Montag, den 25. September Der Asdjum-Vulksn. Roman von St. E. White und S. H. Adams. Autorisierte Uebersetzung. — Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Wenn Sie an dem Haken noch eine Leine befestigen. Sie genialer Seeräuber, könnte man Sie als Angel benutzen," näselte er dann, unbekiimmert darum, ob er den Mann, der gleich einem gereiften Tier die Zähne fletschte, damit beleidigte. „Ich hätte an Ihrer Stelle den Haken so eingerichtet, daß man ihn vorwärts und rückwärts drehen kann. Das wäre bei mancher Gelegenheit ländlicher, zum Beispiel bei einer Schlägerei!" Satomvn starrte ihm verbliifst nach, dann musterte er nachdenklich seinen Haken, bog den Arm hin und her und zog den Haken zu sich heran wie eine Katze, die ihre Klauen einzieht. Dann leuchtete es in seinen Augen auf. „Wahrhaftig, er hat recht!" murmelte er voll Bewunderung. „Zehn Jahr' trag ich das Ding nun und Hab' nie daran gedacht! So 'n Teufelskerl!" Aufblickend bemerkte er, daß ich ihn beobachtete, drehte den Kopf weg und fing an, vor sich hin. zu summen. Der Passat hatte eingesetzt; wir machten gute Fahrt. Es U>ar du Bergungen für mich, auf Deck zu bleiben, selbst wenn ich Wache'zur Koje hatte. Der Wind wehte frisch, der Himmel wölbte sich tiefblau über dem Meer. Alles bot einen heitern, freundlichen Anblick, selbst Salomons rotes Kopftuch, das sich als leuchtender Farbenfleck gegen das Blau des Himrnels und das noch tiefere Blau des Meeres scharf abhob, und das einfältige, schwarzpolierte Gesicht des Niggers über dem fleckenlosen Weiß des Oberdecks. In rhythmischen! Heben und Senken wiegte sich das Schiff unter inir, während ich in tiefen Atemzügen die Seeluft einsog und meine Phantasie in harmlosen Schatten spitze Dolche sah. Zwei Jahre ist's nun her nnb ich war jung — damals — Zur Tischzeit war ich eine Zeitlang im Zweifel, wo ich denn nun eigentlich hingehörte, bis mir die Fistelstimme des Kapitäns kundtat, daß ich in der Kajüte essen sollte. Ms einziger Offizier außer dem Kapitän aß ich allein, nachdem die andern fertig waren. Die Kajüte war hübsch nnb sehr sauber gehalten, mit tadellos weißein Holzwerk nnd Lederkissen — viel eleganter, als matt erwarten konnte. Später erfuhr ich, daß die Reinigung der Kajüte und der drei Kabinen dein Neger oblag, der für ihre fleckenlose Sauberkeit haftete. Ein Gestell enthielt ein Dutzend Gewehre, fünf Revolver und — meine Dolche. Ich sah mir die Waffen eingehend und mit größten! Interesse an. Die Getvehre tvaren moderne Magazingewehre für gewöhnliche Armee-Munition und bereits gebraucht, die ;)tevolver natürlich die alten 4ber Colts, ein ganz außergewöhnliches Waffenarsenal für einen friedlichen Schoner von hundertundfünszig Tonnen. Die übrige Ausstattung bot nichts sonderlich Auffallendes oder Bemerkenswertes Aus der Bauart des Schiffes entnahm ich, daß zwei von den Kabinen ziemlich groß sein mußten. Ich hörte Stimmen darin. Auf Deck redete ich Kapitän Selover an. „Ein schmuckes Sck)iffl" Er nickte. „Und gut bewaffnet!" fügte ich hinzu. Er murmelte etwas von Seeräubern in den chinesischen Gewässern. Ich lachte. „Sie haben ja so viel Waffen, daß Sie jedem von Ihren Leuten zlvei Getvehre geben könntet!, wenn Sie nicht ettva alle Ihre Kojen besetzen wollen." Der Kapitän sah mir gerade ins Gesicht. „Sprechen Sie frei ' von der Leber, Mr. Eugen!" sagte er. „Was hat es mit dem Schiff für eine Belvandtnis und tvohin ist es bestinrmt?" fragte ich ihn einfach. Er überlegte. „Was das Schiff anbetrifft," erwiderte er endlich, „null ich Ihnen reinen Wein einschenken. Schließlich sind Sie mein erster Offizier und ich bin aus Sie angewiesen, falls es einmal zuin — na, Aeußersten kommen sollte. Wenn das Schiff ein wenig in Verruf ist, mm. Sie sind es ja auch. Es gibt Leute, die ihm allerlei Ehrentitel anl>ängen. Warum? Ich kann den Grund dafür nicht einsehen. Man nennt es einen Schmuggler, Räuber, Kaperer, und tvie die ganze Liste sonst lautet. Na, es hat in Santa Cruz chinesische Kulis geladen — wenn man -das Schmuggeln nennen kann — aber das Land ist frei, und ein Chinese ist ein Mensch, außerdem wurden beim Landen — hi, hi, wollte sagen beim Löschen dieser Fracht — zehn Dollars pro Kopf bezahlt. Ein andernral lag am Ufer eine Ladung Pökelfleisch, die ein Dummkopf dort aufgestapelt hatte, ich nahnr sie iiber; könnt' ich denn wissen, was der Unternehmer damit beabsichtigte?" „Aber der Raum vorn — ? Die vielen Kojen?" fragte ich. „Na ja, im letzten Jahre haben wir Perlen gefischt." „Dazu brauchten Sie doch nur den Taucher und die Mannschaft," wandte ich ein. „Man mußte sich doch aber vor einem japanischen Kanonenboot oder dergleichen höllisch in acht nehmen!" „Also Perlendiebstahl!" entfuhr es mir. „Na ja, so lvird ejs von einigen genannt. Die Musck-eln liegen da, die Inseln sind unbeivohnt. Ich fei} nicht ein, weshalb ich mir die Muscheln nicht nehmen soll!" „Warten Sie mal!" rief ich. „Im vorigen Jahre kam es bei den Jshigaki-Iiina-Jnsetn zu einen! verztvei selten Kampf, wobei ein räuberischer Perlenfischer die „Oyama" zurückschlug." In Kapitän Selovers Augen bl!tzte es aus. ,Lsch befehligte damals eine schwarze Brigantine „The Petrel"," lachte er. „Oben war sie eine Brigantine, unten aber von derselben Bauart wie die „Laughing Laß". Merken MWWWWM — 474 — Sie was?"' Ec drehte sich auf dem Absatz herum Und ging zu einer der eingehüllten Jachtkanonen. „Sieht wie ein harmloses Spielzeug zum Salutfeuern aus, nicht wahr?" Er entfernte die Hülle und die falsche Metallmündungskappe — und die Kanone entpuppte sich als ein vortreffliches kleines Maximgeschütz. „Nun wissen Sie alles," schloß er. „So! Na, sehen Sie mal an, Kapitän Selover," sagte ich, „könnt' ich jetzt nicht, wenn ich's ivollte, Ihre ganze schöne Gesechtsausnijtung in die Luft blasen? Wer sagt Ihnen denn, daß ich es nicht auch tue, wenn ich wieder cm Land komme? Und woher wissen Sie, daß ich jetzt nicht sofort zum Doktor Schcrinerhorn hingehe und ihm erzähle, an was sür eine Sorte von Schiff er sich gebunden hat?" Er stellte sich breitbeinig vor mich hin, schob den schmierten Leinenhut von der Stirn zurück mrd sah mir einiger? maßen belustigt ins Gesicht. "3 fl/ lUü ^ cr ^isscil S i e denn, ob ich nicht den Leutnant Ralph Slade auffliegen lasse, wenn ich wieder an Land komme?" fragte er, und ich lachte innerlich. Es war sehr gut, das; er wirklich glaubte, ich sei eiu durchgebrauuter Mariuo- OfflZier. „Aber ich kenn^meine Leute. Sie werden nichts derartiges tun." Er trat an die Reeling und spuckte vorst suhtlg über Bord. lvas den Doktor aubclaugt," fuhr er fort, „der weis; Be;cheio! Er ist genau über mich und meine Taten unterrichtet, bis auf die kleine Extratour vom vorigen Jahre. Aus dem Grunde hat er mich ja gerade zu dieser Kreuzfahrt engagiert!" Seiiie Aenglein flinunerten mich spöttisch an. , „Sagen Sie mir wenigstens, wo wir hinfahren," rief ich, m nner konll,ch ergebungsvollen Gebärde die Hände aus- strcckend. Die schmutzige, unordentliche Gestalt des Kapitäns straffte sich. Jfr. Eagen, vergessen Sie gefälligst nicht: Sie sind '^^"krmann dieses Schiffes, lind Ihre verdammte Hsticht -ist es, dafür Zn sorgen, daß meine Befehle befolgt werden. Darüber hinaus haben Sic iiicht zu gehen. Füh- rnng dev Schiffs, Länge, Breite und dergleichen liegt außerhalb Ihrer Obliegenheiten und geht Sie iiichts an. Sie be- lommeit doppelte Löhnung, damit Sie Ihre verfluchte Neugier zügeln. Merlen Sie sich das, Mr. Eagen!" Damit ließ er mich stehen. Trotz seines schmutzigen Aeu- ßeren, seines Welten Gewissens und skrupellosen Charakters mußte uh ihn in diesem Augenblick bewundern. Wenn schon ^eicy Darrow über die Zwecke der Expedition im unklaren war, wieviel mehr erst Kapitän Selover. Und doch beabsirw lUjernomineue Verpflichtung auf Treu und fr -ff *s£”• gefiel mir, daß er Niich zurechtwies: er offenbarte dadurch eine Seite seines Wesens, die der außerordentlichen Ordnungsliebe in den ihn umgebenem Dingen verwandt war. 4. Kapitel Die Mannschaft. ^rÄnT" f b t Ä r Mannschaft Ziel und Zweck unserer M lÄt £ ®$«inerfcmt und feilte Reise, t .... : — —• imu» nun; mau, weil w SSJSfSÄWSs* Ia “ w * ai *" - d» «x#SSÄ »K* - mm,M ’ eimniittg wandten sich alle ttach ihm utn Schiv'esgen"" brncr) P»lz nach kurzer Pause das .Salomoin "0" ita ' rih '’ Doktor?" fragte Handy eine bloße Met,nmgSänßerung ihres Genossen bedeutete erfahr, stand er in dem Ruf, Me Gabe dL Endn . zu besitzen. Niemand rührte sich, nur Hundy Salomon drehte, probierte, bastelte und (rfi™Z unablässig an seinem Stahchakcti herum, um ihn nach PercN DarrowS Fingerzeig so einznrichten. daß er sich drehen W „W^rs ist es denii, Doktor?" fragte er schließlich den Nigger in den sanftesten Flötentönen. „Gold," antwortete dieser kurz, „Gold-Schätze." „Habe ich es nicht gleich gesagt?" triumphierte Salomon. Es war geradezu erstaunlich, daß alle blindlings dem Wort des Niggers glaubten, trotzdem er auf weitere Fragen, ob der Schatz gesucht, gekauft, gestohlen oder in offenem Kampfe geraubt werden sollte, nicht mehr cmt- wortee. Jedeli Tag spielte sich während der Hundewache dasselbe Programnl ab. Selbst wenn sich nur Handy S-a- lomon, Pnlz uni* der Nigger unten befanden, blieb die Reihenfolge Unabänderlich Me gleiche. Ueber den geheimnisvollen Schatz wurde fortwährend gesprochen, daun die Lancpe angezündet und in dem alchimistischen Büchlein gelesen. Dabei arbeitete sich Handy Salomon, erbitterte Flüche in eigenartiger Bildersprache vor sich hinmurmelnd, vergeblich an seinem Stahlhaken ab. Höchst selten erschien Doktor Schermerhorn an Deck. Meistens hielten seine Finger dann noch eine Feder, die er belferte zu legen vergessen hatte. Meiner Allsicht nach war er in seine Berechnungen vertieft, in beit phantasievolleren Vorstellungen der Mannschaftsmesse jedoch bewachte er andauernd die schwere Käste, die er selbst all Bord geschleppt^atte. Er ging, um frische Luft zu schöpfen, mit schnellen Schrltten auf lind ab, machte jedesmal am Ende ecue knappe, militärische Kehrtwendung und verschwand nach Ablauf der üblichen halben Stunde wieder in der Kajüte. Danach tauchte Percy Darrow aus, lehnte sich lasslg all die Reeling und rauchte unausgesetzt seine mexikanischen Strohzigaretten, die er mit einer Hand drehte. Voll dlesem Platz aus -schien er über das ganze Schiss mit allem Drnlil u:ld Drall, die Tätigkeit der Besatzung, ja sogar deren Gedanken Revue abzuhalten unb sich daun herauszusüchen, worilber er in seiner halb sardollischen halb ernstgemeinten, aber immer unsäglich gelangweilten und gleichgültigen Art herziehen konnte. Seine Kunst des Gedanke,llesens war manchmal geradezu unheimlich, obgleich er dabei lvahrscheinlich nur aus sehr einfachen Beobachtun- gen eme Rückschlüsse zog, und stets amüsierte er sich tolngllch über die Berblüsftulg des betreffelidcu Opfers' ^o näherte er sich eines Abends gegen das Endo unserer Deckwache Handy Salomon, der sich nun bereits zehn Tage lang resultatlos mit dem Haken abgequält hatte. ist doch wirklich toll, daß die Sache lioch immer )ucht gehen will, Sie alter Seeräuber," sagte er, mit spottlschem Lüchelu vor ihm auf- und niederwippeud. Wie schon könnte mau sonst damit kämpfen! Sehen Sie"mal N^r er zog bei seinen Worten einen Gegenstand aus d-r Tasche „Dies ist eine Pfeife, eiil Geschenk, das ich jedoch mcht benutze. Ich rauche keine Pfeife. Wenn Sie das Dlng halb rechtv drehen, lömrnt der Stiel heraus, drehen ^rach der andern Seite, geht er -zurück. Das ist Ihr ^ben Sle mm das Ding wieder, wenn Sie den Mechaillsmus begriffen haben!" Ohne eine Erwiderung abznwarten, drückte cr dem Man« die Pfeife m die Hand und ging. Mit offenem Munde stmrte Salomon rhm hrnterdrern. Nach zwei Tagen eifri- gcn Probierens wurde seine Mühe von Erfolg gekrönt und er gab Darrow die Pfeife mit ein paar gemurmelten Dankeswvrten wieder zurück f rf Lächelnd blickte der junge Mann ihin fest in die Augen. „Gegell wen soll's nun aber losgehen?"- (Fortsetzung folgt.) - * Die Geheimschrift der Diplomaten. -deicht nur in Kriegs-, sondern auch in Friedenszeiten ist ^ nolivcndia. den boliti clnn Nachrichtenverkehr her' oft irirffiw St°-ttsgel>enn..isse enchält, so zn gestalte^ A naLnfem AnÄn lick können. Zn diesem Zwecke bedient inan mH. C k cr r!L l ^I un ^ lmc ^Ser Nachrichten irgendeiner ver- abredcten Gchernlschrrft. Und solche Geheimschriftm sind 5 K GebrauÄ so Le Lr NW die'KenntiL Mß-ZWZWW mmsrntm 476 ntt System, daß trotz verhältnismäßiger Einfachheit doch manche harte Nuß zu knacken gibt. Sender und Empfänger benutzen eine Tabelle, die 26 wagerechte und 26 senkrechte Reihen hat und die dadurch 676 quadratische Kästchen aufweist. Das Feld oben links blerbt frei. Neckts daneben steht A, dann B usw., bis mit dem 25 Buchstaben das 2 erreicht ist. In entsprechender Weise wird links abwärts, vom zweiten Feld an, das Alphabet niedergeschrieben. Die wagrechte Linie heißt die „Sprachlinie", die senkrechte „Wahl- Urne". Senkrecht unter dem A der ersten Zeile wird dann in kleinen Buchstaben das Alphabet fortgesetzt, und dasselbe geschieht rechts von dem anderen A. Darauf wird in jeder senkrechten und in jeder wagercchten Reihe mit kleinen Buchstaben das oben bezw. links angefangcne Alphabet fortgesetzt, wobei es von neuem begonnen wird, wenn der Vorrat an Buchstaben rächt reicht, um bis »um letzten Feld zu kommen. Dem Schriftwechsel wird nun beispiels Werse das Wort „Berlin" zugrunde gelegt. Will man dann „Paris' schreiben, so wählt man den Buchstaben der Tabelle, der durch das B der Sprach- und durch das B der Wahllinie bestimmt ist Das n wrrd nach A und E, das r nach R und R bestimmt usw. So heißt das Geheimwort für Paris nun „rfiur". So wird das Wort „Berlin" als Schlüsselwort dauernd gebraucht, bis der ganze Text geschrieben oder entziffert ist. Ein anderes System ist die Kammerschrift, die ebenso einfach wie genial ist. Wenn zwei parallele Linien von zwei anderen Parallelen senkrecht geschnitten werden, so entsteht in der Mitte ein Quadrat, die Kammer an die sich rechts und links, oben und unten, nichtgeschlossene Vierecke, an den vier Ecken aber rechte Winkel anschließen. In diese neun Kästchen wird nun das Alphabet verteilt, statt der Buch staben aber setzt man Punkte. ab c de ifgh i 1 m 8 t U I pqr yz Ein rechter Winkel wie dort, wo die Buchstaben a b c stehen', bedeutet ohne jedes Zeichchr c, ist ein Bjild darin, b, sind zwei Punkte darin, a. Folgende Zeichen LzmuunjriEL ergeben also den Namen Hindenbnrg. In die neun Kammern kann man, nattirlich nach getroffener Ver.rbredung, die Buchstaben des Alphabets in der loillkürlichsten Weise einstellen, sodaß die Losung ohne „Schlüssel" fast unmöglich ist. Durch Linien die die Kämnrer die Vierecke und Winkel teilen >und kreuzen, wodurch dw verschiedensten Figuren entstellen, kann man die Kammcr- Ichrl t noch komplizierter machen. Außer der Buchstabeii-Gehetm- sKrift gibt es auch die Zifferng-eheimschrist, nach der diese ganze Kunst den Namen erhalten hat. Die Verbindung von Buchstabcn- und Ziffern-Gcheimschrift gestattet nun die Anwendung der ver- wickcltsten und doch wieder für den Eingeweihten leicht und schnell lesbaren Geheimschriftsysteme. Läcrmit ist aber die Verschiedenheit der Geheimschriften noch nicht erschöpft. So gibt cs noch das Patronensystem, das zu den besten Erfindungen auf diesem Gebiete gehört. Mit dem Patconen- system arbeitet man, wie folgt: In zwei genau aufeinandergelegta Pappicheibcn schneidet man unregelmäßig Löcher. Nun legt man dw eine dieser so entstandenen zerlöcherten Pappscheiben, die man Patronen nennt, auf ein Stück weißes Papier und schreibt in bestimmter, genau verabredeter Reihenfolge in die Löcher, auf das weiße Papier einzelne Buchstabe. Ist dies geschehen, so wird die Pa pp sch erbe rn der verabredeten Reihenfolge, nach oben, unten rechts ober links verschoben ober unrg'e'breht, und mm iverden die hervorschauenden weitzen Papierstellen nneder mit einzelnen Buchstaben besä)neben. Das geht so fort, bis die zu übennittelndc ausgezeichnet ist. Nun zeigt sich dem Beschauer ein *?t UC L das wud und wirr durcheinander mit Buchstaben bedeckt ijst die kttn Düensch entziffern kann, der mcht im Besitz der Patrone And Kenner der Reihenfolge ist, in der die Patrone beim ^reiben verschoben wurde. Wenn man aber die Patrone wieder duf das Papier legt und die Bergungen 'und Verschiebungm l, so ist man imstande, die verschiedenen !nüW?^Ewärts macht, ... ...... ült wl|iyLCÜC{lt7l Buchstaben, die zu einem Worte gehören, herauszufinden und zu Worten zusammenznstellen. Hiermit sind aber nattirlich die benutzten Systeme nur angedeutet, keineswegs erschöpft. Aus den Lcbensgeheimnifsen der Heftzelle. Neue Forschungen Professor Rubners. Fvrsc^ingen, deren Bedeutung weit über den eigentlichen- ^'^V?enstand kunausgeht, die Fragen der größten all- 6emernphysiologischen Bedeutung beantworten, ja Beiträge zu ergeben haben, 'hat der Berliner Phy,wloge Prof. Rnbner an eurem' einhelligen Wesen der ^ das Beschrciten eilies Weges, den 'man 'Sfti! Niederer Leb^veseir noch nicht angewandt hatte, ^ ^bensgeheunnlste der Hefozelle und die Rätsel der orrr 11 ^ kingedrungen, wie Dr. Lipschütz in einem aebaltvollpss .Aussatze der „Nattirwissenschaftlichen Wochenschrift" (Verlag von Gustav Fischer, Jena) auseinandersetzt. Rnbner hat die Kalori--, Metrie, dre Messung der von einew Lebelvesen gebildeten Wärme, durch die man bei der Erforschung des Stoffwechsels warmblütiger ^wre große Erfolge erzielt hat, auf die Hefe anivenden können, nachdem es ihm gelungen ist, ein Väikrokalorimeler zu barren^ mit dem nmn noch so winzige Wärmemengen wie 0,065 bis 0,035 Grammkalorien, die sich in einer Stmide entwickeln, Nachweises» kann Mit Hilfe dieses feinen Werkzeuges gelang es Rnbner; zunächst, den Nachweis zu führen, daß die Gärung des Zuckers die einzige Wärmequelle ist, aus der im Leben der Hefezellen in einer Zuckerlösnng Wärnw fließt. Dies ist ein überraschendes Ergebnis; cs war euie größere Zahl zu erwarten, als die Berechnung für? btc Wärmeentwicklung für den vergärenden Zucker ergab, dem? dm Lebensvorgänge hätteii auch zur Wärmebildung führen können. Aus diesem ersten Ergebnis durfte natürlich nicht ohne l veite res gefolgert werden, daß die in Zuckerlösung lebende Hefe nicht noch stickstoffhaltige Stoffe, wie etwa Eiiveiß abbailt. Es gelang im Gegenteil der Nachweis, daß der Abbau von Eiweißstofsen statt- ftirdet, denn Hefezellen in Pevtonlösungen — also ben ersten Spaltprodukten von Eiweiß — hielten sich längere Zeit am Leben, wahrend Hefe inv Wasser binnen kurzen! abstirbt. Eine Warmeenttmckelung war freilich bei der Hefe in Peptonlösungen nicyt nachzüweisen. Eine Reihe anderer Versuche Rnbners bestätigte den Eiweiß,toffwechsel der Hefe. Es gelang ihm auf kalo- rtmetrtfdjem. Wege die längst beobachtete Tatsache genauer zu erforschen, daß die Hefezellen in stickstofft-ner Zuckerlösung allmählich an Garkraft embüßen. Es stellte sich dabei heraus, daß an lechs aufeinanderfolgenden Hungcrtagcn solcher Hefe die Werte ftir die Warmebildung in geometrischer Reihe abnahmen, sodaß eine die Lcbenstättgkeit gcsctzniäßig schlvächende Erscheinung vor- liegen muß. Der Stickstoffbcstand der Hefezelten nahm daher von Tag zu Tag ao; hierbei kam die gleiche Gesetzmäßigkeit zum Ausdrucke, die sich bei der Abnahme der Wärmeerzengimg der hun- gernden Hefe herausgestellt hatte. Das sichere Ergebnis lautet, daß du- Garlcistung der Hesczelle mit einer Einbuße an Stickstoff verknüpft rst, das; alw die Hefezelle den Stickstoffwechsel hat. Dieser Strastoffwcchscl ändert sich je nach der Temperatur; er steigt. ie ho!>er tue Temperatitr, d. h. fe größer die Gärleistung ist. Durch Zusammenstellen dieser Ergebnisse mit denen E. Buch- ners über den Gärvorgang ist Rnbner zu weiteren, äußerst wichtigen Aufschlüssen gekommen. Büchner hat vor einer Reihe von Jahren den Nachweis geführt, daß gewisse Fennente eine erheb- Uche Rolle bei der Hefegärung spielen. Wenn er Hefe durch Aceton lodcr ähnliche Protoplasnragifte abtötete oder ivenn er den Saft zerriebener Hefe mispreßte, konnten die sogenannten Ferments noch Zucker vergären, die Mitwirkung lebender Hefe aber war dabei ausgeschlossen. Rnbner verglich nun die Gärwirkung lebender Hefe mit der Gärwirkung abgetöteter Hefe und dabei stellte sich heraus, dag die abgetötete Hefe nur ein Fünftel so viel Wärme bei oer Garung liefert, wie die lebende. Hierzu kommt, daß die leoende Hefe hei der Garung durch den entstehenden Alkohol in? Ker ^ebenvtatigkeit geschwächt wird; zieht man die lähmende Wirkung des, Alkohols ab, so ändert sich das Ergebnis noch weiter, ein Gramm frischer Hefe liefert dann in 24 Stunden 860 Gramm- wlorien Garnpgswärme; dagegen liefert ein Gramm Hefe in Form von Zymm 27, Grammkalorien, in Form von Preßsaft 41 Grammkalorien. Die Wirkung des aus der Hefe gewonnenen Fcrinentes beträgt also mn 3 bis 4,6 v. H. fder Gesamtleistung! ? er ^ocnden Hefe. Demnach kommt der überwältigende Anteil der Garleistnng Nicht auf Rechnmig des Fennentes, sondern auf die Lebenstatigkeit der Zellen. Rnbner warf schließlich noch die uns, sob die Hefezelle sich bei Stickstoffgleichgetvicht uneiid- W unverändert zu erhalten vermag. Wenn ihre Teilunas- fahigkeit unterdrückt ist — mid das ist miter diesen Bedingungen r ^ ^ i? ^ utet blc Anttvioirt mit diese Frage, stirbt die M Ä'' die Versorgung mit einem eiweißhaltigen und -'uckerhal- kann Üe Nicht retten, und so hat Rubner ftir die Hefeselle das Gesetz bestätigt, das sich wohl durch die ganze Reihe des Lebendigeli zieht, daß die durch Teilung sich mehrende Zelle durch Ernährung im Beharrungszustande nicht dauernd a?n Leben erhalten werden kann; vielinehr sftrbt sie endlich, und nur durch Vorgänge, die eme Testung zur Folge haben, durch Wachstum echter Art, vermag sie dauernd zu leben. vermisstes. ■L/ Professor Karl Larsen bei Kapitän Paul K o n i g. Hotel Adlon in Berlin. TaS bekannte Getriebe einer modernen Riesenkarawanserei. Hier fand sich unlängst der ausgezeichnete dänische Gelehrte und SchriststeNer Professor Karl Larsen L!L.«V Wl f n r m "Politiken" erzählt, den .berühintesten aller Schiffer zu sprechen. Wer das sem kann? Keine Frage - Kapitän Paul Romg i,t es, der Führer von B-Deutschlaiid. So leicht war es nun restich nicht, zu bem Kapitän ju gelangen. Professur ^ av i ei \ >ah stur, in emeii Klubsessel tief versunken, belagert von zwei Bertreterii des deutschen Biichhaiidels, die eifrig auf ihn einsprachen. über schon fam die Rettniig in Gestalt eines jungen deiltschen Ge- lehrten, der Kapltan König zurzeit als literarischer Beirat bei der Absasfung seines Buches über die berühmte Reise zur Seite steht und der sich redlich Muhe gibst ihn mich fonft nach besten Kracken virrch die Klippen niid Untiefen seiner jungen Beriihnitheit zu 476 steuern. Tn '£oruu uei'init.Srfi die Vorstellung, und Kapitän König schlägt vor. die Unterhaltung in sein Zimmer zu verlegen. „Erst muß er neilich noch so manche Begrüßung und so manchen Händedruck voll allerlei Personen, Offizieren, Damen, Direktoren, über sich ergehen lasse«, als er die verschiedenen Räume deS GasthofeS durchschreitet — aber endlich sind die drei doch in Kapitän Königs Zimmer angelangt, sitzen bei einer ruhigen Zigarre und können miteinander plaudern. Die Unterhaltung kam aus die Unmenge der Briefe, die König erhält. Sie gehen jetzt schon in die Zehntaufende. „Und ich lese nicht einen einzigen davon", sagt der Kapitän mit einem ltlsttgen, ganz treuherzigen Ernste. „Ich sehe sie nicht einmal, ich sehe sie bloß im Bureau. Ich muß Ihnen nämlich sagen, ich habe niemals gut Briefe beantworten könnet,. Wenn ich Briefe lese, so denke ich mich z«l sehr in sie hinein, und dann meine ich, es ist zu viel darin, woraus ich eingehen und antworten muß. Das habe ich nie richtig gekonnt und jetzt!" — er sah ganz ermüdet davon auS — „jetzt kann ja davon gar keine Rede sein. Ich habe den Leuten im Bureau bloß gesagt, wenn Briefe von meiner Familie oder von guten Bekannten kommen, so sollen sie eS inich wissen lassen." Aber dafür sah Professor Larfen auf dem Tische einen ganzen Stapel von Ansichtskarten liegen, auf die König Stück für Stück redlich seinen Rainen mit eigener Hand gesetzt hatte. Die wäre«, für nähere Bekannte bestimmt und auch der dänische Gast durfte sich eine solche Karte zum Andenken initnehmen. Es kam die Rede auf den eigentlichen Gegenstand des Besuches, auf die dänische 'Ausgabe des geplanten Buches. Professor Larsen wie- darauf hin. daß es sich empfehlen würde, für dänische Leser manche» etwas anders zu fassen, und er fand bei Kapitän König für seine Vorstellungen das vollste Verständnis. Auf den Inhalt des Buches selbst war freilich nicht gut einzugehen, da legte sich der Doktor als getreuer Eckart ins Mittel und meinte, darüber sei nicht Zeit zu reden, das komme eben alles „ins Buch", und inan dürfe dem doch nicht durch allerlei Ausplauderungen den Duft schon vorher rauben. Ja, aber ein Ding möchte er doch zu gern wissen, so bekannte Professor Larsen. Von der glänzenden Heimkehr hätten wir ja alle gehört und gelesen, aber wie war es mit der Ausfahrt k »Ja/ sagte Kapitän König mit einen, Lächeln, „das war bloß—", und er machte eine Beivegung so wie einer, der in ein Loch hinab- gleitet. „Es mußte ja auch sehr still vor sich gehen," fügte ergänz gedämpft hinzu. „Und die Ankunft in Amerika?* fiel Professor Larsen den, Doktor zum Trotze ein. „Ja," sagte König, ,es muß doch wohl schon etwas durchgesickert sein. Denn die allerersten Worte, die ich überhaupt in Amerika hörte, das war der amerikanische Lotse, der so breit, wie er nur konnte, sagte: „Damned, there ahe is“ — das bedeutete ungefähr: Satan, da ist er!"' Mehr konnte Professor Larsen von Kapitän König nicht erfahren. Aber nun verspricht er den Dänen, diesem alten Seemannsvolke, sein Buch, „den Bericht eines echten Seemanns und grundliebenswürdtgen Menschen über eine friedliche Heldentat." Kriegsgedanken englischer Kinder. In der psychologischen Abteilung der augenblicklich tagenden British Association hat Dr. E. W. Kimmins einen Vortrag darüber gehalten, welche Gedanken Londoner Kinder über ihre Hilssarbeit im Kriege hatten. 1800 von Kindern geschriebene Arbeiten hat der Vortragende durchgesehen, aus denen Knaben und Mädchen im durchschnittliche,, Alter von 11'/, Jahren dein Wunsche Ausdruck gaben, ihren, Vaterlande helfen zu können. In den Schulen, in denen Knaben und Mädchen geineinfam unterrichtet werden und die Knaben Gelegenheit hatten, die Mädchen bei der Strickarbeit für die Truppen zu beobachten, erkannten die Knaben fast durchweg deren fleißige Arbeit an, nur ein besonders kritisch veranlagter Junge erklärte: „Ich sah auch ein paar gestrickte Sachen, die Lady Jellicoe zurückgeschickt hatte." Einige Mädchen dagegen blickten »nt einer gewissen Verachtung auf die Jungen, die nicht stricken können, herab, und eine Kleine erklärte neidvoll: „Obgleich die Jungen nicht stricken können, werden sie doch unter die Jugend- wehr ausgenommen!" Und eine andere bemerkt ein wenig giftig: „Jungen können nicht nähen, aber ihren Schwestern sagen, daß ihre Anzüge zerrissen sind, das können sie!" Für das, was den Soldaten geschickt werden muß, zeigten sich die Kinder außerordentlich besorgt und schrieben auf lange Listen alles, was sie für notwendig hielten, von, Luftkissen bis zum Bleistiftspitzer, und die kleii,eu Mädchen fügten mütterlich als unbedingt ivünschenSwert den We.hnachtspuddlng hinzu, während nicht ein einziger Knabe an diese Leckere, dachte. Als die Kinder ausgesordert wurden, sich über d,e Kriegsersparnisse zu äußern, bemerkte ein Junge: „Wenn eine Bombe auf die Bank von England fiele, dann würden all unsere Ersparmsse in Asche verwandelt werden l" Ueber die Kriegs- anleche herrschte große Unklarheit bei den Kindern. So erklärte em Knabe: „D,e Kriegsanleihe brach im Jahre 1915 aus!" Die meisten der kleinen Mädchen berichten genau die Summe der Ersparnisse, dre sie in der Schule gemacht haben, aber nicht ein einziger Knabe geht darauf ein. So zeigt sich vielfach bei der Aeuße- r,n,g der KriegSgedanken der Londoner Kinder ein auffallender Gegensatz zwischen den beiden Geschlechtern. * Der e n g l i s ch e G e n e r a l a l» B a d e p o l i, i st. Da die zur nicht gerade großen Freude der Franzosen seit Jahr und Tag n, Boulogne stat,on,ertel, englischen Offiziere anscheinend nichts wichtigeres zu tun haben, suchen sie sich die Zeit damit zu vertreiben, daß sie als echte moralische Briten die Sittenlosigkeit ihrer leichtblütigen Verbündeten einz,»dämmen suchen. Eine besonders eifrige Rolle spielt in dieser Beziehung der Kommandant der englischen Garnison von Boulogne, die erst jüngst alle Besitzer von BergnügungSunternehmungen in einem strengen Erlab ermahnte, sich in ihren Vorführungen auch der leisesten Zweideutigkeit zu enthalten, da man einem ehrenhaften Tommy derlei Versuchungen nicht zumuten dürfe. Run aber wandte sich der vom Moralsieber gepackte General auch gegen den Frieden des Badelebens, indem er verbot, daß die Damen am Badestrande in anderen Kostümen als in solchen, die ans Bluse und Rock bestehen, erscheinen. Im Fa^e des Zuwiderhandelns ist die Polizei beauftragt, die betreffende Missetätern, ohne weiteres im Namen des Gesetzes aus ihrer Kabine zu entfernen. Um so merkwürdiger erscheint es den dermaßen von den Briten geschulmeisterten Französinnen, daß die englischen Krankenpflegerinnen nach wie vor unbehelligt in einfachen, oft allzu einfachen Schwiinmtrikots den Badestrand bevölkern dürfen. * Die Dien st Pflicht der russischen Landarbeiterinnen. Wir im „Rjetsch" zu lesen ist, hat in einem Dorfe des Gouvernements. T w e r eine neue behördliche Verordnung große Verwirrung hervorgernfen. In weitem Umkreis ertönt jetzt der Schreckensruf, „daß nun auch noch die Mädchen einberufen ivürden". Das rührt daher, daß Semstwo-Vorsteher und die Ortsschulzen ange»viesen worden sind, Mädchen als Feldarbeiterinnen anzuwerben und im Falle des Widerstandes zwangsweise zur Feldarbeit 31 t schicken. Frauen vom 15. bis zum 40. Lebensjahre sind für die Feldarbeit vorgesehen, und sofern sie sich energisch vor Uebernahme derselben weigern, verfallen sie einer Strafe von 3 Monaten Gefängnis oder 3000 Rubel. Kaum hat die Kunde sich verbreitet, so versuchten die Frauen ihre Töchter nach den Hauptstädten zu schicken. Dieses Unternehmen wurde jedoch vereitelt, indem die Polizei den Mädchen keine Pässe gab. Im ganzen vollzieht sich der Abschub der Mädchen zwangsweise, denn sie sollen für Fremde Erntearbeit leisten, während für ihre Angehörigen daheim keine Arbeitskräfte übrig bleiben. Im Dorfe gibt es jetzt viele Familien, in denen nur noch die alte Mutter oder Großmutter zurückgeblieben ist und das noch am Haiin stehende Getreide nicht zu mähen und zu bergen imstande sein wird. Die Bauern sind entrüstet und trösten sich nur in der unbestimmten Hoffnung, daß die Töchter und Frauen bis zur Ernte in Twer, die erst gegen Ende Oktober zu erfolgen pflegt, wieder zu Hause sein könnten. * Massenspeisung vor hundert Jahren. Der Gedanke der Massenspeisungen, der heute eine so große Verwirklichung findet, ist in der Geschichte der deutschen Sozialfürsorge nicht unbekannt. Schon vor hundert Jahren, zur Zeit, da Napoleon Hunger und Not durch Europas Länder brachte, sah man sich in einzelnen Gegenden Deutschlands veranlaßt, größere Unternehmungen ins Leben zu rufen, die imstande waren, die notwendige Nahrung für größere Massen zu liefern. Wie dabei vorgegangen wurde, erhellt an§ einem im Jahre 1606 in Rostock erschienenen, jetzt nur noch in wenigen Exemplaren vorhandenen Büchlein, an das in der Zeitschrift „Niedersachsen" erinnert wird. Eine Gesellschaft von Patrioten fordert in der erwähnten Propagandaschrift aus, zusammenzutreten und den Grundstock zu einer Massenspeiseanstalt zu legen, die imstande wäre, nach einem rationellen Verfahren täglich größere Mengen absolut nahrhafter Speisen henuslellen, die nicht für die Armen im üblichen Sinne bestimmt sein sollen, sondern für alle, die Hunger haben und nur wenig Geld besäßen. Der Verfasser der Schrift, der im Namen der Gesellschaft von Patrioten spricht, fordert zur sofortigen Durchführung seines Vorschlages ans, den er noch durch folgende Aufstellung erhärtet: Für 100 Portionen, sagt er. genügen 9 Pfund Gerstengraupen, 18 Pfund Erbsen, 5 Pfund altes oder gedörrtes Roggenbrot, 1 7, Pfund Rindfleisch oder % Pfd. Speck, 1 Pfund Salz, 160—160 Pfund Wasser, dazu Zwiebeln und Pfeffer. Natürlich kann durch Beifügung verschiedener Gemüse für gelegentliche Abwechselung gesorgt werden. Auch die Schiverarbeiter werden in der Aufstellung der vorerwähnten Propagandaschrift besonder« berücksichtigt. Besondere Beachtung ist darauf zu legen, daß die großen Kochkessel schon um 5 Uhr morgens auf dem Feuer zu stehen haben, wenn auch die Verteilung erst um 11 Uhr beginnt. Aus anderen Berichten aus jener Zeit erfährt man, daß die von dieser Gesellschaft von Patrioten vorgeschlagenen Gründungen durchgeführt wurden, sehr vielen Anklang fanden und vielen Segen verbreiteten. Rätsel. Häusliche Neckerei. .Solch' teuren Stoff zum Kleid ? — Kind, wolle mich verschonen - Ich muß gestehn: du hast recht noble Passionen." — „Und du noch etwas mehr!" spricht sie in aller Ruh', „Bei dir kommt obendrein ein kleines l dazu l" (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des üogogriphis in voriger Nmnnter. Sumpf, Rumpf, Trumpf, Strumpf. chri'tlettung: Ir. R. - Ro!