Mittwoch, den 1§. Februar. Königsträume. Roman von ?arl Busse. (Nachoru.l verboten.) (Fortsetzung.) 16. Kapitel. it ^baskowicz' großes Madonnenbildwerk war fertiq seme Kraft gerade so weit gelangt, als hätd er dav Letzte mit dem letzten Schnitt des Steckers ausae- geven, sank er vor dem vollendeten Werke zusammen. Wü jKJI bewußtlos und int Fieber lag, wußte er nicht r m 5 r t UL f ter tn der Stube, -als ier frierend auswachte. Muh sam kroch er zu seinem Lager. Er blieb mit wachen Auaer darauf liegen, bis der Morgen kam. Die Zähne klappertet ihm, so durchschauerte ihn die Kälte. Dann Plötzlich brack überall der Schweiß aus. „Wie schwach ich bin" bacbte et und lächelte seltsam. Mit einemmal drehte er sich um De stand sem Werk. Da stand die heilige Jungfrau, selig, lebend lg, als wollte sie mit dem Kindlern auf ihn zu- kommen. Und er war der Schöpfer. Seine Augen schlossen sich und öffneten sich wieder. So wollte er lregen bleiben und sie nur ansehen. Und die Stunden vergingen. Er etnpfand kernen Hunger, ob es auch lange, lange her war, daß er nichts gegessen hatte. Er brauchte es ;eht nrcht mehr. Sein Wille hatte ihn aufrecht erhalten, brs erfüllt war, was als heilige Last auf ihm geloaeu. Dre Last war von ihm genommen. Nrrr der Durst quälte rhu sehr Aber er war zu schtvach und zu müde, sich nach dem Was)ertrug zu schleppen. Er trank sich Erquickung, indem er Marra ansah. Stärker wurde der Durst, fliegender der Atem. Mi ßerfter Anstrengung zog er sich hoch, daß der Kop her' lag. Der Atem wollte immer fortbleiben. Ein wahn f löh er —v'V” •—ivuuiuutu. ivayr Angstgefühl, daß er ersticken müsse, packte ihn. E wollte schreien, lern Schrei kam auls der Kehle. Selbst di heilige Jungfrau half nicht mehr. Dann schien die Brus wieder freier zu werden. Ohne Schmerzen lag er da, nu' sehr sehr matt. Jeden Augenblick glaubte er, er müsß ernschlasen. Aber er schlief nicht ein. Wieder ward es dunkel. Lartge, furchtbare Stunden Gegen Morgen schien ihm jemand ail der Tür zu sein „Ich habe die Tür nicht verschlossen!" durchzuckte ei ^hn. „Man wird kommen, man wird sehen, was ich ae- schaffen habe, man wird es fortnehmen." Der quälende Durst hatte ihn nicht aufgetrieben: jetzj trtefe ifyit bte Angst auf. Taumelnd versuchte er sich zn erheben. Er mußte sich festhaltett. Er sah ein, er konnte nickst mehr allern gehen und stehen. Aber es mußte sein Me 5kraft nahm er zusammen. Bis zur Tür war es zu weit. Aoch das Tuch konnte er greifen, mit dem er die heilige Vnngftau so oft bedeckt hatte. Es gelang ihm wirklich. In plumpen Falten fiel es Über fern Werk. Ein glückliches, triumphierendes Lächeln erhellte einen Augenblick sein Gesicht. Dann erschütterte rhn ein jn f - uistenansall. Die linke Hand, mit der er sich auf den des Bettes gestützt, griff nach der Brust. Er verlor den Halt und brach ächzend zusammen. Kascha Kaczmarek hatte zwei Nächte lang umsonst vor den Scheiben gestanden. Dunkel das Fenster, dunkel das Zimmer. Warum arbeitete er nicht? Was war ihm? Keiner v^ite ihn gesehen. Selbst Essen hatte er sich nicht geholt. Die Unruhe verfolgte sie aus Schritt und Tritt. Als das Fenster auch in der zweiten Nacht sich nicht erhellt hatte, ging sie biqs zum Morgen in dem engen, dttmpfen Raum, darin sie jetzt hauste, auf und ab. Dann aber band sie ein rotes! Kopftltch um das wirre, ungekämmte Haar und trat aus die Sttaße. Es war ihr lieb, daß sie noch ganz leer war. Mit schnellen Schritten ging sie zur Schmiede. Sie klinkte nicht an der Tür. Sie preßte, wie als kleines Mädchen, das Gesicht an die halbgefrorenen Scheiben. Zuerst sah sie nichts. Dann schrie sie auf. Es lag etwas auf dem Boden. Undetttlich nur bemerkte man es. Sie zögerte keinen Augenblick. Fast krampfhaft, wie unter einem unbeugsamen Entschlüsse, legte sie die Hand auf die Klirtke. Durch die unverschlossene Tür trat sie ein. Das Licht war noch grau. In dem grauen Lichte erhob sich etwas Großes, Verdecktes. Das übergeworfene Tuch ließ keine Um- rtsse erkennen. Mer um so größer, gewaltiger schien cs emporzudämmern. Daneben der Krüppel, reglos, kalt, mit dem elenden, abgezehrten Gesichte. Ihr war heiß. Unter dem roten Kopftuch brannten ihre Backen. Und ihre Hände wurden schweißig, so kalt es im Zimmer war. Mit den Händen hob sie ihn, auf den Armen trug sie chn auf sein Lager, die Last war nicht schwer. Sie deckte ihn zu, wie eine Mutter das Kindlein. Dann sah sie sich um. Was sollte sie tun? Ihn wecken? Wodurch? Wenn sie ihm die Stirn mit kaltem Wasser rieb? Mer ob das auch gut war? Und plötzlich in dem einsamen Zimmer, wo nur ihr Atem hörbar war, neben sich dasi große, graue Versteckte, vor sich auf dem Lager Juschu Laskowiez, als war er tot, überkam sie eine grenzenlose Furcht. Am liebsten lväre sie fortgestürzt und hätte sich tn einen Winkel verkrochen wie ein krankes Tier, tim dort zu schreien, zu sterben vielleicht, was wußte sie! Mer sie konnte ihn nicht allein lassen. Sie suchte nach Holz. In einem Winkel lag ein wenig Torf geschichtet. Retstg und ein zerspaltener Kistendeckel daneben. Sie raffte etn paar Hände voll auf und katterte sich vor den niedrigen Ofen. Es wollte nicht brennen. Sie pustete die Flämmchen an. Da siel ihr ein, wie gern sie das früher getan hattje. Es war so sehr lange schon her. Sie konnte es kaum mehr denken. Da sollten die Flammen springen und knistern, sollten mit dem Holz spielen, wie die Katze mit der Maus, und husta he, da hatten sie es und fraßen sie es! Heute sollte, es nur warm werden. Ihr Gesicht glühte. Sie blies immer von neuem das Feuer an. Ihr rotes Kopftuch rutschte in beit Nacken. Der Widerschein der Flammen lag auf ihrem Gesicht. Plötzlich regte es sich drüben, wo Juschu Laskowicz lag Noch röter ward sie. Sie hörte einen Augenblick auf zu blasen, ihre Arme sanken schlaff herab. Ms sollte sie ge richtet werden, neigte sie das Haupt. Sie wußte, er war erwacht; sie fühlte förmlich, daß er zu ihr hinsah. Doch sie wandte sich nicht. Und da das) Schweigen andauerte, begann sie wieder das Feuer zu schüren. Es brannte jetzt lichterloh. Sie erhob sich. Aber mit rascher, instinktiver Bewegung hob sie das herabgerutschte Kopftuch empor, bis in die Stirn hinein, als ob sie sich schäme und niemand ihr Gesicht zu sehen brauche. Ms sei das alles selbstverständlich, nahm sie dann den Wasserkrug, goß ihn aus und kam mit dem frischgefüllteu zurück. Sie schenkte ein Glas voll und rückte beides, Krug und Glas, so dicht an sein Lager, daß er nur die Hand aus- Lustrecken brauchte. Nach sekundenlangem Zögern entfernte sie sich durch die Tür. Als er allein war, griff der Krüppel nach dem Wasser und trank durstig. Das tat ihm wohl. Dann legte er sich zurück und dämmerte vor sich hin. Nicht lange, so knarrte die Tür von neuem. Wieder war es Kascha Kaczmarek. Sie mußte rasch gelaufen sein, denn ihre Brust flog. Sie brachte frisches Brot, Butter, Käse, Wurst. Von jedem etwas. Um Juschu Laskowicz schien sie sich nicht zu kümmern, dtur als sie bemerkte, daß das Glas, welches sie ihm gefüllt hingestellt hatte, halb leer getrunken war, glitt ein hüler Schimmer über ihr Gesicht. Fetzt strich sie eine Schnitte des dunklen, kräftigen Landbrotes mit Butter, verteilte die Wurst darauf, schnitt das Brot in kleine Streifen und Würfel und stellte das so Zubereitete neben das frische Wasser. Ein letzter Blick traf den Ofen, mit dem Feuer hatte es keine Gefahr. Da ging sie. Aber Juschu Laskowicz aß nicht. Dafür trank er immer öfter. Die Schmerzen kamen wieder, der husten, die Atemnot. Dann die Schwäche, der Schweiß, die döachmittags sah Kascha wieder nach ihm. Sie brachte eine warme Suppe mit, von Wurzeln gekocht. Fleisch hatte sie nickt. Als sie sah, daß er das Brot nicht angerführtst irrten ihre Augen scheu und schmerzbewegt über den Boden. Er nahm nichts von ihr. Demütig, als müsse sie um Vergebung bitten, stellte sie die Suppe hin. Djann trat sie zurück bis zur Tür, wo sie wartete. „Was will sie noch?" dachte der Krüppel. Sie war ihm -alb unangenehm. Ihre Blicke waren seltsam auf die kleine Mahlzeit gerichtet, die sie zurechtgemacht hatte. Fünf Minuten vergingen. An Kasckas Augen schimmerte es feucht. Sie stand unbeweglich. Plötzlich streckte Juschu die durchsichtige, blasse Hand aus. Er schob ein Stückchen Brot in den Mund. Durch den Körper des Mädchens lief ein Zittern. Ihre Lippen regten sich, als wollten sie chm danken, daß er nicht verschmähte, was sie brachte. Und erst jetzt verließ sie bte Stube. Fast ohne sich selbst darüber klar zu werden, erwartete sie der Kranke am andern Morgen. Aber die Stunden verstrichen. Endlich erklangen Sck)ritte, sie kam nicht allein, der Arzt aus der Stadt kam mit ihr. Ms er zu Juschu ans Bett trat, verschwand sie. Sie war sehr müde. Im ersten Morgengrauen war sie nach Stralkowo gelaufen. Der Doktor schlief noch, als sie ankam. Sie wartete. Mer wenn er nicht zufällig auch nach dem Arm des alten Barons hätte sehen wollen, wäre er schwerlich herausgefahren. Während er jetzt drinnen sprach und untersuchte, stand sie tm Hausflur. Doch plötzlich war es ihr, als müsse sie beten. Sie warf sich auf die Knie, preßte die Hände zu- fmumen und murmelte alles durcheinander. So groß war ihre Angst. w „ Der Arzt machte nur eine Handbewegung. Da wußte sie, daß der da drinnen sterben mußte. Sie schrie nicht auf Er hatte es hören können. Nur mit leisem Aechzen sank sie mrt der Schulter gegen die Wand. Ms sie ruhiger geworden, dachte sie lange nach. Der Vater mußte benachrichtigt werden, der Schmied sollte wissen, daß sein Sohn starb. Es kam vor, daß hier und da heimlich noch einer zu den Aufständischen ging. Bei ihnen war Michael Laskowicz. Solch einen Boten konnte sie gerade gebrauchen. Sie fand ihn in Kuba Borodnik. „Wenn mich der Teufel hinüberführt," anttvortete er ihr, „soll es der Schmied wissen." Schon am übernächsten Tage war Kuba verschwunden. Nun wartete sie seit gestern auf Michael Laskowicz. Es war Zeit, daß er kam. Denn jetzt blieb ihr sogar nicht verborgen, daß Juschu sich zu Ende quälte wie ein Licht. In ihrem Verhältnis hatte sich nichts geändert. Keiner von-beiden sprach jemals ein Wort. Ms wäre sie die von; ihm gedungene Magd, verrichtete sie stumm ihre Arbeit und ging. So trat sie auch eines Morgens, ohne Gruß, wie immer, in den ihr nun schon vertrauten Raum. Einen kurzen, scheuen Blick warf sie auf den Kranken. Aber plötzlich, was sie noch nie getan, starrte sie in tödlichem Schreck ihn an) und preßte die Hände vor die Brust. Juschu Laskowicz hatte eine gehr schwere Nacht gehabt. Gegen Morgen; war ihm dann ganz frei und leicht geworden. Er hatte sich hochgezogen und sah vor sich hin. Die durchsichtigen, mageren Hände lagein mit gespreizten Fingern auf der Decke. Er hörte wohl seinen Atem rasseln und pfeifen, doch fühlte er keinen eigentlichen Schmerz. Aber aus alledem ward dem Mädchen plötzlich klar, daß seine.letzten Stunden gekominen seien. Sie wollte an die Arbeit gehen, Feuer anmachen. Siej mußte immer wieder scheu hinüberblicken in sein Gesicht. Er lag jetzt, an diesem sonnigen Morgen, ganz im Lichte. Da sah sie erst, wie elend,, abgezehrt, dünn und blaß er) war. Und während sie zitterte in der Anstrengung, ein aufsteigendes Schluchzen zu unterdrücken, zog sie die Schürze straff und kniete daraus nieder, um Holz und Dorf in den Ofen zu schieben. Da hörte sie einen Laut, wie einen stillen Ruf. Es) konnte Kascha heißen. Mles Blut stockte ihr; kerzengerade stand sie auf. Juschu Laskowicz hatte die Hand erhoben. Seine Augen sagten: „Komm' her!" Und sie kam; fast steif trat sie an sein Bett; ihr Herz) ging im Sturme. Er deutete auf das Große, Verdeckte: „Nimm ab!" Sie tat es. Langsam, noch immer ganz benommen davon, daß er mit ihr gesprochen, zog sie das übergeworfen« große Tuch herab. Da stand, von Licht und Sonne jetzt überflutet, die Madonna, die süße Gottesmutter. Ein klingender Ruf schien sich dem Kranken entringen zu wollen. Er brachte ihn nicht heraus. Aber als ob es ihn emporziehe, richtete er sich langsam immer mehr auf und starrte das Werk, sein Werk an. Die Sonne überflutete es, die Sonne wob eine helle Aureole darum, die Sonne machte es warm und lebendig. Die Sonne verklärte es. Sie verklärte auch den Krüppel. Immer seliger ward das Lächeln seiner Augen, es erhellte das ganze Gesicht. Mle Erdenvein, alle Todesnot schien daraus zu verschwinden. Auch die holde Verwirrung und die Seligkeit des erfüllten Traumes. Es lag ein heiliger! Friede darauf, eine große Stille und Sicherheit, die höchste Ruhe des Fertigseins. (Fortsetzung folgt.) Line Vision. Bon Georg Lebach., (Nachdruck verbohM.) „Ja, was machen Sie denn da?" Erstaunt sah ich irach meinem Freund, denl jungen Artillerie- Offizier, der sich rn scheinbarem Uebermut daran machte, auf eine hohe Pappel *u klettern. „Einen Augenblick, ich will nlir nur ein bißchen die Gegend ansehen, rief dieser fröhlich zurück. Mit einer unglaublichen Gewandtheit mck Schnelligkeit kletterte er höher und höher, bis ihn die in mehrere starke Aeste aus- laufende spitze der Pappel nicht niehr tragen wollte. Ich war ernstlich um ihn besorgt, doch ehe ich es mich recht versah, war er wieder unten. vuucil tult vewunoernswerte tfentgteit 1? r Bmlmen," sagte ich sjcherzÄL. „SckZrde, ' daß nicht mehrere dieses sck-auspiel mit ansehen konnten, der Beifall der Menge wäre Ihnen sicher gewesen." /- -Das bringt die Uebung so mit sich," erwiderte cr lackend, „-sehen Sie, an solch emer Pappel nmßte ich monatelang hinauf und auch wieder himmterklettern. Sie diente mir als Beobach,ings- stand. In ihrer spitz« war kunstvoll ein Schrenfernrohr cinge- xiut. Zu diesem führte nsich immer mein Weg. Eine Leiter oder onstige Hilfsmittel konnte man nicht anlegen, das wäre den schn-feu dewaffneten Angen der Franzosen nickt entgangen." „Ach und da nwllteu Sie ivüh! mal probieren, ob Sie es noch nicht verlernt habe::?" „Nun ja, es kam: nicht schaden, wenn man ein bischen im. Training bleibt. Doch wenn es Sie interessiert, will ich Ihnen erzählen, wie ich dabei einmal fast das Genick gebrochen hätte und nur durch eine wundersame Begebenheit heil und gesund davongekommen bin. Ich sagte Ihnen schon, mit welcher Vorsicht ich immer zu Werke gehen mußte, uni nicht die Aufmerksamkeit der wachsamen Feinde zu erregen. Früh morgens, ehe es hell wurde, begab ich wich auf meinen luftigen Stand und konnte ihn häufig erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder verlassen. Tas war natürlich keine Kleinigkeit, bei Wind und Wetter, bei glühendem Sonnenbrand, zwölf und manchmal mehr Stunden in dieser unsicheren Stellung zu schweben.' Tenn obgleich ein kleiner Sitz angebracht war, an bent man auch den Fernsprecher befestigt hatte, konnte mattc ich, ich konnte jede Nacht in. einem richtigen Bett scUasen. Wenn ich des ALeirds von meinem Baum heruntergerutscht war, mußte ich iwch ein.Stück zu Fuß gehen., Daun bestieg ich mein bereitgestclltes Pferd und iur Galopp ging es bis zu einen: kleinen, im' Walde versteckt liegenden Dörfchen. Bei einer alten Frau hatte ich eine kleine, aber gemütlijchei Sttlbe. Vor einigen Monaten war ihr einziger Sohn gefallen, und ne hatte b-eit Schmerz iwch nicht überlvuiiden. Mich behandelte sie stets freundlich, ja ich kaiiu sagen, mit einer gewisser: Zilneigung. lvlchl in mir reicht den Feind, sondern ebenfalls einer' Mutter Kind. Mein Verhalten ihr gegenüber war natürlich dem- entsprecheird höflich und rücksichtsvoll. Ein Umstand kaur unserem guten Verhältnis sehr zu statten^ Tre Frau besaß einen wundervollen schneeweißeil Angora-Kater, aul den sie nun rvach dem Verlust ihres Solmcs ihre ganze Liebe' verschwendete. Alte Frauen pflege:: ihrer: Lieblingstieren eine große Menschenkenntnis zuzutrauen, urid da der Kater sich ganz be- sonders zu niir hingezogen fühlte, war es klar, daß ich eine gute» Seele haben mußte. In Wuklicksteit lag der Grund viel einfacher, ^.cr Kater war unglaublich gefräßig, urrd ich gab ihm von dem Leckereren, mit denen mich ineine Angehörigen ausgiebig versorgten, stets einer: Teil ab. Es war daher Tein Wuicher, daß er, sobald ich rm Dause ivar, rücht von meiner Seite wich mrb nirgends anders als:n meinem Zinnner schlafen wollte. Eiiles Nachts war ich todmüde angekonunei: und warf rnich, ohne noch etwas zu genießen, halbangelleidet auf urein Bett. Sehr .bald verfiel ich in einen festen, aber unruhiger: Schlaf. Plötzlich erwachte ich. Ich hörte ein merkwürdiges Geräusch, Vj? bald oben auf dem Dachboden, bald in rneincr Stube zu sein lchreu. L:e Nacht ivar zienrlich hell und ich tonnte zur Not die einzelnen Umrisse unterscheiden. r ganz deutlich die Tür. Ich vernahm leise, schleichende Schrrtte. Mt einem Satz war ich aus den: Bett. Leider versagte meine elektrische Lampe. Aus der Ecke, wo der Ofen stand, starrten mir zwei unheimlich glühende Augen eittgegen. unbegreiflich, !vie ich so erschrecken konnten Cnn lahrnendes Ent,ctzen l-atte rnich gepackt. Glücklicherweise kau: gleich daraus meine Wirtin, die das Geräusch auch gehört hatte, mit einer brennenden Lampe. ~ ^ U1 * ftärte sich das Rätsel auf. Es war der weiße Angora- uatcr. Aber wre sah er aus. Kohlvechrabenschwarz! Gewiß war er aus Versehen ausgeschlossen worden, und hatte sich den Eingang :n das Hans durch den Kamin erzwungen. Nicht die Zimmer- tur, sondern die nur angelehnte Ofentür hatte geklappit, und esj waren seine im Dunkeln leuchtenden Augen, die mir einen solchen Schrecken emgcmgt hatte::. Unwillkürlich mußte ich. lachen, doch meine Wirtin weinte und wiumerte. Ich woMe sie über ihren vermeintlichen Krrmmcr trösten und sagte, daß :hr L:ebl:ng nach einer gründlichen Behandlung mit Wasser und Seife s:cl>er wieder seine alte Schönheit erlangen würde. S:e aber unterbrach mich: „Mein lieber junger Herr, nicht um den Kater bin ich in L>orge, louderu um Sie. Schon einmal ist der Kater durch deu rtanun gekrochen und den Tag dyrans fiel mein Sohn." - ™ Üblich f:el sie vor mir auf die Knie und bat und flehte, ich solle doch nur den erneu Tag zu .Hause bleibe::, ich könnte mich ja krank stelle::. S:e hatte nnch lieb gewonnen wie ihr eigenes Kind und würde es nicht ertragen, wenn ich nun auch sterben müßte. Ich schob s:e beiseite und sagte ärgerlich: . " 5 können Sie nur von mir erwarte::, daß ich lvegeir krnes solch unsmmgei: Merglaubms auch nur eine:: Augenblick ^.^^dmch't versäume. Und übrigens, wenn mich der Tod finden w:ll, so findet er mich auch hier." Ta ging sie leise weinend hinaus. An Schlaf war nun doch nickst mehr zu denke::. Früher als gt'wohnlvcb brach :ch aus. Ich hatte nickst viel Zeit, über mein näckst- Ixrfj'eS vn>e: i teuer nachzugrübeln. Tie Franzosen waren sehr rege, iljr ArtiUerieseuer rrntm: ständig an Heftigkeit zu. Sehr lästig war mir die große Hitze und die unbarmherzig brennende Sonne. Dazu überfiel mich eine derartige Müdigkeit, daß ich nur mit äußerster Anstrengung dem Schlaf widerstehen konnte. Auf einmal sah ich zwei schwere Granaten.in gerader Linie wie ein Zwillingsjxrar auf mich zukommen. Sie schlugen cn:ch etwa hundert Meter vor meinen: Baum zusammen ein. Ta hatte ich eine furchtbare Vision. Eine ungeheure Wolke von Qualm und Rauch entwickelte sich, die den grellen Blitz der krepierenden Geschosse dampfte. Daraus bildete sich ein riesengroßer Kater, das Feuer der Granaten ivaren seine glühenden Augen, sein aufgesperrter Nachen drohte mich zu verschlingen. Hatte die Erzählung der alte:: Frau so auf mich gewirkt und waren mcmc Nerven schon derartig zerrüttet, daß dieser eingebildete Anblick mich ganz aus dem .Hänschen bringen konnte, war es die fürchterliche Hitze, kurz und gut ich bekam cinew Schwächeanfall und fiel von meinem Sitz herunter. Ich wäre wohl zerschmettert unten angelangt, hätte ich rnich nickst noch rasch :::it Arme:: und Beinen an dem Stamm ange- klamn:ert. So rutschte ich mit affenartiger Geschwindigkeit herab. Zwar war meine Uniforn: zerrisse::, meine Häi:de bluteten, aber sonst war ich heil und unversehrt. Kaum hatte ich jedoch den festen Boden berührt, als es über mir einen entsetzlichen Krach gab. Den Franzosen war es endlich geglückt, die Pappel zu treffen. Wie ein Strohhalm stürzte sie in sich zusammen. Das Scherenfernrohr und mein kunstvoller Sitz lagen nicht weit von mir ganz zertrümmert auf der Erde. Ich :var zum zweiten Male mit den: bloßen Schrecken davongekommen und das Staunen der Kameraden fand keine Grenzen, als ich, der Totgeglaubte, ihnen munter und vergnügt entgegenschritt. Immer lvieder habe ich diese Geschichte von meiner seltsamen und wmüwrbaren Rettung erzählei: müssen." — Schweigend waren wir iveitergegangen. Wir kamen an eine Lichtung. Ein herrlicher Blick auf das friGliche deutsche Laich tat sich vor uns ans. „O meine geliebte Heimat," rief mein junger Freilich entzückt „möge dir imn:er das schreckliche Elend, wie es die Kriegssnri« über jenes nnglüclliche Land verbreitet, erspart bleiben." In diesem Augenblick brach die Sonne drnch die Wolken. Ihre leuchtenden Strahlen schienen unseren trunkenen Augen eine glückliche Vision, eine stille Verheißung zu sein.— vermischte». — Wie Edel metall rück st ände wiedergewonnen werden.- Wenn scho:: im Frieden die Rückgewinnung der Edelmetalle aus den verschiedener: gewerblichen Rückständen von gr'oßer Wichtigkeit war, so erscheint sie heute in Hinblick aus den gesteigerten Wert des Goldes von ganz besorchers hoher Bedeuttmg. Im Kriege, der auch zur Sammlung von Schmuckstücken aller Art zur Wiedergewinnung des darin enthaltenen Feingoldes für die Reicbsbanf veranlagte, handelt cs sich uu: zwei Prozesse: erstens um die Läuterung des Feingoldes aus den gesammelte:: Schmuckgegenständen und zweitens um die Ausnützung der gewerblichen Rückstände aus allen jenen Betrieben, in bcuen Silber uitb Gold verarbeitet iverderp Tie Wertgegenstände, die auf den Sammelstellen ernlaufen, enthalten Gold in den verschiedensten Käratcn und verschiedensten Legierungen, vielfach in Verbindung mit Silber, Platin und auch einer großen Anzahl von unedlen Metallen. Zur Gcnännung des Feingoldes gilt es vor allem, Jute einer Schilderung dieses Rück- gcwinnnngsprozesses von Georg Nicolaus in der „Umschau" zu entnehmen ist, den Schmuck von allen unechten Teilen zu befreien. Hierauf wird die zulückbleibende Masse in einen aus hessischem Ton verfertigten Schmclztiegel gebracht. Wem: der Inhalt, das sogen. Schmelz gut, flüssig geworden ist, wird Salpeter zugesetzt, der Tiegel :vieder verschlossen und zur Weißglut gebracht, in welcher er ungefähr eine Stunde lang verbleibt. Dam: läßt man ihn erkalten, und der Salpeter hat me Reinigung des Goldes bewirke indem er unechte:: Legierungszusatz, Bronze, Kupfer oder dergleichen zerstörte, wobei cs jedoch nicht gelingt, das Kupfer vollständig zu entfernen. Was bisher gewonnen :vlnrde, ist also vorläufig erst bloß eine Legierung von höherem Wert. Nunmehr wird der erkaltete Tiegel zerschlagen, das Schmelzprodukt, „König" gewannt, w:rd nach Entfenumg noch anhaftender Schlacken ein zweites Ma'/ geschmolzen, und zwar mit Zusatz von Borax, und dam: als sogen. Plansche u: eine eiserne Form ansgegossen. Schließlich walzt mar. d,ese Plansche zu dünnem Goldblech, das, in ganz kleine Stück« zerschnitten, durch ein Säurebad, meist reine Salpetersäure, aufgelöst wird, nwbei das Feingold in Gestalt eines schwarzbrauneu Pulvers auf den Grund der Lösung sinkt. Dieses Feingoldpulvep w:rd imt heißem Wasser ausgewaschen und nach der Trocknung wiederum mit Borax und Soda geschmolzen, lvorauf als Endprodukt das chemisch reine Feingold geivonnen ist. Wesentlich komplizierter :st der Vorgang bei der Rückgewinnung des Edelmetalls aus den gewerblichen Rückstmchcn, als da sind Maschinenteile, Attxntsgc.' rate der Juwelrenverkstätten, Kehricht, ja selbst Staub der Araetts- raunle, Arbeitskittel, Handtücher nsrv. An all diese:: Gegenständen, auch tu: Waschwasser, sammeln sich oft erhebliche Mengen ser.stcr Metallkeuchen an, die nicht verloren gehe:: dürfen. Die Gesara.heit oll dieser zu verarbeitenden Masseir, Gekrätz genannt, wird in Oefen, die denen der Bäckerei reicht unähnlich sind, verbrannt. Die so gewonnene Asche befreit man nach dem Erkalten von darin verbilre- benen Metallstückchen, Kohlenschlacken, Eisendräbten usw.. der Rest wird in Kugelmühlen gemahlen und gereinigt. Hierauf werden von dem so Aubcreiteten Gekrätz zur Feststellung des darin enthaltenen Feingoldes Proben an die Scheideanstalten gesandt, die dementsprechende Kaufangebote machen. In Deittschland gibt es eine ganze Anzahl von Schckidcanstalten, die großzügig organisierte Betriebe darstellen und derer: jährlicher Umsatz sich rrach Millionen beläuft. Eine große Scheideanstalt in Pforzheim z. B. hatt allein, wie Georg Mcolcurs bemerkt, einen durchschnittlichen Jahresumsatz von 20 Millionen Mk. Da den mit Edelmetallen arbeitenden Betrieben^ vornehmlich der Goldwarenürdustrie, im Kriege alle gewöhnlichen! Goldquellen verschlossen sind, vermögen sie gegenwärtig ihren Be- darf überhaupt nur noch aus den Scheideanstalten zu decken. Nur dre geschilderte Ausnützung auch der minimalsten Staubteilchen und eine restlose Organisation ermöglichen auch der Goldwarenindustrie das so wichtige Durchhalten. . Y , “ t, ] ö§ ol?ne Uebersetzung, herübergenommen, viel- lEtcht ist,das auch mit aria gross* der Fall. o- }J r e Riesenwurst als Künstlerhonorar. Von rhonorar,^ daS man in unseren Tagen erst ganz voll- würdigen wurde, weiß eine alte Chronik der Stadt R« iß C o u « u Berichten: „Ein Bildhauer bekam zu Anfang ^ für ein dem wohllöblichen Rat dieser Stadt ?£/ 8 ?"dwerk außer einem guten Lohne noch eine Wurst, 4?'; '* Uen lang unb von der Dicke eines tüchtigen Mannesschenkels. Er im Amtshaufe und lud auf die Elle vier Gäste, ^avet fand ein ganz gewaltiges Trinken statt.' vüchertlsch. . — Die miltä rischen Fachausdrücke im Spiegel ! . F " w o r s. Wir haben in dieser ernsten Zeit wirklich beinahe da« Fröhliche verlernt. Nun konunt ein lustiges Künstlergemüt und beschert uns eine Reihe köstlicher Bilder, die selbst den größten „Miesmacher zum Lachen bringen wird. Zwölf ganz famose Kuustlerpostkarten sind eS, die natürlich in erster Linie für unsere Feldgrauen bestimmt sind, die aber auch und Daheiingebliebenen den Trübsinn verjagen werden. Uebermütige und doch direkt auS dem Leben genommene Bilder führen den luftigen Krieg zwischen §Eldgrauem und deutsche,n Mädel vor. Cs ist auch bezeichnend, iL; l(e vL n ^.!"ten trotz oder gerade wegen ihre« köstlichen Humor» nichts .Gewöhnliches' anhaitet, und daß sie in jeder Familie ge- »elgt werden können. (Jmn,er Fachmann. Eine lustige Reihe von 79 ™ ? Ü Ä poft J? rt , en ‘ P^is je 6 Pfg., insgesamt also l 2 Aorto b Pfg. Verlag des Deutschen OfsizierblatteS Gerhard Stalllng, Oldenburg i. Gr.) _ cJT mit Verstau d." Ein Buch über Ernährung von Adoll Re.tz Verlag .Die Lese-, G. m. b !p., Stuttgart. Kosten- loS für bte Bezieher der Wochenschrift „Die Lese', c. 'ßV* E Hilfe.' Da« soeben im Verlage von C. C. Mein- hold & Söhne in Dresden erschienene Buch „Erste Hilfe" von San.- Rat Dr. Loewe-DreSden (Preis 2 Mk.) enthält eine kurzgesaßte und doch erschöpfende Anleitung zur Ausübung der ersten Hilfeleistungen der etngetretenen Unfällen und plötzlichen Erkrankungen, uw chlan d s Kriegsztele. Von Geheimrat Professor Dr. Erich Brandenburg. 100 Seiten. Geh. Mk. 1.29. Verlag Quelle & Meyer in Leipzig. .. ^ Hochland. Inhalt des FebruarhetteS! Mitteleuropa und Seelenkultur. Von Dr. Hermann Platz. - Französische Krieqs- poesie. Von Firmin Coar. - Martinian sucht den Teufel. Roman von Johannes von Guenther. — Abend am See. Gedicht von von Hatzfeld. — Kaiser Karl. Von Hermann Bahr. — Einsam, a °m n ^^rkaulen. - Vom inneren Frieden des deutschen Volkes. Von Domdekan Dr. F. X. Ktefl. - Georg von Orterer. Don Professor Dr. A. Durrwachter. — Ergebung. Gedicht von R- ?' Sorge. -- Politische Sittlichkeit und Realpolitik. Von Hoch- schulprofessor Dr Robert Saitschick. - Kritik: Neue Romane. Von vra"z Herwig. Kulturgeschichte des Mittelalters. Von Universitäts- or Tr. W Meister. — Rundschau: Kriegsbetrachtung. Zwei österreichische Fuyrer. Hugo Münsterberg. Quo vadiS, Gallia f Kunstbeilag^ ^E^- Wagners „Faust'-Komposittonen. - Unsere Bilderrätsel. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummerr Einband. Meise, Pauline, Aekse, Ballerina. Wilna, Ar»»ee Wilhelm. Schrt'tteitung: Fr. R. Zenz. Zwilliugsrunddruck uiid Vcrloa der Brtthl'schen Univerfttäfs-Buch- l,nd Stetudruckerei. R. Lange, Gießen.