Kömgsträume. Roman von Karl Busse. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) -Der Mann, der jetzt im Schlitten durch die nordische Winternacht nach seinem Gute fuhr, lächelte. Der Frost war stark, die Gäule dampften, uns dem Walde bellten manchmal hungrig die Füchse. Und er, er dachte jetzt an das heiße, berauschende Leben in Paris, an weiße Schultern und leuchtende Augen, an Fächer, die seinen Fürwitz gestraft, an rote Lippen, die im großen kreise in konventioneller Zurückhaltung mit ihm geplaudert und nachher ihn verschwiegen geküßt hatten, wild und süß und jugendtoll. 0, er hatte Glück gehabt bei den Frauen. Trotz der starken Einwanderung galt ein junger reicher Pole aus einem der ältesten Adelsgeschlechter noch immer etwas in Frankreich. Und das Unglück des gekuech-, teteii Polens rührte die schönsten Damen so, daß sie in Huld und Güte dem Sprossen dieses Landes entgegenkamen. Er seufzte. Dann starb die Mutter. Er müßte nach Hause. „Ich sehe Sie schon sitzen, lieber Graf," hatte die kleine, geschmeidige Gräfin Corignon am letzten Abend gesagt, „tief im Schnee in Ihrer alten Burg, und draußen heulen die Wölfe, uiiD die Wälder knarren, und kvcnn irgend so eine Nachteule schreit, schrecken Sie auf, und es friert Sie bis ins Herz, denn Sie sind fort von Paris und tonnen Mir nicht mehr die Hand kiissen, und hören die Wölfe statt der Tanzmusik. Sie dauern mich wirklich!" Wenn es auch nicht gar so schlimm ward, viel besser schien es ihm zuerst wirklich nickt. Er war ein Fremder in der .Heimat. So machte er bald, daß er wieder fortkam. Bis schließlich vor drei, vier Jahren der Tod des Vaters, ihn ganz heimrief. Erst da sah Napoleon Rutkowski, wie reich er lvar. Ob auch der Besitz nicht mehr ruit dem zu vergleichen war, den die Familie noch oor hundert Jahren besessen, es blieb doch genug und übergenug, und kein polnischer Magnat konnte sich mit ihm messen. Mit einer gewissen Rührung konstatierte er vor allem, wie sehr sein Vater gespart hatte. Wofür? Er sann lange nach Gerade saß er am Schreibtisch. Da fiel sein Blick auf das Bild des Königs — auf das Bild Stanislaus des Zweiten. Er wurde rot, suchte und klappte die Bücher zu. Sein erster Entschluß war es gewesen, sofort wieder zurückAukehren nach dem „Herzen der Welt", nach Paris. Rin einen passenden, tüchtigen Verwalter brauchte er für die Güter. Er sah sich lange vergeblich um. Und langsam gewann während dieser Zeit die Vergangenheit wieder Macht über ihn, das alte Ächloß, darin er als Kind gespielt, Stanislaus der Zweite, dessen Krone er hatte haben wollen, die einsame Heimat. Viel tat dazu der Verkehr mit seinen näheren und fer- ^ neren Gutsnachbarn. Die ungeheure Hochachtung, die sie dem berühknten Namen, dem Verwandten ihres letzter! Königs, dem Sohne des besten Mtters der heiligen Jungfrau, entgegenbvachten, schmeichelte ihm. Wo er auch hin- kam, sein Naine brauchte nur genaimt zu werden, und es^- gab keine Riegel. Allmählich gewöhnte er sich so daran, daß er das für selbstverständlich nahm. Und ob er auch keine Königsträlune mehr träumte, wie ein König residierte er aus Mnchocin. So verschob er seine Abreise immer mehr. Als er schließlich auch den tüchtigen Verwalter gesunden hatte, wollte er erst sehen, ob auch die Dinge richtig in Gang kamen und er sich aus den neuen Manu verlassen könne. * Und weiter: auch Bartek Zychod, der ihn bisher stets begleitet hatte, verzog in Todesangst das Gesicht, wenn er nur von Paris hörte. „He, Alter, warum willst du nicht mit?" hatte er ihn eines Tages gefragt. „Werden die Beine steif?" Das kränkte den trenen Bartek. „Euer Gnaden," sagte er, „wenn es sein muß, will ich mich von Mnchocin auf den Weg machen und bis nach Paris laufen." „Na also, was ist es denn?" Da hatte der alte Diener sich kerzengerade aufgereckt und seinem Herrn starr in die Angen gesehen. „Euer Geladen, der letzte Graf Rutkowski darf jetzt nicht fort jaus Polen. Wir werden, denk' ich, zu tun kriegen, und sind hier nötiger als in Paris." Bald daraus brachen in Warschau die ersten Unruhen aus. Das war im Februar 1861. Im Oktober desselben Jahres gab es wiederum blutige Köpfe. Das Revotutious- komitee in Paris lvar in vollster Tätigkeit, um den allgemeinen Aufstand vorznbereiten. Als Nesse des Fürsten Adam Czartoryski, der in Paris gleichsam als polnischer Geschäftsträger fungierte, ward Napoleon Rutkowski natür lich herangezogen. So lauge die weiße, aristokratische Partei die Führmrg hatte, hielt er treu zu ihr. Als jedoch die Revolution tatsächlich ausbrach, die Demokraten die „Weißen" des Verrats beschuldigten, die Geivalt an sich rissen und offen als Ziel des Aufstandes eine freie Republik Polen verkündeten, zog sich Napoleon Rutkowski mit vielen an deren achselzuckend zurück. Er, der täglich das Bild dieses Stanislaus vor Augen hatte, der Königsträume geträumt hatte, der stolz war auf seine Verwandtschaft mit «dein letzten König, er wollte nur ein Königreich Polen oder gar keins? Bielseicht lMte er sich, lvie die meisten seiner Landsleute, aber doch nach kurzem Grollen entschlossen, die aufständische Bewegung weiter zu fördern, lvenn nicht etwas Großes und Neues dazwischen gekommen wäre, was alt diesen Dingen ein verändertes Aussehen gab. Das war seine erste Begegnung mit Hans Albert von Graßnick und seiner Tochter Hanna. Da der deutsche und polnische Adel untereinander keinen Verkehr pflogen, so 602 hätte Napoleon RuLkowski Jahre und Fahre auf Muchocin ilnd Skydlewo sitzen können, ohne den Baron zu Gesicht zu bekommen, geschweige denn ihn kennen zu lernen. Da trat in Wreschen zun: Bau eines Kreiskrankenhauses ein zur Hälfte aus den angesehensten Deutschen, zur anderen aus vornehmen Polen bestehendes Komitee zusammen, das ein Wohl- tätigkeitssest mit dem üblichen Bazar veranstaltete. Das ging Deutsche und Polen in gleicher Weise an, so konnte sich niemand recht ausschließen. Hanna von Graßnick verkaufte Zigaretten. Jbr bester Kunde war Graf Napoleon. Gr zechte mit dem Vater, er tanzte mit der Tochter. Aus dem Heimwege gähnte er. „Pariser Chic ist es nicht, aber für Wreschen und Umgegend, alle Achtuirg!" Am nächsten Tage erkundigte er sich, wie den Herrschaften das Fest bekommen sei. Vier Wochen später gestand er sich selbst, daß er in .Hanna von Graßnick wahnsinnig verliebt war. Was ihn reizte, das war ihre etwas kühle Schönheit. Cr hatte so viele heiße Augen in Paris leuchten sehen, so viel heiße Lippen hatten ihn müde geküßt. Hanna von Graßnick war ganz anders. Ein befreundeter Pariser Flaneur hatte ihm einst gesagt: „Attention, lieberGraf: Man sollte nur eine Frau heiraten, die einem als Geliebte zu langweilig wäre!" Fast ging es ihm so mit der deutschen Baroneß. Es war keine wilde, alle Schranken niederreißende, stürmende Leidenschaft, die ihn zu chr trieb. Die Ruhe ihrer Schönheit war's, die chm imponierte, die ihn anzog, die ihn langsam immer fester gebunden hatte. Sein Haus war einsam. In Nasgora, wenn Hanna bei der Lampe ihm gcgenübersaß, ward ihm wohl zu Nut. Cr hatte sich längst entschlossen, sie zu heiraten. Cr verschob eine Aussprache mit ihr trotzdem, teils weil noch etwas in chm sich gegen eine feste Bindung auflehnte, teils weil er sich auch so sicher und behaglich fühlte. Ein anderer Bewerber war nicht da. Und außerdem: Er hieß Gras Napoleon RuLkowski, war Schloßherr aus Muchocin und Skydlewo, und aus einer Familie, die mit Königen verwandt war. Langsam löste der stete Verkehr in der deutschen Familie ihn von der Sache seiner Landsleute. Hier und da hatte ihm einer leise Vorwürfe gemacht, andere über ihn gespottet. Familienväter, die für ihre Tochter auf den reichen Magnaten spekuliert hatten, spielten ihre Ent- rüstuiig aufs nationale Gebiet hinüber. „Napoleon der Deutsche" nannten sie ihn und zuckten verächtlich die Achseln. Der Graf merkte das wohl. Und ob er sich aiis den Leuten selbst nichts machte, es kräilkte ihn, daß der alte ungeheure Respekt nicht mehr ungetrübt war. Das beleidigte leinen Stolz. Und trotzig zog er sich noch mehr zurück, erschien selbst auf dem großen Polenbäll in Posen nicht mehr und zuckte die Achseln, wenn er vom Ausstand hörte. „Lieber beuge ich mich vor dem preußischen König als vor dem polnischen Mob," hatte er einst, als man vorsichtig sondiert hatte, zur Antwort gegebeii. Er war immer leicht gereizt. } So standen die Dinge. Da hatte der heutige 2lbend ihne von neuem ein verändertes Aussehen gegeben. Rutkowskr wickelte sich fester rn den Pelz. Abgeschütte' waren die Bilder der Vergangenheit. Was ihn heute aben so erregt hatte, was ihn jetzt noch erregte, war zweierle Einmal, daß es ein simpler Herr von Verseii gewagt hatd ihm in dieser Weise entgegenzutreten, Stolz gegen Swl Hohn gegen Hohn, Haß gegen Haß zu stellen! Das war ihr ^ ^bar, chm, der in dieser Gegend gewöhnt war, wie ei ^ \ ^pektiert zu werden! Und ferner: nid ber preußische Leutnant schien aitc auen Crnstev Absichten aus Hanna von Graßnick zu dabei ^ .^vare lächerlich gewesen, wenn die Baroneß sich heut r U * feme e r eitc ^stellt hätte. Da mußte ma x ^ar noch ernst nehmen. Das Blut stieg ich zii Kopf, als er deii Gedanken weiterspann. Wenn Versen ihr CfZ't Ä! ® 0mW einTebete ' wenn er statt seine r Graßnick in den Armen dieses Versen! Napc leon Rutkowski schloß die Augen. Es flimmerte seltsan davor. Nem und tanseiidmal nein, das durfte nicht geschehen wo die Möglichkeit da war, daß Hanna^chu verlöre gehen konnte, bäumte sich alles in ihm ans. Und noch daz verloreii gehen an diesen Schuft! Die ganze Welt sollte si eber haben als Versen! Diesem eiiien gönnte er sie nicht dieser eine sollte sie nie besitzen, so wahr er RNtkowski hieß ,Lch muß ein Eiide macheri," miirnielte er vor sich hin, „je eher, je besser!" Als wäre die Entscheidung damit besiegelt, atmete er tief auf. Der Schlitten fuhr jetzt dicht anr Walde eiitlang. .Mit scharfem Laut knickten hin und wieder trockene Zweige. Das Belten der Fiichse hatte aufgehört. Plötzlich ein Geräusch: Ein Schatten spannt sich. Wie eine Katze schwingt er sich auf die Kufe des Schlittens. Unb ehe der Gras iivch ein Wort sagen kann, ehe> die Hand den Revolver ergreift, fliegt ihm ein verschnürtes Päckchen in den Schoß. „Wir warten, Graf Rutkowski!" „Halt, oder ich schieße t" Die Pferde bäumen auf; der Schlitten schwenkt. Den Revolver in der H>and, ist Napoleon aufgesprungen—.Nichts! Für Augenblick war der Schatten im Walde verschwnn- den. Nur das verschnürte Päckchen beweist, daß es kein Ge- sperrst, sondern ein Wesen vorr Fleisch und Blut tvar. „Zum Teufel, wer ist da?" ruft der Graf. Auf gut Glück grbt er Feuer. Der Schuß weckt ein langes, rollendes Echo. Ern kurzes Lachen. „Wir warten, Graf Rutkowski!" Entschlossen springt Napoleon ab. Den Revolver in der Hand, geht er ein paar Schritte in den Wald hinein. „Worauf wartest du, Freundchen? Auf die Kugel?" Kerne Llntwort. luuuutt u |iur uu/ieiftuutiLU uu ouv, nrrva r an den Kutscher. „Nein, Euer Gnaden," sagte der Fornal. Er zitterte wie Espenlaub imb schlug fortwährend ba§ Kreuz. „Aber meine Großmutter hat erzählt, dah die Wyli*) und das Totengespenst rn den Wäldern hausen. Gelobt sei Jesus Christus!" „Halt' den Mund!" Er stieg in den Schlitten. Noch einmal rief er laut: „Wer rst da?" Die Arrtwort: „Ein Volk, das nur Hilfe ruft. Wir warten, Graf RuLkowski!" Dann blieb es still. Nicht mal das Reisig knackte. „Mach', daß du weiterkommst!" Der Kutscher ließ sich das nicht zweimal sagen. Er hieb aus die Pferde ein, daß sie wie gejagt dahins'chossen. Und daver betete er und stöhnte leise und sah scheu hinüber nach dem Walde. Die Wege sind wirklich nicht mehr sicher in dreser Zeit, dachte Rutkowski. Er lud den Revolver nerr und legte ihn auf den Schoß, griffbereit. Danrr besah er das verschnürte Päckchen. „Was wird's sein? Bettelbriefe! Allerdings eine merkwürdige Art, sie zu übergeben!" , - ®JL das Päckchen in die Tasche. Bald schweiften ferne Gedanken wieder nach Nasgora hinüber. Und er kam nrcht los von dem heutigen Abeird, bis der Schlitten mit kurzem Ruck vor der Schloßtreppe von Muchocin hielt. Diener eilten herbei, den danlpfeuden Gäulen wurden Decken uberaeworfen.- Der Flur war dunkel. Ein alter Diener mit zwei Lichtern rm ooppelarmigen Leuchter verneigte sich steif. „Jemand dagewesen, Bartek?" zil speisen?"^"^ ^uer Gnaden. Wünschen Euer Gnaden noch „Nein." Er fuhr mit der Hand über die Stirn. Ein Wink, und cner ging mit dem Leuchter voran. Im durchwärmten Arbeitszimmer setzte er ihn wieder. Fast unhörbar zündete er mehrere Lampen an. Dann zog er sich zur Tür zurück und weitere Befehle. Das Zimmer war chst ganz so, wie es schvn zu Lebzeiten des alten Grafen geweseii war ^L^twas prunkvoller vielleicht. Aber die Bilder der pol- sahen iivch ebenso starr herab, über denk Schreibtisch hing das große des zweiten Stanislaus, und manch altes Gewaffen war zwischen die einzelnen verteilt „ x d^^roßen Schritten ging Napoleon im Zimmer auf wuß??er^ ^ ^ t0nnte €X Um aU ber Aufregung, das „Bartek!" f«neXmn: 8l;tÖOb Wrte ?rilae 6i ” 9 an b «n Mienen "Zwei Flaschen, aber aus der Pariser 3eit" Nun war er allein. Er reckte die Arme. Dann sebtc er sich an!den Schreibtisch und stützte den Kopf in die Hand Der öen Sekt, öffnete eine Flasche, goß ein Der rüh rte sich „echt. Dann ivaickte er sich langsam. Setn *) Untzvlo-e Geister. 603 Mick streifte das Gesicht des alten Mannes. Es kam ihm verändert vor. Ueb er Haupt mußte Bartek Zychvd seit einiger Zeit etwas mit sich herumtragen. Er sah krank ans. „Fehlt dir etwas, Alter?" „Nern, Herr!" „Hm, mir schien es so. Es ist gut!" Bartek Zychod entfernte sich. Durstig riß Napoleon das Kelchglas an die Lippen. Er hatte heute nicht umsonst an das heiße Leben von Paris gedacht. Er dachte auch jetzt einen Augenblick daran, als ihm der Wein durch die Adern rann. Wer stärker war ein anderes Bild, stärker war der Haß. In Haß urrd daneben in fast naiven: Staunen dachte Napoleon Rutkowski an Versen. Er kam nie über das Eine, Unbegreifliche fort: Woher nahm dieser Leutnant den Mut, ihm so entgegenzutreten, ihn als seinesgleichen zu behandeln? Der wahnsinnige Hochmut, den die Erzählungen des Dieners schon in dem Kinde geweckt hatten, brach mit Allgewalt hervor. Er schlief, so lange alle Welt hier in schuldigem Respekt und untertäniger Ehrfrrrcht zu dem Svrossen eines Künigsgeschlechtes aufsah. Er ward wach, sobalo jemand sich wider ihn erhob. War dieser Versen ihm denn an Namen, Mang, Reichtum, Alter voraus? Stand er nicht in alledem unter ihm? Und trotzdem? Er sah zu dem Bilde des zweiten Stanislaus empor. Die Lampe beleuchtete es nur schwach. Aber voll traf der Schein den Säbel seines Vaters. Den Säbel, der sich bei Grochorv und Ostrolenka in Blut gebadet hatte. Und plötzlich sprang Graf Napoleon auf. „Unsinn," brmnmte er. Hastig stürzte er ein neues Glas des schäum enden Weines herab. Wenn er znm Beispiel ein Verwandter des preußischen Königshauses gewesen wäre? Ob der Leutnant da auch so geredet hätte? Er mußte selber lachen. Also weil er nur ein Pole war. Und das galt nicht. Er ging auf und ab. Auf dem Tische lag die kurze Reitpeitsche. Spielend nahm er sie auf. Das galt nicht. Und warum? Ein jäher Schlag der Gerte. „Sieger und Besiegte," murmelte er. Das Blut brauste nach seinem Kopfe. (Fortsetzung folgt.) Der Erzengel. Erzählung von L. N. Tolstoi. Deutsch von Marie BeßinertnH. Am Ufer des Meeres lebte außerhalb der Stadt ein Fischer mit seiner Frau. Er mußte zum Fang anfs Meer. Ein heftiger Sturm trieb die Wogen über sein Boot, und der Fischer ertrank. Gott, der Herr, rief einen Erzengel heran und sagte ihm: „Geh, hole mir die Seele des toten Mannes herauf und brürge mir auch die Seele seiner Frau, die du in der Hütte am Ausgange der Stadt finden wirst." Der Erzengel flog übers Meer, nahm die Seele des ertrunkenen Marmes und schickte sie zu Gott. Dann begab sich der Erzengel nach der Hütte. Tort lag die Frau auf denr Bett, und an ihre Brust schmiegten sich zwei kleine Mädchen, denen sie gerade das Leben gegeben hatte. Tic arnie Frau stählte mrd betete: „Herr, du mein Vater, lasse mich, die verlassenen .Waisen nähren und sie aus die Füße stellen, erbarm dich ihrer!" Ter Erzengel, der anr Kopfende des Bettes stand, schaute die Neugeborenen an, ging hinaus, erhob sich in den Himmel und sprach daun zu Gott: „Tie Seele des Mannes habe ich aus seinen^ Körper herausgnogen, als seine Frau, die Wöchnerin, aber um Gnade bat wegen der verwaisten Säuglinge, konnte ich ihr die Seele nicht entreißen. „Ohne Vater und Mutter kann man leben, aber nicht ohne die Gnade Gottes: geh.und hole die Seele der Wöchnerin" Der Engel tat, wie ihm geheißen. Die Frau wurde schwächer, vermochte kaum noch, die Säuglinge zu -halten und betete fort- geiebt: „Nrmmlmw nicht die Seele, habe Mitleid mit den Kleinen'" Meinend nahm der Engel ihre Seele und ließ sie zu Gott auf- stngen. Als er bte Hütte verlassen hatte, serrfzte er lind schickte üch an in den Hunwel zu steigen. Aber er konnte nicht fliegen, ferne Nügel senkten 'sich,, und er schlnchtze über sein Vergehen^ Gott nicht gleich gehörest zu haben. In demselben Ort lebte auch, ein alter Sckmster mit seiner Frau. Kanin hatte die Mte venwmmen, daß der Fischer auf denr Meere WM und daß ferne Frau Zwillinge geboren hatte, so sagte sre zu ihrem Manne: * Waisenkinder! Komm', wir wollen sie besuchen. Die 6 ^^kt, an den will wrch Gott nicht denken." Dw beiden Men begaben nch nach der Hütte. Die Frau trat ein, der Mann blieb auf der Straße. Er hörte jemaiid in der Nähe wemen und, sah sich um, wer es wohl sein könnte. Ta kanr vom Hofe her em Jüngling, der ganz nackt rvar und das Geffcht mit den Händen bedeckt hatte, durch die die Tränen flössen. „Wer bist du, Jüngling, mid ivarum weinst du?" „Gott hat mich gestraft — und ich mich weinen."' Der Mte fand Gefallen an dem schönen Jüngling. Ei: bedauerte ihn und sprach die trösteilden Worte: „Gott hat gestraft, Gott wird auch wieder vergeben, komm zu mir." Ter Jüngling fiel zur Erde. In einen Winkel sich zurückziehend, nahm der Alte seinen Kittel ab, seine Strümpfe, reichte sie dann dem Jüngling hin und sprach: Ein Mensch hilft den: andern. Hier hast du etwas, um deine Blöße zu bedeckeir, Gott wird es mir und meiner Men löhnen. Erst will ich dich noch sätttgen und dann dick ausfragen. Ter Jüngling beugte sich tief vor dem Alten, legte toe Kleider an, bic ihm ganz genau paßten, und ging mit feinem Wohltäter die Straße herunter. Inzwischen kaum Mich die Alte aus der Hütte heraus. Sie sah den schönen Jüngling im Kittel des Mannes und wagte nicht zu fragen, wer er sei. So gingeii alle drei nach Hause. Unterwegs erzählte die Mte. daß die Fischersfrau gestorben war, und daß die Paten sich der verwaisten Säuglinge angenonimen haben. Der Gast bekam in der Hütte des Schusters ein Zlbendessen uud eure Lagerstätte, die er bald aufsuchte. Tie Alte machte ihrem Manne Vorwürfe, aber nicht etwa, weil er einen Fremden ins Hans .gebracht hatte, sondern weil er ihm sein neues Hemd gegeben hatte, während doch eins von den alten dafür verwendet werden konnte! Anr folgenden Morgen fragte per Mte den Gast: „Me heißt mr - • und kannst du Schuhe zerschneiden und nähen. . . . ?" „Michael heiße ich; genäht habe ich noch nicht, aber ich lerne es wohl, wenn es mir gezeigt wird! ..." war die Antwort. Aer Me gab ihm Arbeit, unterwies ihn und behielt ihn als Gehilfen. Michael dankte diese Güte dadurch, daß er alles sehr schnell erfaßte, immer zufrieden und fleißig war. Am Sonntag Amg er zum Gottesdienst, und wenn er heimkam, saß er ganz still da. so lebte er zehn Jahre lang bei dem Schuster, als er eines ^ages durchs Fenster schauend lächelte beim Anblick einer reichen .Witwe die zwei kleine Mädchen, die sich sehr ähnlich iahen, an den Händen führte. An demselben Tage kam auch ein Herr und bestellte Sttefel, indem er sagte: „Mache mir die Sttefel so fest, daß sie ein Jahr halten- ohne zu zerreißen und die Form zu verlieren. Es kommt nrtr Nicht auf den Preis an, mid wenn ich nach einem Jahr zufrieden bin, 10 bekoimnst du einen iveiteren Auftrag." Der Meister rvundte sich ! d dann >v i r d e s Fr i e d e s e i n !" Unter diesen! Titel erschien soeben in Albert Auer ' s Musikverlag, Stuttgart, eine Reihe von 7 neuen Vaterlands- und Soldatenliedern, vertont von Hugo H a l t (Texte von Hans Troßbach). Preis Mk. 1.50. Unter der Flut von Kriegsliedern, welche die gegenwärtige stark bewegte Zeit hervorgermcn hat, verdienen diese,reuen Lieder durch ihre kernigen Worte nnd volksti'unlichen, eingäng- lichen und erwärmenden Melodien, gestützt von einer leichten, harmonisch »vohlklingenden Klavierbegleitung, besonders hervorgehoben zn werden. - Bongs illustrierte Kriegsgeschichte „Der Krieg 1914 16 in Wort und Bild". 103.—105. Heft. (Preis je 30 Pfennig.) Deutsches Verlagshaus Boug L Co., Berlin W. 57, Potsdamer Straße 88. — Grote' scher illustrierter W e i h n a ch t s - Al man ach 1916. 64 S. 8". Kostenlos. (Verlag G. Grote, Berlin.) — Mit den. Herannahen der Weihnachtszeit pflegt auch der seit 1879 alljährlich erscheineude Grote'sche illustrierte Weih- nachtS-Almauach, ein beliebter und bewährter Ratgeber für Bücherkäufe, pünktlich zur Stelle zu sein. Trotz der jetzigen Schwierig- leiten und Preissteigerungen im Buchgeiverbe ist er auch dieses Jahr in hübscher Ausstattung erschienen und vorn Verlage kostenlos zu beziehen. - E i ch e n d o r s f: Das Schloß Dürande, Gedichte. Nr. -19 der „W e l t l i t e r a t u r", die im gleichnamigen Verlage in München 2, Fnrbergraben 24, erscheint und zum Preise von 10 Pfg. jeden Samstag ein Werk der heften Romane nnd Novellen aller Zeiten nnd Völker bringt. — Heinri ch Pralle: Flechtarbeiten. Aus Papier: Flächenmuster, Umflechtungen von Körben nnd zylindrischen Hohl- formen. — Aus Peddigrohr: Allerhand Spielzeuge, Untersätze und Körbe. — Aus Wickelrohr: Reifenspiel, Körbe und Schalen. — AnS Bast: Untersähe, Schalen, Taschen nnd Schuhe. Mit 32 Abbildungen ans 16 Tafeln nnd 134 schematischen Zeichnungen. Gebunden Mark 2,50. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin. 1916. Ergänzungsrätsej. N. r v . r . ä.. s f.. sch . n. f.. i d.. B .. ck, D . r . st . h . n . ch. .. ü . e s.. k. n ; . i. w . r. b. sch .. d. u . ei. G. sch . ck, S.d) s. lb .. k. n .. t . u\ l. nk..! Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Diamant-Rätsels iu voriger Nummer: D D I 8 Bache D i c k © n » S t © r u ü n g » Schristlestung: Fr. R. Zenz. — Zwillmgsruuddruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei. R. Lange, Gießen.