liebe. Sie lächelte zag, denn sie dachte an sein Lächeln. Und nur- niemals wieder. Er war ihr geraubt für alle Zeiten, epst geraubt vom Leben, dann geraubt vom Tode. Blitzartig stand die Szene am Tage des Brandes wieder vor ihr. Hanna von Graßnick hatte er gerettet, nicht sie. Alles bäumte sich in ihr auf. Mörderin? schrie es tm ihrem Herzen. Ihre .Hände ballten sich; sie wollte nach dem Schloß stürzen; sie wollte der Baroneß auch ins Gesicht dies furchtbare Wort Mörderin! rufen. Da traf ihr wilder Blick das hell von der Sonne beschienene Bildwerk. Ihre hochaufgestreckte Gestatt hielt sich einen Augenblick starr, dann, sank sie gleichsam mehr und mehr in sich zusammen. Was sie vorhin gequält, was sie gesucht hatte, jetzt wußte sie es, jetzt begriff sie es. Immer kleiner ward sie, immer scheuer sank ihr Haupt. Und dasi Bildwerk leuchtete in der Sonrre; Licht und Segen schienen gleichsam von ihm auszuströmen und das ganze Gemach I 1 iu erfüllen. Klar und friedvoll sckauten die feigen Augen er Gottesmutter , was Kascha Kaczmarek darin gesehen. Dann erfaßte ihn eine bleierne Müdigkeit. Viele Meilen war er ja marschiert; wie ein Wild hatte er sich durch den Grenztvald und den preußischen Militärkordon schleichen müssen. Und die Erregung, die ihn hier erwartet, hatte das Ihrige noch dazu getan, um ihn todmüde zu machen. Er warf sich auf sein Lager und verfiel in einen bleiernen Schlaf. Er erwachte erst daraus, als es schon dämmerig wurde. Sein erster Gedanke war, daß inzwischen die Brüder über der Grenze ohne ihn null den Sieg schon erfochten hatten. Dann erst kam ihm sein Kind ins Gedächtnis. Und wieder saß er in stummem Brüten vor dem Lager. Immer dunkler ward es. Er zündete kein Licht an. Er fuhr erst ans, als es leise klopfte. „Gelobt sei Jesus Christus !" sprach eine ttefe, bedrückte Stimme. Sie sprach leise. Ob wegen der Leiche, ob wegen der Dunkelheit, man konnte es nicht sagen. Michael Laskowicz hatte kurz den Kopf erhoben. Ein mißtrauischer Blick suchte das Dunkel zu durchdringen. Er traf auf etwas Glänzendes. „Nun ist es also tot, das kranke Hühnchen," sprach die gepreßte Sttmme wieder. „Möge er bald abgebüßt haben und eingehen in die ewige Seligkeit." „War er bei dir, Peter Wroblewski?" fragte der Schmied. Der Gendarm schüttelte den Kopf. Es klirrte etwas. „Alles müssen wir ertragen lernen, auch das Schwerste, Michael Laskowicz." „So ist es. In der Jugend denkt man an nichts; im Mter ist man gefaßt und wartet." Es wurde immer noch leise geredet. Dann räusperte sich Peter Wroblewski. „Was ich sagen wollte: es ist drüben noch Arbeih, Freundchen! Man sollte vielleicht hinübergehen. Was meinst du?" „Ich komme von dort," brummte der Schmied. „Gerade wer von dort kommt! Es ist besser!" Michael Laskowicz hob den Kopf wieder. „Wso du meinst das?"" „Nichts mein' ich, Bruderherz! Wo werde ich denn? Ich rede nur so hin. Es gibt welche, die immer vor sich hinreden. Unter anberm auch: Bleibe nicht hier, gehe in die Wälder, gehe nach drüben! Wahrhaftig, es gibt Leute, die so reden. Ich jedoch sage nichts. Bon mir wirst du nie etwas hören, denn ich tue meine Pflicht. Streng, Freundchen, sehr streng bin ich!" ö vujer 6s kam gedruckt heraus, fast kläglich und mit Angst. Peter Wroblewski nahm den Helm ab und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Der Schmied war aufgestanden. Er ging ans und ab, mit schweren Schritten, aber langsam, urn nicht im Finstern irgendwo anzustoßen. Immer wenn er an dem Gendarmen vorüberkam, zog dieser den Fuß zurück. icoriiciümq uuat. von der Zchönhkit unserer Heimat. Bon Regievungsbanmeister See ger. Der gegenwärtige Bölverkrieg hat neben der grauenvollen Vernichtung bod) auch Wertvolles zutage gefördert, vecheißungK- volle Keime gelegt. Unser Bolksbewnßtsem fachte er mächtig an, die Hohlheit mancher Auslandtümelei ist uns offenbar geworden In Zukunft fall das auch nickst von roeit her" kein Minderwertig-! keits-Stempel mcfyt sein. Dies wird hoffentlich auch im Reiche der Kunst gelten. Der ans gepeitschte Bölverhaß kann noch jahrelang von frenrdem Land nnd Kultur uns sernzuhalten suchen, aber schädigen soll er uns nickt damit. Iw Gegenteil wieder dazu beittagen, daß wir unser Heimat-, land urn so inniger kenneii ulid lieben lernen. Uiid manches ist da noch nachznholen! Unser heimatliches Museum besucheil imr am allerioenigsten, »venn wir auch auf Reisen es für unsere Pflicht gehalten, alle erreichbaren Kunststätten „mitzuncymen". Die landschaftliche Schönheit der Umaebimg schätzt man nicht eben hoch ein, tveil zu leicht lstnzuVommen ist. Berühmte Schlösser mrd Dome der Nachbarstädte hat man irgend wann einmal besichtigt — als unser« Gäste vielleicht sie sehen wollten. Wer so wie wir hier an der Lahn mitten unter hochbedeutsamen dauten unserer stolzen Vergangenheit wohnt, der ist es sich eigentlich schuldig, sie wirklich kennen zu lernen. Allerdings ist landschaft» tiche Schönheit, VaS Gebirge, die See leichter zu genießar, alZ gerade die «Verte der Hoden Baukunst. Gemälde, des Bildhauers »Berte, wie sie die Museen füllen, sprechen auch eine leichter verständliche Sprache, als gerade die Architektur. Ja sie ist eine spröde Kunst, sie will umworben sein! Wer die alten verwitterten Mauermassen mit gleichgültigen Bltck nur streift, der tarnt nicht erwarten, daß, ein jahrhundertealter, überlieferungs- ftolzer Bau ihnen seine Schönheit bereitwillig enthüllt. Jedes Kunstwerk höherer Art ergibt sich nur dem, der vorbereitet sich naht. Gewiß wird der Musikalische die Schönheit enter Wagner-, vper empfinden, wenn er auch gänzlich unvorbereitet das unbekannte Werk vorüber ziehen sieht, aber wirllich erschöpfend würdigen kann es nur, wer sich in Dext u.td Partitur verrenkte. Die Schönheit ganz aus kosten kamt das empfindende Gefülst nur dann, wenn der Schönheit erfassende Verstand es vorbereitet. Und nicht Miletzt auf dem Gebiete der Architektur. Leicht wrrd der nachdenllickie Wanderer die architektonische Umgangssprache verstehen, wie sie unsere Dörfer reden. Tie kühl und etwas abweisend sich voneinander getrennt haltenden niederdeutschen Siede- Hungen atmen norddeutsches Wesen. IN den farbigen Fachlverks- hLusern unserer Gegend, die sich in fröhlichem Drängen rmt die alte Kirche crufbauen, spiegelt sich etwas von Temperament unseres' Menschenschlages. Schwieriger ist es, von altersgrauen Zeugen unserer mittelalterlichen Groß^Baukunst Antwort zu erhalten über Nam' und Art. Da hilft es auch nichts, vom gedruckten oder lebenden Führer geschichtliche Einzelheiten herunterleteM Nl hören. Dem Kunst werk kommen wir damit nicht näher. Man muß, schon versuchen, dies Sprache der Steine W erlernen, will man sich von alten Domen und Schlössern geheime Schönheiten künden lassen. Vielleicht gehört auch etwas wie architeftoniscli-musikalisches Gehör dazu, wie es letzten Endes nicht erlernbar, sicher aber altsbildungsfähig ist. Wie also sich ausrüsten, um bis zu den letzten Geheimnissen Und Schönheiten eines Kunst-Bau »verkes vorzudringen. Sicher müssen wir uns bis zu einem, gewissen Grade das wissenschaftliche Rüstzeug verschaffen. Für die nackten Tatsachen der Baugeschichte können wir uns durch den Führer «ausklaren lassen. Vielleicht haben wir auch aus den „Deutschen Tomen"*) oder einem anderen Buch neben vorzüglichen ^Abbildungen (entert krnzen Abriß bet Entstehungsgeschickte kennen gelernt. Denn man geht doch mit ganz anderen Empfindungen an das Schauen eines Baues, wenn wir Uns durch den Sinn gehen lassen: dieser Turm hat schon auf Kaiser Rudolfs Zeitgenossen herabgeschaut und durch jenes Portal schritten die Reformatoren ans und ent! Neben der gefühlsmäßigen Beeinflussung, die uns empfänglich macht für das Können und Wollen vergangener Geschlechter, weisen wir auch dem kritischen Verstände etnert angemessenett Beobachtungsstandpunkt an. Denn es ist ja uns Menschen aus der Zeit der Millionertstädte mit Wolkenkratzern, der riesigen Bahnhofs Hallen schwer gemacht, mt Bauten noch die Großartigkeit Ku sehen, die mittelalterlichen Geschlechtern überwältigertd vorkam. Wir müssen also, um zum richtigen Eindruck zu kommen, diese Bauleistungen nicht absolut, sondern ans ihrem geschichtlichen und örtlichen Zusammenhang zu werten suchen. Was >oar denn so eine freie deutsche Reichsstadt, als sie vor einem Halben Jahrtausend mit dem Bau ihres Domes begann? Ein mittleres Landstädtchen vielleicht, nach unseren Begriffen. In diesem Zusammenhang nimmt sich Wucht und Kühnheit eines solchen Baues schon weserttlich anders aus. Je mehr wir uns in die zeitlichen und kulturellen Vorbedingungen alter Kunstwerke versenken, um so höher steigt unsere staunende Lichtung vor den Leistungen unserer Vorfahren. Jedoch nicht niur das „Milieu", in dem ein Bau ausgewachsen, sondert: auch seinen eigenen Körperbau, seinen Stil wollett wir näher betrachten. Da sind nun Führerbemerkungen meist mit Vorsicht zu genießen: tvenn da steht: die Kirche ist tnt Spitzbogenstil erbaut. Samt ist das gerade so vielsagend, als wenn der Äemäldekatatoa erzählt, dies Bild ist auf Lindenholz gemalt. Der Spitzbogen ist auch nicht mehr, als der konstruktive Hintergrund auf dem Kunstwerk des Baues entstandeu ist. Was will deun der Begriff „Stil" besagen? In ihm. nur die Schmuckform, das Aeußerliche zu erkennen ist ein häufiger Irrtum. Er rührt wohl daher, daß die Architektur der letzten sechs, sieben Jahrzehnte Bauten in jeder beliebigen Stilart errichtete. Diese blutleeren Kopien und mißverstandenen Znsammenstoppelungen alter Kunst hat nicht Nur die sAjvchitertur in Mißkredit gebracht, sondern vielfach sogar das Verständnis für wirkliche Baukunst ertötet. Das kann doch tmmöglich als Stil gelten, »vas ein Unternehmer auf Wunsch seftves Bauherrn als „Schmuck" um den fertigen Rohbau hängt. Für die Architektur ist Stil die von der Konstruktion geborene Kunstfornt, beide abhängig voneinander in innigster Wechselbeziehung. Und je lälter der Ban, desto klarer tritt dies zutage? die rvmantsche und gotische Kunst sind iroch vollkommen reinü Konftruktionsstile, die aber darunr Plicht a:t der Entwickelung reichster Schm'uckformen gehindert waren. Diese kann man aber erst dann wl'lrdigen, lvemt ntatt ihre Konstruktionsbedingnngett erkannt hat. Die hphe Architektttr ist die Kunst, der am meisten *) Deutsche Dome des Mittelalters: Deutscher Barock aus dei Derie der „Blauen .Büchei/" vom Langwischeu Verlag Düssei- bvrs-Leipzig, Erden schwere anhLngt, die am ttmtglsten mckk Zweck und Ziel dev Ausgabe verbunden ist, die den Widerstand der schweren Materie besiegend gerade in der Methode ihres Sieges die Meisterschaft zeigt, welche sie zur hohen Kunst stempelt.. (Fortsetzung folgt.) vermischte». * Da 8 Waschett ohne Seife. Das Waschen ohne die bisher als unentbehrlich erschienenen Waschmittel, Kernseife und gutes Waschpulver, ist sozusagen eine Kunst. Bet lveißer Wäsche wird man — wie wir der bekannten Frauenzeitschrit .Dies Hlatt gehört der Hausfrau* entnehmen - bei sorgsamer Behandlung mit dem noch erhältliche,: Eeifenpulver ganz gute Erfolge erzielen. Man soll aber möglichst erproben, ob sich das Waschivaster nach dem Auflösen des Pulvers nicht rötlich färbt, was bei manchem Seisenvulver der Fall ist. Dieses Pulver ist besser zu vermeiden. Mau löst das Waschpulver in warmem Wasser auf und läßt die Wäsche über Nacht darin weichen, tun sie dann am anderen Morgen in dieser Lösung tüchtig auszukochen. Danach wäscht man sie wie sonst auf dem Waschbrett durch und kocht sie tu reinem Wasser nach, dem man etwas Soda oder, wenn diese nicht erhältlich ist, Aetznatron, und zwar 10-12 Gramm aus 10 Liter Wasser, beifügt. Will „tan die Wäsche bleichen, so kann inan der Lösung einen Löffel konzentriertes Wafferstoffsuperoxyd hinzuftigen. Auch das ill Drogerie»: immer noch erhältliche doppeltkohlensaure Natron ist eine gute Beigabe zum Auskochen der Wäsche, da es unschädlich ist, aber das Wasser schön weich inacht, und gerade die Weichheit des Waschwassers eine wesentliche Bedingung für eine erfolgreiche Reinigung der Wäsche ist. Wasserstoffsuperoxyd ist unschädlich; nur muß mau sich beim Drogisten die richtige Mischung angeben lassen. Die früher für das Waschen von Wollstoffen so sehr beliebte Panamarinde ist auch nur in Keinen Mengen vorrätig, da und dort vielleicht gar nicht einmal zu haben. Aus dem Lande oder auch da, wo man in Gärten Regenwasser sainmeln kann, gewinnt man an diesem ein vorzügliches Waschmittel. Wo das nicht zu Gebot steht, sorge man eben immer für möglichst weiche- Wasser und Vorsicht in der Handhabung der Zusatzmittel, bei denen ein Zuviel leicht schaden kann. Wollene Strümpfe kann n,an in heißem Wasser mit einen: kleinen Zusatz Salmiakgeist waschen. Man muß sie aber auch heiß spülen, dein: Wollwäsche darf nie aus heißem Wasser ii: kaltes komme,:. * Richtiges Gurgeln. Durch regelmäßiges Gurgel,: werden viele Mund- und Halskrankheiten verhütet und Krankheitserreger beseitigt, bevor sie sich verinehrt haben. Auch auf die Gaumenmandeln gelangte Bakterien werden — wie der ärztliche Mitarbeiter der Zeitschrift „Dies Blatt gehört der Hausfrau" schreibt — durch Gurgeln oft entfernt. Die Mandeln bilden die gefährlichsten Eingangspforte,: für A,:steckui:gsketn:e - es besteht entschieden ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Mandelentzündungen und Gelenkrheumatismus, manchen Nierenkrankheiten, Darmentzttn- düngen usw. Eine stete Halsreinigung durch Gurgelungen ist nützlich und notwendig, um derartige Krankheiten zu verhüten. Namentlich bei den so häufigen Halsschmerzei: der Kinder macht inan mit richtig ansgeführten Gurgelungen günstige Erfahrungen- Bei katarrhalifchen Halsbeschwerden sind die erkrankten Schleimhäute vorzugsweise zur Aufnahme voi: Krankheitsstoffen geeignet. Daher muß bei Kinder,: auch de,:: ai:scheil,end unbedeutendsten Katarrh der Mund- und Rache,chöhle durch öftere Gurgelungen mit Salzwasser gleich entgegengetreten werde»: leine Messerspitze Salz auf em Glas Wasser). Kinder kommen häufig mit sogenannter: „ftäu- digei: Bazillenträgern* unter ihren Ka„:eraden zusamn:en. die. obgleich selbst gesund, auf ihrer Rachenschleiinhaut gisiige Krankheits- feune tragen. Regelmäßige Gurgelungen sind deshalb durchaus uotivendig. An: besten und tiefsten werden Rachen und Mandeln vor: dem Gurgelwasser umspült, wen,: inan nicht wie gewöhnlich „r" ertöne,: läßt, sonder,: „ci\ wobei allerdings leichter ein Verschlucken der Flüssigkeit stattfindet, rvas aber bei Salzwasser ungefährlich ist. Kle,i:e Kinder müssen täglich morgens und abends z:nn Gurgeln airgeleitet werden. * P f l a n z e n w a ch s t:: n: im G r a n a t e n h a g e l. Ein Aufsatz iu Pearsons .Weekly* beschäftigt sich mit einer wiederholt in der Kampseszone beobachteten Erscheinung, daß ,län,lich die Vegetation in: Bereich der Geschosse eine ganz besondere Ueppigkeit aufweist. „Es gibt," so heißt es, .kein besseres Mittel, einen hoff- nu,:gslos öden Landstrich fruchtbar zu machen, als ^inen wilden Artilleriekampf. D:e a,: Salpeter reichen Geschosse geben einen guten Dünger ab." Die günstige Wirkung der Geschoffe für der: Ackerbau ist übrigens feine neue Entdeckung. Als man vor etwa 40 Jahren in den Baumwöllpflauznngcr: i>: Texas mittels Dynamit die Wurzel»: voi: Tausende,: von große,: Fichten vernichtete, konnte ma>: alsbald bemerken, daß die La»:dstriche, wo die Explosionei: stattgefunden hatte»:, viel fruchtbarer waren als die andere»:. Durch die Heftigkeit der Schläge war der Boden völlig zerstäubt und ermöglichte den Pflanzen, tiefer Wurzel zu faffe,:. In vielen Teilen der Erde ist unter einer oberstei: Erdschicht eine seine KelSschicht verborgen. Solches Land, das säst ertragslos war, wurde sehr- reich und fruchtbar, sobald die felsige Schicht durch Dynamit zersprengt und so die Verbindung zwischen der oberstei: Schicht und der nicht minder fruchtbaren unter der Felslage befindlichen her- gestellt war. * Die ersten weiblichen Schaffnerinnen. Wir haben uns an Schaffnerinnen und Fahrerinnen auf der Straßen- bahn so gewöhnt, daß uns ihre Erscheinung nicht mehr im geringsten auffällt. Berlin war ivohl die erste Stadt in Deutschland, die der Not gehorchend weibliches Personal auf die Straßenbahn-, wagen stellte. 9lber es hat nicht den Ruhm, die erste Stadt überhaupt gewesen %U sein, die dies tat. Das war vielmehr die chilenische Stadt Jguigue, von der alle Reis«rden als besondere Merkwürdigkeit erzählen, daß, dort ^auen in einfachen Kleidern und rnit weißen Matwsenhütchen mit schwarzem Bande den Straßenbahndienst versähen, Mlerdings war dafür auch ein triftiger Grund vorhanden, das männliche Personal erwies sich als diebisch Und Anspruchsvoll, während die Frauen ehrlich und genügsam sind. * Schach als Rasenspiel. DaS Schachspiel, das bei aller geistigen Anregung und Nesselndem Interesse doch den einen Nachteil hat. daß es ein seßhaftes Spiel ist, bei dem man, eben .wegen seiner Faszinationsfähigkeit, stets Gefahr laust, zu ,ver- hocken" — wird jetzt in New Bork auch als Rasenspiel betrieben. Damit ist ihm die Gefahr des Verhockens allerdings gründlich benommen, denn die Spielee arbeiten mit lonqeu Bambusstäben, mit denen sie die Figuren stehend und um daS Schachbrett herum- geheud dirigieren. Die Einzelquadrate des aut dem Rasen siegenden Brettes haben die Durchschnittsgröße einer gewöhnlichen Serviette und stich grün und weiß gehalten, wobei die grünen Vi-recke einfach ausgeschnitten sind und so das darunterliegende Gras zeigen. Die Figuren bestehen auS Scheiben mit den daraus kenntlich gemachten Schachtypen. Eiiie andere Spielart, nämlich Schach als Gesellschaftsspiel, ist auch in Deutschland nicht unbekannt; eS setzt allerdings eine sehr erhebliche Zahl von Mit- spielern voraus, denn die einzelnen Figuren werdell durch Personen dargestellt, die in einem großen Saal oder aus dem Rasen nach dem Kommando zweier Spielleiter, eines „schwarzen* und eines .Weißen', gegeneinander manövrieren. * D i e A f f e u s p r a ch e als I a g d m i tt e l. Eine seltsame, blsber in dieser Art wohl noch niemals abgehaltene Affenjagd soll in Afrika slatlstnden. Eine Expedition, allsgerüstet vom amerikanischen Museum für Naturgeschichte ,vird sich zu diesem Zwecke unter Leitung des .Sachverständigen der Affensprache", Professor Richard Lynch Garner, nach dein französischen Kongo begeben. Professor Garner verdankt seinen Ruhm als Kenner der Affen- !K Qrf) £rJ c,nem siebenjährigen Studium der Affenlaute und hat em Affen-Worterbuch zusammengestellt. das. wie aus New York per- sichert wird, jeder anständige Affe verstehen muß. Diese Kenntnis soll bei der Jagd als Lockmittel verwendet werden. Und zwar will Professor Garner die Affen in dleser Sprache bis zu jenen Stellen heranlocken, wo die Jäger mit den Gewehren lauern. vüchertlsch. — K u l t u r d o k u m e n te z u ,n Weltkrieg. HerauS- aegeben von Dr. Fred B. Hardt. 1. Band : D t e d e u 1 s ch e n Schützengrabenzett un gen und Soldatenzeit unqen. Mt 162 Bildern und Faksimiles.) Verlag R. Piper & Eo. München. — Ein Buch, getragen von tiefem Ernst üud herzerquickendem Humor. Allen jenen zu empfehlen, die in allzu großer Sorge um die Ihren im Felde vergehen. Eine der angenehmen Folgen des Stellungskrieges sind die Schützenqrabenzeitungen - beffer als Zeitung?» und Heeresberichte atmen sie Schützengraben-' tust und -Leid. Etwa 75 solcher Zeitungen verschiedener Regi. menter und Formationen besitzen wir schon, alle Gaue und Dialekte sind vertreten, ganz abenteuerlich sind oft die Tttelköpfe. und das Hardtstche Buch gibt eine gute Auslese davon, die wertvollsten sogar in Faksimile. Da finden wir ernste und heitere Berfe l,nd Bilder, Geschichten und Geschichtchen, deren Verfasser alle Chargen umsaffen. ES sind wirklich Kulturdokumente, denen trotz bifsiaer Satire und schneidenden Witzes jegliche Banalität fehlt, und die nicht nur im Schützengraben, sondern auch hulter der Front bekannt zu werden verdienen. Kommentar zum Kr i e g 8 st e u e r g e s e tz und Besltzstellergeseh, sorvie zu den Ergänzungsgesetzen vom 9. November und 17. Dezember 1916 liebst Len Ausführungs- bestimmungen des Bundesrats und Preußens. Von Professor ? r Stier-Somlo. Mit dem Gesetz über vor- ber^ltende Maßnahmen zur Besteuerung der Kriegsgewinne vom 24. DezemberlOlb nebst den AusführungSbestimmungen des BundeS- ^^^enS Zweite Austage. Verlag von Franz Vahlen in Berlin W. S, Linkstr. 16. Preis gebunden 7 Mk. «l xjT,. A' B'ri'hard Dern bürg, Staaissekr-lär a. D., und SIrchttkkt Dipl.-Ing. Ley er: Helme ,ür kinderretchc S “ V-‘ ' ü' . »Wennlfl. D-rlng der „dnuwelt", Zeit- ^^ch'°r°ß. ?$£*"" (%,la8 & So.), 'Zer- _ ~^l n r 8 Besser: Natur- und Jagdstu dien in Deutsch-Ostafrika Stuttgart. Kosmos. Gesellschaft der -'u- Gießener HauSfrauen-BereLtt. . ^ Kochanweisungen. Eine größere Verwendung beim Kochen sollte die Lese fbtah ^,i bedeuteiider Eiweißgehalt ein Ersatz für Fleisch ist. Bei crfXe* Abrufen, bte mit Mehlschwitze gebunden merben, setzt man dal Kleinigkeit Hefe zu, sie sparst Mehl und erhöht den Wohlgeschmack, Zu diesem Ziveck nimmt man auf einen halben Liter Waffe, besi und läßt dies 10 Minuten fodytn. Die Gemüft L VlEstunde bantit Loä-en. Bei MrtvfßLe salat ersetzt diese gekochte Hefe-das Oel. dicken Graupen als vol- ^ dazu mch ü, irt Suppenklößchen von Hefe. 10 Gramm Frifchhefe und Butter werden sehr glatt zusammen gerührt- balbe Messerspitze Natron, Bah und einen und ebensoviel Jssnur, macht davon einen sie sen Teig, wllt tterne Klößchen, die man 10 MinuteiE in Sal^ w^wr^kocht. Die suppe wird sämig und kräftig. (Probeklößchen r ^ Liter Wurstbrühe wird mit Majoran ^llewürzt und über ein Pfuiid schwarzbrotwürfel ge- Ist das Brot ganz durchweicht, so kann incm etwa vvr- SleisckMurst, vder^schioartenresde dazu geben, notwendig und sie nicht. Man backt daraus Bratlinge und gibt Salat von roten Rüben dazu. Leiter Wurstbrühe, cm achtel Liter Schwein-» Üi* k?" ™ Schwarzbrot, werden zn>ei bis drei Stunde» g«vürzt und obgeschmeckt. Warm als Tunke zu Pelllarbosieln, kalt als Sülze zu geben, in letztem Falle kann man einige Blätter Gelatine Darunter mischen. ^ J.f, u ch auflau f. Dicker weißer Lauch in fingerlange Stücke ^lchwtten und abgebrüht, abwechselnd mit Wocknichl, etwas Fett eingelegt, obenauf Weckmehl und ein Paar Fleischbrühe aus Brmlllow. f f * r J? b e - 1 ? Stück mittelgroße Kartoffeln, tags vorher ^kocht werden geneben, gesalzen, mit 4—5 Wösßck u-t. und auf dem Brett zu einem feinen Teig ver- eine stunde ruhen, wird dann in acht bis ^sserrückendick ausgen-ellt, mit zerlasiensr Butter bestrichen, und mit fern geschnitzelten Aepfeln bestreut Zff* ^W"lkert bat. Ter Teig darüber geschlagen un^ ^^epfelpfminkuchen gebacken, oder in der Auflaufform im Ofen a «?lLn»er taut«^Ersatz für Wurst und Fleisch). Man koch, 3 Pfmld Kartoffeln, schalt sie und läßt sie erkalten. Am nächst«! Tag werden sie durch die Presse getrieben, dann kommt V 4 — bazu, auch durch die Presse tteiben, ebenso eine ganz, Znnebel Das Ganze wird zusammen gemischt. V, Liter Blut (Ochsen! ^b'k°mmt man für 10 Pfenmg bei seinem Fleischer). Salz, ^ A Liter heißes Wasser mit einem Bouillomv-Ürsel kommt dazu. Dann läßt man es 20 Minuten bei beständigem Umruhren gehörig durchkochen. So läßt sich die Masse 6Ut vier Wochen aufheben. Sie schmeckt sehr gut als Brotaufstrich, zu Pellkartoffeln und ledern Gemüse, besonders zu Kohlrübenaufla^ den wir an derselben Stelle kürzlich gelesen. Plünzer schmeckt bloß warm gut, am besten mit etwas Fett anfgewärmt. h.* SJM * 6 V t Wurst Manläßtein Stück Speck aus, schneidet eme ganze Zwiebel in kleine Stückchen, läßt sie gelb schwitzen in dem ausgelassenen Speck, schneidet zwei Brödchen in kleine Bröctz. Z n ’ Awi sie auch dazu und läßt ordentlich durchziehen, dann gib» wan ^ l /2 Liter Milch, V 2 Liter Ochsenblut. Salz, Pfeffer, Majoran gestoßene Nelkeri dazu, läßt das Ganze emige Äale au^kochen unü Man kann es kalt und aufgewärmt essen. Appetitz, ^ aus, weim man bie Masse mit einem Löffel abstichst, im Bratofen erwärmt und so auf den Disch bringst. ' Frau Aj. Kunz. Anagramm. Von jedem Wort ist durch Umstellen der Buch, staben ein anderes Hauptwort zu bilden. Di« neuen Wörter sind derart zu ordnen, daß die Aw- fangsbuchstaben den Namen eines jetzt vielgenannt«« Staatsmannes ergeben. Auflösung in »lächster Nummer. Borne« Emil Il&e Linne Ornat Wagen Auflösung des ^Bilderrätsels in voriger Nummert ^erbiens Untergang. Tchrinleitung: Fr. R. Ze-rz. Zwlllingsrunddruck und Verlag der Brübl'scheä UnioersttätS-Buch- und Stetndruckerei. R. Lange, Gießen.