Königsträume. Roman von Karl Busse. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die Leute, die halb mit stumpfen, halb mit finsteren Mienen dieser wunderlichen Morgenandacht beigewohnt, drängten nach der Tür, um in der Küche die erste Maaen- stärrnng einzunehmen. Der Baron sah ihnen befriedigt nach. Dann setzte er die Schirmmütze auf. „Sonst was zu melden, Oehmke? Wie geht's der Blässe?" Der Inspektor zuckte die Achseln. „Wie mir scheint, nicht gut. Wir werden den Tierarzt holen müssen." „Hm, mal Zusehen. Komme nachher selber runter." Der Inspektor wollte sich mit einer Verbeugung zurückziehen. „Noch eins, Oehmke: Sie haben gebärt, was ich will. Wir müssen den Leuten von vornherein die Lust benehmen, in irgend einer Weise sich an dem. Radau, der drüben losgegangen ist, zu beteiligen. Ich glaube, die Rabenbande hat mich heut' verstanden, nicht?" „Gewiß, Herr Baron. Es war deutlich." Ein knurriges Lachen. „Das ist mir lieb, zu hören. Wer mit diesen Dickschädeln im Säuselton verkehren will, kann sich gleich aushängen. Und wenn Sie mal einem anderen Gut vorgesetzt sind, Oehmke, etwa als Administrator, dann denken Sie an mich. In diesem Weltwinkel ist der Stock Kulturträger. Hetze, ich weiß ganz gut, daß meine Nachbarn mich auslachen wegen der Morgenandacht. Lacht ihr und der Deubel - wer recht hat, wird sich zeigen. Wie macht sich der neue Formal, Oehmke?" „Bis jetzt ausgezeichnet, Herr Baron. Er liebt seine Pferde." Hans Albert hieb auf den steinernen Fußboden. „Freut mich, Mann Gottes! Neben der Religion und dem Krückstock ist noch zweierlei vonnöten: Ein deutscher Inspektor und polnische Kutscher. Verstanden? Unter einem polnischen Inspektor versaut die Wirtschaft, und ein deutscher Kutscher laßt lieber die Pferde hungern, ehe er ein Maß Hafer stiehlt. Da sind die Pollacken besser. Uebrigerrs — haben Sie davon gehört, daß die sogenannte polnische Nationalregierung ihre Sendboten zu uns rüberschickt ?' Oehmke zog die Schultern hoch. „Der Gendarm sagte so was Aehnliches." „Jedenfalls halten Sie mir die Bürschchen fest, wenn Sie Wind kriegen. Sie sollen den Gutsherrn von Nasgora kennen lernen. Und sowie sich einer von unseren Leuten mit ihnen abgibt, ist mir sofort Meldung zu machen. Bis jetzt ist alles beim alten'?" „Hm!" Es klang merkwürdig gedehnt. „Was heißt das?" fuhr- Hans Albert auf. Der Inspektor mochte den Ausruf schon bereuen. „Nichts von Bedeutung, Herr Baron. Mir kam's vor, als ob die Leute, hm, unlustiger sind, ich will reicht sagen: widersetzlicher. Sie gehorchen zwar jedem Befehl, aber verdrossen, mürrisch. Man sieht mehr finstere Gesichter als sonst. Doch vielleicht täusche ich mich!" Hans Albert von Graßnick schüttelte den Kopf. „Es ist nicht möglich. Sie sehen Gespenster, Oehmke. Das mag auf den anderen Gütern so sein. Hier jedoch haben die Kerle durch meine Bemühungen Religion im Leibe. Das hält, Oehmke, das ist noch besser als der Stock." Er wandte sich, nachdem er kurz an den Schirm der Mütze gefaßt hatte, und schritt den Flur hinab. Links lvar das Eßzimmer. Dort trat er ein. Bor dem Ofen, in dem das helle Feuer knisterte, saß ein junges Mädchen mit aufgelöstem Haar und lvärmte sich die Hände. Halb vor ihr kniete ein zweites, augenscheinlich die Dienerin, und schob ein neues Stück Holz ins Feuer. „Morgen, Kind!" sagte Hans Albert, und legte die Bibel auf den Tisch. „Hast cm gut geschlafen?" Hanna von Graßnick stand auf und hielt dem Bater die Backe hin. „Gut und lange," lächelte sie. „Sonst würde ich mich besser präsentieren." Sie schüttelte dabei ihr Voltes, bräunliches Haar, daß es Gesicht und Schultern umflog, und faßte dann die Dienerin, die sich erhoben hatte, am Ohrläppchen. „Hier ist die Hauptschuldige. Anstatt mich pünktlich zu wecken, hat sie selber die Zeit verschlafen, und nun muß ich iw dieser Verfassung an den Kaffeetisch komnren. Stimmt'-, Kascha?" Von unten herauf sah die Dirne schuldbewußt den gestrengen Gebieter an. Aber die ganze Geschichte kümmerte ihn wenig. Er trank seinen Kaffee, aß ein paar Eier dazu, ohne die Schirmmütze abzulegen, und erhob sich dann, um mit dein Inspektor die Ställe zu revidieren. Die beiden Mädchen blieben allein. Kaum hatte sich die Tür hinter Hans Albert geschlossen, als Kascha Kaczmarek, die Dienerin, rasch wieder vor dem Ofen niederkniete und in die Flamme blies. Die Baroneß lachte. „Das Feuer kracht ja ordentlich, Kascha. Was soll das Anblasen?" „O, Herrin," erwiderte das Mädchen und wandte sich kniend halb um, „ich lieb' die Flammen und seh' gern zu, wie das arme Holz darin verbrennt. Hu, Euer Gnaden, schaut nur die große Flamme! Von allen Seiten kommt sie gegen das Scheit all!" Mit lveit offenen Allgen blickte sie in das Spielen und Tanzen der feurigen Zungen. „Erst ein bißchen,... wie die Katz mit dem Wollknäuel Sie läßt immer wieder los Das Holz denkt, es ist nicht so schlimm. Noch immerzu, das Feuer »veicht jedesmal zurück, aber jedesmal oleibt's ein bißchen länger Und dann mit einem Male — wartet nur, eS konnnt schon!" 662 Sie blies stärker. „Hussa he! wie es prasselt. Faßt an, Flämmchen, hier und da, links und rechts! Und jetzt schlagen sie alte zusammen, eia, wie ist das Feuer heiß und wild! Es brennt, Herrin, es brennt! Das Holz ist verloren!" In ihren dunklen Augen lag ein jäher Glanz, wie ein Widerschein der Flammen. Rasch sprang sie auf. Die geschmeidigen Glieder reckten sich, sie zwinkerte mit den Lidern. „Es wird spät hell, Herrin. Was befehlt Ihr?" Hanna von Graßnick hatte nur wenig auf ihr Schwatzen geachtet. „Leg' den Frisiermantel zurecht, kleine Katze, und gib acht, daß der Spiritus nicht vergessen wird." Als die Baroneß dann, ein Buch in der Hand, im An- Neidezimmer vor der Spiegeltoilette saß und die Dienerin vorsichtig mit dem Kamm durch das kräftige, braune Haar fuhr, sauste auf der Chaussee ein Schlitten vorüber. Die Schellen läuteten bis ins Zimmer. „Wer ist's?" Mit einem Sprunge war Kascha am Fenster. „Er fuhr sehr schnell. Ich denk', es war Seine Hochwohlgeboren, der Graf." Hanna las weiter. „Warum fährt er vorbei, Herrin? Er war lange nicht hier." „Was redest zu zusammen! Vorige -Woche erst." „Wohl, wohl! Aber für den gnädigen Grafen von Rut- kowski ist das lange!" Die weiße Stirn runzelte sich einen Moment. Achsel- Eckend und wie gelangweilt legte Baroneß Hanna das Buch „Weißt du nichts Besserest „Nichts." Ein Seufzer folgte dem Wort. „Wann bist du eingeschlafen?" „Ich habe lange gewacht. Euer Gnaden." "Deshalb die Langschläferei. Ich werde mir ein anderes Mädchen aus dem Dorfe nehmen und ausbilden lassen, wenn das so werter geht. Was meinst du?" . A u * n : "Das werdet Ihr nicht tun, Herrin! Und gleich darauf demütig: „Mein Leben ist Euer. Wenn Ihr mich verstoßt, wohin sott ich?" ... ms Dorf! Hast du mir nicht selbst erzählt, wie schon es früher war?" . Larrysam schüttelte Kascha Kaczmarek den Kopf. „Wer Warfe ist, bxaudjt um bie blauen Flecken nicht erst zu brtten. Nur erner war gut gegen mich." Ihre schwarzen Augen glänzten und leuchteten. „Mein Vater hat mich geschlagen und meine Mutter nrich verflucht. Aber ich^war m der nächsten Minute doch wieder draußen auf der Straße ber Juschu Laskowicz. Wir haben im Wald mS b«Ke U fd„ " Uf bet ® 0rffka6e d°l- und Russe. Ich , , „ "® a§ 9 e l ie . 1 öir wenig, was?" lachte die Baroneß. „Ihr saugt den Haß ;a ern mit der Muttermilch." ° ; ^ß die Hand sinken. .. ^ war gern Russe, wenn Juschu Pole war," sagte [! e, r "% r na &™ rnrch gefangen und schlug mich. Und ich war stolz. Er war der Stärkste damals." Hanna von Graßnick biß sich auf die Lippen. cv, geschah das Unglück: Euer Wagen überfuhr ihn Ich dacht', er wurde auch über mich gehen." Q JL ’n ö * ten Geschichten," sagte bie Baroneß fast fyefttg. „Cs ist genug, daß das Unglück passiert ist Oft ae- »ZK’"““ 5 Bertotcn ' ^ch mitten auf der Chaussee herum- -äs d^r arme Junge ja von Herzen leid Und der Kutscher bog bei der Aiisfahrt aus der Allee wohl auch m scharf um die Ecke Dafür ward er ja weggejagt. Aber du Weißt gut, welch Trotzkopf der Schmied ist. Als wir den Wuiidarzt schickten hat er ihn hereingelassen? Neiu' Als bann harten, daß der Josef ein Krüppel bleiben würde , hat er die Summe genonunen, die mein Vater ihm anbnt ^?wtt der Junge später mal gesichert sei? Nein' Nun fie Unb w^d schon recht schöne Z nsen gettaaen haben. Darsii mag der Josef, svenn er mündig ist selbü darüber bestimmen. Wie alt ist er?" 0 l,t/ Wwst Kaczmarek seufzte. „Es werden zehn Jahre bald her sein, Herrin. Die Zeit vergeht. Und damals war er neun oder zehn. Ich acht," fügte sie leiser hinzu, r "Dann ist er also in ein, zwei Jahren nlündig. Viel- leicht, wenn er das Geld jetzt nicht haben will, braucht er's zur Hochzeit. He?" Die Brennschere, die eben über das Spiritusflämmchen gelegt werden sollte, siel zu Boden. Das Mädchen bückte sich, ^ a » ihr Gesicht im Spiegel nicht sehen konnte. . „Mag er heiraten," erwiderte sie herb. „Es wird sich keine um ihn reißen." Kascha beU -Sofef? Weil er hinkt? Du bist ein Schäfchen, „Es ist nicht, weil er ein Krüppel ist. Der gnädige Herr hat ra alles gutmachen wollen. Aber der Juschu ist seit oem Unglück ein anderer. Wir haben auch nie mehr zusammen gespielt seitdem." Die Baroneß lächelte. „Ihr seid keine Kinder mehr."- Aber das Mädchen schüttelte den Kopf. „Seit er nicht und so wild sein, sitzt er den ganzen Dagdrubm nn Wald oder vor der Schmiede und sieht vor sich hin. Man spricht ein Wort, er fragt auch: Wie ist das Befinden? Aber dann sitzt er wieder und sieht vor sich hin. Hase ' Herrin, er schläft mit offenen Äugen wie der Ähr Mund verzog sich schmerzlich. 1 t.™*J ie »? IöfeIid& geringschätzig. „Was geht's Äs, ? uur an beit Schmied, und daß der alt Weib'wildeste war. Nun flicht er Körbe wie ein <*. ^anna von Graßnick zog spielend ihren Ring vom Peucht dn, Kascha?" fragte sie plötzlich. „Wenn dieses alte Weib nun käme mnd dich heiraten wollte^" Lurch den jungen, geschmeidigen Körper ging ein Zucken „Lachen wurch ich, lachen, Herrin! Bei allen Heiligen, was b l r l mm£r litzt und nach Träumen jagt! und 'anv " *4 ber tanzt und springt und stark ist Güaden " ^ ^ Iad,k furä ' lm[b ' reb ’ Unsinn, Euer nichts" ^uem Wort: Den Joses Laskowicz liebst du "Nnn, nein nein!" In jäher Wut stampfte sie mit dem W sL“v f $ Tte b i n Kamm mit solcher Wucht durchs daß die Baroneß unwillig und mit halbem Wehruf das Haupt zurückneigte. ^ put r; . "W geht wirklich nicht länger mit dir, Kascha!" Aeracr- lich griff sic ivieder nach dem Buche. 3 Die Augen die-noch eben in wildem Glanze geleuchtet * * ^ das Gesicht blieb blutrod tvixxi'" W ld) hm ^^cht, und das Haar hatte sich ver- und demütig war die Stimme. Und schweigend uhUe sie die Frisur zu Ende. Als die Baroneß oufftand ablegte, haschte sie nach ihrer Hand küßte sie. Hanna von Graßnick schritt, ohne sie weiter Zimmer, in dem das Klavier stand ^an borte sie spielen. Kascha Kaczmarek jedoch schleppte mit scheuen Blicken ein neues Scheit zum Ofen kauerte ha *11 der und blies ab und zu in die Fla« ^ me * (Fortsetzung folgt.) V Der Vampir/ Von Franz Reinhold Zenz. m ^Äe“Ä 6 “ " ,Ul ' b " UUb Ci " C b U"tte L sollte unwirsch den ungebetenen Gast hmausweisen »M. %*#, «ffSÄtrtSbgr «' horte Milan zog an einer Schnur, die um feinen tzals ninrr 7 KSi; s EMKiLMS SL isr VS*8s ruhigsten und natürlichsten Tone: * *' 0 ** &tembc im „Tu solltest schlafen, Bruderherz, die bulgarischen Schwei«- Hunde werden uns diese Nacht nicht stören." ^werne- .. ..i cr v' t9e Donfall dieser Stimme gab Milan seine Rode z iriick, und er verßichte mm wirklich ssmznschlafen. Das Gefühl 663 be§ Grauens nahm er aber in seinen Schlaf mit hinüber und jener -Lraum kam Meder über ihn, vor dem! es ihrn vor jedem Einschlafen schon schauderte: — Er lag in seinen Mantel gerollt, in jedem dieser Träume, unweit von einem Torfe. Im Mondlicht schattete der Friedhof. Erne Gestalt löste sich, von ihm los, trat ins Mondlicht und war ein Weui. Kam langsam, wie ein witternder Hund auf Milan zu, rroch gewichtlos über seinen Körper hinweg und legte zwei eisig ratte, gierig schmatzende Lippen an die nie vernarbende Wunde über serneni Herren. Milan erschauerte unter der Berührung dieser ^ppen, fühlte die Zähne des Vampirs in seinem Fleisch wühlen, §?vte ihn sem Blut saugen, das haltlos nach der brennenden Wunde ymsturzte. Versuchte das Unwesen von sich abzuschütteln, kämpfte gegen die ohnmächtige Lähmung all seiner Glieder an und brachte es doch nur zu dein Verzweiflnngsschrei des verfallenen Opfers. Von seinem eigenen Schrei erwachte er auch diesmal. Schweiß staird auf sernenr ganzen Körper. Er betastete sich, fand seine Hemdbluse geöffnet, und er geriet mit den Fingerspitzen in eine warme, rlebrige.^lüisrgkett: Blut. Tie Wunde in seiner Brust war wieder aufgebrochen. Noch hatte er sich aus seinem Traume nicht ganz zurück- gefunden, da suhlte er aus dein Tunkel heraus zwei Augen auf sich nrederbrennen, funkelnd, wie die einer Katze. Ter Frenide hockte Neben ihm und starrte ihn an. „Hund, höllischer," fuhr Milan auf, „was hast du nebelt wir zu suchen? Geh fort, du hast den bösen Blick! Geh fort,, du hast den Vampir rn meinen Schlaf gelockt. Geh fort, oder ich erwürge dich!" * Ilnfc) er ballte die Fäuste in wilder Wut nach dem Fremden.. „Bruderherz, du bist krank," klang» es aus dem Tunkel. „D u hast Mich, geweckt durch dein Gestöhn Uiid Geschrei. Ta, sauf einen Schnaps und mach, da ßdu schläfst." Eine Feldflasche schlug Milan an die Brust, er entkorkte sie, brannte die aus Angst trocken gewordene Kehle aus und lehnte sich ermattet zurück. „Ter Schnaps ist doch gilt?" fragte der Fremde. „Er tut wohl," sagte Milan. „So schlaf." -„Ich. kann nicht." -„Warum?" . . stöhnte Milan, „die Angst hält mich wach. Ter Vampir wird wiederkommen. Ja, ich weiß, daß er kommt. Wir sind zu nah beim Torfe Er ist gierig auf mein Blut, er läßt nicht ab von Mir, iveck ich ihil gestern Hab töten wollen. Der Pfahl muß daneben gegangen sem, ich. habe sein Herz gefehlt. O, diese verfluchten mazedonischen ^chweme, daß sie auch aufmerksam' werden mußten!" Fremde regte sich, und kroch ganz dicht zu Milan heran. „War mein Schnaps gut?" „Hast du nun Vertrauen zU mir?" f Milan würgte an der Antwort. Llbcr es war, als ob der remde chm das Wort auf die Lippen lege und ihn zwinge, ihm on und Leben zu geben. „Ja./ „Erzähle mir von diesem Vampir." „ Wilan fühlte daß er diesem unheimlichen Frernden erzählen müsse, snn Wille war wie geknebelt, aber noch wehrte er sich. „Ich kann nicht." Ter Fremde lachte kurz und häinisch: „Kannst nicht? Hier, sauf noch einen Schnaps. Ter löst dir die Zunge. Milaft geharschte und leerte die Feldflasche bis zum letzten Tropfen. Lem Kopf glühte Nun drängte es ihn, zu erzählen. „Weißt du, das war damals, vor drei Jahren, als wir die Tlnken zum ^ande hinausjagten. Wochen lagen wir im Gebirge wieder^ttegcn^r m ^atzustg in dieses Torf, wo wir auch jetzt - Dorf," Mederholte der Fremde, und es klang wie eine Bestätigung. „.Ich gehe in ein Haus mrd finde eine Mazedonierin. Ein Weib, ich drr Bruderherz, wre eine junge Stute. Wochenlang hatten int !V c ? m ' e ?J gesehen. „Tn kommst mir gerade 11 !. etn . tf Ö und fasse sie unl die Hüften iind schleife sie rn die Ecke. L-w lvehrte sich, die verfluchte Katze, wehrte N barchen und Füßen. Auf einmal riß sie mir meine Bluse heruuler, dav Licher, schlug ihre starken blanken Zähne in meine Brilst und biß darauf los, als ob sie der Satan selbst wäre Rot wurde mir vor den Augen vor Wut und? Schmerz. Warte, du Satan denke ich, und würge sie, würge sie ab, wie einen tollgewordenen ^-sie, laßt nicht locker mit ihren Zähnen, und als die Katze eleiidiglich verreckt ist, da hat sie sich durchgebissen Maule" Wutl ö 0r Hetzen Fleisch aus meiner Brust hängt in ihrem — Was sagst du, Bruderherz?" „Nichts, nichts, erzähle weiter." a ü- § bcm ?orf haben sie auf dem Friedhöfe ver- stharrtz Ein Vampir war dieser Äatan schon bei Lebzeiten sonst mir mcht das Stück Fleisch attete - ® m Weib löste sich aus seinem Dunkel und hetztp auf ihn zu, wie ein Hund, der ein Wild stellen will, xa sank Milans Kopf kraftlos zurück. Tor Frmidc nchtete sich tiefatmend auf. Mles war stM. Niemand hatte dm Kampf bmterkt. Rache!" sMcrte er, beugte sich nieder und stieß «eben dem Toten seinen Dolch in die Erde. Tann ging er langsam, als sei nichts geschehen, in der Rich- tung^wo er die Bulgaren wußte. Lteil stand der Mond über den zerklüfteten Bergen. Die Herren von der Ving, ein vergessenes hessisches Geschlecht. Oberhalb Lauter bei Grünberg, dort, wo Ranheim und die s? 0 / 1 ’ 1 r Trmkwassev herholerr, liegt am Ausgang eines schönen WaldtÄes unter -eur Greteberg, der eine vorzeitliche Siedlung? trast, die Bmg L>ie umfaßte brs in die neueste Zeit drei Bauern- Hose einschließlich der Binginlihle, ihr Besitz und Betrieb wurde aber gesckräntt ^ ^aatüchm Quellen-Käufe und -Anlagen stark ciii- ^^?-BingnEe liegt aus dem Steilabfall der vom Greteberg herabziehendeii Wiesenfläche ein kleines Wäldchen, der „Burgwald Tre Flureu oberhalb und unterhalb heißen „Am Bnrgwald. In Lauter liegen noch „Junkerngärten", und die SrÄnSSÄ 01 von der Bina ist noch sehr lebendig. Aec Besitzstand wird nmh bezeichnet, er scheint imterhalb des Gretebergs und der Ernfurste, bis hin zu dem Lochgarten jellseits der Laubacher Straße gelegen zu lwben. ' ^ Burg ist uoch der rechteckige, senkrecht ans dem Basalt- felseii herausgehauene ttefe Burggraben zir sehen, in dem vor einigen wahrer, bei Erdarbeiten ein großer eiserner Schlüssel mtt p vergoldetem Griff gcfuiiden und diirch einen Grünberger Amts- I rrchter an das LandesmUserun abgeliefert worden sein soll ^er von dem Graben eingeschlossene Platz reicht nur für einen kleineren Bau, und da vo.i Mauerresten nichts zu sehen ist, die Oberfläche stark hangt muß man aus einen Holzbau schließen. Geschichtlich sind zu Lauter die Herren von Strebekotz bezeugt Sie finden sich auch m Queckborn nach den: Aussterben der Herren voii Qnecköorii. 1332 belehiite Laiidgras Heirrrich Glaser Grimberg) den Johann voii Strebekotz mit einer jährtüheu Gülte von dem. ^orf Lauter als Burgleben. Dem Gottfried Streb kotz lvahrend des Lterirerkrieges 1366—73 das Torf Lauter für 170 Gulden verpfändet. Nach Scriba's Regesten sind an Zehnt- 1350 die .Herren von Ulfa uiid Saasen, 1416 Oswalt von Engelhausen (r/z L>ttrude von der Bing gelegen) \r 0U WrndhaufM und Friedrich Mn Saasen, 1463 Splwlt von ^viudhausen und ^oachiln von Saaseii beteiligt. Während Ä BB4 IST der Str^ekotz'sche Besitz $u Queckborn ntit dem Aussterbsn der Familie 1474, wo der letzte Strebekotz bei der Belagerung von! Neuß a. Rh. fiel, an die von Habel überging, erscheint die .Bing spater als Nöarbnrger Universitätslehen, wird also von einem der beiden zur Gründung der Hochschule benutzten reichen Klöster, dem Zlntoniterklosber zu Grünberg oder dein 9Lonnenklojter zu Wrrberg erworben gewesen sein. Im porigen Jahrhundert hatten die Grafen! zu Lehrbuch den Zehnten zu Lauter uird ließen ihn sich 1842 mit bareil 6840 Gulden ablöscn. Wer war mln vor den Herren von Strebekotz Burgherr auf der Bing? Darüber gibt wohl folgende Zusammenstellung ziem'llch schlüssige Auskunft. Ohne weiteres dürfte klar sein, daß die Herren ursprünglich von -Bing oder tvohl besser „von der Bing" geheißen haben. Bei Kraft, Geschichte von Gießen und Umgegend, S. 204, finde ich, daß bei den Herrerr von Queckborn von 1106 bis 1250 öfter ein Arnold vorkommt, daß ein Arnoldus rufus (der rote) als Mainzer Vasall und Zeuge in Urkunden von 1171 bis 1189 bezw. 1194 erscheint, „und wird nach der Zeit, in der er lebte, und der für ihn vorkommenden Bezeichnung de Pinguia (er war also wahrscheinlich Burgmaim in Burgen) als eine andere Persönlichkeit betrachtet werden müssen." In einer Anmerkung daselbst: „die ältesten Glieder der Familie von Queckborn zeigen sich in Mainzer Urkunden, und da Mainz Ansprüche an die Gegend von Grünberg bildete, erklärt sich auch die Verbindung mit dem Erzstift." S. 205 ebenda: Aus einer Urkuiide des Eberhard Waro (von Hagen) „von 1180 geht hervor, daß dieserArnoldus rnfus einen Sohn Eberhard und zlvei geistliche Brüder, Eberhard ilnd Konrad hatte, iind die Besitzungen der Herren voii Hagen ilnd Arnsburg erstreckten sich bis bei Queckborn: aber damit kommen wir seiner Herkunft nicht näher." Da für diesen Arnold den Roten alles aus die Gegeiid Grün- borg und Queckborn hinweist und wir fi'tr die verödete Burg auf der Bing nach einem Geschlecht suchen müssen, so iverden wir wohl unseren Arirold den Roten voll Bingen wieder aut sein Stammschloß „die Bürg" versetzen müssen. Wir hätten also zu den im Burgwald liegenden spärlichen Resten der Burg von der Bing nunmehr auch urkundlich den Herren von der Bing - de Pinjguia und gleich vier mit einander gesunden. Arnoldus ruius Eberhard Konrad Mainzer Versal! Geistlich Geistlich 1171—1194 1189 1189 I Eberhard. Durch da? Vorkommen der beiden Geistlichen ist ivie bei so mallchenr tüchtige» Rittergeschlecht das Aussterben des Hauses lind der Hochschul- bezw. Kloster-Besitz zu Lauter verstäildlich. Ta die Herren von Strebekob beide, eine Pfarrei bildenden Orte Queckborn ulld Lauter besaßenj, so ist auch für ihre Vorgänger, die Herren von Queckborn, der gleiche Besitzstand zu vermuten. Durch Heirat mag früh eilte Verbindung der beiden Nachbargeschlechter und nach den: Aussterben des MannesftaiNMes eine Aufsaugung des kleineren Dinger Besitzes durch den größeren Queckbörner stattgefunden haben. Vielleicht, daß auch eine Seitenlinie von Queckborn den Mannesstamm aus der Bing ersetzte. Beidental ist das Vor- kommcn des Namens Arnold solvohl zu Queckborn als auf der Bing erklärt. Q u e ck b o r n , 30. 10. 16. Friedrich Schick. vermischtes. * Der deutsche Hel m. Hierzu schreibt Avenarius im zweiten Oktoberheft des „Deutschen Willens" (Kunstwart): Haben wir denn einen? Wir haben die „Pickelhaube", den Landwehr- „Helm", den . . . ^ja richttg: wir haben den neuen Stahlhelm draußen in den Schützengräben, lind ich meine: aus diesem Helm sollte der deutsche Helm Iverden. Es hat lange gedauert, bis wir ihrr eingesührt haben. Die Franzosen und die Engländer hatten schon längst Stahlhelme, als nnr noch probten und immer wieder probten. Aber was lange gewährt, ward gut. Es ist, soviel wir hören konnten, nur eine Stimme darüber, daß der deutsche Stahlhelm am besten von alten schützt, die jetzt in Gebrauch sind. Nur eine (Stimme auch darüber, daß er am wenigsten stört und am bequemsten sitzt. Aber mich das ist wieder da, was immer noch vielen wunderbar erscl>eirtt: dieser Helm, der rein aus Versuchen auf das Zweckmäßige hin entstanden ist, ist auch der schönste aller modernen Stahlhelme. In seiner vollendeten Schmucklosigkeit ist er ganz Gestalt, ganz Ausdruck. Und nicht nur „an sich" ist er schön, er steht auch seinem Träger gut. Nicht bloß „martialischen" Gesichtern, auch feinen — er bildet eben einen RoHin.cn. der jedes Gesicht vor allem einmal isoliert und deshalb für sich zur Geltung kommen läßt. Wollen wir nicht die Form dieses Helms auch für den Frieden bewahren und aus ihr beit deutschen Helm bilden? Die Pickelhaube ist für den größten Test Deutschlands in kernem-Sinne geschichtlich überliefert, sie ist für ihn durchaus kerne hrstorsiche Tracht, in ihrer jetzigen Form ist sie das nicht einmal für Preußen; oru alten hohen preußisch«» Pickelhaiwe ist sogar wünsch englischer Helm ähnlicher, als der bisherige deutsche. Daß er nicht praktisch ist, wird für den Ernstfall durch seinen Stoffüberzug ausdrücklich bezeugt, die „Blitzableiter"-Spitze Muß aber auch noch abgeschraubt werden, wenn sie nicht über den Graben signalisieren soll: Obacht, hier ist wer. Ueber andere Eigenschaften „praktischer" Art dieses „Helmes" wolle man Kriegs- teilnehmer fragen, hier 'kann die Höflichkett darüber schweigen. Was die „Sciwnheit" anbelangt, so wäre aussichtslos ein Vev- ständigungsversuch mit solchen Augen, denen diese Sammlung von Fvrnrrudimenten (wie den „Schirmen") irno von Blechornamenten auf pappevner Grundlage gefällt. Gibt es aber noch viele? Aus Stahl brauchten wir den neuen Helin nur für die Zwecke, für die man ihn jetzt braucht. Der Friedenshelm ließe sich mit E i geringfügigen Veräirderungen derselben Form ohne jede stlrchkeit auch mit Leder, Tuch, Flechtwerk berstellen. Der g wird den „Kampshelm" — so könnten wir den Stahlhelm auch nennen — schnell volkstümlich machen. Wahrten wir ihn, so würde dmnit zugleich eine stolze Erinnerung an die schwersten unserer Kämpfe gewahrt. Wollten wir ihn doch wahren! Und so, da» keine blinkernde Aufpntzerei die schöne Sachlichkeit seiner Form verzierlichte und verwitzelte! Vüchertisch. — .Der d e u t s ch - T e u s e i* von Karl® in il Franzos. Mit Bildnis Franzos', Einleitung von Dr. Ernst Schulde und 7 Bildern von Ludwig Berwald. („Volksbücher" Heft 4#) Geheftet 40 Pfennig, gebunb.n 80 Pfennig Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtuis-Stiftunff in Hamburg-Großborstel. — Deutsche U°Boot-Taten in Bild und Wort von Professor Willy S t ö w e r. Herausgegeben von der Reichs- marinestiftung, Berlin W. 10, Königin-Augusta-Straße 38/42. — Unter diesem Titel erscheint soeben dos erste von Künstlerhand geschaffene Werk über den Krenzerkrieg durch U-Boote. Es schildert in 10 vollsarbigen Bildern mit begleitendem Text von Professor Willy Stower das Heldentum des Ü-Boot-Lebens von Beginn des Krieges an. Handlung und Stimmung wechseln in packender Weise. Im Morgengrauen sehen wir „0 9" anstanchend, dann folgt die Torpedierung der englischen Kreuzer „Aboukir", „Hoque" und „Cressy*. In der Nordsee wird ein Segler mit Bannware an- gehalten. Im Atlantik ein Vollschiff aufgebracht, und so folgt eine Reihe fesselnder Biloer dis Konstantinopel und Ins Schwarze Meer Dieses Werk ist für die Friedenswohlsahrtszwecke der Reichs- marinestistung bestimmt und soll unseren blauen Jungen, die draußen im Kamps und Sturm ihr Leben einsetzen, zugute kommen. Es soll die Not der Seeleute lindern Hellen. Der niedrige Preis von Mk. 2,50 ermöglicht fast jedem die Anschaffung. — Englands „Kultur" in „barbarischer" Beleuchtung (Wien, Verlag Englands „Kultur" III., Kolonitz- gaffe 9), ein Buch von großer Bedeutung, ist soeben erschienen und lie^t uns vor. Viel zu lange hat es gedauert, unseren ursächlichen Feinden auf ihre Anwürfe: wir seien ein Volk von Barbaren, eine wuchtige Antwort zu geben. Es ist ein großes Verdienst, das sich der Herausgeber dieses Buches um uns erwirbt, indem er uns zu gegebener Zeit ein Buch auf den Tisch legt, welches einen wichtigen Teil der bestehenden Sitten (Unsitten), „den Jungfrauen- Handel" in England, scharf beleuchtet ans Wiedergaben der entsetzlichen Artikelserie ans dem Jahre 1885 der „Pall Mall Gazette" in London. Es hat sich nichts geändert in den 31 Jahren. — DaS Buch wird in allen Kreisen Aufsehen erregen. Der Verlag kündigt gleichzeitig eine Folge an: „England in der Kritik seiner bedeutendsten Autoren." ES ist angeblich bereits im Druck. vexlrrrStsel. Er wurde vor Gericht geladen, Doch wer nicht pünktlich kam, war er. Er schrieb, es sei sein alter Schaden, Das Lausen fall' ihm gar so schwer. Brauchst nicht zu fragen, was ihn quälte. Der Grund ist wirklich völlig klar; Denn als er im Gericht nun fehlte, Ergab sich, was sein Leiden war. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Abkürzungen: tr — Treff, v — Pique, c — Coeur, car = Carreau, trB = Treff-Bube, pA = Pique-Aß, cD = Coeur-Dame u. s. f.) Im Skat liegen o9 und oA. Mittelhand hat trv, trA, v8, pD, pK, pA, car9, carB, carD, carA, Hinterhand den Rest. Spielgang : 1. V. car7 M. carA H. pB. 2. M. carD H. pZ B. carZ. 3. M. carB H. fcrK V. car8. Jetzt spielt M. die car9 aus, wobei V. mit carK üdev» stechen muß. Schristleitung: Fr. R. Zenz. — .Kwillingsrunddrin* «••«*» h«r Brühl'scben Uninerlltäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.