Königsträume. Roman von Karl Busse. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Erstaunt sah Versen auf; Hannas Stirn logte sich in Falten, aber sie sagte nichts. „Dein Wohl, Schwesterlein! Neun Zacken an der Krone sind mehr als sieben!" Sie fuhr auf. „Was soll das heißen, Ernst?" „Jesus," lachte er. „Ms ob ich nicht wüßte, daß dieser Graf Rutkowski deinetwegen kommt; daß er deinetwegen sich sorgsam von der polnischen Sache zurückhält. Mich wundert nur, daß er so lange wartet, ehe er anfragt, ob aus der deutschen Baroneß eine polnische Gräfin werden will. Na, meinetwegen, er hat klotzige Gelder!" „Dummes 3eu Wreschen." Ein kurzes, triumphierendes Aufblitzen der Augen. „Sck-ade. Der Herr Baron und das gnädige Fräulein würden eS gewiß angenehm empfinden. wenn sie noch länger die ländliche Einsamkeit etwas belebter sähen." Versen hatte den jähen Gtfatu der sonst so gleichgültig* ruhigen Augen bemerkt. Er hob kühl den ätzopf. „Wir hoffen, noch oster hier au sein, Herr Graf. Wahr», scheinlich werden wir in Kürze Stratkowo besetzen. Darm liegt Nasaora auf dem Wege." Sie blickten sich gegenseitig an. Nur wenige Sekunden. 594 Auf beiden Seiten war der Blick kalt und ruhig. Aber sie wußten beide, daß sie Feinde waren, daß sie sich haßten. „Das trifft sich gut," antwortete Rutkowski in gewöhnlichem Tonfall. „Läßt Ihnen der Dienst so viel freie Zeit, S>m: von Versen? Unsereiner kann sich das ja nicht recht vorstellen. Wenn man immer und in jeder Beziehung sein eigener Herr war —" Fritz von Versen merkte den Stich. Hanna von Graßnick, die wieder eingetreten war, desgleichen. „Sie waren niemals Soldat, Herr Graf?" „Gottlob nein, das heißt: Pardon, ich sage natürlich nur deshalb gottlob, weil der Beruf meiner ganzen Wesensart nicht entsprochen hätte. Es gibt ja Menschen, die es niemals lernen, sich unterzuordnen." Der alte Baron sprach beim Essen nicht gern. Er hörte nur zu, überließ aber im übrigen jetzt das Wort dem Leutnant. Er nahm noch etwas von der präsentierten Schüssel. „Gewiß", sprach er leichthin, mit gewollt großer Liebenswürdigkeit, „solche Menschen gibt es auch. Aber glauben Sie mir, beim Militär machen wir kurzen Prozeß damit. Sag' selbst, Ernst August: die Zähmung der Wrderspensti- gen hat uns noch nie großen Kummer gemacht?" „Wirklick) nicht, lieber Graf. Dafür gibt's Mittel. Aber Pardon, ich sehe eben, daß Sie trocken sitzen. Darf ich?"' Er goß ihm Wein ein. „Danke," erwiderte Rutkowski. Er hatte nur einmal Versen angesehen. Er wurde auch ganz leicht rot. Er bekam immer zwei rote Flecken auf die Backen, wenn er innerlich zornig war. Jetzt stürzte er ein Glas Wein hinunter und sagte scheinbar ganz ruhig: ^Die Herren müssen das ja besser wissen. Für mich, meinte ich uur, wäre der bunte Rock nichts gewesen. Er macht mehr oder minder unfrei." Das war nun doch dem Hausherrn zu viel. „Der Rock des Königs, Graf? Aber zum Deubel, wie meinen Sie das?" Der junge Pole stutzte einen Augenblick. Dann lachte er. „Sie nehmen es zu tragisch, Herr Baron. Die Sache ist herzlich harmlos. Ich sagte, der bunte Rock mache in mancher Beziehung unfrei. Tut er's nicht, wenn die beiden Herren oft trotz des lebhaftesten Wunsches auf einen Besuch in Nas- aora verzichten müssen? Bin ich nicht freier, da ich, wann ich nur will, mir das Vergnügen machen kann, hier vorzusprechen, natürlich, soweit die Herrschaften es gestatten? Mehr wollte ich damit nicht ausdrücken." „Daß der Dienst oft persönliche Wünsche durchquert," sagte Ernst August, „ist selbstverständlich. Zum Spaß ist man nicht Offizier." „Sondern um seinen Dienst auszuüben. Ganz recht. Aber das Wort „Dienst ist schon charakteristisch. Es gefällt Mir nicht." Versen erhob langsam den Blick. >,Wer ist denn frei?" fragte er. „Jeder, der Pflichten hat, dient doch!" „Dann ist der frei, der keine hat!" „Keine Pflichten? Danke schön! Und wo bleibt das rwvlesse oblige? Adel verpflichtet. Er verpflichtet zum Dienst für sein Volk und für sein Land. So übersetze ich den Wahlspruch wenigstens!" - rr ^?bnn ich schon eine Verpflichtung anerkennen soll, übersetze mir den alten Spruch anders. Adel verpflich- Er verpflichtet zur Freiheit. Er lehnt den Dienst eben ab. „Dann gibt's aNerdings keine Brücke zwischen uns." "Ich glaube auch nicht, Herr Leutnant." Es war gut, daß die Tafel aufgehoben wurde. Der alte der gern ein Wörtlein dreingeredet hätte, aber sich während des Essens nicht stören ließ, nahm jetzt den Grafen vor. h(l aFagl haben, lieber Rutkowski, ist ja eine Seche die m ihrer Art Hand und Fuß hat. Und so ein bißchen Feudalitat steckt uns allen in den Knochen. Aber ich alaube, es zeigt sich in Ihrer und Versens Anschauung nicht so eine persönliche Verschiedenheit als ein fundamentaler Unterschied des deutschen und polnischen Adels: die histori- schen Bedingungen sozusagen, wissen Sie! Während der deutsche Adel im Dienste des Königtums und mit dem Könia- Urm groß geworden ist, ward's der polnische gegen das Königtum, unter das er sich doch nie recht untergeordnet hat Habe ick) reckst?" „Weil jeder von uns die Anwartschaft auf die Königskrone selbst in der Tasche trug, Herr Baron." „Mer gerade das," mischte sich Versen ein, „war daZ Unglück Polens. Der Adel, der Preußen erhoben hat, hat Polen gestürzt, weil er das Noblesse oblige falsch übersetzte, weil er die Pflichten gegen sein Land und Volk vergaß. Und mir scheint, ich bitte um Verzeihung, daß er bis zunt heutigen Tage nichts gelernt und nichts vergessen hat, dag er auch heute noch ziemlich zwecklos dahinlebt." Rutkowski hatte sich eine Zigarette genommen und sog mit Behagen den Rauch ein. „Ich könnte Ihnen eine rasche Antwort geben. Herr: Leutnant. Ich könnte fragen: Weshalb leben wir so dahin? Weil wir eben keinen Zweck, keine Beschäftigung, kein Ziel haben! Weshalb haben wir es nicht? Weil wir kein Vaterland, keinen Staat, keinen königlichen Hof mehr besitzen! Ich könnte sagen: Die persönliche Freiheit wird von uns um so höher geschätzt, weil wir die allgemeine, nationale entbehren." Fritz von Versen hatte aufmerksam zugehört. Er vergaß einen Augenblick seinen Groll, denn ihm schien, als spreche der Graf jetzt aus einer gewissen temperamentvollen Ehrlichkeit heraus. Freundlicher als vorhin, jedenfalls weniger kühl, erwiderte er darum: „Mit dieser Antwort geben Sie mir recht, Herr Graf. Sie entschuldigen und klagen damit an!" „Pardon, ich sagte ausdrücklich, ich könnte Ihnen das entgegenhalten. Ich tue es aber gar nicht. Wir sind einmal, wie wir sind. Jeder ein König, jeder Herr über Tod und Leben, jeder nur Gott über sich, und sonst keinen. Wenn wir Tausende und Hunderttansende in einer Nacht verschleuderten, wen ging es an? Es war unser Gold! Wenn, wie eins alte Sage spricht, den Leibeibenen der Leib aufgeschlitzt ward, damit Ibie wunderschöne Fürstin Jgnatia sich die kalten Füße wärmen konnte, gut, der Sklave hatte seinen Zweck erfüllt. In Glanz und Pracht und Freiheit haben meine Väter ihr Leben genossen, ich bin ihr Erbe. In Fron und Alltag schleppt sich der Knecht hin, wer ^urn Herrn geboren ist, sei auch Herr. Wir haben stärkere Leidenschaften. Kleine Ziele, wie sie andern vorschweben, reizen uns nicht. Wenn wir spielen, muß der Einsatz hoch sein; wenn wir kämpfen,- muß es um Too und Leben sein. Das Höchste allein lohnt sich zu erringen, nur das spannt uns an: das schönste Weib, das heißeste Leben. Und wenn der Ehrgeiz anderer nach einer Generalsmütze steht, es mag sein. Mich und uns alle lockt das nicht. Wenn ich die Hand hebe, so muß es schon ein Kronreif sein, nach dem ich fasse. Drxi!" Seine Augen waren jetzt nicht mehr müde, nicht mehr verschleiert. Groß und leuchtend schalsten sie umher. Sie hatten einet: jähen Blitz zu Hanna hinübergeworfen, als er von dem schönsten Weibe gesprochen, um das allein ein Ringen sich lohne. Versen hatte den Blick wohl gesehen. Der alte Groll stieg empor rn ihm, eine halbe Angst dazu. Es war in diesem Rutkowski zuzeiten etwas Ungebändigtes, Wildes, was ein Weiberherz leicht in Bann schlagen konnte. In dieser Empfindung erlviderte er mst spöttischem Lächeln: „Es ist nur gut, daß die Kronen s!o hoch hängen/* Der Graf hatte sich zu Hanna gewandt. Jetzt kehrte er sich rasch um. „Für Sie, Herr Leutnant, mag der Gedanke allerdings etwas Unmögliches haben; für den Sproß eines! t auses, dessen nahe Verwandte einst auf dem polnischen önrgsthron saßen, ist der Gedanke weniger unnatürlich und beängstigend." Ernst August mischte sich ein. Ein unsagbar hochmütiger Zug stand in dem Gesicht Rutkowskis. Der Sohn des Hauses! mochte fürchten, daß Versen dadurch doppelt gereizt würde. „Die Herren sollten lieber trinken," sprach er und ging mit gutem Beispiel voran. „Bei solcher Debatte kommt jq niemals etwas heraus. Jeder mag von seinem Standpunkt recht haben."' (Fortsetzung folgt.) ver Zchützengrabenschreck. Von Paul Alexander Schettler. Als i-ch um die Ecke der Wittelsbacherstraße bog, stieß ich Mit etwas Rundlich-Massigem zusammen. . //.Sieb da. Sie smd's, Herr Speckhuber?" rief ick» aus. „Wohin so eilig?" „Wohin?" verschnaufte Speckhuber und wischte sich di« Schweißtropfen von der Stirn, „zum Bezirkskommmtdo. In den Schützengraben will ich, daß Sie's wissen!" .. v möglich. (Sie, Speckhuber, m den Schützengraben? Ja, sind Sie denn nicht als dauernd untauglich ausgemustert, haben 695 Meßfehler, sind kotal kurzsichtig, und Nnl der Leber soll es doch Ml-ch nicht sttmmen, wie?" „Was gar," brnnimte Speckhuber, „die paar Fehler, freute Putag sieht inan aus sowas nimmer so genau. Heutzutag können s ledeir Mann gebrauchen!" ' „Jawohl, aber auch hinter der Front, nämlich die, welche d:e Strapazen nicht anshalteir. Denken Sie an Ihre Gesundheit, Herr Speckhuber!" „Eben weil ich an meine Gesundheit denke, werd' ich mich jetzt ausheben lassen," beharrte Speckhuber. „Nämlich ich habe Erholung dringend nötig, das hat auch der Arzt gemeint." „Und zur Erholung ^vollen Sie —? Na, hören Sie mal, ein Schützengraben bst doch kein Kurhotel, mein Lieber!" „Kommen Sie mir auch etlva mit den: Schützengrabenschreck?" tzÄrnte Speckhuber. „Ich sag' ja, es ist eine Manie, eine Massenpsychose, eine —" „Aber immun regen Sie sich denn auf, Herr Speckhuber?" „Nein, da soll män nicht aus der Haut fahren. Ja, wenn's nicht so widersinnig wär, aber" r „Wollen Sie nicht deutlicher werden? Vielleicht, daß ich Ihnen —" „Deutlicher?" stöhnte Speckhuber, „ja wo sang' ich da an? Das verfolgt einen ja wie's leibhaftige Nervenfieber. Nirgends ist man sicher. Besorge ich mir da neulich ein Paar neue Schuhe. Ich hatte sie irötig, drinaend nötig. Die alten hatten bereits Italiens Kriegserklärung unv den deutschen Vorinarsch im Osten mitgemacht. Komme ich zu meinem alten Schuhlieferanten. Uebrigens, die Preise waren nicht von Pappe, aber die Sohlen natürlich. Nach drei Wochen hätten sie keine Siegesfeier mehr ausgehalten. Ich beschwere mich. Sagt mir der Mensch: „'s ist Krieg, Herr Speck- huber. Kommen Sie mal erst in den Schützengraben, Herr Speck- huber!" — Mein Schneider liefert wir — rus Gnade und Barmherzigkeit sage ich "Ihnen, denn er hat Kriegsarbeiten in Hülle und Fülle — einen Anzug. Natürlich bat alles iroch Friedensmaß. die Hosenbeine schlampen und die Weste schlägt Fullen, wie eine Tragödie, als ob man nickst fünsundzivanzig Monate durchgehalten hätt'! „Ich muß mich aber doch sehr wundern, Herr Bartmuß, daß Sie solche Arbeit ablieferm" sage ich. „Wenn S' erst im Schützengraben sind, Herr Speckhuber," sagt der vorlaute Mensch, „nachher wundern S' sich überhaupt Über nix mehr!" Im Schlafzimmer meiner Wohnung regnet es durch, daß die Masurischen Seen nix dagegen sind. Sechsmal schickte ich zum Hauswirt, er möchte sich oie Bescherung ansehn. Endlich kommt er, betrachtet die Seen, die Zimmerdecke, wiegt den Kopf und brummt: „Jessas, Herr Speckhuber, allweil die Aufregung um die paar Tröpfln? Sie, wenn S' im Schützengraben wären, würden S' lachen über die Tröpstn, also wissen S', was so an richtinga .Unterstand is —" „Schon gut," sag' ich, . Herr Bleichinger, entlveder, wir sind im Schützengraben, dann bezahl' ich keine Miete, oder wir sind —" Aber das ist noch nicht alles. Gestern, zum Exempel, kauf ich Aepfel. Ja, was weinen S', die Hälfte :st grundverdorben. Als ich sie zu der Frau zurückbring', fängt das Weibsbild an zu greinen: „In: Schitz'ngrab'n wär'n S' froh, wenn S' a solchen e hätten, Herr." Und sie wär eine ehrliche Person, die zwei Söhne iw Krieg hätt', und solche Anspriich' zu machen, ob sich das in so ernster Zeit gehörte. Tie Leut' blieben steh'n, sag' ich Ihnen, Inld es hatt' nicht viel gefehlt und mm: hätte mich gesteinigt. Was sage ich, wo uh geh und stehe, wohin ich komme, — ich brauch nur den Mund aufzutmr, gleich heißt's: „Sie, wenn S' im Schützcngrab'n wären —" Ich sage, ist das nicht, um aus der Haut zu fahren. Ja, wenn sie wcirigstens recht hätten, die Leut' mit ihrem Sckiützengrabenschreck. Aber da lesen S' nur die Karten von imein'm Schwager, der sckwn so ein Jahr im Osten steht, lesen S' nur!" Speckhuber hielt mir eine Feldpostkarle unter die Nase. Verwischte Bleistiftzeichen, kaum mehr zu entziffern, besagten: „Lieber Schwager, tu dich nicht gar so hart mit deinen Liebespaketchen. Wir werden hier so extra iwoel verpflegt, alles, was des Kriegers Herz begehrt, ist vorhanden. Und Fett- rmd Brotkarten, womit chr Aermsten euch abhaspeln nulßt, gibt's dahier nicht. Sogar a Bier Hammer, proscht! Dein Franz." Postskriptum: „Hoffentlich geht's bald wieder to an den Feind!" Der Obige. Na, was sagen Sie nun, hä?" Mr Aermsten," schreibt er, ist das zu glauben? „Ihr Aermsten!" Nächstens wird er mir noch Liebesgaben schicken, statt umgekehrt. Und da reden die Leut': „Wären Sie mal erst in: Schützengraben, Sie llnzufri ebener, Sie Nörgler, Sie Grandlhrlber, Sie —." Ja, w ä r' i ch nur erst im Schützengraben!"_ Pirmasens unk» vuchsweiler. Kin Volksbuch zum 25jährigen Re gie r UN g Sj u b i- lläum des Groß Herzogs. So betitelt sich »ein in diesen Tagen von Karl Esselborn heraus- KegebeneS hessisches Volksbuch Es ist Sr. Kgl. Hoheit, dem Groß- berzog Ernst Ludwig zum 13. März 1917, dem 25. Jahrestag, keines Regier::n gsan tritts, geioidiuet. Tie Sammlung der hessischen Volksbücher ist ein Unternehmen, das dem Namen deS Herausgebers Prof. D. Wilhelm Diehl in Friedberg alle Ehre macht. ^ ist tatsächlich ein edles und schwieriges Unterfangen, spröde geschichtliche Stoffe so zu glätten und zu bearbeiten, daß sie einer größereu Menge nicht nur vertraut, sondern auch lieb und wert werden. Was im Verlauf der deutschen und der hessischen Geschichte nur eine Episode tvar, die Hessenzeit der Grafschaft Hanau-Lichten- berg, das erscheint, eingereiht in die Zusammenhänge der Kultur- Seschlchte, als ein in reizvollen Farben ausgemaltes, charakteristisches Bild von dem Leben und Treiben eines kleinen deutschen Hofes in der stillen Llbgeschlossenheit seines Herrschastssitzes. Mit dem Tode des Grafen Johann Reinhard von Hanau, am 28. März 1736, fiel der im jetzigen Unterelsaß und der Pfalz gelegene Besitz an Lndlvig VIII. von Hessen-Tarmstadt, der am 12. Dezember 1739 als Nachfolger Ernst Ludloigs die Regierung der Landgrafschast übernahm. In Buchsweiler und Pirmasens residierte der Erbprinz Ludwig, der spätere Landgraf Ludwig IV., der sich 1741 mit der Prinzessin Karoline von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld vermählte. Ein eigenarttges staatliches Sonderlehen entwickelte sich in den linksrheinischen Besitzungen des Hauses Hessen-Darmstadt. Wenn wir heute mit offenen Augen in den Teilen unseres Vaterlandes rrmherwandern, wo uns der Zustand der Kultur des 18. Jahrhunderts am unmittelbarsten entgegentritt, in den Gebieten des alten schwäbischen, fränkischen und oberrheinischen Kreises, so erstaunen wir vor der stummen Vornehmheit dieser alten Herrensitze, wo in behaglichem, ruhigen: Dasein eure geistig hoännteressaE Gesellschaft der Muße ihres Verkehrs und der Freude ihrer geistigen Arbeit lebte. Von Buchsweiler und seinem Hofleben war auch Goethe aufs tiefste ergriffen, und von ihm stammt der Name der „großen Landgräfin", mit dem er Karoline von Hessen bezeichn nete. Er hat im zehnten Buche von Wahrheit und Dichtung mit der ganzen Liebe seiner- Schilderung ein überaus anmuttges Bill» von dem Städtchen entworfen. In den Aufzeichnung gen eines ungenannten alten Buchsroeilers aus dem Jahre 1838, die Goethes Betrachtungen wirksam ergänzen, heißt es: „Aus der Jugendzeit meines Aufenthaltes in Buchsweiler ist mir das prächtige, mit Tor- und zwei Seitenflügeln versehene und einem tiefen Wassergraben stehende Scüloßgebäude nebst demt daran stoßenden kleinen, niedlichen und geschmackvoll mit Statuen gezierten Garten in frischem Andenken. In letzteren befanden sich zwei lange Orangeriegebäude und ein bedeutendes Gewächshaus. Mcht weit davon entfernt befand sich eine zahme Fasanerie mit den: schönen, in dem Haine stehenden Gebäude. Unweit des Schlosses stand das große Regierungsgebäude mit Turin und Uhr, die hanauische Kanzlei genannt, der Marstall, der sogen. Ackerhof. ein weitläufiges Gebäirde mit dem herrschaftlichen Fuhrwerke, woher jahraus jahrein jeden Samstag Träger mit Gemüse und Obst aus dem dortigen Küchengarten, sowie Wildbret, Geflügel und Fische an die fürstliche Hoflialtung in Pirmasens befördert wurden. Llußerhalb der Stadt, am sogenannten Holzhof, befand sich ein sehr weitläufiges, solioes Gebäude mit mehreren Wohnungen- worin das Jagdpersonal eingnartiert uird alles, was zum Jagen und Fischen gehörte, anzutreffen roar. In dem dabei gelegenen sogenMmten Fischpfuhl, einem langen, schmalen Garten mit einem See und dabei befindlichen zwölf, mrt Quadersteinen ausgelegten Behältern, waren allerlei Fischsorten aufbewahrt." Die Behaglichkeit dieser Schilderung des Herrensitzes, der Sommerresidenz Ludwigs IX., gemahnt an das ganze gemütvolle Gesellschaftsleben der empfindsamen Zeit. Aber weder der Fürst noch seine Gemahlin harten Umlage oder Neigung, ganz in diesen Formen anfzugehen. Arbeit im Dienste rhi^s Länochens war ihnen höchstes Ziel und schönster Genuß. Die Soldatenspielerei des Landgraf«:, der zu Pirmasens ein Regiment von Leuten von mrßeo- ordentlicher Körpergröße zusammenstellte, ist oft mißgünstig beurteilt worden. Man darf aber nicht vergessen — imb auch EsselbornS Veröffentlichung zeigt dies erneut, ■— daß die Hofhaltung deS Landgrafei: in Wrchsweiler imi> die große Garnison, die er in Pirmasens zusamm«M)g, Faktoren von allererster wirtschaftlicher Wichtigkeit für die kleinen Verhältnisse des Gebietes tvaren. Dis Soldaten kmmten sich in ihrer freien Zeit nach Belieben beschäftigen, die indnstrieUe Bedeutung der Gemeinde Pirinasens hatte ihre Grundlage in jenen Tagen. Ach der Hand von Brief«: und z-eit- nössischen Schilderungen entrollt der Herausgeber daS Leben und Treiben jener kleinen Welt. Dam: führt er ui:s hinüber in die Tage der Revolution, lvo eine große W:zahl deutscher Familien beim Anmarsch der Franzosen auf das rechte Rheinufer flohen imd in Pirinasens eine republikanische Volksgesellschaft begründet wurde. Die Neuordnung der Verhältnisse in der Franzosenzeit brachte im Vergleich zu dem vorhergegangen«: Zustand für die Bürgerschaft von Pirmasens und Buchslveiler einen erheblichen wirtscl)aftlick>en Nachteil. Nahe verwandtsckiaftliche Beziehungen verbanden Pirma- fenser Familien mit dem hess«:-darmstädtischen Beamtentum und Offizierskorps. Man pflegte gerne die Ucberlieserung, weil sich mft üyr die angenehnve Erinnerung an eine stille, frerckvolle und fried- fame Zeit verband. Ein Teilbild der Kulturgeschichte jener Tage, reiht sich dieses Volksbuch würdig in die ganze Samnckuna ein. Gegenstand und Inhalt sind m anziehender, leb«ü)iger Darstellung dargebot«:: es ist geeignet, voll imd ga:H seinem geschichtlich-belehrend«: Ztveck gerecht zu iverden. Dr. Ernst^Htz. 696 vllchertisch. — Deutscher Wille iK u n st w a r t). 2. November- Lest ISIS. (KriegSallSgabe zu ermäßigtem Preis. Vierteljährlich 3,60 Mk. Verlag von Georg D. W. Lallwey, München.) — Das Hest ist dem Gedächtnis Fritz Boehles gewidmet. Es bringt Boehles Selbstbildnis und eine Anzahl seiner Bilder. AvenarinS hat dazu einen gröberen Aussatz über „Fritz Boehle in unserer Kunst" geschrieben in dem er die Jlunft des verstorbenen DtelsterS charakterisiert. — Zürn Totentag bringt Artur Bonus einen Arüsatz über „Gott, Wirklichkeit, Tod". — Weiter wirbt Dr. £>. Kampffmeyer dafür. daß man „Dolkshänser als Kriegsdenkmäler" schaffe. — Pro- seffor v. Heinrich Weinel-Jena setzt sich mit den Gegnern des von ihm neu aufgeworfenen Gedankens einer deutschen ReichSkirche polemisch arrSeinarrder in etrrern Aussatz: „Warum keine Reichs- kirche?" - Ter österreichische ReichSratSabgeordnete Franz Messer geht in einem lesselnden Beitrag „Vorn derrtsch tyrannysierten österreichischen VölkergcsangniS" den sranzösisch-englischen Beschuldigungen nach, daß Oesterreich die nichtdeutschen Nalronalrtäten „unterdrücke". — Wolsgang Schumann beschäftigt sich kritisch nnt .Erich Wolkgang KorngoldS Opern". — AvenariuS bringt einen Beitrag zum Gedächtnis I. G. Fischer?, mit einigen der besten Gedichte Fischers. — Ost preußische Wanderringen. Bilder aus Krieg und Frieden von Dr. Paul Landau. Mit einem Vorwort von dem Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen, Erzelleuz Berg. ISIS. 8 *. PrerS Mark 2,50. — ReichSverlag Hermann Kalkoff, Berlin W 35. — Kleine Leutnants und andere Geschichten. Ein Jugendbuch von Frida Schanz. Mit Bildern von M. Simrock- Michael. Preis Mk. 3 60. Verlag von Georg Wiganv in Leipzig. — Die Kerle von Flanderir. Von Hendr. Eonsciencc, Uedertragen und bearbeitet von August Scholz. Mit Bildern von W. A. W e l l n e r. Preis in Geschenkband 3 Mk. Friedrich Andreas Perthes, A -G., Gotha. — Neuerscheinungen der Universal-Bibliothek. Nr. 6861—6863. Als Kriegsfreiwilliger nach Frankreich 1615. Blätter aus meinen Erinnerungen. Von Willibald AlextS. Herausgegeben voii Dr. Adolf Heilborn. (252 S.) In Leinen Mk. 1.80. — Nr. 5861. Kabarett. Eine Sammlung kleiner Stücke, Szenen und Vorträge für gesellige Kreise. Gesammelt und herausgegeben von Georg Richard Kruse 3. Bändchen. (96 S.) Inhalt: Haus im Glück. Ein heiteres Parlidyll in einem Aufzug von Lothar Weghorst. - Zwei Schnurren. Von Roda Roda. — Drei Gedichte. Von Gustav Hochstetter. — Die geteilte Walküre. Von Karl Ettlinger. — Der Gaunerpfiff. Humoreske von Karl v. Zeska. — Gedichte. Don Theodor Franke, Allred Pfeiffer und E. Morgenstern. — Balladen. Von Franz Kawel und C. JuliuS Rodemann. — Dynamit. Ein Akt von William Kahn. — Nr. 5865. DieEntgleisten und andere 9t o - vellen. Von August TriniuS. (89 S0 Inhalt: Die Entgleisten. — Tie Hochzeitsiannen. — Ter Feind im Hause. Im Wellenrauschen. — Scherben. — Ein Abschied. — Meister Fix und Fertig. — Nr. 5866-5869. KriegSgesege des Deutschen Reiche«. 4 . Ergänzungsheft. Abgeschlossen am 1. Juli 1916. TextauSgabe mit kurzen Anmerkungen und Sachregister. Herausgegeben von Karl Pannier. (389 S.) In Leinen Mk. 1 50. — Nr. 5870. Meine sixe Idee und andere (Ä es chichten. Don Clara Blüthgen (C. Eysell-Kildurger). (106 S) Inhalt: Meine fixe Jde. — Wohltuendste Ruhe. — Einbrecher. — Die Gräfin. — Wie sie zu ihren Männern kamen. — Mein alter Schreibtisch. — N. 6871. Karl Stieler, Gedichte. Mit einer Einleitung, Erläuterungen und Wörterverzeichnissen herausgegeben von Fritz Gundlacb. 3. Band: Habt'S a Schneid!? Gedichte in oberbayrischer Mundart. Geh. 20 Pfg. - Nr. 6872. Das Rote Kreuz. Seine Entstehung, sein Wesen und seine Einrichtungen. Targestellt von Tr. Wilhelm Boethke, Kgl. Preuß. Oberverwaltungsgerichtsrat. Geh. 20 Psg. — Nr. 5873. Sebastian. Eine Tragödie in fünf Aufzügen. Von Kurt Geucke. Mit einer Einleitung von Karl Vogt. Geh. 20 Psg. — Nr. 5871. Hanning, der Stürmer. Wittenseer Kriegsgeschichten. Voii Haus Ferdinand Gerhard. Geh. 20 Psg. Inhalt: Hanning, der Stürmer. — Knurr, der Unabkömmliche. - Der Tretundneun- ziger. - Feig? — HaiiS Goriffen. — Die Jubel-Ouverture. — Nr. 6875. DaS deutsche FeldhauS Geh. 20 Pfg. Tie Geschichte der Zeitung. - Tie Mitarbeiter: Der Journalist, Reporter, Schriitsteller, Dichter. Tie Korrespondeiizen. Redaktions- Das Werden der Zeitung in der Senmaschine. Druckpresse. Ver- Zeituilgen: Ter Anzeigenteil. — 'Zeitungen und öffentliche Meinung. — Charakteristik deutscher Zeitungen. Von der ausländischen Preffe. - Tie delitschen Zertschrifteir. — Ein Ausblick. — Nr. 6876—5880. Tie ewige Schmach! Ei»' Geiselnroman auS dem Elsaß. Von Erica Grupe- Lorcher. Geh. Mk. 1.—, in Leinen geb. Mk. 1.80. — Bulgarien. Sonbf tnummer der „Illustrierten Zeitung" (Verlag von J.J. Weber, Leipzig). Die Waffenbrüderschaft mit Bulgarien hat naturgemäß auch zu einer engeren wirtschaftlichen und politischen Annäherung zwischen Bulgarien ! e t t u n as w e s e n. Von Erich jNhalt: Zum Begriff „Zeituny" verband. Zum Redaktion, im :and. - Das ZeitungSslil. Truckbetrieb. Rückgrat der und den Mitternächten 'geführt. Im deutschen Volke wurde d«- durch nicht nur die Sympathie für das bulgarische Volk gesteigert, sondern auch an vielen Stellen ein auf wirtschaftliche Ziele g«» rtchteier Interesse wachgerulen. Eine ganze Anzahl von Verbände» und Vereinigungen ist in Deutschland gegründet rvorden, um dt» Aufmerksamkeit für Bulgarien noch zu erhöhen und denen, dl« Berufs- und andere Interessen in Bulgarien haben, ein Wegweiser S" seilt. Es sind ailch viele Bücher in bicicm Sinne geschried»» worden, aber es gab bis jetzt noch keine akttielle Publikation, di» sich in dein Maße auf die Sachkennerschaft blllgarischer Autoren stutzen kouitte wie die Soltdcrumnnler „Bulgarien" der Leipziger „Illustrierten Zeitung". Aber auch für den bulgarischen Waffenbruder hat die Ruurmer ihre Bedeutung, denn die Autoren, die als die geistigen Führer des bulgarischen Volkes anzusprechen sind, haben in ihren einzelnen Artikeli: gleichsam ihr BekenntiitS über den Wert der Bcziehiing zwischen den Mittelmächten udd Bulgarien auch vom Staudpilukt des Bulgareit an3 niedergelegl. Dazu kommt itoch, daß anerkannte deutsche Autoren sich darüber ^geäußert habeii, in rvelcher Rlchtlmg sich die Förderung Bulgariens durch Deutschland zu beivegen hat. Tie Redaktion hat daher eine ganze Reihe vo,t Artikeln herausgegriffen uub sie zum Gegenstand einer besonder er: Beilage in bulgarischer Sprache gemacht. Neben dein Ministerpräsidenten Radoslawoff seien von bulgarischen Autoren besonders genannt: Professor Dr. Miletitlch, Professor Dr. Gheorgoff, Christo Kaltscheff, Professor Dr. Danailoff, Dr. N. Piperoff. Ministerialdireklor Herbst, Iwan Wafoff und dergl. niehr. In die künstlerischen ^liifgabeu der Illustration habeii sich deutsche und bulgarische Maler geteilt. Für den Be- fcbauer wird es schon eine Anregung sein, zu beobachten, wie der bulgarische Maler dazu neigt, gleichsam mit ethnographischer Gena>iigkeit das ihm lieb gervordene Wesen seines Volkstums lest- -"halleii, währeitd der deutsche Maler sich rückhaltSlos delt farbigen Eindrücken hingibt, wie sie dort von Land mid Leilten auSgehen. Die biilgarischen Künstler, die gnr Illustration beigetragen haben, sind: Professor Mrkwilschka, Weschin, Profeffor Diichalloff, Professor Mitoff, Lasaroff und Wassilesf. Die besonderekt Leistunaen deS deulschen MalerS Gartmanii rühren von einer im Auftrag der „Illustrierten Zeitung" erfolgten Studienreise her. Tie Nummer kann zum Preise von Mk. 2.50 durch jede Buchhandlung bezogen werden. _ Gietzener Harrsfrauerr-Bereirr. Wochen-Küchenzettel. Sonntag: Fleischbrühe mit Grieß, Ochsensteisch gekocht oder gebraten, Blumenkrhl, Kompott. Montag: Gemüsesuppe, Fadermudelpfannkuchen^) mit Kompott oder Tomotentunke. Dienstag: Hafermehlsuppe, gelbe Kohlraben mit Kartoffeln zusammengekockit. " Mittwoch: Bohnensuppe^ Haferflocken*) mit Schokolade. Donnerstag: Erbsmehl suppe, dicke Gvailpen mit getrockneten Zioetschen. F r e i 1 a g: Gerstensuppe, Rauchst sch") mit Sauerkraut. Kartoffelbrei. Samstag: Apfelsuppe, Wirsingkohl mit etwas Hackfleisch und Kartoffeln gedämpft. l ) Fadennudelpfannkuchen: 126 Gramm Fadennudcln rverderr zerbrochen und in Salzwasser kurz abgekocht, mit einem Teig von! 125 Gramm Mehl, 1—2 Eiern, Wasser öder halb Milch, Salz, vermischt und in zwei dicken Pfannkuchen gebacken, die seli-r sättige^ und nicht viel Fett verlangen. Dazu Kompott oder geriebenen Käse und Tomotenttrnke. *) Haferflockenspeise wird von 250 Gramm Haserflocken mtt 1 Liter Trockenmilch, 1—2 Eiern und Zucker gekocht und mit einem Löffel Kakao oder geriebener Schokolade vermischt. 8 ) Rauchftsch mit Sauerkraut. Das Sauerkraut wird halbfertig gekocht, der harte, vorher eirmeweich.be Ltauchfisch enthäritet, ent- arätet und zerlegt, mft dem Sauerk»au.1 in eine Auflaufform go- schichdet, rnit Alehlschwitze von viel Zwiebeln übergossen und erne Stunde gebacken. Dazu Kartoffelbrei. (Geräucherter Schellfisch lvirjdl nicht vorher gewässert.) _ Charade. (Zwei S t l b e n p a a r e.) Tie Ersten sind ein enger Raum. Wir trärrmen drin den längsten traurn. Bis manche Wochen rms verrauschten Nnd wir der Mutter Zweiten lauschten. Bist du in Sorgen dann und wann Und klopst der Geldbrieiträger an, So konnrrt er dir an solchen Tagen, Wie sämtliche vier Silben sagen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des LoaogriphS in voriger Nunnrker« küuel!. Duell. Schrtttl-lMna: Ar. R. Zenz. — ZwillingSrunddruck und Verlag der Brübl'schen UntversitätS-Buch- und Stetndruckerei. R. Lange. Gieße».