Gchlcksale. Roman von Heinrich Kornfeld. (Nachdruck verboten.) (Amerikanisches Copyright by Carl Duncker 1914 .) (Fortsetzung.) Wie d' ** Stellung näher. Als ich nach zwei Stunden die Geschäftsräume des Herald wieder verließ, hatte sich Blackpcns Betragen mir gegenüber sehr geändert. „Das ist dantned smart, Sir!" sagte er, und streckte mir seine biedere Rechte hin.. Dann bot er mir einen Priem ai: und entließ, mich mtt einem kräftigen Shakehands. Unser Bund- war geschlossen. * Schon in der Abendausgabe des „Snaketown Herald" war zu lesen: '„Das Geheimnis von Snaketown". In letzter Stunde erreickst uns eine sensationelle Mtteilung. Wir können lie iM Augenblick Nickst aus ihre Richtigkeit nachprüfen, haben aber, unfern findigster: Reporter rnit den Nachforschungen beauftragt. Lest die nächste Nummer! Und die guten Snaketowner laser: die nächste Nummer. Eine Wagenladung frischer Semmeln kar:n in Hungerszeiten nicht schneller vergriffen sein als es unsere Morgenausgabe rvzuuurzig zahle!" — „Sie sagten fünfundzwanzig, Sir?" — „So sagte ich my Bsvy!" — „Dankber kann mau reden." — „Also schlagen Sie ein!" — Er hielt mir seine Rechte hin. Ich kramte in meinen Laschen und brachte meinen Vertrag mtt Blackpen zum Vorschein „Well, Mister Unckug," sagte ich, „für fünfundzwanzig könnt Ihr mich haben. Doch müßt Ihr die Konventtonalstrafe von 75 Dollars zahlen, die fällig find, wenn ich den Herald vor Lösung des Rätsels von Snaketown verlasse." Ta brach Mister Umbug im heller: Zorn los: „So ein Gauner', so ein Halsabschneider!" schrie er und spuckte zur Abwechslung in das Tintenfaß, „so ein gnrner Affe! Nun aber gerade! Ich werde diesem Kerl sthon zeigen, nrit wem er >es zu tun hat! Heute nftttag zahle ich die Strafe, ur:d heute abend schon tteten Sie bei mir ein!" Ein Haichschlag, dann verabschiedete sich Mister Umbug. Ich blieb schmnnzelrü» zurück. Das ttnir ja besser und schneller gegangen, als ich erwartet hatte. _ Das Spiel begann nun in umgekehrter Folge. Die Auflage des „Advertiser" schnellte um einige Dutzend Exemplare in die Höhe, die des Herald sank aus ihren alten Stand. Auch ärgerte sich Mister Blackpen nicht die Gelbsucht an den Häks (er wußte ja, wer das bessere Geschäft genmckst hattest und im gegebene:: Augenblick erwies sich der Nigger des „Herald" als stärker wie der des „Adver- ttser". Das Publikum hielt sich neuttal, nur darauf bedacht, leine Sensationslust zu befriedigen. So 'verging«: wieder zwei Wochen. Tann hiett ich es doch für angemessen, das Spiel zu beeichen, namentlich da Ilmbug selbst anfing, ungeduldig zu werden. Fair den nächsten Tag nahm ich nrtt also die „endgültige Untersuchung" vor, zu der ich einen längeren Ritt ins Gebirge unternehmen zu müssen vorgab. Ter Sheriff, der. w'e:m möglich, noch neugieriger war als seine Frau, stellte mir, als er davon hörte, sofort zwe: Werde und einen Boy zur Verftk- gung. So zog ich denn am frühen Morgen der steigenden Sonne entgegen — in der Richtung auf die nächste Bahnstation. Und während der Boy am Nachmittag mit de:: Pferden und einem Brief von mir zurückritt, trug mich der Pacifieexpreß mit hundert Kilometer GesckMindigkett nach Osten. In n: ein er Brieftasche steckten zwei Woch«:honorare von Umbug und die Hälft:' der „Konventionab« strafe", die mir Blackpen verabredungsgemäß ansgchä:ü>igt hatte... Gebet in höchster Not. Von Ricarda Huch. Herrgott, ich bin allein zu schwach, Hilf mir in diesem Slreite, Sei du durch dieses Ungemach Des schivaukeu Schritts Geleite. ^ Die Hände dein sind voller Gut, Voll eitel Krast uud Lebe.:. i Mein Herz erstirbt; gib ne:,en Mut, Der Hölle zu entschwebe»:. Herrgott, es steigt der trübe Schwall Zum Hals nur mit Ersticke»», Laß deiner Stimme Frühlingsschall Mich hören uud erquicke»:. Mach', daß die Flut mich nicht verschlingt, Daß unter deinen: Schirme Ich a»»s de»: Weller: starkbeschwingt Wie eine Schivalbe [türme. Hier lacht kein Frenndesangesicht, Der Sterblichen Gebete Vergingen »vie ein qualmend Licht, Wenn »»icht dein Ha»»ch hier wehte. Herrgott, mein töricht Wunsch und Wahn Weiß »»icht, »vos Nutz »mb Schade; Was nur von dir »vird angeta»:, Sieg oder Tod, das :»eh»n ich an. Das stießt vorn Onell der Gnade. (Aus der Feldzeit»u:g der 3. Armee ,Der Eharupaane Kaurerad^.) p«r,nischte». * Ter Lohn eines Erfinders. Der amerikanische Humorist Mark Tivnir» erzählt in einer feiner lustigen Skizzen die u»:qla»»blich klirrgende Geschichte von dein „große»» Rindfleisch» kontrakte", in der die Erben des Heereslteseranten John Wilson Mackenzie aus der Zeit des Bürgerkrieges durchaus nicht von der Regierung die ihnen zustebende Bezahlung für den: General Sherman geliefertes Rindfleisch veitreiben könne»:. Was dort scherzhaft erzkihlt ist, ha: sich in de,: Bereinigten Staaten abgespielt und spielt sich noch ab : die Witwe des Erfinders Markus P. Norton, eine Frau, die die achtzig schon überschritten hat, »vartct seit n:ehr als eiuern halben Jahrhr»»:dert darauf, daß die anierikanische Re- gierung ihr die Bezahlung für eine Erfindung ihres Gatten an«, händigt, die seit de»»: Jahre 1853 benutzt wird. Sie »ordert eine volle Million Dollars, und diese Forderung ist mäßig zu ueruren. Es handelt sich uäurlich um die Norton'fche Stempelmaschine, die au: den Briefumschlägen über die Marke eine Reihe gleichlaufender Striche neben den: Datum zeichnet. Als Markus B. Norton. er»: Pateutrechtsauwalt, dessen Geschäft sehr aut ging, ii»'. Jahre lsr>S die durch Paten: geschützte Ersirrdllirg der Post übergab und üc sogleich angenonnnen und ei»:gesührt wurde, glaubte er. nun ein machter Mann zu sein, »»nd er hatte ollen Gr»»nd zn dreier 3ln- uahrne. denn schon nach kurzer Zeit wurde amtlich mitgeteilt, die *li>a Stempelmaschine habe bereits Hundertlausende von Dollar-« erspart. Norton bekam aber bis zu seinem Tode — 1890 — nicht einen Pfennig Geld von der Regierung und war im Kampfe um sein Recht ein armer Mann geworden Warum die Regierung die Schuld, die sie durchaus anerkannte, noch nicht bezahlt hat, ist eine verwickelte, für den Fernstehenden dazu erheiternde Geschichte. Zunächst erfuhr Norton, daß der hohe Postbeamte, der die Erfindung von ihm übernommen hatte, dazu gar kein Recht gehabt habe. Nur die höchste Postbehörde hätte dies tun dürfen. Im Jahre 1867 schien dieser Einwand.hinfällig zu werden: damals berichtete der General- postmeister Randall dein Kongreßausschuß für Postangelegenheiten die Nortonsche Erfindung sei das denkbar Beste uub man müsse jetzt ein Abkommen mit dem Erfinder» treffen. Norton fuhr viele, viele Male von seinem Wohnorte Troy nac£> Washington und -"ruck, es entstand ein großer Prozeß und das Gericht kam zu der Ansicht. der wunde Punkt sei das Wort : Regierung: Regierung bedeute den Kongreß, und der Kongreß habe die Postbehörde nie ermächtigt, die Nortonsche Stempelmaschine einzuführen. Dies geschah jedoch im Jahre 1870, und wieder glaubte Norton, nun sei alles in bester Ordnung. Tatsächlich ging beim Senate ein Gesetz durch, nach dein Norton eine Summe von 100 000 Dollars bekommen sollte. Allein da die Post zu jener Zeit schon viele Millionen durch den Gebrauch der Stempelmaschine erspart hatte, wollte Norton sich hiermit nicht abfinden, und nun fing er weitere Prozesse gegen die Regierung an. ©ein Vermögen war inzwischen zu Ende gegangen, weil er sein Geschäft nicht hatte wahrnehmen können und dauernd aus Reisen war. So nahm er nun große Darlehen auf und verschrieb seinen Gläubigern als Sicherheit Anteile an der Entschädigung, die er von der Regierung bekommen sollte. Im Laufe der Jahre, durch die sich diese Prozesse hin- schleppten, wuchs die Anzahl der Teilhaber auf 17 an, und als einmal die Frage umnittelbar vor der Entscheidung cm, scheiterte alles daran, daß diese 17 Leute sich nicht mit dein Kongresse einigen konnten. Von einem Zusammentreten des Kongresses zum andern schleppte sich die Angelegenheit nun weiter, Northon selber starb, feine Frau ist eine gebrechliche, erblindete Greisin, vielleicht aber bekommen die Urenkel des Erfinders einmal vom Staate die ihnen zustehende Entschädigung für die Erfindung ihres Urgroßvaters ausgezahlt - samt Zinsen und Zinseszinsen selbstverständlich. Ue b er bet Icommel getraut. So hieß eS früher für den jetzt gebräuchlichen Ausdruck „kriegsgetraut". Der ältere Ausdruck stammt aus jener Zeit, da noch dem Heere ein großer Troß von Frauen und Kindern der Soldaten folgte und innerhalb des Heeres sich das Familienleben abspielte, auch die Trauung, die der Feldprediger buchstäblich über der Trommel vollzog. Die Bezeichnung blieb dann, als längst schon jene Zustände der Vergangenheit angehörten, und noch Kaiser Wilhelm I. gab während des Deutsch-Französischen Krieges einem Offizier den Ehe-Konsens „zur Trauung über der Trommel", wobei nichts anderes gemeint war als eine Schnelltrauung ohne das übliche vierwöchentliche Aufgebot, was unserer jetzigen Kriegstraunng entspricht. vüchertisch. — Die deutsch-englische Ausernan Versetzung als Kernpunkt des Weltkriegs. Vortrag, gehalten in Berlin und Leipzig von Dr. Gottfried Galli, Kaiserlichein Generalkonsul z. D. Verlag von Franz Vahlen in Berlin W. 9, Link- straße 16. Preis 1 Mk. - Von Heimat und Glaube »t, Kriegsbetrachtungen von Großherzogl. Rabbiner Dr. Bruno Italiener in Darmstadt, z. Zt. Feldrabbiner beiln Oberkommando der 7. Armee. H. L. Schlapp, Hofbnchhandlnng Darmstadt 1916. 8 0 42 Seiten, geheftet 1 Mark. — Josef Baron Weyssenhosf: „Leben und Gedanken des Herrn Siegmund von Podfilipski." Roman. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Pappband 1 Mk., in Leinen Mk. 1,25. — Baron Weyffenhoff ist eines der stärksten Taleilte der neuen polnischen Literatur. Unter seinen Werken hat gleich beim Erscheinen in ferner Heimat der jetzt in deutscher wohlfeiler Ausgabe erschienene Ronran „Leben und Gedanken oes Herrn Siegmund von Podfilipski" das größte Aufsehen erregt, rurd mit Recht. Dieser Podfilipski ist mehr als ein Individuum, er ist sogar fast mehr als ein Typus; eine ganze Gesellschaft erscheint in ihm vor den klaren, spöttischen Augen eines Dichters; sie wird bis ins Mark erkannt, verurteilt und vernichtet. Podfilipski rst ein Meister des Lebensgenusses, da« heißt, er ist ein Egoist voll abgründiger Verlogenheit, der sich vor dem Geiste der Armut und vor den Frauen sophistisch an das gesicherte Ufer rettet. Auf den Sockel seines imaginären Denkmals schreibt der Dichter die Inschrift: „Er hat es verstanden, sich das Leben einzurichten." Aber der Dichter hat uns gezeigt, daß Herr Podfilipski am Leben immer nur vorbergeglitten und daß er bei der Verteilung aller guten Geschenke leer ausgegangen ist. WeyssenhoffS Roman leistet als Schilderung einer bestimmten, unfruchtbaren, sogenannten Oberschicht der polnischen Gesellschaft eine ebenso unterhosliaine wie grausame soziale Kritik. — Die Fünfzig Bücher. (Band 7—11.) Jeder Band gebunden 50 Pfg.- — Fünf neue kleine Werke in den zierlichen, bunten Einbänden der „Fünfzig Bücher- liegen vor, und abermals lassen sie die Reichhaltigkeit nnd die besondere Note dieser Sammlung erkennen. Dichterische Literatur, nationale Geschichte und Biographie sind die wiederum vertretenen Stoffgebiete. Unter dem Titel „R o m a n t i s ch e N o v e l l e n" sind drei der phantastischen Erzählungen, wie die deutsche Generatioii von 1820 sie liebte, oer- ^nigt: Arnims „Toller Invalide auf Fort Ratonneau", Tiecks, des Großmeisters, italienische Zaiiberernovelle „Pietro von Abano" und Brentanos „Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Armer!". Wilhelm Schmidtbonn hat zu diesem Bande ein Vorwort geschrieben, das in hinreißender Sprache die Welt der blauen Blume vor uns anfsteigen läßt. Die Zeit des Biedermeier vergegenwärtigt der von Georg Hermann eingeleitete „Alt - Berliner H u m o r", der drastische Szenen von Glaßbrenner, Julius von Voß und Kalisch bringt, ein Brevier des mit Spreewaffer getauften Volkswitzes und eine lustige Bilderfolge aus den Tagen von Großvater und Großmutter. Sehr apart wirkt eine NeuauSgabe von Fritz Reuters klassischer Humoreske „Ut de Franzosentid" mit einem Vorwort von Max Möller. In die Werdejahre des neuen Deutschen Reiches führt der Band „Deutsche Einigung", der, von Joachim Kühn zusammengestellt, auf Grund der großen Parlamentsreden sichtbar macht, welche Schwierigkeiten zwischen 1867 und 1871 der Staatskunst Bisinarcks sich entgegentürmten und wie dann sieghaft der Gedanke der Einheit in Nord und Süd Boden gewamr, Der von Paul Wtegler bearbeitete Band „Schopenhauer" gibt des Philosophen Briefe, Gedichte, Aufzeichnungen und Gespräche, von der durch leidenschaftliche Kämpfe zerrissenen Jugend an. Die seelischen Geheimnisse des merkwürdigen Mannes werden durch diese aktenmäßige Darstellung seines Lebens aufgehellt. — Verlag Ullstein & Co., Berlin. - Was nach dem Krieg? Neue Wege lind Ziele von Gustav Ströhmfeld. Verlag von August Beil in Stuttgart. — Der Türmer (KrtegSausgabe). Herausgeber: I. E. Frhr. v. Grotthuß. Vierteljährlich (6 Hefte) 4 Mk. 50 Pfg., Einzelheft 80 Pf. Probeheft portofrei (Stuttgart, Greiner