Königsträume. f Roman von Karl Busse. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Pan Jurek nahm ein Papier an.s der Tasche und überreichte es mit einer Verbeugung. Lucian Kozlowski warf einen Blick darauf. . „Pjia krew, Freundchen, Ihr seid teuer. Ihr meint, das Zentralkomitee in Warschau bezahlt alles? Aber gut, hier ist das Geld. Doch seid Ihr uns ein gar zu kostspieliger Reifer. Und die Todesangst könnten wir Euch ersparen. Da hat sich ein jüdischer Händler auS Wreschen der Nattonal- regierung angeboten — er macht's billiger. Wir erwarten bald wieder neue Transporte. In Lüttich sind große Bestellungen gemacht, uitb v)n London werde,: mrs altern tausend Enfield-Büchsen signalisiert." Er wandte sich ab. Ein habgieriger Zug flog über das Gesicht des Wirtes. „Euer Gnaden," sagte er mit unsicherer Stimme, „ich bin ein Pole, ein Patriot. Nicht an mich denk' ich, sondern an das Vaterland. Ehe die Nationalregierung sich an fremde .Händler »vendet, sollte sie es noch einmal mit mir versuchen. Was der Händler in Wreschen kann, kann ich auch. Wie wär's, Euer Gnaden?" r , .. Der Gutsbesitzer steckte die Hände ins Waschwasser und trocknete sie leicht. „Dann läßt sich weiter reden, Jurek, aber hütet Eure Zunge. Sonst geht es Euch und uns schlecht." „Und ganz beiläufig: Wißt Ihr, was dre Hängegendarmen (mb?" „Herr," stammelte Pan Jurek erbleichend, „was heißt das?" „Nichts, Freundchen. Llber es ist gut, wenn man esiverß. E sgibt Verräter — hier, da, überall. Und dafür sind die Hängegendarmen da. Es gibt viele Bäume in Polen, und an jedem ist Platz für den Verräter. Ich brauch' deinen Namen, Freundchen, nur zu melden, uird in acht Tagen kannst du keine EKschäste mehr machen." „Mer was redet Ihr, Herr? Maria und Josef, wer wagt zu sagen, daß ich ein Verräter bin?" Lucian von Kozlowski streckte ihm die Hand hin. „Niemand spricht dergleichen,'P«an Jurek, aber Ihr versteht, es ist in dieser Zeit besser, wenn man die Hängegendarmen kennt. Und nun genug. Bestimmte Ordres für den nächsten Trarrs- port bring' ich Euch später." Er schritt voran. Ms er mit freundlichem Lächeln das Gastzinnner wieder betrat, öffnete sich die Tür von der anderen Seite, und noch ehe sie sich wieder schloß, sagte eirck kräftige Stimme: „Ich will mein bestes Pferd verwetten, wenn das nicht Lucian Kozlowski ist!" Blitzschnell wandte sich der Gutsbesitzer. Er war kurz erblaßt. Aber schon im nächsten Moment atmete er auf. „Rutkowski, bei allen Heiligen, Herr Bruder, was führt dich her?"" Und nach gut polnischer Sitte umarmten sie sich und küßten sich auf die rechte und linke Wange. „Du triffst eine große Gesellschaft, lachte Kozlowski dann. „Wir haben ein Wettsahren gemacht, Gott soll schützen! Und nun sitzt man warm und vertreibt sich die Zeit. Wie wär's mit ernem Spielchen, Napoleon?" Er hatte laut geredet und sich der Tür des Honoratiorenzimmers genähert, in dem die Freunde saßen. Graf Napoleon Rutkowski war einverstanden. Als Lucian Kozlowski die Tür öffnete, strich Siga Wendrewski, der Marquis, gerade ein Häuslein Minzen ein Der neue Ankömmling ward lärmend begrüßt. Mehr lärmend als herzlich. Während die meisten Herren sich um ihn drängten, beugte sich Lucian Kozlowski zu dem Bankhalter herab. „Die niedrigsten Einsätze von jetzt ab, Marquis-" flüsterte er. „Und reden laß m ich!" Napoleon Rutkowski zog den Pelz aus und setzte sich neben ihn. Er hatte ein blasses, schmales Gesicht. Die Augen schienen müde zu sein: müde sahen sie unter den Lidern vor. Die Stirn war verhältnismäßig niedrig; die Nase scharf und kühn geschnitten. Hin und wieder zuckten die Mrrnd- winkel nervös. „Wie hoch geht's?" fragte er und sah den Bankhalter axt „Je nun, Napoleon, das Geld ist knapp in diesen teuren Zeiten, und wer nicht gerade so reich ist wie du, hält es zusammen," erwiderte der Marquis zögernd. Man merkte, er gab diese Antwort nur ungern. Kozlowski hatte mit einem Blicke die anderen verständigt. „Die Slachta (der polnische Mel) wird sparsam," lächelte Napoleon. „Dann ist der Untergang der Welt nicht weit. Macht keine Possen, Freunde, sonst lohnt es sich wahrlich nicht, erst anzusangen." „War' das Unglück so groß? Sagt selbst. Freunder Wann läßt sich Se. Hochgeboren der Graf Napoleon Rutkowski mal bei uns blicken? Memals! War er beim Posenev Polenball? Nein! Und wenn er mal kommt, ist es bessev, mit ihm zu plaudern, als mit ihm zu spielen!" Lucian Kozlowski hob sein Glas. „Mchts für ungut, Bruder, so ist es! Und deine Freunde, die noch mit deinem Vater selig beim Wein gesessen haben, sind nicht froh darüber." Eusebius von DeaorSki zappelte schon eine ganze Weile. „Weißt du, wie man ooch nennt? Im ganzen Lande hast du den Beinamen: „Der Deutsche". Napoleon der Deutsche, haha!" Gras Rutkowski sttmmte in das Gelächter ein. „Ihr wißt mehr als ich," sagte er und stürzte ein Glas Wein herab. Die Leute haben immer zu reden. Uebrigens — wie steht es mit der Jagd? Viel geschossen, messieurs?" „Ach, nicht viel," erwiderte KozlcnuSki. „Es ist eine kuriose Zeit. Wenn sich die Menschen mttercinander tot- 670 schießen, ftufren die Tiere Ruhe. Was sagst du nur zu der Proklamation, Freundchen?" Aber ehe Napoleon noch' antworten konnte, sagte Rybsczynski: „Gott wird die Lauen zertreten und Niederschlagen, die nicht sehen wollen. Was fragst du einen, der lau ist und die Augen bedeckt? Graf Napoleon Rutkowski hat mehr zu tun, als sich darum zu kümmern, daß die Ungläubigen und die Ketzer an der Vernichtung Polens und der heiligen Kirche arbeiten." Kozlowski war wütend; Napoleon Rutkowski strich den Schnurrbart, hob den Blick und sah Rybsczynski au. Einen Augenblick nur, aber wie ein Blitz brannte es in diesen sonst so müden Augen, und eine starke Trotzfalte zog sich um die Lippen. . „Rybsczynski hat recht," sagte er eisig. „Es geht mich nichts an, was der Mob drüben tut. Seit die Weißen und mein Großonkel Fürst Czartoryski endgültig den Rothemden das Feld geräumt haben, ist die Angelegenheit für mich erledigt."*) „Aber der Fürst hat die Nationalregierung selbst so halb und halb anerkannt," rief Maryan Batranski. „Und ich denke, es kommt nicht darauf an, wer Polen frei macht, ob Aristokraten oder Demokraten, sondern darauf, daß es über Haupt frei wird." Napoleon Rutkowski hielt sich die Hand vor und gähnte. „Er heißt nicht umsonst der „Deutsche"," rief Degorski finster. „Wenn man über das Vaterlaird spricht, gähnt er. Nun ja, er jagt ein ander Mld. Me geht es dem Baron Kraßnrck, Graf?" Das Gesicht des jungen polnischen Magnaten färbte sich dunkel, aber er bezwang sich. „Frag' chn selber! Ich sah ihn lange nicht." Ein kurzes, spöttisches Lachen. Schon wollte Napoleon Auffahren. als Lucian Koslowski dazwischentrat , , Jecku, sind das Mensch««! Gleich müssen sie streiten, denn kleinsten Anlaß! Es war wirklich nicht böse gemeint, e Bruderherz, die Jugend ist schvärinerisch, du weißt ja, r)-euer und Flamme. Nun, die preußische Regierung dafür, daß es unschuldig bleibt. Aber Sympathien hat man natürlich für seine knüpfenden Brüder... Das wirp du verstehen! Und der Eusebnis sowie die anderen -Urnen dir nur deshalb, weil sie ohne dich nichts ver- mögen. Deinen Namen kennt man hier im Großherzogtum wie drüben im Königreich Stehst du zur Nationalregieruna, dann folgt der ganze Mel von selbst. Uiid ohne dich lmt alles keinen Zweck, ütun, kränke dich nicht, Prosit, 5>err Bruder mein ganzes Glas dir zu Ehreil!" Er trank's mit einem Zuge Dank wußte, als der Postbote einen Feldpostbrief mit froher Botschaft vom Buben aus der Champagne brachte. Heute war der Gefreite Häslein altes andere als in festlicher Stimmung. Zum hundertsten Male wohl schon predigte er sich die düstere uich ivenig fromme Weltanschauung vor. daß das Leben von Anfang bis zum letzten Stündchen doch ein erbärmlich und jämmerlich Ding sei. Zwischen Wacken und Schlafen glaubte sein Freund Mchel Speier, der ftöhliche Spielmann, sogar hier und dort einen kräftigen Soldatenfluch zu vernehnwn. Tenn Johannes Haslein lag im Unterstaild, wa:ck> sich unter Schmerzen und stöhnte, daß es einen Stein hätte enoeichen können. Ter rechte Backenzahn war's. besttmmt der Backenzahn! Ta er in seinen: Leid schier nichts Besse- uwhr zu tun wußte, stellte ec diese Tatsache immer von neuem fest, schmerz, Wut und Verzweiflung lvarsen ihn umher und ver- tvaridelten sein Gemüt in ein wirres Durcheinander. In scharfen Dur-Akkorde:: pfiff der Wind über das Land und der Regen rieselte in grausamer Beharrlichkeit gegen das Zelttuch das ituüi vor die Oeffnnng der Erdroohnung gehangen hatte Und Johannes -Sebastian Klaus Häslein ächzte und stöhnte. .Herrgott \m Himmel — diese Qual —> dieser entsetzliche Backe::zahn „Häslem! Häslein!" ließ sich da draußen raunend eine ^ttmme Horen. Und als e:n Grunzen von drinnen erklang: ..Los' Du Uiutzt ans Horchposten." ■ „Auch das noch!" Er hatte heulen nrögen, als er sich erhob und yervorttoch, verzog das Gesicht aber nur zu einer Grimasse, die Nn:so besser imrkte, als die rechte Bcrcke stark geschwollen war irr l'^on s:ehst nicht aus mit deinem schiefen Zifferblatt Wenn d:ch d:e Englmcker erw:schen, rennen sie vor Angst davon " Gentttt- liti grmwnd schaute ihn der Sprecher an. Ein wütender Blick traf rhn aus Hcislerns Augen. — f^.^d^^rchposten! Der Regen floß immer noch in Strömen und sm:g gemeinsam nnt de::: Wnide sein rauschendes Lied. Johannes ,^^s^Tuett Stimmen hören zu müssen, die t i rt l n Oual verladen Zwischen den lag er :rnd starrte :n das:n Nacht gehüllte Land hinaus das durch Schemwerfer und Leuchtraketen bald hier, bald dort für SfMwr ^ 'JH***- $ n einer normalen Verfassung Sckausviel semer Aufgabe an diesem prachtvollen ^ X lchönheitsdursttgen Seele, die er sich ans der n:edersackilick)en Heimat :n die KriegÄvirren binüberaerettet einen lebhaften Gefallen gefnnden'lmb^ msnnenl körperlichen tme s^lischen Ich wüster Hexenfasching. Der ♦«ff f einem Backenzahn bohrte und fraß und sich durch ^^ntte Nervengewebe fortpflanzte bis in die Finger und indie Spitzen fernes rötlich angehauchten Blondhaars ließ kalten vor ihm emporn»ack.sen Der snr^nle, und die Augen brannten ihm in den Höhle:: stöhnte er ein über- das andere Mal aus FU lvoll gemartertem HZrzen. ^,Der Backenzahn! — Der Backen- Ä k ^ozn mußte audy ein Mwsch Backenzähne habe:: und einen jccvt) oar:n, der den sanftesten Theologiekandidaten zum Wahnsinn fühlte sich bereits in einem Zustand, in l^ x 9L ^ gegenüber als die Gemütlichkeit in eigener Person hatte erscheinen^önnen. ^ Haslein auf Horchposten und hatte, wie Krügers, in der Allgenieinen Posten- o!^J}Z 9 J 0 Q^ m "wrtgesetzt nach dem Feinde zu spähen". wurde er diese LlufMbe für eine höchst ehrende Zumutung gehalten haben. Aber heute fühlte er sich mit dem alten H:ob stark verwandt. Das zeitweilige Knattern der Gewehre klang in ihm tausendfältig itad) unb ward ihm eine Musik der Hölle ^n seiner Qual krümmte uitb streckte er sich abwechselnd und krallte rn namenloser Wut ob seines Unglücks die Hände in den Lehmschlamm In monotoner Weise trieb das Reißen und Nagen in fyofynlad)enbe Spiel. Er dachte an die Hexenfolter des Mittelalters und fühlte sich versucht, diese Art der Marler für J arm I 0 fc n gegenüber seiner .Heimsuchung durch bcj vä>eia>:cr ju halten. Gnade^Gott Halunken! Wenn ich einen envischte. Dann ^^^^r?^^?§lichkeit hatte er noch garnicht g^acht. Wie ein WltE stahl ^ sich m se:n seelisches Dunkel. Er malte sich in ^durch fern Leid aufgepeitschten Phantasie die einzelnen Phasen emes solaren Zusammentreffens aus, und eine grimmige Freude er- fullte be: diesem ^Gedanken sein Herz. ..W^nn ich einen erwischte'" ^ em ^c^rtten im nächtlichen Dunkel. Und in einigem ein dritter. Sich daherpirschende Men- Schleichpatrouille der schotttschen Gebirgsschützen, denn die Gesellen trugen die „Ballettröckchen" dieser Truppe. Sie steuer- ! len gerade auf ihn zu. Häslein zog behutsam seinen Dolch und faßte zum Spiwng bereit, fest den Griff. Nur noch wmige Schritte war der erste Gegner entfernt. In geduckter Stellung tappte er sich mit fernen Kümeraden dahin. Recht eilig hatten es offenkundig die Herren Fe:nde Häsie::: lächelte All vor sich hin. Angst hatte er n:e gekannt, al,o lächelte er, um im gleichen Mosment das Gesicht zu emer Grimasse zi: verziehen. Und dann ereignete sich etwas, wovon d:e Allgemeine Postenanweisung nichts verlauten läßt,>weik UeNicht weitsichtig genug ist anzunehmen. daß ein Posten an- gesichts des Femdes plötzlich wieder spüren muß, daß auch im Backenzahn eines preußischen Gefteiten ein Nerv zu einem kleinen Teufel ausnmchfen kann. Ter Englishman stockte im Fortbewegen und suchte mit den Wildes — war's der furor teutonicus oder Entschlossenheit, das Erkennen: „Du oder ich?" — den zukrmfttgen Gottesmann und ließ ihn irichts Wetter sehen als ein ^'tengesicht. Ein Sprung - und die Stinge y f I saß dem Feinde bis ans Heft im Halse. Laut- ws sank der Gegner zurück. Im Augenblick veriiahm Häslein ein ^on ^c^. sah e:ne heraueilende Gestalt. Ein zweite:- Stoß mit dem Dolch Dwchen knirschten im Leibe unter dem eindringen- Blutftrom Airzte hervor und mit einem leisen Sckuei brach der -Lchottlander zusarmnen. Häslein konnte nicht schnell ge- nug zupacken so datz sein Dolch im Körper des Gegners stecken blieb. Schnell wottte er sich danach bücken — „Tamned? Deutscher Hund!" D^r dritte Engländer sprang auf ihn m. Hastein griff nach seinem Revolver — zu spät' Er glaubte sich verlor«:. Er sah nichts mehr als eine Sekunde hindurch eul wutverzerrtes Gesicht, lind hörte wieder einen englischen Fluch. I gla:ib te er die^Weli in lohenden Flammen zu sehen, lttid > schrie m namenlosem schmerze auf. Im Bruchteil eines Augenblicks ? t L er et P a ^ ^us seinen: Innersten emporbrodeln. Diesmal war Ter Brtte hatte ihm einen' Faustfck.lag:ns Gesicht versetzt, auf die gefchwollene Wange, unter der ern Teufel :m Backenzahn spukre. Blindlings schlug er drein Xff iJrJg'SfeJ 11 rcssendem Zorn seine Füße zu kräftigen Stößen. Bis der.Erlglander, infolge eines Trittes mit einem niedersächsischen! ^nnnrUtiefel, nne eme gefällte Eiche zusammenknickte und sich am ^ 0 l.«l krümmte. Johannes Häslein warf sich auf ihn, schlug auf schließlich mit Hilfe seines Brotbeutelbandes zu Grrmend schaute er dann seinem Gege::über ins Gesicht, o Mötzlich spürte er Blutgeschmack im Munde und etwas an der urcßt dorthin gehörte. Er stellte mit Hilfe seines Taschentuches erne Untersuchung an — um dann vor Staunen und Llugen aufzureißen. Drei weiße Dingerchen hielt er in der Hand, drer ZahnL von denen ihn der Beisiegte befreit hatte unö — er wußte an sich halten, um nicht einen Fmichzer zu tun — ^^dackenzahn. Ein unbesttmmtes Geftthl, halb MÄ- halb Dankbarbeit, bei,Äich ihn zu seinem Wohltäter. Er Ätlt“ * flUmmem T-umPhzug feinen rrfxr’^ VT! und in das Pfarichaus in der semen Heimat bald wi^>er ftöhlich blinzelnde Sonnenstrahlen Und vereinten ss^» Ztoe: Paar Elter:chände zu innigstem Danken. ^^oWrief aus Flaridern gekommen. Der Bube hatte die Dwpfe am Kragen mit den Tressen vertauscht ' ^ut^seinen kleinen Kriegstrophäen führt Unteroffizier Häslein sonderbares Ding, einen schadhaften ^mand nach einem Mittü gegen Zahnreißen ftagl. erklärt er kurz: „'ne englische Faust A . VLchertisch. — Großer BilderatlaS d e s Weltkrieges. 17 . Lieferung: Die Ereignisse zur See. 18. Lieferung: Die Ausräumung Serbiens. 19. Lieferung: Diz Balkanstaaten. 20. Lieferung : Die Neutralen. — Deutschland. (München, F. Brnckmann A.-G. Subskriptionspreis der Lieferung Mk. 2.—, Einzelpreis Mk. 3 .—. 2 gebundene Gr.-Foliobände in Leinen je Mk. 2b.-.) — In all den heißen Kämpien zu Lande und zu Wasser hat sich die junge deutsche Flotte der alten, glorreichen Landarmec ebenbürtig erwiesen durch Heldentaten, deren Kühnheit und Unternehmungsgeist in der Geschichte der Völker ohne Beispiel sind. Jung und alt ist begeistert über unsere »Blauen Jungen", und so wird die 17. Lieferung des »Großen Bilderatlas des Weltkrieges, die die Ereignisse zur See schildert, mit besonderer Freude begrüßt werden. 281 gut ausgewählte, chronologisch angeordnete Wirklichkeitsausnahmen erzählen eindringlicher als Worte es könnten von den großen Begebenheiten auf hoher See bis zur Skagerrakschlacht einschließlich. In eine ganz andere Welt versetzt uns die 18., der Ausräumung Serbiens gewidmete Lieferung. Bilder, die voll bnntbewegten Lebens sind, auf denen es »drunter und drüber' geht und die oft einen fast asiatischen Anstrich zeigen, gibt eS da in Menge; durch ihre Verinittlung werden uns Namen wie Poscharevatz, Peles, Leskowatz, Alexinatz, Orsowa, Ueküb, Nisch u. a. mehr als bloße geographische Begriffe. Einen besonderen Reiz erhält diese Lieferung noch durch zahlreiche Bilder auS dem bulgarischen Soldatenleben. Und wie fein ist die Gegenüberstellung der Abbildungen, die König Peter I. Glück und Ende zeiaen: sein feierlicher Einzug in Belgrad im Jahre 1903, hoch zu Rosse, angetan mit königlichem Purpur, mit Hermelin verbrämt', die Krone als Zeichen seiner Würde auf dem Haupte, und dann — 12 Jahre später: die traurige Flucht durch das unwirtliche Gebirge, im Ochsenkarren, nur von wenigen Getreiden begleitet. Fast noch bunter und bewegter mutet der Inhalt der nächsten Lieferung, »Die Balkanstaaten", an, eines der schönsten Hefte des Bilderatlas überhaupt. Landschaften von pittoreskem Reiz wechseln ab mit lebendigen Szenen aus dem Volksleben und Bildern von dem Kriegsschauplatz, der nach wie vor im Brennpunkte des Interesses aller kriegführenden Mächte steht. Tie Ereignisse auf dein Balkan werden bis zur Räumung der Halbinsel Gallipoli verfolgt. Lieferung 20 bringt Bilder über die unmittelbaren Folgen des Weltkrieges in den nelltralen Staaten, von denen uns besonders diejeiligen auS der Schweiz, den skandinavischen Ländern nnd beu Vereinigten Staaten von Amerika interessieren. Dann folgen Bilder, die die großartig organisierte Fürsorge des Deutschen Reiches für seiile Ver,vlmdete,l, Blinden und Invaliden zeigen, ferner Bilder znr praktlschen Lösung des ErnährungsproblemeS irr beti Großstädten, und zuletzt eine vortreffliche Zusammenstellung besonders charakteristischer Kricgswahrzeichen, Kriegergedcukblälter ltflv. — Die ersten hiermit abgeschlossenen beiden Bände des Großen Bilderatlas des Weltkrieges stellen mit ihren rund 3400 Bildern ein unvergleichliches Urknnden- und Öueneniuevf dar, dem bleibender geschichtlicher nnd künstlerischer Wert zukommt, ein Werk, das alle ählllichen Unter- nehmlmgen der Engländer und Franzoseil - von den andern Feinden 511 schweigen — in den Schatten stellt. - »Barbaren". Von Arvid Knüppel. AliS de»n Schwedischen übersetzt. Verlag August Scherl G. m. b. H. Berlin. Geheftet 1 Mk. Als läse man über dem letzten Gesang des Nibelungenliedes das Wort: »Feiglinge', so lvirkt da? Wort »Bar- baten" als Titel deS Buches, das dieser schivedische KrtegSbericht- erstatter unter dem tiefen Eindruck geschrieben hat, den er tut Herzen Deutschlands und an der deutschen Front in, Osten empfing. Das Bllch besteht aus einer Sa,nmlnng von Erlebnissen; es will keine zusammenhängende Darstellung auci) nur eines Teiles der großen Kampfe im Offen geben. Aber was es bringt, ist bis in alle Einzelheiten so anschalllich wie die Bilder eines farbigen Film?, und eS wirkt deshalb fo ergreifend, weil eS nicht nur daS Geschaute, das Gehörte, das mit Sinnen Wahrgenomineue schildert, sondern weil es in die Seele der Menschen leuchtet und deren Taten und Leben mit einer Liebe beschreibt, die and) in dein voreingenommensten Frcllnde deutschen Wesens nicht erweckt werben könnte, wenn auch nur der tausendste Teil der Schändlich- keiten wahr wäre, die unseren Soldaten nnd unsere,n Volk von der Gegenseite angedichtet werden. — Der I n s e l - A l m a n a ch 1917. lieber 200 Seiten mit 12 Bildern. Umschlagzeichnung von Max Slevogt. Kartoniert 80 Psg. Erschienen im Insel-Verlag zu Leipzig. — Der diesjährige Jnfel-Al'.nanach unterscheidet sich in wesentlichen Zügen von denen der beiden letzten Jahre. Trugen jene dem Verlangen nach einer Spiegelung der großen Ereignisse in der Kunst Rechnung, so führt uns dieser eine Dichtung .zii, die unabhängig von der Zeit ist. Und noch in einer anderen Beziehung zeigt der Jnlcl-Almanach 1917 ein eigenes Gesicht: er enthält ausschließlich Gedichte nnb Prosa, bis auf wenige bisher nngedruckt, lebender oder jüngst verstorbener Dichter, und als besonders bemerkeiisiverten Zuwachs Proben ans den Werken der großen Vlamen. Es ,nischen sich in bunter Reihenfolge Beiträge von Arno Holz, Dänbler, Schröder, Albrechl Schäsfer, Nadel, Binding, Becher, Ehrenstein, Zweig, Carossa, Taube, Ricarda Huch, Hofmanusthal, Schcffler, Bnsoni. Uebertraguiigen von Dehmel, Rilke, Zech, Eulenberg unb aus vlämtschen Dichtsr» Briefe voii Nietzsche an Overbeck. Zwölf Bilder schmücken bin Almanach. — DaS literarische Echo. Halbmonatsschrift für Lite- raturfrclinde. Verlag: Egon Fleische! & Eo.. Berlin W. 9. Das 1. Dezemberheft ist soeben mit iolgenbein Inhalt erschienen: Friedrich Roseuthal: Die großen Augenblicke des Theaters; Earl Müh- ling : Malivida von Meyfenbng; Arthur Eloefser: Clausewitz' Persönlichkeit; Halis Franc!: Ekstatische Dramen; Tony Kellen: Die vläniische Literatur II. — Echo der Bühnen. — Echo der Zeitungen. — Echo der Zeitschriften. — Echo des Auslandes. — Kurze Anzeigen. - Notizen. — Nachrichten. — Vorlesimgs-Ehronik. — Der Bücherinarkt. — Für Heer und Flotte betitelt sich eine Sammlung von Heften, die zur Masserwerteilnng nach branfjen bestimmt ist, — Es erschienen neue Hefte durchweg humorvollen Inhalts. Heft6r Die laiigweilige Engläiiderin. 20 Pfg. Heit 7: Schön Wetter« Eirie lustige Agrarier-Geschichte. 40 Pfg. Heit 8: Die versteuerten Schuhe. 20 Psg. Heft 9: Tie Studienreise der Baurätiil. 40 Pfg. Heft 10: Der Liebliiigs,reffe. 60 Pfg. - Verlag voll Martin Warneck in Berlin W 9. — »D i e Weltliteratur" Nr. 47: Friedrich Halm: Das Auge Gottes. Preis der Niimiiier 10 Pfg. Verlag der »Weltliteratur", Müncheii 2, Färbergraben 24. Gietzener Hausfrauen-Verein. Wochen -Küchenzettel. Sonntag: Sagosuppe, Ochsenfleifch, Pellkar bosseln, Moec-i Tetlkf/tunle. Montag: Graupensuppe, PichelsteinerH, Salzkartoffeln. Dienstag: Kohlsuppe*), Apfelklöße^). Mittwoch: Tomatensuppe, Hafcrflockenschliitten*), Krieg--' salat^), im Ofen gebackene Pellkartoffeln*). Donnerstag: Erbsmehlsuppe, KartoffetgnlaschU. Freitag: Gerstengrützsuppe, Fischkrant*), Kartoffelbrei mitz Buttermilch. Samstag: Bohnensuppe, Aepfelcruflans*). *) Pich cl stc iu er: Ein Wirfingkvpf fein geschnitten, ein« große weiße Rübe in kleine Würfel gcschirritten, ebenso 3 g-elbo Rüben, 2 Sellerieköpfe, 3 große Kartoffeln, 2 Zwiebeln. Alles zusammen in wenig Fett und Wasser 2—3 Stunden langsam! gekocht. (Kochkiste). Kohlsuppe, siehe Gieß. Anz., 30. Okt. 1915. ^ Apfel klöße: Vr Pfund halb Schwarz-, lralb Weißbrot wird mit Buttermilch angesnichtet, dazu 2 Eier, dies in ettvas Fett abgedämpft, bis sich die Masse vonl Topfe löst: etwas erkaltet. konunen 6—8 geschälte, in kleine Würfel geschnittene Aepfel dazu ’uitb viel Mehl, daß sich mit der Hand Klöße formen lasserr, die man xu Salzlvasscr 10 Minnteit langsam kosten läßt. —^ (Probekloß.) 4 ) Haferflocken schnitten: siche „Deutsche Hausfrau" Nummer 22. ^ KriegSsalat: Ein Teller twll sehr fein geschnittenes Rot- oder Weißkraut, gut gebrüht, 3 kleinwürflig Qefcf>nitteixd Gurkeu, 1 tabgekochten, in Würfel geschnittenen Sellerrekopf, drei klein geschnittene Aepfel, ebensoviel gekochte geschnittene Kartoffeln und Zpüebeln. Zur Tunke wird gemisclü: Ein Eßlöffel Senf, ein Eßlöffel Zucker, glatt gerührt, zwei Eßlöffel Essig, etn>as Salz, eine kleine Tasse Buttermilch: dies über den Salat gegossen, gut gemischt und einige Sttmden stehen lassen. •) Im Ofen gebackene Pellkartoffeln: Tie Kartoffeln werden gnt gewaschen nnd einzeln gebürstet, dann in den sauber ausgewaschenen Bratofen geschüttet, etwas Salz darauf gestreut und ungefähr eine Stund» gebacken. Sie werden mit der Scliale gegessen und behalten so ihren vollen Nährwert. Kar t 0 f f elg ul a sch siche Wocl>ein Küchenzettel vom 19. Februar 1916. 8 ) Fischkraut siehe Wochen Küchenzettel vom 4. 12. 15. *) Apfelauflauf: Ein Teller voll fein geschnittener Aepfel wird mit Zucker, Zitrone und sehr wenig Wasser augedünstet. Dann macht nran einen Teig von 3 A Pfund Mehl, etwas Zucker, 2 Eidotter, Milch mit Eierschnee, das Mehl mischt man mit 1»/» Backpulver, von diesem Teige gibt man oie Hälfte in eine zuge- richtete Form, die Aepfel darauf, dann die zweite Hälfte de- Teiges nnd backt eine Stunde in nicht zu heißem Ofen. Logogriph. Künstlich Gewebe mit .G', auch manchmal zum »Predigen" nötig, Setzen statt „(#' wir ein „S", wird eS etu schmackhafter Fisch. (Auflösung in nächster Nummer.) 4 Auflösung der Königspromenade in voriger Nummert Wer grob sich dünkt an Macht nnd an Besitz: Tie höchste Eiche ist zunächst dem Blitz; — Und wem, weil er gering bleibt, Zweifel nagen: Auch kleine Zweige können Früchte tragen. Albert Roderich. SchristleUnng: Fr. R. Zenz. — Zwillingsrnnddrnck und Verlag der Brnhl'schen Universitäts-Buch- nnd Steindruckerei. R. Lange, Gießen.