Schicksale. Roman von Heinrich Kornfeld. (Nachdruck verboten.) tNmerlkanisches Copyright by Carl DunLer 1014.) (Fortsetzung.) Nein, die b-eiden Deutschen hatten sich nicht durch ein Phantom, durch eine Autosuggestion narren lassen. Sie hatten mir nichts davon geahnt, daß sich an den Hanpt- keller durch eine dünne Wand getrennt — ein kleiner Seitenkeller anschloß hatten nichts davon geahnt, daß an der Verbindnngswand dieses Seitenkellers Alphonse de Marsillargues gestanden, jedes ihrer Worte belauscht hatte. Die beiden Deutschen waren die Kellertreppe wieder hinaufgestiegen. Dumps dröhnend fiel die Tür ins Schloß; knirschend drehte sich der Schlüssel — dann wurde es wieder still. Ganz still. Alphonse de Marsillargues trat hochatmend von der Nerbindungsmand zurück; ließ sich — achtlos der Gefahr — auf einer Dynamitkiste nieder. Er war wahnwitzig unvorsichtig gewesen, daß er die letzten vier Nächte bei offenem Licht in diesem Seitenkeller gearbeitet. Vor zehn Minuten, als er draußen vor dem Kavalierhause Stimmengemurmel vernahm, als er harte, wie zwei Menschen stehen blieben, miteinander sprachen — da hatte er blitzschnell das Licht gelöscht. Jetzt wagte er nicht, es sofort wieder anzuzünden. .Möglich — die beiden Deutschen schlickten noch um das Haus, kehrten wieder zu der Seitentür des Nebenkellers zurück, legten sich dort auf die Lauer. Jetzt hieß es — für die nächste Viertelstunde jedes Geräusch vermeiden. Er saß auf der Dynamitkiste, lauschte verhaltenen Atems in die Nacht hinein. In ihm war nichts von Unruhe. Ganz gelassen, ganz kaltblütig überlegte er, lies sein Geist die Ereignisse der letzten vier Tage zurück: Monsieur Bourdin, der Wirt des Zentralhotels in Vatry, hatte ihm die Grnndrißskizzen des Reimser Architekten ausgehündigt. Hatte ihm damit die überraschende Lösung eines Problems geliefert, über dem er — Alphonse de Marsillargues — sonst wohl in alle Zeit und Ewigkeit zwecklos gebrütet hätte. Die Nacht danach brachte ihm tiefen und ruhigen Schlaf. Und als dann der Morgen aufdänrmerte, begann Alphonse de Marsillargues sein Werk. Zum Steinbruch „Bon espoir" sülchte ihn der Weg und dort begann seine Arbeit: — ein stundenlanges angestrengtes Suchen, ein unablässiges Kombinieren, ein nimmermüdes Tasten und Arbeiten mit Hammer und Meißel, ein Beisei beräumen zersprengter Kalksteinblöcke. Bis er gesunden, was er suchte — halb verschüttet den geheimen Gang, von dem Monsieur Bourdin damals gefaselt. Den geheimen Gang, der noch aus der Rümerzeit stammen sollte, der vier Kilometer unterirdisch zu den vor Jahrhunderten ansgesprenateu Kellern des Kavalierhauses führte. Des alten Kavalierhauses, auf dessen Grundmauern sich jetzt ein neues Gebäude erhob. Alphonse de Marsillargues — der elegante Pariser Flaneur, der große Sportsmann — besaß eiserne Energie, eherne Zähigkeit: wußte, was er seinem bis auf die letzten Muskelfasern, bis in die äußersten Nervenstränge durchtrainierten Körper zumuten durfte. Trotzdem wurde es eine gewaltige Arbeit, bis es ihm gelang, den halb verschütteten geheimen Gang aus dem Steinbruche „Bon espoir" bis zu dem Seitenkfeller des Kavalierhauses von St. Chamaut freizulegen, daß er passierbar wurde. Nach zwei Tagen — von Sonnenaufgang bis in den sinkenden Abend hinein geschasst — war das Werk gelungen. Nun lag der Weg frei, der Alphonse de Marsillargues zur Erfüllung seiner Pläne, zum Ziel seiner kühn und doch unerbittlich nüchtern angelegten Wünsche führen sollte. Bereits in der nächsten Nacht — es Ivar keine Zeit zu verlieven — betrat er ihn. Längs des Weges von Vatry zum Steinbruch hatte er einen jener Karren gefunden, wie ihn die französischen Weitv bauern zum Transport der guten Ackerkrume auf ihre Weinberge benutzen; hatte ohne Bedenken diesen Karren gestohlen, ihn mit sich in den Steinbruch genommen. Und als die Nacht hereinbrach, da belud er ihn mit vier Dynamitkisten im Gewicht von 100 Kilogramm, schob seine gesährliche Last den geheimen Gang entlang zum Seitenkeller des Kavalierhanses. Anderthalb Stunden brauchte er, bis er die Kisten im Keller abgeladen, zum Steürbrnch znrnckgekehrt war. Dreinral in derselben Nacht machte er noch dieselbe Fahrt, verstaute acht Zentner Dynamit im Seitenkeller. Me nächsten vier nächte sahen ihn bei der gleichen gefährlichen mühseligen Arbeit. Dann glaubte er genug zu haben. Vierzig Zentner Dynamit — sie mußten genügen, das Kavalierhaus von St. Chamaut in die Luft zu sprengen, vom Erdboden wegznrasieren. Gestern nacht war er damit fertig geworden, heut nacht hatte er geplant, die dünne Zwischenwand vom Seitenkeller zum Hauptkeller dnrchtznb rechen, um die anfgestapel- ten achtzig Dynamitkisten hinüberzusck-assen. Hatte schon Hammer und Meißel angesetzt, den' Arm zum ersten Schlag erhöben — da kam von draußen jenseits der Seitentür Stimmengemnrmel an sein Ohr. Eine Sekunde später — und alles wäre verloren gewesen! Nditten in der Arbeit hätten sie il)U überrascht. Oder doch nicht. Schlimmstenfalls blieb ihm ja noch immer der Rückzug durch den gehemren Gang. Aber sein Plan wäre vernichtet gewesen. Das durfte nicht gesck^eheu. Nimmermebr. -- 426 — Die Minuten sanken, wurden zu Viertel stunden, zur halben Stunde — zu einer Stunde. Lmttlose Stille um ihn. Vielleicht, daß er jetzt seine Arbeit beruhigt wieder Hütte auftichmeu können. Mer er wagte es nicht. Die nächste Nacht sollte ihn wieder an der Arbeit sehen — heut nichts mehr. hautlos erhob er sich, glitt wie ein Schatten durch den Kelter, tauchte unter in dem gähnenden Schlund des geheimen ^nges. Ein paar Sekunden noch vorsichtig durch die rabenschwarze Nacht tastende Schritte — dann erstarb! auch das. Alles uxtr totenstill. Ueber dein Hauptkeller im Vorzimmer seiner Exzellenz des Generals von Lüssow saß der Rittmeister Brünnow über den eingelauienen Diensttelegrammeu, schnatterte hin und wieder der Morsetelegraph auf Schläfrig patrouillierte der 3 Doppelposten vor dem Hauptportal des Kavalierhauses auf und ah. Sonst war all das quirlige Leben des Tages in tiefem .Schlgi versunken. Eine Nachtigal schluchzte in den SyringenbüsckM. -»> „Pas ist ja garnicht möglich, Mensch!" »tzch schwöre Ihnen der der Mittler Gottes, Monsieur, so und nicht anders verhält es sich —{ vor etwa einer halben Stunde klingelte es plötzlich ans dein Zimmer Mademoiselle Varrels! Jeanette, unser zweites Stubenmädchen stürzt hinein, denkt: — vielleicht hät Mademoiselle im Flever an dem Klingclzug gerissen .... doch! da liegt das fltnge Fräulein tm Bett — zwar noch sehr blaß, aber die Augen groß und klar ausgeschlagen ltnb verlangt — tout de suite — tont de suite — sofort etwas zu essen. Erst hat die Jeanette ihren Ohren nicht getraut: hat schon gefürchtet, Mademoiselle rede irre — aber es verhielt sich tatsächlich so. Mademoiselle hatte wahnwitzigen Hunger. Da bin ich denn schnell zu Ihnen hier ins Kavalierhaus hin üb er ge- stürzt, Monsieur, damit Sie sich dies Wunder persönlich anseheu." „Ein Wunder ist es tatsächlich," bestätigte der Oberstabsarzt Dotbor Hartnraun dem alten Frederic. Und er ließ sich gerade Zeit, die Mütze auf den Kopf zu stülpen und nach dem Fieberthermometer zu greifen — dann ging abermals die Jagd über den breiten Kiesweg zum Schloß hin. Auf der Diele empfing ihn die Marquise. „Herr Oberstabsarzt — ich bin außer mir vor Freude. Sollte es wirklich möglich sein, daß die Krankheit ein so überraschend kurzes Ende gefunden hat?" „Es wäre mehr als überraschend, auädiaste Marquise. Der alte Frederic hat vorhin das richtige Wort dafür gefunden — es wäre ein Wunder! Ein Wunder Gottes! Der -arte Körper Mademoiselle Marguerites müßte ein weitaus stxrtt'rc Energie bergen, als irgendwer von uns vermutet halte." „Sie wollen jetzt hinauf, Herr Oberstabsarzt?" „Selbstverständlich, gnädigste Marquise — sonst glaube ich doch noch nicht. Wenn gnädigste Marquise befehlen, dann erstatte ich nachher Rapport." Sie nickte ihm dankend zu. Und er eilte die Treppen hinauf: verhielt vor der Tür des Zimmers den Schritt. Etwas wallte in ihm auf, das er erst Niederkämpfen mußte. Er dachte unwillkürlich: — wie ein Primaner, der zum erstenmal zum Ball geht und dort seine Herzliebste Enft. Er wollte lächeln über sich selbst, über die grauen! Faden die trotz der achtnnbdreißig Jahre schon durch sein H-aar strähnten- wollte sich einen Narren schelten und bekam es doch nicht fertig. Fühlte nur das unruhige Schlagen des Herzens, das Hämmern des Blutes in Adern und Schlafen. Ein paar Minuten Ruhe - damit er sich nichit verriet. Und so stand er und.lauschte auf das brausende Drölsiren J" ^ I . ,ei ‘. £) ^ rcn und streckte wie willenlos die Hand nach der Tn r kl Nike aus und drückte sie nieder und trat ein. Ztnimer ^ ^der ins Schloß — Totenstille im Was jetzt geschah, war das Werk weniger Mnuterr. . E lange Georg Hartmann war hasftg zu dem Bett ^^Etteteir Da starrte ihm aus den weiy^i Kissen etn schnmles ^sickitchen entgegen — bttttleer und müd und lieb vertiaut und doch seltsam fremd. Die Augen groß und schwer. Um die Lippen ein ninttner zu deutender Zug. Als ob ein Mensch über nachtdunkle endlose Unpfade geirrt und sieht zum erstenmal wieder das Licht des Tages; S lt wieder die erste leise Hoffnung im Herzen aufkeimen, vielleicht doch noch einmal dieses ziellosen Weges ein Ende sein könnte. So seltsames Leben war um die Lippen der Kranken. Den Oberstabsarzt Doktor Hartinann erschütterte das. Er kam nicht mehr los von den großen schweren Kinder)- angen; sein Herz und seine Seele verfingen sich in den Zügen dieses zarten müden Kindergesichts. Er wußte nichts davon, daß er srch auf dem Stuhl neben dem Bett niederließ, daß er Marguerites Hand ergriff, daß er sich zu ihr hinabbvg und gedämpft versetzte: „Wie ist es nur möglich, Mademoiselle Margucrite, daß Sie Fieber und Ohnmacht so tapfer Niederkämpfen konnten?" Nachdenklich!, fast verträumt ruhte ihr Blick auf seinem Gesicht. Sie machte eine Kopfbeweauna, als wolle sie verneinen. In ihrer Stimme war noch kein Klang. „Ich weiß davon ja nichts, Herr Oberstabsarzt. War ich denn krank? Liege ich, schon lange hier? Mir ist nur so seltsam schwer in den Gliedern." „Sie waren krank, Mademoiselle Margnerite — jetzt aber werden Sie bald gesund werden." Eine Unruhe glomm in ihren Augen ans. Die schleppende Sttmme wurde hastiger. ..Wie lange lieae ich hier schon, Herr Oberstabsarzt?" m\m viernndzwanzig Stunden, Margnerite. Ein kurzer Fieberanfall — eine Öhümacht. Sie hob die Linke, strich sich über die Stirn- Mitten in dieser Bewegung hielt sie inne. Die Hand ballte sich zur Faust, sank auf die Bettdecke herab. Und, als erwache sie aus Halbträumen jählings zur Klarheit, als hätte ihr Geist wieder den Rückweg zu dem gestrigen Geschehen gefunden — glitt es ihr mie ein abgerissener Schreckens taut üb er die Lippen: — „Jetzt entsinne ich mich.... gestern im Boudoir der Fvan Marquise — ich konnte plötzlich nicht mebr weiterlesen — die Angst, die mir gegen das Herz schlug. . ich wollte ia fort — ich muß ja fort — ich darf ja nicht langer ans St. Chamant bleiben." Da kam es mit zwingender Gewalt über ihn — er hatte sich erhoben; er [taut) vor ihr; er ergriff ihre Hände: ferne blauen deutschen Angen leuchteten in ehrlicher Treue- dre Worte holperten ihm abgerissen und stürinisch über oie Lippen: „Du sollst auch fort von hier, liebe kleine Margnerite. Wenn du erst wieder gesund bist, sollst du fort von hier — Deutschland. Du hast mir ja selbst gesagt — du bist Elsässerin; du bist Deutsche uiid sollst setzt endlich! dein Vaterland icheii." „Mein — Katerland!" „Ich kleine Margnerite — dein heiliges deutsches Vaterland ! „Bei meiner Mutter in einem fleineti rheinischen Städtchen sollst du ans mich, warten und sollst gesund und froh werden -bis unsere Zeit erfüllt ist. Der Krieg wird lange dauern und wird schwer werden uiid Millionen Menschenleben vernichten. „Mich hält die Pflicht hier fest; ich kann dich jetzt nicht zu meiner Mutter bringen. Aber ich »vUl ihr schreiben und ich weiß sie wird dich mit viel Liebe empfangen und wird dern armes krankes Herz gesund pflegen. „Was hinter dir liegt, ist ein böser, häßlicher Traum - was dcmer wartet, ist deutsches Eick im deutschen Vaterland. G»tt mag rn seiner Gnade geben, daß ich eines Dages zurückkehre. Dann werde ick dich heimhole» %jl d» auf mich warten, liebe Üeine Margnerite?" Sie antwortete nickst Sie hatte sich halb emfaerichtet dre Stirn gegen seine Hand gepreßt. Eine Heimat nutz -rrreden und LrÄtz srnoen - gab es denn wirklich feinet >lück aus der Welt? ' (Fortsevung folgt.) Lin Tiroler Mädchen. Erzählung von Max Karl Böttcher. (Nachdruck Verboten.) Ein lücher Sltdwind strich über die Almen, und wo am steilen Hmw die Bcvgrolen in «unepchkendem Schimmer aus' dem Grün der Matten lugten, neigten sie ihr Haupt in frohem Gruße dem 427 men Hauch dos welschen Landes. — Auf den höchsteil Gipfeln des GebirgSwallas glänzte der Firn unberührter Grswelten im Grell der Mittagsglut, und wehe dem Auge, das sich zu lange von so reinem, hehrem Leuchter: bann er: ließ! Schmerzvoll mußte es sich senken, frevelgestraft, weil menschlicher Blick gewagt, so reine Berg- kchiönheit zu lange nnt erdgeivohntem Staunen zu umfassen. — AmLurng pfiff ein Murmel, witb über den Grat strich ein Gamstiec, Wörnraß mit llligem Auge die Spanne Wegs bis zur schwanken Platte dicht unter ihnr — und sprang, —i dann äste es den frischen Bergklee. Ein Mld des Friedens — seligsten Mittagsfriedens ringsum. — Selbst die paar Hüttlein drunten am Steig verrieten nicht, daß Menschen hier Hausen mochten; denn sie waren still und zugeschlos- sen. — sttur die letzte der Wohnstätten, die dicht mu Wildbach stand, hrte an geklebt an eine jache Wand, stieß einen Nebel ans ihrem Nauchfarlg, und jetzt tat sich die Mir ans und eine junge Tirolerin trat^us der Hütte. Sie stützte einen Greis!, der nur mühsam rroch am Stocke ging, und ließ, den Großvater sorglich auf die Steinbank nieder. -.'Gelt, Großivaterl, — bleibst hier am Bank! und sitzt fei ftat. Und i schlupf zum Herd eini und rühr dir an Schmarrn, weißt, so an ganz, feinen, — gelt, beit magst?" Der Alte nickte und strich dem Kinde über das Haar. — ,,Geb doch Mirzl, geh z'rnck zu den anderen. — i bitt di doch allweil gar so sehr, ntei gut's Madki, — geh z'ruck! Menu sie kommen ^bib.die Welschen, — dann ift's um di geschehen, Madli — geh z'ruck! Geh! geh!" . „Redst schon wieder so schiechie Sach umuand, Großvaterl! Warm d m: t gehen mögst, will ich's Zauserl verlassen, — ohne dich net!" „Liebli, weißt doch i geh net von der Stell, die mei Heimat g wesen ist an o tc siebzig Jahr, — Und wenn mi die Ivel scheu Hatunk spießen taten, i geh net vom &of!" om^ r5 cvv blutjunge Mädchen, ging betrübt ins Haus. — Alle Nanwarn und Leute vpm kleinen Bergdörfchen hatten in ^ßsr Angst vor den anstürmenden Italienischen ihre Hütten und ^ose Verlassen und waren nach Schluderbach oder noch weiter nord- warts gelsgeueu Orten gezüchtet; nur der fteinalte Gschbachr ließ s>u> nicht bewegtm, der Gefahr zu entrinnen und die Hütte, die ihn nahezu em Dreivierteljahrhundert Hehler bergt, und seine Hofftelle zu verlassen. 4 So hausten seit vier Tagen die beiden, das brechende Mtev und die erblühende Jugend, ganz allein inr verlassenen Bergneste ^ce begnügten sich am MW im Kasten und den Kartoffeln, tu der Scheuer und der Gäl>en ihrer drei Ziegen. Sie harrten der tominenren Not. Ter Greis ipartete mit gottergebener Geduld, bas filnfzehnmhrigie Dirndl mit Bangen Und Zagen im Herzen- denn man l-atte Schauer diu ge, von den tvelfchen Truppen begangen, geiulg gehört. ^vhl ^hnmal am Tage kletterte Mirzl über die Kesselwand, hinte^ der der ^eildbach blödelte, aus die Plätzwiese, von der aps is schau nach dem man meilenweit zu Tale blicken könne, um Vw'-t tt Ki» fcni st».. .,.... . / / - * // fffinbc «h.Salten.'- Mher Weit qikS, ÄÄ o 6 « Mt der Wind vgn Süden wehte, war ein dumpfes h ^ C k' 1 lU'cyac, IJWC CUX oniiips^ ' Uud Bnmlimjen Uber das Tal gezogen, just wie im Früh E — mn ^ mntmC - Uli> Lawinen von den Berger , Sf. Ehristallo Moittert's, Großvaterl!" sagte Mir-! mit besorgter Miene und hob lauschend das feine Köpfen. ,> 'Aw, es gelv.-ttert!" sagte der Greis bedeutungsvoll und wiegt! ernst das schwelgte Harwt. Gr wußte, daß schweres Geschütz so tiefe L“ fcr- nc \ n - Derge sandte. Und in folgender Nacht wart J?» Magdlem Plötzlich wach. MännersllmUren, laut uiid unwirsch tauten vor Haus und Hof, dann wurde an die Tür geschlagkur und Ungestiun Einlaß l^gehrt. Und jetzt krachte es draußen hell Fenster Ürrwte; Und zäscheird sauste etiväs in die Stube und prallte an den KttMiU mrd fiel klatschend zurück. ,.Ste Und da. fneß MrrKl hervor. Und nterlwürdig, all die letzten atemlähmendcr Angst, war ste im' Augenblick der 9^1 und Gefahr gewichen und eine fast weihevolle Rübe über sie ge- ^uÜEN. Mirzl nwckte den Großvater, ohne Licht zu macbeü. „Großvaterl, ste siird da! Mr Mlllfen fort?" sagte sic leise und MM einmal ihre Stimme zitterte. Da verließ den alten Eschbacher -n Starrsznn, als er draußen das wüste Schreien und I^pcL r>re IL? VW* MP L seinetwillen gab 'er nach *** . t>or Hu, düs gute DlirrHl, tat ihm leid. Und Mirzl JlWfiLTÄ '/P« Slum Merpförtl hinaus Und fluchten m d',e Berg'! PH tverß eme Steinhöhl' droben am Z^Mberae, öa finden, sie uns net, da net!" Und sie raffte nachdem ste der: Großvater schnell anpekleidet, eche Decke unö etnen Korb mir Eßbareiw und bann stiegen sie in den Keller ?olben und Axt gegen Tür und Fenster laden, schon splitterte Holz und Gebalk, da schloß sich hinter dei beiden die Falltür des -f- Sie standen im finsteren, c die Milch, die sie früher na< SchllidÄachdi dn «ro&n Gafthchster lieferten. Vom K>Äler führt, ^entreppe hoch dre m chl steinzerklüstetes. vüschumsü'unit« SSPVS”* ^ ^ die Nacht, eine wunder, milde, sternenklare, friedensselige Nacht. Linder Mld trug würzig Bergkräuterdüfte zu Tal, im Heck fuutnlte ein Heimchen sein traute- Lied und drunten das Brüuackein sang anr Steril. Aber vom Talioeg ging ein Klirreii wrd Klappern, ein wirres Hasteii der Soldaten, ein dninpfverwiorrcnes Dröhnen stahlrippiger Näder, die eisenschlündige Hölleirrohre trugen. Eineii Augenblick standen die Flüchlinge droben am Buschsaum, und ihre Seelen ächzten unter dem Schauer dieser seltsamen Nacht. Tann zog Mirzl den Gireis fort; sie stützte ihn mit schirr mv geheuerlicher Kraft und war doch noch ein halbes Kend; sie schob, hob, zerrte und zog ihn Wer Fels, Würzel und Geröll — und end- W waren sie weit iveg von Hütte Und Tal und glücklich geborgen. Das Magdlem bog wirres Gezweig beiseite und fithrte den Großvater wie durch ein festlich beranktes Tor in eine Felshöhle. Dort breitete sie die Decke aus uild ließ den zu Tode Ermatteteii nicder- glerten. Daun nahm sie seinen Stecken, her ihm zur Stütze gedient hatte und wollte ihir seitwärts stellen; aber da erschrak sie bis ans Herz - der hermeinlliche Stecken war ein Schießeisen. '^fwßvatcrl, — du, —. dös war ja, — du, — dös wär ja dei Stutzen! c ^ ,,oreiu rs er s! -t-oer moanst. i verlaß mei Haus und Hof und soll sonder Wehr uiid Wafs durch die Oed tappen, wo i sy an^jung's, Ding nnt halt, als du mis wär>t!" Und er richtete sich auf und sagte nnt vor Erregung zitternder (Stimme: „Liebli du, — der Erst, der dich au,affen tat, — der Erst kriegt an Blei vors Hirn, daß ihm nrmmer Zeit zum Beten bleibt!" Tann sank er entkräftet zurück und öimete ,chwer. Mirzl kni:te bei ihm nieder. Angst urrd furchtbare Sorge packte Ire, der gute Großvater könnte ihr über der Anstrengung und Auf- rMmg sterben. Aber bamt stieg in ihre Seebe ein gekanntes Ge- chhl aUf: Nickt ungestraft sollte der Frevel der Welschen bleiben. Die Fernde die fte aus ihrer Hütte vertriebm hatten, die Männer, p Großvater frier frerausgehietzt in die Felsöde und jetzt dniitterr rn ihrer Wohnung hausen rnochten — sie sollten es büßen . Bon der Anstrengung ermüdet, war der Großvater bald sanft emgeschlummert. Mirzl blieb wach und trat vor die Höhle. Das Mädchen blickte rn die Feme lieber des Monte Mans Zinne schob sich des Mönbes goldenes Halb und warf linden Schein über Berg und Alm und Tal. Uur von der Schlucht her klang Vettvorren und verklingend Dröhnen llnd Tosen und Lärmen, nicht laut: und das wären fte, die sie jetzt haßte alle, alle — und der Wüuschf sie zu vernichten, wurde so mächtig, dasti sie die eigene Gefahr und des Großvaters Sicherhett vergaß Nordwärts, vier Stunden Wegs, tag Schluderbach, da waren die ^taudschützen, Tiroler Leut, und hielten Grenzwacht — öte wollte ste holen. Ha, vier Gtunveii W'e.K im Tale: aber sie, die berageioohrite Maid, ivußte ettien Stech einen Wildpsad, der brachte sie rn zwei Stunden zunl Schluderbacher Zollhause. Und sie Nog davon, kletterte über Schutt und Ge-röll, durchwatete eiskalte Metjcherrrnmale, bahnte sich drirch niedriges Gebüsch mühsam den S”r öI ^ S k Turnruhr zu Schluderbach Mitternackft kündete, lOF , CT $ e dosten sie an. Ihr Gewand war zerrissen, ihr Mldigblojndes Haar flog wirr um Haupt und Schulter, und die Brust wollte schtör zetsprttigM. uns drmißen sind sie, — und wenn ihr net glei' kömmon tat, ist altes hie!" stieß sie hervor . lMrer preg eine Kette wetterbrauner. bergt- gewohnter Männer erlist den Jägerpfad an. Keines Fr iß strauckxlte, keines Sinn zagte. Und da sie zu der Stelle kamen, wo der Wildbach sich am Schützen sder Wehr) staut uiid ,eme Flut recht fern ntanierlich seitwärts lenkt, um den Oel- muhlen rm Grunde Kraft und Trieb zu spenden, verhielt Mirzl den schritt und wandte sich an den Zugstihrer Beck, der der Schar vorxineilte Wenn wir dieseir Schlitzen ziehen, Herr, dann treibt's po-ffer zu Dal? sagte sie erschauernd; „uUd dann-" wüadchen schwieg plötzlich. Es war vor ihren eigenen Worten erschrocken. Der Offizier fragte: „Und was geschieht dann?" . " das Wässer jagt zu Tal, reißt Erd und Fels mit fort und schüttet drunten beti Ausgang zu, der abwärts ftthrt." die Wellchm?^ Ausgang, den die Watzelmachr hcranfgekonimeu!, „Ja — den." "Und es gibt keinen andcreir Ausgang da inr Grund?" „Nur aufivärtst nach Schluderbach r , . "Vn —„bcu wollen wir ihnen schon verckegen!" sagt« Beck, und snne Leute stiegen über Wand und Zack grundwär^, - leise, lette, daß rein falleiider Stein sie verriete, — und drunten sperrten ske xn schnalen, Hohllvieg und stellten links^ der Sttaße auf eiikLr Felselikalizel ern Maschneirgewehr mis, und rechts wurde ein UiU'iW Mst einer uralteli Zirbel in Stellung gebracht, und die 'shieA niannen verteilten sich. Eiir Uhuschrei, der sich zioettnal wiederhoM. gab demgi droben Bescheid, daß man am Talausgang zum heißen Empsang der Welschen bereit sei. oaono unv Sternenglanz waren längst erstorbeil. Airs den Griinden wallten Nebel aii den Wändeii des Hockwebn^es auf Ter Morgen brach an. ltand, den Mantelkragen eiires Laltt>scbüo. r über den Schillern, dennoch zitternd, am chrodelndeu Wasserkenel des Wild - baches. Em drestacher Tvppelrus durch den Tann. Der Zugführer winkte, und zwei Mannen ergriffen die Kurvckk der Stauanlage, des sogenannten „Schützens", am Wilddach. Da fuhr blitzartig! bie (SMenntnid in Mirzls Seele, daß mü Vernichtung der Welichett aid) ihr friedlicher Weltwinkel, ihr und ihrer Talgenossen &etm und.vjorftiüt zugrunde gehen müßten. Mit einem Wehschvei siel sie ohnmächtig nieder. ..Dirn, was ficht dich an!" fuhr der Offizier ans. „Das Tal verschlammt, und all unsere Hab geht hin! ,/>etzt ist Krieg. Kind, — und was zugrunde geht, ersetz euch gern der Kaiser." llnd der breite Hol sich ätzen wandte nch ächzend empor. Da verhielt das Wasser für Augenblicke Welle und Schaunr. und dann gurgelte es in seinen tiefsten Gründen auf, zwirbelte toll im Kreise — und dann — dann schoß es wie em entfesselter junge Riese zu Tal. Die ersten Wasser sprudelten rechts und links und geradeaus unb bahnten den Weg, und der ttefe Fclskessel gebar immer neue Fluten, und dann tobte ein tvühlender wilder, wogender Schwall iwer den Hang. Da ward zuerst ein Grdkloben abgerissen und (dann dort ein Felsbrocken gerüttelt, der sich schon Jahrhunderte besonnen, ob er stehen oder fallen solle, und an der steilen Wpnjd riß das rauschende Wasser dem! klrnv- menden Baumwerk das Land von den Füßen, und zuletzt zwirbelte alles durcheinaiider, türmte sich und barst und krachte und sperrte sich und wehrte sich und mutzte doch fort zu Grunde, lind die Wzut des entfeffetet Elements scheuchte der Berge Wild und Gevögel, und im Tale selbst wurden die welschen Eindringlinge durch nassen Gruß geweckt. r . Wie ein Mörsergeschoß schwersten Kalibers krachte das erste Felsstück in das Lager der Alprni. Schreckensbleich rasten die ausgestellten Poftsn die Stmße entlang. „Rettet euch, me Berge stürzen ein!" Schon eilten die Welschen rückwärts; aber ein Bagagewageu sperrte quer den Weg. Hui, griffen zwanzig Hände zu und schwupp! lagen der Wagen und die Pgerde im Grobem. Djaun raste man! weiter Die ersten kamcrn zur Enge; aber noch ehe sie vorüber, sauste der Riesenbrocken, der sich am längsten den Anstürmen der Wildwasser gestemmt, über den Hang, und krachend und berstend klemntte er sich massig und breit tn die steinerne Pforte. Der Weg war verlegt. Da machten sie schreiend kehrt und stürmten wieder int Tale aufwärts und rissen die anderen mit, und bald wurde der eine oder andere von den gelben, erdversetzten Fluten ersaßt, und gar manchen schlua ein niedergehendes Felssouck oder ein Stück Holz zu Boden. Uno immer neue Wasser, neue Erdinassen, Geröll und Geäst stürzte auf die Feinde. Endlich, endlich waren die nreisten Italiener oberhalb des Wassersturzes. Sorgend, daß fte auch hier noch Gefahren umlauern, kömtten, stürmten sie blindlüras weiter. Tack—tack—tack—tack — Maschinengewehrfeuer . . . Da schrien sie auf, die Welschen, die Untreuen, die Bruder- Verräter k! — Rückwärts kalte, gurgelnde Wasser und malmendes Gestein, und vor Men heißer, schneller Tod!! Und sie ergaben sich- 270 Mann ergaben sich. Mirzl war weder zu sich gekommen; aber wie sie gesehen, daß ihre Heimat, die sie geliebt mit ihrer ganzen jungen reinen Seele, ein elender Schutt- und Trümmerhaufen wrrrde, da ward ihr