Königsträume. Roman von Karl Busse. (NacArnck verboten.) (Fortsetzung.) „Weg da!" sprach der Gen^rrn: unwirsch, „was sollen! die Dummheiten! Seht lieber zu, daß es e:uh nicht ebenso« geht." Aber immer stärker schwoll das Rufen: „Laßt den Wenzel frei! Er muß frei sein!" Messer blitzten. Ein Formal hatte den Strick gepackt, mit dem die Arme des Gefangenen gefasselt waren, und versuchte mit scharfem Schnitt ihn zu lösen. „Bist biL von Sinnen?" schrie Peter Wroblewski ihn an. Er gab ihm einen Fauststoß vor die Brr:st, daß der Fornal zurücktanmelte. „Freunde," sagte er, „bedenkt, was ihr tut! Der Wenzel ist mein Gefallgener. Ich muß ihn abliefern. Und ich rate euch im guten, geht nach Hause. Wer sich an diesem hier vergreift und versucht, ihn freiznmachen, der vergreift sich an mir. Ich jedoch bin die Obrigkeit." „Gib den Wenzel frei, heulte statt jeder anderen Antwort die Rotte. Der zurückgestoßene Knecht hatte sich wieder gefaßt, die Wut verzerrte sein Gesicht. „Psia Krew!" schrie er auf und stiirzte sich von neuem auf Wenzel Smilicz. „Nur die Arme frei, macht mir die Arme frei," flehte dieser. „Das ist Rebellion! Ich fordere zum Auseinandergehen auf! Wer der Aufforderung nicht folgt, ist verhaftet!" Krebsrot im Gesicht, zog der Gendarm den Revolver. „Eins zwei —" „Und drei, Freundchen," lachte Wenzel Smilicz höhnisch. Eben hatte er die Arme frei bekommen, und ehe es Wroft blewski hindern konnte, schlug er ihm bei „drei" den Revolver aus der Hand. Er entlud sich, ohne daß jemand getroffen wurde. „Er hat geschossen," brüllte die Menge — „auf mtö geschossen! Schlagt ihn tot, auch er dient den verfluchten Deutschen!" „Zurück!" schrie Peter Wroblewski und zog den Sabel. Mer ehe er noch Rückendeckung gewinnen konnte, war er gepackt, der Säbel war ihm aus der Hand gewunden. „Hängt ihn aus!" frohlockte Wenzel Smilicz. „Warum hilft er dem Ketzer? An beit Baum mit ihm!" Da stürzte, den großen Hammer in der Faust, den er eben geholt, Michael Laskowicz herbei „Rührt ihn nicht an! Mein Hammer schlügt jeden, der ihn anrührt. Er ist ein Pole. Habt ihr nichts Besseres vor?" Wenzel Smilicz hatte blutunterlaufene Augen. Sein Kopf war noch dumpf von dem furchtbaren Schlage. „Ins Schloß!" brüllte er, „der Schmied hat recht! Rache für die heilige Jungfrau!" Er wußte kaum, was er schrie. Wer wild nahm der Chor es aus. Und im Sturmschritt, als wollten sie alles vor sich niederwerfen, ging es dem Gutshof zu. Auf Peter Wroblewski achtete niemand mehr. Er blieb allein. „Heilige Mutter Gottes," das war alles, was sich seinen Lippen entrang: dann betastete er sich, ob er auch ganz geblieben. Und erst, als er darüber beruhigt war. suchte er nach dem Revolver, nach dem Säbel. Vergebens! Die Leute hatten die Waffen als gute Beute ruitgenommen. Verzweiflung packte den Geildarm. Und ferm tönte der Lärm der erregten Leute. Rach dem Schroffs wollten sie, zum Baron! „Maria und Josef, sie werden ihn töten!" Und mit einen: Schrei stürzte er ihnen nach. Der Schmied von Nasgora und Wenzel Smilicz stürm- ten voran. Mit Aexten und Sensen folgterr die anderen. Wer keine Waffe besaß, raffte große Feldsteine vom Wege auf. Eine wilde Zerstörungslust und Mordgier schien über die Leute gekommen zu sein, die sonst demütig jedem, dev bessere Kleidung trug, den Rockzipfel küßten. Ein Hütejunge sah zuerst die s:ch heranwälzende Schar Er alarmierte das Haus. Hans Albert wollte es nicht glauben. Mer als immer mächtiger der Lärm herüberscholt, ward er schwankend. „Das Gittertor schließen!" kommandierte er. Er war wieder der alte Offizier „Me Mann ins Schloß? Oehmke muß zu meiner Tochter. Sie soll mit allen Mägden im Oberzimmer hakte::. Ihr besetzt die Fenster!" Er selbst stürzte zum Gewehrschrank. Die Waffen wurden verteilt: das Haustor, die Tür war eichen und eisen- beschlagen, geschlossen und verbarrikadiert; die Fensterläden, bis auf diejenigen Fenster, aus denen geschossen, werden sollte, vorgelegt. Es war knapp geschehen, als die Scharen gegen das eiserne Gittertor heranwogten. Ein Wut' geheul brach los, als man durch Rütteln gewahr wurde. ,daß die Tür verschlossen war. „Der Dachs macht den Ball zu! Räuchert ihn aus! Schlagt das Gitter in Stiicke!" scholl's durcheinander. „Die Köpfe fort!" schrie Michael Laskowicz. Klirrend sauste der mächtige Hammer gegen das Schloß der Tür, ein* mal, zweimal. Plötzlich ein Toben, das in einen einzigen schrei anslief „Der Ketzer, da steht der Schuft, schießt. Leute!" Der Baron war ans Fenster getreten, die Flinte schußbereit. „Fort da!" tönte seine mächtige Kommandostimme „Was wollt ihr auf meinen: Hofe?" „Dich, Hund!" schrie der Schmied. Die Stunde der Rache hatte ihm alle Besinnung geraubt. „Dich! Dich!" heulte der Chor nach. „Auf die Mauer! Bück' dich, Bruder, es dauert M lange, ehe der Weg frei ist!" Aus den Schultern der anderen erkletterteil die Ber- loegensten die Mauer. 46 „Ich schieße!" rief der Baron wütend. Der Hahn knackte. Einen Augenblick ward es still. Jeder wich, nach Deckung suchend, zurück. Nur Michael Laskowrcz schmetterte den Hammer gegen das Gitter, als höre und sehe er nichts'. „Schieß' zu!" höhnten ein paar Knechte und sprangen Von der Mauer in den Hof hinab. „Schieß' zu!" tönte eÄ johlend von draußen. Ein Hagel von Steinen flog gegen das Fenster, an den: der Baron stand. Die weiften oep Steine fielen schon in der Mitte des Hofes nieder. Da Machte der Schuß. Hans Albert hatte mit Schrot geladen. Ein kurzes Wehegeheul bewies, daß ein paar Körner getroffen. Aber das verdoppelte nur die Wut der Leute. „Werst Feuer in die Ställe, Feuer in die Wirlschafts? gebäude! Heißa, bratet den Oehmke! Er hat uns genug geschunden!" „Schurken!" donnerte Hans Alberts Stimme. Sein Gesicht verzerrte sich. Er hatte alles verstanden. llrrd wieder krachte ein Schuß. Auch der deutsche Diener feuerte jetzt. Da drängte sich Peter Wroblewski durch den Haufen. Der Helm saß ihm schief. Er bat, drohte, beschwor, inan lachte, man hörte ihn nicht an. „Michael Laskowicz, allmächtiger Gott, was tust du? Freundchen, was tust du?" Es war ein Berzweiflungsschrei, aber der Schmied wandte nur einmal das Haupt. Einen Moment stand der Gendarm wie betäubt. Dann stürzte er zurück zum Nhulzenamt. ,^uer bestes Pferd, Schulze," keuchte er. Ist fliegender Erle berichtete er. Fünf Minuten später galoppierte er wie gejagt die Chaussee entlang. Der Helm saß immer noch nicht gerade. Waffen fehlten. Er sah so unvorschriftsrnäßig wie möglich aus. . Es war ein trüber Tag. Der Nebel senkte sich schon Md«. „Flieg', Pserdchsn, flieg'," ermunterte Peter Wro- btewskr den Gaul immer von neuem. „Wenn wir rrur erst Stralkowo haben und die Dragoner!" 13. Kapitel. An der Wegkreuzung, wie verabredet, waren Napoleon Kutkowskr und Wladimir Nybsczynski mit kleinem Geleit Lusammengetroffen. Kasimir Rzonka ritt neben dem Grafen, Bartek Zychod verklärten Gesichtes hinter ihm. Drei der treuesten und verwegensten Burschen, die der alte Diener selbst ausgesucht und bewaffiiet hatte, waren schon vorher abgesandt und hatten unauffällig in der Nähe des Rendezvous-Platzes Posten gefaßt. Napoleon Rutkowski sah merkwürdig aus. Das Fieber der Erwartung, die Unruhe der letzten Tage und Nächte, der Gedanken an Versen und Hanna, der ewige Gedanke an das verzweifelte Sprel, das er spielte — altes hatte ihn mitgenommen. war jetzt totenblaß, und es dauerte nicht lange, so glühte fern Gesicht wieder. Die Lippen zitterten M der inneren Erregung. Das nervöse Zucken um die Mundwinkel erschien häufiger als je. mir Augenblick zurück sein," sagte Kasi- mu Rzoiika, der ihn unauffällig betrachtet batte. Die Hauptsache bleibt, daß den Leuten effigeschärft wird, wann sie den Riickzug antreten sollen." ' "Schiri gut! Sie wissen es und kennen den Pfiff." helles Srgnal^ üeinc P^ife hervor und entlockte ihr ein Im schnellen Laufe näherte sich in diesem Auaeiiblicke tom Dorfe ein Mann. Es war der, der den Schmied in der Schenke aufgesucht hatte. Gleichzeitig hörte mail von Nas- gora her pnen wüsteil Lärm. TnTf ^^!b.der!Tanz beginnt. Und der Ketzer soll tanzen, daß die Engel im Himmel sich freuen." hf ™ aSa* %äü)eh \: ftoieltc um die schmalen Lippen Rybiczynvkis. Er grffs nach dein Säbel. Der Rosenkranz den er um, da-. Handgelenk geschlungen batte klirrte leis^ Iah hatte Napoleon Rutkowski seii?Pserd he rnrn geworfen ZiLvwSfX We mmtn die der alte !«, dM&B KSSB JK ÄS %Sf$ l-bem der nur das gnädige Fräulein bringt. Habt ihr sie fosort auf Barteks Pferd und zu mir." ^ 9 ' ' „^.-ie Euer Gnaden befehlen: tat oder lebendig!" ^ b ‘ # ' - ^ut,' stieß er hervor, „tot oder lebendig!" . -?^r Lärm wuchs; man hörte ihn deutlich. Der Bote winkte. Im Lauffchritt eilten die Burschen dem Dorfe zu. ,;AIea jacta est;“ lachte Napoleon gepreßt und drückte den Hut fester, „wie wäre es, meine Herren?" .. /lud über die Felder fort, der Chaussee parallel, galoppierten die Reiter vorwärts, am Park vorüber, bis sie auf einer kleinen Anhöhe hielten, die fast in gleicher Linie mit dem Herreuhause lag. lieber die niedriger: Wirtschafts- gebaude fort sah man in den Hof. Der Hof war leer. Nur die lvenigeu Burschen, die über die Malier geklettert waren^ tauchten ab und zu auf. Sie suchten Deckung hinternr Brunnen und versuchten, zu deil Stallen vorzildringen. Dem einen war es gelurrgen. Als kemre er kerne «Ermüdung, schichtete er Heu und Stroh au den Stallen empor. Noch immer arbeitete der Schmied wie ein Verzweifelter. Plötzlich ein wilder Schrei: „Vorwärts, vorwärts!" • lt Z ll £ efhlmer Kraft warf sich die Menge auf das Gitter, ern Krachendes gab nach. Uub der Schmied stürmte als erster Arbeit " ^ n 9 an 9 in fc^it Hof. Sein Gesicht glühte von der „Los!" brüllte er, „die Steine!" or , r Inster verbarrikadieren!" kommandierte Hans Alberk. Aber ehe es geschehen konnte, flog ein Hagel schwerer Feldsterne gegen die beiden offenen Fenster, daß er zurück- sprlngen mußte. . Einen Ailgenblick nur zögerte er. „Zurück!" befahl er dann, „alle Mann m den Flur." ... drängten die Empörer gegen die eichene Haustur. Ern Wutgeheul erfolgte, als sie nicht nachgab. „Aexte her, Johann, Kohalyn, nimm die Fenster!" „Kommt nur!" keuchte der Baron. Fünf Leute hatte er ^erfugung. RechtL Ulld links stellte er die beiden mit Buchsen bewaffneten Dicn?r auf. so daß sie durch die offene ^ur d,e beiden nicht geschlossenen Fenster bestreichen konnten. Dann gab er leise Anordnungen. S? fa £^ nt< V u .. °uch schon dumvf die Axtschläge gegen die Haustür. Man horte das Holz splitterr» ..Aufhassen!" rief Hans Albert. fr tauchte am linken Fenster ein Kops auf. ^ohann Kohalyn war auf die Schulter eines an- deren Fornals gestiegen. Der Branntwein hatte ihm 5Kut fl s n0 2Ü t .Fensterkrenz zog er sich in die Höhe. Schon aber krachte ein Schuh. Mit einer» gräßlicheii Aufschrei ließ b J* f et ”® Hände griffen in die Lust, und wie eln Sack slel er zurück. „Murin und Josef, tot!" rief es von unten. Dann es am Fenster still. Auch die Axtschlüge an der Tür )orten kurz ans. Ern dumpfes Elltsetzen schieil die Leute zu lacken, da nun der erste von ihnen gefallen war. Hans Albert hatte sofort ivreder geladen. .Dann wischte er den Schweiß von der Strru. ^ „So bald kommt rnir keiner mehr durch das Fenster," CX • Nach der kurzen Stille fing das Johlen draußen ivieder an Sre statterr Zuzug bekommen: Die Leute Rntkowskis und Rhbsczynvkiv, dre besser bewaffiut warerr als alle Nasao- raer, hatten den Hof erreicht. ö «s wollten sie zeigen, daß sie da waren, schossen sie ins ST in StMe " U ’ ,b i8T0<,en °°u der bie Waffen?" "Woher haben die Schufte .. Fs ward ihm noch heißer. Und immer heftiger erzitterte die Tür unter den Schlagen der Aexte und Beile 4 (Fortsetzung solar.) Die Sicherung unserer riattoffelbestände. Dr O. A p p - l, Mitglied der Kaiserlichen Biologischen cknstalt sür Land- und Forstwirtschaft. Trotz detr geringen Karwffelernte werden wir mit den vor- bandenen Bestanden auskommeu, w>eml ioir die Kartoffeln nchtia behandeln — aber auch Nur dann. rrcyng . , Iie Grundlage für unsere Ernährung mit Pflanzenkost bildet das Getrerde und dre Kartoffeln. Durch lange Gelvöhnuna süid lvir entgegen anderen Bollern mehr auf die Kartoffel angewiesen und da ^^n F^denzerten stets euren Ueberflnß darair hatten, ist nach und nach dre Kartoffel zur hauptwchlrchsten Grundlage der Ernährung des größten Tecks unseres ÄolW geworden. Durch den Ernte^ ansfall dreses Jahres würde diese Gnrndlage erschüttert sein, loemr 47 ftnr nicht tn der Kohlrübe, die dies Jahr besmrders reichlich gelvachseN W, ein wertvolles Streckungsmittel für die Kartoffel erhalten hätten- Kartoffel und Kohlrübe zusammen aber reichen aus, um uns vor Not zu sichern. Nur ist es liotwendig, daß sie ihrer Eigenart nach behandelt und verbraucht werden. * r ..... Die Zeit, für die wir auf diese Vorräte angetviesen sind, erstreckt sich bis etwa Mitte Juni, zrvar tritt schon von Mitte Mai an eine Senns.se Entlastung durch Frühgemüse ein, doch muß ein Teil unserer Vorräte noch darüber hinaus erhalten werden. Erfahrungsgemäß hält sich die Kohlrübe mcht so lange, während die Kartoffel b^i sorg- fälttger Behandlung länger wie diese zu erhalten ist. Daher ist durch die Regelung des Verbrauchs die Kohlrllbe jetzt mehr in den Vordergrund getreten. Um die Kohlrübe bis in den Mär- hinein zu erhalten, wird sie än einem frostfreien aber kühlen Ort etwa 1' Meter hoch anfge- schichtet. Da sie luftig liegen muß, verfährt man dabÄ am besten so, daß man beäm Aiuflogen etwa alle V-Meter trichterförmige Lücken mit einem oberen Durchmesser von 3 /4 bis 1s Meter bildet. Dadurch iü auch ein besseres Nachsehen möglich, so daß man etwa sich bildende Fäulnisherde leicht erkennt und die gefährdeten Mengen dem soforttgen Gebrauch zuführen kann. Etwas schwieriger ist es, die Kartoffeln bis in das Frühjahr hinein ohne wesentlichen Verlust zu erhalten, und es ist unbedingt erforderlich, daß alle diejenigen, die mit der Lagermrg der Kartoffeln zu tun haben, sich klar machen, daß die ihnen anvertrauten' Kartoffeln ein wertvolles Gut des ganzen Volkes sind, und daß sie die Verantwortung ttagen für Verlustej, die Mer bas unvermeidliche Maß hinausgehen. Die unvermeidlichen Verluste entstehen durch die Atmung und Verdunstung. Die Atmung findet im geringen Maße auch bei niederer Temperatur statt und sbeiigert sich entsprechend der Zunahme der Wärme. Die Verdunstung ist am größten bei offener, luftiger Lagerung, am geringsten bei gedeckter, also Mietenlageruna. Beide zusammen dürfen aber As in den Apckil hinein nicht mehr betragen als etwa 10 W höchstens 15 'Protzent. Bei längerer Lagerung im Frühjähr ist eine weitere Abnahme nicht immer zu vermeiden, die durch das Keimen herbeigeführt wird. Aber auch dieses kann durch geeignete Maßnahmen in niederen Grenzen ge halten werden. Diesen unvermeidlichen Verlusten stehen die vermeidbaren, leider oft mit ganz.beträchtlich höheren Zahlen gegenüber. Ihre Ursachen sind frtthzeittge Keimung u:ck Fäulnis. Das Auftreten beider wahrend der kühlen Jahreszeit ist stets ein Zeichen dafür, daß nicht tue notige Sorgfalt angewardet worden ist. Leider ist vielfach jetzt zu bemerken, daß Kartoffeln mit arg gebrochenenKleimtztr oder angefault ausgegeben Werden. Ueberall da, wo dies stattfiudet, muß eme sofortige sachverständige Besichtigung der gelagerten Vorräte stattftnd^l, damit dre Ursache dafür festgestellt imd sofortige Ab hrlfe geschaffen wird. . , In vorbildlicher Weise hat tu dieser Beziehung das Konnnando - l^rrdekops eine Einrichtung geschaffen, von der man nuri wünschen könnte, daß sie überall, besonders in den großen Städten, nachgeahmt »vürde. Eine Kommission von Sachverständigen besieh- ttgt die sämtlichen Kartofselvorräte und zioar sowohl die in deN> Schal räumen zur Verarbeittmg befindlichen, als auch die in den ANfberoahningsräuinen und Miete:: lagerrrden. Zeigt sich dabei, daß dw Kartoffeln schon jetzt Keime bringen, so werden sofort die notigen Anordnungen getroffen, um ein Weitertreiben der Keime zu verhindern. Im kürzester^ von der Kommission festgesetzter Zeit rst cur Bericht an das Generalkommcuido über die Ans- fuhnmg der angeordneten Maßnahmen zrr erstatten, und es erfolgt eine Nachprüfung Durch Vermittlung des Kriegsürinisteriuins Es mrr m der liebenswürdigsten Meise gestattet worden, erne Reihe solcher Besrchtiguiigen rnitzrunachen. Ich nröchte nicht verfehlen, hervorzutzebe::, daß an all den Stetten, die ich zu be- sichttgen Gelegenheit hatte, oft unter ausgezeichneter Mpassnng aii schwerrge Verhältnisse, die Lagermrg der Mt war, daß bis jetzt nennenswerte Verluste nicht, entstcurdeir find. Da, ioo Gefahr drohte, war es überall möglich, solche Anordnungen zu treffen, dre eure wertere gute Lagerung sichern. Da die Besichtigungen! von Zeit zu Zert wrederholt werden, besteht für die hier auf- gestapelten Vorräte alle nur mögliche Sicherheit vollkommener' Erhaltung. da-I dic Kartoffel» in diesem Jol>re besonders schlecht haltbar seien. Im nemissen Sinne ist dies auch ruht lg. daraus darf aber keinesfalls abgeleitet lver-dcir, daff nun em größerer Teil Kartoffeln gründe qelMi muff, «ne erhöhte Sorgfalt mrMoendeu rsd Die schlechte Kaltbarbeit hat sich besonders kur» nach der Ernte ^ wnrde gefördert durch das mangelhaft aus- > ^esen fauler Md kranfer Kartoffeln und duilch dir . Anlagerung, die Kartoffeln genügend L 11 dieser Effnoand der friMcegfen Haltbarkeit beim lebt müssen alle Kartoffeln verlesen JJI 1 ^ ^m, daß selbst von einzelnen zurtickgeblie. denen KarwMn sich eure Fäulnis nicht lveiter verbreiten kann. kt, Kartoffeln letzt nicht in tadellosem Zustand sind, Amende oder faule Kartoffeln zeigen, muß sofort Dag tarn weitere Verluste Svin- g^i7. Mm: beruhige s:ch mcht dabei, daß nur ein geringer Teil m erner großen Menge fit, denn jede einzelne Kartoffel kann andere anstecken ,und somit den Verlust rasch vergrößern. Auch ein Fortschritt der Keimung bedeutet natlirlich einen forttchreitendeN Verlust. Es kommt tveniger darauf an, ein besttmmtes Systein der Lagerung etnzuführen. als vielmehr den Grundsatz zu beobachten, daß die Temperatur des Raumes, in dem die Kartoffeln lagern, keinesfalls 8 Grad übersteigen darf, sich im Gegenteil bei 2 Grad unter Rull am besten hält. Tiefere Temperaturen inachen die Kartoffeln süß, bei 3 Grad unter Null erfrieren sie. Damit die Kartoffeln aber auch innerhalb der Haufe:: auf die richtige Temperatur wnnueu, legt mml sie, wenn es irgerrd geht, auf Lattenroste, von denen aiis in Entferimng von 2—3 Metern ebenfalls aus hatten hergestellte Lüftungskanäle iiach obeir durchgehen. An Stelle der Lattenroste genügen unter Umstände:! auch auf den: Boden, liegende Lustzüge, die man leicht aus einigen Latten zusmninew- schlagen kann. Vor allem ist darauf zu achten, daß die Kartoffeln nicht hoch gelagert weckden. Im allgemeinen sotten sie nicht Mer 1 Meter gelagert werdeii. Je empfindlicher die Kartoffeln siiid, um so flacher lagern sre. Raummangel ist dabei keine Entschuldigung, denn die Gefahr erner hohen Lagerung ist so groß, daß unter allen Umstanden die Räumlichkeiten beschafft werden müssen. Dabei kann wgar, wie «k, Gelegenheit hatte zu sehen auf den .Vorteil der Kellerwohninrgen zurückgegriffen werden, die durch Ausheber: der Tureu und reichliches Oeffnen der Fenster zu guten Lagerräumen ge:nacht werden können. . ; 4 Wo besondere Einrichtuiigen, :vie z. B. die Karch'schen Äe- valter, vorhanden sind, ist nötig, dieselben sümgemäß auszunutzen d. h. die Kartoffeln an den verschiedensten Stellen zu entnehmen und wenn an irgend einer Stelle sich Fäulnis zeigt, alles kranke auszulesen nrrd die Kartoffiln umzulegen. Auch Mieten müssen ^^.lveder öfter auf ihre Wärme untersucht werden, wobei die Einstoßstellen des Thermometers besonders sorgfältig zu schließen sind, kluch tut man gut, die Miete:: gelegentlich an einer Stelle zu vwlen und gefährdete Mieten umzulegen und erst nach guter Abkühlung vollkommen zu decken. Haben die Mieten sogenannte Schornsteine, die an sich nickt zu empfehlen sind, so sind diese durch Kappen so zu schützen, daß kein Regen eindringen kann, da wnst nickst nur keinen Vorteil, sondern durch Durchlässen der Feuchtigkeit schaden bringen. Liegen Mieten auf Gelände, von deni ber der ^chneeschmelze oder bei längerenr Regen das Wasser nicht vollständig imd rasch abläuft, so sind baldigst Abzugsgräben an- znbrmgeii. Auch Einstreumittel werde:: gelegentlich nüt Vorteil benutzt. Von dem früher enipfohlenen Torf, Asche. Kall und Schwefel kommt Schwefel fetzt Merhaupt nicht in Betracht. Die anderen ha^n den Zweck, die Trockenhaltung der Kartoffeln zu fördern, doch stehen in günstigen Erfahrungen nur wenige gegeiiliber. Ties ist auch.mit dem neuerdings als Einstreumittel empfohlene:: Me- gasan der Fall. Während es bei sonst offener, trockener Lagerung rn Hamburg be: großen Mengen Kartoffeln anschefiiend gllnsttg war und das Anstrocklen einzelner faitter Kartoffeln bewirkt hat, war diese Wirkung bei der Anwendung in Mieten incht überall zu erkennen. Diese Winke werden bei der Vielseitigkeit der Lagerung der Kartoffeln noch kaum alle Möglichkeiten ei'schöpfen, die Gefahr brmgen könne::. Daher wird es am sichersten sein, ähnlich wie es bccm Heere und der Marine schon der Fall ist, Sachverständige' heran zu ziehe::,^ die jeden einzeluen Fall richttg zu beurteilen vermögen nud d:e dre notwendigen Maßnahmen anzuordnen in der Lage sind. Elnzelne Städte, wie z. B. Köln uird Hamburg, sinh m dieser Beziehung schon vorangegcnrgen, andere aber liefern tz^lte noch an ihre Einwohner Kartoffeln, denen man imsieht, daß fie schlecht gelagert sind. Hier muß sofort Wandel geschaffen imtor, es ist die liöchste Zeit! Schach. Vor: Franz Reinhold Zenz. Karl Walm ttat ans Fenster. diesem Augenblick zerfraß das stechend kalte Licht eines Plötzlich aufgestovenen Hochofens den taubgranen Bleimantel der Regenwolken. Hänserfionten, Asphalfflüchen sprangen mit einem Male grell und unnürklich aus dem verschleierten Platzbilde Ans reslexerhettten Fensterm schossen die Lichtstrahttm :me vergiftete Pfeile ingrimimgen Haßes. Karl Walm wich unbewußt vor ilmen eineir Schritt ins Ziin- Da gellte ihm die Flnrkiüigel schneide::der wie sonst ans Ohr, iind als er :nechan:sch einen Schritt tat. um zu öffnen, smang ieinc eigene Zimmerttlr schon auf. Noch geblendet vom Mrzenden Lichte nnteifchied er erst :nrr eine dunkle Gestalt, die fich von der- helleren Tapete Myob. Sie T>atte sich zu einer leichten GerbeiigNng geneigt Jnr nächsten AugcMlick stand sie wieder bock- aiifgerichtet, imd Karl Walm sah in ihren Augen das gleiche steckfend kalte ^icht aufblitzeu, das eben die Landschaft zerriß. Nnwilllnrlich schnellte er den Kopf zur Seite, zu setzen, ob ern Reflex von draußen her im Auge des Fremden ausflam:ne:-> o c V ■<£"*"** des Lichtes war wieder abgedäinnit; die Landschaft m die taubgraue Dämmerung des Regentages z.rrück- gesunken. Ter Fremde war inzwischen Karl Walm näherg-ekom-nAn. Gr sab bleich ans. Eine Falte bitteren Lächelns verzerrte semc Lippen. Mit übernächtigtem Glanze siegten die Augen über ine sichto-are Müdigkeit der Lider. . - ..'Wer sind Sie?" fragte Kart Walm herrisch und fchars. Ter Fremde hob kauin inerklich die Schultern. Dann sagte er mit einen: seltsamen Nachdruck auf jedem Worte: „Maria Kaska liebt Sie!" „Herr!" brauste Karl Walm auf. Ter Fremde parierte die Aufwalttuig mit einem lerfen AchM- rucken. Und wieder sagte er mit dein seltsamen Nachd^ick, der iwrÄ Wort neuprägte: „Sie ist mein!" ' , - Karl Walm wollte lachen, aber er vermochte es nich t. ,^er Fremde l)atte sich steil aufgerich-tet, in seinem Blick funkelte wreder das stechend kalte Licht. Dieser Blick vernichtete in ihm dre Sicherheit des Besitzes. . „ „lllnd »denn auch," wandte er em, „jetzt gehört srr mrr. Ter Fremde nickte. „Ich gebe mein Rocht nicht preis. Einer ist zuvrel. Karl Walm bäumte sich auf. „Wer zuviel ist. sind Sie. Ihr Anspruch ist. veraltet." Ter Fremde hob wieder die Llchseln. Die Falte mtteven» Lächelns grub sich tiefer in seine Lippen. „Aelter. ilicht veraltet." . ^ Zitternde Wut riß Karl Walms Besinnung mit sich fort. „Herr, lvas wollen Sie von mir." „Einer ist zuviel," wiederholte der Frnnde. „Jawohl, einer ist zuviel!" schäumte Karl .Walm. „Was wollen Sie noch? Sie siiid zuviel!" „Das soll sich entscheiden." „Es ist entschieden." „Nein!" Ter Fremde hatte dieses „Nein" jäh Mid scharf losgeprellt wie den Stern einer Schleuder. Karl Walm taumelte. . Tiefen Sieg nutzte der Fremde. Den Gegner immer mtt dem Bann seines Blickes niederhalteud, trat er abermals einen Schritt näher. „Wie wollen Sie das entscheiden?" fragte er. ,. „ f Karl Walm zuckten blitzschnell die Möglichkeiten durch s Hirn: Säbel, Pistole, schwarze Kugel. Er Milderte. Ta traf sein alnrren- der Blick den kleinen Spieltisch und klanimerte sich Mi den: Schach- brett fest, aus dem eine beendete Partie noch stand. Karl Walm hatte sie gewonnen. „ ^ , Ter Fremde loar den: Blick gefolgt. Auch er sah das Spiel. In leisem Hohn kniff er die Lippeii. „Gut," sagte er. „ick) nehme an." Karl Walm atmete ans, er wußte, hier hatte er Chancen, hier toar er nicht einem unberechenbaren Zufall ausgeliefert. Ter Fremde nahm den Tisch und trug ihn zum Fenster. Dre Tiefe des Zimmers war von den Schleiern einer frühen DämMe- rung verlMigen. Karl Walm griff nach den weißen Figuren, um sre zu ordnen. „'Halt," gebot der Fremde, und hielt ihm die beiden geschlossenen Hände entgegeii. Karl Walm berührte die Rechte selires Gegners. Ein stechender Funke sprang von dieser Hmid in senre Fingerspitzen. Sie öffnete sich, und auf der Handfläche rollte wie ein Hohn die schwarze Dame. Der Gegner hatte den ersten Zug. Ein grausames Lächeln huschte über die Blässe seines Gesichtes. Karl Walm sing es auf. Daß er schwarz gewählt, durfte ihm keine Vorbedeutung sein, aber das Lächeln des Fremden zwang es ihm als Vorbedeutung auf. Seine Hände waren unsicher beim Ordnen der Figuren. „Ich gebe die Springer vor," höhnte der Fremde. „Ich lasse mir nichts schenken.," knirschte Karl Walm zur Antwort. Achselzuckend schvb der Fremde ]einen Königsbauer vor. Karl Walm folgte. Tie ersten Züge Mt er in einer fahrigeii Hast. Er hatte kaum gezogen, so schob sein Gegner kühl und sicher die nächste Figur vor. Das Spiel entwickelte sich rasch. Karl Walm hörte seinen eigenen Herzschlag das Zimmer durchdröhnen. Er brannte eine Zigarette an, das sieberhaste Schwüigeii seiner Nerven zu betäuben, aber er warf sie loieder wög. Mit lveit vor< 7 estrecktem Kops verfolgte er das Spie! und fühlte, daß er doch' nicht dabei war. Ter Blick des Fremden bohrte sich durch seine Schädeldecke und lähmte sein Tenken. Gierig verfolgte er die schmale HMid des andern, wenn sie eine Figur vorrückte, aber nur mechanisch fand er die Entgegenung. Plötzlich sah er die weiße Tarne chren Platz verlassen und auf seiner: König eindrmgen. „Maria Kaska", stöhnte es in ihm. „Maria &vo sie bet spannender Handlung auf die Anlehnung deL Lesers an die Wiege des Stoffes vollauf verzichten kan»:. Tanschratsel. 1. Nagetierchen 2. Getränk 3. Empfindung 4. Stück Land 5. Altes Gewicht ü. Rückstand 7. Himmelskörper 8 . Wassertier 9. Fanggerät — b Gebäude. Nahr:u:gsinittel. Charakterzug. Märcheugestalt. Land in Asten. Baum. Gesäß. Hausgerät. HimmelSbewohuer. Aus der: Wörter»:, deren Bedeutung unter a. angegeben ist, sollen durch Umwandlung des Anfangsbuchstabens die u,:ter d. an- gedeuteteu Wörter gebildet werden. Sind die richtigen Wörter gesunden, ergeben die 'Anfangsbuchstaben derselben unter d im Zusammenhang einen weiblicher: Vornau:eu. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Si»u:rätsels in voriger Stummer BchriftleUuna: Fr. R. Zenz. — ZwillmgSrunddruck uub Verlag der öirübl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.