Schicksale. Roman von Heinrich Kornfeld. (Nachdruck verboten.) lAmerlkanisches Copyright by (Earl Duncker 1914 .) (Fortsetzung.) „Ich sagte doch eben — Sie waren int besten Zuge, dem guten Älphonse seinen ganz schönen Plan über den Hausen zu werfen." „Was ist denn das für ein Plan, zum Teufel?" Der-Doktor Darragon zog seine kuri-os buschigen Brauen hoch. „Das haben Sie doch eben aus seinem eigenen Munde gehört." „Zum Teufel — ich habe kein Wort davon verstanden. Er hat ja zu Fräulein Varrel auch Nur in Andeutungen gesprochen. Dahinter kann man alles mögliche vermuten. Aber worum es ihin nun wirklich und wahrhaftig geht, warum Fräulein Marguerite eigentlich diese Pläne und Grundrisse besorgen soll... das hat er doch nicht verraten." „Wenigstens -der kleinen Marguerite nicht." Der lange Feldgraue fixierte den kleinen Pariser Herrn scharf und andauernd. Unglaublich interessante Situation das — aber verdammt verzwickt. „Was heißt — wenigstens der kleinen Marguerite nicht, Herr Doktor? Wissen Sie denn, worum es Herrn de Mar- sillargues eigentlich geht?" Sein Gegenüber wiegte bedächtig den Kopf hin und her. „Immerhin schon möglich, verehrter Herr." „Donnerwetter — dann sagen Sie es mir doch." „Ich denk ja garnicht dran." „Gestatten Sie mal. . ." „Ich denk ja garnicht dran, verehrter Herr — weil ich dem guten Älphonse sonst seinen ganzen Plan zunichte machte." „Ist denn dies Projekt so gefährlich?" „Einigermaßen." „Gegen wen richtet sich das?" - ^ „Gegen euch alle hier." „Aber so reden Sie doch, Mann Gottes." „Mcht bevor es nötig ist — und vielleicht auch dann nicht einmal." Dem Oberstabsarzt brummte der Schädel. War er da ganz ahnungslos im Park spazieren gegangen und hatte plötzlich, als er harmlos lerne fast gar keiiie Männer kenneir, weil die Tante rnich mit ArgUsangen bewacht. Ich bin eine „gute Partie", und ich glaube wohl, daß ich einen Männ recht glücklich machen könnte. Wenn sich also ein Mutiger findet, so wöge er nur vertrauensvoll nach Westende, Marienstraße Nr. 3, kommen und dort im Parterre nach Fräulein Lydia EberSbach fragen: bitte aber nur in der Zeit von zwei bis orcr Uhr, n>eil dann die Tante schläft. Ich hoffe!" Gilbert Bräunlich Mußte, trotz seiner gränüichen StrmMUng, lachelii über den Utk, denn etwas anderes konnte es ja doch nicht sein, dann aber,,, als er den Inhalt noch einmal durchflog, fesseltg ihn eine Naivität, die ihm echt zu sein schien und da durchzuckte ihn plötzlich der Gedanke: Und wenn es nuii kein Ulk, sondern ernst gemeint wäre?? Er las die Zeilen nochnials und dann noch einmal. Dann) sami er nach. Und plötzlich stand er auf, ging in dm nächsten Zigarrenladen und erbat sich einen Einblick in des Mreßbuch. Wirklich, da stand cs: Marienstr. 3, part. Lydia Ebersbäch! Kanin tonnte er sich beherrschen. Wie eine frohe Botschaft klang ihm plötzlich! eine Stimme ins ~ wie euic helle Freude leuchtete es vor seinen Augen. Natürlich mußte er hingehcn, mvchte daraus werden, was wollte! Um zwei Uhr trat er den Weg an. Das Herz pochte ihm wre.einem Sekundaner, der sein erstes Stelldichein hat. Ms er mdlich die Klingel zog, zitterte seine Hand so stark, daß er alle rn-aft zusamniennehmen mußte, um Herr der Situation zu bleiben. Wünschcii öffnete und ftagte nach seinen möchte Frchllein Ebersbäch, sprecheir; bitte, hier ist meine Karte, sagte er so ruhig, als es ihm nur iwöglich war. „ Wtnge oder das alte Fräulein?" ftagte die Magd, indem fie ihii ern wenig erstaunt Musterte. '^^rz „mffchlosseii antwortete er nUr „Fräulein Lydia .. ^agd ein wenig: „So heißen beide Damen, die Tante Und die Nichte." bitte, melden Sie mich deni jungen Fräulein und sagen Sie, bitte, ich käme wegen des Mühlbach'schen Romans." Er mußte warten. .... Dann kam die Magd zurück und sagte: „Das Fräulein läßt bitteik, wobei Sic ihn m den Salon führte. . Mser ein trat und sich umsehen wollte, kam durch eine Tur ein langes Mädchm, das ihn erstaunt NiUsteicke, aber mit wohlerzogener Mainer zum Sitzen einlub lind ftagte - , Dari rch erfahren, svas Sie zu uns führt?" Er sah sie an mit unverhehlter Bewunderung, denn er fand, daß, ,re mcht linr )nng iind hübsch loar, soiideni daß sic auch Eü™ üblicher Auniut aiisstraylte, der ilyn das Merz pochen lieni . ^ Endlich begami er: „Ich habe den MühlbackKl>cn RomM, „Aphra Behg" gelesen, und ich bin dem Zufall dankbar, daß er mir dies alte Buch iu die Halid gespielt hat!" Sie nickte lächelnd, sagte aber nichts. Etwas unsicher begann er wieder: „Sie sehen also gnädiges Fräulein, daß Ihr Optimismus Sie nicht irregeführt hat, — es geschehen auch heilte iwch, Wunder, — inan muß, eben nur daran glauben!" Darauf erwiderte sie lächelnd: „Verzeihen Sie, mein Herr, aber ich verstehe nicht, worauf Sie anfpielen." . riß er sich zusammen und sagte: „Ich bin der Mutige, gnädiges Framein! Und wenn ich Ihnen nicht mißfalle, so —," werter kam er aber nicht, denn sie erhob sich, und antwortete artig, aber bestimmt: „Ich glaube mein Herr, daß. hier ein Mißverständ- ms vorliegt." „ nein. Nkchre GnMM," hetErte«. „Ich habe FhrM Zettel gefunden!" „Welchen Zettel? Ich weiß von keinem Zettel!" „Was!?" — Einen Augenblick sah er sie prüfend cm, dantt entgegnete er heiter zwar, aber doch mit einiger Energie: , Sehen Sre, gnädiges Fräulein, das war nun nicht nett! Wemr man Non -nal so etwas tut, mUß man auch die Konsequenzen seiner! Handlung tragen! — Oder aber, >venn ich Ihnen denn absolut gefalle. Dann gesteheii Sie >ess wenigstens offen ein, dann empfehle ich nnch sofort wieder!." Lächelnd antwortete sie: „Ich wiederhole Ihnen, mein Herr-, V« liegt er» Mißverständnis vor. Ich weiß wirklich- vvn keinem Zettel!" Nun wurde er mit einem Male kleinlaut: „Mso hat sich jemand anders mtt Ihrem Nameii einen sehr schlecken Scherz erlaubt! — Hier vitte, dies Papier fand ich heute in dem Roman— wobei ev ihr das Zettelche.i überreichte. Höchst erstaunt las sie, las wieder, lächelte dann und' sagte endlich: „Das ist aber wirklich sehr sonderbar!" . ~ a !* n klingelte sie, und als gleich darauf die Magd erschien, gab sie ihr leise emen Auftrag. Mit einigem Befremden hatte er ihr ganzes Gebaven mit- angeiehcn, indessen loagte er nicht zu fragen, sondern wollte ab- warten, wie sich das Rätsel lösen würde. Schon in der nächsten Miicnte wurde die Tür geöffnet und eine alte Dame trat ein. „Liebe Tante," begann das Frcückein, nachdem sie vorgestellt hatte, dieser Herr hat hchrte diesen Zettel in einem alten Roman gesunden: wenn ich nicht irre, hast du das geschrieben, nicht wahr?" Herni Mert Bräunlich wurde es plötzlich schwarz vor den ?lugen und das . ganze Gebäude seiner kühnen Hoffnungen sank m ein Vhfitß zusammen. ' '. Inzwischen hatte sich die alte Dame ihre Brille aufgesetzt und las nun den Inhalt des kleinen Pachers. Tann lächelte sie! mit leiser Wehmut Und sagte mit milder Stimme: o, ^ T>al> e ich einst geschrieben. Aber vor vierzig Jahren. Jetzt durste es wohl zu spät seiii, mich ito-dji zu entführen. Sie hatten das Papier ftüher finden Müssen, junger Herr! Aber die alte Lante, die nnck) dereinst gefangen hier sesthielt, fft längst begraben, und, ime Sie sehen, bin ich mm selbst eine alte Tante ge- wordeii!" . - ^Änreich^tnd kam die Nichte heran m ihr, umfaßte sie und rres: „Uber Du bist nur keine Tyrannin geworden Tantchen!" Herr Bräunlich kam sich jetzt wirklich hier sehr überflüssig vor: er bat vielmals um Entschuldigung »md wollte sich cmpft'hlen. „Aber Tantchen ließ ihn iiicht fort; er wurde zu.einer Taffe Kasfee emg-eladen. Und er blieb. , als man erst beini K^iffcc saß, lvürde die Stimnumg so traulm) mW gemütlich daß Herr Albert Bräunlich auch noch blieb, als länast der Kaffee aüsgetrunken^war. ^.natürlich Müßte er von seinen Erlebnissen inr Felde berichten, was er demi auch in ausgiebigster Weise tat, denn er sab. daß bewe Damen — vor allem aber das junge Fräulein — sehr rntei*cfficrt zlchorten. Aber auch von seiner schon verheilten Wmide sprach er, doch als' sie ihn dann bedmienr wollten, lehirtc er m lache, nder Verlegenheit ab, denn er hatte plötzlich die Hoffnung, daß sei ne Hand sicher bald wieder dirrchms gebmik chsfähig sein wrirde. Und dann erzählte auch das' Tcuttchen vvn ihrer Jugend — !me sie einst für die Romane der Mühll'ach geschwüimit lcktte, mW gmc sie in schwäi-nierrscher Hofftrnng dereinst sehnekid auf ben Retter gelvartet hätte. Tantchen so flott erzäMe, beobachtete Herr Albert Bräunlich unausgesetzt das junge Fräulein, an h'ni er immer Mehr Reize eiitdeckte. und dem er schließlich sogar schon ein wenig den Hof machte. Ms er sich endlich empfahl, lud TantcktzUi ein, bald iMeder zu kommen, kvas er denii auch sofort hocherftnit verftwach- und als er fort kvar. . fragte die alte Dame ihre Nickte. E ihr Mw ftmge Mann gesagten habe, ivorauf die Kleine errötend antwortete: „O, gaiiz nett." «. ,?.a lächette Tantchen stillvergnügt: bei sich aber dachte sie: Vittlekcht blklht der Mnnen das Glück, aus das ick vergebens hoffte! cr wreder, bald sogar, mrd er fand das Glück, das Gluck der rer um mugen Liebe' vermischtes. * Nahrhafte Freundschaften. DLan schreibt uns: Die erfinderischen Hausfrauen wissen hin und wieder auf eigene Art ihren eingeschränkten Besitz an manchen wichtigen Nahrungsmitteln unauffällig Ku ergänzen. Sie schließen nämlich Buttern und Eierfreundschaften. Namentlich in länLLichen Gebieten sind solche Freundschaften bald angebahnt. Sie kommen in eine Ortschaft, wo die gackernden Hühner am Straßenrand zupfen und scharren und ihre Besitzerin vielleicht im kleinen Hausgärtchen! Salat sticht. Man wird Zaungast, sagt mit liebenswürdiger Stimme guten Tag, lobt die Erbsen im Beet, den Salat, die schönen Blumen und den gtut in Stand gehaltenen Garten. Gleich geht man dann zu den Eiern über, tastet und horcht die StirmNung heraus. Natürlich sind die Eier knapp, inan 'verkauft keine, ißt sie selbst. Aber die Stadtfvau hat ein paar illustrierte Mütter nrtt- gebracht, die neuesten Zeitungen, und in beiden sirrd allerlei land- wirtschasrliche, hausfrauliche Winke. Die schenkt sie großmütig der Eierbesitzerin, fragt nochmals nach dem Eierpreis, verspricht, mehr von solchen interessanten Blättern zu bringen, darinnen auch was über Kindererziehung und Frieden steht und — und bekommt nach Seufzen und hunderttausend Versicherungen, daß man alles fortgegeben, ein paar der schönsten frisch gelegten Eier. Mit der Butter ift's ähnlich. Irgendwo in der Nachbarschaft hat eine Frau Verwandte auf dem Lande, die von den Nachbarn Butter beziehend Mau listet nach der Bekanntschaft, macht ein Schwätzchen, lobt das Butterglück der Nachbarin, schenkt ihr einen Blumen- oder Olean- deZableger, oder weiß ein billiges Eierkuchen- und Nudelrezept und hat sich soweit das Vertrauen der neuen Bekanntschaft erworben, daß einem ein halbes oder ein viertel Pfund der köstlichen Brotschmiere großmüttg abgelassen wird. Diese Freundschaften wollen natürlich mit der allergrößten Höflichkeit und Aufmerksamkeit gepflegt werden, wenn sie von nahrhaftem 'Bestand sein sollen. Eine Hausfrau, die auf diese Weise Eier- und Butterfreundschaften geschlossen hatte, versicherte sogar, daß sie sich zu dem Gang ihren Anzug genau auswähle. denn fett sie gemerkt habe, daß ihre Butter- freundin ihren neuen Blumenhut mit neidischen Blicken betrachtete, setzte sie einen ganz schäbigen auf. * Von einer neuen Nahrunasmittelquelle aus der Mcerestiefe weiß Prof. Dr. I. Schiller in Wien (nt einem Aussatz in NmNmer 42 der illustrierten Zeitschrift U e b e r Land und Meer, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart) zu melden. Wir geben diese Probe der Betrachtung lmeber: Sehr geschätzt wurde früher in Deutschland das Isländische Moos, auch Carragen genannt. Es stellt die beiden getrockneten Rotalgen Chondrus erispus und Gigartina mantillosa vor, die hauptsätUich in Island gesammelt werden. Des hohen Schleimgehaltes wegen dient das Carragen als reizmilderndes Hustenmittel. Früher wurde es mtt Milch gemocht und für schwache Kinder verwertet. Noch heute sind manche Meeresalgen als Heilnvitbel bei den nordischen Kustenbewohnern Europas und den Japanern hochgeschätzt, und die Kroaten an der Küste Dalmatiens verwenden unterschiedslos' alle vom Meere ausgeworfenen Algen zur Beveitung eines als Universalmittel angesehenen TeeS. Daher weiden dort anläßlich der Wochen markte selbst in vom Meere weit entlegenen Orten die getrockneten Algen in den Buden feilgeboten. Als Nahrung für Tiere wird der Tang im nördlichen Norwegen und in Ächott- land verwendet, und zwar in getrocknetem Zustande während des Winters an Stelle von Heu. Er soll gern von Kühen und Schafen genommen werden und den Tieren sehr gut befommen. Lewer imtb der Tang an den deutschen Flachküsten nicht irr solchen Mengen aus geworfen, daß er zur Streckung der Futtermittel heran gezogen werden kömrte. Höchstens könnte die Besatzung Helgolands die dort in gewaltigen Mengen ausgeworfenen Tange für obige Zwecke in Verwendung nehmen. In Gotland wird der Blasentang ^ schwer netcmg) mtt Mehl vermischt zum Füttern der Schweine benutzt Am bedeutendsten ist die Nutzung der Meerespslanzen zur Düngergewmnung an der Nvrdwestküste Frankreichs, in England und an der Westküste Nordamerikas. An der ftanzö fischen Küste zwischen Pcnmpol und Brest, auf einer Strecke von ungefähr 400 Kilometer urw 1 Kilomieter landeinwärts, büden sie das einige Düngemittel, das prächtige Weizen- und Gerstenernten lieftrt. .;n bei Umon bemüht irtot sich energisch, unterstützt und angeregt von der Regierung, bie großen Tange als Kaliqnelle auszunutzen.. dort zur Feststellung des Tangbestandes eingesetzten Kvmmissio- rum konnten schon bis zur 3-Meter-Tiefenlinie mindestens 8 000 000 Tonnen verwertbarer Tange (Laminarien besonders) feststellen, dce ungefähr 400 000 Tonnen Chlorkali im Werte von 16 000 000 Dollar ergeben würden. Die bisherige Einfuhr der Kalisalze aus Deutschland hat einen Wert von etwa 18 000 000 Dollar. Der an Kali läßt den Tangdünger besonders für Karloffel- und Rübenbau. auch für Klee vorteilhaft erscheinen. , *.. ®i n 4 .Kochvorschriften-Kartothek Ein neuer Gesprächs,ton nt allmählich durch den Krieg gesellschaftsfähig geworden das Kochen. Wohin man auch hört, überall sprechen die Leute vom Essen. Die Hausfrau wird mtt gutgemeinten Ratschlägen förnuich überfüttert, und da sie überdies mit Einkäufen und Ein- teilen uberlaltet ist, vergißt sie über den neuen und neuesten Rezeptcn Oös vorher Gehörte Gerade zu rechter Zeit erschein da (bei Carl Lauser, Geschäftsbüchersabrik in Stuttgart) eine Gedächtnishilfe kn Form eines ansehnlichen Kästchens, das bald ein getreuer Berater der Hausfrauen werden dürfte. Das Schränkchen, das fick praktisch nach oben öffnen und nach vorn ausziehen läßt, enthält 30 Zeitkarten, die den Titel der verschiedenen Speiseavten tragen, dahinter kann eine beliebige Anzahl llciuerer Karten untergebracht werden, welche die Einzelvorschrift ausnehmen. Diese kann «ungeschrieben oder auchausgeschnitten, aufgeklebt werden. Die Schreibkarten sirrd natürlich auch einzeln erhältlich, so daß man durch fleißiges Sammeln sich bald ein gebrauchsfähiges und prakttsches Kriegskochbuch anlegen kann. * Gemüsetrocknung im Haushalt. Es ist nicht ratsam, das Esemstse. das' man für der: Winter konservieren will, ohne werteres an der Luft zu trockniM, da es hierdurch einen Heugeruch Und -geschmack erhält, der nicht wieder zu beseitigen ist. Durch schnell^ Trocknen im Ofen wird es aber zähe und pelzig, nimmt später kein Wasser nrehr auf und ko äst deshalb schwer. Bereinigt mcnl ledoch beide Verfahren sachgemäß, erhält man ein haltbares und wohlschmeckendes Produkt. Man säubert das Gemüse, bereitet es zum Trocknen vor, indem man Kohl, Kohlrabi und grüne Bohnen schmtzelt, Erbsen entkernt, Spinat, Petersilie, Dill und andere Ge- nnsse und Speisewürzen, aber nicht zerkleinert, auf Bleche crusbrettet und diese nach denr Backen in den Mrckofen oder nach dem Braten in den Bvatoftn schiebt- wo sie nicht trocknen, sondern nur stark ab- welkM dürfen. Man lüfte öfters die Ofentür, damit der Wasser- danftss abziehen 'bann. Das vollkommen abgewelkte, aber noch schmiegsame Gemüse wird an einem schattigen, luftigen Orte oder auf Herdtrocknern, Obsthott>en unter öfterem Umwenden so lange getrocknet, bis ss zum Zerbrechen dürr geworden ist. Völlig trocken, fiutt man es in Feinen- oder Papier sacke und bewahrt es hängend an luftigem, trockenem Orte auf. Spinat und Würzkräuter zerreibt man nach dem Trocknen, dadurch spart man später das Zerkleinern. Alle Gemüse müssen vor dem Gebrauch 24 Stunden eingeweicht und rm selben Wasser gekocht inerten. .! ?ibV2rü»ertunmöglichkeiten gj r c n n ' „ u c Jj e Wie bekannt, beschäftigt sich die deutsche Webstoss-Jn- dustrre augenblicklich lebhaft mit dem Gedanken, aus der Brennessel die verspinnbare Faser zu gewinnen, so daß das ehemalige „Un- kvaut voraussichtlich wieder zu hohen Ehren gelangen wird. Durch dre Beachtung, die so dieser Pflanze geschenkt wird, ist man auch werter auf überraschende Vorzüge der Nessel gestoßen. Eine be- E,Ette Tatsache war, daß die Blätter für die Aufzucht j'ungeu Geflügels Mtt gvoßenr Erfolg verwendet werden .könnten, und, auch bei der Fütterung von Kühen und Ziegen ivaretn gute Erfahrungen gesammelt worden. Weitere Versuche haben ergeben, daß zu Häcksel geschnittene Neffelstauden auch von Pferden gern genommen werten, und daß besonders Tiere, die durch Ueberanftren- gung oder Verwundung während des Feldzuges sehr herabgekommen waren, ft ch bei diesem Futter schnell rrnd grtt erholten. Der holzige Kern ter Nessel wird von der heimischen Industrie zu Oralsäure verarbeitet und die Papierindustrie macht sowohl feine Sckueib- wie auch Löschpapiere daraus. Aus den Blattern wird ter grüne Farbstoff (Chlorophyll) gewonnen, der vor dem Kriege ein großer Ausfuhrarttkel war. Ferner wird die Nessel verwendet zur Herstellung medizimscher Seifen (z. B. „Urtil^), zur Fabrikation von Haarwasser, Nesselspiiitus, für Rheuma usw. Die Blätter geben! außerdem enren schmackhaften Tee, ter sowobl als Arznei, wie auch als Genußmittel im Gebrauch ist. m , “«A *i eg und Seelenleben von Prof. Dr. R. Sommer, Geh. Med.-Rat in Gießen. Otto Nemnich Verlag, Leipzig. Preis 1 Mk. Dieses Büchlein ist, wie das Vorwort besagt, auS der Rektoratsrede über Krieg und Seelenleben entstanden, die Geh. Rat Sommer am I.Juli 1915 an der Universität Gießen gehalten hat. Sie beruht einerseits auf den Erfahrungen, die der Verfasier bei den vielen in seiner Klinik aufgenommenen verwnndeten und kranken Soldaten gemacht hat. andererseits auf den psychologischen Betrachtungen, zu denen der Krieg im Feld und in der Heimat reichlich Gelegenheit geboten hat. Da der Verfasier besonders starke Anregung hierzu durch die vielfachen Schreiben Gießener Studenten aus dem Felde erhalten hat, widmet er das kleine Buch in erster Linie den deutschen Studenten. Logogrlph. Ich spende der ganzen lebendigen Welt Ein Etwas, das mächtig zusammen sie hält. Und wenn dir das fehlt, so beschaffst du dafür Ersatz aus der Tiefe; auch der stammt von mir. Er ist einst durch mich nur zum Leben erwacht, Ging unter und liegt jetzt begraben in Nacht. Nun setze in mich statt des nur ein „b # , Gleich dien' ich dem Wundarzt und tu' dir gar weh. Auslösung in nächster Nummer. Äuftösung des Rätsels in voriger Nummert Hager, Hafer, Harfe. Schriftleitunq: Aug. Goetz. - Rotatü>»»rdruck und Verlag der Brübl'schen UniversitätS-Bucb' und Steindruckerei. R. Lange. Gießen.