Schicksale. Olomon von Heinrich Kornfeld. (Nachdruck verboten.) tAmerlkanrsches Lop>nxkt by (Earl Duncker 1914 > (Schluß.) Und so verging der Tag: und so sank die Nacht - nnd dann kam dre Stunde, da der Monsieur de Mar- Margnes dem Monsieur Bonrdin erklärte, nach der scharfen Sitzung hinterm Wein muffe er sich iroch eine Stunde in der wundervollen Abendbuft ergehen. Wollte dabei noch einmal die Angelegenheit wegen Ankauf des Stei.chruches c'r, 0, k - Pf' OXV " ^ durchdenken, einen endgültigen Ent- mitteilen m ° rnen ^ bcm Wirt seine Entscheidung . Monsieur Bonrdin dienerte hinter ihm k-er Alphonse de Marsillargues reicht eihm - lvas noch nie geschehen dre Hand zuni Abschied; schleuderte durch die Hauptstraße von Vatry: verlor sich nach links, wo der Feldlveq gegen St. Ehmnant zu lief. o u n Als er aus Sichtweite der Stadt, als er sicher war, das; niemand ihn beobachten konnte, fiel die Maske ab In fernen Zügen eingegraden zitterte jetzt die Gier nach der nahenden Katastrophe, die er selbst heraufbeschwören wollte. Säiarfer griff er- ans, hastete zuletzt den Weg entlang. Tief ilnd schwer schattete der Albend über dein Lande. Eni scharfer Wind hatte sich aufgemacht, ruschelte in den sich entblätternden Baumkronen, schlich wie ein schnüren- der Fuchs durch das Wiesengras am Wegrain. Irgendwo schrie ein Käuzchen seine Liebessehnsncht in die' Nacht hinaus gräßlich der Schrei: wie wenn ein Kind unter würgenden-Mörderhänden verendet... Mphvnse de Mar- sillargues lächelte dazu. Ihm dünkte es die passende Musik zu diesem Abend. Da vor ihm... der Steinbruch Wie ein gähnendes schwarzes Ungeheuer dunkelte er ihm ent gegen. Mphonse de Marsiltargues zierte keine Sekuude.- sein Weg verlor sich zwiscl>en den zersprengten. Felsblöcken' Er kannte hier jede Schrittbreite, bedurfte keines Lichts unk sich zurechtzufinden. Der geheime Gang nahm ihn auf. Schritt um Schritt tastete er sich vvrlvärts durch die rabenschlvarz^Finfternis Fast eine Stunde verging so, bis er den Seitenkeller betrat Der lvar leer. Standen doch die achtzig geöffneten Dynumitkisten bereits an den Wänden des Hanptkellers nebeneinander aufgereiht. Jetzt galt es nur nock), das Werk zn vollenden, sie einzeln durch Rapidschnüre miteinarrder in Verbindung zu bringen — eine Arbeit weniger Minuten, die er bei der hellbvennendeii Kerze ausführte. Nun lvaren alle Vorbereitungen getroffen Er steckte die Kerze in einen .Holzblock, bohrte etwa in der Mitte derselben ein Loch quer hindurch, das direkt am Docht vorbeiging. Durch dies Loch zog er das Ende des ^üntz. schnurbnndels, stellte die Kerze mit ihrem Holzklotz auf den Kellerboden. ° v ' 9hm gab es nichts mehr für ihn zN tun, als sich selbst ui Sicherheit zn briugeli. Hinreichende Zeit stand ihm zur Verfügung. Etlva zwei Stunden würde es dauern, bis die D-rze solveit heruntergebrannt war, daß sie das Zünd- fchilUEbündel erreichte. Dann allerdings bedurfte es nur noch des Bruchteils eül-er Sekunde . . ein Fünckchen sprang an den Zündschnüren auf, huschte sie entlang und wenn flch der ohrenbetäubende Donner der Explosion verzogen, ^nn Qualm und Rauch verweht war . .. . danrl mußte das Kavalierhaus von St. Chiamant mit allem, was in ihln lebte und atmete, vonl Erdboden lvegrasiert sein. @r stand — die Arme übereinan.vergeschlagen mld starrte ans die Kerze hinab: hell und ruhig brannte sie, tauchte das riesige düstere Viereck des Kellers in weiches versöhnendes Licht. Seltsam prickelnd das Bewußtsein der grauenhaften Gefahr, die ihn umlauerte. Er brauchte jetzt nur eine un- vorslchtlge Bewegung zu machen, mit dem Fuß gegen den yolzblock zu stoßen — dann — dann .... aber er'lächelte nur Er dachte: — wenn es solveit ist, dann sitz ich schon »vreder mit Molisieur Bonrdin hinter einer Flasche Burgunder: und mitten in unser belsagltches Gespräch hinein kommt dann lvohl irgendlvoher ans der Nacht dumpfdröhnender Donner, den niemand zu erklären vermag. So wird es fein Und der behäbige Bourvin lvird mir mit seiner weinseligsten Stimme klarznmachen silchen, daß die Deutschen wieder einmal einen nächtlichen Massenvorstoß am Rlfein-Marne-Eanal ilnterlieh'men. Und ich werde diese Theorie bestätigen nnd werde lächeln und an das Kavatierhaus von St. Ehamant denken. So arbeitete sein Gehirn und das Lächln stund schon jetzt tn seinen Zügeil eingegräbeir. Und mit diesem Lächeln wandte er sich ab, langsam den Keller zu verlassen. Und tat ein, zwei Sritt... da riß es ihn -herum Eiue Stimme lvar hinter ihn: aufgesprungen — kalt, knapp, Herr sich: Halt!" Hinter dem Gerümpel von verblichenen Dekvralions- sbossen und alten Möbeln hatte sich eine Gestalt erhoben, lvar in kühnem Satz über eine Dvnamitkiste gesprungen Auf Armeslänge standen sie sich gegenüber — der Rittmeister Eberhard Brünnolv nnd Alphonse de Mar- ällargues. Angen, die sich stahlhurt, gierig ineinander verankerten Nerven, die tut Gewirr der Schlüfenadern, in den Fäusten zitterten — sagender Atem, der durcheiuauder flackerte . .. zwischen ihnen brannte das Licht lyell nnd ruhig Eine Sekunde lvar das so, daß Alphonse de Marsillargnes dem bayerischen Reiter wie in lvillenloser Lähmung gegenüberstand . . dann eine blitzschnelle Mck- wärtslvendung des Körpers, ein katzenartiges Zusammen- ducken — in langen Sätzen stürmte er der Dnrchbrnchsftelte 434 der Zwischenwand zu, iim in dem Nebenkell-er nnterzu- tauchen; hatte dabei instinktiv den Revolver uns d-er Tasche gerissen. Ein Schritt noch trennte ihn Von der rettenden Zwischenwand — als in der Dnrch'bruchsöffnunq ein Mann au st tauchte — jener Mann, den er wieder' den Kopf. Seine Augen suchten klar und fest die ihrigen. „Gnädigste Marquise — der Winter steht vor der Tür und ich gehe nach dem Osten. Ich werde in den russischen Schnecfeldern oft an das sonnige Franteeich inich erinnern. Geben Sic mir die Erlaubnis, bann auch an Sie zu denken " Sre vermochte nicht seinen Augen standzuhalten. Sie wandte sich ab — halb dem Fenster zw Der Major Brünnow jah die edelgeschnittene, vornehUre Brofillinie ihres Gesichts; sah spielende Lichter, die durch «ihv lockiges Haar irrten, sich im Nacken verloren; sah, ivie ihire Schultern in mühsam beherrschter Erregung zuckten. Das riß ihn zusammen. Er gab sich nicht Rechenschaft über das, lvas er tat. Es war da ein Zwang, eine Gewalt, ein Bann. Er folgte ihr; er stand dicht an ihrer Seite; er bog sich vor und murmelte zwischen den Zähnen: „Jutta — Sie antworten mir nicht; Sie schweigen. OT aber will noch mehr als nur Ihre Erlaubnis ' ich will ein Recht darauf haben, an Sie zu denken. Wollen Sie mir dieses Recht geben? Wollen Sie einen Mann sehr glücklich machen? Wollen Sie ihm den Weg zeigen, auf dem er zu des Lebens tiefstem Weisheitsschluß gelangt?" Da wandte sie sich zurück. Wie in wachen taumelseligen Halb träumen irrte ein Lächeln um ihren Mund. Und hob beide Hände gegen ihn: — wehrend, gewährend. Da riß er sie an sich. Sie hatte den Kops an seiner Brust vergraben Sie atmete ganz leise. Und in der großen Stille, die um sie beide war, hörte er den Schlag ihres Herzens - dieses Herzens, das fortan nur für ihn leben würde. Dantes Hölle in Rußland., Unter dieser Ueberschnft schreibt die „Mrdd. Allg Ztg"l o ®l U Jchrccken, alle schauderhaften Schilderungen über di« Lage der Krugs gesäusenen nt Rußland werben ü&ertroffm durch einwandfreie Berichte, die von wenigen, glücklich den Orten des Grauens entflohenen Gefangenen erstattet m\b erst unlängst zur Kemitnis der deutschen Regierung gelangt sind In den ungeheuren Gebieten Rußlands gibt es iveitc 'Eirend des Krieges' 2er , ? € r l ^M^^rische Rücksichten" bildet den Riegel um diese Welt abz-uMietzen von jsber Kontrolle durch Neutral'/ von reder LiebestätiMt, von reder Wssicht *' ^ schändlichei: Blutsaugern von Unternehmew mcht bewacht, sondern vne Dtlaven gekniet von unkultiviertes 436 Horden vion Tscherkessen und Kosaken, gehen m den Distrikten an der Olonetz-Mrtimkni-Eisenbahn und im Gouvernement Wjatka Tausende von deutschen und österreichischen Kriegs- und Zivil- gefangenen unter so grauenhaften Umständen dem sicheren Tode entgegen, daß der nrenschliche Geist sich ftrcmbt, voll diesem Elend sich eine Vorstellung yii Machen. In der Tat, wem: es eine Hölle vus Erden gibt: dort ist die Hölle? Ein kurzer Auszug aus den Umfangreichen Berichten wird dies bestätigen: An der Olonetz-Murmänbahn arbeiten Tausende ariner Menschen, die als Helden für ihr Vaterljand gekämpft haben, halb nackt, bet Tag und bei Nacht, im Winter bei einer Kälte voni Vst mehr als vierzig.Grad Reanmur unbarniherzig zur Arbeit getrieben, bis sie unter qualvollen Schnckrzen zusammenbrechen, UM ihr Leben unter den Streichen der entmenschten Peiniger auszuhauchen. Durch Urwald und tiefen Smiiipf wird die Bahn gebaut. Die Gefangenen, die dorthin geschleppt wurden, sind in Hütten odev Baracken, untergebracht, die so niedrig sind, daß ein Anfrichtenj auf der Holzpritsche, auf der sie ohne Stroh oder Decke liegen Essen, nicht möglich ist. Fenster sind nicht vorhanden, eine Lüf- timen schwersten Erkrankungen preisgegeben. Kleidung, Wäsche und Lchnhe erhalten die Gefangenen nicht, so daß alle in Lumpen inrd Fetzen gehilllt sind, durch die man den bloßen Körper sieht, oft barsüß, im Winter bei strengster Kälte, Müssen sie in Sümpfen arbeiten, die Frühjahr und Sommer tod- briugende Dünste ansströmen. Die schlechte und gänzlich ungenügende Ernährimg hat schwere Krairkheiten zu.r Folge. Bon den ersten fünfzehntansend Mann, die dorthin ge'ckmfft wurden, starben Tausende im Laufe, des Sommers. Die noch lebenden sind infolge ihrer Krankheiten kaum noch wandelnde Leich«en zu nennen. Die neu hin Ankommenden Gefangenen werden durch die Kranken airgesteckt; kaum eine einzige Baracke , ist vvrhanden, in der nicht Lungenkranke langsam dahinfiechen oder in der durch schrecklich blutende und eiternde Skorbutlvnnden errtstellte Menschen das Entsetzen und Mitleid heransfordern. Ein eigentliches Kranken-, haris ist auf dem ganzen ausgedehnten Gebiet nickt vorhanden« Alle hundert Kilometer wohnt ein Aut; dieser soll Tausende von Menschen behandeln! So liegen die an schwerem Rheumatismus! und Lungenschnundsncht leidenden und Mit Wunden bedeckten Menschen monatelang auf nackten Brettern, ohne Hilfe! Mensck)en, dererr Lippen und Gaumen geplatzt sind und bluten — bei manchen tomicn sogar die gesunden Zähne mit den Fingern leicht he rau s- aenomnwn werden erhalten keine andere Kost als hartes! Schwarzbrot nnd Kohlsuppe, bis sie der Tod ans ihrer schrecklichen Lage erlöst. ~ie ^ kerbt uh keit unter diesen elendesten aller Menschen ist un- 6 -bheuer groß. Die Toten werden, oft erst nach Tagen, im Winter nach Monden, natt mie Holz auf einen Wagen geladen und in den Wald gefahreil, nio sie namenlos verscharrt werden. Die Arbeitszeit dauert, auch an Sonn- imd Feiertagen, voN morgens vUwemhalb bis acht Uhr abends, ohne Ruhepause. Wehe dem Armen, der nur einen Augenblick ausruhen will! Unbarm- herzrg sausen die Peitschen der T scher kessen und der entincnschten Anbeitgeber auf den tknglücklichen nieder, bis er ohnmächtig, oft tot liegen blerbt. „Man wird buchstäblich zu Tode geprügelt!" sagt ein Zeuge. - r CT Arbeitgeber Auapolski hat verschiedene derartige Morde ans dein Gewissen. Mit Geschwüren bedeckte und kranke Gefangene werden unter seiner Aufsicht mit Peitschenhieben zier Arbeit getrieben und dazu noch von den Juden Winnik und Friedmann mn ihren Lohn betrogen. Beinahe noch schlimmer als diese treibt es der Arbeitgeber Bondarenko, von dein wir später noch höreir werden. In Janiiirpol ist, der Wärter Kiste berüchtigt. Einer der Landesvorsteher bat den ^.scherkesscn befohlen, die Kriegsgefangenen soviel als möglich zii prügeln; er drohte den Aufseherm mit den Worten:„Weuu Ihr die Gefangenen nicht schlagt, werde ick Euch Prügeln! Zn den mit Peitschenhieben zur Arbeit getriebenen, schwer- kranken Gefangenen sagte der Arbeitsvorsteher Gustin: „Ich werbe Euch hier alle gesund machen, bis Ihr krepiert" m .,f nt L c ^/stu iii Menschengestalt ist der Arbeitgeber Musikow Nicht nkir, daß er die armen Menschen zu Krüpmstn prügeln läßt, er fte zu fernem Vorteil rwch ulin ihr kärgliches Essen, ^ii KaniMa werden dre Gesangeneii fast nackt zur Arbeit gc- ^bben, so daß Arme und Mine erfrieren und schwarz imrden. D Lylte dann starben, sagte der Arbeitgeber Bogdanow M den^KnegSgefangeiren: „Es ist ftkr Euch besser, wenii Ihr bei der Aibeit krepiert als tu den Paracken." Gleich gräßlich sind ^stände Und Belmndllmg der Kriegsgefangenen ans allen anderen ArbeitssteNen: mcht weniger grauenhaft wird iü Masselnaia, Mcdweie-Gora, Sorcka m Kein und auf der Strecke nach Schuja . _ ?'och schlimmere Zustande hcrrscheri auf den zu bei, Jschew cüeb^reiiden Förstereien, die der Leitung des General; ^ unterstell. Ms diesen l^ibei Waslauntsch und Michael Feodorowitsck Babnschkm mit ihren Gehilfen lurd Kreatiiren, Leutnant Alepandei LÄ'E UNd ?klexander Platonoüchtsch Grnschkow, so toll g^ tnel*en, daß sich sogar russische Sold,iten geivefgert hoben, ioeiter hin dort Dieiist zu tun, weil sie die Scheußlichkeiten nicht mehr mit ansehen konnten. 5 ^ Gefangenen haben. auch hier aus dem ganzen Körper ichreckliche Wunden, die voll Ungeziefer wimMeln. Wasser gibt es nicht, waschen^ müssen sich die Leute mit schmutzigem Schnee. Dysenterie und Hungertyphus wüten hier in schrecklicher Weise. Ohne ärztliche Behandlung aus Pritschen ohne Decken, ohne Wäscl>e liegeii hier zunr Teil mit eiternden und ausgeflossenen Augen, ab- gefrorenen uiid abgefalleiren Gliedern, mit gebrochenen Rippert, dazwischen Geistesgestörte, im ganzen zweihnndertvierzig Kriegsgefangene in einem Rauni, der nur für fünfzig oder sechzig Mann Platz bietet. „ Me grundlos verhängten . Strafen sind so barbarisch, daß ielbst die, russischen Landsturmleute es eher vorziehen, an die Front geschickt zu lverden, als die Henkersknechte dieser Scheusale zu spielen. Namen und Wohnort dieser Soldaten sind be- rannt. So ließ Babuschkin einmal 250 Gefangene mit Peitschen in, einen Raum hineinprügeln, der kaum hundert Menschen faßte Türen und Fenster wurden mit Brettern vernagelt. In dieser Lage inußten dre Aermsten bei schrecklicher Hitze 26 Stunden ohne Nahrung oder Wasser aushalten. Der größte Teil der schon vorher kranken Menschen wir beiin Oefsnen der Baracke bewußtlos Die anderen urend win unmenschlichster Weise verprügelt. Eine andere Strafe ist das Einsperren in einer tiefen nassen Erdgrube, in der ohne jedes Lickst mehrere Tage mit einem Strick Brot urrd Wasser aushalten müssen. Gorschkow selbst hat Leute rnit Eiien- stangen rrrs Gesicht geschlagen. Eine ganze Reihe von Namen und Adressen vorr Zeugen ist bekannt, die bestätigen könnerr, irr ivelch fcheußlrll)er mrd gemeiner Weise die Kriegsgefangerrerr dort behandelt werden., Drese Leute bestätigen sogar, daß die Gefangenen sich ge- notrgt wherr, das Fleisch krepierter.Hunde zu essen, wenir sie rrrcht errrfach verhungern wollten'. Hier Abhilfe zu schassen, ist General Dubnrtzkr weder fähig,, noch hat er hierzu beit guten Willen. Int Gegenteck, Leirte, die sich über diese unmenschliche Behandlung zu bejchtoeren ivagen, werden einfach ermordet odrr verschwinden spurlos. Sammelort ftrr alle jene Unglücklichen, die ivegen voll- standrger Arbettsnnfähigkeit an den Arbeitsstellen an der Murman- rttcftraui?ortiert sind, bildet Kotelnitsch im Gouvernement A^kotra Hunderte von schwerkranken Menschen liegen dort in einem furchterna>en, zustande in den drei sogenannten Hospitälern. Zu Krüppeln geschlagene Menschen mit abgesrorenen Händen, Füßen, Sr ™ 1 und Nasen tvartcn ohne jede ärztliche Hilfe auf den Tod. An Stelle der Hände lmbcn manche,nur noch schwarze Knockienstüiiipfe. ^u solchem Zustand wurden diese Ärmsten von den Arbeitsstellen geschickt. In diese Hospitäler, in denen die Gefangenen noch hilfs- und rechtloser smd als auf >den Arbeitsstellen, irerden auf unendlich langem Bahntransport nur die allerunqlücklichsten gebracht. In ungeheizte Viehwagen werden Sckstoerkranke ohste Stroh nnd Teckerl hmeingestopft, so daß es vorgekommen ist, daß der grösste Teil dieser im Sterben liegenden Menschen das Ziel überhaupt nie er- reicht hat. Die Leichen wurden drirch die Wachnranlischasteii einfach ^lm Wagen hmausgoworfen. Aiidere Gefangene werden ans dem Transport wie Holz^sner über einen Wagen gelegt und herangefah- ren. Wenn gar die schlitten oder Wagen bei den äußerst schlechten Wegeverhältiiisscn nmkippcn, danil loilb die stWiende und ichreieiide ^ist von den eil t ii len schien Wächterir ohne jede Rücksicht in roher Weise wieder aufgepackt. Nach den Aussageil des Arztes hat kaum einer dieser unglücklick-en Menschen die Aussicht, mit dein Leben davonzukommen.- denn Flecktvphus, Dysenterie nnd aridere Jnfek- twnskrankheiteli iiehmen so schnell überhand, daß nach dem eigenen elnsspruch dieses Arztes neunzig Prozent der Belegstärke eines solchen Lazarettes in klirzester Zeit snrbt. Solanae einer dieser sch,verkranken Menschen überhaupt noch bewegnngsfahig ist, wird er selbst hier noch mit Kolbeiischlägeii und Peitschenhieben unbarmherzig zur Arbeit getrieben. Auch in andc- teii Ortet des Gouvernements Wjatka herrscheil empörende Zu- !^nde. Im Orlowscken Kieise ist sogar der frühere Geistliche und teßige Polizeibeamte Miljiltin für die grausame Behandlung, die er den Kriegsgefangenen angedeihen läßt, als „sehr tüchtiger Be amter ausgezeichnet worden. Ein ganz fürchterliches Regiiuent herrscht auch bei den Arbeitgebern Bondarcliko und Mnsinkoso. die nsb't ihren Gehilfen Kostrakoiv nnd Sv ko low als wahre Bestien in Menschengestalt Hansen und die rohen uub unbarmherzigen Tsther- kes'en zu iinstler größeren Grausamkeiten antreiben. Nur den unerhörten Quälereien dieser Kreaturen ist es zu- zst schreib en, das; doi't täglich bis zu 30 Mäirn unter Knuten hieben sterbem In der <^>tadt Iaransk ioutet der Hauptinauu Brrdu- itM'tvski. Die ihm unterstellten kriegsgefaugeiren Offiziere sind rn ernem engen, jeder Beschreibung spottenden Raum eiugesperrt, den fte nur morgens m der Zeit von 9—10 Uhr verlassen'dürfen. Dte Fenster müssen bei Mrdrohnng strengster Strafen im Uebe> trelnngsfalle stets geschlossen, bleiben. Auch dort peinigt die Wach- Mannschaft me Leute durch sortivälnendeS Schlagen und Peitschen bis aufs Blut. In Urgum siiid infolge der fürchterlichen hbgieui- scheu Zustande und rnaiIgels ärztlickier Fürsorge im Lause zlostet Monate 3000 Gefangene an Tvpbns gestorben t .^ür Verbannte l>cffunnitcu Snurvsgegend pcu Siobotzk sind etiva uiertnufeub Kiiegsgefaugene unter ben nugland- 436 — im™ Verhältnissen mttergebracht, in dem Orte Voloma hat ber Polizewvrstehcr Kalistotv öffentlich erklärt, daß die >?riegsgesan- SEN Feinde seien, und das; nran sie daher wie Hunde erschlagen folte Für »edes kleine Vergehen werden sie, nrit einem Strick unk den .^)als, m das Gefängnis geschleppt. Auf der Fabrik Belochointz- nhen .na ho ns ist es Wgar nrehrinals vorgekommen, daß auf An- strsteü des Pol»z-er v>or>t-ehers Prisajew Kriegsgefangene ermordet Mrd cme gi'ohere Anzahl t»n ihnen durch betrunkene Wachleute schweroerwundet worden sind. . ßl.L Koinmandant des Moskauer Militärbezirks Sandetzki lwt durch o'seutlrchen Befehl auss strengste verboten, Kriegsgefangene insbesondere aber Offiziere, menschlich zu behandeln. 'Daher kann u/cht 'netter lmindernchmen, >oe,m der- Rat bei der Goilverne- meutvOerwaltung Patschewski, der größte Unmensch iin Gouverne- m-e;U Wiatka, willkürlich über Leben und Tob gebietet, unb daß ferne Unterorgane mit ihm selbst darin wetteifern, die Kriegs- 0f ' ai » auf dre umn'enfchlichsbe Art langsain zu Tode zu quälen. '.noch viele Namen könnten anfgeführt werden Me geben das gleiche Bild der verbrscherischen russischen Aerwaltnng. ttnbekuiinnert um ettvaige Fol gm hat die russische Regierung orele Monate lang die Dinge ihren Lauf nehmen. Mw Erst in allerneueiter Zeit scheint sie sich aus dringendq ^orstettung ihrer Verautivortung bewußt geworden zu sein. Werdeil dle iu Aussicht genommenen Verbessernngeli tvirklich durch- fCin? **" E -s WHtatte»? M* die russische Negierung bedenkeii, ehe sie sortfährt, gänzliche Mißachtung der Gesetze der Menschlichkeit viele L?use»de von Gefangenen zu vttnichten: Eine jede Schuld rächt smi ans Erden! Die Gcwechtlgkeit schreit zum Himmel Noch «ikimals e Abstellung gefordert Der russischen Regierung ist ferner 6stellt worden, daß, wenn bis zu einem bestinnnten Zeitpunkt snedrgende Antwort emgetrofsen ist, die deutsche Mgierung Gege "napr^eln ergrelsen wird. Außerdem sind bedeutende Geld- überwiesen nribST* ^ *** "" ^ Schutz Mächte in Petersburg vermischteA. * Eine mathematische Nu ß. Es ist mitunter sehr m- ft, V* elfI i em Wochentage das eine oder andere Ereignis stattgefunden hat oder stattfinden ivird. Will zum Bei pie ieniand wche.' an welchen. Tage die Schlacht bei Sedan ge^ (2. September 1870), oder an welchem Wochentage !v^O?"^Ä,S.ebore»r wurde, oder alis welchen Wochentag im Jahre da« We.hnachtstest fallt, so bedarf es keinerlei mühsamer Nachforschung m alten oder neuen Kalendern, Bücheriverken usw. e- genügt vielmehr eine höchst einfache Berechnung, die man sicl! ^"dwo ai.fnotiere.i sollte. Die kurze Regel laut!?': Man addiere mJw Oesamte Jahreszahl, 2. den vierten Teil davon (der Rest bleibt ganz ""be^icksichtigt) und 3. den vierten Teil des geschriebenen Jahrhunderts (Rest bleibt wieder niiberückfichtigt) lind 4 die r m nb a Zahl des Jahrestages. Von dieser Summe zieht'nmn durck ^t &e»«n3aWunbe«S ab und dividiert zuletz! 7 ’ dabei heraliSkoinmt, ist belanglos. Ledialick, der b«, dev Divis, on verbliebene Nest ersvrdert Beachtung ,u,d aib ?ty\ c 0 den gesuchten Wochentag an, insofern die Restzal?len 1 bis 6 den Wochentagen voin Sonntag bis Freitag entsprechen 0,°l'o kein Rest, bedeiltet ^ainstag. Das ist das ganze Gebe niS, nild jede gestellte Aufgabe bezüglich der Bestimmung -int»« Wochentages läßt sich ans diese Weise leicht und schnell lösen bei Gebern?* 1 ^ ^ ,oeI< * cm Wochentage war die Schlacht 1. Jahreszahl . I870 2 Ein Viertel davon . * * 4 f >7 rw-r* ? Em Viertel des geschriebenen Jahrhunderts 4 (Rest weg! 4. Lanfeilde Zahl des Jahrestages ... 24 b 9 5. Hiervon ab: Zahl des geschriebenen Jahr- ***’ hundert« . . i8 2568 : 7 6. Dloidiert dl,rch 7.. .366^^ 6 .Nach obigen Angaben bedeutet die 6 Freitag. Tatsächlich wurde die Schlacht bei Sedan an einem Freitag geschlagen bezw beendigt. - Man probiere jedes beliebige Datum. 9 9 4 u " es Holz. So merkwürdig und unwahr- scheiulich es auch nn Hinbl ick auf die Brennbarkeit des Holzes Schri'tleitung: Fr. m. Zenz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl Ä J f VrV 1 , latsachlich ein Holzmaterial, das als ,ge- e?lck?en ißt. 4 r U ^'»nchnen ist. Vom chemischen Standpunkt .KZ»''.» .^danke, poiz zu ich.uelzcn, längst nicht ,nehr wider- ein?am wu 0 a t "Olwendige Verfahren ist verhältnisniäßig "Holz.velt erklärt, ,nüssen vor dem eigentlichen ,,^ . 8 ^ ^äeß dre organischen Sauren, die Kiesel- und Schwefel- und b ^ 9 "^.dle Phosphate, Ehlorverbindnngen, Kohlen,vasserstoffe verdampfbaren Stoffe, die das Holz enthält, ent- üb ßmHhvJ s .H„^rzu wird ein besonderer DestiNationsprozeß ge- nthrßrhP bc 5S n b'L Temperatur in einem Vakuum auf 140' S , r r !ji Sf ö, t# Wmn das Destillationsverfahren beendet ist, bleibt üMi? ^ Ftiserstelett des Holzes nebst einigen inineralischen Salzen ^ O' "A bttser aus der Holz,nasse gewonnene Rest ist ohne weiteres schmelzbar. Man erhitzt das Material unter einem Druck von i.d -2 Atmospharenzu 800°, wobei natürlich der Sauerstoff abgesperrt trhSlfh!ia‘ 6 - s ami[t bas Holz nicht verbrennt. Geivöhnlich qe. sctileht dies, indem man den Sauerstoff durch Stickstoff verbre.mt. äußerst wertvolle Eigenschaften, be- hl l technischer Ber.vendnng. Es ist außerordentlich fein- lornlg und daher sehr politursähig und ivegen seiner bervorraqe». ^ nI ! gewöhnliche Holzarter, gegen Abnützung ge- KT' ^ UC 5 m . mm J co Druckerschwärze nnb d()iilic()x> Stoffe sehr hilf! °r 'vldersteht ouf der andern Seite vorzüglich allen für oiese Substanzen angeivendeten chernischen Reinigimqsinittelu. 2V n "l' mnn aus geschmolzenem Holz auch Driickplatten her- bisher nnmer Gips und Gußmetalle gebrauchle. tcin] } bas Holz wahrend des Schmelzens mit au'tiseptischen ^- . cv^Äetzt werden wodurch es eine starke Widerstandskraft ^ b'l/raß und Fanlnls erhält und somit für Bauzwecke besonders wertvoll wird. Gietzener Hausfrauen-Berein. W o ch e ii - K ü ch e n z e t t e KmElschE^- Krwrr's Kaisersuvpe, Kochfleisch. GurkmsaLck. s-n^e°"Pel?kaLÄ^' Rö.uiich Kchhl. Ock>- ■ r '^ 1 s tag: Grüne Bvlinenstlp^, Zbardoffelklosß- von voh ge- rrebEi, Kartoffeln, skoinpvtt von Geleeäpfeln ^ J Römisch- ftoiteofiek 81 ^suppe. KrauilE, T°nml«tm,ke, ge- ch«n (Sa!zka rtoffeln^^^^^' UTt ^ Rübenigenilüse mit Klöß- ^Samstag: Gemüsesilppe, Ztvetschenklüße.**) s. Apf e l kv'inpo t t. Da bas Obst in diesem Jahve möq- werben nmß, so kockst man bie Acpfel unaeschäkt fchAtet ben Saft für Gelee ab, treibt bas Mark durch das Sieb Saccharin ^ **** ^ lhWW u,lb Mt erst dann mit Ziccker^r Bei Äpselgelee, bas bald verwendet werden soll, kann man MM festen Gelatine vertvenben, maii sp-art baburch an 3iidf?r aHerbrngy, imvd es sich bann ilicht über Winter halten. e t scheu kl ö he. Man macht ernen Teig von ae- Kartoffeln ime zu .Kartvffelklöß? ^ sehr aut ist ba^mtter), »bellt ichn fiirgevbick ans,