Schicksale. Nomari von Heinrich Kornfeld. «» (Nachdruck verboten.) (Amerikanisches Copyright by Tarl Duncker 191» ) (Fortsetzung.) ..Dann ist es nur gut. daß wenigstens ich tnich hin- veichend unt eigenen Ideen versorgt fmbe. Und was mein Prograurtn für den Rest unseres hiesigen Aufenthalts an- delangt, Doktor : — „Vor allen Dingen inuß ich jetzt Marguerite spreckten, bestinuute Fragen an sie richten, bestinnnte Aufträge ihr gebet!." „Aufträge?" „Aufträge, die sie auszuführen hat, bis ich wieder h ic rher zurück kehre." „Und in welcher Richtung bewegen sich diese Aufträge. Atphonse de Marsillargues?" Der lächelte dem kleinen Doktor sonderbar ins Gesicht „Haben Sie inrmer noch nicht begriffen. Teuerster^' Für ein halbes Dutzend Herzschläge lautloses Sckttveigeu Dann sielen von den Lippen des Doktor Darraaon kühl und kaltblütig die Worte: „Vielleicht doch." „Nun also, llnd im übrigen werden Sie ja bei dieser Unterredung zwischen Marggierite und mir sowieso Zeuge „Ich wüßte niclit, Atphonse, von Jhnen'die Erlaubnis dazu erbeten zu haben." „Ader ich bitte Sie um Ihre Ann>esenheit." „tlnd ich muß Ihnen die Bitte leider abschtagen." Alptzonse de MarsillarMres lmtte gerade eine Bewegung gemacht, seinen Platz zu verlassen. Fetzt blieb er ruckhast flehen. ' „Was heißt das. Doktors" „Sprach ich nicht eben klar und deutlich. Atphonse?" „Wo liegt für Sie der Grund, meine Bitte so bedingungslos abzulehnen?" „In meiner Intelligenz, Alphons«, und in dem letzten Rest von Menschlichkeit, den ich mir bewahrt habe" I-etzt lvandte sich Alphonse de Marsillargues doch ab und begann unruhig im Zimmer umherzutvandern Bis er nuvermittelt tvteder den Schritt verhielt „Ich erinnere Sie an das Wort, das ich Ihnen vor tu««m in Paris sagte: - „wer nicht fidr mich ist. der ist wider mich!"" "Ein Zitat, das ich schon als Junge kannte." „Hoffentlich auch in seiner Bedeutung." Der Doktor Darragon neigte gleichmütig den Kopf. „Auch nt setner Bedeutung. Ich habe keine Angst, Al- phonse de Marsillargues." ^ „Sie haben cnrch keine Angst, unter ttmständeil mein s^eind au werdet!, Doktor?" „Wenn die Verhältnisse es erforderten, Alphonse — ^^ber ich bin der Ansicht, zu einer Mud- schaft liegt lucht die mindeste Veraulasfmrg vor. Ich es ra gar tkicht. Sie in Ihrer Mslcht zu hitldern, was wohl auch zwecklos wäre — ich Mächte nur einfach nicht trt Ihre Plane mit hiueingezoqeu t verden " „Zum Teufel — tveslmlb nicht'?" ... "Ihnen schon einmal sagte, daß diese PlänL sich gegen eme wehrlose Frau richten: weil es uratitav Uri) ^^9-egen emen solchen Gegner zu kämpfen: und t veil lvrr oetu Baterlaude Mit der Erfüllung Ihrer Pläne mmmermebr sovtel Glück bringen tonnen, als wir Ihrer Eousine llngluck bringen." „Sie sind ein Narr, Doktor" „Und Sie ein Pi^ntast. Alphonse - ich meine, das hebi sich gegenseitig auf." ^ de Marsillargues sta.npfbe heftig mit dem Mß aus. oetite Nerven waren bis zum Zeereifxm gespannt. Nur gewaltsam vtelt er sich zuriick. „Seiet! Sie kein Kind. Doktor." „Ich bin es nicht." „Also werden Sie nicht fahnenflüchtig " „Das kann ich gar nicht »verden, da ich in dieser Sache habe, Alplwt?se^""°^ nte au ^ rcr Nahne geschworen an J? evu Sorten — Sie lassen urich im Stich?" „Wenn Sie es durchaus so nennen »vollen. Alplwnse." „Sie versaget! mir Ihre Unterstützung bei der Durchfüb- rung meines Projektes?" „Ja." „Sie tvissen, was Sie datnit lvaqen?" „Bollkonrnren." Alphonse de Marsillargues tvar fahl geüvordetr bi^ ttl die Schlafen. Der Rückschlag, die Enttäuschung tvar z'tc groß, zu uttvernnttelt. zu umvirhrscheiulich Seme Stimtne klang jählings heiser, als er das euce Wort hervorstieß. „Dann . . Dan»! ?" Ein Lachen sprang aus; ein unfreies scharfes Lachen. ... "Nichts. Ich wollte nur noch sagen — es tvürde sich für Ste empfehlen. sich beizeiten ttach einer Fäyraeleqen- Heck utuzusel-en, da Sie dock, r>erttrutlich nicht wünschen werden Seite an Seite neben mir nach Paris zurückzu- tehren. In dieser Mtuute also tretltren slch unsere Wege Mer nehrueu Sie die Versicherung mit: wenn bk Zeit und Die Umstande es erfordern, dann werde ich schon wieder den Weg zu Ihnen zju finden wissen?" t d ^ Ä ffctnc Doktor darauf mit seiner eisigen baren haften Ruhe. „Delnuach durfte unsere nächste Begegnung also tutet r a Und ich sagte Ihnen ja schon wiederholt, lie ber Alphonse — nur ist in den letzten Monaten das Leben *° löwl ""d fade aetvorden, dast ich eine interessante Mög- i 386 lief)teil jederzeit gern im Auge behalten werde. Also wenn es dann einmal wirklich soweit ist — ich stehe Ihnen zur Verfügung! „Und zum Schluß uoef) eine letzte Mitteilung. Ich erhielt sie gestern früh wenige Minuten vor unserer Abfahrt von Paris, habe aber jetzl keine Veranlassung mehr, sie Ihnen vorzuenthalten: — die Pariser Börse, ist seit gestern geschlossen!" * Die Andeutung einer Verbeugung; die Tür schloß sich hinter ihm; er war gegangen. , . So konnte er nicht mehr mit eigenen Augen sehen, welche Wirkung seine letzte Mitteilung hervoraerusen. Alphonse de Marsillargues hatte xr\i ersten Augenblick garnicht begriffen, was der andere ihm da entgegenschleuderte, welch ungeheure katastrophale vernichtende Be- deutuiig in ben wenigen Worten steckte: — „die Pariser- Börse ist seit geftern geschlossen!" Oder doch — er begriff sofort; er verstand in der Sekunde, was dieser Satz, was diese Tatsache zu bedeuten hatte: — Der staatlich sauttionierte Spekulation war der Boden entzogen worden! Ml den Hunderten von Maklern und Disserenzschiebern, von Börsenfürsten Uiid elenden Schnor- rern — all den Hunderten 'von Männern, die direkt von der Börse lebten, all den Tausenden Don Existenzen, die indirekt durch sie ihre Existenz frifteten ... all liefen war jetzt die Möglichkeit benonnnen, kraft ihrer Klugheit und Voraussicht, kraft ihrer geschickten Scheinhciligkeit und erbärmlichen Halsabschncidcrei den Tanz um das goldene Kalb mitzutanzen. Die Pariser Börse war seit gestern geschlosseii! Die Börsen der großen Provinzstädte würden binnen wenigen Tagen folgen! Dem staatlich sanktionierten .Handel mit Börsenpapiere:: war ein eherner Riegel vorgeschoben! Vielleicht, daß sich hie und da verwegene Elemente fanden, die trotzdem im Trüben zu fischen versuchten. Sicheruch an derartigen Kreaturen würde es nicht fehlen. Aber die Gefahr! Das wahnwitzige Risiko solchen Tuns, das von dem Moment des offiziellen Börsenschlusses an unter den Strafparagraphen fallen mußte! Gefängnis! Vielleicht sogar Zuchthaus, wenn auch auf diese:: Teil des öffentlichen Lebens das eherne Milttärgesetz mit seinen Paragraphen über den Belagerungszustand hinübergriff. Ob Zuchthaus oder Gefängnis — ^jetzt wachte^ der Militär-Gouverneur, jetzt wachte das Mütärstrafgesetzbnch über jeden, der sich irgendwie im öffentlichen Leben an: Wohl des Vaterlandes verging! Jetzt gab es fürderhin und aus unübersehbare Zeit keine erlaubte Spekulation mehr! Schall und Rauch waren die Begriffe . . . Baissespekulation — Haussespekulation . . . geworden. Schattenhaft in: Bruchteil einer Sekunde waren Alphonse de Marsillargues diese Ertragungen, diese Erkenntnisse durchs Hirn gezuckt. Er stand mitten im Zimmer — wie zun: Sprung vor- aebeugt, als wolle er.den: anderen nachstürzen . . . und lat es doch nicht, sondern lächelte nur verstört u:rd blöd; und hob die Hand und strich sich schwer über die Stirn. llnd tat hilflos ein ztvei Schritte und sank in einen .Sessel. Da saß er; minutenlang — zusammengekanert. Das bunte wirre Muster des schweren Perserteppichs Unter seinen Füßen tanzte einen wilden Cancan. Und er glotzte darauf hinab und lächelte noch immer blöd und verstört und brauchte Minuten, um soweit seine Kraft wieder- zufinden, daß er den Kopf hebe::, an die Lehne des Sessels zurücklegen konnte. Und dan.n war die Krisis vorüber; daun war die alte nüchterne Klarheit seines Geistes Hurückgekehrt. Und in diese Klarheit hinein iprang — wie ein grimmes höhnendes Lachen — ein einziges Wort: Die radikal-nationalistische Partei! Diese Travestie, diese Spottgeburt einer politischen Vereinigung, die keine Anhänger zählte, sondern nur aus ihren (Gründern bestand — diese Farce einer politischen Fraktion . . . einzig geschaffen $u dem Zweck, den durch die Mohumachung kopflos gewordenen aufgeregten Franzosen Sand in die Auaen zu streuen, sich ein vaterländisches Relief zu schgffen Kr die skrupellose Ausbeutung derer, denen die Mobilmachung den letzten Rest ihres Verstandes'und ihres Witzes geraubt ' In dieser Stunde, da Alphonse de Marsillargues ganz mit sich allein war — in dieser Stunde war er bedingungslos ehrlich. Und seine Ehrlichkeit faßte das Urteil über die pompöse radikal nationalistische Partei dahin zusammen: — Eine Handvol! scharfer Börsenjobber, eine Bande eleganter Buschklepper, die aus der aufäuglich grenzenlosen Verwirrung der ersten Kriegswochen Kapital zn schlagen, in: Trüben zu fischen versuchten. Mobilmachung! Krieg gegen Deutschland — da hatten sich an der Börse wüste ^zeneu abgespielt, da waren die Kurswerte der Papiere in loildem Debacle übereinander gepurzelt und gesunken; imnier tiefer gesunken in einem Fall, den anfänglich keine Macht der Erde hätte auszu- hatten vermögen. • Goldcnö Tage für die Leute von der Baissespekulation, die mit der!r'ad: kai-nationalistischen Partei insgeheim in engster Fühlung standen. Und die Baissiers hatten anf- gekauft, daß ihre Portefeuilles — bildlich genomnun — fast platzten. Hatten an sich gerissen, was iraend ihnen erreichbar war; hatten mit den ,,Rad ikab-Nanonaleu" ins- gehet::: schon den Zeitpunkt vereinbart, wann diese auf den Plan treten und die Kurse wieder in die Höhe treiben sollten — unter dem Deckmantel des Patriotismus, der den srauzösischcn Papieren wieder den ihnen gebührenden Wert zurückgeben sollte. Kein Zweifel, daß diese Papiere bei geschickter Agitation wieder einen respektablen Hochstand erreichten. Dann - dann war die Zeit gekommen, die Gimpel zu rupfen und die Papiere iveit über ihren Wert au das Publikum wieder loszuschlagen.'Der rieserw hafte Zwlschengowim: aber floß dann zu gleichen Teilen in die Tascheu der beteiligten Ehrenmänner von der Hausse- nnd Baissepartei. So klug war dieser Plan ausgedacht, so genial einfach, so unerbittlich logisch und uuzweiselhnst erfolgreich - so nahe schon blinkten vor ben Hyänenaugen dieser Buschklepper all die Millionen des Zwischengewinnes . . . Und nun war die Pariser Börse seit gestern geschlossen! Nun gab es keine Kursnotierungen n:ehr! Run hatten dis Baissiers und Haussiers all ihr verfügbares Geld in strudelnden Strom geschlendert, um sich die Portefeuilles mit heruutergcwirtschaftelen, künstlich emwierteten, brüchigen und ans Jahre hinaus unrentablen Papieren zu füllen! Das war der Zusammenbruch? Der grauenhafte, noch unübersehbare katastrophale Niederbruch all derer, die sich mit Alphonse de Marsib- largues zur planmäßigen Ausräubernng des französischen Kle:nkapitalismus zusammengefunden! Alphonse de Marsillargues wußte — seit gestern hatte er seine Führerrolle eingebüßt — seit gestern hatte er den letzten Rest seines Vermögens, verloren — feit gestern war er ein Bettler! Ein Bankerotteur — ein von: Gesetz elend zerzauster Schuappsack, der sich vor jedem argwöhnisch spähenden Auge verkriechen mußte! Das war" aus ihn: geworden! Und wenn der Doktor Paul Darragöu ihm vorhii: beim Abgehen kaltblütig das Wort eutgegcnschleuderte: — „die Pariser Börse ist seit gestern geschlossen!" ... so wußte Akphonse de Marsillargues sehr wohl die Deutung. Und diese Deutung lautete: „Der verbrecherische Anschlag gegen St. Chamant, den du planst, um die Stimmung in: Volke zu heben und die nahe bevorstehende Haussebewegung an den französischen Börsen ein zuleiten . . . dieser Anschlag ist jetzt hinfällig gewordenjetzt, da die Pariser Börse geschlossen ist!" Alphonse de Marsillargues hatte den Kopf auf die Lehne des Sessels zurückgelegt und hielt die Augen ae? schlossen und sah doch. Sah vor sich ein endloses wüstes Trümmerfeld. Und was da por ihm in Scherben lag, wlo da sein ziellos irrender Fuß durch Schlutt und Moder watete — das waren zst Spottgebnrten zerzauste Hoffnungen, das waren höhnisch Zerfetzte Entwürfe, das waren Gleichnisse seines Lebens, seiner Vergangenheit u:rd seiner Zukunft. Die Minuten sanken, wurden zu Viertelstunden —, wurden zu einer Stunde. Roch immer regte sich der zusamn,engekauerte Mann im Sessel u:cht. Ms ihm ein jähes Frösteln den Körper üb erschauerte!. v v ■ ' ' Fortsetzung folgt.) • u v v ** Die handschuhknöpfe. Erzählung von R. Tefsi. ' \ (Nacl)drnck verboten.) Doime der Zug sick^ in Besorgung setzte, nafyni Käte beii Hut ab Und ries plötzlich ans: „O wie schade, sieh nur, ich lauste soeben diese Rcisehand- schiube, und kaum zog ich sie an. so sind die Knöpse schon weg?" Trunek, Käthes Gälte, schüttelte verständnisinnig den Kopf, Mid da er erst meu nach München." „So viel ich weiß, ging sie nicht nach Jtalieii, aber wiv Wollen darüber nicht streiten. Ich muß nun zusehen, daß ich in Berlin solche Knöpse finde." „Wer könnte denn an dergleichen deicken . . ." Käte warf einen kalten Blick nach ihm hin, der beini Gatten, wieder den Verdacht auslöste : „Sie hält, niich sicher für einen. Dummköpf. Gott, wie wird das werden!" II. Truneks Zeit war kurz bemessen. Er reiste im Aufträge seines Ch>ess nach München, um eine geschäftliche Angelegenheit zu erledigen, und selbstverständlich'TlalM er seine junge Frau mit. Zwei Men.de hindurch tvnrden Pläne gemacht, ivas in Berlin alles besichtigt werden sollte. Auf dem Prvgramm stand: Das Aquarium, Kempiuskt und Wertheim, wo Käte sich eine neue Jacke, kaufen sollte. Man kam spät abends an. Tie Läden lvaren schon geschlossen, Und die Handschnhknöpse konnten demnach nicht mehr gesucht werden. Käte sclstmpfte auf Berlin, und der gehorsame Gatte stimmte ihr bei. Am folgenden Morgen begann die Jagd nach den Handschuß- knöpfen, aber vergebens, bald sparen sie zu Aein, bald zu groß NUd nicht in der entsprechenden Farbe. Tpimek bekain Hunger Und schlug vor, ins Restaurant zu gehen. Stumm verzehrten beide das Mahl. Dann fragte er munter: „Nun, wollen mir jetzt ins Aquarium?" „Bitte, verschone mich damit!" „Oder vielleicht zu Wertheim, du brauchst ja eine gute Jacke!" Freilich war das auch ihr Wünsch gewesen, aber jetzt, nackp- dem eine geivisse Spannung zsvischen ihnen eingetreten war, Aopfte sie leis! mit dem Fuß und erwiderte: „Ich kann jetzt nicht an die dumine Jacke denken, >venn ich die Handschuhknöpse int Kopf habe." Man ging nach der Leipziger Straße, die im Bädeker als die lebhafteste Handelsstraße angegeben ist. Alle Läden wurden abgesucht und in einen traten die Reisenden, die sich allmählich verirrten, zuin zweitenmal ein, wo der Verkäüfer sie lachend Mit den Worten begrüßte: „Wir haben noch immer nicht die passenden Handschuhknöpse." Käte war sehr ärgerlich ans ihiren Mann, daß er nicht besser Bescheid svußte in Berlin, und gab fürs erste die Einkäufe auf. Als! sie müde nach dem Hotel zurückkaln, legte sie sich schlafen und wachte kaum bis!, znm Abgang des Zuges auf. In München wurde ihre Stimmung auch nicht besser. Er mußte seinen Gescl-äften nachgehen. Sie nahm einen Wagen und fuhr von einem Laden zum andern, aber in hm: einen vergaß sie plötzlich, wie Knöpfe, im anderen, wie Handschuhe und im dritten, wie beide zusammen rm 'Deutschen heißen. Sie kehrte ins Hotel zurück und begann zu weinen. Käum bemerkte der Gatte, als er zurückkam, ihr betrübtes Gesicht, so sagte er entschlossen: „Liebe Käte, ich Pfeife auf meinen Chef, wir reisen über Wien nach Hause." Sie lächelte mit gekrünrmten Lippen und antwortete: „Wenn du es ivünschest — mir ist's gleich, am liebsten möchte ich nach Hause fahren!" „Ich denke gar nicht daran! Jetzt, wo es sich nur um einige Stunden Reise handelt und wir Wien sehen können, das wir beide so sehr lieben!" Gr fühlte sich sehr wohl in dem Aufschwung seiner Energie, hißte Kate die Hand und lief nach dem Bahnhof, um Billette zu lösen. Sie flüsterte noch ettoas, was er nicht nlehr hörte, und am nächsten Morgen stiegen sie schon in Wien auf dem Bahnhof aus. Mit wiästiger Miene fragte Trunek den Gepäckträger: „Sagen Sie, mein Lieber, ivie heißt denn hier die Haupthandelsstraße?" „Vielleicht besehen wir zuerst die Stadt!" bemerkte Käte. Ihr Gatte sagte aber entschieden: „Nein, mein Kind, erst das Geschäft, dann das Vergnügen!" und innerlich meinte eri ,Lch bin doch kein Tölpel, oho!" Er lief voran, trat eiligst in verschiedene Läden ein und fragte laut!" „Haben Sie Küöpse für Handschuhe, solch runde, mehr flache, große mit zioei Löcberchcn?" Die Kaufvcrsucye wurden durch das Frühstück, dauu durch das Mittagessen und die Besichtigung des Prater und der Donaubrücke unterbrochen. Käte schien das Schicksal ihrer Knöpfe gänzlich in die Hände ihres energischen Gatten gelegt zu haben. Er lvar in der Tat unermüdlich und fahndete immer weirnr nach den Knöpfen. Schon war es Zeit, nach dem Bahnhof zu. gehen, als er in einem Aeinie«tz Spezialgeschäft den ersehntein Schatz zu entdecken glaubte. „Sieh nur, Käte, das sind meiner Airsicht nach genau dieselben Knöpse." Er zitterte förmlich vor Freirde. Sie aber sagte gleichmütig: „Nein, sie sind kleiner." „Gib nur den Handschuh her, ivir wollen mal sehen." „Ich sage Dir, sie sind zu klein I" „Mer so laß doch sehen, aoir durchqueren ganz Europa wegen der Möpse, und nun sie gefunden sind, gibst Du nicht die Handschuhe her." „Ich kann nicht." „Warum nicht?" Stotternd erwiderte sie: „Weil ich sie in Berlin verloren habe . . HI. Am Empfangstage bei Andow's trafen Trimek's mit mehreren Künstlern zUsamüien, die folgende Fragen an sie stellten: „Wie gefiel Ihnen der Glaspalast in München, und welchen Eindruck machten Berlin Und Wien auf Sie?" Der Gatte kam seiner Käte zuvor und sagte: „In München möchte meine Frau nicht sein, mid Berlin ist eine sonderbare Stadt. Dort sind z. B. keine mittelgroßen Knöpfe aufzutreiben, sondern, nur sehr große oder sehr kleine, und in Wim sind wiederum nur lauter gewölbte zu haben. - Ach, Sie Glücklichen konnten das Neblige Warschau verlassen ünd durch das sonnige Europa streifen. Solch eine Reise ist doch erfrischend!" rief die Hausfrau seufzend aus. „Ja, solch eine Reise erfrischt und ertveitert den Gesichtskreis," ergänzte Trunek im Tone der Neberzeuguug, ohne zu fürchten, daß Käte ihm widersprechen könnte! vermochte». * Wann wird der Krieg ans sein? Diese wohl schon tausendmal ohne Resultat erörterte Frage beantwortet die humoristische französische Schntzengrabenzeitung „Bochofage" wie folgt: „Der Krieg wird aufhören sowie die Feindseligkeiten eingestellt werden. Dieses Ereignis wiederum wird sich durch das Aushören der Kämpfe an allen Fronten kundtnn. 48 Stunden vordem Kriegsende werden wir noch keinen Frieden haben, aber dann wird es ganz bestimmt nur noch zwei Tage dauern. Das Ende des Krieges wird sich eine bestimmte Anzahl von Jahren vor dem Tode eines Politikers einstellen, dessen Name mit einem Buchstaben ansängt, der im Alphabet gefunden werden kann." * Versalzene M a h l z e i t. Nach der Schlacht bei Hanau zogen Napoleonische Truppen durch Sachsenhansen am Main und glaubten, den Bürgern durch besoitders forsches Auftreten Erfüllung ihrer oft ungerechtfertigten Wünsche abnötigen zu können. In einem Sachsenhäuser Quartier schmetterte eine solche Rothose zunächst einmal ihren blanken Säbel ans den Tisch und verlangte Essen. Der „Matn-barbare" verschwand und erschien nach geraumer Zeit mit einer Mlst;wbel wieder, die er neben des Franzosen blankem Säbel aus den Tisch legte. Was das bedeuten soll, herrschte ihn der Franzmann an - ,Ei, wo c groß' Messer leiht, gehört auch e groß'Gabel hin!" antwortete seelenruhig der Sachsenhäuser dein Großmäuligen. Nacherzählt von Lt. FicuS (Zeitung der 10. Armee). 883 . Büchertisch. - Ha n b b uch b e i K tt i« ft um H e «t f dj «f t. Herausgegebeir von Uuiu.-^vo'. üx\{\ Burger. München.. Mit ca. 60)0 Abbilduu- gen. 0j« Liesernichen im ?lbonuemcut ä Mt. 1.50, außer ^(üomie mcHt Mk. 2.—.(Akabe,Nische Berlagsgesel!sck,aft, Ncubabelsber-g) Lieferung 27. Eurtius, Tie antike Kunst, Heft 3. Tiefe nenesle ^lese.nng be^ Haudbuchs der Kmisliviffeiischaft l'ebentet einen weiteren Fortschritt dieses großarligeii Unteruehiiieiis. Stellt dieses Haubbtich doch rin wahres Kulturbolim,e»t bar, einen Spiegel vergangener Heiken llub der Gegenwart aller Kulturländer unb Molker. -rie Kunst i,t stets bas Spnibol ihrer Zeit, der Ausdruck der gei'liqen Kampfe, nnb sie allein prägt die Forrnel. in welche sich em Zeitalter schließen läßt. So ist es hochinteressant, ,nit den» kvortschreilen bwfes Werkes gleichsan» die geistige Geschichte der , lt zu dtlrch,vanbern. Wir werben gefesselt nnb belehrt, nicht zi'.lerst vernwge des überaus reichen, meist nelien Adbilbung^- nratcrials. M,t sicherer Hand leitet nns jeder Mitarbeiter durch bä* von nun vorgelrageue Gebiet. ,oas auch bei der vorliegenben Lieferung der oall ist. Seiner Aufgabe, die alte ägyptische Kunst III ll)vev ‘ lc 5. ouch in den kleinsten Gegenständen offenbarenden Mmunnentalltat, m ihrem Ringen nach Wahrheit, in dem Wunsch, dre unendliche Natur gleichsan» in Fornren zu fassen und den ö ! 1 ' zu lassen, zu erläutern und n.ls dabet ein getreues B»!d des großen Killt», »Volkes, ans dem sie ^Usprosten ist, zu geben — dieser Aufgabe ivird der A»rtor mit Erfolg gerecht. ^ fssilgtlsthest bet „R u it ft*, Monatshefte für freie u»b angeivandte Kunst (Verlag F. Bruckmann. A.-G.. München), ist in simem ersten Teck einigen KunstanssleNnngen des heurigen Sommers gewinnet. Der erste, sehr »nnfangreiche Aufsatz bespricht z,vei Münchener Veranstaltungen, nämlich die Ausstellung der ii, J to? k- ,nb be i ^ V‘ e n 6 e j c ^ 1 0 u Ihm schließt sich eu»e Würdigung der G r o ß e n Berliner K n n st . A u 2- HzJr ! 11 " 8 ?"•- ® 5 ,be Aussätze sind vorbildlich illustriert. Bon Interesse »st tm z,veiten Teil des Heftes der sehr »unsanq- Aufsatz ^Krieqergrabmale»,,ldKrieger- .5 ?on Dr. K. Sto»ck, für den die Wanderaiisstetluna der Stadt. Kunsthalle m Mannhein» das Material lieferte. Bor- WL ! “ C dle mannigfaltigsten Yonne.» der Krieqerehrungen in Gestalt von Einzelgrabern, Rethengräbern, Sedächtnismalen .'"Echseltt ab mit Kriegerdentnlälern und schon Em sehr hoch einz..schätze,»des Ber- dlenst dieses bebeutsa.nen Aiiisatzes liegt darin, daß er nicht mtv finh? UI K C 2 Ur b '5 ^rschiedensten Arten von Kriegergräbern gibt, inür ft auch dazu betragen ivird, die Errichtung geschn?ack- ^/^ ^opsimgen auf dleseiil Gebiete z»l verhindern. Schm» deshalb mutz man btcfein Hefte der „Kunst" die allergrößte Ber- b»e,tlnlg wünschen. - Neben ailberen Aufsätzen beS Heftes sei noch über e.nen sehr geschmackvollen Schulhansban, die Ober- hervmgehoben ^von dein Berliner Architekten Paul Mebes, «•«“T oj " Ereich den Krieg erlebt. Stünniung.z- ^ ^ encb >f ^uzostfchen Quellen. Herausgegeben von Rudolph und Dr. Erpe. Otto Neinnich Berlaa M'-nch«n, Pr«.r 1 rn. Au Hand „ 0 “ gut gno&.t %Zt mit *ufliMufi nU il lan4 ^1^" I 5eiU " ,9t " w'li fer «ertuffet da- mlit 9ebei r'- loaS ? ,e T>ani»sr>> -über imä denken und lueit libe» den Krieg hinaus beulen werden. c . oi~ qi o^'sichrift »D e r B ö l k e r k r i e 9 * (Herausgeber Dr E ^'daer, Verlag IulurS Hoff»naun, Stuttgart), ivelche tu ihren soeben «toKnen«. Vellen 85 »nd 86 eine anzfsch.liche Darstlllnna de" Snb«s r n.?r!, e ' äUt von Lndlln, Chol,» nnd be- scuders a.lch von Jwangorod u.td Warschau sührleii briuat und tgerbel Knegsbilder vorführt, die die Größe illld W.icht ,ei?er Ge- lüstfche^^b^ s^ mm dewußtsen» bringen, enthält eine ans sran- Michngz ^°"'"""de ergreifend« Schilderung des russischen "re. vierer- i.Ä.VailV’ütÄÄ,’; sebendige Vorstellung von de,l russische,» Massen- /n '^ ^5 ^^^lt man a»ts einer tu der neuesten Nummer 3313 (Kr.egsninnmer 104) der Leipziger .J l lustrier t e n Z e l k >i n g (Verlag I. I. Weber) doppelseitig iviedergeaebe»,eu Zeichininq Kurt Albrecht«, die die vergebliche« Vorstöße sibirischer Neglineii,er gegen die deutsche Front in Litatien zivischen 2vischn ein- vom ÄM'« am 7 Juli zeigt. Eine Reihe 1elleVor Anf^h>ue.i ln LJ l d,tu ^"eqsschauplntz bringt uns »». a. die charakter,,' i che Lanbschau und Beoölkerung in nub bei P ,.,§1 »»ähe^ Ueber do- erstatte."^^'?" bisherigen Verlaiis gibt der Kriegsbericht- §berlent.»a..t Walter Oertel einen sachlu.ibigen Ueberbsick In d.e K^'pse um Verdun läßt uns die packende Keich.u ö gP ^eufmimf am Vaurbera" von Martin Frost eine., Btick^ tun^ Mallscha^no^M^' Bnlchoole in Westflandern iiihri Erich r!ache. an-i Sn^rol ?u“bet{ ^S-'»."-g°bie, dehandell Rndoll ^ ,? ilLVJ V Z ' (u ft ri.rt - Z° itnng, H-st So., Zofntgen, Preis 25 Pfg., bringt •yeiingSanftalt Ringier L ^ vlcls ao 0VWflt r I n!r" ; ri7 e, n '»»stnerien Aussatz- jum j. Aug! >91«, der (8,Inriu °S- ! !!r)0 " 1 ® t c i fle getraoen ist. Bilder ans der Somme- v MV vliua Ulb 06 t 'D 0 >n»ne- ^ngen/t«n°l'U>,dlick in di- Furchtbarkeit diese, Girfzcncr Hausfrauen-Berein. W o ch c ,r K u ch e u z e t t c l. Sonntag: Fleischbrühe mit Nudeln, Schiveinebraden «cif Erbsen und gelben Rüben. Rote Griihe w m V fl 9 r : ^lMnnisbl erstt^ mit Griesiktößchen, auch als Nachttsch zu geben, BlumenDhlanflauf. Knrtvffeln D lens tag: Gemüsesuppe, Bntternrilchspcisc. ! mit frf!,el ® lT ' V ' ^'«'Neisch « ZwiZMÄdstsDL) ^^'che Mschsuppe mit *ü»n **), Bllannnniu',^,^^ ww frif ^ n 3n_mtn Erbsen, Grichklöb- n.it — § 1 a 0>Würfetsnppe, Klops vtm Hackfleisch, Kartoffelbvei. ^artoffel-Gurkengericht: Warme KartoffeEckc.'.i-. ben rverden mit feingeschnitteneu Gurken, »vorher nnt etrvas Salr ^itreilt und einer einfachen Salaktnnkc vermischt, der etwas saurer a , f’ 9 - 3^1' Schnittlauch Zwiebel« zugesedt wird. ^ r>r»es»,che Fischsuppe: 1»/»—2 Pfund Sckellsisck» werdwl gekocht n»rd entgratet. Die Fisck>abfälle, wie Haut Gräten und Kopf (uwraus die Augen entfernt), in das Fischwasser zurück- suppen kraut, Zwiebeln. Pfefferkörnern, 4*^,, W ' UU ^ a I e .® uc stunde vor de», Anrichten die Brnh. durch ern ^ueb geben, eene dickliche Mehlschnntze damit an- Wochen" Das wie Kartoffeln darin gar %sm. 's sfÄUtt -x "teÄÄffi - *■ «">»-»-» «»* »»£" n, müw ?nit ro i/ 9 «Umh * f - u p »ti Tas ?ri,ch«ocknoaiser und G^ wl'I , "i 1 ■ > ru,tb «ngewel-bten grünen Erbsen. -/.Tasse mL ^ a r l Rüben, «ei» geschnitten. Mb,>cht Tte- selben kNtckiklbße ivie oben angegeben. Fischsuppe:'Das Fisch5ochwasser der am unto *^Neneu SchAlnfckinalstzeit wird mit den Mfälleu Gewillten durch eul L>»eb gegeben, mit feinem G'l-?ü sl« S&S.WX SÄft-Ä & 2 ” *.W e G i sch suppe: Eine Mehlschnütze rübrt mau F»,chkoch»vaner. ,vorin man l Tasse Klabb.m ' Ä.'.?! karger" Küse^und fZTmtft* W ** xiUS >'"- ®- ® aI *' M.S- 9t6tt ;’_ (rt a!te Mefc S-lppen tarnt man efiuaä roh geriefelt« Karchffeln -il-IIL korben sind die Fischsuppen sehr beliebt, während nvan Evor dein RcMlen erschrickt Wer der« Bersuck» wagt,^a.mt nber d»e ivohlsch,neckende sättigende Mahlzeit ^ oÄ'Tl“' ff ä Vulverd fW ' 11,10 bjrut ’ ct Pi-dding ritte« Äantste «Eng- Alle Gerichte sind für 5-6 Personen berechttet. Geographisches verschiedrStfel. Spattieu - Bttlgarteu - Dresden — Krems - Siulioar, - ^ Böhme» — Wie». Borstebettd« Nauteu solle» derart »uiereitiauder aeschobe» werde», da« eine AuchNabkureihe. v°» oben „ach unket, a?!°Iem den Nanreil eu.es Gebirges ergibt. ^ gkieie»», (dluflösung in nächster Nummer.) Auslosung der Cka,-Ausgabe in voriger Nummerr Abkurzmt^.'t tr - Treff. - Pique, « '= Coeur, rar - Carreau trB = Zreff-Bube, pA = Pique-Ab, cD = Coeur-Taute u,w. 3* 1 ’ St “ 1 ^kgeu pk und p9. Borhattd Hai: carB, P D, p 8 verläuft C9 ' c8 ’ CltK ' CftrD ’ Hutlerhaud den Rest. Da« Spul 1. V. cK M. cA ö. cB = — 17 , 2. H. trZ V. carß Dt. trA = — 23. 3. B. carK M. carA H. car7. Gaetalötmu«» mn^v'--- an der Reihe, bis er einu.a, doch mlt . s. M. C 7 ft trK B. ov — — 4 rt 10 - V. cZ M. cD H rrl) = — 16 Ate Gegirer erhielten somit 60 Augen.