Schicksale. Nom an von Heinrich Kornfeld (Nachdruck verboten.) (Amerikanisches Copyright by (Earl Duncker 1914 > (Fortsetzung.) „Teuerster Alphonse - verschwenden Sie Ihre Bosheiten an Leuten, die dafür das richtige Verständnis be- sitzen.^Ich gehöre nicht dazu. Ich streike überhaupt Wenn Sie sich nicht selbst ans den Namen des Sch,lasses besinnen können mir schließlich kann es ja ganz egal sein. Wozu wollen Sie das überhaupt wissen, Alphonse. Das ist doch eine Marotte t»on Ihnen — eine brotlose Kunst eine Spielerei." „Meinen Sie?". . . versetzte Alphonse de Marsillargues kühl und uiie beiläufig. Dann erhob er sich, reckte sich ein wenig und kam langsain znm Tisch heran. Cr trug einen Anzug ans Rohseide. Cr war wieder mal korrekt bis auf den Kragenknopf. Er lächelte ein wenig nach seiner schwer zu deutenden Manier, während er fortsuhr: „Meinen Sie wirklich, bester Doktor, daß ich Sie und mich' hier so intensiv einer Spielerei ivegen anspanne?" „Aber es ist doch nur eine Spielerei!" Da gruben sich Alphonses ^lugeit in die seines Kumpanen Und in seine Stimme kam härtbar eine leise scharfe Färbung, als er gedämpft versetzte: „Halten Sie mich tatsächlich für ein Kind, Doktor? Wenn ich Sie gebeten habe, mir aus einem dieser Lexika und Pandelten die Geschichte herauszusuchen, dann tat ich es in der Hoffnung, das; bei der Schilderung des mißglückten Attentats auch die Mittel genannt wären, mit denen es damals versucht worden ist/' „Und ivas versprechen Sie sich davon — selbst wenn ich die Schilderung dieses Attentates irgendwo in den Büchern entdecke und Ihnen vorlege?" Der Pariser Flaneur hatte beide Hände auf die Tischplatte gestemmt. Cr staiid jetzt seinem Vertrauten nur um halbe Armeslänge gegenüber. Er beugte sich etlvas vor. Er murmelte zwischen den Zähnen: „Haben Sie schon vergessen, lvas ich Ihnen vor vier Wochen sagte?" Der kleine korpulente Herr hatte sich in den Stuhl zurückgelehnt und hielt die Beine wellt vvn sich gestreckt. Er wischte sich schon gar nicht mehr den Schweiß von der Stirn; es hatte ja doch keinen Zweck Crfc wiederholte phlegmatisch und schläfrig: „Was Sie mir vor vier Wochen gesagt haben, Alphonse?" „An dem Tage meiner Rückkehr von St. Chamant, als wir drüben in meinem Acbeitsziminer in der Fensternische standen und bevor Sie fortstürmten, Margueride zu mir zu schicken — grinnern Sie sich, Doktor, lvas ich Ihnen damals sagtet" Unter den kalt beobachtenden Augen seines Gegenüber fühlte sich der kleine Herr sichtlich unbehaglich. Cr richtete sich aus feiner laschen halbliegenden Stellung wieder hoch und schüttelte energisch den Kopf. „Sie sagten nnr damals gar nichts, Alphonse." „Wirklich nicht, Doktor?" „Wirtlich nicht, lieber Alphonse. Sie ergingen sich in ganz atlgemeineu Redewendungen. Sie erwähnten etwas von irgelideinem deutschen Armee-Oberkommando, das auf St. Chamant einquartiert sei. Und deuteten an, die einzige. Möglichkeit, der französischen Baissespekulation das Wasser abzugraben und uns — das heißt Ihnen und mir und noch den paar Leuten unseres Kreises, die wir von der Börse leben - - lvieder festen Boden unter den Mißen zusammenzuscharren . die einzige Möglichkeit läge darin, irgendeinen .Hauptschlag gegen dieses deutsche Armee-Ob!ern kommando zu führen." „Na also, Doktor — Sie haben doch ein ganz verläßliches Gedächtnis." „Allerdings, oder ineinten Sie, Sie hätten Ihre Worte in den Wind "gesprochen? Natürlich habe ich sie behalten Versteht sich doch von selbst. Sie sind doch gewissermaßen unser stillschweigend anerkannter Führer. Sie sind doch in derselben scheußlichen Sitnativli, wie wir alle — die wir aus dem fortwährenden Auf uub Meder der Börse unsere Existenzmittel ziehen. Also wenn Sie mir etwas auseinandersetzen — den Teufel auch, Mphonse, denn ver- gess' ich das doch nicht?" Alphonse de Marsillargues löste die Hand von dev Tischplatte zog ein goldenes Etui hervor und zündete sich eine Zigarette an. Ganz kühl und gleichsgiiltig tat er das — mit einer so ehernen gelassenen Belanglosigkeit in Blick und Bewegung, daß er dem kleinen cholerischen Herrn umvillkürlich damit seine Selbstjicherheit zurückgab. „Also wenn Ihr Gedächtnis wirklich untadelig ist, lieber Doktor — desto schlechter sieht es danach mit Ihrer Kombinationsgabe aus." „Mit meiner Kombinationsgabe? ... A propos. Alphonse, stiften Sie mir auch eine Zigarette. Danke und ja — lote meinen Sie das — mit meiner Kolm binatwnsgabe?" „Mit Ihrer Fähigkeit, aus Handlungen, die Sie selbst begehen oder zu denen ich Sie veranlasse, die naheliegenden Schlüsse 511 ziehen." „Keine 2lhnung, Alphonse." „Helas — damals erzählte ich Ihnen von meinem Plan, gegen das deutsche Armee-Obevk'ommando in St Chamant einen Hauptschlag zu führen - und jetzt haben Sie eine Stunde oamit zugebracht, hier vergebens die Darstellung eines geschichtlichen Attentates aus dem Jahre 1814 aus diesen Büchern herauszufuchen. Und wenn Sie dazwischen nicht den selbstverständlick>en Iusammerchang finden, so fehlt Ihnen eben das. ivas ich Komb-inatwnsgavo nenne." 370 „Und sie fehlt mir noch-nicht, Alphonse!" - Damit schob der Doktor Paul Darragon ruckhast seinen Stuhl zurück und erhob sich und verlor die Farbe und seine Stimme sank bis zu einem ranhien Mistern. Und sic fehlt mir doch nicht - diese Kombinations- ge.be! Jetzt versteh' ich Sie. Alphonse — Sie sind ein brillanter Gesellschafter und ein reizender Kerl, aber Sie sind ein verteufelt scharfer Kavalier!" Drüben die schmalen Lippen verzogen sich zu einer selt- sauren Bewegung. „Nicht doch, Teuerster." „§ie sind ein verteufelt scharfer Kavalier." „Sie sind exaltiert, inein Lieber." „Das nennen Sie exastiert, Älphonse? Für jeden, der nicht gerade Nerven von Stahldraht hat, ist das eine Un- heimliche Geschichte, eine grauenhafte Geschichte, Alphonse!" „Unheimlich — möglich. Grauenhaft — nicht sonderlich. Auf jeden Fall aber sehrzweckentsprechend, 4ostor. Gelingt mir der Wan, so dürfen i^tc versichert sein, daß sich hinsichtlich der Stimmung in Frankreich ein sofortiger radikaler Umschlag geltend machen lvird. Nicht nur hinsichtlich der Stimmung im Volke, sondern auch hinsichtlich des Zutrauens in imseren Schützengräben, hinsichtlich der $¥* tiousfreudigleit unserer Generale. Und das ist es ja gerade, was uns bis heute fehlt und was die Sachlage mit einem Schlage ändern wird. Wißen aber unsere -Generale erst die Truppen aus den Schützengräben heraus und führen sie nach altfranzöisischier Art mit gefälltem! Bajonett zum Sturm, so jagen wir die Deutschen über bcu Rhein zurück. Und die Baissespekulation an den französischen Börsen hat ausgelebt. Hat ausgclebt, um uns Platz zu machen, damit ivir die goldenen Berge endlich zusamincnscharren, die wir für unsere Existenz brauchen .. mag also mein Plan meinet- wegen grauenhaft und unheimlich sein, er wird von weiter- tragender Bedeutung werden, als Sie int Augenblick abzn- schätzen vermögen." „Und dazu brauchen Sie mich? Dazil soll ich Ihnen als .Helfershelfer die .Hand bieten?"... stieß der Doktor Darra- gou hervor. „Möglich — wenn ich Sie brauche...." „Dann weigere ich mich, Mphonse de Marsiltargucs." „Ich versiehe Sie nicht, bester Doktor." „Dann weigere ich mich, Alphonse - ich wiederhole es Jh-ilen noch einmal. Ich habe nicht Ihre Nerven, ich habe nicht Ihre scharfzugreifende Gewissenlosigkeit — ich wurde euifach vorher znsammenklappen und Ihnen damit altes zunicche machen." „Jetzt reden Sie Torheiten, Verehrtester." Der kleine bewegliche Herr zerrte verzweifelt an seinem Spitzbart. Er hatte ganz große runde Augen, als süße ihm eure grauenhafte Angst im Nacken. Er schleuderte die Worte förmlich hervor. „Alphonse — nicht jeder ist eine solche Gewaltnatur wie Sre. oie sind verbittert, Sie sind enttäuscht, Sie sind aufgeregt ourch manche^ Einzelheiten uut> Episoden Ihres LeveusMurch manche sehlgegangenen Hoffnungen und Ent- würfe. ^re sind ein Mann ohne Gewisjeu geworden Sie find eine Brigmlteuuatur großen Stils. Ein geborener Führer. Unter diefem Gesichtspunkt kann ich Sie nicht nur verstehen, fondern da bewundere ich Sie sogar und da imponieren Sie mir. Sie kennen keine Hindernisse, ondern gehen mitten durch; uiid sagen sich einfach: — wer nicht für mich Ist, der ist wider mich! J-n Ihnen steckt das gefährliche dianbtter mrt stniem brutalen Egoismus. Aber aber " ^ mir steckt einfach ein nüchtern denkender Mensch, DoUor. ^ch sage mir — Sie und ich und die paar andern, u- ff U1 l|. gehören — wir sind wie eine Horde schisf- die sich auf einem leckeil Floß irgendwo Weltmeer zujammendrangen. Wir leben von der Börse' wir wb-,, vom geldwsternen blöde» Philistertum. Wir sind Außenseiter der gute» Gesellschaft, s» sehr wir auch dem Anschein nach mitten in ihr leben. Wir sind Wegelagerer mi Mact und tragen ganz einfach jetzt — weil zeitgemäß — dw Mavke eines radikalen Nationalismus. Im übriaea K"' Toktorchen, kampsen ivir heute verzweifelt um unser nrrn£ U - g£ 't e, r!r rt b,e ^ geschäftliche Depression, diese allgemcme trostlose Entmutigung noch länger au, so liegen TrniTL» a %* derStraße. Damit ist dann das bißL Firnis zum Teufel, unter dem wir unser wahres Gesicht und unser wahres Herz verstecken. Und dann gibts kein Hochkommen mehr. Dann sind wir alle endgültig abgetan und erledigt -- wir, die Führer der radikal-nationalistischen Partei, die ja, nebenbei bemerkt, sich überhänpt nur ans uns paar Leuten zNsammcnsetzt." Das Letzte in einem so aufreizend blutigen Hohn, daß denr kleinen Doktor jählings wieder das Blut ins Gesicht schoß. Mer er lvußte nichts zu erwidern, er starrte den andern nur wortlos an. Der aber ergänzte: „So stehen die Dinge. Wir paar Leute ringen gegen den materiellen Zusammenbruch: wir fühlen und sehen, wie uns oie Planken unter den Füßen wegsplittern. Unser Egoismus, unser elementarster Selbsterhaltunastrieb drängt uns förmlich zu einer befreienden Tat, mit der wir die Skim- nrNng des Landes und das darniederliegende Börsenleben , wieder heben. „Und da kommen Sie plötzlich mit philiströsen Be- drnkeu! Da werden Sie plötzlich sentimental und philau- thropisch! Da entdecken Sie den Torso Ihres Gewissens und wollen mich feige im Stich lassen. Ich aber kann meinen Wan mcht allem ansführen, ich brauch einen Helfer —> euten Manschen, auf den ich mich blindlings verlassen kann — ich brauch einen Mann, Doktor." „Wählen Sie irgendeinen andern unserer Partei, Alphonse." ' * ' „Ich wähle Sie, Paul Darragon." „Wählen Sie einen andern, Alphonse de Marsillargnes." „Ich wähle Sie, Paul Darragon, weil in der Partei kemer ist, der mir so uahefteht und mit dem ich mich so lauge und so genau kenne als gerade mit Ihnen." „Und wenn ichs doch nicht tue, Mphonse^" Da schob der Pariser Flaneur nachlässig die Schultern hoch. Eine kaum merkliche Bewegung. „Daun gehen Sie eben vor die Hunde, mein Lieber. Machen Sie mir doch nichts vor - wie die Verhältnisse heut liegen, stehen und fallen Sie mit mir. Wenn ich stürze, reiß ich Sie sowieso mit iu den Abgrund. Und wenn ich durch imfmi Plan meinen Platz behaupte — trotzdem Sie mir die Gefolgschaft versagt haben, dam, werden Sie durch Ihr Verschulden allein iu den Abgrund stürzen ich aber'werde nicht die Hand rühren, Sie zu retten. Wählen Sie also. Entscheiden Sie. Nicht heute, wo Sie leine Direktion im Leibe staben, wo Ihre rebellierenden Nerven Ihnen den klaren Blick schwächen, wo ^ie - mit hinein Wort gesprochen — nicht ganz auf der Höhe sind. „Pariser Sommernächte - - auch in Kriegszeiten — jtrib lang und schlaflos. Sie haben also Zeit, zu überlegen, abzuwägen, Doktor. Kommen Sie morgen wieder. Meinetwegen um oieselbe Zeit. Ich werde Sie erwarten." _ w ^ cr kleine Herr wagte keinen Widerspruch. Er band sich Schlips und Kragen um, zog sich Weste und Jackett an, griff nach L-tock und Strohhnt. In der Tür wandte er sich noch einmal zurück. Seine großen, sonst so unruhig sprühenden Augen tasteten sich verstört durch das Zimmer, blieben an Mphonse de Marsi- largues haften. . ' , 0 greianam als Antwort drüben vom Schreibtisch her die kühle, überlegen gelassene Stimme des andern: „Paul Darragon - - Mann mit dem sensitiven Herzen " V f l V lt1 İ- no ^ , $; unb ^jährlich, mich zum Feinde zu haben. dcoch bin ich Ihr freund. Sorgen Sie, daß ich es bleiben kann. Und nun gehen Sie. Ans morgen." * nefellfchasterm und Vertraute. . mit diesen beiden Worten hatte damals die junge Marquise von St. Ehamant den zukünftigen Wirkungskreis ihrer neuen jungen Hans- genossm belchrieben. r; 1 ! 11 !t ltnubc ganz anders. Ganz anders, als gcdicht ^ C ^st^vßherrln, als es sich Margncrite Barrel Am dritten Tage ihrer Anwesenheit im Schloß erhob sich in früher Morgcnflnnde aus Treppen und Muren, in Vorzimmern und Entrechambres nnerklärlick-ie Unruhe Das war ein Hin-und Herhasten, ein Treppen-Hinans und .Herunterjagen, em unerklärliches Stimmengewirr So seltsam, daß Margnerite Varrel — trotz der kurzen 8Ä l Jp* § iei ^ etug doch schon mit den Gewohnheiten der Schtoßbewohner pertraiit - sich erhob und hastig ankleidete trttluf) lag für he gar kein Zwang dazu vor; sie hätte noch fast eine Stunde ruhen kchinen — aber es litt sie nicht langer in ihrem Zimmer. ' r (Fortsetzung folgt.) 371 Die yimmekflSte. Skizze von Karl Friedrich. (Nachdruck verboten.) Eigentlich hatte es sich das unscheinbare braune Ding mit den blanken Klappen, das aussah wie eine verpfuschte Spielzeuggranate Mit silbernen Verschnürungen, nie träumen lassen, daß es auch-ein- mül eine Geschichte haben lverde, aber von dein Tage an, wo sich ihr Schicksal mtit dem Hein Mogensens verband, trat auch die Himmelsflöte sozusagen in das große Wieltgefchvhien ein. Und das kam so: Hein Mogensen war der Dänielklaas der Kompagnie, ein hochaufgeschossener blonder Bursche mit roten Wangen, wasscrhellcn: Angen, gesunden Zähnen und einem Paar unwahrscheinlich großer Hände. Gr rvar schwerfällig in seinen Bewegungen und noch schwerfälliger in seinem Denken. Gr scheute sich vor keiner noch so groben und schmutzigen Arbeit, m: liebte er das Inst rnrnerit mlt cum inrngen Hingebung ru:d in seinen Träumen cr- schu-n setz^ zmoeilen eine wunderschörw Jungfrau, die ihn: aus goldener schale die Hrmmelsflöte darbrachte, die alles'Glück der Welt harstelleu sollte. Einmal entdeckte Hein Mogensen, daß er mittels der Flöte das Lj:rpen der Grillen nachahnren könne und er hatte seinen Spaß daran, dw Kameraden damit zu täuschen. Tie Himmelsslöte war seure ständige Begleiterin, sie rvurde mich, als es ihm gelang, eine Weise sauer Heimat daraus zu spielen, die Künderin seines trrrv- behutetei: Geheimnisses. Und es kam der Tag, an dem die Himrnelsslöte ihre Sendung ersitUte u^d all die Liebe vergalt, die Hein Mogensen ihr entgegen- vraclzte. Ter Gesrette rvurde mit einer Patrouille hinansgeschickt, die Stellung des Hemdes zu erkunden. Sie krochen durch verbranntes Gras und zerfetzte Weißdornbüsche bis zu einem Punkt, von dem aus sie die seindlicheu Gräben überschauen konnten. Nachdem sie ihre Ausgabe erfüllt hatten, machten sie sich ans den Rlchturrg ab, wo er Verdächtiges glaubte bemerkt zu haben, nVerfalles blieb ruhig. . 'Ter Patron illenführer und Hein Mogensen bissen die Zäbne fest auseinander, um sich nicht durch Stöhnen zu verraten, denn s:e lvarc.r beide getroffen- Ei,l roter Blutbach auoll dem Führer au.' dem Mrrnde, es wär, als wolle feilt junges Leben aus einmal in dieHnirre .Heide ausströmen. Hein'Mogensen aber .hatte nur I einen -Ltreisschuß erhalten und das batte er der Himmelsslöte zu ! Marken, die er unter seinem Waffenrock trug, just so, daß die toouche Kugel zroar durch sie hindurchfuhr, aber abgelentt rvurde und den Hein nur mit selber Kraft streifte. «. . Leiigsairp und rnit Aufbietung alt seiner Bärcukraft schleppte >^eiu ..cogenserr den Führer bis zu einer geschützten Stelle, weiter woll^er e. nicht rvagen, weil er Furcht hatte, der andere könne es n:mt langer arishalten. Aber auch den Kameraden dnüberr ein Zeichen zu machen. svagte er nicht, um nicht noch einmal den Ver- dacht^des Feindes zu wecken. In dieser Not siel ihm endlich ,'eirie Himmelsflöte ein. Beinahe hatte er einen Jauchzer ausgestoßen. Vorsichtig zog er sie unter deni Rock hervor, und jetzt sgh er erst, rvem er sein ^eben eigentlich zu danken liatte. Er drückte das zerschossene Instrument an die Livpert und krißte es und dachte dabei an die junge schöne Frau inkt der- goldenen Schale. Er-wollte ein paar Töne am der Flöte blasen, aber die Liist giug rasselnd durch ihren zerschellten Körp-er. ein kottrue^ ^c!,narren war von der ganzen Herrlichkeit übrig geblieben. Mogenseri läßt das Heimchen zirpen," sagten die Kame- raderr dvriber: in: Gi'aben nsch ruchtcn nach ihrn. Da stettke sich heraus, daß er noch nicht zurückgokehrt ivar. s. Himmelsslöte gab ihre letzte Kraft her. daun konnte tte emch das Zirpen nicht mehr bewältigen, aber sie lrattc .ihre Pflicht getan: nn schützenden Dunkel der Nacht rvurde Hein Mo- genscn und fern Führer geborgen. . 0 ' So glückliche Zeiten wie die mit seiner Himmels-flöte hät Hein ..logensen me wieder verlebt, aber lwm: er künftig witHcr rauchend/ ^.lnncr me sitzen ipftd. hat er zu Mb'r und Marsch noch eine Erinnerung: die singende, klingende Him- Vermischtes. , *c- 1l r e ü der den Krieg sag t. /Bor kurzen^, so weiß die Schützeugraberrzeltung .Le Poilu" zu erzählen, .erhielt der EHaussenr des Generals Joffre Urlartb rmd er rerstc sosou in fern bescherdeues peunatsdorf. Hier rvurde er mit große,,: I-.del und - wegen seiner Stellung ru Diensten dcs Generalissimus — "nt noch größerer Spannung- crnpsaugen. Zeder Dottdc.rohucr wollte mtt dem Letbchau feur des Generals Joffre ivrecheu und der gute Mann erlangte bald eine wahrhast deucideuo,verte Betts. knmachkeit. „He/ sraatc matt von allen Seiten, ..waö sagt denn ^ufftt, was ia.il cv über den Krieg?* - „O, nicht gerade sehr viel er hat. wie ihr ja wißt, die Gewohnheit, tiur selten zu sprechen * - »Na ja, aber immerhin, irgend etwas tnufj er doch cefaipt ha den ?* — „Nun, vor einigen Tagen, als er eben das Sluto beilveg, fragte er mich, ob es nur gut ginge und ob ich im Dienst zufviedett sei." — „Ist das alles, was er dir gesagt hat?" — ,'Lm. aaitevmnl meinte er, soweit ich mich jetzt daran erinnere: „Ach ja» mein Lieber, es ist eine harte Zeit." — „Uttb hat er denn niemals über den Krieg gesprochen?* — „Ueber den Krieg? . . . Höchst stlLrn. Doch, jetzt entsinne ich mich . . Am letzten Tage vor mein.Tr Abreise sagte er mir, als er vor seinem Wohnhaus im Hauptquartier ans dem Wagen stieg: „Nun, mein Lieber, weißt du v Reicht, wann dieser Krieg ein Ende nehmen wird?" — Die Dorfb Generals Joffre nicht sehr erbaut gewesen sein. *'Ifii Gemüj öau in jeder Werse zu fördenr, wird heute in Lllen deutschen Gauen als eine vaterläickisiche Pflicht erachtet. Diese auf Ausnutzung jedes geeigneten freien Stück Landes gerichte- re.r Bestrebungen werden von den Reaierimgen, den Gemeinde- und StaLlveiivaltimgen, Garten- und Obstbauvereinen überall tatkräftig unterstützt, und der Garteninspektor a. D. Fr. Winkler in HeÄÄberg ist durch eben diese Bentühungen zu einer kulturgeschicht- liä)eLi Skizze angeregt worden, die er'in der illustrierten Zeitschrift „UeLcr Laich und Meer" (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart- unter dein Titel: Die Heimat unserer Kßckengewächse und ihre Geschichte veröffentlicht hat. MaS in dem Aufsatz über die Zwiebelgewächse gesagt wird, iniag hier stepett. Sie zählen zu den ältesteck ZEückengewächsen, die die Alten in Pflege nahmen Herodol erzählt in seiner berühmten Geschichte dcjs Oneitts, daß nach einer erni yenreißelten Inschrift an den ägyptischen Pyramiden, während des Baues derselben, für die unter die Arbeiter verteilten Rettiche und Zwiebeln 1600 Taleitte Silber (über 7 Millionen Mark) verausgabt iwrden seien. So allgemein beliebt der Genuß der Zwiebelgewächse vnfangH war, so verachtet wurde er mit steigender Bildung und Milderung der alten rohen Sitten Niceratus erzählt über den fortab verpönten Zwiel>elgenuß verschiedene launige Geschichten, wie zuM Beisoiel, datz die ungetreue Frau und der ungetreue Ehemann beim Nach hauseLom men Zwiebeln kauten, um sich so gegenseitig über ehelichen Treue zu versichern, denn eine nach Zwiebel riechende Frau oder Ntann hätte ja, wie sie schlau kalkulierten, jtt>es gemieden. Die Germanen erhielten die Ziviebel von Italien, was aus dem italieni- lchen cipolla 'Hervorgeht, denn in manchen Gegenden ioird iwch Heute für die Zroiebel der Name Bolle gebraucht. Als Heimat der Zwiebel gilt das vordere Asien, von Palästina bis zum Indus. Eine verhältnismäßig noch sehr junge Einführung ist der Blumenkohl. Der gelehrte Reisende Prosper Alpinus sah ihn bereits 1850 in Aegypten, wo er schon häufig kultiviert wurde. ZuM erstenmal wird er in Deutschland aber im Jahr 1600 in einem von dem Italiener Mathioli in Frankfurt a. M. erschienenen Eränterbuch genannt. vlichertisch. — Gerhart Haupt man nt Der Narr in Christo E manuel Quint Roman. Volksausgabe. Geh. 3 Mk., gebd. 3 Mk. 7b Psg. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) — HauptmannS „Eutanuel Quint" ist seit seinem Erscheinen immer tiefer in das Beivußtsein des Volkes eingewachsen. Dieser Roman ist, nach sement inneren Wert und nach der Art seiner Wirktmg, ein Volks- bttch i mm soll er es auch noch werden, indem die nette, wohlfeile und trotz der Wohlfeilheit schütte Ausgabe, die der Verlag soeben darbietet, den weitesten Leserkreis suchen und sinden wird. In Etnanuel Quint ist ein Mensch unserer Zeit dargestellt, der anfänglich nicht sowohl eilte Nachfolge Christi, als beinahe eine Wieder- holttng ztt bedeuten scheint. Beivundett man schon, tvie dieses Theuta aut die natürlichste, jeder Prüfung der Realität stand- baltende Weise ausgeführt tvird, so steigert sich die Anteilnahnte darubet lueit Hinaus, als das Schicksal QuintS sich immer selbst- statldiger und eigentüntlicher entfesselt. Wie Quint erst von seiner mehr oder minder leichtgläubigen, tttehr oder minder tiesgläubigett Untgebuttg für Christtts gehaltett wird, wie er selbst sich ztt diesem Glauben entzückt, anfänglich im Symbol und schließlich tatsächlich: das heißt also: wie eine subjektive Wahrheit ztt einer objektiven Lüge wird, das ist mit einer Darstellungskrast, die sich ihres Reichtums mit höchster Ueberlegung bedieitt, gattz und gar durchgesührt. Detttt es ist im Sinne der Worte Christi tvahr, daß Quittt der wiedergeborene Christtts ist, tveil er nichts aitderes sei.t ivill als der im Geiste Wiedergeborene. Nur indeitt die Umwelt nicht attders kamt, als die religiöse Wahrheit, die geistige, zt, einer sozialen, zu euter leiblichen uittdettten, ntacht sie sie zu einer Lüge; tmd indem sie dattit tnit ihrer kurzsinnigen und ungedttldigen Entschlossettheit diese verwirft, vertvirft sie auch jene. So wird atis deitt Heiligen der Wahttsnmige, und der Wahnsinnige geht, aber mit innerer Sieghastigkeit, unter. In „Etnannel Qniitt" ist jedoch noch »nehr als das Problem eines Charakters, einer religiösen Bewegtmg; der Roman hat die Breite und Fülle eines Epos. Menscheit, Land schäften, soziale Verhältttisse, die Regtmgen der Massenseele, da? halb physische Seelengespinst deS Entzelnen, dieses alles spinnt sich, ohne daß es je zttr Episode würde, zu einem großen Lebens- und Zeitgebilde zusatttntett. Der Reichtum an Wirklichkeit, die Treue und Klarheit des BlickeS, die Festigkeit und Ztvecksicherheit der Komposition siitd wahrhaft meisterlich. ES ist Brot in dem Buch, und darum muß eS ein Volksbuch werden. - Heft 4 des „Wieland" (II. Jahrgang) bringt ein farbiges Titelblatt von Brtmo Paul, Schwarztveiß-Arbeiten von Otto Schoss, See wald, Herittann G e h r i und Walter Buhe. Ferner hat R. O r l i k den Aufsatz: „Kanton* von Friedrich PerzynSki mit interessanten farbigen und Schwarzweiß- Zeichnungen illustriert. Der künstlerische Teil schließt mit einer farbigen Zeichnung politischen Jtthalts von E. Schilling. Der literarische Teil beginnt mit dem Gedickt: „An meinen toten Sohn* von Hermann S1 e h r tmd bringt die Novelle: „Flüg durch die Nacht" von H. Lucka, die Skizze: „Peter TaddäuS' jüngste« Gericht* von Hertha T r i e p e l und den Aufsatz : „Mein alter Lehrer" von L. von MendelSsohn-Bartholdy. Ferner enthält das Heft einen Artikel über: ,Künstlerische Packungen" von Otto Zoff, der mit charakteristischen Abbildungen auS der modernen künstlerischen Reklame geschmückt ist, und schließt mit den Glossen: „Nagelung*, „Die Bautätigkeit im Kriege" und Erinnerung an Antwerpen*. Preis deS inhaltsreichen Helles Mk. 1.—. (Wieland- Verlag, Berlin W. 9, Lennöstraße. — Paul Münch: „Neue Sache for zu lache* (Ladenpreis Mk. 1.—). Verlag der K. B. Hofbttchhandlung von Eugen Crusius, Kaiserslatttern. Der Verfasser ist vielen Lesern kein Fremder mehr. Seiner „Pälzisch Weltgejchicht", von der vor kurzem daS 31.—25. Tausend erschien, war ein ungeahitter Erfolg be- schiedsn. Sie eroberte sich im Fluae viele Tausende von Lesern nicht bloß in der Pfalz, soitdern im übrigen Deutschland. In dem neuen schmucken Büchlettr hat der Verfasser in herzerfrettendem Humor und übermütiger Ersindungslaune den hervorragendett Anteil der Pfälzer am Weltkriege in köstlichen Versen geschildert Die Kapitel: - um nur wenige aus dem Inhalt herauszuziehen - „Die Lothringer Schlacht", „De Helffertch", „Der Hmtgerkrieg*, „Die Pälzer Wertshausstratege", „De Pälzer Salpeter* sind Kabittettstücke goldenen HumorS und heiterer Laune. - „Die Weltliteratur", jeden SantStag emen der besten Romane und Novellen aller Zelten und Völker zum Preise von 10 Psg. enthaltettd, bringt in ihrer neuesten Nummer 30 von Andersen Die Galoschen des Glücks und die kleine Seejungser mit Bildern von Walo von May. Verlag der „Weltliteratur", München 2, Färbergraben 24. — Die Schweizer Illustrierte Zeitttng, Verlagsanstalt Ringier & Co., Zosingen. Einzelpreis 25 Psg., verdient tu ihrer neuesten Nummer 30 besonderes Interesse, da sie von feindlicher Seite ans gesehett Photographien von der Schlacht an der Somme bringt. Außerdem enthält die Nummer tu a. Bilder von der österreichischen Marine Schach-Ausgabe. Schwarz. » b c d e f g h Weiß. Weiß setzt mit dem fünften Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Diamant Rätsels in vorige Nummer, W B i 1 Stern Wieland braun Enz d Sckfistleituna: Aug. Goek. - RotatiottSdruck und Berlaa der Rrübl'ichen UniversitätS-Buck- und Steindruckerei. R. Lange, ©tabm.